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HipHop - eine Jugendpopkultur

Geschichtlicher Hintergrund, die Elemente und die Bedeutung als Popkultur

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 18 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die Geschichte des HipHop
2.1. Von ‘Old School’ und ‘New School’
2.2. Von ‘Westcoast Rap’ und ‘Native Tounge’
2.3. Die HipHop-Kultur in Deutschland

3. Die Elemente der HipHop-Kultur
3.1. Das Djing
3.2. Das Mcing
3.3. Breakdance
3.4. Graffiti

4. Die Bedeutung des HipHop als Teil der Jugendpopkultur
4.1. Eine Jugendkultur nicht nur für Schwarze
4.2. HipHop weltweit

5. Zusammenfassung

6. Literarturangaben

1. Einleitung

Als in den 70er Jahren in der New Yorker Bronx die Block Parties eines Grandmaster Flash oder Afrika Bambaataa gefeiert wurden, auf denen erstmals die Raps der Furious Five zu vernehmen und die unglaublichen Moves der B-Boys zu sehen waren, hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass jene stümperhaft organisierten Treffen und deren Teilnehmer je einen ganz eigenen Teil der populären Kultur hervorbringen sowie gestalten würden.

Im Laufe der letzten zwanzig Jahre wurde HipHop durch Gruppen wie die Fantastischen Vier, Fettes Brot, Eins Zwo, Freundeskreis oder die Fünf Sterne Deluxe selbst in Deutschland zur Populärmusik. Die meisten von ihnen schafften es bis an die Spitze der deutschen Charts. Darüber hinaus wurde der Sprechgesang in vielen verschiedenen Musikrichtungen aufgegriffen und eingearbeitet.

Aber nicht nur die Musik, sondern auch die Kleidung der frühen New Yorker Hinterhofkünstler schien sich in den Kreisen der Jugendlichen immer mehr durchzusetzen. So viele Jugendliche wie nie zuvor kleiden sich mit weiten Jeans und Pullovern, auf denen oftmals protzig wirkende Embleme und Schriftzüge ihrer Idole zu sehen sind. Noch interessanter ist es, dass ein vorerstes Ende der HipHop-Kultur noch lange nicht abzusehen ist.

HipHop stellt damit eines der deutlichsten Beispiele für die schnelle und umfangreiche Integration von Subkulturen in unser Gesellschaftssystem dar. In einem sehr kurzen zeitlichen Rahmen wurde die Musik des Untergrundes zur Populärmusik, Graffitis zum Lifestyle und die Kleidung der ‚Block Party-Künstler’ zu einem neuen Modetrend.

Im Folgenden möchte ich die geschichtlichen Hintergründe sowie die Bedeutung des HipHop als eine der Jugendpopkulturen unserer heutigen Zeit thematisieren.

Nach einem kleinen Exkurs in die Geschichte, die Veränderungen innerhalb der HipHop-Szene und der Erläuterung der Elemente dieser Jugendpopkultur, bleibt im Rückblick auf Entstehung und Verbreitung zu ergründen, wie und warum HipHop es vermochte, sich in so kurzer Zeit von der Hinterhofmusik zum kommerziellen Mainstream zu entwickeln und warum so viele Jugendliche weltweit diese Richtung als ihren Lebensstil annahmen.

2. Die Geschichte des HipHop

HipHop ist mehr als nur eine kurzlebige Unterhaltungsidee einiger New Yorker Rapper. Betrachtet man die Geschichte und den großen Raum, die jene Jugendkultur während der letzten Dekaden eingenommen hat, wird deutlich, dass es der HipHop des Untergrundes im Laufe weniger Jahre vermochte sich in das Leben vieler Jugendlicher zu spielen.

Um die HipHop-Kultur und deren Bedeutung als Jugendpopkultur auch nur ansatzweise richtig verstehen zu können, ist es zunächst einmal notwendig zu hinterfragen, wann und wo sie ihre Ursprünge fand und welche Elemente den Mitbegründern und den Teilnehmern der sogenannten „Block Parties“[1] wichtig waren. Seit dem Beginn, in frühen 70er Jahren, gab es immer wieder zahlreiche Veränderungen innerhalb der HipHop-Szene. Zu den verschiedenen Phasen innerhalb der HipHop-Kultur gehören die „Old School“, die „New School“, der „Westcoast-Rap“ sowie die „Native Tounges“.

2.1. Von ‚Old School’, und ,New School’

Zu den Vätern des New Yorker Bronx Old School HipHop, „der ersten, auch stilistisch abgrenzbaren Phase in der Geschichte der Rap-Musik“[2], gehörten namenhafte Größen wie Kool DJ Herc, Grandmaster Flash & The Furious Five und Afrika Bambaataa. Mit der ersten im Jahre 1979 veröffentlichten Rap-Schallplatte, „Rapper’s Delight“ von der Sugarhill Gang, kam die erste große Überraschung. Niemand hätte je gedacht, eine eigene Platte zu veröffentlichen[3]. Zuvor gab es lediglich einige wenige Kassetten, auf denen Live-Mitschnitte von Block-Parites zu hören waren.

Obwohl die Sugarhill Gang in der Szene unbekannt war und sie die meisten „Reime und Styles von [den] Furious Five und anderen geklaut“[4] hatten, verkaufte sich „Rapper’s Delight“ mehr als 2 Millionen mal, was eine Reihe von Plattenlabels auf die neue Musik aus der Bronx aufmerksam werden ließ.

Da die Variationsbreite der Beats während der Old School sehr eingeschränkt war, zweifelten zu Beginn der 80er Jahre viele ein langes Bestehen der Rapgesänge an. Doch ihre Zweifel sollten unbegründet bleiben.

Als zu jenem Zeitpunkt die ersten bezahlbaren digitalen Sampler auf den Markt kamen, konnten „die Visionen der ersten DJs auch im Tonstudio bei der Plattenproduktion“[5] umgesetzt werden. Der Sampler ist mit dem DJ gleichzusetzen; er isoliert und fügt einzelne Ausschnitte aneinander. Großer Vorteil der Sampler war jedoch, die Möglichkeit synthetische Beats wegzulassen und komplexe Drum Loops von unter anderem alten Funk Platten zu samplen. Somit waren die Tage der Old School gezählt und die New School hielt Einzug.

Mit den ersten Erfolgen von Run DMC lässt sich die eigentliche Erfolgsstory des HipHop festmachen. Durch Public Enemy, die Beastie Boys, LL Cool J. und viele andere wurden Mitte der 80er Jahre schließlich auch weiße Jugendliche auf die flotten Ghetto-Beats der Bronx aufmerksam[6].

2.2. Von „Westcoast Rap“ und „Native Tounge“

Während die Old und New School ein weitgehend von der Ostküste geprägtes Phänomen blieben, fing es in den Ghettos Los Angeles – wenn auch erst nach der Veröffentlichung von „Rapper’s Delight“ – an zu brodeln.

Der sich an der Westküste der USA entwickelnde Westcoast Rap wurde vor allem durch das gewalttätige und brutale Leben in den Ghettos geprägt, welches sich auch in den Texten vieler Rapper widerspiegelte. „Vor dem Hintergrund der sozialen Bedingungen in Los Angeles entwickelte sich dort fast gleichzeitig eine Richtung [...], die später als Gangsta Rap in die Geschichte eingehen sollte“[7].

Als Gegenbewegung zum von Gewalt begleiteten Westcoast Rap gab es Ende der 80er Jahre die Native Tounges. Charakteristisch für jene Bewegung waren die weiten, bunten Kleider sowie der Aufruf zu einem friedlichen Zusammenleben ohne Gewalt und Drogen. Gruppen, wie De la Soul wollten somit zu den eigentlichen Wurzeln des HipHop zurückfinden.[8]

In den 90er Jahren wurde HipHop schließlich zu einem bestimmten Genre der Pop-Musik erklärt. Gruppen wie der Wu Tang Clan, Coolio, Fugees, die Beastie Boys schafften es bis an die Spitze der amerikanischen Album-Charts.

Die Kommerzialisierungswelle hatte eingesetzt. Plattenbosse, die ein großes Geschäft witterten, versuchten von jenem Zeitpunkt an recht viele HipHop-Größen unter Vertrag zu bekommen. Heute ist HipHop in den USA eine milliardenschwere Industrie. Bemerkenswert ist jedoch, dass Rap immer noch stark im sozialen Milieu der ärmeren Vorstadtviertel verankert ist.[9] Dieser unterschiedliche Hintergrund der Musik stellt immer noch den größten Unterschied zum deutschen HipHop dar.

2.3. Die HipHop-Kultur in Deutschland

Die Geschichte von HipHop in Deutschland begann Mitte der 80er Jahre. Die Bewegung, die zuvor schon auf Block Parties in den Bronx pulsiert hatte, schwappte nach Jahren endlich über den Atlantik nach Europa.[10] Über Nacht wurden unzählige Jugendliche zu HipHops, hörten mit einem mal Grandmaster Flash, besprühten kahle Großstadtwände mit Graffitis und redeten fortwährend nur noch über HipHop. Die 1983 in den USA entstandenen Dokumentationsfilme Wild Style und Style Wars begeisterten eine Vielzahl von Kids und riefen sie zur Nachfolge auf.

Doch so schnell die Begeisterung für Breakdance um sich gegriffen hatte, so schnell war sie auch wieder verschwunden. Auch das Interesse für Rap wurde weniger. Nur Graffiti schien weiterhin auf dem Vormarsch zu sein. Als die große Breakdance-Mode ihr Zeitliches gesegnet hatte, gab es nur noch wenige, für die HipHop mehr „als nur ein flüchtiges Hurra-Gefühl“[11] war. Von so manchem treuen Anhänger wurde HipHop zur Berufung, Philosophie und Religion erklärt.

[...]


[1] Niemczyk, Ralf, Sascha Verlan. HipHop XXL. Fette Reime und fette Beats in Deutschland.

Schlüchtern: Rockbuchverlag 2001. S.10.

[2] Ebd. S.12.

[3] Vgl. Ebd. S.10.

[4] Ebd. S.10.

[5] Niemczyk/Verlan. HipHop XXL. S.12.

[6] Vgl. Ebd. S. 12.

[7] Mikos, Lothar: Vergnügen und Widerstand. Aneignungsformen von HipHop und Gangsta Rap.

Köln: Herberg von Halem Verlag 2000. S.107-108.

[8] Vgl. Niemczyk/Verlan. HipHop XXL. S.12.

[9] Vgl. Hannes Loh, Sascha Verlan. In: HipHop. Sprechgesang: Raplyriker und Reimkrieger.

Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr 2000. S.22.

[10] Vgl. Ebd. S. 26.

[11] Ebd. S.26.

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640165926
ISBN (Buch)
9783640522675
Dateigröße
869 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115294
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Schlagworte
HipHop Jugendpopkultur Geschichtlicher Hintergrund Elemente Bedeutung Popkultur Jugendpopkulturen

Autor

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