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Die Niederdeutsche Literatur im Zeitalter des Barock

Seminararbeit 2004 16 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Epoche des Barock (Tessa Bremenkamp)
2.1. Der Begriff des Barock
2.2. Der historisch-politische Hintergrund
2.3. Das Lebensgefühl zu Zeiten des Barock
2.4. Die Grundmerkmale der Literaturepoche und ihre Autoren

3. Die Besonderheiten der niederdeutsche Literatur des Barock (Ulrike Miske)
3.1. Die literarischen Gattungen und Genres
3.2. Die Raum-Zeitübersicht
3.3. Die drei Strömungen

4. Beispiele niederdeutscher Literatur des Barock (Ulrike Gerke)
4.1. Ein Bauernspottvers
4.2. Der Buren freund
4.3. Zu anderen Gelegenheitsdichtungen
4.4. Ein Scherzgedicht

5. Literaturangaben

1. Einleitung

Die Niederdeutsche Literatur des Barock (1600-1740) ist eine noch nicht sehr umfangreich erforschte Literaturepoche. Ehrlich gesagt haben sich seit Aloysia Rettler und Wolfgang Stammler kaum Literaturwissenschaftler mit dieser Literaturepoche des Niederdeutschen beschäftigt. Daher bilden „Die Geschichte der niederdeutschen Literatur“ von Wolfgang Stammler und „Die Niederdeutsche Literatur im Zeitalter des Barock“ von Aloysia Rettler auch die Grundlage unserer hier folgenden Arbeit zur niederdeutschen Literatur des Barocks.

Zum einen stellte sich die Frage, welche Merkmale und Besonderheiten die Literaturepoche des Barock ausmachen. Darüber hinaus wählten wir einige Literaturbeispiele dieser Epoche aus, um anhand dieser einige Besonderheiten zu verdeutlichen.

2. Epoche des Niederdeutschen Barock

2.1. Der Begriff des Barock

„Barock“ ist ein Epochen- und Stilbegriff. In dieser Arbeit werden wir uns allerdings auf den Epochenbegriff beschränken, da wir uns mit der Literaturepoche und nicht mit dem Kunst- oder Musikstil beschäftigen. Herzuleiten ist der Begriff des Barock von dem portugiesischen Wort barroca, einem Fachwort von Juwelieren für eine Perle von schiefrunder und unregelmäßiger Form. Barroca wurde ursprünglich als Schimpfwort benutzt[1]. Eine zweite Herleitung erschließt sich aus dem französischen Begriff baroque, welcher mit Auswucherung oder Warze übersetzt werden kann[2]. Auffällig bei beiden Herleitungen ist, dass ihre Übersetzungen negativ sind. Dies deutet schon darauf hin, dass die Epoche des Barock eine von Gegensätzen geprägte Epoche ist, deren Schlagwörter Pessimismus und Vergänglichkeit sind. Hierauf wird im Abschnitt 2.3 näher eingegangen.

In der deutschen Literaturgeschichte hat sich Barock als Epochenbegriff für die Periode von 1600 bis etwa 1720 behauptet. Der Vorläufer des Barock war die Renaissance (ca. 1500-1600), deren Ideal die Wiedergeburt der Antike war. Nach der Epoche des Barock, um 1700 herum, begann in Deutschland das Zeitalter der Aufklärung, welches bis ca. 1800 andauerte und für ein „vernunftgemäßes Denken“[3] plädierte. Die einzelnen Epochen gingen fließend ineinander über.

2.2. Der Historisch-politische Hintergrund

Das 17. Jahrhundert ist ein Jahrhundert der Kriege gewesen. Das wohl bedeutendste Ereignis war der Dreißigjährige Krieg, welcher 1618 begann und erst 1648 endete. Ursachen dieses Krieges waren einerseits Religionskonflikte, die auf Konfessionsgegensätzen von Protestanten und Katholiken beruhten, andererseits Staatenkonflikte zwischen den verschiedenen Reichsständen, welche alle nach Macht strebten. Eigentlicher Auslöser dieses Krieges war der Prager Fenstersturz: Böhmische Protestanten warfen kaiserliche Gesandte aus einem Fenster des Hradschin, der Prager Burg. Während zunächst die Katholiken unter Kaiser Ferdinand II. und Herzog Maximilian I. von Bayern 1620 einen überragenden Sieg über die protestantischen Böhmen errangen, griff 1630 Schweden aufseiten der Protestanten erfolgreich in das Geschehen ein, da sich das protestantische Schweden durch das Vordringen des katholischen Kaisers bis an die Ostseeküste gefährdet sah. Der schwedische König fiel 1632 in der Schlacht bei Lützen, die schwedischen Truppen wurden aus Süddeutschland vertrieben. 1635 verzichtet Kaiser Ferdinand II. auf alle Restitutionen, indem er mit den Reichsständen den Frieden von Prag schloss. Beendet wurde der Krieg schließlich durch den Westfälischen Frieden, der in Münster und Osnabrück besiegelt wurde. Der Dreißigjährige Krieg hatte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation Spuren der Verwüstung hinterlassen. Die Bevölkerung ist um ein Drittel dezimiert worden, Deutschland glich einem Schlachtfeld[4].

Nach dem Krieg bauten dann die einzelnen Territorialfürsten ihre Macht gegenüber dem Reich aus und das Land zersplitterte in ca. 300 souveräne Teile. Der sogenannte Vielvölkerstaat entstand in Deutschland, und er fand erst durch die Reichsgründung 1870/ 1871 ein Ende. Deutschland bestand nun aus 300 kleinen Monarchien, alle unterschieden sich in ihren Amtssprachen, ihren Rechtssystemen sowie ihren Währungen. Eins hatten diese 300 souveränen Teile jedoch gemein: Während die Fürsten die gesamte Macht besaßen und prachtvoll leben konnten, waren die Völker rechtlos und lebten in Armut und Elend. Hierzu aber mehr unter 2.3.

Als letztes großes Ereignis des 17. Jahrhundert sollte noch erwähnt werden, dass Österreich zur Weltmacht aufgestiegen ist, als 1683 die Türken vor Wien zurückgeschlagen wurden.

2.3. Das Lebensgefühl zu Zeiten des Barock

Das Lebensgefühl war geprägt von scharfen Gegensätzen: So stand zum Beispiel die tiefe Religiosität der Katholiken einer Zerrissenheit des christlichen Glaubens gegenüber. Dies wird vor allem damit begründet, dass Erzherzog Ferdinand von Österreich die von Kaiser Matthias 1609 gewährte Religionsfreiheit widerrief[5]. Deutschland war in Katholiken und Protestanten aufgespalten, welches sich auch in der damaligen Literatur widerspiegelt. Die Katholiken hielten daran fest, ihre Texte weiterhin auf Latein zu verfassen, während die protestantischen Autoren auf Deutsch und zumeist in ihren Dialekten schrieben. Ende des 17. Jahrhunderts wurde dann die Bewegung des Pietismus populär[6]. Man ging davon aus, dass das wahre Christentum nur außerhalb der verfassten Kirche stattfinden konnte und so blieb man Gottesdiensten und Abendmahl fern.

Wie schon in 2.2 angesprochen, konzentrierte sich die Macht im Vielvölkerstaat an den Höfen. Demgegenüber stand Rechtlosigkeit für die Völker. Während sich die höfische Pracht durch den Absolutismus äußerte und den Fürsten ein Leben in Wohlstand gewährte, musste das Bürgertum in Elend und Not leben und auf jeglichen Luxus verzichten. An den Höfen wurden riesige Parkanlagen angelegt und kulturelles Leben genoss einen hohen Stellenwert. Die Bevölkerung hingegen lebte im Schmutz und konnte sich wegen der hohen Abgaben von den Erträgen ihrer Felder kaum selbst ernähren.

Der letzte wichtige Gegensatz, welcher die Epoche des Barock stark prägte, war die barocke Lebensfreude, die sich durch Dynamik, Kraft und Pathos auszeichnete und vor allem an den Höfen wiederzufinden war. Ihr gegenüber stand die starke Todesangst der Bevölkerung, welcher durch den Krieg und die zahlreichen Todesfälle bewusst wurde, dass der Tod allgegenwärtig war. Für das Bewusstsein der Epoche ist alles Irdische Schein und Trug, aber es wird nicht negiert, sondern gerade aufgrund der fehlenden Dauerhaftigkeit zum Objekt des gesteigerten Interesses. Das Volk aber war eher pessimistisch gestimmt, da es erkannte, dass es sein Leben lang in seinem Stand verharren würde und eine eigentliche Erlösung von seinen Leiden nur der Tod war. Deshalb ist auch die starke Jenseitshoffnung, die sich auch in der Literatur widerspiegelt, charakteristisch für diese Epoche. Das Schlagwort ist Vergänglichkeit, denn alles was die Menschen im Diesseits ersehnen (Liebe, Glück, Macht, etc.) ist vergänglich[7].

[...]


[1] Vgl. Marquis/ Stoyanoff-Odoy: Geschichte Grundwissen, Mentor Verlag GmbH. München 2001; S.110f. und

[1] Vgl. Encarta Enzyklopädie Plus 2000, Artikel Barock (Literatur). Microsoft Corporation 1993-1999

[2] Vgl. http://www.net-lexikon.de/Barock.html

[3] Vgl. http://www.net-lexikon.de/Aufklaerung.html

[4] Vgl. Marquis/ Stoyanoff- Odoy: Geschichte Grundwissen, Mentor Verlag GmbH. München 2001; S. 108ff

[5] Ebd. S. 106

[6] Vgl. http://www.net-lexikon.de/Deutsche-Literatur-Barock.html und vgl. Maurer, Michael: Geschichte und

gesellschaftliche Strukturen des 17. Jahrhunderts, ersch. in Meier, Albert: Die Literatur des 17. Jahrhunderts,

dtv. München 1999; S. 69f.

[7] Vgl. http://www.xlibris.de/Epochen/Barock/Barock1.htm

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640169382
ISBN (Buch)
9783640522705
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115284
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Fakultät f. Kulturwissenschaften, Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Niederdeutsche Literatur Zeitalter Barock Sprache Jahrhundert

Autor

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Titel: Die Niederdeutsche Literatur im Zeitalter des Barock