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Die Entwicklung der Dritten Fernsehprogramme

Hausarbeit (Hauptseminar) 2001 24 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildung und Kultur im deutschen Fernsehen

3. Die dritten Fernsehprogramme
3.a. Die Gründung der dritten Programme – Vorraussetzungen und Erwartungen
3.b. Das Programmschema der Dritten Programme in den 60er Jahren
3.c. Die Abkehr vom reinen Bildungsfernsehen und die Verflachung des Programms in den 70ern und 80ern
3.d. Die heutige Bildungssituation der Dritten Programme

4. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

5. Literaturliste

1. Einleitung

Das Fernsehen ist, wie alle Medien, nicht nur Vermittler, sondern auch Bestandteil des kulturellen Lebens, gleichgültig, ob man einen engen oder weiteren Kulturbegriff zugrunde legt.

Die rechtliche Grundlage der Bildung und Kultur im Fernsehen bildet der „Staatsvertrag über den Rundfunk im vereinten Deutschland“ vom 31. August 1991, der mit seiner vierten Änderung am 1. Januar 2001 in Kraft getreten ist. In ihm heißt es sowohl für öffentlich-rechtliche als auch für private Programme: „Die Rundfunkprogramme sollen zur Darstellung der Vielfalt im deutschsprachigen und europäischen Raum mit einem angemessenen Anteil an Information, Kultur und Bildung beitragen.“[1]

Im Nationalsozialismus waren Bildung und Information zu Propagandainstrumenten der Machthaber verkommen. Deshalb wiesen die Westalliierten den neu zugelassenen Rundfunkanstalten eine hervorragende Aufgabe bei der reeducation zu, der Erziehung der Deutschen zur Demokratie.[2] Die Bedeutung, die die Siegermächte der Bildung beimaßen, zeigt sich auch daran, dass Bildung neben Unterhaltung und Information in den Rundfunkgesetzen der Länderparlamente der BRD als verbindlicher Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Anbieter definiert ist.[3]

Der Programmauftrag der Bildung und Kulturvermittlung wurde in Deutschland auf verschiedene Weise umgesetzt. Deshalb kann man in der BRD nicht nur von einem Bildungs- und Kulturfernsehen sprechen, da verschiedene Programmansätze und Organisationsformen möglich sind.

Die Entwicklung der Bildung und Kultur im Fernsehen soll hier deshalb am Beispiel der Gründung und Entwicklung der Dritten Fernsehprogramme deutlich gemacht werden. An den Veränderungen der Ansprüche und den daraus folgenden Änderungen im Programmschema der Dritten kann man die Wandlung der Bildung und des Bildungsbedarfs im deutschen Fernsehen am besten beispielhaft darstellen. Die Entwicklung der Dritten soll anhand der Frage behandelt werden, ob sie an ihrem Bildungsauftrag gescheitert sind, oder ob sie – dem geänderten Bildungsbedürfnis Rechnung tragend – mit der Zeit gegangen sind.

Zunächst soll die allgemeine Lage der Bildung und Kultur im deutschen Fernsehen, speziell die unterschiedlichen Programmstrukturen der öffentlich-rechtlichen und privaten Programme, dargestellt werden (2).

Im folgenden werde ich die Entwicklung der Dritten Fernsehprogramme untersuchen. Beginnend mit der Gründung der Dritten Programme und den damaligen Anforderungen und Erwartungen an die speziellen Bildungs- und Kulturkanäle (3a) werde ich dann das Programmschema der Dritten Programme in den 60er Jahren analysieren (3b). Als zweite Phase ist die Abkehr der Dritten vom reinen Bildungsfernsehen hin zu einem breiteren, aber vermehrt regional orientierten Programmschema zu untersuchen (3c). Abschließend wird die Zuschauerresonanz und Programmauswahl der Dritten in der heutigen Zeit bearbeitet (3d), um in einem Fazit (4) die Eingangsfrage zu beantworten, ob die Dritten Programme ihren Ansprüchen noch gerecht werden und deshalb auch in unserer Zeit noch eine Legitimation haben.

Die Entwicklung der Dritten Fernsehprogramme fand bisher wenig Eingang in die Literatur. Da eine Gesamtdarstellung des Themas fehlt, muss man auf die jeweils nur kurzen Behandlungen der Thematik in den Gesamtdarstellungen des Rundfunks und Fernsehens von Wilke[4], Hickethier[5], Stuiber[6], Ludes[7] und Dussel[8] zurückgreifen. Des weiteren wurde das Thema von Terlinden[9] sowie bei Longolius[10] am Beispiel der einzelnen Regionalprogramme behandelt. Für die heutige Zeit finden sich sowohl Kultur und Bildung als auch die Dritten Programme in verschiedenen Studien wieder (Dubrau u.a.[11], Krüger u.a.[12]). Uneinigkeit herrscht in der Forschung über die oben genannte Frage nach der Auftragserfüllung der Dritten Programme. Während bereits die frühen Abhandlungen in den 70er Jahren, aber auch Zeitschriftenaufsätze der heutigen Zeit (z.b. Ohland[13] und Pfetsch[14]) ein Versagen der Dritten Fernsehprogramme kritisieren, bescheinigen die aktuellen Studien den „Dritten“ trotz Veränderung der Programmstruktur gute Resonanz und Programminhalte.

2. Bildung und Kultur im deutschen Fernsehen

Die Festschreibung des Bildungsauftrages gilt nur für die öffentlich-rechtlichen, nicht für die kommerziellen Rundfunkanbieter. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1986[15], das den Nöten der kommerziellen Anbieter, Gewinne zu realisieren, Rechnung trug, fordert von den öffentlich-rechtlichen Sendern eine „Grundversorgung“ an überparteilicher, pluralistischer Berichterstattung, Bildung, Kultur und Unterhaltung. Da die öffentlich-rechtlichen Programme technisch gesehen fast die gesamte Bevölkerung erreichen und dank der Gebührenfinanzierung nicht wie die privaten Programme auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, können an den privaten Rundfunk nicht die gleichen inhaltlichen Anforderungen gestellt werden.[16] Die Forderung der „Grundversorgung“ durch die öffentlich-rechtlichen Sender bedeutet einerseits eine größere Freiheit für die privaten Programme, denen es möglich ist, unabhängig von Qualitätsansprüchen, mehr und mehr auf Sensation und Einschaltquote zu achten.[17] Andererseits legitimiert das Urteil das weitere Bestehen der öffentlich-rechtlichen Sender und ihre Finanzierung durch Gebühren und relativiert die bloße Fixierung auf Einschaltquoten gegenüber der Wahrung von Niveau und Qualität.

Bei Programmanalysen stellt sich deshalb heraus: Kultur spielt nur in den öffentlich-rechtlichen Programmen eine Rolle – in kommerziellen Programmen sucht man sie meist vergeblich.[18]

Trotzdem wird Bildung heute auch bei den öffentlich-rechtlichen Anbietern oft wenig beachtet. Anspruchsvolle Kultur- und Bildungssendungen werden auch hier von markttauglichen Fernsehspielen und Shows verdrängt. Die Gründe für die schlechte Stellung der Bildung im Fernsehen sind vielfältig und gehen fließend ineinander über: Durch die Spartenkonstruktion wird den Redakteuren des Bildungsfernsehens nahegelegt, Bildung habe mit Unterhaltung und politischer Information nichts zu tun. Themen und Gestaltung werden so vom Zuschauer abgelehnt, der sich Unterhaltungssendungen zuwendet. Dadurch entstehen Einschaltquotenverluste, wodurch wiederum die Bildung noch mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Bildungsfernsehen wird deshalb mit geringen finanziellen Ressourcen ausgestattet und auf Sendeplätze mit niedriger Sehbeteiligung geschoben und wird so durch die mangelnde Akzeptanz der Zuschauer zum Minderheitenprogramm.[19]

3. Die Dritten Programme

3.a. Die Gründung der Dritten Programme – Vorraussetzungen

und Erwartungen

Die Dritten Programme wurden von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu Beginn der 60er Jahre gegründet. Damit besann sich die ARD auf ihren gesetzlich verankerten Bildungsauftrag, der neben den beiden anderen Aufgaben der Information und Unterhaltung zu kurz gekommen war. Deshalb stand der Bildungsauftrag von Anfang an bei den Dritten Programmen im Fordergrund.

[...]


[1] Rundfunkstaatsvertrag, § 41, Programmgrundsätze, Abs. 2; zum Rundfunkstaatsvertrag siehe auch: Stuiber, Medien in Deutschland, S. 331-342.

[2] Schorb, Bildungsfernsehen, S. 206.

[3] Ludes, Programmgeschichte des Fernsehens, S. 259.

[4] Wilke, Jürgen (Hrsg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland, Köln 1999, S. 255-276.

[5] Hickethier, Knut: Geschichte des deutschen Fernsehens, Stuttgart 1998.

[6] Stuiber, Heinz-Werner: Medien in Deutschland Band II. Rundfunk 1. Teil, München 1998.

[7] Ludes, Peter; Schuhmacher Heidemarie und Zimmermann, Peter (Hrsg.): Informations- und Dokumentationssendungen, Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland Band 3, München 1994, S. 203-213.

[8] Dussel, Konrad: Deutsche Rundfunkgeschichte. Eine Einführung, Konstanz 1999.

[9] Terlinden, Roswitha: Bildungsverständnis und Dritte Fernsehprogramme. Eine Fallstudie am Beispiel des Westdeutschen Fernsehens, Bochum 1979.

[10] Longolius, Christian: Fernsehen in Deutschland. Gesellschaftspolitische Aufgaben und Wirkungen eines Mediums, Mainz 1967.

[11] Dubrau, Claudia; Oehmichen, Ekkehardt; Simon, Erik: Kultur in Hörfunk und Fernsehen: Angebot und Publikumspotentiale. ARD Kulturstudie 1999 I, in: Media Perspektiven 2/2000, S. 50-57 und dies.: Kultur in Hörfunk und Fernsehen. Senderimages und Bewertungen. ARD-Kulturstudie 1999 II, ebd. S. 58-70.

[12] Krüger, Udo; Zapf, Michael und Schramm, Thomas: ARD 3 – Regionalität und Alltagsorientierung, in: Media Perspektiven 12/2000, S. 534-549.

[13] Ohland, Angelika: Zurück ins Spiel! ARD und ZDF haben den Kampf gegen die Privaten gewonnen. Verloren hat dabei die Kultur, in: Deutsches Sonntagsblatt, 5. März 1999, Nr. 10/1999.

[14] Pfetsch, Barbara: Medienexpansion versus Information, in: Die politische Meinung. Monatszeitschrift zu Fragen der Zeit, Nr. 362, Januar 2000.

[15] Vgl. Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 4. November 1986 („Niedersachsen-Urteil“), BverfGE 73, 118.

[16] Vgl. Stuiber, Medien in Deutschland, S. 433-437.

[17] Vgl. Meyn, Massenmedien, S. 109: Dies bedeute aber nicht – so das Bundesverfassungsgericht in seinem sechsten Fernsehurteil vom 5. Februar 1991 (BverfGE 83, 238) – dass die „Vielfaltsanforderungen“ an private Rundfunkanbieter vom Gesetzgeber gesenkt werden müssen.

[18] Detaillierte Ergebnisse, vgl. Dubrau, Kultur in Hörfunk und Fernsehen, S. 52.

[19] Vgl. Schorb, Bildungsfernsehen, S. 206.

Details

Seiten
24
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638176576
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11515
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Historisches Seminar
Note
1
Schlagworte
Mediengeschichte Medien Kultur Fernsehen

Autor

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