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Ausdauertraining im Jugend-Leistungshandball

Eine empirische Untersuchung

Examensarbeit 2008 92 Seiten

Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

1 Einleitung

2 Theorie
2.1 Bedeutung der Ausdauer für das Handballspiel
2.1.1 Untersuchungen zum quantitativen Belastungsumfang
2.1.2 Untersuchungen zur Belastung im Handball anhand physiologischer Parameter
2.2 Ausdauertraining im Sportspiel
2.2.1 Ausdauertraining in den großen Mannschaftsspielen
2.2.2 Ausdauertraining im Handball
2.3 Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse
2.3.1 Erholungsfähigkeit nach Sprintbelastungen
2.3.2 Adaptation des aeroben Metabolismus nach intensivem Sprintintervalltraining
2.4 Zusammenfassung und Herleitung der Fragestellung

3 Methode
3.1 Untersuchungsplan
3.2 Stichprobe
3.2.1 Trainingsgruppe
3.2.2 Kontrollgruppe
3.3 Untersuchungsdurchführung
3.3.1 Cooper-Tests
3.3.2 Trainingsintervention
3.4 Datenverarbeitung und statistische Auswertung
3.5 Herleitung der operationalisierten und statistischen Hypothesen

4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Statistik
4.2 Prüfung auf Normalverteilung
4.3 Überprüfung der Stichprobenvergleichbarkeit
4.4 Hypothesenprüfung
4.4.1 H-1: Gruppenvergleich der Laufleistung im Posttest
4.4.2 H-2: Gruppenvergleich der Herzfrequenzen am Ende des Posttests
4.4.3 H-3: Veränderung der Laufleistung von Pretest zu Posttest in der TG
4.4.4 H-4: Veränderung der Herzfrequenz am Ende von Pre- und Posttest in der TG
4.4.5 H-5: Veränderung der Laufleistung von Pretest zu Posttest in der KG
4.4.6 H-6: Veränderung der Herzfrequenz am Ende von Pre- und Posttest in der KG
4.5 Zusammenfassung der Ergebnisse

5 Diskussion
5.1 Interpretation und Einordnung der Ergebnisse
5.1.1 Betrachtung der Laufleistung im Cooper-Test
5.1.2 Betrachtung der Nachbelastungsherzfrequenzen
5.2 Methodenkritik
5.2.1 Der Cooper-Test
5.2.2 Stichprobenauswahl
5.2.3 Herzfrequenzmessung
5.3 Fazit und Ausblick

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verzeichnis der Abbildungen

Abb. 1: Durchschnittliche Laktatwerte in der 1. und 2. Wettkampf- simulation

Abb. 2: Die Herzschlagfrequenzen im Wettkampf von 3 Spielern auf den Positionen Rückraum Mitte (RM), Linksaußen (LA) und Kreis-Mitte in der 1. und 2. Spielhälfte

Abb. 3: Die mittlere Herzschlagfrequenz der Feldspieler (n=12) im Trendverlauf der 1. und 2. Halbzeit

Abb. 4: Herzfrequenz- und Laktatleistungskurven im Feldstufentest im Juli (ST1) und Oktober (ST2)

Abb. 5: Relativer Anteil (Mittelwert ± SD) der verschiedenen Trainings- und Wettkampfformen im Saisonverlauf

Abb. 6: Zusammenhang zwischen dem Umfang von Ausdauertraining sowie Übungsformen bei hoher Intensität und der individuellen Veränderung der Geschwindigkeit bei 3mmol/l Laktat (v3) zwischen T2 und T3

Abb. 7: Zusammenhang zwischen dem Umfang von Ausdauertraining niedriger Intensität sowie Übungsformen bei mittlerer Intensität und der individuellen Veränderung der konzentrischen Kraft- entwicklung bei Kniebeugen mit einer Gesamtlast von 125% des Körpergewichts

Abb. 8: Etappenstruktur und Verteilung der Trainingsinhalte im lang- fristigen entwicklungsgemäßen Trainingsaufbau Hallenhandball

Abb. 9: Durchschnittliche Kraftleistung in einem 10 x 6 Sek.-Sprinttest bei verschiedenen Pausenlängen

Abb. 10: Power output (expressed as a peak power output) and blood pH at rest and during 3 minutes of stationary recovery following a 30-second sprint on a non motorised treadmill

Abb. 11. VO2max und IAS-Leistung von MIT und HIT im Stufentest

Abb. 12: Gesamtleistung im 5 x 6-Sek-Sprinttest für MIT und HIT

Abb. 13: Zeit bis zum erschöpfungsbedingten Abbruch des Ausdauer- tests am Untersuchungsbeginn und Untersuchungsende

Abb. 14: Aktivität der Zitratsynthase (CS) und Glykogenkonzentration ermittelt durch Muskelbiopsien am Beginn und Ende der Untersuchung (Mittelwerte ± SE)

Abb. 15: Entwicklung der Ausdauerleistungsfähigkeit im Altersgang bei männlichen Kindern bzw. Jugendlichen

Abb. 16: Erholungsverlauf der TG nach einem 30-sekündigen Sprint

Abb. 17: Laufleistung der TG in Pre- und Posttest inklusive Mittelwerte

Abb. 18: Laufleistung der KG in Pre- und Posttest inklusive Mittelwerte

Abb. 19: Gruppenvergleich der mittleren Laufleistung in Pre- und Posttest

Abb. 20: Gruppenvergleich der Coopertestleistung

Abb. 21: Mittlere Herzfrequenzen beider Gruppen am Ende von Pre- und Posttest

Verzeichnis der Tabellen

Tab. 1: Absolute Häufigkeiten (fabs), Mittelwerte (x) und Standard- abweichungen (sd) der Dauer (sek) der unterschiedenen Spielverlaufsphasen. S. 5

Tab. 2: Mittelwerte (x) und Standardabweichungen (sd) der Aktions- variablen während der Anlaufphase

Tab. 3: Videoanalyse und Laktatbestimmung im Wettkampf

Tab. 4: Mittlere prozentuale Nutzung der max. Herzfrequenz [%Hfmax] der einzelnen Spielerinnen sowie Mittelwert (MW) und Standardabweichungen (sd) der Gesamtgruppe

Tab. 5: Durchschnittliche Ausdauerleistungsfähigkeit (gemessen an der 4mmol-Laktatschwelle – v4 in m/s) von Hallenhandball- spielerinnen und –spielern unterschiedlicher Leistungsklassen

Tab. 6: Laufgeschwindigkeiten bei 4mmol/l Laktat (v4) in den Feld- stufentests (ST1 und ST2) in Abhängigkeit von der Anzahl der absolvierten Trainingseinheiten (TE)

Tab. 7: Mittelwerte der Sprintzeiten über 5m, 10m, 20m und 30m sowie die Laktatkonzentrationen (Laktatmax) nach Belastung im Juli (SP1) und Oktober 1997 (SP2)

Tab. 8: The training programs performed by the high-intensity interval group (HIT) and moderate-intensity continuous group (MIT)

Tab. 9: Wertungstabelle zur Einschätzung der Ausdauerleistungsfähigkeit von Jungen über die im Cooper-Test erreichte Streckenlänge

Tab. 10: Anthropometrische Daten der Trainingsgruppe

Tab. 11: Anthropometrische Daten der Kontrollgruppe

Tab. 12: Zeitlicher Ablauf der Untersuchung

Tab. 13. Abschätzung der mittleren Belastungsintensitäten in den Trainingseinheiten in Prozent

Tab. 14: Test auf Normalverteilung innerhalb der Trainingsgruppe (Kolmogorov-Smirnov)

Tab. 15: Test auf Normalverteilung innerhalb der Kontrollgruppe (Kolmogorov-Smirnov)

Tab. 16: Ergebnisse des t-Tests zur Stichprobenvergleichbarkeit

Tab. 17: Ergebnisse des t-Tests zum Gruppenvergleich der Leistung im Posttest

Tab. 18: Ergebnisse des t-Tests zum Leistungsvergleich der Trainings- gruppe von Pre- und Posttest

Tab. 19: Ergebnisse des t-Tests zum Leistungsvergleich der Kontroll- gruppe von Pre- und Posttest

1 Einleitung

„Immer wieder zieht die Dynamik des Handballspiels die Zuschauer durch den ständigen Wechsel in Angriff und Verteidigung, den Kontrast athletischer Wucht und behänder Eleganz, überraschender Schnelligkeit und Ausdauer – gepaart mit technischer Raffinesse, mit Beharrlichkeit und Variationsreichtum der spielerischen Konzeption – in ihren Bann“ (Tittel, 1974, S. 33).

Die obige Beschreibung lässt zum einen die Faszination erkennen, welche vom Handball ausgeht und deutet gleichzeitig auf der anderen Seite die Komplexität dieser Sportart an. Eben jene Komplexität bezieht sich nicht nur auf den Verlauf des Spiels, sondern auch auf die notwendigen Leistungsvoraussetzungen, um im Handball erfolgreich bestehen zu können. Die Spielsituationen verlangen zu ihrer Bewältigung ständig koordinativ- technische, konditionelle, kognitive und psychische Voraussetzungen in unterschiedlicher Ausprägung und Proportion zueinander. Aus dem Bereich der konditionellen Anforderungen kommt der Ausdauer, als Grundlage einer über die gesamte Spieldauer hohen Leistungsfähigkeit, eine besondere Bedeutung zu.

Definitionsversuche für den Ausdauerbegriff sind in der sportwissenschaftlichen Literatur zahlreich zu finden, Hollman und Hettinger (2000, S. 262) fassen es in folgender Formulierung zusammen: „Ausdauer ist charakterisiert durch die Fähigkeit, eine gegebene Leistung über einen möglichst langen Zeitraum durchhalten zu können. Somit ist Ausdauer identisch mit Ermüdungs-Widerstandsfähigkeit“.

Nach Weineck (2007, S.229) lässt sie sich außerdem, je nach Betrachtungsweise, in verschiedene Arten unterteilen:

- unter dem Aspekt des Zeitumfangs in Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer
- unter dem Aspekt der Energiebereitstellung in (überwiegend) aerobe und (überwiegend) anaerobe Ausdauer
- unter dem Aspekt der Sportartspezifität in allgemeine und spezielle Ausdauer

Jede Sportart ist durch ein spezifisches Beanspruchungsprofil gekennzeichnet, aus welchem sich die notwendigen Leistungsvoraussetzungen und damit auch die spezifischen Ausdaueranforderungen ergeben. Die Grundlage für das Training dieser speziellen Ausdauer bildet jedoch immer die Entwicklung einer allgemeinen Ausdauer (oder auch Grundlagenausdauer). Im Kinder- und Jugendtraining ist diesem Aspekt besondere

Aufmerksamkeit zu widmen. Pfeiffer und Schlegel (2000) stellen in diesem Zusammenhang fest, dass das Nachwuchstraining vorrangig durch einen perspektivischen Charakter gekennzeichnet ist, in dem Leistungsvoraussetzungen für die weitere Erhöhung der Trainingsanforderungen und der Belastbarkeit in den verschiedenen Trainingsetappen geschaffen werden (vgl. Martin, Rost, Krug und Reiß, 1998, zitiert nach Pfeiffer et al., 2000, S. 101). Insofern besteht die Notwendigkeit sowohl die allgemeinen konditionellen Fähigkeiten zu schulen und zu entwickeln, gleichzeitig jedoch auch die handballspezifische Ausbildung im athletischen, technischen und taktischen Bereich nicht zu vernachlässigen. Dem daraus resultierenden Zeitaufwand wird versucht durch Schwerpunktsetzungen innerhalb der verschiedenen Alterstufen Rechnung zu tragen, die sich dann in den sog. Rahmentrainingskonzeptionen des DHB niederschlagen.

Dennoch erfordert eine optimale Talentförderung ein hohes Trainingspensum, um die jugendlichen Sportler erfolgreich in die nationale Spitze zu führen. Sportbetonte Schulen bieten hier hervorragende Möglichkeiten, die jedoch nicht jedem Mitglied eines regionalen oder überregionalen Kaders offen stehen. So trainieren viele jugendliche Sportler in Vereinen, bei denen mehr als zwei wöchentliche Trainingseinheiten nicht realisiert werden können. Hier stellt die Trainingsplanung eine besondere Herausforderung für die Verantwortlichen dar, wenn der langfristige Leistungsaufbau gelingen soll.

Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur wissenschaftlichen Betrachtung des Ausdauertrainings im Jugendleistungshandball liefern. Dazu wird in einem ersten Teil der theoretische Bezugsrahmen für ein empirisches Trainingsexperiment dargelegt, welches im zweiten Teil besprochen wird. In Kapitel 2.1 soll zunächst die Bedeutung der aeroben Ausdauer für das Handballspiel anhand quantitativer Belastungskennziffern sowie physiologischen Parametern belegt werden. Anschließend werden in Kapitel 2.2 exemplarisch Studien vorgestellt, die sich mit dem Ausdauertraining in den Sportspielen und speziell im Handball befasst haben. Die Herleitung der eigentlichen Fragestellung für den empirischen Teil der Arbeit geht vor allem auf neuere in Kapitel 2.3 aufgeführte Erkenntnisse zurück.

Das Ziel des empirischen Trainingsexperiments soll demnach darin liegen, die Wirksamkeit einer bestimmten Trainingsmethode zur Verbesserung der aeroben Ausdauer zu analysieren, um so gegebenenfalls Empfehlungen für ein zeiteffizientes Ausdauertraining in der Wettkampfperiode ableiten zu können. Die zugrunde liegende methodische Vorgehensweise wird in Kapitel 3 erläutert. Die Ergebnisse der angewendeten leistungsdiagnostischen Verfahren werden deskriptiv dargestellt und statistisch analysiert (Kapitel 4). In Kapitel 5 werden sie in den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand eingeordnet. Eine kurze Zusammenfassung der Arbeit findet sich in Kapitel 6.

2 Theorie

2.1 Bedeutung der Ausdauer für das Handballspiel

Der Stellenwert der Grundlagenausdauer für das Handballspiel lässt sich zum einen an der zeitlichen Dimension eines Wettspiels und zum anderen am Umfang der dabei zurückgelegten Laufstrecken ablesen. Mehrere Autoren, u.a. Böttcher (1998), Sichelschmidt und Klein (1986), Hunfeld (1991) sowie Kuchenbecker und Zieschang (1992), haben dazu durch Spielbeobachtungen ermittelte Ergebnisse veröffentlicht, mit dem Ziel, ein Belastungsprofil der Sportart entwickeln zu können. Andere Sportwissenschaftler versuchten die physiologische Belastung anhand von im Wettspiel erhobenen Parametern wie Blutlaktat, Herzfrequenzverläufen oder Ammoniak- konzentrationen zu bestimmen; beispielsweise Böttcher (1998) oder Haralambie & Eder (1979, 1981, 1982).

2.1.1 Untersuchungen zum quantitativen Belastungsumfang

Hunfeld (1991, zitiert nach Brings, Platen und Hoffman, 1998, S. 26) analysierte das Bewegungsprofil einer Rückraumspielerin der 1. Bundesliga anhand der Beobachtungen von vier Meisterschaftsspielen. Dabei ergaben sich, gemessen an der Einsatzzeit, folgende prozentuale Anteile der Laufgeschwindigkeit: 12,8% niedrige Laufgeschwindigkeit (2,3- 3,5 m/s), 5,2% mittlere Laufgeschwindigkeit (3,6-5,0 m/s) und 2,3% hohe Laufgeschwindigkeit (>5,0 m/s). Dazu kamen 13,4% Stehen, 9,9% Antritte bzw. Sprints und 0,6% Sprünge. Den weitaus größten Anteil nahm jedoch das Gehen mit 55,8% ein.

Böttcher (1998, S. 98-100) untersuchte in jeweils sechs Spielen zweier Herrenmannschaften der 2. Bundesliga jene Spieler, welche die komplette Spielzeit von 60 Minuten durchspielten. Diese legten dabei eine Gesamtlaufstrecke zwischen 3902 und 4328 Metern zurück, so dass sich im Durchschnitt 4134 m ergaben. Mit Ball wurden dabei im Mittel 69 m zurückgelegt, ohne Ball 4066 m. Auf das Laufen entfielen durchschnittlich 3145 m (76,1%), auf das Gehen 590,2 m (14,3%) und auf Sprints 399,5 m (9,6%), wobei die Abgrenzungen dieser Einteilung nicht genauer benannt werden.

Manchado, Hoffmann, Valdivielso und Platen (2007, S. 368-373) registrierten bei Spielbeobachtungen der Frauenhandballeuropameisterschaft 2004 die tatsächlichen Belastungszeiten der deutschen Spielerinnen sowie die Dauer der hochintensiven

Angriffsphasen. Dabei ergaben sich pro Spiel durchschnittlich 76 (SD = 10,2) intensive Angriffsphasen, bei einer mittleren Dauer von 5,72 (SD = 0,37) Sekunden. Die Gesamt- spieldauer lag im Durchschnitt bei 72 Minuten, wovon sich etwa 43 Minuten lang der Ball im Spiel befand. Die gemittelte Einsatzzeit der Spielerinnen betrug 41,7 (SD = 5,1) Minuten.

Anhand dieser Untersuchungen wird jedoch deutlich, dass der Vergleich der Daten zum Belastungsumfang und dessen Verteilung sich überaus schwierig gestaltet, da beispielsweise kein einheitliches Bewertungsraster zur Differenzierung der Bewegungs- formen angewendet wird. Kuchenbecker et al. (1992, S. 32) kritisieren in diesem Zusammenhang auch das Vorgehen, die ermittelten Belastungskennziffern im Sinne einer Gleichverteilung auf die Gesamtspielzeit oder die effektive Spielzeit zu beziehen. Sie entwickelten daher ein zweistufiges Untersuchungskonzept. In einem ersten Schritt werden Spielphasen relativer Ruhe und belastende Spielphasen voneinander abgegrenzt und ihre Dauer und Abfolge in einer „Spielphasenstrukturanalyse“ mittels Spielbeobachtung erfasst. Als zweiter Schritt erfolgt eine Anforderungsanalyse der belastenden Spielphasen hinsichtlich der durchgeführten Aktionen unter Berücksichtigung positionsspezifischer Unterschiede. Tabelle 1 zeigt die ermittelten absoluten Häufigkeiten und Vergleichswerte zur Dauer in Sekunden für die einzelnen Spielphasen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dazu wurden insgesamt 22 Spiele der 1. und 2. Herrenbundesliga ausgewertet. Es zeigt sich, dass Belastungen und Pausen beim Spiel gegen eine formierte Abwehr annähernd gleich sind: Die durchschnittliche Dauer eines Anlaufs betrug 9,2 Sekunden, die Pausen zwischen zwei Anläufen im Mittel 9,9 Sekunden. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die belastenden Spielphasen lediglich 47% der Angriffsdauer einnehmen. So ergibt sich ein Belastungs-Pausen-Verhältnis von nahezu 1:1, was ausreichend Zeit für aktive Erholungsprozesse bietet (vgl. Kuchenbecker et al., 1992, S. 32-35).

Im zweiten Untersuchungsschritt analysierten Kuchenbecker et al. (1992, S. 34-36) positionsspezifisch Anzahl und Dauer der Phasen in denen Angreifer Laufbewegungen mit und ohne Ball vollzogen oder aber nicht in das Spielgeschehen einbezogen waren. Außerdem wurden die Anzahl der Ballkontakte, Stoß- oder Absetzbewegungen, Sperren, Wurfabschlüsse und Einzelaktionen (1 vs. 1) erfasst. Tabelle 2 stellt die Ergebnisse zur durchschnittlichen Anzahl und Dauer der Anläufe sowie der anteilsmäßigen Aktivität dar. Es zeigte sich, dass die durchschnittliche Anlaufdauer mit rund neun Sekunden verhältnismäßig kurz ist (90% der Anläufe lagen unter 15 Sek.). Somit können die schnellkräftigen Antritte überwiegend durch die Inanspruchnahme des anaerob-alaktaziden Stoffwechsels realisiert werden. Das Belastungs-Pausen-Verhältnis fällt insgesamt günstig aus (über alle Positionen gemittelt etwa 1:2). Dennoch betonen Kuchenbecker et al. (1992, S. 37), dass sich immer wieder erhebliche Belastungsspitzen durch die Reihung mehrerer belastender Phasen ohne nennenswerte Unterbrechung ergeben. In diesen Situationen sei eine gut ausgebildete aerobe Leistungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung, da sie die Regenerationsfähigkeit im Sinne des oxydativen Laktatabbaus in nachfolgenden Phasen relativer Ruhe maßgeblich beeinflusst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammengefasst zeichnen die Ergebnisse aller Studien das Bild einer unregelmäßigen Belastungsverteilung über die Spielzeit mit insgesamt moderaten Gesamtlaufstrecken. Das Belastungsprofil des Wettspiels lässt sich am Besten intervallartig oder intermittierend charakterisieren. Inwieweit die Regeländerung im Jahr 2002 (Einführung der „schnellen Mitte“) zu einer Veränderung dieser Belastungsstruktur oder einer Verschiebung des Belastungs-Ruhe-Verhältnisses geführt hat, wurde bisher nicht wissenschaftlich untersucht (Steinhöfer, 2003, S.227-230). Allerdings zeigt ein Vergleich der Studien von Kuchenbecker et al., Manchado et al. und den statistischen Erhebungen des Internationalen Handballverbandes zu den Weltmeisterschaften 2005 und 2007 einen Anstieg der durchschnittlichen Angriffe pro Spiel. Kuchenbecker et al. (1992, S. 35) erfassten in 22 Herrren-Bundesligaspielen im Durchschnitt 45,3 Angriffe. Die deutsche Frauennationalmannschaft kam während der EM 2004 im Mittel auf 57,5 Angriffe, während bei den Weltmeisterschaften 2005 im Finale 78 und im „kleinen Finale“ 69 Angriffe gelaufen wurden. Bei der Herren-WM 2007 wurden ebenfalls je 69 Angriffe im Finale und im Spiel um Platz Drei gezählt (vgl. Manchado, 2007, S.371). Insgesamt betrug die durchschnittliche Angriffsdauer aller WM-Spiele 27 Sekunden; der Spitzenwert in einem deutschen Bundesligaspiel liegt mit 22 Sekunden noch einmal deutlich darunter (Petersen, Schuhknecht und Oltmanns, 2007, S. 172). Dies deutet auf eine gesteigerte Spieldynamik im Sinne eines erhöhten Spieltempos hin. Böttcher (1998, S. 132) stellt zwar fest, „daß [ sic ] ein höheres Spieltempo keine Veränderung der konditionellen Anforderungen an sich mit sich bringt“, dennoch wären genauere Untersuchungen bezüglich des Belastungs-Ruhe-Verhältnisses interessant.

2.1.2 Untersuchungen zur Belastung im Handball anhand physiologischer Parameter

Um genauere Aussagen über die physiologische Beanspruchung im Handball machen zu können, besonders im Hinblick auf die Inanspruchnahme der energiebereitstellenden Systeme, wurden von verschiedenen Autoren Untersuchungen durchgeführt, die beispielsweise die Aufzeichnung der Herzfrequenz oder aber die Bestimmung von Laktat- oder Ammoniakwerten im Wettkampf umfassten. Dabei fällt jedoch auf, dass eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse nur eingeschränkt möglich ist, da einige Autoren ihre methodische Vorgehensweise nur eingeschränkt dargestellt haben (beispielsweise Luck, Miedlich, Köhler und Hierse, 1985, S. 156-159 oder Sichelschmidt et al., 1986, S. 4-12). Sie beschreiben lediglich ihre Messdaten. Böttcher (1998, S. 77) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Untersuchungsmethodik und -durchführung die Ergebnisse erheblich beeinflussen können. Daher sind gerade bei Laktatuntersuchungen die Intensität und der Umfang der Vorbelastung sowie die Ernährung der Sportler zu berücksichtigen und Vorsicht bei der Interpretation der erhobenen Werte geboten. Erste sehr genau dokumentierte Ergebnisse zu Laktatbestimmungen finden sich bei Haralambie und Eder (1979, 1981 und 1982).

In einer ersten Untersuchung von acht Handballern im Rahmen eines offiziellen Turniers wurden in unregelmäßigen Abständen Blutproben zur Laktatmessung entnommen. Die Werte lagen größtenteils im Bereich zwischen zwei und sechs mmol/l, ihre Vergleichbarkeit ist jedoch auf Grund unterschiedlicher Messzeitpunkte fraglich (vgl. Haralambie et al., 1979, S. 250-251). Um zu aussagekräftigeren Ergebnissen zu gelangen untersuchten Haralambie und Eder (1981, S. 228) später 50 Handballspieler von internationalem Leistungsniveau bis hin zur Kreisklasse hinsichtlich ihres Laktatstoffwechsels im Wettspiel. Den Probanden wurde im Ruhezustand, während eines Spiels und nach Spielende Blut entnommen und anschließend Blutlaktat und Blutglukose bestimmt. Es zeigte sich, dass etwa 66% der während des Spiels erhobenen Werte oberhalb der anaeroben Schwelle von 4 mmol/l lagen. Nach ruhigeren Spielphasen ermittelte Werte waren erwartungsgemäß niedriger als Werte nach intensiven Belastungen (beispielsweise Tempogegenstößen). Sie registrierten keinen signifikanten Anstieg des Blutlaktatspiegels nach Belastungsende im Vergleich zum Ruhewert.

In einer weiteren Untersuchung wurden acht Teilnehmer des Finales der deutschen B- Jugendmeisterschaft 1981 hinsichtlich ihrer Blutlaktatkonzentration getestet. Diese lag nach Spielende zwischen 2,4 und 6,2 mmol/l. Die höchsten Werte ergaben sich bei den Spielern, die auch die größte Temperaturzunahme (auf bis zu 40,1° C) und den größten Gewichtsverlust (bis zu 3,4%) über die Spielzeit aufwiesen, was als Zeichen für eine – nach Einsatzzeit variierende – teils sehr starke Beanspruchung des jugendlichen Organismus gedeutet wird (vgl. Haralambie et al. 1982, S. 35-36).

Heimsoth und Reiche (1987, S.568-572) kombinierten Laktatbestimmungen und Videoanalysen um ein Bild der tatsächlichen Leistungsanforderung an den Handballspieler zu erhalten. Dafür testeten sie drei Bundesligamannschaften und ein Regionalligateam im Wettkampf. Die Messzeitpunkte des Blutlaktats lagen vor dem Spielbeginn, nach Auswechslungen, in der Halbzeit und nach dem Spielende. Die in Tabelle 3 dargestellten Ergebnisse geben Aufschluss über die absolute Sprintzeit, die längsten Einzelsprintzeiten sowie die maximal registrierte Laktatkonzentration.

Hochintensive Belastungsanforderungen sind zahlenmäßig begrenzt und von so kurzer Dauer, dass sie anaerob-alaktazid realisiert werden können. Die ermittelten Laktat- maximalwerte unterstützen die Vermutung, dass eine ausreichende Regeneration im Spielbetrieb möglich ist, da keine nennenswerte, ermüdungsbedingte Laktatakkumulation festgestellt werden konnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Böttcher (1998, S. 85-129) führte eine umfangreiche Untersuchung durch, bei der Spielbeobachtung, Herzfrequenzmessung sowie Laktat- und Ammoniakmessungen kombiniert wurden. Da laut Regelwerk das Tragen des eingesetzten Gerätes zur Ermittlung der Herzfrequenz im Wettkampf nicht zulässig ist, wurden die Daten in zwei möglichst realitätsnah gestalteten Wettkampfsimulationen erhoben. Probanden waren zwölf Handballspieler aus Ober- und Regionalligen. Hinsichtlich der Laktatmessungen wurde großer Wert auf vergleichbare Ausgangsbedingungen gelegt: Die Probanden wurden instruiert, sich im Vorfeld kohlenhydratreich zu ernähren und das letzte Training spätestens zwei Tage vor dem Test zu absolvieren. Nach der ersten Halbzeit lag der Laktatmittelwert mit 4,45 bzw. 4,67 mmol/l (1. bzw. 2. Wettkampfsimulation) nur knapp oberhalb der fixierten anaeroben Schwelle. Nach Spielende wurde mit 3,26 bzw. 3,86 mmol/l ein signifikant niedrigerer Durchschnittswert registriert (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insgesamt wurde kein größerer Wert als 7,1 mmol/l gemessen (diesem Wert konnte mittels Videoanalyse eine unmittelbare Belastungsfolge von zwei Ballverlusten bei Tempogegenstößen sowie mehreren Zweikämpfen im Positionsspiel zugeordnet werden). Böttcher schlussfolgert, dass die Spieler überwiegend im Bereich der aeroben Energiebereitstellung agieren.

Die niedrigeren Werte am Ende der 2. Halbzeit könnten nach Liesen (1983, S. 30) auf erschöpfte Glykogen- speicher zurückzuführen sein. Um dies zu prüfen, wurde zusätzlich der Ammoniakgehalt im Kapillarblut des Ohrläppchens ermittelt. Urhausen, Schwarz, Bellon, Weiler, und Kindermann (1991, S. 545-548) stellten fest, dass bei andauernden, intensiven Belastungen Ammoniak im Muskel entsteht. Bei längeren Ausdauerbelastungen, die mit einem hohen Verbrauch an gespeichertem Glykogen einhergehen, verlaufen Laktat- und Ammoniakanstieg nicht mehr parallel, stattdessen kommt es zu einem Anstieg der Ammoniakkonzentration bei gleichzeitigem Abfall des Blutlaktats. Da für die Ammoniakkonzentration jedoch keine Referenzwerte oder Normtabellen vorliegen, ist eine Interpretation nur bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Laktatwerten und Herzfrequenz möglich. Insgesamt zeigte sich allerdings, dass der durchschnittliche Wert in beiden Wettkampfsimulationen sowohl zur Halbzeit als auch bei Spielende relativ konstant bei 40 µmol/l lag.

Die Analyse der Herzfrequenzmessungen ergab eine durchschnittliche Beanspruchung zwischen 150 und 180 Schlägen pro Minute (bpm). 77% der Spielzeit lagen die Spieler in diesem Frequenzbereich, 10% oder 6 Minuten im Bereich zwischen 180 und 190 bpm; höhere Herzfrequenzen traten nicht auf. Die individuellen Frequenzverläufe (siehe Abb. 2) lassen deutlich einen situativen Belastungscharakter des Spiels erkennen – auf hochintensive Belastungen mit deutlichem Hf-Anstieg folgen immer wieder in unregelmäßigen Intervallen ruhigere Spielphasen mit relativ starkem Pulsrückgang.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darüber hinaus zeigte sich, dass die durchschnittliche Trendlinie der Herzfrequenz aller Feldspieler in der zweiten Spielhälfte signifikant niedriger lag als in der 1. Halbzeit (siehe Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dies legt nahe, dass erschöpfte Glykogenspeicher entgegen der Annahme von Liesen (1983) nicht die Ursache des Absinkens der Laktatkonzentration in der zweiten Spielhälfte sein können. Bei einem Kohlenhydratmangel im Laufe einer intensiveren Belastung wird die Energiebereitstellung über eine gesteigerte Myokinase-Reaktion

(Umwandlung von zwei Molekülen ADP zu jeweils einem Molekül ATP und AMP) aufrechterhalten. Infolgedessen steigt der Adenosinmonophosphatgehalt in der Muskelzelle. Das AMP wird, wenn es nicht zu ADP und ATP aufgebaut werden kann, im sog. Purin-Nukleotid-Zyklus zu Ammoniak/Ammonium abgebaut – der Blutammoniak- spiegel steigt. Diese veränderte Stoffwechselsituation wird in der Regel von einer Überhöhung der Hf begleitet (vgl. Steinbrecher-Damm, 1994, S. 159, zitiert nach Böttcher, 1998, S. 128). Da sich jedoch weder die Herzfrequenz noch die Ammoniakkonzentration am Ende der Spielzeit gesteigert, sondern eher verringert darstellten, zweifelt Böttcher die Erschöpfung der Glykogenspeicher an. Als Ursache für den Abfall von Blutlaktat und Hf nimmt er einen generellen Rückgang der Spieldynamik und des Spieltempos in der zweiten Halbzeit an, was er durch die Daten der Videoanalyse bestätigt sieht: Sowohl

Gesamtumfang der Laufstrecken als auch die Laufintensität sind in der zweiten Halbzeit signifikant kleiner (vgl. Böttcher, 1998, S. 127-129). Zusammenfassend kommt er zu dem Schluss, dass die spielentscheidenden Aktionen (Antritte, Parallelstoßen, Tempogegenstöße) auf Schnelligkeitsleistungen der anaerob-alaktaziden Energiezufuhr beruhen, deren Basis eine gute allgemeine aerobe Ausdauer, im Sinne einer verbesserten oxydativen Wiederherstellung der ATP- und KP-Speicher, sein muss. Laktazide Belastungen spielen nur eine untergeordnete Rolle, so dass die Schnelligkeitsausdauer nicht als bedeutendes Element der handballspezifischen Leistungsvoraussetzungen anzusehen ist (vgl. Böttcher, 1998, S.130-132).

Die jüngste vorliegende Studie zur Untersuchung der Belastungscharakteristik im Handball von Manchado et al. (2007, S. 368-373) konzentriert sich primär auf die Herzfrequenzmessung. 14 Spielerinnen der deutschen Frauennationalmannschaft wurden in sechs Spielen der Europameisterschaft 2004 hinsichtlich ihres Herzfrequenzverlaufs untersucht. Im Vorfeld des Turniers wurden die individuellen maximalen Herzfrequenzen (Hfmax) sowie die Dauerleistungsfähigkeit im Bereich der 4-mmol-Laktatschwelle (v4) ermittelt. Im Wettkampf wurden die Herzfrequenzen der Spielerinnen alle fünf Sekunden aufgezeichnet und nach Spielende analysiert. Dabei wurden nur jene Spielphasen ausgewertet, in denen die betreffende Spielerin auf dem Feld und der Ball im Spiel war. Die jeweiligen absolut gemessenen mittleren Herzfrequenzen wurden prozentual zur individuellen Hfmax in Beziehung gesetzt (siehe Tab. 4).

Die durchschnittliche Beanspruchung aller Spielerinnen lag demnach bei 85,8%, also insgesamt in einem Bereich moderater Intensität. Allerdings wurde eine hochsignifikante negative Korrelation zwischen der prozentualen Ausnutzung der Hfmax im Spielbetrieb und der v4 festgestellt (r=0,96; p<0,01). Die v4 korreliert nach Mader und Heck (1991, S. 34) mit der maximalen Sauerstoffaufnahme. Demnach ist die relative individuelle Belastung im Wettspiel umso geringer, je besser die allgemeine aerobe Grundlagenausdauer ausgebildet ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alle angeführten Studien weisen auf eine maßgebliche Bedeutung der aeroben Ausdauer für die Spielfähigkeit im Handball hin. Ebenso bedeutend erscheint die Fähigkeit einer schnellen Kreatinphosphat-Resynthese, um die unregelmäßig auftretenden kurzen aber hochintensiven Belastungsspitzen ohne Ermüdungsakkumulation durchführen zu können. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls eine gute Laktatelimination von Bedeutung, um nach länger andauernden, intensiven Spielphasen die auftretenden, erhöhten Laktatspiegel (bis zu 12 mmol/l) abzupuffern, sprich zu tolerieren und zu kompensieren (vgl. Steinhöfer, 2003, S. 234). Das Ausmaß bzw. die maximale Rate des Laktatabbaus steht in großem Zusammenhang mit der oxydativen Kapazität der Muskulatur (vgl. De Marées, 2003, S. 371-372). „Eine hohe aerobe Kapazität sichert somit eine optimale Belastungs- verarbeitung, Regeneration, Wiederherstellung und nicht zuletzt eine hohe Belastungs- verträglichkeit“ (Staender, Müller und Bräuer, 1991, S. 16).Welche Trainingsmethoden am günstigsten sind, um sowohl die aerobe Ausdauer als auch Schnelligkeit und die Ermüdungsresistenz gegenüber wiederholten Sprintbelastungen optimal zu entwickeln, muss jedoch noch in weiteren Untersuchungen geklärt werden (vgl. Manchado et al., 2007, S: 372).

2.2 Ausdauertraining im Sportspiel

Die sportspielübergreifende Auseinandersetzung mit Fragen der Leistungs- voraussetzungen, hat verschiedene Autoren dazu veranlasst allgemeine, sportspiel- spezifische Trainingsempfehlungen auszusprechen. Dies ist unzweifelhaft dann sinnvoll, wenn Gemeinsamkeiten auf der Hand liegen; ebenso bedeutsam ist jedoch ein genauer Blick auf eventuelle Unterschiede oder spielspezifische Eigenheiten. Diese können unterschiedliche Schwerpunktsetzungen im Training bzw. eine andere Nuancierung desselben rechtfertigen oder notwendig machen. Einerseits erfordern alle Spiele Grundvoraussetzungen hinsichtlich Technik, Taktik, Kondition und ähneln sich mit Blick auf die Zielvorgabe („Ausspielen“ des Gegners), andererseits gibt es mehr oder weniger ausgeprägte Unterschiede (z.B. in der Dynamik, der Spielfeldgröße, der Teilnehmerzahl oder der Spieldauer), die insgesamt jedem Spiel eine spezifische Charakteristik verleihen (vgl. Steinhöfer, 2003, S. 8-9). Daher ist es nach Büsch (2005, S. 321) nicht möglich ein einheitliches Modell des Konditionstrainings für alle Sportspiele zu entwickeln, auch wenn manche Aspekte mit gewissen Modifikationen generalisierbar erscheinen. Trotz allem können die Forschungserkenntnisse aus anderen Sportspielbereichen durchaus Relevanz für die Trainingsgestaltung im Handball haben.

Wienecke, Brettschneider, Diekmann und Zimmermann (1998, S. 179-184) sehen die Optimierung der Ausdauerleistungsfähigkeit und damit verbunden die Fähigkeit zur aktiven Erholung als wichtiges Trainingsziel aller Ballsportarten. Sie untersuchten mit 19 Sportstudenten aus den Ballspielen Handball, Fußball, Basketball, Volleyball und Hockey den Einfluss von zwei Ausdauertrainingsmethoden auf die aerobe Kapazität, die Schnelligkeit und die Erholungsfähigkeit nach Sprintbelastungen. Nach einem Vortest wurden die Probanden in zwei leitungsheterogene Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 (G1) (größere aerobe Kapazität) absolvierte über einen Zeitraum von fünf Wochen ein zwei- bis dreimaliges Training pro Woche nach der variablen Dauermethode (Fahrtspiel). Gruppe 2 (G2) trainierte im gleichen Zeitraum bei identischer Trainingshäufigkeit nach der kontinuierlichen Dauermethode. Nach Ablauf dieser ersten Trainingsphase erfolgte eine Zwischenuntersuchung und die Gruppen wechselten die Trainingsmethode. Die zweite Trainingsphase entsprach hinsichtlich Umfang und Trainingshäufigkeit der ersten. Eingangs-, Zwischen- und Abschlussuntersuchung bestanden aus einem Feldstufentest zur Feststellung der v4, einem standardisierten Sprinttest über 5 x 30 m (mit Lichtschrankenzeitmessung) sowie der Ermittlung eines v6-Wertes. Letzterer wird bei Wienecke (1991, zitiert nach Wienecke et al., 1998) als ein Maß für die Erholungsfähigkeit nach Sprintbelastungen beschrieben.

Hinsichtlich der Ergebnisse ist vorab festzustellen, dass eine Gegenüberstellung der Gruppenresultate nach der angewendeten Trainingsmethode nur bedingt vergleichbar ist, da jeweils eine Gruppe bereits eine vorgeschaltete Trainingsintervention absolviert hatte. Nach dem Fahrtspieltraining steigerte sich die Sprintschnelligkeit in beiden Gruppen (G1: nicht signifikant – 1,3%, G2: signifikant – 2,4%) ebenso wie die v6 (G1: schwach signifikant – kein Wert angegeben, G2: nicht signifikant – 0,5%). Die aerobe Kapazität verschlechterte sich in G2 nicht signifikant um 1,3%, wohingegen sie in G1 um 6,6% signifikant anstieg. Unterschiede zeigten sich auch bei der Laktatkonzentration im Anschluss an den Sprinttest: G1 erreichte um 12,3% geringere Werte (nicht signifikant), während G2 um 11,9% erhöhte Konzentrationen aufwies (signifikant).

Die Tests im Anschluss an das Training nach der kontinuierlichen Dauermethode zeigen ebenfalls teilweise gegensätzliche Ergebnisse. Die Erholungsfähigkeit nach Sprintbelastungen verbesserte sich in G2 signifikant um 4%, während sie sich bei G1 leicht verschlechterte (-0,4% - nicht signifikant). In G1 steigerte sich die Ausdauerleistung geringfügig (0,5% - nicht signifikant), wohingegen in G2 ein deutlicher Zuwachs gemessen wurde (18,1%). Dazu soll angemerkt werden, dass wie bereits erwähnt, G1 zum einen vor Beginn des kontinuierlichen Lauftrainings ihre Leistungsfähigkeit um 6,6% gesteigert hatte und zum anderen von vorneherein ein höheres Leistungsniveau hatte. Bekanntermaßen besteht zwischen Trainingszustand und Leistungszuwachs ein asymptotischer Zusammenhang – auf niedrigem Leistungsniveau bewirken bereits geringe Belastungen vergleichsweise hohe Leistungssteigerungen, während es mit zunehmendem Trainingszustand umso aufwendiger wird Leistungszuwächse zu erreichen (vgl. Hohmann, Lames und Letzelter, 2007, S. 164-165 / Weineck, 2007, S. 138 / Frey und Hildenbrandt, 2002, S.52).

Eingedenk dessen sind oben genannte Differenzen in der Leistungsentwicklung vorsichtig zu interpretieren. Das Geschwindigkeitsniveau im Sprinttest verschlechterte sich in beiden Gruppen (nicht signifikant) in vergleichbarer Größenordnung (G1: -1,5% – G2: -1,2%). Die Laktatkonzentrationen nach der Sprintbelastung verringerten sich ebenfalls in beiden Gruppen (G1: -13,7%, nicht signifikant – G2: -25,1%). Insgesamt ist auf Grund der angesprochenen Problematik der Leistungsheterogenität und der unterschiedlichen Interventionsgestaltung bzw. -abfolge zwischen beiden Gruppen, bei der Ableitung von Schlussfolgerungen ein gewisses Maß an Zurückhaltung geboten. Wienecke et al. (1998, S. 184) leiten aus ihren Ergebnissen einen Vorteil des Fahrtpieltrainings gegenüber der kontinuierlichen Dauermethode für den Bereich der Spielsportarten ab. Die Verbesserung der v6 und eine tendenzielle Steigerung der Sprintschnelligkeit, werden als Vorteil dieser Methode angeführt, da beides „für ein erfolgreiches Abschneiden in den Sportspielen von hoher Bedeutung ist“ (Wienecke et al., 1998, S.184).

2.2.1 Ausdauertraining in den großen Mannschaftsspielen

In diesem Abschnitt werden weitere Studien aus dem Bereich des Fußballs, des Hockeys, des Baseballs und des Rugbys vorgestellt, deren Ergebnisse von Bedeutung für die trainingswissenschaftliche Betrachtung des Ausdauertrainings im Handball sein könnten.

Visscher, Elferink-Gemser und Lemmink (2006) untersuchten über einen Zeitraum von vier Jahren insgesamt 113 jugendliche Spitzenfußballer aus den Talentförderungs- programmen zweier holländischer 1.-Liga-Clubs. Die Studienteilnehmer wurden jeweils am Ende einer Saison (April) zu einem Feldstufentest zur Ermittlung der spielspezifischen Ausdauer herangezogen und zur Ergebnisauswertung in zwei Altersgruppen aufgeteilt: 12- 15-Jährige und 16-18-Jährige. Außerdem wurde zwischen Spitzenspielern und Perspektivspielern unterschieden (auf Grundlage von Experten-/Trainereinschätzungen). Mittels eines Fragebogens wurden außerdem der Zeitumfang des wöchentlichen Fußballtrainings, des zusätzlichen Trainings (allgemeines Konditionstraining und andere Sportarten) und der Gesamttrainingsumfang erfasst.

Die Ergebnisse zeigten, dass innerhalb beider Altersgruppen die Spitzenspieler über eine signifikant bessere spielspezifische Ausdauer als die Perspektivspieler verfügten. Bezüglich des Trainingsumfangs ergaben sich in der Gruppe der 16-18-Jährigen keinerlei Unterschiede. Bei den 12-15-jährigen Spielern waren ebenfalls keine Unterschiede hinsichtlich des Gesamttrainingsumfangs festzustellen, jedoch in Bezug auf die Gewichtung von Fußballspezifischem und „anderem“ Training. Die Spitzenspieler trainierten zu einem größeren Teil spielspezifisch, wohingegen die Perspektivspieler im Vergleich mehr Trainingszeit für andere Bereiche aufwendeten. Daraus schlussfolgern die Autoren, dass für die Talententwicklung im Spitzenfußball eine frühzeitige spielspezifische Schwerpunktsetzung sinnvoll ist. Mit zunehmender Nähe zur Adoleszenz scheint möglicherweise jedoch weniger die Aufteilung der Trainingsformen, als die Intensitätsgestaltung im Training für weiter bestehende Leistungsdifferenzen verantwortlich zu sein (vgl. Visscher et al., 2006, S. 86).

In einer ähnlichen Studie untersuchten Elferink-Gemser, Visscher, Duijn und Lemmink (2006) die Entwicklung der spielspezifischen Ausdauer von jugendlichen Hockeyspielern und –spielerinnen. Innerhalb von drei Jahren wurden insgesamt 217 Talente im Alter von 12 bis 19 Jahren aus dem Förderungsprogramm eines holländischen Spitzenclubs getestet. Es wurden ebenfalls Feldstufentests und Befragungen zum Trainingsumfang durchgeführt. Dabei konnte sowohl für die männlichen, als auch für die weiblichen Teilnehmer ein positiver Zusammenhang zwischen dem Umfang des zusätzlichen allgemeinen Konditionstraining und der Entwicklung der spielspezifischen Ausdauer festgestellt werden. Spitzenspieler zeigten eine bessere absolute Ausdauerleistungsfähigkeit und ebenso eine bessere Entwicklung derselben. Die Autoren schlussfolgern, dass die Leistungsentwicklung bei Spitzenspielern trotz vielfältiger interindividueller und geschlechtspezifischer Unterschiede vielversprechender ist. Dies steht einerseits im Zusammenhang mit dem allgemeinen Fitnesszustand (Körperfettanteil) und andererseits mit dem Gesamtumfang des Trainings und dem Anteil allgemeinen Konditionstrainings. Ein Einfluss der Trainingsintensität wurde ebenfalls angenommen, wurde jedoch nicht untersucht.

Eine weitere Studie mit jugendlichen Spitzenfußballspielern führten McMillan, Helgerud, MacDonald und Hoff (2005) durch. Sie untersuchten die Wirksamkeit eines hochintensiven, aeroben Intervalltrainings auf die VO2max von elf Spielern (des schottischen Premiere-League-Clubs Celtic Glasgow) im Alter von durchschnittlich 16,9 Jahren. Über einen Zeitraum von zehn Wochen absolvierten die Teilnehmer zusätzlich zum Mannschaftstraining ein Trainingsprogramm aus vier vierminütigen Belastungsintervallen mit einer Intensität von 90-95% der Hfmax. Dabei dribbelten die Spieler mit Ball durch einen abgesteckten Parcours. Zwischen den Intervallen lagen dreiminütige Pausen, in denen bei einer Hf von etwa 70% der Hfmax gejoggt wurde.

Im Ergebnis konnten die Spieler ihre VO2max hochsignifikant (p<0,001) um durchschnittlich 6,4 ml kg-1 min-1 (von 63,4 ml kg-1 min-1 zu 69,8 ml kg-1 min-1) steigern.

Gleichzeitig zeigten sich signifikante Verbesserungen im „counter movement jump“-Test und keine Veränderungen in den Sprintzeiten über eine Distanz von zehn Metern. Die

Autoren fassen zusammen, dass ein zusätzliches intensives Intervalltraining auch mit Ball geeignet ist, die allgemeine Ausdauerleistungsfähigkeit) gemessen an der VO2max zu verbessern, ohne negativen Einfluss auf Sprungkraft und Sprintfähigkeit zu haben.

Bezüglich der Bedeutung der Trainingsintensität für die Vereinbarkeit von Ausdauer- und Krafttraining führten Rhea, Oliverson, Marshall, Peterson, Kenn und Ayllón (2008) eine Untersuchung mit 16 College-Baseballspielern der amerikanischen Division-I durch. Die Teilnehmer wurden in zwei Trainingsgruppen aufgeteilt, von denen eine ein zusätzliches moderates bis intensives Ausdauertraining an drei bis vier Tagen die Woche während einer Saison absolvierte und die andere Gruppe Schnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer trainierte. Am Ende der Saison zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen bezüglich der Veränderung der Kraftleistungsfähigkeit der unteren Extremitäten.

Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Ausdauerleistungsfähigkeit und der Fähigkeit wiederholt hohe Sprintbelastungen durchzuführen, liefert eine Studie von Coetzee und Adendorff (2002) aufschlussreiche Erkenntnisse. Die Autoren untersuchten acht südafrikanische Rugby-Spieler im Alter von etwa 19 Jahren (18,78, SD: 0,44). Mit einem Laufbandtest wurde die VO2max bestimmt und ein Sprinttest über 6 x 40 m mit jeweils 20 Sekunden Pause durchgeführt. Darüber hinaus wurde die individuelle anaerobe Schwelle (IAS) ermittelt. Die Ergebnisse zeigten, dass sowohl die Leistungsfähigkeit an der IAS als auch die anaerobe Glykolyse (abgeleitet aus der relativen Leistung pro kg Körpergewicht) in einem engen positiven Zusammenhang mit der besten 40m Sprintzeit stehen (r = 0,89 bzw. r = 0,96). Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass der Einfluss der aeroben Energiebereitstellung bei wiederholten Sprintbelastungen nicht zu unterschätzen ist, jedoch weitere Forschung notwendig ist, um genauere Erkenntnisse zu erhalten (siehe dazu Kapitel 2.3.1).

Zusammengefasst lässt sich an diesen Studien Folgendes erkennen: Auf nationalem Leistungsniveau scheint die Entwicklung der spielspezifischen Ausdauer in jüngeren Jahren durch ein umfangreicheres spielspezifisches Training begünstigt zu werden, wohingegen ab einem Alter von 16 Jahren zusätzliches allgemeines Konditionstraining positive Effekte bewirkt. Dabei ist möglicherweise die Intensität des Trainings von entscheidender Bedeutung. Die Ergebnisse von McMillan et al. (2005) zeigen in diesem Zusammenhang, dass Intervalltraining mit hoher Intensität keinen negativen Einfluss auf die Sprintschnelligkeit hat. Gleichzeitig wird deutlich, dass auch Übungsformen mit dem

Ball geeignet sind die aerobe Ausdauer zu schulen. Die Studie von Rhea et al. (2008) zeigt allerdings, dass aerobes Ausdauertraining negativen Einfluss auf die Kraftentwicklung der unteren Extremitäten im Verlauf einer Saison haben kann. Bezogen auf den Handballsport ist die Forderung der Autoren nach einem Verzicht auf aerobe Trainingsformen verständlicherweise nicht haltbar. Die Belastungscharakteristik der beiden Sportarten ist zu verschieden. Dennoch ist auch im Handball eine Entwicklung der Beinkraft, aufgrund der vielen Sprunganforderungen von hoher Bedeutung. Insofern sollte in der Trainingsplanung berücksichtigt werden, dass ein hohes Maß an aerobem Ausdauertraining hier kontraproduktiv wirken kann.

Auf die Darstellung weiterer Untersuchungen, die sich mit gängigen Formen des Ausdauertrainings (extensive, intensive Dauer- oder Intervallmethode) in anderen Mannschaftsspielen befassen, wird verzichtet, da zu diesen Aspekten auch Arbeiten aus dem direkten Bereich des Handballsports vorliegen.

2.2.2 Ausdauertraining im Handball

Aufgrund der allgemein anerkannten Bedeutung der aeroben Ausdauer für das Sportspiel stellt die Schulung derselben bei Handballteams bereits seit langem einen wesentlichen Bestandteil des Trainings in der Vorbereitungsperiode dar (vgl. Platen, 1989, S. 13). Die deutsche Herrennationalmannschaft absolvierte in ihrer Vorbereitung auf das olympische Turnier 2004 in Athen bei insgesamt 51 Trainingseinheiten, 16 reine Ausdauereinheiten (25 handballspezifische und 12 TE für Kraft, Schnelligkeit und Koordination). Dabei konnten die Spieler ihre Leistungsfähigkeit an der 4mmol-Laktatschwelle (abgeschätzte obere Grenze der aeroben Leistungsfähigkeit; auch v4) im Durchschnitt von 3,7 m/s auf 4,3 m/s steigern (Brand, 2004).

Rost und Hollman (1982, S. 124) sehen als Optimalbereich für Spielsportler eine v4 von 4,0 bis 4,7 m/s an. Platen (1989, S. 13) stellt fest, dass für hohe Leistungsansprüche im Handball annähernd 4 m/s erreicht werden sollten. Die Ergebnisse eines von ihr durchgeführten Feldstufentests mit 32 Spielerinnen des deutschen Frauennationalkaders, 9 männlichen und 13 weiblichen Spieler/innen der 1. Handball-Bundesliga sowie 26 männlichen und 13 weiblichen Spieler/innen der 2. Handball-Bundesliga ergaben jedoch, dass die durchschnittliche Laufleistung je nach Spielklasse teils deutlich darunter lag. Lediglich drei Spielerinnen und acht Spieler der 93 Probanden konnten diesen Wert zu Saisonbeginn erreichen (siehe Tab. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es zeigte sich, dass Spieler höheren Leistungsniveaus im Durchschnitt auch eine bessere Ausdauerleistungsfähigkeit besitzen. Jeweils zwei Herren- und Damenmannschaften der 1. und der 2. Bundesliga wurden zusätzlich zu Beginn der Vorbereitungsperiode getestet. Zwei Mannschaften (n=22) führten über sechs Wochen ein zusätzliches, individuell gesteuertes Lauftraining mit zwei bis drei Läufen von 40-45 Minuten zusätzlich zum Mannschaftstraining durch (Anmerkung des Verfassers: keine Angaben zur Intensitätssteuerung). Diese Mannschaften konnten ihre Leistung von Test 1 zu Test 2 durchschnittlich von 3,3 m/s auf immerhin 3,6 m/s steigern. Eine Mannschaft (n=12) ohne spezielles Ausdauertraining erzielte nur eine geringe Verbesserung von 3,0 m/s auf 3,1 m/s, während eine weitere Mannschaft (n=7) mit einem deutlich höheren Ausgangsniveau (durchschnittlich 3,9 m/s) dieses ohne zusätzliches individuelles Training nur halten konnte (vgl. Platen, 1989, S.14).

Die Bedeutung eines zusätzlichen Ausdauertrainings im Saisonverlauf unterstreicht Platen (1989, S 14) mit einer weiteren Untersuchung von fünf Spielerinnen einer Bundesliga- Spitzenmannschaft. Drei dieser Spielerinnen hatten sich nach einem ersten Test zur Saisonmitte in den folgenden zehn bis zwölf Wochen ohne ein zusätzliches Ausdauertraining um 0,3 bis 0,5 m/s verschlechtert. Auch Steinhöfer (2003, S. 235) fordert, zusätzliches Ausdauertraining ganzjährig und nicht nur in Vorbereitungs- und Übergangsphasen einzuplanen. Viele Trainer befürchten jedoch, dass unter einer Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit die Schnelligkeit der Spieler leiden könnte (vgl. Brings et al., 1998, S. 31).

Eine Untersuchung der deutschen Damennationalmannschaft im Rahmen der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 1997 zeigte hingegen, dass sich durch ein gezieltes, individuelles Training die ausdauer- und sprintspezifische Leistungsfähigkeit parallel entwickeln lassen. Die Nationalspielerinnen absolvierten jeweils einen Feldstufentest zur Ermittlung der v4 und einen 30m-Sprinttest auf zwei Lehrgängen (Test 1: vierte Juliwoche, Test 2: zweite Oktoberwoche).

[...]

Details

Seiten
92
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640156238
ISBN (Buch)
9783640864461
Dateigröße
2.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115102
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Sport- und Sportwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Ausdauertraining Jugend-Leistungshandball Handball

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Titel: Ausdauertraining im Jugend-Leistungshandball