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Umweltaspekte im Umgang mit dem PC

Hausarbeit 2001 29 Seiten

Informatik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einführung

1. Der PC - ein Sorgenkind
1.1 Das Abfallproblem
1.2 Elektronikschrott-Richtlinie
1.3 Lösungsansätze

2. Richtlinien und Prüfsiegel
2.1 Allgemeine Richtlinie für den PC
2.2 Richtlinien für den Bildschirm
2.3 Richtlinien für den Drucker
2.4 Der blaue Umweltengel
2.4.1 Anforderungen
2.4.2 Auszug aus dem Verzeichnis der Anwender

3. Energieverwaltungsfunktionen
3.1 APM und ACPI
3.2 SpeedStep-Technologie von Intel
3.3 „PowerNow!“ von AMD

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Glossar

Einführung

Die gewaltige technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte schreitet immer schneller voran und bringt immer neuere und leistungsstärkere Produkte auf den Markt, die einer stetig steigender Nachfrage der Konsumenten und der Industrie gegenüberstehen. Möglichst »viel Computer« zu einem geringen Preis heißt dabei die Devise.

Erst das Mitte der achtziger Jahre aufkommende allgemeine Umweltbewußtsein führten zu einer kritischen Würdigung dieses Fortschritts. Es zeigte sich nämlich, daß Lebenszyklen elektronischen Geräte - besonders die der Computer und deren Komponenten - sich von mal zu mal verkürzen und die Frage nach einer angepassten, umweltgerechten Entsorgung immer mehr in den Vordergrund rückt. Vermeidung von Abfall und die Verwertung gebrauchter Produkte sind hierbei wichtige Ziele des Umweltschutzes, da mögliche Schadstoffbelastungen vermieden, Ressourcen geschont und Deponieraum eingespart werden können. Jedoch nicht nur die Entsorgung der Geräte verdient hierbei ein besonderes Augenmerk, auch das Umweltverhalten während der Produktion und im laufenden Betrieb spielt eine große Rolle: Wie sieht der Energieverbrauch aus? Wie hoch sind die Lärm- bzw. Strahlungsemissionen? Welche und wie viele Ressourcen werden für die Produktion benötigt? Fragen, die sich die Industrie neben der Abfallproblematik zu stellen hat und diese mit immer noch recht zaghaften Ansätzen versucht zu beantworten.

1. Der PC - ein Sorgenkind

Computer entwickeln sich zunehmend zu dem Standardarbeitswerkzeug in Büros und auch in privaten Haushalten. Für den Anwender erscheint dabei der PC als »sauberes Gerät«, das auf den ersten Blick außer Storm nicht sehr viel Ressourcen beansprucht. In Wirklichkeit jedoch fallen allein schon bei der Herstellung zahlreiche Abfallprodukte an, die eine starke Belastung für Mensch und Umwelt darstellen.

Wie umfangreich sich diese umwelttechnischen Aspekte erweisen, verdeutlicht recht eindrucksvoll Abbildung 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (Daten: TU Berlin, Zentraleinrichtung - Kooperation)

Augenscheinlich wird bei der Nutzung des PCs lediglich Energie verbraucht undbeim »Ableben« des Gerätes Müll produziert. Aber schon bei der Produktion elektronischen Geräte werden zahlreiche Schadstoffe freigesetzt und Wasser wird stark verschmutzt; so werden im Durchschnitt 33.000 Liter Wasser belastet, um einen Computer herzustellen. Da PCs mit zu den komplexesten elektronischen Geräten zählen, erweist sich die Produktion als äußerst anspruchsvoll: Bis zu 4.000 verschiedene Kunststoffe, Metalle und andere Stoffe werden in den Bauteilen miteinander verbunden, dabei müssen die Rohstoffe sehr hochwertig sein, um beim späteren Einsatz höchsten Anforderungen genügen zu können.

„Halogenhaltige Flammschutzmittel, bei deren Verbrennung giftige Dioxine freigesetzt werden können, sind bei den großen Herstellern zwar weitestgehend aus den Geräten verbannt, die Ersatzstoffe sind allerdings nicht immer unproblematisch: Antimontrioxid ist als krebserregend eingestuft, Triphenylphosphat hat sich als Kontakt-Allergen herausgestellt, das auch in der Luft von Büroräumen nachzuweisen ist. Letztendlich ist auch PVC als Kabelummantelung problematisch.“[1]

1.1 Das Abfallproblem

Die schnelle technische Entwicklung führt zum Ersetzen von Geräten durch solche mit höherer Leistungsfähigkeit in relativ kurzen Zeiträumen. Folglich muß eine ständig steigende Zahl gebrauchter Geräte entsorgt werden. Gleichzeitig müssen heutige PCs immer schneller und immer besser arbeiten - funktionieren sollen die Geräte. Die wesentlichen Kriterien zur Auswahl der eingesetzten Werkstoffe sind ihre technische Eignung, die Kosten, sowie eine unkomplizierte Verarbeitung. Inwieweit diese Materialien nach Ablauf der Nutzungsdauer der elektrischen Geräte negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben könnten, wurde bislang kaum hinterfragt. Mittlerweile wachsen jedoch die Müllberge, Sickerwasser aus den Deponien belasten das Grundwasser - die im Elektronikschrott enthaltenen Schadstoffe sorgen auf den Deponien und Müllverbrennungsanlagen für Probleme. Sie stellen zum einen bei einer Freisetzung eine Gefahr für die Umwelt dar, zum anderen können sie bei unsachgemäßer Gerätedemontierung eine Gefährdung der bearbeitenden Personen bewirken. Beispiele sind quecksilberhaltige Schalter, PCB-haltige Kondensatoren und verschiedene Batteriearten. Auch die Leuchtstoffbeschichtung in Bildröhren kann umweltschädliche Stoffe enthalten, Kunststoffen können schwermetallen bzw. halogenhaltigen Additive (Zusatzstoffe) zugesetzt sein[2].

Gleichzeitig enthält der Müll aber auch einen hohen Anteil an recycelbaren Stoffen, die im Abfall eigentlich nichts zu suchen haben. 1998 fielen europaweit sechs Millionen Tonnen Elektro- u. Elektronikaltgeräte an. Das entspricht vier Prozent der kommunalen Abfälle. Stimmen die Prognosen der EU, so wird die Menge des Elektronikschrotts Jahr für Jahr um drei bis fünf Prozent steigen. Dabei macht der Anteil der Haushaltsgeräte den größten Teil aus. Der Rest verteilt sich wie in Abbildung zwei dargestellt auf die Unterhaltungselektronik und die Industrieelektronik. Auch die EDV und Informationstechnik ist etwas mehr als 110.000 Tonnen jährlich ein nicht zu unterschätzender Bereich des Abfallaufkommens. Bis heute wird der größte Teil des Elektronikschrotts auf Deponien gelagert, verbrannt oder ohne Vorbehandlung als Metallschrott verwertet[3] - neben Kunststoffen und (Schwer-) Metallen als Rohstoffe landen damit auch mehrere tausend Kilogramm Gold und Silber auf dem Müll oder in der Verbrennung[4]. In einer Studie wurde getestet, inwieweit Anbieter von PC-Systemen (u.a. Apple, IBM, Siemens) Rückname von Altgeräten anbieten. Auffallend war, daß lediglich 12 Anbieter (23%) von insgesamt 52 einen derartigen Service anboten, teilweise jedoch nur in Verbindung mit Entsorgungsgebühren, die vom Verbraucher zu entrichten sind oder mit der Bedingung zum Erwerb eines Neugerätes des Herstellers.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 (Quelle: bvse, www.bvse.de)

1.2 Elektronikschrott-Richtlinie

Das Ziel einer sinnvollen Entsorgungspolitik erscheint einleuchtend:

Kein Gift auf Hausmülldeponien oder in Verbrennungsanlagen und keine unnötige Verschwendung von Ressourcen. Müllentsorgung hat sich zu einem komplizierten und kostenspieligen Nebeneffekt entwickelt, der die Wirtschaft und die Politiker zum Umdenken stimmt. Und das passierte auch, jedoch in kleinen Schritten:[6]

1998 brachte die damalige Regierung die Rücknahmeverordnung der IT-Industrie (ITV) durch den Bundestag, sie scheiterte jedoch kurze Zeit später am Bundesrat. Die neue rot-grüne Regierung wollte die Regelung wieder ausweiten auf eine generelle Elektro-Altgeräteverordnung (EAV), die auch die so genannte »weiße« (=Haushaltsgeräte) und »braune« (=Unterhaltungselektronik) Ware miteinbezogen hätte. Auch dieser Anlauf scheiterte. Vor allem rechtliche Bedenken führten dazu, daß sich die Beratungen weiter verzögerten.

Im Juni 2000 legte die EU-Kommission eine Richtlinie zu Entsorgung elektrischer und elektronischer Altgeräte vor, die eine möglichst weitgehende Verwertung der Altgeräte vorsah. Die Richtlinie verlangt den Ersatz der Schwermetalle Blei, Quecksilber, Cadmium und sechswertigem Chrom, sowie der als Flammhemmer eingesetzten organischen Substanzen polybromiertes Biphenyl (PBB) und polybromierte Diphenylether (PBDE), um den Schadstoffgehalt der Geräte in Zukunft weiter zu senken, so daß das Recycling erleichtert und die Ablagerung der Verwertungsreste unproblematisch ist. Neben diesen neuen Vorgaben, sieht die Verordnung weitergehend vor, die „geteilte Verantwortung“ einzuführen, also die Hersteller nach einer öffentlich organisierten Sammlung für ein möglichst weitgehendes Recycling und einer umweltschonenden Entsorgung der Altgeräte verantwortlich zu machen.

Die Kosten für die Umsetzung sollen die Hersteller in die Verkaufspreise mit einrechnen. Die EU rechnet deshalb mit Aufschlägen von ein bis drei Prozent.

Das Ziel ist klar: Je recyclinggerechter ein Unternehmen seine Produkte konstruiert, umso geringer fällt der Aufschlag für die Entsorgung aus. Über diesen Wettbewerbsvorteil soll der Anreiz geschaffen werden, die Produktentwicklung entsprechend zu verändern.

Jedoch sind die zeitlichen Korridore zur Umsetzung der Verordnung eng gefaßt - 18 Monate haben die Mitgliedstaaten Zeit für die Umsetzung in nationales Recht, weitere 12 Monate danach müssen die Sammelsysteme stehen. Das bedeutet für den Konsumenten, daß Geräte, die ab 2004 gekauft werden, kostenlos abgegeben werden können, da hierauf ja bereits der »Entsorgungsaufschlag« im Kaufpreis verrechnet ist. Fraglich ist derzeit jedoch noch, wie mit den Geräten zu verfahren ist, die vor 2004 gekauft wurden. Bislang haben die Kommunen diese Aufgabe übernommen, wobei es dabei keine eindeutige Regelung gab, die festlegt, wer für die Entsorgungskosten aufkommt: mal zahlen alle Bürger über die Müllgebühren, mal zahlen die Letztbesitzer bei Abholung oder Anlieferung auf dem Recyclinghof eine Gebühr oder es gibt eine Mischkalkulation. Fraglich ist auch, ob man Unterscheidung zwischen privatem und gewerblichen Elektronikschrott einführen soll: Privatkunden nutzen ihre Geräte länger als Geschäftskunden. Das relativ hohe Alter dieser Geräte bedeutet, daß nur wenig Recyclinggerechtes ankommt: untrennbare Materialverbunde, problematische Inhaltsstoffe sind in größerem Maße vorhanden als bei vorbildlichen Neugeräten, während Kennzeichnungen, die eine sortenreine Sortierung erst ermöglichen, in der Regel fehlen.

Fragen, die bis spätestens Ende 2004 geklärt sein müssen, zehn Jahre nachdem die Notwendigkeit erkannt wurde.

1.3 Lösungsansätze

Verglichen mit anderen Stoffen, ist auch beim Elektronikschrottrecycling eine Rangfolge der Maßnahmen einzuhalten, wie sie in Abbildung drei verdeutlicht wird. Im Vordergrund steht die Vermeidung des Schrottaufkommens. Die Wiederverwendung zielt darauf hin, möglichst gesamte Geräte, aber auch einzelne Baugruppen oder Bauteile wieder zum Einsatz zu bringen. Unter Weiterverwendung versteht man den Prozeß, gebrauchte Geräte oder deren Einzelteile für meist geringwertigere Aufgaben einzusetzen. Besteht selbst diese Möglichkeit nicht, so werden die Geräte der stofflichen Verwertung - der Wiederverwertung zugeführt. Der Elektronikschrott wird in einer Weise aufgearbeitet, die eine erneute Herstellung des gleichen Produkts aus den Materialien des Altgeräts ermöglicht. Bei der Weiterverwertung spricht man auch vom »Downcycling«, da hier ähnlich wie bei der Wiederverwertung Rohstoffe den Altgeräten entnommen werden, jedoch für andere, geringwertigere Güter genutzt werden. Besteht keine Recyclingmöglichkeit, so werden die Geräte thermisch verwertet, also verbrannt, um aus der dabei freiwerdenden Energie zum Beispiel Energie oder Fernwärme zu erzeugen. Ist eine Verbrennung aufgrund von zu hohen Schadstoffkonzentrationen oder zu geringen Brennwerten nicht möglich, so verbleibt in manchen Fällen als Entsorgung nur noch die Deponierung der Reststoffe.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 (Rangfolge möglicher Maßnahmen), Vgl.: Recycling, Markus Schlögl

[...]


[1] Vgl. Internet : TU Berlin (www.oekoline.net)

[2] Vgl. Recycling von Elektro- und Elektronikschrott, Markus Schlögl, 08/1995, S. 18

[3] Vgl. c’t 12/2001, S. 88

[4] Vgl. Internet: (www.oekoline.net/pcstudie/computer220800.htm)

[5] Umfrage der Verbraucher-Zentrale NRW 6/1999, ergänzt 9/1999

[6] Vgl. c’t, 12/2001, Angela Meyer, „Hightech Schrotthandel“, S. 89

[7] Vgl. Recycling von Elektro- und Elektronikschrott, Markus Schlögl, 08/1995, S. 19 u. 20

Details

Seiten
29
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638107235
ISBN (Buch)
9783638637145
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1151
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule – Fachbereich Informatik
Note
1,3
Schlagworte
Umweltaspekte Umgang Betriebsinformatik

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