Lade Inhalt...

Funktionales Übersetzen im Bereich der literarischen Kommunikation am Beispiel des nicht fiktionalen Werkes "Round Ireland with a Fridge" von Tony Hawks

Seminararbeit 2006 34 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Ziel und Aufgabenstellung der Seminararbeit

2 Materialgrundlage

3 Methodologisches Vorgehen

4 Theoretische Ausgangsposition

5 Pragmatische Übersetzungsprobleme
5.1 Instrumentelles Übersetzen
5.2 Adressatenorientiertes Übersetzen

6 Kulturelle Übersetzungsprobleme
6.1 Sprachvarietäten
6.2 Cockney Rhyming Slang

7 Lingustistische Übersetzungsprobleme
7.1 Intonation und Wirkung
7.2 Falsche Freunde

8 Zusammenfassung der Ergebnisse

9 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Ziel und Aufgabenstellung der Seminararbeit

Im Rahmen des Seminars „Theoretische und praktische Probleme des Übersetzens und Dolmetschens“ unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Heidemarie Salevsky sollen Übersetzungsfehler und -probleme aufgedeckt und erörtert sowie Translationstheorien näher beäugt und kritisch ausgewertet werden. In diesem Sinne sollen in dieser Seminararbeit die von NORD (1997, S. 65-67) spezifizierten Übersetzungsprobleme (pragmatische, kulturelle, linguistische) auf das von Tony Hawks verfasste Buch „Round Ireland With a Fridge“ und dessen Übersetzung „Mit dem Kühlschrank durch Irland“ von Xaver Engelhard angewandt und anschließend die Übersetzung analysiert und kritisch bewertet werden. Dazu soll das funktionale Translationsmodell zur Entscheidungsfindung bei Übersetzungsproblemen dienen und eventuelle Übersetzungsfehler, Informationsverluste etc. aufdecken.

2 Materialgrundlage

Als Materialgrundlage dieser Seminararbeit wurde das von Tony Hawks verfasste Buch

„Round Ireland With a Fridge“ und dessen Übersetzung „Mit dem Kühlschrank durch Irland“ von Xaver Engelhard gewählt.

Der theoretische Teil stützt sich vermehrt auf NORDS funktionales Übersetzungsmodell, wie in ihrem Buch „Translating as a Purposeful Activity“ beschrieben.

3 Methodologisches Vorgehen

Für diese Seminararbeit wurden zunächst Original und Übersetzung gründlich durchgelesen und anschließend Original und Übersetzung verglichen, um so Textmodifikationen, auffällige Unterschiede, Übersetzungsfehler sowie -probleme zu notieren und anschließend einer genaueren Analyse unterwerfen zu können. Hierdurch sollen abweichende Erscheinungen bezüglich sprachenpaarspezifischer Übersetzungsprobleme, Fehlübersetzungen und auch strategiebedingter Modifikationen festgestellt werden.

Bei der Klassifizierung des Materials wurden die von NORD (1997, S. 65-67) spezifizierten Problemkreise herangezogen. Aus diesem Grund werden in dieser Untersuchung zunächst pragmatische, danach kulturelle und anschließend linguistische Übersetzungsprobleme des Buches „Round Ireland with a Fridge“ beschrieben, die anhand des Ausgangs- und Zieltextes näher beleuchtet und kritisch in Augenschein genommen werden sollen. Übersetzungsvorschläge, die sich an funktionalen Entscheidungskriterien orientieren, werden gleichermaßen unterbreitet.

4 Theoretische Ausgangsposition

Wie von NORD (1997, S. 103) erwähnt wird im literarischen Sektor zumeist die dokumentarische Übersetzungsstrategie angewandt und erklärt in diesem Zuge, dass: „Readers seem to have grown accustomed to translations that are not really fun to read.“ Sie führt aus: „Paradoxically, ‘faithfulness’ and ‘equivalence’ are often incompatible precisely when the source and target cultures appear to be very closely related. […]

We should no longer be surprised that translated literature frequently results in disappointment! There are three possible ways out of the dilemma:

- We give up literary translation because it is impossible, […]
- We could carry on translating as we have done up to now, […]
- We could try to set in place a theoretical foundation for literary translation that allows translators to justify their decisions in order to make others (translators, readers, publishers) understand what was done and why.“ (NORD 1997, S. 91)

Im Zuge dieser Untersuchung soll aus diesem Grund der Versuch unternommen werden, über die Diskussion bezüglich Äquivalenz, Verfremdung und Einbürgerung, Treue, Bauchgefühl und ausgangs- bzw. zieltextorientiertem Übersetzen hinauszublicken und verschiedene Übersetzungsprobleme (pragmatische, kulturelle und linguistische) mittels eines funktionalen Ansatzes zu lösen bzw. einen solchen Ansatz zur Entscheidungsfindung heranzuziehen. Die zu beantwortende Frage in dieser Untersuchung soll demnach sein, ob es ein funktionales Modell zu vollbringen vermag, den Übersetzer bei der Übersetzung literarischer Werke unter die Arme zu greifen; denn gerade in der literarischen Übersetzung scheint es (bisher) so, als hätten funktionale Übersetzungsmodelle das Nachsehen.

Wie erwähnt erfolgt die Klassifizierung des Materials nach den von NORD spezifizierten Übersetzungsproblemen. Im Einzelnen sind das pragmatische, kulturelle und linguistische Übersetzungsprobleme, die NORD wie folgt unterscheidet:

„[…] all translation processes mediate between the source-text and target-text situations. Pragmatic translation problems arise from the differences between these situations and can be identified by checking on the extratextual factors (sender, receiver, medium, time, place, motive, text function). […]

Cultural translation problems are a result of the differences in the norms and conventions guiding verbal and non-verbal behaviour in the two cultures involved. […]

Translation problems can also arise from structural differences in the vocabulary, syntax and suprasegmental features of the two languages. Some of these linguistic translation problems are restricted to language pairs, as might be the case of cognates or false friends (e.g. English actually vs. German aktuell), [...]“ (NORD 1997, S. 65-66)

In Bezug auf die „literarische Kommunikation“ sind für NORD (1997, S. 80-84) u. a. folgende Aspekte von Wichtigkeit: Sender/Autor, Intention, Adressaten, Medium, Ort/Zeit, Effekt oder Funktion. Auf diese soll auch in meiner Untersuchung zunächst näher eingegangen werden.

Sender/Autor: Der Autor, Tony Hawks, ist ein in London (England) lebender Comedian, der dort für seine bizarren, lustigen Aktionen bekannt ist. Er hat bereits mehrere Bücher verfasst, so z. B. „One Hit Wonderland“ oder „A Piano in The Pyrenees“, die stets belustigende Darstellungen seines abenteuerlichen Lebens widerspiegeln sollen.

Intention: Der Autor möchte über seine Abenteuerreise durch Irland berichten, die auf einer Wette basiert, nach der er mit einem Kühlschrank quer durch Irland in nur 30 Tagen trampen muss. Hierbei passieren ihm die unglaublichsten und (vor allem) lustigsten Dinge, die er seiner Leserschaft näher bringen möchte. Zugleich klärt er über Irland und seine Menschen auf, allerdings nicht in dem Maße, wie es ein Reiseführer tun würde, da keinerlei Karten oder rigorose Wegbeschreibungen sein Buch zieren. Überschriften der Rezensionen bei http://www.amazon.co.uk geben Intention und Effekt (weiter unten) Preis: „So funny I cried and screamed in public“, „Hilarious fun with a fridge that made me laugh out loud!“, „One of the funniest books I have ever read!“

Adressaten: Die Empfänger sind Jugendliche und Erwachsene, die der englischen Sprache mächtig sind und die zum einen Interesse an Irland bekunden (könnten) und zum anderen ein unterhaltsames und lustiges Buch zu lesen beabsichtigen. Da der Autor als Comedian bekannt ist, dürfte Letzteres einen höheren Stellenwert haben, was insbesondere auch der Titel verrät.

Medium: Das Medium ist ein in schriftlich abgefasstes Buch im Taschenbuchformat. Eventuellen Platzbeschränkungen bezüglich der deutschen Übersetzung muss somit keinerlei Beachtung geschenkt werden.

Ort/Zeit: Das Buch wurde 1997 herausgegeben und stellt die Menschen in und um Irland dar. Somit kann die Ort- und Zeitdifferenz vernachlässigt werden bzw. spielt keine essentielle Rolle innerhalb des Übersetzungsprozesses.

Effekt oder Funktion: Hinsichtlich seines schriftlichen Ausdrucks bedient sich der Autor häufig saloppen und zur Umgangssprache gehörenden Ausdrücken sowie belustigenden Wortspielen, welche seinem Leserkreis gehörige Bauchkrämpfe bescheren sollen.

5 Pragmatische Übersetzungsprobleme

5.1 Instrumentelles Übersetzen

Ein Beispiel einer dokumentarischen Übersetzungsstrategie – also im klassischen Sinne die ausgangstextorientierte Übersetzungsstrategie – bietet sich der Lesergemeinde in folgendem Satz.

„To cheer myself up I started to scan the map for places with silly names. I noticed a Nobber and another place Muff.“ (HAWKS 1998, S. 18)

„Um mich aufzuheitern, suchte ich die Karte mit Orten nach dämlichen Namen ab. Ich entdeckte Nobber und einen Ort namens Muff.“ (HAWKS 2000, S. 35)

Der Brite kann sich in diesem Fall glücklich schätzen, der englischen Sprache mächtig zu sein, ist ihm doch sofort bewusst, dass es sich bei „Nobber“ um ein Innuendo handelt – nämlich „knob“ (vulgär für das männliche Glied); auch „muff“, als Vulgärausdruck für

„Vagina“, dient hier diesem Zweck. Der deutsche Leser hingegen wird allenfalls noch mit

„Muff(e)“ etwas anfangen können – die Bezeichnung „Nobber“ dürfte ihn nicht zum schmunzeln anregen. Allerdings scheint es so, als hätte HAWKS den Leser zum Lachen anregen wollen – eine referentielle bzw. informative Funktion sehe ich nicht –, es also nicht seine Intention war, seiner Leserschaft Bericht zu erstatten, welche Ortsnamen, sondern welche unsinnigen Ortsnamen er auf der Karte ausmachte. So könnte eine instrumentelle Übersetzung folgendermaßen lauten:

„Um mich aufzuheitern, suchte ich die Karte mit Orten nach dämlichen Namen ab. Ich entdeckte Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch und einen Ort namens Muff(e).“

Den walisischen Ort „Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch“ gibt es in der Tat und dürfte für die deutsche Leserschaft weitaus unsinniger und lustiger erscheinen als der Ort „Nobber“. Das einzige Problem, welches der Übersetzer dann noch zu lösen hätte, wäre, die vorherigen und nachfolgenden Sätze anzupassen, da auf einer Irlandkarte gemeinhin keine walisischen Orte zu finden sind. Also für: „[…] yet there I was looking at a map of Ireland and […]“ (HAWKS 1998, S. 5) nicht:

„[…] und trotzdem saß ich da, studierte eine Karte von Irland und [...]“ (HAWKS 2000, S. 15) sondern: „[…] und trotzdem saß ich da, studierte eine Landkarte und [...]“ Eine andere Komplikation schließt sich zahlreiche Seiten weiter an.

„We went up a hill and on my right I could just make out a sign saying 'NOBBER MOTORS'. Excellent - this cheered me up - a secondhand car dealer's called Nobber Motors. Where the salesmen really screw you.“ (HAWKS 1998, S. 26)

Die für die englische Lesergemeinde recht belustigende Situation, nämlich dass es einen Gebrauchtwagenhändler namens „Nobber Motors“ (also soviel wie „Penis-Motors“) gibt und die dortigen Verkäufer jeden „aufs Kreuz legen“ („screw“) – und das im doppelten Sinne –, wurde in der deutschen Version nicht belassen.

„Wir erklommen einen Hügel, und auf meiner rechten Seite konnte ich gerade noch ein Schild sehen, auf dem »Nobber Motors« stand.“ (HAWKS 2000, S. 47)

Mehr erfährt der deutsche Leser nicht; und damit hätte auch der letzte Teil des Satzes, nämlich dass HAWKS ein Schild mit der Aufschrift „Nobber Motors“ ausmachte, weggelassen werden können, denn genau dies stellt die Einleitung für die nächsten zwei Sätze dar. Eine instrumentelle Übersetzung könnte in etwa so aussehen.

„Wir erklommen einen Hügel und ich erblickte ein Schild, auf dem (übersetzt) soviel wie „Zum Autohaus Pillermann“ stand. Einsame Spitze! Das brachte mich direkt auf andere Gedanken. Ein Autohaus, in dem es einem Pillermänner wirklich besorgen können.“

Hier wurde ein typisch deutscher Sachverhalt dargestellt, nach welchem Autohäuser oft mit dem Namen des Eigentümers benannt werden. Sicherlich handelt es sich „eigentlich“ um einen Gebrauchtwagenhändler, aber des Amüsements und der Kürze wegen viel die Entscheidung schließlich auf das Autohaus.

[...]

Details

Seiten
34
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640165803
ISBN (Buch)
9783640166176
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115097
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,3
Schlagworte
Funktionales Bereich Kommunikation Beispiel Werkes Round Ireland Fridge Tony Hawks Theoretische Probleme Dolmetschens

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Funktionales Übersetzen im Bereich der literarischen Kommunikation am Beispiel des nicht fiktionalen Werkes "Round Ireland with a Fridge" von Tony Hawks