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Ansätze der Musiktherapie bei neurologischen Störungen anhand einiger ausgewählter Krankheitsbilder

Hausarbeit 2008 23 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Musiktherapie?
2.1 Definition
2.2 Aktive Musiktherapie
2.3 Rezeptive Musiktherapie
2.4 Anwendungsbereiche

3. Musiktherapie in der Neurologie
3.1 Aphasie
3.1.1 Symptome
3.1.2 Möglichkeiten durch die Musiktherapie
3.2 Apallisches Syndrom
3.2.1 Symptome
3.2.2 Wirkungsweise der Musiktherapie
3.3 Amnesie
3.3.1 Symptome
3.3.2 Behandlungsmöglichkeiten mit Musiktherapie

4. Musiktherapie und Soziale Arbeit
4.1 Geschichte der Musiktherapie
4.2 Ansatzpunkte Musiktherapie und Sozialen Arbeit

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wer kennt sie nicht – die Hymnen der Musik über die Musik?

John Miles beschreibt in „Music“ (1976) seine Liebe zur Musik mit den Worten „music was my first love and it’ll be my last“. In den 70er Jahren verzauberte die schwedische Popgruppe ABBA mit „Thank you for the music” (1978) tausende Menschen. Eine Hymne an die Musik, die durch Singen und Melodien das Leben lebenswert machen, die in den 90er Jahren durch das Musical „Mamma Mia“ wieder aktuell wurde.

Musik begleitet uns mittlerweile fast rund um die Uhr. Das altbewährte Klingeln des Weckers wurde durch Radiomusik ersetzt. Eine Autofahrt ohne Musik – für viele undenkbar. Einkaufszentren versuchen ihre Kunden durch Hintergrundmusik zu manipulieren und zum Kauf zu animieren. In der S-Bahn kann man sich vor verschiedenen Musikrichtungen kaum retten und sogar beim Joggen begleitet uns die Musik. Sie ist allgegenwärtig.

„Liebling, sie spielen unser Lied“ – wohl einer der meist gesprochenen Sätze weltweit. Wir verbinden Musik mit Emotionen, erinnern uns bei bestimmten Liedern an Gefühle, z.B. der erste Kuss, der erste Tanz usw. Wenn wir traurig sind, hilft uns Musik dieses Gefühl zu ertragen. Musik, eine geheimnisvolle Macht.

Oliver Sacks beschreibt in seinem Buch „Der einarmige Pianist“ (Sacks 2008, S.239) einen Aphasiker, der mit Hilfe der Musik wieder zu seiner Sprache gefunden hat. Ein ähnliches Beispiel, das wir in Neuropsychologie gehört haben, hat mich derart begeistert, dass ich wissen wollte, wie Musik – speziell die Musiktherapie bei anderen neurologischen Störungen eingesetzt wird und wirken kann.

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird zuerst der Begriff Musiktherapie definiert, um anschließend anhand einiger ausgewählter Störungsbilder zu zeigen, wie die Musik auf Patienten wirken kann. Im Anschluss daran versuche ich eine Verbindung zur Sozialen Arbeit herzustellen.

2. Was ist Musiktherapie?

2.1 Definition

Musik bestimmt unser Leben – von der Geburt bis zum Tod. Wir benutzen die Musik im Alltag zur Untermalung, Motivation oder Entspannung. Die Erkenntnis, dass Musik auch als Heilmittel eingesetzt werden kann, ist so alt wie die Menschheit selbst. In der Antike beschrieben die Griechen und Römer Musik und Tanz, die eine heilsame Wirkung hatten.

Einen der frühesten Hinweise auf die Heilkraft der Musik liefert die Bibel. Im Alten Testament, im Buch Samuel, das die Geschichte von König David erzählt, wird beschrieben, wie Musik auf Depressionen wirkt: „Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, so nahm David die Harfe und spielte mit seiner Hand; so erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.“ (http://www.bibel-online.net/buch/09.1-samuel/16.html#16,23 vom 01.08.08). Medizinmänner und Schamanen der Urvölker versuchten mit Rhythmen und Klängen, den Verlauf von Krankheiten zu beeinflussen. Zum Teil wird dies auch heute noch bei Naturvölkern praktiziert.

„Musiktherapie ist der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit“ (www.musiktherapie.de/index.php?id=18 vom 17.07.08)

Robert Jourdain beschreibt in seinem Buch „Das wohltemperierte Gehirn“ wie Musik im Kopf entsteht und wirkt. Musik spricht nahezu alle Bereiche des menschlichen Gehirns an und löst verschiedene emotionale Reaktionen aus. Klang, Rhythmus und die mit der Musik unweigerlich verbundenen Bewegungen ermöglichen es dem Menschen u.a. Spannungen, Ängste und auch emotionale Konflikte abzubauen.

Gerade bei neurologischen Störungsbildern ist die herkömmliche Kommunikation zwischen Patient und Außenwelt erschwert oder stellenweise sogar unmöglich.

Musik stellt in vielen Fällen die einzige Möglichkeit dar, einen Zugang zu den Patienten zu bekommen, Ressourcen zu aktivieren, soziale Dialoge aufzubauen und die Interaktion zu fördern.

2.2 Aktive Musiktherapie

Die Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Musiktherapie bezieht sich auf den Aspekt der musikalisch-gestaltenden Teilnahme des Patienten.

In der aktiven Musiktherapie ist der Patient selbst mit einem Instrument oder seiner Stimme beteiligt. Der Patient gibt eine Melodie oder einen Rhythmus vor und der Therapeut greift diese auf. Eine musikalische Vorbildung von Seiten des Patienten ist dabei nicht notwendig. Es wird frei improvisiert. Die dabei entstehende Musik kann durchaus eigenartig klingen. Ziel ist es, dass Patient und Therapeut miteinander in Interaktion kommen. Durch die Musik werden emotionale Verhaltensweisen hör- bzw. auch fühlbar gemacht. (Kraus 1998, S. 38 ff)

Die aktive Musiktherapie kann sowohl als Gruppentherapie als auch als Einzeltherapie stattfinden.

2.3 Rezeptive Musiktherapie

Im Gegensatz zur aktiven Musiktherapie ist der Patient bei der rezeptiven Musiktherapie nicht am Musizieren beteiligt. Der Patient nimmt die Musik, die entweder vom Therapeuten gespielt oder von Medien abgespielt werden, passiv wahr, d.h. ohne Einfluss auf die musikalische Gestalt. Dabei erhöhen sich die Introspektion und die Selbstwahrnehmung des Patienten.

Um den Patienten auf der emotionalen Ebene anzusprechen und somit vorhandene Ressourcen zu aktivieren, ist es sinnvoll, biographisch bedeutsame Musik zu verwenden. Die Wirkung wird dabei stark von den musikalischen Vorlieben des Patienten beeinflusst, die anhängig von Biographie, Alter, Sozialstatus, Hörsituation usw. sind.

In der Praxis lassen sich diese zwei Therapieformen selten trennen, sie werden gemeinsam in den Sitzungen angewendet.

2.4 Anwendungsbereiche

Der Einsatz von Musiktherapie findet in fast allen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens Verwendung.

Im Gesundheitswesen gilt dies vor allem für den klinischen Bereich mit psychotherapeutischen Spezialkliniken für Patienten aller Altersgruppen (Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie-Einrichtungen) bis hin zu somatischen Fachkliniken (Onkologie, Neurologie, Kardiologie, Neonatologie). In diesen Bereichen richtet sich die Behandlung mit Musiktherapie vor allem auf die Verarbeitung der durch die Krankheit entstandenen psychischen und sozialen Folgen, z.B. Trauern um das Leben vor der Erkrankung, Umgang mit der neuen Lebenslage usw. (vgl. Baumann 2004, S. 3 ).

Bei Patienten mit einer Hirnschädigung kann die Musiktherapie auf zwei Ebenen ansetzen. Zum einen auf der funktionellen Ebene, um einzelne Funktionen zu verbessern und zum anderen auf der psychischen Ebene, um den Patienten psychische Unterstützung und Begleitung zu geben. Viele Musiktherapeuten sehen deshalb als Hauptziel ihrer Arbeit: emotionale Stabilisierung, Interaktionsaufbau, Umgang mit Autonomieverlust, Krankheitsverarbeitung und Verbesserung der Lebensqualität

Im Sozialwesen wird Musiktherapie hauptsächlich bei Kindern in Kindergärten und Schulen eingesetzt, um die kindliche Entwicklung zu fördern (kognitive Fähigkeiten, soziale Interaktion, Gefühle, Körpererfahrung und –wahrnehmung).

In der Arbeit mit alten Menschen nimmt die Musik einen großen Stellenwert, vor allem in der Beschäftigungstherapie, ein. Gemeinsam gesungene Lieder, beispielsweise ein altes Heimatlied, bringen Erlebnisse aus der Vergangenheit hervor. Erlebnisse, an die die Personen meist positive Erinnerungen haben. Dies kann dem Therapeuten eine Tür zur Person öffnen. Es entstehen Dialoge, in denen alte Menschen ihre Identität reflektieren und dadurch stabilisieren können. Oftmals sind sie somit in der Lage ihre Lebenssituation besser zu bewerten als zuvor.

Aber auch in Resozialisierungseinrichtungen findet die Musiktherapie Anwendung. Im Strafvollzug soll den Häftlingen, vor allem in der ersten Zeit der Inhaftierung, der Gefängniskoller genommen werden. In Form einer Beschäftigungstherapie soll die Musik das Erlernen sozialen Verhaltens fördern und somit die Resozialisierung unterstützen.

3. Musiktherapie in der Neurologie

3.1 Aphasie

3.1.1 Symptome

Die Sprache ist in unserer Gesellschaft mitunter das wichtigste Mittel zur Kommunikation. Mit ihr gelingt es uns, einen direkten Zugang zu unseren Mitmenschen zu finden.

Aphasien sind erworbene Sprachstörungen, die nach einer Schädigung der sprach-dominanten Hirnhälfte auftreten. „Rund 80% der Aphasien entstehen durch eine akute, umschriebene Durchblutungsstörung in der sprachdominanten Hirnhälfte, also durch einen Schlaganfall“. (http://www.logopaedie-minning.de/aphasie.htm vom 27.07.08) Aber auch andere äußere Einflüsse wie beispielsweise Hirnverletzungen durch Verkehrsunfälle, Hirnentzündungen oder Hirntumore können zu einer Aphasie führen.

Eine Schädigung der sprachlich-dominanten Hirnhälfte bedeutet jedoch nicht automatisch auch einen totalen Verlust der Sprache. Der Grad der Auswirkung und somit die Vielfalt der Störungsformen, ist abhängig von der Lokalisation und der Schwere der Schädigung. Störungen können sich im Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben auswirken.

Aphasien werden entsprechend ihrem Schädigungsort und den Störungsschwerpunkten eingeteilt. Neben einigen Sonderformen unterscheidet man vier Hauptformen:

(Baumann 2004, S. 80)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie bereits erwähnt, äußert sich eine Aphasie bei jedem Menschen unterschiedlich. In der linken Hemisphäre sind die Zentren für Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben lokalisiert. Störungen können sich wie folgt auswirken:

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640163113
ISBN (Buch)
9783640164547
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115027
Institution / Hochschule
Hochschule Mannheim – Fakultät für Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
Ansätze Musiktherapie Störungen Krankheitsbilder Neuropsychologie

Autor

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