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Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 2

Stationen und Situationen mit Bildern aus einem langen Berufsleben – 1988 bis 1996

Ausarbeitung 2008 184 Seiten

Biographien

Leseprobe

Einstellungsund Gesinnungswandel

Bis zu meinem Wechsel zur Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Osnabrück habe ich mich bei der Ausübung meiner Tätigkeiten mehr als „Werkzeug“ gesehen, will sagen, ich war weitgehend fremdbestimmt und habe mich primär an Vorgaben und Aufträgen orientiert. Das hing aber auch von der Art meiner Funktionen ab, die nicht so ganz viele persönliche Gestaltungsmöglichkeiten zuließen.

Mit meiner Versetzung zur KPI Osnabrück hatte ich die Vorstellung, das

„Werkzeug“ selbst in die Hand zu nehmen und in dem mir zustehenden Rahmen gestaltend zu wirken. Selbstverständlich nicht als Einzelkämpfer, sondern mit Wissen meines Inspektionsleiters und mit Unterstützung meiner Kollegen/innen sowie in Zusammenarbeit mit der Schutzpolizei und mit Externen.

Mein Bestreben war es auch, meine sicherlich als Fachlehrer erworbenen theoretischen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. Kriminalisten tun sich gerade mit dem Gefahrenabwehrrecht schwer, das sich ja während meiner Lehrerzeit nach und nach zu meinem Spezialgebiet entwickelt hatte.

Es war also mein Vorhaben, was in Bewegung zu setzen.

Verantwortungsbereich

Vom1. August 1988 bis zum 31.10.1993 war ich stellvertretender Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück mit einer örtlichen Zuständigkeit für die Stadt Osnabrück und den Landkreis Osnabrück. Neben der originär zuständigen Kriminalpolizeiinspektion existierten noch drei nachgeordnete Kriminalkommissariate im Landkreis Osnabrück (Bramsche, Dissen und Melle), die aber als solche eigenständige Dienststellen waren.

Neben dem Inspektionsleiter war ich nicht nur für die Kriminalitätskontrolle (Verhütung und Verfolgung von Straftaten), sondern auch für rund 160 Beamte/innen, 40 Angestellte und 10 Lohnempfänger (Zivilkraftfahrer) mitverantwortlich.

Um den Kontakt zur Basis zu halten, habe ich es nicht nur als meine Pflicht angesehen, Kolleginnen und Kollegen an ihrem Arbeitsplatz zum Geburtstag persönlich zu gratulieren. Das hing auch damit zusammen, dass ich viele Kolleginnen und Kollegen seit Jahren oder auch bereits seit Jahrzehnten aufgrund meiner früheren Tätigkeiten in Osnabrück kannte.

Für mich war es deshalb auch selbstverständlich, mich mit diesen „Altgedienten“ weiterhin zu duzen, was auch nie Probleme verursacht hat. Es soll ja Beamte bei der Polizei gegeben haben, die nach dem Aufstieg in eine höhere Laufbahn frühere „Duz-Kollegen/innen“ von heute auf morgen gesiezt haben und auch verlangten, mit „Sie“ angesprochen zu werden.

Pressesprecher

Als stellvertretendem Inspektionsleiter oblag mir auch die Pressearbeit für die Kriminalpolizei im Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück. Im Laufe der Jahre haben sich aus dieser Tätigkeit viele Kontakte zu allen möglichen Medien und Medienvertretern ergeben, immer wieder verbunden mit Statements und Erklärungen – auch in Pressekonferenzen – und mit vielen Auftritten hinter Mikrophonen und vor Kameras.

Eine höchst interessante und wichtige Tätigkeit, um die (kriminal- )polizeiliche Arbeit „zu verkaufen“. Trotz der sich zunehmend entwickelnden Medienvielfalt und der daraus resultierenden Konkurrenz, ausgelöst durch die privaten Funkund TV-Sender, hatte ich immer ein ungetrübtes Verhältnis zu den Medienvertretern/innen allgemein.

Ein paar schriftlich niedergelegte Beispiele für die gute Zusammenarbeit mit den Medien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf Einzelheiten dieser Medienarbeit ist nachfolgend immer wieder einzugehen.

Führer der Kommission 4

Mit der Aufnahme dieser neuen Tätigkeit bei der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück wurde ich auch Führer der Kommission 4 („Landeseinsatzorganisation Leine“, kurz: „LEO Leine“).

Diese Kommission bestand aus einer Führungsgruppe, einer Fahndungskommission und einer Ermittlungskommission, die bei Großeinsätzen (Demonstrationen wie zum Beispiel aus Anlass der Castortransporte nach Gorleben, „Aktion Lindwurm“) gefordert war.

Somit hatte ich eine zusätzliche Verantwortung für etwa 120 Polizeibeschäftigte (Beamte Kriminalund Schutzpolizei, Verwaltungsbeamte, Tarifpersonal), die aus dem gesamten Regierungsbezirk Weser-Ems kamen. Neben den Einsätzen wurden pro Jahr drei bis vier Ausbildungsveranstaltungen erwartet. Hinzu kamen turnusgemäße Besprechungen beim „Polizeiplanungs- und Führungsstab Niedersachsen“ (PPFN) in Hannover, an der alle Abteilungsführer der Schutzpolizei und alle Kommissionsführer der Kriminalpolizei teilzunehmen hatten.

Nach etwa 4½ Jahren als Kommissionsführer habe ich die Kripo-Chefin bei der Bezirksregierung Weser-Ems in Schriftform darum gebeten, mich von dieser Funktion zu entbinden. In der ihr eigenen freundlichen Art hat sie mir am 18.01.1993 schriftlich mitgeteilt, dass sie meinem Wunsch gegenwärtig noch nicht wegen der bevorstehenden Polizeireform und der damit einhergehenden personellen Veränderungen entsprechen könne.

Bis zum 31.10.1993 war ich Führer der Kommission 4 im Nebenamt.

Innerhalb der „LEO Leine“ gab es Sonderaufträge:

- So war ich Leiter einer Arbeitsgruppe, die eine Kurzanzeige (durchnummerierte Trennblatt-Vordrucke mit Aufklebern), die insbesondere bei Großeinsätzen Verwendung findet, konzipiert hat. Diese Kurzanzeige hat sich bis heute – in modifizierter Form – gehalten.
- Weiter gehörte ich einer Arbeitsgruppe „Flucht“ an, die ein Merkblatt

„Anhalten flüchtiger Kraftfahrzeugführer“ (später als PolN 3011 polizeiintern veröffentlicht) entworfen hat.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Merkblatt „Flucht“ (Auszug).

„Sie werden Luftbeobachter!“

Am Rande einer Dienstbesprechung teilte mir die Leiterin der Kriminalpolizei im Regierungsbezirk Weser-Ems (Sitz Oldenburg) mit, dass es für meine Funktion als Führer der Kommission 4 („LEO Leine“) von Vorteil wä- re, wenn ich als Luftbeobachter ausgebildet würde.

Ich äußerte erhebliche Bedenken ob meiner Flugtauglichkeit in Hubschraubern. Aus meiner Kindheit war mir noch im Gedächtnis, dass ich während der Fahrt wegen großer Übelkeit aus einem Kinderkarussell gesprungen war und mir dabei tüchtig die Knie aufgeschlagen hatte. Danach wagte ich mich nie wieder in ein Karussell. Und nun sollte ich in Hubschraubern als Luftbeobachter mitfliegen?

Wirklich zufällig besuchten wir, d.h., die Kripo-Chefin mit Stab und Inspektionsleitern, am gleichen Tage die Hubschrauberstaffel in Rastede bei Oldenburg. Ich machte meine Einwillig von einem Probeflug abhängig. Zusammen mit der Besatzung kam ich in den „Genuss“ eines Rundfluges, der uns auch über das Zwischenahner Meer führte. Da ich diesen Flug ohne Brechreiz überstanden hatte, gab ich mein Einverständnis, und ich war nach Teilnahme an einem Kurzlehrgang ausgebildeter Luftbeobachter.

In der Folgezeit bin ich häufig in Hubschraubern mitgeflogen, weil auch immer wieder Trainingseinheiten auf dem Programm standen. Auf diese Weise habe ich beispielsweise alle Ostfriesischen Inseln von oben gesehen.

Wegen des bevorstehenden „Lindwurm-Einsatzes“, auf den ich noch zurückkomme, bin ich auch alle in Frage kommenden Eisenbahnstrecken innerhalb des Landes Niedersachsen abgeflogen.

Als es um das Abfliegen der Emslandstrecke ging, lies sich die Besatzung dazu hinreißen, die Ems ein Stück im „Kippflug“ zu steuern, d.h., die Maschine kippte dem kurvenreichen Flussverlauf folgend laufend nach links und rechts ab. Als wir uns über den Kühltürmen des KKW Lingen befanden und von oben in die Türme blickten, verfärbte sich das Gesicht einer neben mir sitzenden Kriminaloberrätin und es bildeten sich kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn. Ich fühlte mich bei dieser „Kipperei“ auch nicht gerade wohl.

Stellvertretender KPI-Leiter: kein Tagesdienstjob

Schon kurz nach meinem Dienstantritt bei der KPI Osnabrück wurde mir klar, dass es sich um keinen Tagesdienstjob handelt. Über besondere Vorkommnisse und Ereignisse wurde ich außerhalb der Dienstzeit – also während der Nacht, an Wochenenden, an Feiertagen, manchmal auch im Urlaub – immer wieder telefonisch informiert; häufig verbunden mit (Eil-

)Fahrten mit meinem privaten Pkw zur Dienststelle oder direkt an Tato- der Ereignisorte.

Mir ging es bei dieser Basisarbeit nicht darum, mich großartig in die Ermittlungen des Kriminaldauerdienstes (KDD) oder der Fachkommissariate (FK) einzumischen, sondern ich sah meine Aufgabe vorrangig darin, den Ermittlern weitgehend „den Rücken freizuhalten“ und ihnen so Lästiges abzunehmen, d.h., die Verantwortung für Einsätze zu übernehmen (insbesondere in Verbindung mit der Anforderung und dem Einsatz von Spezialkräften wie SEK und MEK), mich um Personal und Material zu kümmern, die mündlichen und schriftlichen Berichtspflichten wahrzunehmen (z.B. Fernschreib-Meldung über „Wichtige Ereignisse“, Verlaufsberichte) und – als Pressesprecher – die Medien zu informieren.

„Beauftragter für Sonderaufträge“

Während meiner Zugehörigkeit zur Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück wurde ich immer wieder nebenamtlich als Teilnehmer in Arbeitsgruppen, Kommissionen oder auch als Lehrer usw. eingesetzt. Ein paar Beispiele:

- Referent für den Themenbereich Polizeirecht in sieben Seminaren

„Allgemeinfachliche Fortbildung für Kriminalbeamte – mittlerer Dienst – im Regierungsbezirk Weser-Ems“ vom 08.10.1990 bis 30.11.1990 mit jeweils vier Stunden pro Woche (je 2 Stunden montags und dienstags in Oldenburg).

- Kommission zur Untersuchung des Reformbedarfs in der Niedersächsischen Polizei; Mitglied der Arbeitsgruppe 10 „Innere Führung“ (später modifiziert „Inneres Gefüge“) unter dem Motto „Wer führen will, muß Menschen mögen.“3

Im Mittelpunkt des Interesses stand eine landesweite Mitarbeiterbefragung, an der ich vorbereitend mitgewirkt habe.

Den Vorsitz in dieser Arbeitsgruppe 10 hatte der Polizeipräsident aus Braunschweig.

Mit Beendigung dieses Auftrages erhielt ich – wie alle anderen Arbeitsgruppenmitglieder auch – ein Dankschreiben des Niedersächsischen Innenministers Gerhard Glogowski mit Datum vom 18.10.1993, das hier auszugsweise wiedergegeben wird.

„Sehr geehrter Herr Hunsicker, … In diesem Sinne haben Sie mit großem Engagement und oftmals unter Zurückstellung privater Interessen einen herausragenden persönlichen Anteil am Gesamterfolg. Im Namen des Landes Niedersachsen danke ich Ihnen dafür und spreche Ihnen meine besondere Anerkennung aus. … Mit freundlichen Grüßen Gerhard Glogowski“

Dass ich schon sehr früh von den Ergebnissen dieser Polizeireform (1994) nicht überzeugt war, spiegelt sich in meiner Beurteilung vom 30.09.2004 wider:

„Während des Beurteilungszeitraums – mit Beginn der Reformarbeit in besonderem Maße – war er selbstverständlich bereit, neben seiner dienstlichen Tätigkeit an landesweiten Problemerörterungen, Ideenfindungen und Reforminitiativen und -umsetzungen mitzuarbeiten.

KOR Hunsicker besitzt den Mut, sich von Einstellungen und eingefahrenen Verhaltensund Verfahrensweisen zu lösen. Er ist ein engagierter Streiter für die Reform der Polizei. Dabei reagiert er auch schon einmal mit Ungeduld, wenn sich Dinge aus seiner Sicht zu zögerlich oder unvollkommen entwickeln.“

- Konzept zur Umsetzung des „Niedersächsischen Gefahrenabwehrgesetzes (NGefAG)“

Zur Umsetzung dieses Konzepts wurde 1993 eine landesweite Arbeitsgruppe eingesetzt.

In dem Anforderungsschreiben des Leiters der Landespolizeischule Niedersachsen, das an die Leiterin der Kriminalpolizei in Oldenburg (Leiterin K) gerichtet war, heißt es auszugsweise:

„Sehr geehrte Frau …, … aufgrund informeller Gespräche hat mir EPHK …, dem ich die Organisation der Arbeitsgruppe übertragen habe, vorgeschlagen, Sie um Bereitschaft nachzusuchen, Herrn KOR Ernst Hunsicker für diese Arbeitsgruppe freizustellen. KOR Hunsicker ist mir persönlich als engagierter und kompetenter Fachmann im Bereich des Polizeirechts bekannt. … halte ich die Mitarbeit von KOR Hunsicker als rechtsund praxiskundigem Beamten aus der Führung einer KPI für besonders wertvoll. …

Mit freundlichem Gruß …“

Die Leiterin K war mit meiner Benennung als Mitglied dieser Arbeitsgruppe in einem bestimmten Rahmen einverstanden. Diese Arbeitsgruppe, die über mehrere Monate jeweils zu mehrtägigen Besprechungen in Hann. Münden zusammentraf, hatte den Auftrag, das neue Gesetz in seinen wesentlichen Teilen zu kommentieren, ein Ausbildungskonzept zu erarbeiten und anschließend Moderatoren/Multiplikatoren am Standort Oldenburg in Seminaren auszubilden.

Der Boorberg Verlag war an unserer Kommentierung sehr interessiert. Es gab auch ein Sondierungsgespräch wegen eines Fachbuchs (Kommentar). Leider ist das Werk daran gescheitert, dass die Mitglieder der Arbeitsgruppe landesweit verteilt waren und nach Auflösung unserer Arbeitsgruppe das Interesse merklich nachließ. Ich habe dann aber später unter Mitwirkung einiger Kollegen den spezifischen Part „Verdeckte Datenerhebung“ in einer Fachzeitschrift über mehrere Folgen veröffentlicht.4

Das Gespräch mit dem „Boorberg-Vertreter“ hat aber dazu geführt, dass ich von der Existenz der VG WORT5 erfuhr, sodass ich fortan meine Veröffentlichungen in Fachzeitschriften usw. zur Ausschüttung (Vergütungsansprüche) angemeldet habe.

Sowohl im Dienst als auch während meiner Freizeit habe ich an Vordrucken „gebastelt“, um den Kollegen/innen die Verwaltungsarbeit im Hinblick auf offene und verdeckte Maßnahmen, die an allerhand Formvorschriften gebunden waren/sind, ein wenig zu erleichtern (Folgeseite: Bericht an das Nds. Innenministerium in dieser Sache mit meiner nachrichtlichen Beteiligung).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Mitglied der Arbeitsgruppe „Grundlagen der Kriminalitätsbekämpfung, Zusammenarbeit -S- und -K-, ADV-Anwendung“ von Januar 1991 bis zur Auflösung der Arbeitsgruppe im Juni 1993.6 Die Arbeit in dieser Gruppe, die regelmäßig zu einoder zweitägigen Sitzungen an verschiedenen Orten in Niedersachsen zusammentraf, war sehr interessant und lehrreich.

Unsere Arbeitsaufträge erhielten wir aus dem Niedersächsischen Innenministerium, und zwar überwiegend in Vorbereitung auf Erlasse. Unter anderem haben wir uns mit dem Einsatz von Sondereinheiten (Spezialeinsatzkommando, Mobile Einsatzkommandos), Aufgaben einer landesweiten Koordinierungsstelle (KOST) und dem Einsatz von staatlichen und privaten Mitteln zur Kriminalitätsbekämpfung befasst.

Diese Mitarbeit in verschiedenen Projektbzw. Arbeitsgruppen wurde in meiner Beurteilung vom 30.09.1994 wie folgt gewürdigt:

„KOR Hunsicker verfügt über breit ausgelegtes, vielseitiges Wissen. Sein Fachwissen ist in allen Bereichen sehr gut, als fachlicher Berater und Mitarbeiter in anspruchsvollen Arbeitskreisen ist er gefragt und unverzichtbar.“

- Vorträge/Referate, Einladungen zu Veranstaltungen und eigene Veröffentlichungen.

Außerdem war ich in all den Jahren als Vortragender bzw. Referent bundesweit unterwegs; einmal (Jahr 2001) ging es sogar nach Igualada (Nähe Barcelona) in Spanien.

Dazu kamen Einladungen zu Veranstaltungen über die Kontaktpflege (Folgeseiten) hinaus zu anderen Dienststellen, Behörden und Institutionen.

Weiterhin habe ich in meiner Freizeit immer wieder an Manuskripten gearbeitet, die in polizeilichen Fachzeitschriften oder auch – später – in Fachbüchern veröffentlicht wurden.

Vorträge/Referate, Teilnahme an Veranstaltungen und meine Veröffentlichungen sind jeweils am Ende eines Ereignisjahres kompakt aufgelistet.

Kontaktpflege

Die Kontaktpflege zu anderen Dienststellen, Behörden und Institutionen – auch durch sportliche Begegnungen – und die Imagepflege gegenüber der Öffentlichkeit waren/sind ein besonderes Anliegen der Osnabrücker Polizei.

Ein paar Beispiele:

Gästeschießen bei der Bundeswehr

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einladung zum Empfang zu Ehren Ihrer Majestät der Königin Geburtstag

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Garnisonsbiwak der Bundeswehr

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bayerischer Bierabend beim Fernmelderegiment 11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Preisskat des Polizeiabschnitts Osnabrück-Stadt („Behördenskat“)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schießen beim Militärischen Abschirmdienst (MAD)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sportgemeinschaft der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück Diese Sportgemeinschaft, die insbesondere auf Fußball und Volleyball ausgerichtet war, hat ihre Spiele nicht nur gegen Polizeimannschaften bestritten, sondern auch an den verschiedensten Turnieren teilgenommen oder gegen Firmenmannschaften o.Ä. gespielt.

Tage der offenen Tür

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jahr 1988: eine neue Ära beginnt

Ereignisreicher Sommer

Im Sommer kam es ziemlich dick. Ich war kaum in Osnabrück und schon mussten etwa zeitgleich zwei Mordkommissionen (Moko’s7 ) gebildet werden.

Tod einer Anhalterin

Nach dem Stand der Ermittlungen ist Ute W., das Opfer, an der Iburger Straße (Osnabrück) unmittelbar hinter der Bahnüberführung als Anhalterin in ein Auto eingestiegen.

Sie war zunächst längere Zeit vermisst und wurde dann tot in einem Waldstück am Harderberg (Nähe B 51, kurz hinter der Stadtgrenze von Osnabrück) aufgefunden. Offenbar ist Ute W. Opfer eines Sexualmordes geworden.

Trotz intensivster Ermittlungen und allerhand Ermittlungsansätzen ist es nicht gelungen, die Tat zu klären. Ob DNA-Spuren („genetischer Fingerabdruck“) zum Erfolg geführt hätten, lässt sich heute nicht mehr sagen, zumal der Verwesungszustand schon ziemlich weit fortgeschritten war. DNA-fähiges „Täter-Material“ konnte damals nicht gesichert werden.

Raubmord in einer Wohnung

Frau R. wurde erschlagen in ihrer Wohnung in Osnabrück, Süster Str., aufgefunden; sie ist Opfer eines Raubmordes geworden. Es gab einen Tatverdacht; für eine Anklage reichte die Beweislage aber nicht aus.

Zu Beginn des Kastanienfestes8 hatte ich die undankbare Aufgabe, Kräfte für eine Durchsuchung in dieser Sache im Norden des Landkreises Osnabrück zusammenzuziehen.

Horst Denningmann wechselt als Leiter von der Polizei-Ausbildungsstätte Bad Iburg zur Schutzpolizeiinspektion (SPI) Osnabrück

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen (Ausschnitte): Neue Osnabrücker Zeitung, jeweils vom 3. Dezember 1988.

Ein paar Monate nach meinem Wechsel von Bad Iburg nach Osnabrück tat auch Horst Denningmann, der die Nachfolge des ungeliebten Ltd. Polizeidirektors Sch. 9 antrat, diesen Schritt.

Ich habe diese Versetzung sehr gegrüßt, da die fast sechsjährige Zusammenarbeit mit Horst an der Polizeiausbildungsstätte Bad Iburg sehr vertrauensvoll war.

Vorträge/Referate, Teilnahme an Veranstaltungen und eigene Veröffentlichungen (1988), und zwar

Vorträge/Referate: Keine.

Veranstaltungen:

- Volkssporttag der Landespolizeischule Niedersachsen – Ausbildungsstätte Bad Iburg – am 29.05.1988 (Teilnehmer am Volksradfahren).
- Gästeschießen des Verteidigungskreiskommandos 245 am 08.06.1988 in der Standortschießanlage Vehrte.
- Besuch aus dem Innenministerium (Ministerialdirigent, Landeskriminaldirektor, Inspekteur) und der Bezirksregierung Weser-Ems (Regierungsvizepräsident, Leiter K, Kommandeur) am 20.07.1998 bei der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück und Schutzpolizeiinspektion Osnabrück.

- Oktoberfest im Schloß Iburg (15 Jahre Polizeiausbildungsstätte Bad I- burg) am 30.09.1988 in Bad Iburg.
- 12. Herbstwaldlauf der Polizeiausbildungsstätte Bad Iburg am 27.10.1988 in Bad Iburg als Teilnehmer der Langstrecke (ca. 10.300 m) in der Zeit von 0:52:22,4.
- Arbeitskreis Sozialisierung im Forum Osnabrück – Kath. Bildungswerk Osnabrück e.V.: 5. Osnabrücker Erfahrungsaustausch im Bereich der Straffälligenhilfe am 02.11.1988 im Priesterseminar, Osnabrück.
- Bayerischer Bierabend auf Einladung der Offiziere und Beamten des Fernmelderegiments 11 am 24.11.1988 im Offiziersheim der General- Martini-Kaserne in Osnabrück.

Veröffentlichungen:

- Der Gewahrsam, Fortbildungsbrief Nr. 2/1988 für die Polizei des Landes Niedersachsen – Beilage zum Polizei-Nachrichtenblatt (28 Seiten).
- Polizeimeisterschaft im Schwimmen und Retten, in: Bereitschaftspolizei
– heute 5/88, Seite 64 f.

Jahr 1989: erste Selbstverwirklichungen

Ich wollte ja, wie einleitend unter „Einstellungsund Gesinnungswandel“ erwähnt, in meiner neuen Funktion auch gestalterisch wirken. Zunächst habe ich mich des Themas „Betäubungsmittelund Beschaffungskriminalität“ angenommen.

Studie „Korrelation zwischen Betäubungsmittelkriminalität und Beschaffungskriminalität;

Erhebung/Auswertung für den Bereich der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Osnabrück“

Diese Studie, die ich im Februar 1989 abgeschlossen und in einem elfseitigen Bericht festgehalten habe, war Anlass dazu, die „Bekämpfung“ (Kontrolle) der (indirekten) Beschaffungskriminalität neu zu organisieren.

Dazu aus meiner Studie (Original):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit Wirkung vom 3. April 1989 wurde mit Zustimmung des Leiters der Kriminalpolizei im Regierungsbezirk Weser-Ems und in Absprache mit dem Leiter der Schutzpolizeiinspektion Osnabrück eine gemeinsame Arbeitsgruppe (AG) im 2. Kommissariat, das bis dahin u.a. originär für die Rauschgiftkriminalität zuständig war, unter Federführung der Kriminalpolizei (Stärke 1:9, davon 0:2 Beamte der Schutzpolizei) eingerichtet10.

Diese AG sollte alle Rauschgiftund Beschaffungsdelikte im Zuständigkeitsbereich der Schutzund Kriminalpolizei (Stadt und Landkreis Osnabrück) bearbeiten.

Bis zur Einrichtung dieser gemeinsamen AG war es nämlich so, dass die indirekte Beschaffungskriminalität in verschiedenen Kommissariaten der Kriminalpolizei und in den Ermittlungsdiensten der Schutzpolizei bearbeitet wurde, was sich allerdings als wenig effizient herausgestellt hatte, weil es überhaupt keinen Überblick über die Beschaffungsszene gab.

Schon nach ein paar Monaten wurde deutlich, dass sich die Rauschgiftsachbearbeiter nicht so mit diesem neuen Aufgabenfeld identifizierten, wie wir uns das als Dienststellenleitung vorgestellt hatten. Mit der Bearbeitung von Massendelikten (z.B. Ladendiebstahl, Diebstahl aus Kfz) konnten/wollten sich die Rauschgiftsachbearbeiter einfach nicht anfreunden. Wiederholte Appelle blieben wirkungslos.

Meine Studie und die Konsequenzen daraus habe ich veröffentlicht11.

Mit Wirkung vom 1. November 1990 wurde die Bearbeitung der Beschaffungskriminalität organisatorisch dem 4. Kommissariat (schwerer Diebstahl, Einbruch, Raub/Räuberische Erpressung) zugewiesen, die Stärke mit 1:4 (davon 2 Beamte der Schutzpolizei) neu festgelegt, die Zuständigkeit auf den Bereich der Stadt Osnabrück und einige angrenzende Gemeinden (Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück-originär) begrenzt.

Mit dem als AG-Leiter eingesetzten Kriminalhauptkommissar (KHK) Sch. kam frischer Wind in die neue „AG Beschaffung“, die fortan präventiv und repressiv die indirekte Beschaffungskriminalität, die zur Finanzierung des Rauschmittelkonsums und des exzessiven Spielens („Spielsucht“)12 diente, „bekämpfen“ (kontrollieren) sollte.13 Auch zu dieser Folge-AG gab es eine Veröffentlichung14.

Nach unseren Veröffentlichungen in der „Kriminalistik“ hatten wir viele Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet; insbesondere waren unsere Dienstanweisungen gefragt.

Viele Polizeidienststellen/-behörden haben unsere „AG Beschaffung“ kopiert. Das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen hat sogar durch einen Erlass geregelt, dass Delikte der indirekten Beschaffungskriminalität zentral für die gesamte Behörde von einem Kommissariat der ZKB (Zentrale Kriminalitätsbekämpfung) zu bearbeiten sind 15 . Selbst in Dissertationen waren unsere Veröffentlichungen gefragt 16 .

Die „AG Beschaffung“ hat übrigens zwei Polizeireformen (1994, 2004) überdauert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto: Kripo Osnabrück

Feierlicher Anlass (März 1989):

Frau Rocklage („Rocki“) ist seit 35 Jahren als Reinigungskraft bei der Kriminalpolizei in Osnabrück tätig; Feier im so genannten „8. K.“.

Mein Vorhaben war es auch, die Zusammenarbeit mit außerpolizeilichen Stellen zu verbessern. Vom Beauftragter für Jugendsachen (BfJ) bei der KPI Osnabrück hörte ich schon bald nach meinem Dienstantritt, dass die Frauenberatungsstelle in Osnabrück Frauen und Mädchen, die Opfer von Sexualstraftaten geworden waren und danach von der Frauenberatungsstelle betreut wurden, generell davon abhielt, bei der Polizei Strafanzeige zu erstatten. Diese Einstellung war für mich nicht nachvollziehbar, und es kam zu einem gemeinsamen Gespräch in den Räumen der Frauenberatungsstelle.

Ein klärendes Gespräch mit der Frauenberatungsstelle

Der Beauftragte für Jugendsachen (BfJ) und ich haben von Seiten der Polizei an diesem Gespräch teilgenommen; die Frauenberatungsstelle war mit mehreren Mitarbeiterinnen vertreten. Zunächst wurden die gegenseitigen Auffassungen vertreten:

Die Frauen wiesen auf den langen Weg durch die Instanzen hin; bemängelten, dass die Vernehmung der geschädigten Frauen und Mädchen durch Kriminalbeam tinnen nicht gewährleistet sei und stellten heraus, dass in den Gerichtsverhandlungen häufig sehr peinliche Fragen gestellt würden. Wir dagegen machten aus Sicht der Polizei deutlich, dass durch das Nichtanzeigen von Sexualdelikten die (Trieb-)Täter nicht strafrechtlich verfolgt würden und damit Gelegenheit hätten, weitere Sexualstraftaten ohne strafrechtliche Konsequenz zu begehen.

Als Gesprächsergebnis blieb, dass die Frauenberatungsstelle zukünftig grundsätzlich bereit war, die Opfer zu einer Strafanzeige anzuhalten.

Später hat uns die Frauenberatungsstelle sogar wiederholt eingeladen (z.B.

„Tag der offenen Tür“) oder unsere Hilfe in Anspruch genommen. Ergebnis: Fortan gute Zusammenarbeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während meiner Osnabrücker Zeit gab es immer wieder Großereignisse als Zeitlagen (mit entsprechendem zeitlichen Vorlauf) oder auch als Sofortlagen (ad hoc-Einsätze).

Mein erster Großeinsatz war der Sprengstoffanschlag auf ein Unterkunftsgebäude der Britischen Rheinarmee auf dem Gelände der Quebec Barracks (Kaserne) in Osnabrück am 19. Juni 1989.

Sprengstoffanschlag (PIRA) in Osnabrück

In der Nacht zum 19. Juni 1989 wurde ich wieder einmal durch einen Telefonanruf „aus dem Schlaf gerissen“. Der Leiter des 5. Kommissariats teilte mir mit, dass es kurz nach Mitternacht zu einem Sprengstoffanschlag auf dem Gelände der „Quebec-Kaserne“ in Osnabrück-Eversburg gekommen sei. Ich bin zunächst sofort zur Dienststelle gefahren, um mich zu informieren; anschließend habe ich den Tatort aufgesucht.

Aufgrund der Ermittlungen ergab sich, dass ASU-Mitglieder17 als PIRA- Angehörige18 an drei Außenwänden eines Kasernenblocks (barackenähnliche Unterkunft) fünf Sprengsätze mit insgesamt 120 kg des militärischen Plastiksprengstoffs „Semtex“ abgelegt hatten, um die darin schlafenden britischen Soldaten zu töten. Nachdem sie die Zündmechanismen geschärft hatten, wurden sie gegen 01.10 h durch einen Pumpenwärter, der sich auf einem Kontrollgang befand, gestört.

[Erklärend ist hier einzuschieben, dass auf dem Gelände der „Quebec- Kaserne“ (Erd-)Bauarbeiten stattfanden und Grundwasser abgepumpt werden musste. Bedingt durch die Bauarbeiten war das Kasernengelände auch vorübergehend ungenügend gegen das Betreten Unbefugter abgesichert.]

Ein Täter gab einen Schuss aus einer vollautomatischen Waffe ab. Der Pumpenwärter wurde niedergeschlagen. Ein Sprengkörper detonierte auch, Personen kamen dadurch aber nicht zu Schaden. Die Soldaten – durch den Schuss aufgeweckt – hatten rechtzeitig ihre Baracke verlassen. Die anderen Sprengsätze detonierten nicht. Die Täter konnten vorerst entkommen, wurden aber später ermittelt und vor Gericht gestellt19.

Wir, die örtlichen Beamten der Schutzund Kriminalpolizei, wurden von dem Kasernengelände ferngehalten, d.h., wir durften das Gelände nicht betreten. Die Soldaten am Kasernentor hielten ihre Gewehr in beiden Hän- den und machten uns mit strenger Miene deutlich, dass wir uns zu tummeln hätten. [In einer Nachbesprechung mit den brit. Militärs haben wir dieses Verhalten nachdrücklich kritisiert. Es wurde Besserung gelobt.]

Mit Beginn des Tageslichtes kamen aus allen Himmelsrichtungen Hubschrauber eingeflogen, die auf dem Kasernengelände landeten und mit ihren Rotoren dafür sorgten, dass vorhandene Schuheindruckspuren im Erdreich verwirbelt wurden und damit vernichtet waren.

Meine Aufgabe war es insbesondere, in unserem Dienstgebäude Büroraum

„freizuschaufeln“, um alle eingeflogenen Spezialkräfte [Bundeskriminalamt, Landeskriminalamt Niedersachen, (New) Scotland Yard, Militärs usw.] einigermaßen für mehrere Wochen adäquat unterzubringen, was nicht so ganz einfach war.

IRA-Bomber in Celle verurteilt

1989 Anschlag in Eversburg

AP CELLE. Im Juni 1989 explodierte an den Quebec-Barracks ein Sprengsatz, der den Stadtteil Eversburg aus seiner frühsommerlichen Stille riss. Gestern, fast 17 Jahre später, wurde einer der Bombenleger vom Oberlandesgericht (OLG) Celle zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Der Staatsschutzsenat des OLG sprach den früheren PIRA-Terroristen am Dienstag des mehrfachen versuchten Mordes und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion schuldig. Der 45-Jährige Ire, der sich vor kurzem den deutschen Behörden gestellt hatte, akzeptierte das Urteil und bleibt auf freiem Fuß. […]

Menschen wurden bei der Explosion nicht verletzt. […]

Der Senatsvorsitzende betonte, dass das PIRA-Kommando den Auftrag hatte, „möglichst viele britische Soldaten zu töten“. […]

Der Haftbefehl gegen den Angeklagten bleibt außer Vollzug gesetzt. Das Gericht hob den Antrag der Verteidigerin auch die Auflagen auf, die ihm bislang eine Ausreise nach Irland verboten. Wegen des Terrorakts waren vier Mittäter des 45-Jährigen bereits im Juni 1995 zu Haftstrafen zwischen neun und zehn Jahren verurteilt worden.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 05.04.2006, Seite 19.

Versetzung von Kriminaldirektor (KD) Horst Nestler

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 1. August 1989.

Gut ein Jahr nach meinem Dienstantritt bei der KPI Osnabrück wurde KD Horst Nestler auf eigenen Wunsch zum Landeskriminalamt Niedersachsen in Hannover als Leiter der Abteilung 1 mit der Option „Ernennung zum Ltd. Kriminaldirektor“ (Bes.-Gr. A 16 BBesO) versetzt.

Die Zusammenarbeit mit Herrn Nestler, den ich ja bereits aus meiner Zeit (1975 bis 1978) beim Leiter der Kriminalpolizei in Osnabrück kannte, war ohne jegliche Probleme. KD Nestler hat nie so richtig mit mir über meine dienstlichen Leistungen gesprochen. Offenbar hatte er aber eine hohe Meinung von mir, die sich in meiner turnusgemäßen Beurteilung vom 15.08.1989 widerspiegelte:

„KOR Hunsicker hat sich schnell in die Aufgaben eines stellvertretenden KPI-Leiters eingearbeitet und nimmt sie selbständig, verantwortungsbewußt und entscheidungsfreudig wahr. Er arbeitet zügig unter Beachtung der vorgegebenen Termine. Auch schwierige Planungen und notwendige Regelungen werden von ihm – auch bei hoher Arbeitsbelastung – fehlerfrei und zeitgerecht vollzogen.“

Ich weiß, dass es auch Bestrebungen gab, mich als Nachfolger von Herrn Nestler und somit als KPI-Leiter einzusetzen. Diese Bestrebungen scheiterten daran, dass Kriminaldirektor (KD) Axel Rott, bis dato stellvertretender Leiter der Staatsschutzabteilung im Landeskriminalamt Niedersachsen, aus persönlichen Gründen versetzt werden wollte.

Die Zusammenarbeit mit KD Rott war schon gewöhnungsbedürftig und mit dem Stil von KD Nestler nicht vergleichbar. In den ersten Monaten unserer

Zusammenarbeit gab es auch ein paar Gespräche unter vier Augen. Danach waren die Fronten geklärt, und die Zusammenarbeit klappte. Später hat KD Rott wiederholt erklärt, dass wir beide prächtig zusammen gearbeitet hätten, was in einer Rückschau nach den klärenden Gesprächen auch wohl richtig ist.

KD Rott war sehr an einer guten Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft interessiert, zumal Staatsanwaltschaft und Polizei nach wie vor Grundstücksnachbarn am „Kollegienwall“ sind. Auf Initiative von KD Rott kam es dann auch zu einem ersten Erfahrungsaustausch zwischen den leitenden Beamten der Staatsanwaltschaft sowie der Schutzund Kriminalpolizei. Die Treffen fanden und finden immer noch nach Dienstschluss reihum in den Privatwohnungen statt.

Einmal im Jahr treffen sich die Aktiven und die Pensionäre aus diesem Kreis zu einem „Stadtrundgang“ mit Kaffeetrinken und Abendessen.

Die Führungskräfte der Staatsanwaltschaft und der Polizei gehen seitdem freundschaftlich miteinander um; die Zusammenarbeit zwischen den Staatsanwälten und den polizeilichen Ermittlern ist fast ausnahmslos kollegial (am „Kollegienwall“).

Vager Verdacht: SEK Bielefeld im Anmarsch

Geiselnahme in Espelkamp (NRW): Geplanter SEK-Einsatz in Osnabrück

… Der Tag, an dem Hartmut S. sich selbst beweisen konnte, schien gekommen, als am Mittwoch vergangener Woche in einem Bremer Hotel Christian Klems entdeckt wurde, der Mann, der in der Kleinstadt Espelkamp bei Bielefeld seine Verlobte erschossen und einen Wirt lebensgefährlich verletzt hatte. Mit seiner ehemaligen Verlobten Bettina Lückermann als Geisel war er nach Bremen geflohen.

Hartmut S. nahm den Fall in die Hand. Sein Sondereinsatzkommando sprengte im Morgengrauen mit Plastikmunition die Tür zum Appartement des Geiselnehmers frei. Die Beamten hatten zwar einen Generalschlüssel von der Hotelleitung bekommen, zogen aber Sprengstoff vor — … Als der erste Beamte — zehn Sekunden nach der Explosion, schätzt die Polizei — im Zimmer stand, hatte Christian Klems bereits viermal geschossen. Bettina Lückermann lag im Sterben, ihr Mörder war tot, der Angriff gescheitert.

Der Sturmangriff hatte mit einer Panne begonnen. Um sich vor der Explosion ihres Sprengstoffs zu schützen, war die Truppe von Schutzpolizeiführer Hartmut S. in ein benachbartes Zimmer eingedrungen. Dort schlief ein älteres Ehepaar. „In Verkennung der Lage", wie der Polizeipräsident später formulierte, schrie die Frau auf — danach war die „wichtige Ausnutzung des Überraschungseffektes" dahin. Aber von Überraschung konnte ohnehin nicht die Rede sein. Offenbar hatten Klems und sein Opfer in wachsender Panik das Treiben um ihr Hotelzimmer verfolgt. Die Bielefelder Polizei hatte mehrere ihrer Telephonate mit Angehörigen abgehört und deren Inhalt nach Bremen weitergegeben. „Ich will nicht, daß die Polizei hier eindringt. Wenn das doch geschieht, werde ich Bettina etwas antun", hatte Klems in einem der Telephongespräche gesagt. Noch etwa eine Stunde vor der Explosion hatte Bettina Lückermann ihre Schwester am Telephon angefleht: „Sag denen, die sollen abhauen, sonst passiert was." Vergeblich.

Selbst die Nachricht, daß Bettina Lückermann sich am Vortag im Hotel noch frei bewegen konnte und auch freiwillig in Klems' Zimmer zurückgekehrt war, irritierte den Polizisten nicht. Nun, da die Frau tot ist, wird sich kaum noch klären lassen, ob die Polizei tatsächlich eine Geiselnahme beendete oder den mutigen Versuch einer Frau, einen Amokläufer zur Vernunft zu bringen, der ihr einmal nahestand. Womöglich hoffte sie, Schlimmeres verhindern zu können: Am Telephon hatte Klems auch gedroht, nach Espelkamp zurückzukehren und dort weitere Geiseln zu nehmen. Auch über Christian Klems' Motive weiß die Polizei fast nichts. Er war dreißig Jahre alt, arbeitslos und „hatte wahrscheinlich die Trennung von seiner ehemaligen Lebensgefährtin nicht überwunden", vermutet man bei der Bielefelder Polizei. Da sei wohl das Motiv für seine Bluttaten zu suchen — „mehr hat er uns ja nicht erzählt. …"20

Das SEK Bielefeld war in dieser Sache auf dem Weg nach Osnabrück, wo damals eine Bezugsperson von Klems wohnte. Es wurde vage vermutet, dass sich Klems mit seiner Geisel in dieser Osnabrücker Wohnung aufhalten könnte. Ein Beamter des Kriminaldauerdienstes (KDD) Osnabrück informierte mich zur Nachtzeit über das Vorhaben des SEK Bielefeld, in diese Wohnung einzudringen. Ich habe den KDD-Beamten angewiesen, sofort zum Objekt zu fahren und dort unter Anwendung „milderer Mittel“ in Erfahrung zu bringen, ob sich die Zielperson in dieser Wohnung aufhalten kann. Nach verschiedenen Feststellungen (z.B. keine „verdächtigen“ Kfz im Nahbereich, kein Licht in der Wohnung, keine „verdächtigen“ Geräusche aus der Wohnung) und nach weiteren Aufklärungsmaßnahmen (z.B. Telefonanruf in der „verdächtigen Wohnung“ mit Rückruf des Anschlussinhabers) konnte die Wohnung mit dem inzwischen eingetroffenen SEK ohne Gefahr betreten und mit Zustimmung der Mietperson durchsucht werden. Klems war nicht in dieser Wohnung, sondern – wie sich dann bald herausstellte – bereits in Bremen.

[...]


1 Vordruck Nr. 301 der Polizei des Landes Niedersachsen.

2 Veröffentlichung dazu: Ernst Hunsicker, Schußwaffengebrauch gegen flüchtende Kraftfahrer in Verbindung mit Angriffen auf Polizeibeamte im Straßenverkehr, in: Polizei Verkehr + Technik 1/93, S. 1 ff. und 2/93, S. 38 ff.

3 Vorläufiger Abschlußbericht „Hann. Münden März 1992“.

4 Ernst Hunsicker, Verdeckte Datenerhebung zur Gefahrenabwehr unter Einbeziehung verdeckter Maßnahmen zur Strafverfolgung – Erläuterungen mit Beispielen für Theorie und Praxis -, in: Kriminalistik 6/97, S. 453 ff., Fortsetzungen in Kriminalistik 7/97, 8- 9/97, 19/97, 11/97, 12/97 und 1/98 (zusammen mit Uwe Starke unter Mitwirkung von Egon Kaatz, Thomas Filthuth und Anette Magerkort).

5 Verwertungsgesellschaft Wort – Wikipedia: Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) wurde 1958 gegründet und verwaltet die Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten an Sprachwerken auch von Funk und Fernsehen in Deutschland. Berechtigte sind Autoren, Übersetzer und Verleger von schöngeistigen und dramatischen, journalistischen und wissenschaftlichen Texten, die der Urheber der VG Wort per Meldekarte oder per Onlineverfahren angezeigt hat.

6 Leiter der Arbeitsgruppe: Leiter der Kriminalpolizei aus Braunschweig; ständige Mitglieder: Leiter der Kriminalpolizeiinspektionen aus Verden und aus Göttingen, Stellvertr. Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück (Hunsicker); dazu. Protokollführer.

7 In Niedersachsen übliche Abkürzung für Mordkommission(en). Mir persönlich gefällt das Kürzel „MK“, wie z.B. in Nordrhein-Westfalen üblich, besser.

8 Alle zwei Jahre fand auf dem Hof der Polizei und der Staatsanwaltschaft am „Kollegienwall“ unter einer Kastanie das „Kastanienfest“ statt, an dem sich alle angrenzenden Behörden und Dienststellen beteiligten (Staatsanwaltschaft, Amtsgericht, Landgericht, Justizvollzugsanstalt, Polizei). Dieses Fest förderte ganz erheblich die Kontakte untereinander. Aus feuerpolizeilichen Gründen wurde das „Kastanienfest“ im Jahr 2005 erstmalig auf dem Gelände der Polizeidirektion Osnabrück, Heger-Tor-Wall 12, wo auch eine Kastanie steht, veranstaltet. Der Zuspruch war wohl wegen der räumlichen Entfernung zum örtlichen „Behördenschwerpunkt“ und des unvorteilhaften Wetters nicht gerade berauschend. Im Jahr 2007 „kehrte das Fest wieder unter die Kastanie am Kollegienwall zurück“.

9 POLIZEIAFFÄRE, Der Schleifer aus dem Präsidium – Schwere Vorwürfe gegen den Polizeichef von Osnabrück. Er soll seine Beamten mit militärischen Umgangsformen drangsaliert und mit ungerechten Beurteilungen schikaniert haben, in: Quick – Themen der Woche, Ausgabe/Datum nicht bekannt.

10 Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe (AG) der Schutzund Kriminalpolizei zur Bekämpfung der Rauschgiftund Beschaffungskriminalität als Pilotprojekt; Dienstanweisung der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück vom 7.März 1989 - 01512/1233/ 12334/Hun/Kl. - .

11 Ernst Hunsicker, Woher nehmen und nicht stehlen? – Rauschgiftkonsum und Beschaffungskriminalität am Beispiel Osnabrück, in: Kriminalistik 4/90, S. 211-213.

12 Mit der Kriminalität zur Finanzierung des exzessiven Spielens habe ich mich auch näher beschäftig und folgende Aufsätze veröffentlicht: - Ernst Hunsicker, Spielstätten im Spannungsfeld zwischen Legalität und Illegalität – eine Situationsbeschreibung, in: der kriminalist-11/90, S. 441-446, mit einer Erwiderung durch Klaus Hübner, Polizeipräsident a. D., Berlin, in: der kriminalist- 1/91, S. 27-29, und danach Eine offene Frage …, in: der kriminalist-3/91, S. 131. Nach der Veröffentlichung in „der kriminalist“-11/90 hat mich DER SPIEGEL unter dem Titel „Glücksspiele – Für ein paar Silberlinge – Die Automatenindustrie verharmlost mit zweifelhaften Wissenschaftsgutachten die kriminellen Folgen der Spielsucht.“ (Ausgabe 16/1991, 15. April 1991) als Glücksspiel-Fachmann bezeichnet; die Neue Osnabrücker Zeitung (Ausgabe vom 24.November 1990, „Blick in die Zeit“) titelte: Ein Polizist sieht rot – Osnabrücker Kripochef widerspricht Wissenschaftslobbyisten der Automatenindustrie. - Ernst Hunsicker, Glücksspielsucht und Beschaffungskriminalität – Fakten und Zahlen aus kriminalpolizeilicher Sicht, in: drogen-report 2/96, S. 11–15, auf der Grundlage eines Vortrages, den ich während der 2. landesweiten Fachtagung „Beschaffungskriminalität und Glücksspielsucht“ (Arbeitskreis gegen Spielsucht e. V.) am 14. November 1995 in Unna gehalten habe (Dokumentation S. 55-66).

13 „Arbeitsgruppe (AG) Rauschgift-/Beschaffungskriminalität“ bei der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück, Umorganisation/Modifikation zur „AG Beschaffungskriminalität“; Dienstanweisung der Kriminalpolizeiinspektion Osnabrück vom 12. März 1991 – 01512/1233/12334-Hun./Fr. – .

14 Ernst Hunsicker/Thomas Schlagetter, Indirekte Beschaffungskriminalität – Die Suche nach einem praktikablen Bekämpfungsmodell, in: Kriminalistik 2/92, S. 115-119.

15 So Frank Schankin, Von anderen lernen – Das Osnabrücker Modell zur Bekämpfung der indirekten Beschaffungskriminalität mit Erfolg kopiert, in: Kriminalistik 7/94, S. 465-469.

16 Carsten Schreier, Drogenszene, Bettelei und Stadtstreichertum im deutschen Rechtsstaat aus präventiver Sicht, Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Dr. jur., eingereicht am 31. März 2003 bei der Juristischen Fakultät der Humboldt- Universität Berlin.

17 A ctive S ervice U nit (aus Nordirland entsandte Terrorkommandos).

18 P rovisional I rish R epublican A rmy.

19 Das Oberlandesgericht (OLG) Celle hat vier Täter im Juni 1995 u.a. wegen versuchten Mordes in fünf Fällen und vorsätzlichen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Ein weiterer Täter hat sich in jüngster Zeit gestellt; er wurde am 23. Januar 2006 dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgeführt, der den bestehenden Haftbefehl gegen Kaution sowie Auflagen außer Vollzug gesetzt hat.

20 Geiseldrama – Mut zum Handeln – Zwei Tote nach einer wilden Polizeiaktion Bremen, in: DIE ZEIT, 29.09.1989 Nr. 40, unter: http://www.zeit.de/1989/40/Mut-zum- Handeln (von Frank Drieschner).

Details

Seiten
184
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640159017
ISBN (Buch)
9783640159925
Dateigröße
14.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v115004
Note
Schlagworte
Authentische Polizei- Kriminalgeschichten

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Titel: Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 2