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Analyse der Träume in der Erzählung "Landschaften einer fernen Mutter" von SAID

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 22 Seiten

Literaturwissenschaft - Moderne Literatur

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

1. Träume: ein Überblick
1.1 Träume in der Literatur

2. Träume in Landschaften einer fernen Mutter
2.1 Erster Traum
2.2 Zweiter Traum
2.3 Die Erinnerung
2.4 Dritter Traum

Schlusswort

Bibliographie

Einleitung

Die Menschheit hat sich seit jeher mit Träumen beschäftigt. Die Träume sind ein fester Bestandteil unserer Kultur geworden. Dadurch sind Träume in der Literatur kein unbekanntes Phänomen. Dennoch bleibt dieses Feld noch kaum erforscht und deswegen eine Herausforderung. Bereits der Begriff Traum wird auf verschiedene Weise interpretiert und verstanden. Wenn man dann beide zusammenfügt, also Literatur und Traum, verwandelt sich das ganze in eine

"exemplarische Untersuchungsfläche“1, eine Interdisziplinäre Analyse.

Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch die Träume in der Erzählung Landschaften einer fernen Mutter zu analysieren und ihre Einbettung in der ganzen Erzählung zu rechtfertigen . Das Buch dient somit als Primärliteratur. Als Sekundärliteratur wurden vorwiegend die Werke von S. Freud Die Traumdeutung, C. G. Jung Der Mensch und seine Symbole und der Essay von Waldemar Fromm und Christina Scherer Der Traum, die Künste und die Wissenschaften herangezogen. Im ersten Kapitel werden ein genereller Überblick über Träume und ein ausführlicher Punkt des Traums in der Literatur behandelt. Der zweite Abschnitt bildet den eigentlichen Teil der Arbeit mit der Analyse der Erzählung. Hier werden u. A. die Träume dargestellt und der Versuch der Traumanalyse im literarischen Kontext vorgenommen.

1. Träume: Ein Überblick

Laut Wahrig2 sind Träume " […] Vorstellungen, die während des Schlafes auftreten […]“. Etymologisch lässt sich das Wort Traum aus dem germanischen Wortschatz ableiten3. Die wahre Bedeutung und Herkunft des Wortes lässt sich jedoch schwer im Wörterbuch nachvollziehen. Seit Jahren beschäftigt sich die Menschheit mit diesem Thema. In einigen Kulturkreisen wird das Thema immer noch auf einer symbolischen Ebene behandelt und findet eine bedeutende Position in der respektiven Gesellschaft. Die westlichen Nationen haben aber meistens ihre Symbole und Mythen zumindest während des Wachzustands zurück gelassen und sie haben sich dem Verstand geopfert. Hans Dieckmann hat Träume wie folgt definiert und erläutert:

Der Traum ist die Sprache des Unbewussten, eine Bildersprache, in der das Unbewußte sich unserem bewußten Ich mitteilt. Von Anbeginn der Überlieferungen unserer Kultur hat sich der Mensch bemüht, diese Sprache zu verstehen und zu übersetzen.4

Träume wurden, mit Ausnahme der Aufklärung, wo sie als nicht logisch und deswegen als wertlos galten, immer wieder aus verschiedenen Gesichtspunkten gesehen. Früher hatten die Träume „Orakel-Funktion“, wie z. B. in der Bibel, im Talmud und im Koran. Im Talmud z. B. kann man folgendes finden: „Träume, die nicht gedeutet werden, sind wie Briefe, die nicht geöffnet wurden.“5

Seit Sigmund Freuds wissenschaftlichen Analysen der Träume und seiner „Traumdeutung“6 schlägt die Traumdeutung einen anderen Weg ein. Die Träume werden zur Tür zum Unbewussten und zur Begründung des Ichs. Nach Meinung Freuds haben die Träume den Zweck der Wunscherfüllung. In fast allen seinen Analysen haben die Träume ihre Herkunft in sexuellen Wünschen, die meist aus in der Kindheit nicht ausgearbeiteten Komplexen stammen.7 Für ihn schützen die Träume den Träumer "die Wahrheit über sich selbst zu erfahren".8 Neben Freud ist Carl Gustav Jung einer der wichtigsten Forscher in der psychologischen Traumforschung. Jung hat eine andere Methodik zur Traumdeutung entwickelt. Für ihn waren die freien Assoziationen von Freud undenkbar. Man musste die Zusammenhänge des Traums im Leben des Träumers sehen und dadurch näher am Traum selbst bleiben.9 Jung hat auch sehr viel Wert auf die Symbole in seiner Traumtheorie gelegt. Die Symbole sind für ihn in erster Linie ein Teil der unbewussten Welt aller Menschen, die mit der Zeit in der westlichen Gesellschaft an Bedeutung verloren haben. Die Archetypen sind zudem ein wichtiger Bestandteil seiner Theorie. Darauf hat Jung seine Theorie des Kollektiv Unbewussten10 aufgebaut. Die Träume haben für Jung eine aufklärerische und eine allgemeine Funktion: die Wiederherstellung der "psychische[n] Balance".11 Zusammenfassend ist "der Traum [einer] der grundlegenden Selbstverständigungsfelder des Menschen".12

1.1 Träume in der Literatur

Träume in der Literatur fanden, wie bereits erwähnt, ihren Platz schon im Talmud, in der Bibel und im Koran. Außerdem hat man in Ägypten Versuche, Träume zu deuten gefunden, welche auf 2000 v. Chr. datiert sind.13 Die Zusammenhänge zwischen Träume und Literatur wurden jedoch viel später erkannt und behandelt. Nietzsche hatte meiner Meinung nach eine sehr interessante Sicht was dies betrifft. Er behauptete „der Traum [gebe] den Trieb zur Metaphernbildung, nicht zur Wahrheit“.14 Der Traum wird auch später der surrealistischen Bewegung Stoff geben. Die Künstler suchten eine neue Art die Welt darzustellen und sie haben diese in den Träumen gefunden. Man findet in der surrealistischen Malerei und Literatur Trauminhalte wiedergegeben.

Der Traum hat eine schöpferische Qualität, die sich Kunst und Literatur zunutze machen. So waren z. B. die Surrealisten auf der Suche nach einer anderen Form der Wirklichkeit als der des Wachlebens und der vernunftmäßigen Logik.15 Freud lieferte jedoch auch mit seinen Büchern die Prämissen für die Analyse der Träume in der Literatur. Seitdem beschäftigt sich die Literatur zunehmend mit der psychologischen Seite des Schreibens. Die zu beantwortende Frage lautet: Wo sind die Grenzen von Traum und Literatur? In den Träumen bekommt die Realität eine andere Ordnung. Was uns völlig wahnsinnig im Wachzustand scheint, ist im Traum Normalität. „Das Ich durchläuft vielfältige Metamorphosen im Traum.“16 Ebenso in der Literatur, wo der Leser nicht wirklich zwischen Autor und Ich-Erzähler unterscheiden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Träumende, der seinen Traum einem Psychologen oder einem Freund erzählt, ist wie ein Erzähler in der Literatur. Mit anderen Worten, der Träumende kann sich auch manchmal nicht im Traum wieder erkennen, d.h., die Trennung zwischen ‚Ich-Selbst’ und ‚Ich-Traum’ ist fast nie möglich, genau so wie die Trennung zwischen Ich-Erzähler und Autor. Die Realität mischt sich mit Fiktion, genau so wie man einen Traum zu deuten versucht. So versucht der Leser das Schreiben des Autors zu entziffern. An dieser Stelle würde ich behaupten, Literatur sei ein "ständiger" Traum.

Für die Analyse von Träumen in der Literatur hat Berger17 drei Analyse- Kategorien geliefert. Die literarische Traumsituation, die literarische Traumsequenz und die literarische Traumankleidung. Letztere bezieht sich auf die Darstellungsart, z. B. sprachliche Mittel. Die Analyse von Träumen in der Literatur läuft also unter dem Hauptaspekt der sprachlichen Analyse wobei man natürlich auch die psychologischen Aspekte in Betrachtung ziehen muss. Ein Psychologe muss auch die Träume seines Patienten anhand der Sprache analysieren. Hier finden Kultur- und Literaturwissenschaft ihre Verwendung, sowie Psychologie, da das was der Patient erzählt nichts Weiteres als eine "Geschichte" ist, die man entziffern muss bzw. will. Deshalb interagieren die Wissenschaften, um beinahe das gleiche Ziel zu erreichen. Der fiktionale Aspekt spielt nicht nur in der Literatur eine Rolle. Die Erzählung eines Traums ist eine Erinnerung und deswegen kann diese niemals wirklich vollständig sein. Die Literatur scheint diese Unvollständigkeit nachzuahmen. Außerdem sind „literarische Träume […] nicht nur im Kontext der jeweils zeitgenössischen gültigen Traumtheorien zu lesen, sondern es ist überhaupt zu beachten, dass diese nur in schriftlicher Form vorliegen und somit die Art und Weise des Erzählens und nicht die nur scheinbar authentische Mitteilung relevant ist.“18

[...]


1 von Jagow, Bettina: Der Held, der Traum und der Tod. Wilhelm Richard Bergers Untersuchungen zum Traum in der Literatur. 4.04.2004. Online: <http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=7002-&ausgabe=200404>. 12.07.2004. S.1.

2 Wahrig, Gerhard (2002): Deutsches Wörterbuch. 7. vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. München: Berstelsmann. S.1264.

3 Kluge, Friedrich (2002): Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/ New York: de Gruyter. S. 927.

4 Dieckmann, Hans (1978): Träume als Sprache der Seele: Einführung in der Traumdeutung der analytischen Psychologie C. G. Jungs. Waiblingen-Hohenacker: Bonz. (Psychologisch gesehen; Bd. 34). S. 9.

5 zit. nach Zitate über die Kunst der Traumdeutung: < http://www.traumfernschule.ch/zitkutd.htm. > 12.07.2004

6 Freud, Sigmund (2002): Die Traumdeutung. Nachwort von Herman Beland. 2. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer. (Sigmund Freud – Werke im Taschenbuch). Nachfolgend zitiert als Die Traumdeutung und Seitenangabe.

7 vgl. Die Traumdeutung.

8 Vedfelt, Ole (1997): Dimensionen der Träume: Ein Grundlagenwerk zu Wesen, Funktion und Interpretation. Dt. Übersetzung aus dem Englischen von Sieglinde Denzel und Susanne Naumann. Zürich/ Düsseldorf: Walter. [ Originaltitel: Drommenes dimensioner. Drommenes vaesen, funktion og fortolkning. Copenhagen: Nordisk Forlag.]. S. 20.

9 vgl. Jung, C. G u. a. (1999): Der Mensch und seine Symbole. 15. Aufl. Dt. Übersetzung aus dem Englischen von Klaus Thiele-Dohrmann. Zürich/ Düsseldorf: Walter Verlag. [Originaltitel: Man and his Symbols. London: Aldus Books Limited.]. S. 27-28. Nachfolgend zitiert als: Der Mensch und seine Symbole und Seitenangabe.

10 vgl. Der Mensch und seine Symbole. S. 67-83.

11 Ebd. S.50.

12 Fromm, Waldemar und Scherer, Christina: Der Traum, die Künste und die Wissenschaften. Einführung zum Schwerpunkt. 4.04.2004. Online: <http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php- ?rez_id=7019&ausgabe=200404 > 13.07.2004. Nachfolgend zitiert als Der Traum, die Künste und die Wissenschaften und Seitenangabe. S.1.

13 Der Traum, die Künste und die Wissenschaften. S.1.

14 zit. nach Der Traum, die Künste und die Wissenschaften. S. 3.

15 Der Traum, die Künste und die Wissenschaften. S. 5.

16 zit. nach Der Traum, die Künste und die Wissenschaften. S. 4.

17 Berger, R. Wilhem (2000): Der träumende Held. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht Verlag.

18 zit. nach Der Traum, die Künste und die Wissenschaften. S. 6.

Details

Seiten
22
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640162918
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114983
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft in Germersheim
Note
1,3
Schlagworte
Analyse Träume Erzählung Landschaften Mutter SAID Literaturwissenschaftliches Hauptseminar Gastarbeiterliteratur Migrantenliteratur Interkulturelle Literatur

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Titel: Analyse der Träume in der Erzählung "Landschaften einer fernen Mutter" von SAID