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The Course of Empire - Aufstieg und Niedergang der amerikanischen Zivilisation

Thematisiert Thomas Cole in seiner Bildreihe 'The Course of Empire' den zwangsläufigen Untergang der amerikanischen Hochkultur?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 29 Seiten

Amerikanistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Gliederung:

1. Historie Thomas Cole 6
- in den 20ger Jahren des 18.Jahrhunderts entdeckte Cole die Landschaftsund die Historienmalerei für sich
- Beeinflussung seiner Motive durch eine Europareise
- 1832 begann die Idee zu The Course of Empire in ihm zu reifen
- Auftragserteilung durch Luman Reed 1833
- Bildreihe sollte eine Landschaft und sein Volk im Wandel der Zeit darstellen
- Finale Überlegungen zum ersten Bild der Reihe

2. Formale Analyse der Bildreihe 8
2.1 The Savage State 8
- Tageszeit früher Morgen, Sonnenaufgang
- rauhe Waldund Wiesenlandschaft
- Menschen beschäftigen sich primär mit der Nahrungssuche
2.2 The Pastoral or Arcadian State 9
- friedliche, kultivierte Landschft
- Tageszeit später Vormittag
- die Menscen genießen ihre Freizeit und beschäftigen sich mit künstlerischen Dingen
- eine kleine Siedlung hat sich gebildet
2.3 The Consummation of Empire 10
- zeigt das Volk in seiner Blütezeit
- Tageszeit ist Mittagszeit
- Architektur verdrängt die Natur
- ein Herrscher feiert seinen Siegeszug durch die Stadt
- überall sind Anzeichen des Überflusses zu sehen
2.4 Destruction 11
- Tageszeit später Nachmittag
- ein begrohlicher Sturm kommt auf
- Angriff eines übermächtigen Feindes, Zerstörung der Stadt
2.5 Desolation 12
- friedliche, stille Stimmung
- Tageszeit ist später Abend
- keine Menschen oder Tiere sind zu sehen
- nur Ruinen und zerstörte Gebäude sind zu sehen

3. Interpretation der Bildreihe 13
- die Bildreihe stellt einen Zyklus dar
- Zwei Interpretationsmöglichkeiten sind der ‚natural cycle’ und der ‚historical cycle’
- der ‚natural cycle’ thematisiert den Gegensatz zwischen Mensch und Natur
3.1 Interpretation ‚natural cycle’ 14
3.1.1 The Savage State
- die wilde, ungezähmte Natur
- der Mensch nutzt die Natur nicht aus
- Mensch und Natur korrelieren harmonisch
- das Bild stellt das frühe Amerika dar
3.1.2 The Pastoral or Arcadian State
- eine kultivierte Landschaft
- der Mensch macht sich die Natur zunutze
- die Menschen beginnen sogar, das Meer zu bezwingen
- die Natur weicht der Besiedlung
- ein abgehackter Baum als Vorausdeutung auf die Ausnutzung der Natur
3.1.3 The Consummation of Empire
- die Architektur verdrängt die Vegetation
- die Natur ist von Menschen bevölkert
- es gibt keine frei lebende Pflanzenwelt mehr
- die Natur ist fast vollständig verdrängt
3.1.4 Destruction
- die Natur wehrt sich gegen ihre Ausnutzung durch den Menschen
- ein Erdbeben oder ein starker Sturm lässt die Tempel und Gebäude einstürzen
3.1.5 Desolation
- die Pflanzen überwuchern das, was noch von der einstigen Stadt übriggeblieben ist
- die Natur erobert sich ihren Raum zurück
- ungezähmte Natur wie im ersten Bild
- letztendlich triumphiert die Natur über den Menschen
- die Angst Coles vor dem wachsenden Fortschrittswahn der Amerikaner und die damit verbundene Zerstörung der Natur kommt hier zum Vorschein
3.2 Interpretation ‚historical cycle’ 18
- ‚historical cycle’ heißt, dass jede Nation jenseits ihres kulturellen Höhepunkts dem Untergang geweiht ist
3.2.1 The Savage State
- die Menschen leben friedlich miteinander
- sie schließen sich zu Nutzgemeinschaften zusammen
- die Menschen kämpfen miteinander ums tägliche Überleben
3.2.2 The Pastoral or Arcadian State
- zeigt das gleiche Volk einige Jahrhunderte später
- die Menschen haben Intellekt entwickelt
- die Kultur beginnt zu gedeihen
- die Entwicklungen in der Schifffahrt führen zur Ausdehnung des eigenen Terriroriums
- der Soldat als Vorausdeutung auf den drohenden Krieg im nächsten Bild
3.2.3 The Consummation of Empire
- das bescheidene Dorf wird zur pompösen Hafenstadt
- Dekadenz und Überheblichkeit der Bürger wächst
- der Herrscher feiert seinen Truimph, ein anderes Volk unterworfen zu haben
- die Eroberungen wurden durch die Hochseeflotte unterstützt
- der künstliche Brunnen dient alleinig dem Amüsement
- Versenken eines Spielzeugbootes als Vorausdeutung auf den Untergang des Volkes
3.2.4 Destruction
- die Dekadenz wird mit dem Untergang bestraft
- die Stadt wird komplett zerstört
- der Krieg als Rache der unterworfenen Gegnern
- der abgeschlagene Kopf der Statue im Vordergrund als Vorausdeutung auf den Untergang der Menschheit
- das Bild repräsentiert eine düstere Zukunftsprognose
3.2.5 Desolation
- eine menschenleere Landschaft
- der Abend der Menschheit
- Schuld an der Situation haben die überheblichen und dekadenten Menschen selbst
- die Bildreihe sollte als Spiegel für die amerikanische Gesellschaft gelten
- der ‚historical cycle’ ermöglicht, dass man gezielt gegen diese Entwicklung zur dekadenten Gesellschaft hin arbeitet
- die Bildreihe dient außerdem als Kritik an Andrew Jackson, damaliger US-Präsident
- Cole als Verfechter konservativen Gedankenguts
- Schlechter Ruf Jacksons trug zur Kritik bei
- Vergleich zwischen Jackson und Cäsar

4. Abschluss 24
- Coles Bildreihe The Course of Empire als Beispiel für eines der schönsten und kunstfertigsten Werke aller Zeiten

1. Historie Thomas Cole

Thomas Cole (1801-1848) wurde in Lancashire in England geboren und erlernte das Handwerk des Gravierens. Er arbeitete mehrere Jahre in der Tapetenfabrik seines Vaters und entwarf dort Muster und Designs. 1818 emigrierte er mit seiner Familie nach Pennsylvania in die USA, wo ihn zunehmend die unerforschte amerikanische Wildnis faszinierte, die er wenig später zu malen begann. Als er in einer Ausstellung an der Pennsylvania Academy die Landschaftsbilder von Thomas Doughty und Thomas Birch studierte, reifte der Gedanke in seinem Kopf, von nun an die amerikanische Landschaft als Motiv zu wählen. Er organisierte 1825 seine erste eigene Ausstellung mit Landschaftsbildern des Hudson Rivers, woraufhin John Trumbull, William Dunlap und Asher B. Durand, drei sehr einflussreiche Maler dieser Zeit, auf ihn aufmerksam wurden (Kasson 90). Alle drei waren sofort hingerissen von der Frische und Lebendigkeit seiner Werke. Damit war Coles Zukunft als Landschaftsmaler gesichert. Thomas Cole gilt heute als der Gründer der berühmten Hudson River School, eine Gemeinschaft romantischer Landschaftsmaler und als der „Vater der Landschaftsmalerei“ schlechthin.

Von der rein topographischen Wiedergabe der Seen, Berge und Wälder entwickelte sich Cole bald zu einem Historienmaler, besonders beeinflusst durch die Werke des Schriftstellers James Fenimore Cooper. Er beschrieb sich selbst in einem Ausstellungskatalog als „Thomas Cole, History Painter“ (Kasson 91). Weil Thomas Cole nie eine Kunstausbildung genossen hatte, ließ er sich gerne zunehmend von der Dichtung und der Literatur beeinflussen.

1829 entschied sich Thomas Cole, eine Reise nach Europa zu unternehmen, um die ‚wahren Meister‘ der Vergangenheit zu studieren. Zu dieser Zeit war er bereits einer der Gründungsmitglieder der National Academy of Design und wurde als Amerikas führender Landschaftsmaler angesehen.

Inspiriert von der Europäischen Architektur, besonders der Italiens und der Roms, wo er drei Monate seiner Reise verbrachte, kam Cole mit vielen neuen Ideen zurück (Kasson 105). Er malte viele fantastische und erfundene Landschaften. Diese Italian Compositions , wie Cole sie nannte, zeigten „Ruinen von alten Tempeln, Aquädukte und Türme“ (Internet B und A). Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Dream of Arcadia (1838, The Denver Art Museum).

Eines Abends im Jahre 1832 philosophierte Thomas Cole über eine Idee zu einer neuen Bildreihe: „Returning, once, from a long walk with a few friends, he seated himself on the fragments of a column to enjoy the sunset. As its splendours faded into the twilight, all lapsed into a stillness suited to the solemn repose peculiar, at that tome, to a scene of ruin. There came through the deepening shadows few sounds louder than the beating of their hearts. After some minutes of silent, mournful pleasure, seated a little apart by a lady, Cole, a thing rather unusual with him, was the first to speak. This he did in his own low, quiet voice, but with such earnestness as told the depth of his emotions ]and the greatness of his thoughts. The subject was that of the future Course of Empire...he passed from point to point in the series...until he closed with a picture that found its parallel in the melancholy desolation by which, at that moment, they were surrounded. Such was Cole, the poetartist, at Rome“ (Wilton and Barringer 95).

1833 beauftragte der wohlhabende Kunstliebhaber Luman Reed (1748-1836) den Maler Thomas Cole, ihm eine besondere Bildreihe für einen Wohnraum in seinem neuen Haus zu malen. Dadurch, dass die Bildreihe, bestehend aus fünf Werken, an einer einzigen Wand hängen sollten, war ein spezielles Arrangement der Bilder vonnöten. Zwei Gemälde, The Savage State und The Pastoral or Arcadian State , sollten untereinander auf der linken Seite der Wand hängen, Destruction und Desolation untereinander auf der rechten Seite. The Consummation of Empire , das Hauptwerk, sollte inmitten der anderen vier Gemälde thronen (Wilton and Barringer 96). Thomas Cole hatte bereits eine genaue Vorstellung der Bilder: „A series of pictures might be painted that should illustrate the history of a natural scene, as well as be an epitome of Man, - showing the natural changes of landscape, and those effected by man in his progress from barbarism to civilization – to luxury – to the vicious state, or state of destruction – and to the state of ruin and desolation.

The Course of Empire (1833-1836) wurde treffend als „a grand epic poem upon canvass, nobly planned and carefully elaborated“ beschrieben, dass „the march of empire , or the rise, decadence and final extinction of a nation, from the first state of savage rudeness through all the stages of civilization to the very summit of human polish and human greatness, to its ultimate downfall“ repräsentieren soll (Miller, 1993 23). Die Bildreihe impliziert somit, dass alle Völker Zeiten des Wachstums und Zeiten des Zerfalls durchmachen, dass dies vorherbestimmt ist (Wallach, 1994 90).

Um klar zu machen, dass er in allen fünf Bildern ein und dieselbe Zivilisation im Fortschritt zeigen wollte, also das gleiche Setting in verschiedenen Stationen der Zeit, setzt Thomas Cole einen Fixpunkt in jedes Bild: einen monumentalen Berg im Hintergrund, der unverwechselbar einen großen Felsbrocken auf seiner Spitze trägt. „The rock serves as a fixed reference point for the viewer, indicating the geographical continuity between the scenes“ (Bedell 33). Der Berg ist „a reference to the first civilization to pass through these stages“ (Bedell 34).

Um sich die Bildreihe besser vorstellen zu können, werden im kommenden Abschnitt die fünf Bilder formal analysiert. Ausdrucke der Werke finden sich im Anhang.

Ursprünglich sah The Savage State , das erste Bild der Reihe, anders aus als die ausgearbeitete Version, die wir heute kennen. Denn Thomas Cole machte sich bereits vor dem Auftrag durch Luman Reed Gedanken über ein ähnliches Motiv und nannte das Gemälde The Wilde Scene (1831, The Baltimore Museum of Art). Als er jedoch von Luman Reed den Auftrag für fünf Bilder bekam, wußte er, dass er nochmals von vorne würde anfangen müssen (Baigell 50). Cole „altered the position of the large tree, here it appears on the left so that the right of the painting is opened up to connect with the second picture of the series The Course of Empire “ (The Baltimore Museum of Art 35). Mit anderen Worten, als Thomas Cole die Idee und den Auftrag zu einer Bild reihe bekam, wollte er das erste Bild am rechten Bildrand ‚offen lassen‘, um die nachfolgenden Bilder übergangslos daran anschließen lassen zu können. Denn Thomas Cole hatte den Auftrag, eine ganze Wand in der New Yorker Stadtwohnung von Luman Reed zu gestalten. Cole wollte außerdem die Komposition, die Farbund Lichteffekte der Bilder anpassen und sie sollten aus einem ähnlichen Blickwinkel gemalt werden (Baigell 50). Wenn man die fünf Bilder nebeneinander betrachtet, fällt sofort auf, dass sie aus einem ähnlichen Blickwinkel gemalt wurden, sich der Betrachter nur ein wenig von rechts nach links bewegt.

2. Formale Analyse der Bildreihe

2.1 The Savage State

Das The Savage State Gemälde, das das erste Werk der Bildreihe The Course of Empire ist, misst 100cm x 160cm und zeigt eine rauhe und wilde Landschaft. Es scheint früh morgens zu sein, denn die Sonne geht gerade erst auf. Der Himmel ist in rosa Licht getaucht und Wolken umspielen leicht den Gipfel eines Berges im Hintergrund, bevor sie dann in den Bodennebel übergehen. Der Betrachterstandpunkt ist leicht erhöht, so dass man auf die ganze Szenerie blicken kann.

Im Vordergrund befindet sich eine Waldund Wiesenlandschaft, durch die sich ein Bach schlängelt, der schließlich in ein Meer im Hintergrund mündet. Auf dem Fluss am rechten Bildrand schwimmen Kanus, die vermutlichen den Menschen gehören, die an dem dahinter liegenden Ufer in den Tipis wohnen. Die Zelte bilden einen Kreis um ein rauchendes Feuer, um das wiederum Menschen tanzen. Im linken unmittelbaren Vordergrund befindet sich ein hoher Baum, hinter dem ein Jäger steht, der gerade im Begriff ist, ein fliehendes Reh (im rechten Vordergrund) mit Pfeil und Bogen zu erlegen. In der Mitte des Bildes befindet sich eine Menschengruppe, die augenscheinlich auf der Jagd ist.

2.2 The Pastoral or Arcadian State

Das zweite Bild der The Course of Empire -Bildreihe ist ebenfalls 100cm x 160cm groß und zeigt eine ruhige, friedliche und kultivierte Landschaft. Der Bildtitel „Arcadian State“ stellt einen „place without suffering or death“ (Wallach, 1994 25) dar. Bereits Goethe sprach im 18. Jahrhundert den Satz aus „Auch ich in Arkadien“ (Wallach, 1994 25) und meinte damit einen Ort, wo er in Ruhe und Muße leben konnte.

Am Sonnenstand und der Beleuchtung des Bildes The Pastoral or Arcadian State erkennen wir, dass es wohl später Vormittag ist, „midmorning in early summer“ (Wallach, 1994 90). Der Himmel hat sich geklärt und es sind nur einige wenige Wolken am Himmel zu sehen. Im Hintergrund ist derselbe Berg zu erkennen, der bereits im vorherigen Werk zu erkennen war. Die Landschaft ist also die gleiche wie im vorherigen Bild, nur eine geraume Zeit später.

Thomas Cole schreibt in seiner Erläuterung über das Bild an Luman Reed: „The second picture must be the pastoral state, - the day further advanced – light clouds playing about the mountains – the scene partly cultivated – a rude village near the bay – small vessels in the harbour – groups of peasants either pursuing their labours in the field, watching their flocks, or engaged in some simple amusement. The chiaroscuro must be of a milder character than in the previous scene, but yet a fresh and breezy effect“ (Noble 130).

Im Vordergrund befindet sich auf der linken Seite wieder ein großer Baum, in dessen Schatten sich ein Greis niedergelassen hat. Dieser ritzt mit Hilfe eines Zweiges mathematische Symbole in den Boden. Rechts neben ihm, hinter einem Vorsprung versteckt, steht ein Soldat, der auf einen flüchtigen Blick nicht vom Erdboden zu unterscheiden ist. Über eine steinerne Brücke im mittleren Vordergrund, auf der ein kleiner Junge sitzt und malt, schweift der Blick auf die rechte Seite und auf eine Frau in einem weißen Kleid, die eine Spindel in der Hand hält. Ein kleiner Junge neben ihr pflückt Pflanzen von einem großen Strauch. Im äußersten rechten Bildrand ist ein großer, grober Baumstumpf zu erkennen. Dahinter geben sich Menschen der Musik eines Flötenspielers hin und tanzen dazu auf einer Lichtung.

Der Mittelgrund des Bildes wird von einem Schäfer eingenommen, der gerade seine Schafe hütet. Links von dieser Gruppe pflügt ein Bauer mit Hilfe seiner kräftigen Rinder eine Acker. Auf einem Hügel im Hintergrund thront ein rauchender Tempel, der ein wenig von Bäumen verdeckt wird. Dahinter befindet sich die Bucht und der Fluss, der in das Meer übergeht, was wir bereits im ersten Bild gesehen haben. Am diesseitigen rechten Ufer des Flusses befinden sich große hölzerne Schiffe, die in großem Kontrast stehen zu den kleinen Zwei-Mann-Kanus des The Savage State Gemäldes. Am diesseitigen linken Uferrand bilden einige Häuser zusammen ein kleines Dorf.

2.3 The Consummation of Empire

Das dritte Bild der Reihe von Thomas Cole ist das Hauptwerk und gleichzeitig das größte der fünf Bilder. Es misst 130cm x 193cm. Wie bereits erwähnt, wird es von den anderen vier Bildern umrahmt. Zu sehen ist ein Volk in seiner Blütezeit, das den Höhepunkt seiner Kultur erreicht hat „the empire reaches its peak“ (Bedell 33). Es ist in diesem Punkt auf dem „summit of human glory“ (Wallach, 1994 93). Das im vorherigen Bild noch so kleine und bäuerliche Dorf hat sich zu einem Imperium entwickelt. Der Stand der Sonne und der Lauf der Schatten lassen auf die Mittagszeit schließen.

Auch dieses Bild wird im Voraus von Thomas Cole beschrieben: „The third must be a noonday, - a great city girding the bay, gorgeous piles of architecture, bridge, aqueducts, temples – the port crowded with vessels – splendid processions, c. – all that can be combined to show the fulness of prosperity: the chiaroscuro broad.“ (Noble 130)

Die Natur der ersten zwei Gemälde ist jetzt pompöser Architektur gewichen, viel Marmor und Stein hat aus dem kleinen Hafenidyll des vorherigen Bildes eine gewaltige und überlaufene Großstadt gemacht. Der Berg im Hintergrund ist hier kaum noch zu erkennen und ist bereits mit Strassen und Häusern bebaut.

Im linken Vordergrund ist eine mächtige Brücke zu erkennen, über die ein prachtvoller Herrscher reitet. Er wird von Elefanten begleitet und zelebriert seinen Triumph über ein anderes Volk. Die ganze Stadt scheint bei dem Triumphzug mit zu feiern und sich über den Sieg zu freuen, „a purple-robed conqueror mounted in a car drawn by an elephant, and surrounded by captives on foot, and a numerous train of guards, senators“ (Wallach, 1994 93). Hinter dem Eroberer prozessieren Senatoren in teuren Gewändern und die ganze Stadt ist mit roten und goldenen Stoffen geschmückt. Man trägt seinen Reichtum zur Schau. Der „Pöbel“ folgt dem Herrscher in einigem Abstand bei seinem Siegeszug durch die Stadt. Im rechten Vordergrund befindet sich ein mächtiger, künstlich angelegter Brunnen, der sich in ein riesiges Wasserbassin ergießt. Daneben faulenzt die reiche Oberschicht der Stadt, vielleicht sogar die Gattin des Herrschers. Sie genießen das Leben und es scheint ihnen an nichts zu fehlen. Im Brunnen selber versenkt ein größerer Junge das Boot eines kleinen Jungen im Wasser.

Im See oder Meer befinden sich viele Boote, die – prunkvoll geschmückt – zu der Flotte des Herrschers gehören und entweder bei dessen Eroberungszug behilflich waren oder Handelsschiffe sind, die dadurch Reichtum in die Stadt bringen.

Die Natur ist bis auf wenige Pflanzen nicht mehr erkennbar, und die, die zu sehen sind, sind fremdländische, exotische Pflanzen, die vermutlich durch den aufkommenden Handel importiert worden sind.

Die pompösen Gebäude, man möchte beinahe sagen „Tempel“, sind rund um den großen Hafen zu finden und werden als Brücken sogar ins Wasser gebaut. Im rechten Mittelgrund befindet sich eine mächtige Statue einer Frau, die einen Speer und eine weitere kleinere goldene Statue in den Händen trägt. Im linken Hintergrund kann man einen Tempel erkennen, der an das Kapitol in Rom erinnert.

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Details

Seiten
29
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640177066
ISBN (Buch)
9783640177196
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114784
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Amerikanistik Institut
Note
2,0
Schlagworte
Course Empire Aufstieg Niedergang Zivilisation American Visual Culture

Autor

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