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Der Motor der afrikanischen Entwicklung? Die Republik Südafrika als regionale politische und wirtschaftliche Macht in der Sub-Sahel-Zone

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 19 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Republik Südafrika
2.1 Politische Situation
2.2 Wirtschaftslage

3. Grundzüge der Regionalisierung
3.1 Der Prozess der Regionalisierung
3.2 Entwicklung des Regionalisierung im südlichen Afrika

4. Die politische und wirtschaftliche Rolle Südafrikas in der SADC

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen des politikwissenschaftlichen Hauptseminars „Politische und ökonomische Entwicklung im südlichen Afrika“ unter der Leitung von Prof. Dr. Cord Jakobeit im Wintersemester 2006/2007. Exemplarisch befasst sie sich mit der regionalen politischen und wirtschaftlichen Macht der Republik Südafrika und versucht, diese darzustellen und zu beleuchten.

Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt auf den Machteinflüssen Südafrikas in der Southern African Development Community (SADC). Folgende Fragen sollen dabei als Leitfaden dienen und in ihren Ansätzen in den einzelnen Kapiteln geklärt werden: Wie ist die politische und die wirtschaftliche Ausgangslage der Republik Südafrika? Welche Auswirkungen haben diese auf den Prozess der Regionalisierung im gesamten südlichen Afrika und wie schlagen sich die Ausgangsbedingungen in der Regionalorganisation SADC nieder? Eine Grundlage zum Verständnis der weiteren Kapitel soll in Kapitel 2 geschaffen werden. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der Status Quo sind eine wichtige Grundlage für die Entwicklung des Landes. Zudem wird in einem kurzen Absatz auf die aktuelle politische Situation eingegangen, um die momentane Ausgangssituation zu verdeutlichen. In Kapitel 3 werden die Grundzüge der Regionalisierung dargestellt – zum einen die zwei Regionalisierungswellen in den letzten vier Jahrzehnte, zum anderen wird speziell die Regionalisierung in Südafrika erläutert. Wie hat sich die Regionalisierung entwickelt in der Sub-Sahel-Zone, was sind die Vor- und Nachteile dieser Welle gewesen und welche Rolle spielt die Republik Südafrika in diesem Zusammenhang? Welche Macht hat die Republik in der entstandenen Regionalorganisationen SADC? Mit dieser Thematik wird sich Kapitel 4 beschäftigen. Darin wird speziell darauf eingegangen, welchen Machtfaktor Südafrika politisch und wirtschaftlich in dieser Institutionen ausübt und wie dieses von anderen Staaten aufgefasst wird. Eingegangen wird auch in einem kurzen Abriss auf die Historie der SADC und deren Entwicklung.

Abschließend werden im Fazit (Kapitel 5) noch einmal die Schlussfolgerungen zur regionalen politischen und wirtschaftlichen Macht der Republik Südafrika zusammengefasst und basierend darauf sowie auf den gesamten recherchierten Informationen der Versuch einer Bewertung dieser potentiellen Macht, seiner Akteure und Aktionen vorgenommen.

2. Die Republik Südafrika

2.1 Politische Situation

Seit dem Ende der Apartheid Anfang der 1990er Jahre kann in Südafrika eine positive Entwicklung wahrgenommen werden – sowohl in politischer, als auch in ökonomischer, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht. Die Entwicklung einer demokratischen Stabilität zeichnet sich von Tag zu Tag mehr ab und „(...) gemessen an ‚afrikanischen Standards’ [herrscht eine] vorbildlich pluralistische Demokratie (...)“ (vgl. www.bpb.de). Das mittlerweile seit einem Jahrzehnt gefestigte politische System lässt demokratische Wahlen zu, eine freie Meinungsäußerung der Bürger und der Medien, und der Gedanke an einen Rechtsstaat scheint etabliert (vgl. www.bpb.de). Ab 1989, dem Beginn der Aufhebung der Rassentrennung entwickelte sich über vier schwierige Verhandlungsjahre das so heute betitelte südafrikanische „Wunder“ der allgemeinen Demokratisierung. Die Einigung auf die Übergangsverfassung vom November 1993 gilt als das zentrale Dokument dieser Verhandlungen, „(...) noch bevor die demokratischen Gründungswahlen im April 1994 symbolisch den Beginn einer neuen Ära dokumentierten (...)“ (vgl. www.bpb.de). Seit dem 10. Mai 1994 ist die politische Gleichberechtigung aller Südafrikaner fest verankert – an diesem Tag wurde Nelson Mandela der erste frei gewählte Präsident der Republik Südafrika. Für die aktuelle moderne wirtschaftspolitische Ausrichtung der Partei ANC[1] und der gesamten Regierung der Republik Südafrika steht Präsident Thabo Mbeki. Der Staat kümmert sich um Disziplin in der Finanzpolitik, wie etwa eine für Schwellenländer sehr moderate Inflationsrate von bislang durchschnittlich 8 Prozent oder auch die recht niedrige Staatsverschuldung belegen. Das Haushaltsdefizit liegt bei nur noch zirka 1,5 Prozent, was sich selbst im Rahmen des EU-Stabilitätspakts bewegen würde und verglichen mit den 9,5

Prozent bei Regierungsübernahme 1994 einen enormen Erfolg darstellt (vgl. www.bpb.de). Die Fähigkeit der Republik, administrative, wirtschaftliche und soziale Prozesse zu steuern ist, im Vergleich zu anderen Ländern im südlichen Afrika, relativ hoch. Seit dem Ende der Apartheid ist Südafrika zwar von zwischenstaatlichen bewaffneten Konflikten verschont geblieben. Allerdings schürt die herausragende Stellung der Republik in der Region eine zentrale Hemmschwelle für das Fortschreiten des regionalen Integrationsprozesses: Durch das Misstrauen Simbabwes und anderer Länder im südlichen Afrika gegenüber den Bestrebungen Südafrikas zur regionalen Hegemonialmacht aufzusteigen, wird die regionale Integration unterbrochen, auf Kosten der Länder, die eigentlich davon profitieren würden (vgl. Mair, 2002: 17 und Kapitel 4.2). Als problematisch erweist sich auch die hohe Abhängigkeit einiger Länder der Region von Zolleinnahmen, besonders in jenen, die bisher noch nicht mit Südafrika in einer Zollunion vereint sind (vgl. Mair, 2002: 17). Nichtsdestotrotz erweist sich Südafrika als hoffnungsvoller Träger und Vorantreiber der Region: „(...) the possibility that South Africa could be instrumental in reversing the political and economic decline that sub- Saharan-Africa has suffered over more than two decades (...)” (vgl. Leistner in Hirscher/Lange, 1995: 29). International wird Südafrika als das Land im südlichen Afrika angesehen, „(...) where economic prosperity and political stability might as yet prevail (...)“ (vgl. Leistner in Hirscher/Lange, 1995: 29). Internationale Organisationen wie die Weltbank oder der Europäische Entwicklungsfond sehen die Republik Südafrika als eine Art Katalysator für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in der Region des südlichen Afrikas (vgl. Leistner in Hirscher/Lange, 1995: 29).

2.2 Wirtschaftliche Situation

Die Republik Südafrika besitzt als einziger Staat des afrikanischen Kontinents eine Volkswirtschaft, die zu den Emerging markets[2] gerechnet wird. Durch diese Ausgangslage wird dem Land eine Art Lokomotivfunktion in der südafrikanischen Wirtschaft zugeschrieben. Diese bedingt allerdings nicht nur positives: Der interregionale Handel wird mit einem Anteil von 20 Prozent am Gesamthandel der Mitgliedsstaaten einseitig von südafrikanischen Exporten in die Region dominiert und die Nachbarländer werden mehr und mehr von südafrikanischen Investoren penetriert (vgl. Mair, 2002: 16). Insbesondere in Simbabwe verursacht dies Abwehrreaktionen gegenüber dem Nachbarstaat. Zusätzlich genährt werden diese negativen Reaktionen durch die Weigerung Südafrikas, den Gewinn, den es aus den Exporten in die Region erzielt, durch Transferzahlungen zumindest teilweise zu kompensieren (vgl. ebd., 2002: 16).

Die wirtschaftliche Entwicklung der Republik Südafrikas beruht auf einer Kombination reicher natürlicher Ressourcen. Dazu zählen vor allem die Leistungskraft der einheimischen Bevölkerung und den Einwanderern, der Kapitalzustrom aus dem Ausland sowie die Verbindung von privatwirtschaftlichen und staatlichen Initiativen (vgl. Brill, 1991: 38).

Dabei übernimmt der Staat seit Gründung der Republik Südafrika eine relevante Rolle in der regionalen Wirtschaft. Er erbringt als Unternehmer nicht nur öffentliche Dienstleistungen, sondern hält nebenher auch noch Anteile an den Grundstoffindustrien, unter anderem zur Eisen- und Stahlerzeugung, an der Industrie zur Kohleverflüssigung, zur Energieversorgung und an Betrieben in der Wasserwirtschaft (vgl. Brill, 1991: 38). Der Staat ist insofern eine wichtige Unterstützung bei der wirtschaftlichen Entwicklung und Weiterentwicklung der Republik. Nicht zuletzt ist es der Regierung zu verdanken, dass Südafrika seit 1994 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von knapp drei Prozent im Jahr hat (vgl. www.bpb.de). Zudem wird die regionale und sektorale Industrieförderung über die staatliche

Industrie-Entwicklungsgesellschaft[3] durchgeführt. In ihr werden Programme entwickelt, um die wirtschaftliche und industrielle Seite der Republik voranzutreiben und die sich als äußerst effizient erwiesen haben (vgl. Brill, 1991: 38).

Südafrika nimmt heute eine wirtschaftliche Spitzenposition ein und ist trotz des starken Bevölkerungswachstums und der langanhaltenden Trockenperioden in der Lage, seine Bevölkerung weitestgehend selbst zu ernähren. Von einem Agrarland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts über ein Agrar- und Bergbauland bis zum zweiten Weltkrieg hin zu einem Schwellenland auf dem Weg zu einem westlich orientierten Industrie- und Dienstleistungsstaat hat das Land einen enormen Wandel in der Wirtschaftsstruktur vollzogen (vgl. Brill, 1991: 38). Dieser Wandel bedeutet jedoch auch einen zunehmenden ökonomischen Gegensatz zwischen einem relativ hochentwickelten und reichen Industriestaat einerseits und einer Reihe wirtschaftlich weniger entwickelten und ressourcenärmeren Staaten andererseits, die zudem auf Grund ihrer geografischen Binnenlage verkehrspolitisch benachteiligt sind. Um sich aus dieser engen Abhängigkeit Südafrikas zu lösen, verfolgten die Staaten im Südlichen Afrika im Rahmen der SADCC[4] das Ziel „(...) ihre entwicklungspolitischen Vorhaben langfristig zu verbessern (...)“ (vgl. ebd., 1991: 17).

Diese Ziele wurden auch in der Umstrukturierung zur Southern African Development Community (SADC) weiterhin verfolgt, jedoch gab es mit der Innovation der Organisation auch eine Verlagerung und Ausweitung der Zielsetzungen, sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht (siehe Kapitel 4).

[...]


[1] Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) ging 1925 aus dem am 8. Januar 1912 gegründeten South African Native National Congress (SANNC) hervor. Der ANC verstand und versteht sich als Interessenvertretung der schwarzafrikanischen und farbigen Bevölkerungsgruppen Südafrikas und wurde aufgrund der Benachteiligung und Unterdrückung der Schwarzen gegründet. Seit dem 9. Mai 1994, dem Ende des Apartheid-Regimes, stellt der ANC die Regierung der Republik Südafrika (vgl. www.wikipedia.de).

[2] Als Emerging markets bezeichnet man die Aktienmärkte der Schwellenländer. Dazu gehören die Märkte Lateinamerikas oder Osteuropas oder Teile Afrikas und Asiens. Oftmals gibt es auf diesen Schwellenmärkten deutlich höhere Wachstumsraten als auf den Kapitalmärkten der Industrieländer. Sie sind aber meist weniger liquide, daher können hier größere Wertpapierkäufe bzw. -verkäufe die Entwicklung der Kurse stärker beeinflussen (vgl. www.foerderland.de).

[3] Industrial Development Corporation of South Africa Ltd. (IDC) = Die Organisation wurde 1940 gegründet und ist eine selbst-finanzierte nationale Entwicklungs- und Finanzinstitution. Der ursprüngliche Gedanke dieser Organisation war, die Wirtschaft und die Industrie in Südafrika weiter zu entwickeln und voranzutreiben. Heute ist die IDC auf dem ganzen afrikanischen Kontinent vertreten und leistet unter anderem Hilfestellung in Staaten, die eine finanzielle Unabhängigkeit erreichen wollen (vgl. www.idc.co.za).

[4] SADCC = Southern African Development Coordination Conference. Regionalorganisation im südlichen Afrika für Integration und Entwicklung. Sie ging 1992 in die Southern African Development Community (SADC) über (siehe Kapitel 4.2).

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640165209
ISBN (Buch)
9783640165155
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114672
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Politische Wissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Motor Entwicklung Republik Südafrika Macht Sub-Sahel-Zone Afrika Sahel-Zone

Autor

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