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Bestimmungsfaktoren für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Irland

Diplomarbeit 2006 126 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG
1.1 ZIEL DER ARBEIT
1.2 AUFBAU DER ARBEIT

2 ALLGEMEINES ÜBER DEN ÖKOLOGISCHEN LANDBAU
2.1 WAS IST ÖKOLOGISCHER LANDBAU?
2.1.1 Abgrenzung der Begriffe ökologischer, biologischer und organischer Landbau
2.1.2 Die wichtigsten Richtungen innerhalb des ökologischen Landbaus
2.1.2.1 Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise
2.1.2.2 Der organisch-biologische Landbau
2.1.2.3 Organic farming (organischer Landbau)
2.2 RICHTLINIEN UND ORGANISATIONEN DES ÖKOLOGISCHEN LANDBAUS
2.2.1 International Federation of Organic Agriculture Movements
2.2.2 Die Gesetzgebung in der Europäischen Union
2.2.3 Verbände des ökologischen Landbaus in Deutschland und Irland
2.3 FÖRDERUNG DES ÖKOLOGISCHEN LANDBAUS

3 ÖKOLOGISCHER LANDBAU ALS UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND IN DEN SOZIALWISSENSCHAFTEN
3.1 ÖKOLOGISCHER LANDBAU ALS SOZIALE BEWEGUNG
3.2 EXKURS: ÖKOLOGISCHER LANDBAU ALS INNOVATION
3.3 EXKURS: ÖKOLOGISCHER LANDBAU AUS SICHT DER TRANSAKTIONSKOSTENTHEORIE

4 MATERIAL UND METHODEN
4.1 DIE GRUNDLAGEN DER FRAGESTELLUNG UND DER BEFRAGUNG
4.1.1 Das Interview
4.1.2 Das Experteninterview
4.2 VORGEHENSWEISE

5 ÖKOLOGISCHER LANDBAU IN EUROPA
5.1 GRÜNDE FÜR DIE REGIONALE VERTEILUNG DES ÖKOLOGISCHEN LANDBAUS IN EUROPA
5.2 DIE MÄRKTE FÜR ÖKOPRODUKTE
5.3 FORSCHUNG IM BEREICH ÖKOLOGISCHER LANDBAU

6 ÖKOLOGISCHER LANDBAU IN IRLAND
6.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG
6.1.1 Spiritualität / Solidarität
6.1.2 Selbstversorgung
6.1.3 Verkauf / Kommerzialisierung
6.1.4 Das „Auseinanderbrechen“ der Bewegung
6.2 DIE GEGENWÄRTIGE SITUATION
6.2.1 Staatliche Förderung des ökologischen Landbaus
6.2.1.1 Das Rural Environment Protection Scheme (REPS)
6.2.1.2 Scheme of Grant Aid for the Development of the Organic Sector
6.2.1.3 Weitere Förderprogramme
6.2.2 Forschung, Ausbildung und Beratung
6.2.2.1 Forschung im Bereich Ökologischer Landbau
6.2.2.2 Ausbildung und Lehre im Bereich Ökologischer Landbau
6.2.2.3 Beratung im Bereich Ökologischer Landbau
6.2.3 Die ökologischen Landwirte in Irland
6.2.4 Gründe für und gegen die Umstellung auf den ökologischen Landbau
6.2.5 Probleme und Hindernisse rund um den ökologischen Landbau

7 DISKUSSION UND SCHLUSSFOLGERUNGEN

8 ZUSAMMENFASSUNG UND SUMMARY
8.1 ZUSAMMENFASSUNG
8.2 SUMMARY

9 LITERATURVERZEICHNIS
9.1 VERWENDETE LITERATUR
9.2 WEITERFÜHRENDE LITERATUR

ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das erste irische Symbol Irish Organic Produce zur Kennzeichnung ökologischer Produkte und das Symbol der englischen Soil Association

Abb. 2: Die Symbole von IOFGA, BDAAI und OT

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Antworten beeinflussende Faktoren

Tab. 2: Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche in ausgesuchten Ländern Ende 2003

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ziel der Arbeit

Die ersten Bewirtschaftungsformen des ökologischen Landbaus entstanden Mitte der 1920er bis Mitte der 1950er Jahre hauptsächlich in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien (vgl. KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN, 2002, S. 9). Über viele Jahrzehnte hinweg wurde der ökologische Landbau von sozialen Bewegungen weiterentwickelt und verbreitet (vgl. DABBERT, S., 2001, S. 39). Diese sozialen Bewegungen sahen in ihm ein Gegenmodell zur konventionellen Landwirtschaft und zur vorherrschenden Agrarpolitik (vgl. ebenda, S. 39). Ökolandbau blieb innerhalb der Landwirtschaft bis Ende der 1980er Jahre jedoch eine Randerscheinung. Diese Situation änderte sich um das Jahr 1990, als der ökologische Landbau in das Interessenfeld der europäischen Agrarpolitik rückte. Die Europäische Union und die einzelnen europäischen Länder begannen zunehmend, ökologische Bewirtschaftungsmaßnahmen zu fördern. Hinzu kam ein gesteigerter Wunsch von Verbrauchern nach ökologischen Produkten. Diese Entwicklungen führten zu einem rapiden Anstieg der ökologisch bewirtschafteten Fläche innerhalb Europas. Mehr und mehr landwirtschaftliche Betriebe wurden auf den ökologischen Landbau umgestellt oder neu gegründet. Der Prozess innerhalb des ökologischen Landbaus, von einer Verbreitung dessen durch eine soziale Bewegung hin zu einer Förderung und Reglementierung dessen, führte jedoch zu Spannungen innerhalb der sozialen Bewegung.

Ziel dieser Arbeit ist es, diesen Prozess beispielhaft anhand der Entwicklung des ökologischen Landbaus in Irland darzustellen. Darüber hinaus soll diese Entwicklung in den europäischen Kontext eingeordnet und mit den Situationen in anderen Ländern verglichen werden. Die vorliegende Diplomarbeit stellt ein Desiderat der Wissenschaft dar, weil vergleichende Arbeiten, die sowohl die historische Entwicklung des ökologischen Landbaus in Irland als auch dessen gegenwärtige Situation schildern, bislang fehlen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zur Einführung in die Thematik des ökologischen Landbaus werden in Kapitel 2 „Allgemeines über den ökologischen Landbau“ der ökologische Landbau definiert, die Begriffe ökologischer, biologischer und organischer Landbau gegeneinander abgegrenzt und die bedeutendsten Richtungen innerhalb des ökologischen Landbaus näher erläutert. Weiterhin werden die wichtigsten Richtlinien und Organisationen des ökologischen Landbaus näher dargestellt. Dazu zählen die International Federation of Organic Agriculture Movements, die Gesetzgebung innerhalb der Europäischen Union und die Verbände des ökologischen Landbaus in Deutschland und Irland. Am Ende dieses Kapitels wird die Ausgestaltung der Fördermaßnahmen innerhalb der Europäischen Union aufgezeigt. Eine Wertung und Interpretation der dargestellten Sachverhalte erfolgt in den jeweiligen Textabschnitten.

In Kapitel 3 wird der ökologische Landbau als Untersuchungsgegenstand in den Sozialwissenschaften dargestellt. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf den ökologischen Landbau im Kontext sozialer Bewegungen gelegt. Die Möglichkeiten, ökologischen Landbau als Innovation und aus Sicht der Transaktionskostentheorie zu betrachten, werden darüber hinaus als Exkurse vorgestellt. Im Rahmen dieser Arbeit wurden diese Punkte jedoch nicht näher behandelt, da sie vermutlich den Rahmen der Diplomarbeit gesprengt hätten.

In Kapitel 4 „Material und Methoden“ werden zunächst die wichtigsten Literaturquellen genannt, die im Rahmen des Literaturstudiums ausgewertet wurden. Ein Teil der Ergebnisse wurde mittels sieben Experteninterviews gewonnen, so dass die Grundlagen der Fragestellung und der Befragung, das Interview und das Experteninterview näher erklärt werden. Darüber hinaus wird die Vorgehensweise hinsichtlich der durchgeführten Experteninterviews explizit erläutert.

Im fünften Kapitel werden die Entwicklungen des ökologischen Landbaus in Europa zusammengefasst, um die Situation in Irland besser einordnen zu können. Es werden Gründe für die regionale Verteilung des ökologischen Landbaus in Europa genannt, die Entwicklungen der Märkte für Ökoprodukte aufgezeigt und ein kurzer Einblick in die Forschung im Bereich Ökologischer Landbau gegeben.

Das sechste Kapitel behandelt ausführlich die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Irland. Anhand eines historischen Überblickes in Kapitel 6.1 wird die Bedeutung von sozialen Bewegungen für die Ausbreitung dieser Wirtschaftsweise in Irland explizit erläutert. Weiterhin wird in Kapitel 6.2 die gegenwärtige Situation des ökologischen Landbaus in Irland detailliert aufgezeigt. Die staatlichen Förderprogramme der irischen Regierung werden erklärt und Forschungs-, Ausbildungsund Beratungsmöglichkeiten dargestellt. Darüber hinaus wird veranschaulicht, wer die Menschen sind, die ökologischen Landbau betreiben, welche Gründe für und welche gegen eine Umstellung auf den ökologischen Landbau sprechen und welchen Problemen und Hindernissen sich der ökologische Landbau gegenüber sieht. In das Kapitel 6 fließen sowohl Ergebnisse aus der Literaturauswertung als auch die Resultate der Experteninterviews ein. Des Weiteren werden die Ergebnisse mit denen aus anderen Ländern verglichen, um die Situation des ökologischen Landbaus in Irland in den europäischen Kontext einordnen zu können. Eine Interpretation und Wertung der Ergebnisse erfolgt in den jeweiligen Textabschnitten.

In Kapitel 7 werden die wichtigsten Ergebnisse diskutiert, Möglichkeiten für weitere Forschungen aufgezeigt und Schlussfolgerungen aus den gewonnen Erkenntnissen gezogen.

Die Diplomarbeit wird mit der Zusammenfassung und mit einer englischen Summary in Kapitel 8 abgeschlossen.

2 Allgemeines über den ökologischen Landbau

2.1 Was ist ökologischer Landbau?

Der ökologische Landbau stellt eine Anbaualternative zur konventionellen Landwirtschaft dar und ist „eine ganzheitliche, moderne Form der Landbewirtschaftung“ (WILLER, H. et al. 2002, S. 11). Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und ganzheitliches Systemdenken stehen im Mittelpunkt dieser Bewirtschaftungsform (vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 27). Ein grundlegendes Prinzip ist der Schutz der Natur und des Bodens (vgl. YUSSEFI, M., WILLER, H., 2002, S. 10). Ein vielfältiges „System von sich gegenseitig ergänzenden und bedingenden umweltverträglichen Maßnahmen unter Mithilfe der regulierenden Wirkung des Ökosystems“ (HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 27) gewährleistet die Nachhaltigkeit und Gesundheit des „Betriebsorganismus“ (ebenda, S. 27). Innerhalb des Betriebes sollte ein möglichst geschlossener Kreislauf entstehen (vgl. WILLER, H., 1992, S. 5; vgl. OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 35). Der Zukauf von Dünge-, Pflanzenschutzund Futtermitteln sollte weitgehend eingeschränkt werden (vgl. WILLER, H., 1992, S. 5; vgl. OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 35). Auf den Einsatz von leichtlöslichen chemisch-synthetischen Betriebsmitteln, wie Pharmazeutika, Düngeund Pflanzenschutzmittel, wird verzichtet (vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 27; vgl. YUSSEFI, M., WILLER, H., 2002, S. 10; vgl. OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 35). Stattdessen werden zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der Pflanzengesundheit Maßnahmen „wie vielseitige Fruchtfolge, verlustmindernde [sic!] Wirtschaftsdüngerbehandlung, mechanische Unkrautregulierung“ (HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 27; vgl. OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 35) eingesetzt. Tiere werden „artgerecht in Bodenhaltung und Freilauf“ (OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 36) gehalten. Gentechnik ist im ökologischen Landbau verboten (vgl. THE DEPARTMENT OF AGRICULTURE AND FOOD [DAF], 2002, S. 13). In der Vermarktung der hofeigenen Produkte sind die Direktund Regionalvermarktung diejenigen Marketingkonzepte, welche dem Nachhaltigkeitskonzept am ehesten entsprechen (vgl. OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 40).

2.1.1 Abgrenzung der Begriffe ökologischer, biologischer und organischer Landbau

Der Begriff „Ökologischer Landbau“ ist seit fast 30 Jahren „auf internationaler Ebene durch die IFOAM-Basisrichtlinien [ International Federation of Organic Agriculture Movements ] zur ökologischen Landbauwirtschaft definiert“ (YUSSEFI, M., WILLER, H., 2002, S. 10; siehe Kapitel 2.2.1). In Deutschland werden größtenteils die Begriffe „ökologische Landwirtschaft“, „ökologischer Landbau“ oder „Ökolandbau“ verwendet (vgl. KOEPF, H. H. et al., 1996, S. 51; vgl. YUSSEFI, M., WILLER, H., 2002, S. 11). Auch in anderen Ländern, wie z. B. in Schweden, Dänemark und Norwegen, wird „diese Wirtschaftsweise in den jeweiligen Nationalsprachen […] „ökologisch“ genannt“ (YUSSEFI, M., WILLER, H., 2002, S. 11). Im englischsprachigen Raum hat sich die Bezeichnung „organic farming“ („organischer Landbau“) durchgesetzt (vgl. ebenda, S. 11) [s. Kapitel 2.1.2.3]. In anderen Ländern, z. B. Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich und z. T. auch in Deutschland, wird der Begriff „biologisch“ verwendet (vgl. ebenda, S. 11). Verwechslungen mit dem biologisch-dynamischen Landbau sind hierbei möglich, zumal der Begriff „biologisch“ jahrelang nur im Zusammenhang mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise genannt wurde (vgl. KOEPF, H. H. et al., 1996, S. 51) [s. Kapitel 2.1.2.1]. Darüber hinaus kann auch die deutsche Übersetzung „organischer Landbau“ des englischen „organic farming“ zu Verwechslungen mit der organisch-biologischen Wirtschaftsweise führen (vgl. ebenda, S. 51) [s. Kapitel 2.1.2.2].

2.1.2 Die wichtigsten Richtungen innerhalb des ökologischen Landbaus

Innerhalb des ökologischen Landbaus sind vor allem zwei Hauptrichtungen festzustellen, die biologisch-dynamische und die organisch-biologische Wirtschaftsweise (vgl. NEUERBURG, W., PADEL, S., 1992, S. 5; vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 13). In Großbritannien hat sich die Wirtschaftsweise des organic farming herausgebildet (vgl. WILLER, H., 1992, S. 6). Die verschiedenen Richtungen innerhalb des ökologischen Landbaus „haben viele Maßnahmen und Grundanliegen gemeinsam“ (KOEPF, H. H. et al., 1996, S. 52). Als wichtigste Gemeinsamkeit ist das ökologische Denken zu nennen (vgl. ebenda, S. 52).

2.1.2.1 Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise

Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise entstand in den 1920er Jahren und gründete sich auf die anthroposophische Lehre[1] Dr. Rudolf Steiners (1861 – 1925) (vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 320; HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30; vgl. KOEPF, H. H. et al., 1996, S. 17; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 13). Vor allem seine acht Vorträge zum Thema „Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“, die er Pfingsten 1924 auf dem Gut Koberwitz bei Breslau hielt, sorgten für eine Ausbreitung der Anthroposophie und der biologisch-dynamischen Landwirtschaft (vgl. SATTLER, F., VON WISTINGHAUSEN, E., 1989, S. 11; vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30; KOEPF, H. H., VON PLATO, B., 2001, S.36ff.; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 13; vgl. MOORE, O., 2003, S. 4). Innerhalb der Anthroposophie wird der landwirtschaftliche Betrieb als „Organismus“ (HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30; vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 320; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 13), „als organisches, vielseitiges Ganzes“ (HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30) aufgefasst. Das Ziel der biologischdynamischen Landwirtschaft besteht in der Schaffung und Erhaltung eines standortgemäßen, sinnvoll geschlossenen, arbeitsund marktgerechten Betriebsorganismus (vgl. SATTLER, F., VON WISTINGHAUSEN, E., 1989, S. 11; vgl. KOEPF, H. H. et al., 1996, S. 18). Darüber hinaus werden die Pflege und Ausgestaltung des Hofes als sinnvolle und erfüllende Aufgabe der Menschengemeinschaft, die dort lebt und arbeitet, angesehen (vgl. SATTLER, F., VON WISTINGHAUSEN, E., 1989, S. 13). Charakteristisch in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ist die Anwendung spezifisch wirkender natürlicher Präparate[2], die nach Möglichkeit vom Landwirt selbst hergestellt werden sollten (vgl. SATTLER, F., VON WISTINGHAUSEN, E., 1989, S. 13; vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 13). Weltweit übernehmen die Demeter – Anbauverbände der jeweiligen Länder die Kontrolle und Zertifizierung von biologischdynamischen Betrieben und Produkten (vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 321; vgl. KOEPF, H. H., VON PLATO, B., 2001, S. 339).

2.1.2.2 Der organisch-biologische Landbau

Der organisch-biologische Landbau[3] wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Schweizer Agrarpolitiker Dr. Hans Müller (1891 – 1988) und dessen Frau Maria (1894 – 1969) gegründet (vgl. NEUERBURG, W., PADEL, S., 1992, S. 5 und S. 10f.; vgl., VOGTMANN, H., 1992, S. 321; vgl. HERRMANN, G, PLAKOLM, G., 1993, S. 31; vgl. WILLER, H. et al. 2002, S. 14). Das Ehepaar setzte sich bereits in den 1920er Jahren „für den Fortbestand einer bäuerlichen Landwirtschaft ein“ (WILLER, H., 2002, S. 14). Ein wichtiges Anliegen für Maria Müller war es, den Typus eines biologischen Hausgartens zu entwickeln (vgl. ebenda, S. 14). Der Arzt und Mikrobiologe Dr. Hans Peter Rusch (1905 - 1977) lieferte mit seinem Buch „Bodenfruchtbarkeit“, „in dem er sich mit der Bodenmikrobiologie und ihrer entscheidenden Rolle für die Bodenfruchtbarkeit auseinandersetzte“ (VOGTMANN, H., 1992, S. 321), die wissenschaftliche Grundlage für den organisch-biologischen Landbau (vgl. NEUERBURG, W., PADEL, S., 1992, S. 5 und S. 11; vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 321; vgl. HERRMANN, G, PLAKOLM, G., 1993, S. 32; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 14). Dr. Müller setzte die von Dr. Rusch gefundenen bakteriologischen Forschungsergebnisse und die von seiner Frau im eigenen Hausgarten geprüften wissenschaftlichen Neuerungen in die bäuerliche Praxis um (vgl. NEUERBURG, W., PADEL, S., 1992, S. 11; vgl. LÜNZER, I., 2002, S. 160). Als wichtigstes Kennzeichen des organisch-biologischen Landbaus ist die Flächenkompostierung anzusehen (vgl. HERRMANN, G, PLAKOLM, G., 1993, S. 32). Der Wirtschaftsdünger wird größtenteils nicht kompostiert, „sondern hauptsächlich als „Frischmistschleier“ möglichst oft und dünn ausgebracht“ (ebenda; vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 321). NEUERBURG, W. und PADEL, S. (1992, S. 11) fassen die Hauptziele des organischbiologischen Landbaus wie folgt zusammen:

1. Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit aus den eigenen Kräften des Betriebes
2. Schonung von natürlichen Ressourcen
3. Ausnutzung natürlicher Regelmechanismen im Ökosystem
4. weitgehend geschlossene Betriebskreisläufe
5. artgemäße und Flächen gebundene Tierhaltung
6. Erzeugung von hochwertigen Lebensmitteln

2.1.2.3 Organic farming (organischer Landbau)

Organic farming (organischer Landbau) ist die in Großbritannien dominierende Richtung des ökologischen Landbaus (vgl. WILLER, H., 1992, S. 6). Entwickelt wurde die Wirtschaftweise des organischen Landbaus von Lady Eve Balfour (1899 – 1990) und Sir Albert Howard (1873 – 1947) (vgl. ebenda, S. 6; vgl. LÜNZER, I., 2002, S. 166 und 180). Lady Eve Balfour veröffentlichte bereits 1943 ihr Buch „The living Soil“ („Der lebende Boden“), in dem „sie sich mit dem Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Boden, Pflanze und Mensch“ (LÜNZER, I., 2002, S. 166) beschäftigte. Der diplomierte Landwirt Sir Albert Howard entwickelte ein spezielles Kompostverfahren und publizierte 1947 das Buch „My Agricultural Testament“ („Mein landwirtschaftliches Testament“) (vgl. WILLER, H., 1992, S. 6; vgl. LÜNZER, I., 2002, S. 180). Beide gründeten 1946 die Soil Association (vgl. PADEL, S., MICHELSEN, J., 2001, S. 398; vgl. SOIL ASSOCIATION, History, 2005) [s. Kapitel 6.1.1]. Von besonderer Bedeutung im organischen Landbau ist die Kompostierung (vgl. WILLER, H., 1992, S. 6). Im organischen Landbau werden alle anfallenden pflanzlichen und tierischen Abfälle kompostiert und mittels spezieller Maßnahmen[4] aufbereitet, um den Mikroorganismen des Bodens optimale Bedingungen zu garantieren. Des Weiteren ist das Wechselgrünland für diese Wirtschaftsweise von großer Bedeutung. Innerhalb der Fruchtfolge werden mehrjährige Kleegraswiesen (so genannte „leys“) mit abwechslungsreicher Flora eingesetzt (vgl. ebenda, S. 6).

2.2 Richtlinien und Organisationen des ökologischen Landbaus

Die Richtlinien des ökologischen Landbaus sind seit 1991 durch die EG-Verordnung 2092/91 (vgl. SCHMIDT, H., HACCIUS, M., 1994, S. 22; vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR VERBRAUCHERSCHUTZ, ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT [BMVEL], o. J.; vgl. DABBERT, S., 2001, S. 40) als Rahmengesetze festgelegt. Weltweit gelten die Basisrichtlinien der International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM), an welche die EG-Verordnung 2092/91 anknüpft, als gesetzliche Grundlage des ökologischen Landbaus (vgl. BMVEL, o. J.). Die Länderverbände müssen sich an die Basisrichtlinien der IFOAM halten und sofern sie auch Mitglieder der EU sind, auch an die Rahmengesetze der EU (vgl. ebenda). Die einzelnen Verbände können jedoch strengere Richtlinien erlassen (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 47). In den meisten Fällen entwickelten die Ökoverbände ihre Richtlinien lange bevor die IFOAM und die EU ihre Gesetze erließen (vgl. LAMPKIN, N. et al., 2001, S. 393). Die Standards der jeweiligen Anbauverbände spiegeln auf der einen Seite regionale Unterschiede „in den Produktionsbedingungen und sogar in den Verbrauchererwartungen“ (DABBERT, S. et al., 2002, S. 47) wider. Auf der anderen Seite können strengere Richtlinien von den Vertretern der Anbauverbände „als eine Art ideologischer Grenzzaun“ (ebenda, S. 47) aufgefasst werden, „um die „einzig wahren Ökos“ von den „Mitläufern“ zu trennen“ (ebenda, S. 47).

2.2.1 International Federation of Organic Agriculture Movements

Der internationale Dachverband der ökologischen Landbauorganisationen ist die International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM; die Internationale Vereinigung Ökologischer Landbaubewegungen) (vgl. YUSSEFI, M., WILLER, H. et al., 2002, S. 15). Diese Organisation wurde bereits 1972 in Versailles gegründet (vgl. VOGTMANN, H. et al., 1986, S. 9; vgl. GEIER, B., 1998, S. 373; vgl. KOEPF, H. H., VON PLATO, B., 2001, S. 326[5] ; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 15).

Die Hauptaufgabe der IFOAM liegt in der „Koordination des weltweiten Netzwerks der ökologischen Landbaubewegung“ (GEIER, B., 1998, S. 371; vgl. IFOAM, 2000, S. 5). 1989 erließ die Organisation die so genannten Basisrichtlinien, die internationale Gültigkeit besitzen und bislang in 19 Sprachen übersetzt wurden (vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 327; vgl. IFOAM, 2000, S. 5). Mittlerweile sind der IFOAM rund 740 Organisationen aus über 100 Ländern angeschlossen (vgl. BMVEL, o. J.). Jene Dachorganisation vertritt die Interessen von Einzelpersonen, von Anbauverbänden und auch von Gruppen und Verbänden aus den Bereichen Forschung, Entwicklung und Lehre (vgl. VOGTMANN, H. et al., 1986, S. 9). Die IFOAM stellt eine demokratische Föderation dar und ist basisdemokratisch orientiert (vgl. IFOAM, 2000, S. 5). Im Fokus der Arbeit der IFOAM stehen (GEIER, B., 1998, S. 371; vgl. IFOAM, 2000, S. 5):

1. „Austausch von Wissen und Erfahrung unter den Mitgliedsorganisationen
2. Öffentlichkeitsarbeit
3. Vertretung der ökologischen Landbaubewegung in internationalen Institutionen
4. Formulierung und ständige Überwachung der internationalen IFOAM- Basisrichtlinien
5. Gewährleistung einer internationalen Garantie für biologische Zertifizierung durch das IFOAM-Akkreditierungsprogramm“

2.2.2 Die Gesetzgebung in der Europäischen Union

Als Resultat auf die Umweltbewegung in den 1980er Jahren erlebten die Märkte für Ökoprodukte einen spürbaren Aufschwung (vgl. DABBERT, S., 2001, S. 39f.). Da Ökoprodukte in einigen europäischen Ländern zu einem höheren Preis als konventionelle Güter verkauft wurden [und auch immer noch werden], kamen auch „Pseudo-Bioprodukte“ (DABBERT, S., 2001, S. 40) in den Handel, was auf eine unklare gesetzliche Regelung der Begriffe „öko“ und „bio“ zurückzuführen war (vgl. ebenda, S. 40). „Echte“ Ökoprodukte waren von „Pseudo-Bioprodukten“ (ebenda, S. 40) schlecht zu unterscheiden. Nun war ein politisches Eingreifen gefordert, da „Märkte nur funktionieren [können], wenn ein gewisses Mindestmaß an Transparenz und Produktidentität sichergestellt ist“ (ebenda, S. 40; vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 74). Darüber hinaus gewann die Umweltbewegung in den 1980er Jahren beachtlichen politischen Einfluss (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 10). In der Bevölkerung wuchs das Interesse an Umweltfragen und somit auch die Unterstützung für den ökologischen Landbau (vgl. ebenda, S. 10). Daher wurde 1991 eine EG-Verordnung [2092/91 vom 24.06.1991] erlassen, welche die Erzeugung, Verarbeitung, Etikettierung und Kontrolle von Ökoprodukten für alle Mitgliedsstaaten verbindlich regelt (vgl. NEUERBURG, W., PADEL, S., 1992, S. 50f; vgl. SCHMIDT, H., HACCIUS, M., 1994, S. 22; vgl. ANONYMUS, 2003, S. 132; vgl. OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 36). Allerdings wird durch diese Verordnung nur der ökologische Pflanzenbau definiert, was einen extremen Gegensatz zum Ideal des ökologischen Betriebes als ganzheitliche Einheit darstellt (vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 27; vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 18; vgl. DABBERT, S., 2001, S. 40). Diese Begriffsbestimmung des ökologischen Pflanzenbaus besitzt in fast allen EU – Ländern Gütigkeit[6] (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 18).

Die formale Anerkennung des ökologischen Landbaus durch die Politik stellte „einen dramatischen Wendepunkt in der Entwicklung des ökologischen Landbaus in Europa“ (DABBERT, S. et al., 2002, S. 10) dar. Der ökologische Landbau befand sich jahrelang in strenger Opposition „zum agrarpolitischen Establishment“ (ebenda, S. 10f.). Nun entwickelte er sich in kurzer Zeit „zu einem etablierten Instrument der Agrarpolitik“ (ebenda, S. 10). Ökologischer Landbau wird heutzutage von Institutionen gesetzlich definiert, die ihn jahrzehntelang ablehnten. Die Ablehnung des ökologischen Landbaus ging oftmals mit Ahnungslosigkeit der Politiker einher. Von Seiten der Verbände und Interessengruppen erhielten die Gestalter der Agrarpolitik jedoch keine einheitliche und klare Beratung hinsichtlich des ökologischen Landbaus. Die Vertreter dieser Verbände und Interessengruppen der jeweiligen Länder hatten sogar selbst „keine einheitliche Vorstellung von den praktischen Details des ökologischen Landbaus“ (ebenda, S. 11). Die Vielzahl an Anbauverbänden und Kontrollorganen innerhalb der ökologischen Landbaubewegung stellt noch immer einen beachtlichen Nachteil derer dar. Im Gegensatz dazu ist die EU zentralistisch organisiert. Somit liegt die gesetzliche „Macht, den ökologischen Landbau zu definieren, […] in der Hand einer einzigen Organisation“ (ebenda, S. 12). Bislang mangelt es der Ökolandbaubewegung noch an einer durchsetzungsfähigen politischen Lobby (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 31). Hauptberufliche Lobbyisten fehlen in den wichtigsten europäischen Hauptstädten und in Brüssel, so dass Kontakte zu Politikern bislang kaum vorhanden sind (vgl. ebenda, S. 31). Diese Kontakte sind jedoch besonders wichtig, zumal die Politik und die Ökolandbaubewegung Interesse an einer maximalen Ausdehnung des ökologischen Landbaus, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen, haben (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 12; vgl. HAGEDORN, K. et al., 2004, S. 11). Für die Politik ist von Bedeutung, dass von „einer Ausweitung der [ökologischen] Produktion […] zumindest zeitweise der Handel und das verarbeitende Gewerbe“ (HAGEDORN, K. et al., 2004, S. 11) profitieren würden. Daher wurden die Zutrittsbarrieren zum ökologischen Landbau mittels der getroffenen politischen Entscheidungen gesenkt. Zu diesen politischen Zielsetzungen gehören u. a. die Senkung der Mindeststandards und die Subventionierung der Ökobetriebe. Darüber hinaus müssen ökologische Landwirte nicht zwingend einem Anbauverband angehören (vgl. ebenda, S. 11).

Im Zuge der EG-Verordnung 2092/91 wurden in einigen Ländern weitere Auflagen, z. B. hinsichtlich des Umweltschutzes, erlassen[7] (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 19). Zusätzlich wurde 1992 die EG-Verordnung 2078/92[8], das Agrarumweltprogramm der EU, verabschiedet, das seit seiner Umsetzung 1994 die wichtigste Förderungsquelle für den ökologischen Landbau darstellt[9] (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 16; vgl. LAMPKIN, N. et al., 2001, S. 391). Die Verordnung 2078/92 besagt, dass Landwirte, die zur ökologischen Wirtschaftsweise konvertieren oder sie weiterführen, finanzielle Unterstützung erhalten, da sie durch die ökologische Bewirtschaftung einen Beitrag zum Umweltschutz leisten[10] (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 16). Darüber hinaus können durch diese Verordnung Ausbildungsprogramme und Demonstrationsprojekte finanziert werden (vgl. ebenda, S. 16). Diese Möglichkeit der Förderung von Ausbildungsund Anschauungsprojekten wird in rund der Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt[11] (vgl. ebenda, S. 21). Des Weiteren wurde 1992 die so genannte McSharry - Reform[12] der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) beschlossen[13] (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 42). Im Rahmen der McSharry – Reform wurden die Preisund Marktstützungen für wichtige landwirtschaftliche Produktgruppen gesenkt (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 81; vgl. DAF, 2002, S. 14). Tendenziell soll eine Orientierung am Markt erfolgen (vgl. DAF, 2002, S. 14). Gleichzeitig führte man Direktzahlungen ein, die an die bewirtschaftete Fläche oder die Anzahl der Tiere gebunden sind (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 81; vgl. DAF, 2002, S. 14). Mittels dieser sollen negative Auswirkungen auf das Einkommen der Landwirte verhindert werden (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 81; vgl. DAF, 2002, S. 14). Für den ökologischen Landbau waren vor allem die „flankierende Maßnahmen“ (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 42) der McSharry – Reform von Bedeutung. Durch diese wurde ein „Rahmen für regionale Programme der Mitgliedsstaaten zur Förderung einer umweltfreundlichen Landwirtschaft“ (ebenda, S. 42) gesetzt. Die Hauptziele der McSharry – Reform sind (ebenda, S. 42):

1. „den Einsatz von Düngeund Pflanzenschutzmitteln pro Hektar deutlich zu verringern,
2. die Zahl der Tiere pro Hektar Futterfläche zu verkleinern,
3. Nutzflächen langfristig stillzulegen,
4. den ökologischen Landbau direkt zu unterstützen.“

Zusammen mit der EG-Verordnung 2078/92 soll sie „zur Erhaltung der Landwirtschaft und der Umwelt [beitragen] sowie den Bauern ein angemessenes Einkommen [ermöglichen]“ (LAMPKIN, N., 1998, S. 16). Die ökologische Tierhaltung wird erst seit dem 19.07.1999 durch die EG-Verordnung 1804/99 geregelt, die „seit dem 24. August 2000 unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten“ gilt (BMVEL, o. J.; vgl. DABBERT, S., 2000, S. 612; vgl. OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 36). Im Zuge dieser EG-Verordnung wurde „ein einheitlicher Standard für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel sowohl pflanzlicher als auch tierischer Herkunft“ (BMVEL, o. J.) innerhalb der Europäischen Union geschaffen (vgl. DABBERT, S., 2000, S. 612). Die bislang letzte durchgreifende Reform der EU-Agrarpolitik stellt die Agenda 2000[14] dar (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 80). Infolge dieser wurden für wichtige landwirtschaftliche Produkte die Preise nochmals stark gesenkt und die Direktzahlungen angehoben. Eines der Ziele der Agenda 2000 ist es, „Umweltund Strukturziele stärker in der gemeinsamen Agrarpolitik zu berücksichtigen“ (ebenda, S. 81).

2.2.3 Verbände des ökologischen Landbaus in Deutschland und Irland

1988 schlossen sich in Deutschland sieben Anbauverbände[15] und die Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL)[16] zur Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) zusammen (vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 324; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 16).

Die AGÖL als Dachorganisation des ökologischen Landbaus in Deutschland erlässt Mindestrichtlinien, an welche sich die Mitgliedsverbände halten müssen (vgl. DATEN- UND INFORMATIONSMANAGEMENT FÜR INDUSTRIE, HANDEL UND HANDWERK, o. J.). Die einzelnen Verbände können jedoch strengere Richtlinien erlassen (vgl. ebenda). Aufgrund der BSE – Krise traten zum 31.03.2001 Demeter und Bioland aus der AGÖL aus (vgl. LANDESINSTITUT FÜR SCHULE UND WEITERBILDUNG, o. J.). Ende Mai 2002 verließ der Anbauverband GÄA ebenfalls die AGÖL, die somit innerhalb eines Jahres ihre drei wichtigsten Mitglieder verlor. Außerdem trat Naturland aus der AGÖL aus. Im Juni 2002 organisierte sich die Ökobranche neu und gründete den Bund der ökologischen Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Dessen Ziele sind die bessere Informierung der Bevölkerung sowie eine Steigerung des Absatzes von ökologischen Produkten. Dem BÖLW traten die vorher bei der AGÖL ausgetretenen Verbände Bioland, Demeter, Naturland und GÄA bei (vgl. ebenda).

In Irland gibt es drei Anbauverbände: Irish Organic Farmers’ and Growers’ Association (IOFGA), Organic Trust (OT) und die Bio-Dynamic Agricultural Association in Ireland (BDAAI) (siehe Kapitel 6.2). Von diesen drei Anbauverbänden sind IOFGA und OT Mitglieder von IFOAM (vgl. IFOAM, Länderindex, Irland, 2005).

Zeitschrift „Ökologie und Landbau“, die Schriftenreihe „SÖL-Sonderausgaben“ zur Theorie und Praxis des ökologischen Landbaus, der „Beraterrundbrief“ sowie die Buchreiche „Alternative Konzepte“ (ebenda, S. 324).

2.3 Förderung des ökologischen Landbaus

Die europäischen Länder führten 1993 Verordnungen zur Förderung des ökologischen Landbaus ein, wobei in den meisten Ländern landesweit einheitliche Verordnungen gelten (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 17). Die Höhe der Zahlungen schwankt sehr stark zwischen den einzelnen europäischen Ländern und z. T. auch innerhalb der Länder, wie z. B. in Frankreich, Italien, Deutschland und Großbritannien, da der ökologische Landbau von den verschiedenen politischen Ebenen bezuschusst wird (vgl. ebenda, S. 17). Übergeordnet steht die Förderung durch die Europäische Union, an zweiter Stelle die Förderung durch die einzelnen Mitgliedsstaaten[17] (vgl. ebenda; vgl. ANONYMUS, 2003, S. 132). Die Förderung durch die Europäische Union findet „im Rahmen der Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums statt“ (ANONYMUS, 2003, S. 132), an die gewisse Auflagen gebunden sind. Für diese Programme zur Entwicklung des ländlichen Raumes (z. B. EAGFL[18], LEADER+[19] ) sind „insgesamt zehn Prozent des EU-Agrarbudgets vorgesehen“ (ebenda, S. 132). Des Weiteren wird der ökologische Landbau durch die bereits erwähnte EG-Verordnung 2092/91 unterstützt. In den meisten Ländern werden sowohl umstellende wie auch bestehende Betriebe gefördert[20]. Die Zuschüsse der einzelnen Förderprogramme sind zusätzlich an die

Verpflichtung gebunden, „dass die Landwirte mindestens fünf Jahre nach ökologischen Richtlinien wirtschaften müssen, ansonsten ist eine Rückzahlung der Zuschüsse erforderlich“ (LAMPKIN, N., 1998, S. 19). Darüber hinaus wurde in vielen Ländern eine Betriebsmindestgröße von ein bis zwei Hektar festgelegt (vgl. ebenda, S. 19). Auch Länder, die nicht Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind, haben gesetzliche Programme zur Förderung des ökologischen Landbaus erlassen[21] (vgl. ebenda, S. 16f.).

Es gibt mehrere Gründe, die für eine Förderung des ökologischen Landbaus von Seiten der Politik sprechen (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 15f.; vgl. DABBERT, S., 2001, S. 42):

1. Er gewährleistet eine verbesserte Umweltfreundlichkeit in der landwirtschaftlichen Produktion.
2. Er trägt zur nachhaltigen Regionalentwicklung aufgrund der möglichen Schaffung neuer Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten bei.
3. Er wirkt der Überschussproduktion entgegen. Dadurch könnten auch staatliche Ausgaben verringert werden, die entstehen, wenn die Überschüsse vernichtet werden müssen, damit der Markt stabil bleibt.
4. Höhere landwirtschaftliche Einkommen könnten erzielt werden.
5. Die Förderung des ökologischen Landbaus hat auch einen wirksamen Effekt im Hinblick auf Wähler.

Die Förderung des ökologischen Landbaus erweist sich in der Praxis jedoch „als ein eher sperrig zu handhabendes Instrument“ (DABBERT, S., 2001, S. 42). Die Ursache hierfür liegt in der Vielfältigkeit der oben genannten Förderungsgründe, da sie nur schwer zu überschauen und zu bewerten sind. Der ökologische Landbau stellt ein politisches Instrument dar und als solches konkurriert er mit anderen spezifischeren Maßnahmen, wie z. B. hinsichtlich des Umweltschutzes innerhalb der konventionellen Landwirtschaft oder bezüglich der Strukturförderung des ländlichen Raumes. Diese Maßnahmen können einfacher strukturiert, effizienter und im Hinblick auf die Lösung spezifischer Probleme kostengünstiger sein (vgl. ebenda, S. 42). Weiterhin wurde bei einigen Untersuchungen in England festgestellt, dass der ökologische Landbau oftmals im Kontrast zu Umweltschutzprogrammen steht (zitiert in TOVEY, H., 1997, S. 28). So sind z. B. extensive Bewirtschaftungsformen des ökologischen Landbaus für den Schutz bestimmter Biotope nicht sonderlich förderlich (zitiert in ebenda, S. 28). Es stellt sich die Frage, ob „die Instrumentenwahl der Politik im Bezug auf den ökologischen Landbau richtig war“ (DABBERT, S., 2001, S. 42). In einigen Regionen innerhalb der EU wurde die Ökolandwirtschaft aufgrund der Förderung „stärker politikabhängig […] als der Durchschnitt der Landwirtschaft“[22] (ebenda, S. 40).

3 Ökologischer Landbau als Untersuchungsgegenstand in den Sozialwissenschaften

3.1 Ökologischer Landbau als soziale Bewegung

Der ökologische Landbau stellt nicht nur eine Anbaualternative zur konventionellen Landwirtschaft dar (vgl. WILLER, H, 2002, S. 11). Er ist, ähnlich wie die Ökologiebewegung, „einer politischen und weltanschaulichen Bewegung und Denkrichtung“ (OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002; S. 37), als soziale Bewegung[23] anzusehen (vgl. TOVEY, H., 1999, S. 31; vgl. PADEL, S., MICHELSEN, J., 2001, S. 396; vgl. MICHELSEN, J. et al., 2001, S. i; vgl. HAGEDORN, K. et al., 2004, S. 4).

Aufgrund dessen stand er jahrelang in entschiedener Opposition der konventionellen Landwirtschaft und der Agrarpolitik gegenüber (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 10f.). Die drei wesentlichen Züge des ökologischen Landbaus als soziale Bewegung sind das Erschaffen einer eigenen Weltsicht, das Entwickeln von alternativen Technologien und die Etablierung neuer Wege, Informationen zu gewinnen und zu verbreiten (vgl. TOVEY, H., 1999, S. 35; vgl. HAGEDORN, K. et al., 2004, S. 8). Im Zusammenhang mit sozialen Bewegungen wird oftmals von einem evolutionären Prozess gesprochen, in dem sie sich von einer nicht-institutionalisierten Protestgruppe zu einer institutionalisierten und routinierten Interessengruppe oder politischen Partei entwickeln (vgl. MARX, G. T., MCADAM, D., 1994, S. 72; vgl. TOVEY, H., 1999, S. 41; vgl. HAGEDORN, K. et al., 2004, S. 8). Innerhalb sozialer Bewegungen kann es jedoch zu Interessenkonflikten kommen, wenn die Bewegung institutionalisiert wird und in den Fokus der Politik rückt (vgl. TOVEY, H., 1999, S. 31). Institutionalisierung kann darüber hinaus die Kernideen und Werte einer sozialen Bewegung stark schädigen (vgl. ebenda, S. 31 und S. 43). Daher „stellt sich die Frage, ob der Ökologische Landbau [als soziale Bewegung] in der Lage ist, sich erfolgreich an solche Veränderungen anzupassen („adaption capacity“) und andererseits seine Eigenheiten gegen die Umwelt zu behaupten, sich also erfolgreich nach außen abzugrenzen („boundary maintenance“)“ (HAGEDORN, K. et al., 2004, S. 16).

Vor allem vier gesellschaftliche Entwicklungstrends sind von entscheidender Bedeutung für das Weiterund Fortbestehen des ökologischen Landbaus (HAGEDORN, K. et al., 2004, S. 16; vgl. OESTERDIEKHOFF, G. W., 2002, S. 37):

1. „die zunehmende gesellschaftliche Toleranz gegenüber dem Ökologischem Landbau, nicht selten bis hin zur entscheidenden Befürwortung,
2. die Liberalisierungstendenzen auf den Agrarmärkten und die sinkenden Agrarpreise, an die bei den meisten Produkten auch die Preisentwicklung im ÖLB [Ökologischer Landbau] gekoppelt ist,
3. konkurrierende technologische Entwicklungen (Gentechnik) und
4. die „Entdeckung“ des ÖLB als politisches Förderinstrument im Rahmen der Agrarumweltpolitik der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik.“

Vier gesellschaftliche Bereiche bilden das institutionelle Umfeld des ökologischen Landbaus (vgl. MICHELSEN, J. et al., 2001, S. i). Drei von ihnen ermöglichen den direkten Kontakt zwischen Landwirten und Landwirtschaftsorganisationen: die Bauernschaft, die Agrarpolitik und die Lebensmittelvermarktung (vgl. ebenda, S. i; vgl. HAGEDORN, K. et al., 2004, S. 3). Den vierten Bereich stellen die institutionellen Rahmenbedingungen dar, die von den drei anderen Gesellschaftsbereichen erlassen werden (vgl. MICHELSEN, J. et al., 2001, S. i; vgl. HAGEDORN et al., 2004, S. 3). Sie sollen einen Austausch und eine Verknüpfung zwischen den einzelnen Organisationen der jeweiligen Gesellschaftsbereiche ermöglichen (vgl. MICHELSEN, J. et al., 2001, S. i). Obwohl der ökologische Landbau in allen Ländern nur einen geringen Anteil an der Landwirtschaft insgesamt ausmacht, sind dennoch Organisationen des ökologischen Landbaus in allen vier Gesellschaftsbereichen zu finden (vgl. ebenda, S. i). Die weitere Ausbreitung des ökologischen Landbaus wird u. a. davon abhängen, inwieweit es ihm gelingt, diese Verbindungen zwischen den gesellschaftlichen Bereichen zu verstärken und noch mehr Akteure in die Bauernschaft, die Agrarpolitik und die Lebensmittelvermarktung zu entsenden (vgl. STOLZE, M., 2002, S. 198).

3.2 Exkurs: Ökologischer Landbau als Innovation

Der ökologische Landbau kann auch „als ein typischer Verbreitungsprozess für Neuerungen in der Landwirtschaft“ (PADEL, S., MICHELSEN, J., 2001, S. 395; vgl. OFFERMANN, F., 2003, S. 9) betrachtet werden. Innovativ beeinflusst wurde der ökologische Landbau durch das Entstehen der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise in den 1920er Jahren und deren Ausbreitung, die in Deutschland begann (vgl. WILLER, H., 1992, S. 115). Seit Ende der 1980er Jahre steigt der Anteil der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Europa und in Irland kontinuierlich an (vgl. ebenda, S. 115; vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 13). Der Verbreitungsprozess für Neuerungen in der Landwirtschaft lässt sich am besten mittels des Innovationsoder Diffusionsmodell darstellen[24] (vgl. PADEL, S., MICHELSEN, J., 2001, S. 395). Landwirte, die auf den ökologischen Landbau umstellen, weisen in jeder Phase andere Merkmale auf (vgl. ebenda, S. 395f.). So beschreiben PADEL, S. und MICHELSEN, J. (2001, S. 396) Pioniere oder Innovatoren der Anfangsphase, die weitreichende Sozialkontakte unterhalten, als risikofreudig. Von der näheren Umgebung werden sie jedoch als Außenseiter oder Störenfriede empfunden. Die weitere Verbreitung der Innovation hängt maßgeblich davon ab, ob in der ersten Übernahmephase, die der Anfangsphase folgt, so genannte Meinungsführer („opinion leader“) die Neuerung adaptieren (vgl. ebenda, S. 396).

3.3 Exkurs: Ökologischer Landbau aus Sicht der Transaktionskostentheorie

Bei der Übertragung von einem Gut oder einer Leistung über eine technisch trennbare Schnittstelle hinweg, findet eine Transaktion statt (vgl. DIENEL, W., 2001 a, S. 14) Einen wesentlichen Anteil an den Gesamtkosten politischer Programme machen Transaktionskosten aus (vgl. TIEMANN, S. et al., 2005, S. 533). Die Transaktionskosten wiederum setzen sich aus „Informations-, Administrations-, Kontrollund Durchsetzungskosten“ (ebenda, S. 533) zusammen. Sie bilden daher „ein wichtiges Kriterium für die Vorteilhaftigkeit von Maßnahmen zur Erreichung politischer Ziele“ (zitiert in ebenda, S. 533). Transaktionskosten entstehen sowohl für den Staat als auch für die Landwirte. Die Gesamtausgaben für agrarumweltpolitische Maßnahmen erhöhen sich auf Seiten des Staates durch Verwaltungsund Kontrollkosten (vgl. ebenda, S. 533f.). Gleichzeitig verringern sich auf Seiten der Landwirte die Nettoförderung und somit auch der Anreiz der Teilnahme an Agrarumweltprogrammen aufgrund Informations-, Administrationsund Kontrollaufwendungen (vgl. ebenda, S. 534). In der Literatur wird die Hypothese aufgestellt, dass der ökologische Landbau „ein aus Sicht der Transaktionskosten vorteilhaftes Instrument zur Erreichung von Umweltqualitätszielen sei“ (ebenda, S. 534). Zur Messung der Transaktionskosten wird der Ökolandbau mit mehreren verschiedenen Maßnahmen der Agrarumweltprogramme verglichen, die eine annähernd gleiche Umweltleistung aufweisen. Die Transaktionskostenelemente müssen für den ökologischen Landbau „sachgerecht den Kosten der Marktnutzung oder den Kosten der staatlichen Programme zugeordnet werden“ (ebenda, S. 534).

4 Material und Methoden

In diesem Kapitel soll zunächst auf die verwendeten Materialien eingegangen werden. Über den ökologischen Landbau in Europa und auch weltweit wurde in der letzten Zeit sehr viel berichtet und publiziert (vgl. WILLER, H., 1998; vgl. GRAF, S., WILLER, H., 2000; vgl. YUSSEFI, M., WILLER, H., 2002). Die Förderung des ökologischen Landbaus als politisches Instrument rückte zunehmend in das Interesse von Agrarpolitikern und –ökonomen (vgl. DABBERT, S., 2001, vgl. DABBERT, S. et al., 2002). Des Weiteren existiert auch sehr viel Material über die Entwicklung des ökologischen Landbaus in einzelnen Ländern, wie z. B. in Deutschland (vgl. SCHAUMANN, W. et al., 2002; vgl. WILLER, H. et al., 2002). SCHAUMANN, W. et al. (2002) geben in ihrem Buch nicht nur eine detaillierte Übersicht über die Geschichte des ökologischen Landbaus, sondern stellen darüber hinaus die wichtigsten Pioniere des ökologischen Landbaus anhand Kurzbiographien vor. Der ökologische Landbau in Irland wurde jedoch in der Literatur bislang vernachlässigt. Vor allem über die historische Entwicklung informieren fast nur MOORE, O. (2003; 2004) und WILLER, H. (1992). Die Dissertation von WILLER, H. (1992) stellt die bislang umfangreichste Untersuchung in Deutschland zum ökologischen Landbau in Irland dar. Sie führte im Rahmen ihrer Doktorarbeit eine Befragung unter irischen Ökolandwirten durch (vgl. ebenda, S. 14f.). Ihre Datenerhebung fand jedoch bereits 1988 statt. Von 71 Betrieben, die in diesem Jahr existierten, wurden 57 erfolgreich befragt (vgl. ebenda, S. 14). Der Artikel „Food, Environmentalism and Rural Sociology: On the Organic Farming Movement in Ireland“ von TOVEY, H. (1997) stellt den ökologischen Landbau in Irland unter dem Aspekt sozialer Bewegungen dar. Des Weiteren geht TOVEY, H. (1999) in ihrer Abhandlung „’Messers, visionaries and organobureaucrats’: dilemmas of institutionalisation in the Irish organic farming movement“ der Frage nach, inwieweit die Institutionalisierung des irischen Ökolandbaus Einfluss auf die Bewegung an sich hat. In dem Artikel „Alternative Agriculture Movements and Rural Development Cosmologies“ untersucht TOVEY, H. (2002) den Einfluss des ökologischen Landbaus auf die ländliche Entwicklung. MOORE, O. beschreibt in seinen Arbeiten „Spirituality, Self-Sufficieny, Selling, and the Split: Collective Identiy or Otherwise in the Organic Movement in Ireland, 1936 to 1991” (2003) die historische Entwicklung des ökologischen Landbaus in Irland und in „Farmers’ markets, and what they say about the perpetual post-organic movement in Ireland.“ (2004) zum einen die Institutionaliserung des ökologischen Landbaus in Irland und zum anderen die zunehmende Bedeutung von Märkten für den Verkauf von Ökoprodukten. Die Einstellung biologisch-dynamischer Landwirte und deren möglicher Einfluss auf eine Umgestaltung der Gesellschaft in Irland wurde von MCMAHON, N. (2005) in dem Artikel „Biodynamic Farmers in Ireland. Transforming Society Through Purity, Solitude and Bearing Witness?“ untersucht. SHARE, P. (2002) beschreibt in seiner Abhandlung „Trust me! I’m organic“ den Markt für Ökoprodukte in Irland. Im Auftrag des irischen Landwirtschaftsministeriums wurde 2002 eine Befragung unter irischen Ökolandwirten durchgeführt, deren Ergebnisse 2003 im „Census of Irish Organic Production 2002“ veröffentlicht wurden (DAF, 2003). Betriebe in der Umstellungszeit auf den ökologischen Landbau wurden von HOWLETT, B. et al. (2002) untersucht („Conversion to Organic Farming: Case Study Report Ireland”). RYAN, J. et al. (2003) analysierten mittels statistischer Methoden die Märkte für Produkte aus der Umstellungszeit („Assessment of Marketing Channels for Conversion Grade Products“). Eine weitere Untersuchung bezüglich Produkten aus der Umstellungszeit erfolgte von COWAN, C. et al. („Feasibility of Conversion Grade Products“, 2004). O’CONNELL, K. und LYNCH, B. (2004) beschreiben in „Organic Poultry Production in Ireland, Problems and possible Solutions“ die praktische Umsetzung der Geflügelhaltung im ökologischen Landbau. Der Einfluss des ökologischen Landbaus auf die Gebiete im Westen Irlands wurde von THE WESTERN DEVELOPMENT COMMISSION [WDC] (o. J.) im „Blueprint for Organic Agri-Food Production in the West“ untersucht. 2002 veröffentlichte das Organic Development Committee, das im Auftrag des irischen Landwirtschaftsministeriums gegründet wurde, Empfehlungen zum Ausbau des ökologischen Sektors in Irland (DAF, „Report of the Organic Development Committee, Action Plan“ und THE DEPARTMENT OF AGRICULTURE, FOOD AND RURAL DEVELOPMENT [DAFRD], „Report of the Organic Development Committee“).

[...]


[1] In der Lehre der Anthroposophie werden Lebenszusammenhänge in einem breiterem Zusammenhang betrachtet als in anderen Wissenschaftszweigen (vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30). Ein Charakteristikum der anthroposophischen Lehre ist das ganzheitliche Weltbild, das Spirituelles und die Konstellation von Gestirnen umfasst (vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 320; vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30; vgl. WILLER, H. et al., 2002, S. 13; vgl. MOORE, O., 2003, S. 22). Neben der Landwirtschaft umfasst die Anthroposophie z. B. auch die Medizin (Homöopathie), Pharmazie, Pädagogik (Waldorfschulen) und Kunst (vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30).

[2] Die wichtigsten Präparate sind die Kompost - und die Feldspritzpräparate (vgl. HERRMANN, G., PLAKOLM, G., 1993, S. 30f.). Die Kompostpräparate, die aus verschiedenen Pflanzen bestehen, werden, meistens in tierischen Hüllen, während einer bestimmten Jahreszeit im Ackerboden vergraben. Sie werden Kompost und Mist zugefügt, um deren Verrottung zu beschleunigen (vgl. ebenda, S. 30). Die Feldspritzpräparate bestehen entweder aus Kuhmist oder Quarz. In Kuhhörner gefüllt, werden sie ebenfalls über bestimmte Jahreszeiten im Ackerboden vergraben. Sie werden entweder direkt auf den Ackerboden oder auf die Pflanzen gegeben und sollen so das Bodenleben und das Wurzelwachstum anregen bzw. die Qualität der Ernteprodukte steigern (vgl. ebenda, S. 31).

[3] Die Interessen der organisch-biologischen Betriebe in Deutschland werden vom Bioland-Verband vertreten (vgl. NEUERBURG, W., PADEL, S., 1992, S. 10f.).

[4] Um optimale pH-Wert – Bereiche für die Mikroorganismen zu garantieren, werden als Säurebinder kohlensaurer Kalk, pulverisierter Kalkstein, Holzasche, Erde und Blutmehl dem Kompost zugefügt (vgl. WILLER, H., 1992, S. 6).

[5] KOEPF, H. H. und VON PLATO, B. (2001, S. 326) geben jedoch die Schweiz als Gründungsort an.

[6] Ausnahmen bilden hier Schweden, einige Regionen in Italien und einige Bundesländer in Deutschland (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 18). „In Schweden versucht man, zwischen zertifizierter ökologischer Produktion für den Markt und ökologischer Bewirtschaftung aufgrund der EG-Verordnung 2078/92 klar zu trennen“ (ebenda, S. 18).

[7] So sind in Finnland, in Irland und in der Region Emilia-Romagna in Italien gewisse Umweltauflagen verpflichtend, wie z. B. Einschränkungen beim Einsatz von Düngemitteln und anderen chemischsynthetischen Betriebsmitteln. Diese Auflagen werden aber durch zusätzliche Zuschüsse honoriert (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 19).

[8] Die EG-Verordnung 2078/92 beinhaltet Maßnahmen zum Schutz oder Förderung seltener Haustierrassen, zur Verringerung des Nitrateintrages und zum Aufbau von Biotopschutprogrammen (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 20)

[9] In den Förderprogrammen bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten und teilweise auch innerhalb dieser (vgl. LAMPKIN et al., 2001, S. 391).

[10] Irland setzte 1994 die EG-Verordnung 2078/92 im Rahmen des Rural Environment Protection Schemes ( REPS) um [s. Kapitel 6.2.1.1].

[11] In einigen Ländern, wie z. B. Portugal, Finnland und Österreich, ist es vorgeschrieben, dass Landwirte, die ökologisch wirtschaften möchten, an einem Ausbildungsprogramm für ökologischen Landbau teilnehmen (vgl. LAMPKIN, N., 1998, S. 21). In Irland reicht es hingegen aus, wenn „die Landwirte nur einen allgemeinen Kurs zum Thema Umweltschutz besuchen“ (ebenda, S. 21).

[12] Der Name ist auf den damaligen irischen Agrarkommissar McSharry zurückzuführen (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 42).

[13] Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union wurde in den 1950er Jahren konzipiert (vgl. DABBERT, S. et al., 2002, S. 80). Im Fokus der GAP standen zu dieser Zeit die Erhöhung der Produktivität und ein gesichertes Einkommen für Landwirte (vgl. ebenda, S. 80). Staatliche Eingriffe führten schnell zu Erfolgen: „Preisund Abnahmegarantien führten zur Erhöhung der Produktion, die Versorgungssicherheit war über alle Massen [sic!] gewährleistet und die Preisschwankungen hielten sich in Grenzen“ (ebenda, S. 81). Die Landwirte passten sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten diesen Bedingungen an. Folglich wurde mehr produziert, als von den Märkten aufgenommen werden konnte. Hinzu kam noch der kontinuierlich voranschreitende technische Fortschritt in der Landwirtschaft, der ebenfalls zur Überschussproduktion beitrug. Schließlich waren die Überschüsse in den 1980er Jahren so groß, dass eine tief greifende Reform eingeleitet werden musste (vgl. ebenda, S. 81).

[14] Die Notwendigkeit der Agenda 2000 ergab sich aus der „bevorstehenden Osterweiterung der Europäischen Union sowie internationale Forderung nach einer liberalen EU-Agrarpolitik im Rahmen der WTO“ (DABBERT, S. et al., 2002, S. 81).

[15] Demeter, Bioland, Biokreis, Naturland, ANOG (Arbeitsgemeinschaft für naturnahen Obst-, Gemüseund Feldfrucht-Anbau e. V.), BÖW (Bundesverband Ökologischer Weinbau; Warenzeichen „ECOVIN“) und Ökosiegel / Ökoland (vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 322)

[16] Die Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL) wurde 1962 gegründet (vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 324; vgl. WILLER, H.. et al., 2002, S. 15). Sie ist jedoch kein Erzeugerverband (vgl. VOGTMANN, H., 1992, S. 324). Zu ihren Zielen gehören die Förderung ökologischer Projekte, der Austausch von Informationen und die Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse. „Hierzu zählen insbesondere die

[17] So sind z. B. in Deutschland die „Fördermaßnahmen für den ökologischen Landbau […] innerhalb des Gesetzes über die „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) geregelt“ (ANONYMUS, 2003, S. 132). Die Förderprämien des ökologischen Landbaus sind in den einzelnen Bundesländern daher so unterschiedlich hoch, weil „die Bundesländer gewisse Gestaltungsspielräume [haben], um länderspezifische Aspekte berücksichtigen zu können“ (ebenda, S. 132). Die EU ist mit 50 bis 75 Prozent an den Fördermaßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raumes beteiligt. Innerhalb des Rahmenplanes der GAK können die Länder auch Mittel des Bundes in Anspruch nehmen. (vgl. ebenda, S. 132)

[18] Der Europäische Ausgleichsund Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) umfasst zwei Abteilungen: die Abteilung Ausrichtung und die Abteilung Garantie. Das Programm ist für den Zeitraum 2000 – 2006 vorgesehen. „Im Rahmen der europäischen Politik zur Förderung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhaltes unterstützt der EAGFL die Anpassung der Agrarstrukturen und Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums“ (EUROPÄISCHE KOMMISSION, Regionalpolitik – Inforegio, Der Europäische Ausgleichsund Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL), 2005).

[19] LEADER steht für Liaison entre actions de développement de l’économie rurale (vgl. HAGEDORN, K. et al., 2004, S. ix). „Leader+, eine von vier aus den EU-Strukturfonds finanzierten Initiativen, soll den Akteuren im ländlichen Raum dabei helfen, Überlegungen über das langfristige Potenzial ihres Gebiets anzustellen. Es fördert die Durchführung integrierter, qualitativ hochstehender [sic!] und origineller Strategien für eine nachhaltige Entwicklung und legt den Schwerpunkt auf Partnerschaften und Netzwerke für den Austausch von Erfahrungen. Insgesamt stehen für den Zeitraum 2000-2006 Mittel in Höhe von 5 046,5 Mio. EUR bereit, von denen 2 105 Mio. EUR vom EAGFL-Ausrichtung finanziert werden. Der restliche Teil besteht aus Beiträgen des öffentlichen Sektors und der Privatwirtschaft“ (EUROPÄISCHE KOMMISSION, LEADER +, 2005).

[20] „Ausnahmen bilden hierbei Griechenland, Frankreich, Grossbritannien [sic!] und einige deutsche Bundesländer (Bremen und Schleswig-Holstein)“ (ANONYMUS, 2003, S. 132). Bereits existierende Betriebe werden in diesen Ländern und Bundesländern nicht bezuschusst. Nach LAMPKIN, N. (1998, S. 17f.) ist „deren Einbeziehung jedoch […] notwendig“, da sie u. a. zum Umweltschutz und zur Verringerung der Überschussproduktion beitragen, Fachkenntnisse für umstellungswillige Landwirte liefern und ihre bereits zurückliegende Umstellung selbst zu finanzieren hatten.

[21] Norwegen regelt die Förderung des ökologischen Landbaus „im Dokument zur Entwicklung der Landwirtschaft von 1992/93“ (LAMPKIN, N., 1998, S. 16). Dieses Dokument ist darauf ausgerichtet, einheimische Märkte aufzubauen und dadurch die Situation der Landwirte zu optimieren (vgl. ebenda, S. 16). In der Schweiz werden ökologische Leistungen der Landwirtschaft durch verschiedene Programme gefördert, die im Landwirtschaftsgesetz unter Artikel 31 b festgelegt wurden (vgl. ebenda, S. 17).

[22] Die Abhängigkeit wird in diesem Falle am prozentualen Anteil der Direktzahlungen am Gewinn gemessen (vgl. DABBERT, S., 2001, S. 40).

[23] „Eine soziale Bewegung ist ein auf gewisse Dauer gestelltes und durch kollektive Identität abgestütztes Handlungssystem mobilisierter Netzwerke von Gruppen und Organisationen, welche sozialen Wandel mit Mitteln des Protests – notfalls bis hin zur Gewaltanwendung – herbeiführen, verhindern oder rückgängig machen wollen“ (RUCHT, D., 1994, S. 76f.; vgl. MELUCCI, A., 1996, S. 4f., vgl. TARROW, S., 1998, S. 14).

[24] „Nach diesem Modell folgt die Verbreitung von Neuerung einer typischen Glockenkurve oder S-Kurve (kumulativ) mit stetigem Zuwachs, aber abnehmender Wachstumsrate. Dabei ist der Umfang der Übernahme anfänglich nicht bekannt und kann mit Hilfe des Modells auch nicht vorhergesagt werden“ (PADEL, S., MICHELSEN, J., 2001, S. 395).

Details

Seiten
126
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640152742
ISBN (Buch)
9783640154821
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114426
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
2,0
Schlagworte
Bestimmungsfaktoren Entwicklung Landbaus Irland

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Titel: Bestimmungsfaktoren für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Irland