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Jugendsprache – ein Resultat der Medien?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 17 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Sprache in der Sprache- Was ist Jugendsprache?
1.2 Jugendsprache innerhalb des deutschen Sprachsystems
1.3 Sprachliche Merkmale der Jugendsprache

2. Jugendliche und die Medien
2.1 Die Orientierung der Sprache an den Medien
2.2 Jugendsprache gleich Mediensprache?

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

„Wer auf andre Leute wirken will, der muß erst einmal in ihrer Sprache mit ihnen reden“1

Das Zitat Tucholskys beschreibt, inwieweit die Beherrschung des jeweiligen Sprachcodes innerhalb einer Kommunikation relevant sein kann.

Fehlt das Verständnis für die Sprache des jeweiligen Gegenübers, wird die Kommunikation früher oder später scheitern. Sprache hat nicht nur mit dem Verstehen des jeweiligen Sprachsystems (Deutsch, Italienisch, Chinesisch etc.) zu tun, sondern auch mit der Anpassung des eigenen Sprachverhaltens an den Wandel der Zeit und an die daraus resultierenden Neologismen in unserem Sprachalltag. Das angeführte Zitat Tucholskys auf die heutige Zeit angewandt, beschreibt die Sprachbarriere, die sich schon heute im Sprachverständnis zwischen Erwachsenen und Jugendlichen auftut.

Geil, fett und chillig sind nur wenige der jugendsprachlichen Ausdrücke, die in keiner wissenschaftlichen Fachsprache zu finden sind, sondern mehr dem Inhalt des jugendlichen Sprachgebrauchs zuzuordnen sind. Nachdem das Thema Jugendsprache, ausgelöst durch die Jugendrevolten Ende der 70er Jahre, zum Gegenstand öffentlicher Diskussionen wurde, wurde sie auch Objekt der sprachwissenschaftlichen Forschung. Die erste Untersuchung zur Jugend unternahm der Germanist Helmut Henne. Dieser musste 1981 bedauernd resümieren, dass Jugendsprache als Forschungsobjekt in der linguistischen Jugendsprachforschung nicht existierte. Jugendsprache als Forschungsgegenstand ist ein offenes und weites Feld, Kenntnisse der Sozio- und Pragmalinguistik sind unabdingbar, die Herangehensweise an dieses Thema erweist sich mehr als vielfältig.

Vulgär, niveaulos und ungepflogen finden sie diejenigen, die sich einer anderen Sprache, der so genannten Standardsprache bedienen. Die vielschichtige Problematik der ziemlich umstrittenen Jugendsprache wurde besonders in den 80er und 90er Jahren von vielen Linguisten allseitig beschrieben. „Die sprachwissenschaftliche Erforschung

dieses Phänomens wurde unterschiedlich angelegt: von sprachhistorischen Aspekten über die Beschreibung des generations- bzw. gruppenspezifischen lexikalischen, phonetischen, morphologischen und syntaktischen Besonderheiten des Sprachgebrauchs bis hin zur Erfassung deren typischen stilistischen, pragmatischen und funktionalen Merkmale.“2

Die vorliegende Arbeit wird sich der Jugendsprache als eigenständiges Sprachgefüge im deutschen Gesamt- Sprachsystem nähern. Hierbei wird die Jugendsprache nicht nur auf ihre sprachlichen Merkmale hin untersucht, sondern vor allem auch als Spiegel der Medien betrachtet. Bedingt durch ihre Aktualität und Größe, wie auch ihrer Dynamik kann im Rahmen dieser Arbeit lediglich ein kleiner Teil der Jugendsprache beleuchtet werden. Als sprachliches Phänomen bietet das Thema der Wissenschaft ausreichend Stoff. Einführend werde ich zunächst der Frage nachgehen, was Jugendsprache im Wesentlichen ausmacht. Als gute Quelle für meine Arbeit haben sich im Besonderen die wissenschaftlichen Beiträge zum Thema Jugendsprache von Eva Neuland erwiesen.

2. SPRACHE IN DER S PRACHE - W AS IST J UGENDSPRACHE ?

„Eine Sprache ist viele Sprachen“3

Der Ausspruch Mario Wandruszkas übertreibt nur gering. „Wer im deutschen Sprachgebiet lebt, partizipiert an sehr verschiedenen Sprachmilieus.“4 Innerhalb dieser verschiedenen Sprachmilieus ist die Jugendsprache nur eine Teilsprache unseres Sprachsystems. Unter Beachtung, „dass die menschliche Existenz zutiefst sprachlich ist, (...) gehört der jugendliche Wort- und Sprücheschatz zu den entscheidenden Elementen dieses Selbstgestalungsversuches.“5 Jugendsprache zu definieren ist in vielerlei Hinsicht interessant, ist sie doch aber in erster Linie zuerst einmal die Sprache der

Jugendlichen, die in ihr scheinbar eine Art Normverweigerung und Protesthaltung gegenüber der Standardsprache gefunden haben. Redet man von der Jugendsprache als Forschungsobjekt, muss man sich sowohl die Bedeutung von Sprache6 als auch die der Definition von Jugend7 vergegenwärtigen.

Sprache kann in verschiedene Kategorien klassifiziert werden: nach dem geschriebenen oder gesprochenen Medium, nach der Funktion und ihrem Gebrauch als Alltagssprache, als Sprache des öffentlichen Verkehrs, der Politik, der Wissenschaft, der Justiz etc. Wie hier aufgeführt, spricht der Mensch also nicht nur vornehmlich die jeweilige angeeignete Muttersprache, sondern bedient sich gleich mehreren Sprachgesellschaften. Der Mensch verfügt innerhalb seiner Muttersprache über ein so genanntes Polysystem von unterschiedlichen Sprachelementen. Nach Wandruszka bildet unser Sprachsystem

„ein Konglomerat von Sprachen, die nach innen in unablässiger Bewegung ineinander greifen und nach außen auf andere Sprache übergreifen.“8

Die Anwendung unserer sitiuativ- abhängig gebrauchten Sprachelemente richtet sich dabei immer nach dem gesellschaftlichen Kontext, wie auch der Beziehung zwischen den Kommunizierenden innerhalb der stattfindenden Kommunikation.

Aus der soziolinguistischen und pragmatischen Sicht lässt sich ergründen, dass der Jugendsprachgebrauch ein Spiegel der Zeit und der Gesellschaft ist: werden spezifische Sprachausdrücke hauptsächlich von bestimmten Jugendlichen zu einer gewissen Zeit verwendet, so sind sie historisch gesehen eher als eine Art „Modesprache“ oder sogar

„Zeitsprache“ anzusehen, die meist durch zeitbedingte Veränderungen wieder verschwindet. Die Sprache Jugendlicher, wie auch die Sprache im Allgemeinen, ganz gleich welcher Kultur und Bevölkerung sie angehört, ist stets zeitlich begrenzt und unterliegt einem dynamischen Wandel.

Jugendsprache ist also auch immer zeitlich zu differenzieren. So ist festzustellen, dass es nicht nur in der heutigen Zeit das Phänomen der Jugendsprache gibt. Was früher die Pennälersprache, Studenten- oder auch Halbstarkensprache war, fällt heute unter den Begriff der Jugendsprache.

[...]


1 Zitat Kurt Tucholsky

2 Natalia Filatkina: Phraseologismen in der Sprache der Jugendlichen (am Beispiel des Luxemburgischen). In: Eva Neuland: Jugendsprachen- Spiegel der Zeit. Internationale Fachkonferenz 2001 an der Bergischen Universität Wuppertal. S.125

3 Mario Wandruszka

4 Uwe Pörsken/ Heinz Weber: Spricht die Jugend eine andere Sprache? Antworten auf die Preisfrage der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vom Jahr 1982. S. 45

5 Claus Peter Müller-Thurau: Laß uns mal `ne Schnecke angraben: Sprache und Sprüche der Jugendszene. 1983. S.9

6 Sprache meint zum einen die Gesamtheit von Wörtern und grammatischen Regeln, mit deren sich eine Sprachgemeinschaft als ganze verständigt. Sie ist Basis der Kommunikation in allen Bereichen.

7 Jugend als Übergangsstadium zwischen Kindheit und Erwachsenendasein. Dieses Stadium umfasst je

nach Biographie zwischen 5 und max. 10 Jahren; es wird approximativ mit dem Alterszeitraum zwischen 13 und 25 Jahren angegeben

8 Mario Wandruszka: Die Mehrsprachigkeit des Menschen 1981, S.39

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640158645
ISBN (Buch)
9783640159710
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114339
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Literaturwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Jugendsprache Resultat Medien Sprach- Kommunikations- Mediengeschichte

Autor

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