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Deutsche Aussiedler und Spätaussiedler in der Bundesrepublik unter besonderer Beachtung der Wirtschaftsintegration

Referat (Ausarbeitung) 2008 20 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Aussiedler
2.2 Spätaussiedler

3. Herkunftsgebiete und Zuwanderungszahlen

4. Integration in die deutsche Gesellschaft
4.1 Integrationshilfen für Aussiedler
4.1.1 Ausreise und Einreise
4.1.2 Sprachliche Integration
4.1.3 Wirtschaftsintegration
4.1.4 Soziale Integration
4.2 Schrittweiser Wegfall der Integrationshilfen für Spätaussiedler
4.3 Probleme bedingt durch den Wegfall der Integrationshilfen
4.3.1 Probleme junger Russlanddeutscher
4.3.2 Wandel der Zuwanderungsmotivation

5. Arbeitsmarktintegration

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, lebten mehr als 18 Mio. Deutsche in den Ostprovinzen Preußens sowie in Mittel-, Ost-, und Südosteuropa. Etwa die Hälfte dieser Menschen verfügte über die deutsche Staatsbürgerschaft, während die andere Hälfte bereits seit Jahrhunderten in „[…] von Deutschen bewohnten Siedlungsgebieten als geschlossene Volksgruppen unter fremden Völkern lebten.“[1]

Die Leidensgeschichte der im Ausland lebenden Deutschen vollzog sich in drei Etappen. Die erste Phase wurde durch die Rückführung deutscher Staatsbürger ins Großdeutsche Reich direkt nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eingeläutet. Im Zuge dieser Umsiedlung wurden 950.000 Volkszugehörige „heim ins Reich“ geholt. Die zweite Phase war gekennzeichnet durch die Flucht der Volksdeutschen aus den Ostgebieten vor der vorrückenden Roten Armee gegen Ende des Krieges 1944/45. Die dritte Phase wurde eingeleitet durch das Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945. 11,9 Mio. Volkszugehörige wurden bis 1950 aus ihren Heimatgebieten vertrieben und siedelten sich in der Bundesrepublik, der Deutschen Demokratischen Republik und zu kleinen Teilen auch in Österreich an. Nach dem Ende dieser Vertreibungswelle lebten noch schätzungsweise 4 Mio. Volksdeutsche in den ehemaligen preußischen Provinzen und Südosteuropa. Von diesen sind bis 1982 rund 1,1 Mio. Personen nach Deutschland ausgesiedelt.[2] Diese Zahl hat sich bis 1998 auf fast 4 Mio. erhöht.[3]

Die Aussiedler stellen demnach einen beträchtlichen Anteil an der gesamtdeutschen Bevölkerung. Aus diesem Grund bietet es sich an, zu untersuchen inwieweit die Integration dieser Gruppe als gelungen angesehen werden kann und welche Probleme sich während dieses Eingliederungsprozesses ergeben haben.

Zuwanderung und Integration stellten – und stellen auch heute noch – eine immense Leistung von Bund, Ländern und Kommunen da.

Diese Ausarbeitung setzt sich neben den definitorischen Grundlagen mit den unterschiedlichen Herkunftsgebieten der Aussiedler auseinander, den Zuwanderungszahlen, den angebotenen Integrationshilfen und deren Wegfall in den 90er Jahren sowie den daraus resultierenden Problemen auseinander. Nach einer eingehenden Kritik zur ökonomischen Integration der Spätaussiedler nach 1990 schließt das Fazit diese Ausarbeitung ab und fasst die gewonnenen Ergebnisse zusammen.

Da es sich bei der Frage nach Integration stets um ein Thema handelt, dass kontrovers diskutiert werden kann und bei dem schnell Missverständnisse entstehen, die einen scheinbaren Rückschluss auf die Mentalität und die Intention des Autors zulassen, habe ich mich bemüht eine möglichst objektive Ausarbeitung zu verfassen und im Zuge dessen die verwandten Quellen genauestens geprüft und gekennzeichnet.

2. Definitionen

Um die Nachvollziehbarkeit der Ausarbeitung zu erhöhen, sollen zuerst die verwendeten Begriffe Aussiedler und Spätaussiedler geklärt werden.

2.1 Aussiedler

Als Aussiedler werden Personen bezeichnet, die die „… deutsche Staats- und/oder Volkszugehörige, die nach Abschluss der allgemeinen Vertreibungsmaßnahmen (ab 1951) und vor dem 1. 7. 1990 oder danach im Wege des Aufnahmeverfahrens vor dem 1. 1. 1993 die früheren deutschen Ostgebiete, Albanien, Bulgarien, China, Danzig, Estland, das ehemalige Jugoslawien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die ehemalige Sowjetunion, die ehemalige Tschechoslowakei oder Ungarn verlassen haben. Aussiedler sind Vertriebene und Deutsche gemäß Artikel 116 Absatz 1 GG. Ihre Rechtsstellung sowie ihre wirtschaftliche und soziale Eingliederung, z. B. durch Eingliederungshilfen, werden durch das Bundesvertriebenengesetz, das Fremdrentengesetz und das Lastenausgleichsgesetz geregelt. 1950–92 sind 2,85 Mio. Aussiedler, überwiegend ehemalige Russlanddeutsche sowie ehemalige Polendeutsche und Rumäniendeutsche, nach Deutschland gekommen. Ab 1993 nach Deutschland gekommene Aussiedler werden als Spätaussiedler bezeichnet.“[4]

2.2 Spätaussiedler

Personen, die nach 1993 als Aussiedler nach Deutschland migrierten wurden als Spätaussiedler bezeichnet. Hierbei handelt es sich, um eine „… ursprünglich nichtoffizielle Bezeichnung für die Aussiedler, die ab etwa 1980 bis 31. 12. 1992 in die Bundesrepublik Deutschland gekommen sind. Nach § 4 Bundesvertriebenengesetz (in Kraft seit 1. 1. 1993) in der Regel ein deutscher Volkszugehöriger, der die Republiken der ehemaligen Sowjetunion, Estland, Lettland oder Litauen nach dem 31. 12. 1992 im Wege des Aufnahmeverfahrens verlassen hat und bestimmte Stichtagsvoraussetzungen erfüllt. Spätaussiedler aus anderen Aussiedlungsgebieten kann nur sein, wer glaubhaft macht, dass er am 31. 12. 1992 oder danach Benachteiligungen oder Nachwirkungen früherer Benachteiligungen aufgrund deutscher Volkszugehörigkeit unterlag. Für die Eingliederung der Spätaussiedler gelten die Regelungen des Bundesvertriebenengesetzes in der Fassung vom 2. 6. 1993.“[5]

Die primäre Änderung im Zuge der Gesetzesänderungen der Jahre 1990 bis 1993 ist die Nachweispflicht eines Kriegsfolgeschicksals, welches auf einer Benachteiligung beruhen muss, die auf die deutsche Volkszugehörigkeit zurückzuführen ist. Des Weiteren ist mit der Gesetzesänderung, gemäß der Spätaussiedlerregelung, eine Verkleinerung des Jahres-Einreisekontingents verbunden sowie die Kürzung bisheriger Integrationsleistungen.[6] Hierzu jedoch im Laufe der Ausarbeitung mehr.

3. Herkunftsgebiete und Zuwanderungszahlen

Die Herkunftsgebiete der Aussiedler und Spätaussiedler liegen in den Regionen des ehemaligen Ostpreußens, dort speziell Ostbrandenburg, Ostpommern, Nieder- und Oberschlesien, des Oder-Neiße-Gebiets, dort Danzig und Polen, dem Memelgebiet, speziell Litauen, Lettland, Estland und der Sowjetunion, sowie der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien.

Der Zuzug der Aussiedler lässt sich in zwei Zeitabschnitte einteilen. Von 1949 bis 1986 kamen etwa 1,6 Mio. Aussiedler in die Bundesrepublik. Von 1987 bis 2002 waren es über 3 Mio. Menschen. In diesen 16 Jahren migrierten demnach doppelt so viele Aussiedler nach Deutschland wie in den 36 Jahren davor.[7]

Die Zuzugszahlen haben sich dementsprechend deutlich verändert, was sich anhand von verschiedenen Tabellen und Grafiken gut verdeutlichen lässt.

Das Jahresmittel der Zuwanderung lag zwischen 1949 bis 1986 bei 36.000 Einwanderern. Lediglich in den Jahren 1957 und 1958 überstiegen die Zuwanderungszahlen die Marke von 100.000 Personen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab 01: Aussiedler und Spätaussiedler in der Bundesrepublik[8]

Differenziert man die Zuwanderungszahlen gemäß der entsprechenden Herkunftsländer wird deutlich, dass sich die Schwerpunkte des Zuzugs – diachron betrachtet – verlagert haben. In den Jahren 1950/51, 1857/58 und von 1976 bis 1983 dominierten Aussiedler aus Polen, während die Migration von Menschen aus der ehemaligen CSFR zwischen 1967 und 1969 ihren Höhepunkt fand. Die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion, die ihren Höhepunkt erst nach dem Zusammenbruch des Staatenbundes hatte, war in den Jahren von 1949 bis 1986 vergleichsweise gering. Ein Anstieg der Zuwanderung aus den ehemaligen Sowjetrepubliken ist für die Jahre 1958 bis 1960 sowie von 1972 bis 1982 zu verzeichnen. Anhand dieser Zahlen lässt sich gut belegen, wie stark die Aussiedlung an die historisch-politischen Gegebenheiten der einzelnen Staaten und das jeweilige bilaterale Verhältnis zur Bundesrepublik geknüpft war. Beispiele, die für einen Anstieg der Aussiedlerzahlen ausschlaggebend waren, wären demnach z.B.: der Polnische Frühling (1956), die Polnischen Verfassungsreform (1976-1983) oder der Prager Frühling (1968).[9]

[...]


[1] Vgl. Harmsen, 1983, S. 1f.

[2] Vgl. a.a.O., S. 2f.

[3] Vgl. Schneider, Jan, bpb Internetauftritt, Artikel: Migration. Migration in Deutschland. Aussiedler http://www.bpb.de/themen/96ORR8,0,0,Aussiedler.html Zugriffsdatum: 09. Juli 2008

[4] Zitiert nach Meyer’s Lexikon Online, Artikel: Aussiedler http://lexikon.meyers.de/meyers/Aussiedler Zugriffsdatum: 09. Juli 2008

[5] Zitiert nach Meyer’s Lexikon Online, Artikel: Aussiedler http://lexikon.meyers.de/meyers/Sp%C3%A4taussiedler Zugriffsdatum: 09. Juli 2008

[6] Vgl. Schneider, Jan, bpb Internetauftritt, Artikel: Migration. Aussiedler. Aussiedleraufnahme in den 1990er-Jahren http://www.bpb.de/themen/L2K6XA,1,0,Aussiedlermigration_in_Deutschland.html#art1 Zugriffsdatum: 09. Juli 2008 / Vgl. Feldmann, 2004, S. 21

[7] Vgl. Feldmann, Lothar, 2004, S. 16

[8] Tab. 01 Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Statistik Spätaussiedler und deren Angehörige Dezember 2007 Bundesgebiet/Bayern http://www.stmas.bayern.de/migration/aussiedler/aussstat.pdf

[9] Vgl. Feldmann, 2004, S. 16ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640152421
ISBN (Buch)
9783656260448
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v114263
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,7
Schlagworte
Deutsche Aussiedler Spätaussiedler Bundesrepublik Beachtung Wirtschaftsintegration

Autor

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