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Kritische Betrachtung alternativer gesamtwirtschaftlicher Bewertungssysteme im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung

Hausarbeit 2002 26 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemfeld

2. Klassische Ansätze zur Messung gesellschaftlicher Wohlfahrt

3. Ergänzende und alternative Systeme zur Messung gesellschaftlicher Wohlfahrt
3.1 Verbindungsansätze – Erweiterung der VGR
3.1.1 Umweltökonomische Gesamtrechnung (UGR)
3.1.2 Umweltsatellitensysteme
3.2 Das System der Nachhaltigkeitsindikatoren
3.2.1 Kriterien für Nachhaltigkeitsindikatoren
3.2.1.1 Aufgaben und Funktionen
3.2.1.2 Verschiedene Indikatortypen
3.3 Wesen/Ansätze für Indikatoren
3.3.1 Beispiele für Indikatorensysteme
3.3.2 Der deutsche Umweltindex (DUX)

4. Diffizile Begrenzungen bei der Operationalisierung ökologischer Ziele
4.1 Verschiedene Einflussebenen und Strömungen der Operationalisierung
4.1.1 Determinierende Ideologien auf wirtschaftlicher Ebene
4.1.2 Determination durch soziale Bereiche
4.2 Kritik monofaktorieller Lösungsansätze

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetadressen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemfeld

Nicht zuletzt durch die wachsende Brisanz von Umweltproblemen in der öffentlichen Wahrnehmung ist eine Diskussion um die praktischen Möglichkeiten einer erfolgreichen Implementierung bzw. Operationalisierung des Leitbilds Nachhaltigkeit / einer nachhaltigen Entwicklung angeregt worden. Aller Einsicht steht aber ein mangelndes Wissen um eine erfolgreich umzusetzende Implementierung/Operationalisierung gegenüber. Zu konstatieren ist an dieser Stelle jedoch, dass die Umweltproblematik von Wissenschaftlern und Politikern durchaus unterschiedlich bewertet wird. Während Vertreter eines Öko-Optimismus (vgl.: Maxeiner, Miersch: 1996, Lomberg: 2001; siehe auch: Becker-Boost: Wachstum ohne Grenzen. Wien 2001 etc.) die Einschätzung der Bedrohung natürlicher Systeme z.T. für weit überzogen halten, sehen andere die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen als so weit fortgeschritten an, dass eine Ökokatastrophe nicht mehr zu verhindern sei (siehe hierzu: Taylor: The Doomsday Book. London 1970 etc.). Das Missverhältnis zwischen einem akuten Entscheidungsbedarf und der faktischen Untätigkeit bzw. Ratlosigkeit vieler Entscheidungsträger reflektiert die vorhandenen Unsicherheiten nur zu deutlich. Konzeptuelle Ansätze bleiben, sofern vorhanden, zumeist auf einzelne Handlungsfelder, wie z.B. die Klimapolitik beschränkt. Auch wenn die EU-Länder in der letzten Zeit peu á peu nationale Nachhaltigkeitsstrategien vorlegen - welche später auf Kommissionsebene zusammengebunden werden sollen (siehe hierzu: EU-White-Paper) - sind einheitliche (nationale/internationale) Grundlagen zur Erstellung von relevanten Indikatoren- und dadurch Zielfindungssystemen auf deren Basis strategische Nachhaltigkeitsumsetzungskonzepte aufzubauen wären, nur bedingt zu finden.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über vorhandene Systeme und Ansätze zur Messung gesellschaftlicher Wohlfahrt im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung zu geben. Eine Darstellung aller akkumulierten Modelle kann in diesem beengten Rahmen sicherlich nicht erfolgen. Vielmehr soll hier über eine selektive Darstellung verschiedener Systeme ein mögliches Instrument gefunden werden, welches einer Operationalisierung des Leitbildes einer „Nachhaltigen Entwicklung“ dienen kann. In diesem Zusammenhang soll im Folgendem unter einer „Nachhaltigkeit Entwicklung“ ein Entwicklungsprozess verstanden werden, der für heutige und künftige Generationen ökologische, ökonomische und sozial-kulturelle Interessen im Rahmen der Tragfähigkeit einer jeweilig relevanten Umwelt sichert/sichern soll. Unter zuvor genannter „relevanter Umwelt“ sollen folgend immer auch die Beziehungen zur Gesamtheit der Umwelten gemeint sein, bzw. Beachtung finden. Lokale, regionale aber auch nationale und globale Interessen, als Bestandteil dieser Umwelten, müssen mit den jeweilig konkurrierenden Interessen (inter- und intragenerative, ökologische etc.) abgeglichen werden. Da hier davon ausgegangen wird, dass für verschiedene Räume und differente Akteure eigenständige Lösungsansätze entworfen werden müssen, soll über o.g. Darstellungen der Versuch unternommen werden, relevante/vorhandene Indikatoren(-systeme) und deren Operationalisierungsmöglichkeiten / -hemmnisse in Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung kritisch zu skizzieren.

Des weiteren wird davon ausgegangen, dass mit der Verabschiedung der „Agenda 21“ durch 178 Staaten auf der UN-Konferenz „Umwelt und Entwicklung“ 1992 in Rio de Janerio eine Verpflichtung zur nachhaltigen Entwicklung (sustainable Development siehe hierzu: UN Report of the Nations conference on Environment and Development, 1992) besteht. Bezogen auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, der in dieser Arbeit das Hauptaugenmerk zukommen soll, durch Art. 20a GG und Art. 6 EGV verpflichtend ratifiziert, auch wenn es gerade bei inhaltlichen Fragen stark differente Standpunkte gibt. Zudem wird in dieser Arbeit den transdisziplinären Ansätzen der Ökologischen Ökonomik gefolgt, die es z.Z. erfordern über rein ökonomische Themenbereiche hinaus Erläuterungen anzufügen.

2. Klassische Ansätze zur Messung gesellschaftlicher Wohlfahrt

Traditionell wurde versucht, mittels der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR), eine Aussage über die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft zu treffen. Dieses, durch Ökonomen wie Keynes, Leontief, Clark u.a., (weiter-) entwickelte (kreislaufanalytische Grundlagen sind zurückzuführen auf F. Quesnay) Instrument erfasst per annum die produzierten Güter und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft. Da nach der Theorie, durch Konsumption dieser Leistungen (Güter und Dienstleistungen) in gleicher Höhe Einkommen (entspricht: Werte der Güter plus Löhne plus Gewinne) entstehen, lassen sich Prognosen über eine potentielle Nachfrage erstellen und dementsprechend Aussagen über die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft ableiten. Betrachtet man die VGR als ein Zentralmodell zur Erklärung wirtschaftlicher Realität, so stellt sie ein Hilfsmittel dar, um Entwicklungen zu messen und implizit zu kontrollieren und steuern. (siehe Mankiw, 2001) Dementsprechend hat die VGR eine deskriptive und eine handlungsleitende Funktion. Die VGR stellt der letzteren Funktion einen breiten Fundus an Daten für die antizyklische Konjunkturpolitik, Beschäftigungspolitik, Währungspolitik etc. zur Verfügung. Methodische Unzulänglichkeiten lassen sie aber als Messgröße für die Wohlfahrt einer Gesellschaft als nicht geeignet erscheinen, da die Daten, welche in die VGR einfließen, Ergebnis anthropogener Nutzung der Umwelt mit seinen Folgen darstellen. So kommt es zu Rückkopplungen in den Funktionsbereichen der VGR, welche gar nicht oder falsch erfasst werden. Bei einer Analyse der Ergebnisse der VGR, hier soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Grundlage genommen werden (siehe hierzu Mankiw, 2001), lassen sich folgende Schwachpunkte analysieren, welche die Brauchbarkeit der VGR zur Wohlstandsmessung hinterfragen/anzweifeln. Denn das BIP sagt nichts über:

- Die quantitative und qualitative Verteilung des Einkommens (wer und wie viel)
- Die Qualität der Erzeugung (z.B. Arbeitszeit, Lebensqualität)
- Die Produkte die erzeugt werden (mittlere Nutzungsdauer, Bildungseinrichtungen, Militärausstattung etc.)
- Nicht gehandelten Güter und Dienstleistungen (nicht kommerzielle Heimarbeit, Nachbarschaftshilfe etc.)
- Höhe der externalisierten Kosten für die Gesellschaft (z.B. Verbrauch natürlicher Ressourcen)
- Etc.

(kritisch zum BSP: vgl. Constanza: 2001, S. 133ff.)

3. Ergänzende und alternative Systeme zur Messung gesellschaftlicher Wohlfahrt

Angesichts der Feststellung, dass die VGR breite Teile menschlichen Handelns ausblendet bzw. zumindest auf unzureichende Weise erfasst, soll hier unter Respektierung der funktionalen Elemente der VGR die Frage gestellt werden, wie ein geeignetes Medium der Wohlfahrtsanalyse beschaffen sein muss/sollte. Die Frage möglicher Alternativen soll demnach im folgenden bestimmend sein.

3.1 Verbindungsansätze – Erweiterung der VGR

Im Laufe der stark kontroversen Auseinandersetzung um eine Ökologisierung der VGR, wurden teilweise sehr differente Ansätze vorgestellt. So stellten beispielsweise Nordhaus und Tobin ihr „Measure of Economic Welfare“ [MEW] (vgl. Constanza: 2001, S. 149ff.) vor. Daly und Cobb entwickelten den „Index of Sustainable Economics Welfare” [ISEW] (siehe hierzu Constanza: 2001, S. 153ff). Da an dieser Stelle auf eine weitere Diskussion dieser Werke verzichtet werden soll, sei auf die detaillierten Beschreibung o.g. Konzepte, welche in umfassender Weise geleistet wurden hingewiesen. Zunächst soll hier jedoch das Augenmerk den deutschen Bemühungen zufallen.

3.1.1 Umweltökonomische Gesamtrechnung (UGR)

Bestrebungen in Deutschland begannen am Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts mit dem Ziel ein Ökoinlandsprodukt zu ermitteln (vgl. Constanza:2001, S. 161). Dieses sollte durch Abzug von Abschreibungen auf nicht produziertes Naturkapital vom Nettoinlandsprodukt (NIP) ermittelt werden. Dementsprechend sollte die UGR ein Berichtssystem darstellen, welches die Beziehungen zwischen ökonomischen Aktivitäten und der natürlichen Umwelt statistisch abbildet. Neben theoretischer Konsistenz sind jedoch auch politische Aspekte von Relevanz. Gerade diese führen aber partiell zu komplexen Bewertungsproblemen. So sind Umweltprobleme auf höherer Ebene (national/global) durch die Komplexität der Systeme und den damit verbunden Informationsmängeln (Verursacherfrage) und Unsicherheiten (Biodiversität [siehe hierzu: Constanza, 2001, S. 114f.], Klima) gekennzeichnet. Zudem kommen statistische Bewertungsprobleme hinzu. Während die Festlegung von erlaubten Emissions- bzw. Verbrauchsgrenzwerten schon mit einem Rest von Willkür behaftet ist, da keine gesicherten Erkenntnisse über die Grenzen der Umweltverträglichkeit vorhanden sind, ist die Frage nach einer Monetarisierung bestimmter Sachzusammenhänge auf der Makroebene oft noch schwieriger zu beantworten (Welcher Preis ist beispielsweise für die Ausrottung einer Vogelart anzusetzen?). Ein eindimensionales Konzept (beispielsweise rein monetär) kann einer Beschreibung der Wechselbeziehungen zwischen Umwelt auf der einen Seite und Wirtschaft auf der anderen Seite nicht gerecht werden. Vielmehr erfordern die skizzierten Probleme eine parallel laufende Methodenanwendung, welche jedoch integrativen Charakter besitzen müsste/sollte. Die deutsche UGR versucht dem Gerecht zu werden, in dem folgende Themenbereiche vom Statistischen Bundesamt in die UGR mit aufgenommen werden: (vgl. Constanza: 2001, S. 161 und Rogall: 2002, S. 175)

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638175500
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11371
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – FB 6 (Wiwi)
Note
gut
Schlagworte
Umweltsatellitensysteme VGR UGR Indikatorensysteme

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