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Kreative Spiele und Methoden zum Thema "Aggressionsbewältigung" für interessierte Erzieher und wütende Kinder

Wege und Tipps

von Pietrowski (Autor) Kempkens (Autor) Krzanowski (Autor) Paetzold (Autor) Seidel (Autor)

Diplomarbeit 2008 123 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Wegweiser

Ein Team ist ein Team ist ein Team

Heimerziehung

Zwei Studien

Über die Wut
Wut ist
Aggressionen sind

Entwicklung und Erwartung
Entwicklungsstufen

Falsche Kommunikation als Wutauslöser
Der„innere Dreierschritt“

Akzeptanz der Wut

Kreativität und Spiel

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Methoden und Spiele anwenden

Konkreter Handlungsplan in Krisen
„Ruhige Zeit“
„Auszeit“.
„Geplantes Ignorieren“
Alternative zur„Ruhigen Zeit“ und„Auszeit“

Der Wut„Stopp!“ sagen
Schutzschilde
Die STOPP – Schild – Regel
Die Wut - Regel
Erste Hilfe
Dialogisieren

Spiele für Gruppen / Präventivarbeit
Einleitungsgeschichte: Die Geschichte von innen drin
Wut erkennen und äußern
Die Motzkiste
Laute Post
Gefühle darstellen
Luft rauslassen
Wut in Worte fassen
Wut im Bild

Seine Mitmenschen und sich selbst besser wahrnehmen . .
Filmen
Wer ist es?
Wuthöhle
Kreatives Schreiben und Malen
Checkliste

Keep cool!
Sport
Das Wut - Plakat
Trockenübungen
Gute Wut und schlechte Wut
Zeitlup e
Wut ausschalten

Ich!
Das Selbstwertgefühl des Kindes
Das bin ich - Eine Erzählung über sich selbst
Kinderkonferenz
Gut e Post
Lob von anderen annehmen
So bin ich
Einerseits und andererseits
Der Zauberstab

Positive Beziehungen aufbauen
Anti – Wut – Flieger
Fallenlassen
Fr eundschaf t zaubern
Das Roboter-Spiel
Kinderknoten
Br unnen
ICH-DU-WIR
Singen
Kreisspiel

Neue Lösungswege für Konflikte
Wutstühle
Vom Kind , das die Wut besiegte
Rollenspiele
Konflikt – Protokoll

Entspannung muss sein!
Massage
Das Ende jeder Wut
Die Reise in das Elfenland – Eine Geschichte zum vorlesen

Literaturverzeichnis

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den vergangenen Monaten haben wir im Rahmen unserer Diplomarbeit das Kinderheim Kastanienhof seine Bewohner und Erzieher kennen gelernt. Wir haben gesehen, wie facetten- reich die Arbeit des Heimerziehers ist und stellten fest, dass der Umgang mit Kindern und deren Aggressionen eine der vielen Herausforderungen des Alltags darstellt.

In diesem Zusammenhang beschäftigten wir uns mit dem Lehr- forschungsprojekt der Universität Dortmund unter der Leitung von Prof. Dr. Richard Günder mit der Thematik „Aggressionen von Kindern und Jugendlichen in der Stationären Erziehungs- hilfe“, an dem auch der Kastanienhof 2007 beteiligt gewesen ist.

Anhand unserer Recherchen und Informationen, die wir dazu im Laufe der Zeit gesammelt haben, setzten wir den Schwer- punkt unserer Diplomarbeit auf spielerische Methoden und Strategien zum Umgang mit aggressiven Kindern.

Diese Methoden und Strategien sollen Anreiz für Erzieher so- wie Kinder sein, Neues auszuprobieren und neue Erfahrungen sowie Ideen zu sammeln, trotz der knapp bemessenen Zeit, die dem Erzieher im Alltag zur Verfügung steht.

Durch intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema haben wir einen praxisorientierten Methodenkatalog erstellt, der Ih- nen fachliche, kreative und spielerische Hilfen im Umgang mit, sowie der Aufarbeitung von Aggression geben kann.

Beim Lesen und Umsetzen

wünschen wir Ihnen viel Spaß und Erfolg!

Diplomgruppe„VAAD IS“

Wegweiser

Im ersten Teil ab Seite 10 unseres Handbuchs für den Erzieher behandeln wir das Thema„Kinderheim“. Dabei beschäftigen wir uns insbesondere mit dem Team an sich und den Besonderhei- ten der Heimerziehung.

Des weiteren findet der Leser im nachfolgenden Teil ab Seite 24 verschiedene Informationen über Wut und Aggressionen bei Kindern. Es wird darüber aufgeklärt:

- welche Ursachen Wut und Aggressionen haben können
- welche Diskrepanzen es zwischen der Entwicklung eines Kindes und der Erwartung der Erzieher geben kann
- welche Auswirkungen fehlgeschlagene Kommunikation haben kann
- welche Rolle Kreativität und Spiel bei Aggressionsbewältigung haben können

Ein weiterer Abschnitt (ab Seite 45) beinhaltet eine Beschrei- bung von Methoden und Spielen zum Umgang mit aggressi- ven Kindern.

Den Schlussteil bildet eine Sammlung ab Seite 68 von Spielen mit folgenden Schwerpunkten:

- Gefühle erkennen
- sich selbst und andere besser verstehen lernen
- in Konfliktsituationen ruhig bleiben
- Selbstwert stärken
- positive Beziehungen aufbauen
- neue Lösungswege bei Konflikten finden
- lernen, zu entspannen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„In der Person des Heimerziehers schneiden sich gesellschaftliche und persönliche, sachliche und menschliche, administrative und kommunikative Belange. Der Heimerzieher ist zugleich eine agierende und reagierende, planende und ausführende, selbstbestimmte und fremdbestimmte Figur.“

H. Kupfler;„Einführung in Theorie und Praxis der Heimerziehung“

Ein Team ist ein Team ist ein Team

Ein paar Worte zum Team

Es gibt viele Herausforderungen jeglicher Art für einen Pädago- gen in der stationären Hilfe. Ein großes und wichtiges Thema ist die Teamarbeit. Im optimalen Fall sollte das Team an einem Strang ziehen, dieselben Regeln und Konsequenzen bei pro- blematischen Verhalten der Kinder anwenden, um ihnen somit Struktur und klare Grenzen zu bieten. Dies kann sich aus unter- schiedlichen Gründen als schwierig erweisen, wie z.B. persönli- chen Differenzen, verschiedenen Auffassungen oder Kommuni- kationsproblemen im Team immer einzuhalten.

Wir greifen das Thema „Team“ deswegen in diesem Buch auf, weil gerade dies einen wesentlichen Teil der Arbeit mit (aggres- siven) Kindern ausmacht:

konsequent zu sein und stets gleiche oder stark ähnelnde Um- gangsweisen in Problemsituationen anzuwenden. Dies stellt für ein Team eine besondere Herausforderung dar.

Wann ist ein Team ein Team?

Wichtig ist zunächst, sein eigenes Team unter die Lupe zu neh- men und sich folgende Fragen zu stellen:

1. Was zeichnet unser Team aus?
2. Wie sieht unsere Zusammenarbeit genau aus?
3. Arbeiten wir miteinander oder mehr jeder für sich?
4. Welche Stärken und Schwächen haben wir?
5. Gibt es Entwicklungsmöglichkeiten?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Laut Harsey und Blanchard, zwei Wissenschaftler, die sich mit den Unterschieden zwischen „Teams“ und „Gruppen“ beschäf- tigt haben, gibt es vier Kategorien von Teams : M1 bis M4. Die Unterteilung dieser Kategorien zwischen einer Gruppe und einem Team ist zwischen M1, M2 und M3, M4 zu machen. Während M1 und M2 eine Gruppe darstellen, sind M3 und M4 als Teams zu sehen. Dieses Schema kann deutlich machen, welche Stärken und Schwächen das Team hat, in dem man arbeitet.

Ziel dieses Kapitels ist, zu reflektieren, in welcher Position der Erzieher selbst sein Team sieht und welche Optimierungsmög- lichkeiten sich daraus schließen lassen.

Ein nicht funktionierendes Team mit Konkurrenzverhalten, ei- ner angespannten Stimmung untereinander, schlechte Kom- munikation und unterschiedlicher Umgehensweisen bei Pro- blemen, kann Kinder irritieren, traurig, unruhig oder aggressiv machen. Es besteht also die Möglichkeit, dass ein Kind durch solche äußeren Umstände durchaus negatives Verhalten an- nehmen kann.

Über Gruppen und Teams

Niveau 1 = M1

Gruppe

Das Verhalten der Gruppenmitglieder ist wie folgt einzustufen:

- sie möchten delegiert werden
- sie gehen ihren Pflichten nach und tun, was getan werden muss
- es gibt kein Gruppen- und Gemeinschaftsgefühl untereinander
- falls Fehler gemacht werden, wird schnell nach einem Schuldigen gesucht
- es herrscht wenig Flexibilität in der Gruppe

Beispiel Die Erzieher Petra und Heiko können sich nicht besonders gut leiden. Sie hat eine Bereitschaft, er ist im Zwischendienst. Sie sprechen so gut wie kein Wort während der Dienstzeit mit- einander. Die Stimmung ist gedrückt und die beiden haben schlechte Laune. Es fällt ihnen schwer, sich den Kindern ge- genüber locker und ungezwungen zu verhalten. Eigentlich arbeitet jeder der beiden für sich und lässt sich ungern in die Karten blicken. Petra empfindet Heikos Zwischendienst schon fast als Kontrolle. Ihre Sorge:„Nicht, dass er denkt, ich würde hier etwas falsch machen und ]er es dann anderen sagt!“

Das heißt: M1 Gruppen gehen ihren Pflichten nach, haben aber keine gemeinschaftliche Atmosphäre. Jedes Mitglied ar- beitet für sich und sieht nicht den gesamten Kontext der Gruppe. Dadurch kann Konkurrenz untereinander entstehen. Austausch und Kommunikation, Sprechen über sich selbst als Person, mit seinen Emotionen oder Unsicherheiten, sind nicht möglich. Es fehlt das Vertrauen und die Offenheit untereinander. Offenes und transparentes Arbeiten ist somit nicht gewährleistet.

Bei entstandenen Fehlern wird nicht die Entscheidung der Gruppe in Frage gestellt, sondern immer die Entscheidung des Einzelnen. Der „Schuldige“ steht alleine da und wird nicht von den anderen in Schutz genommen oder unterstützt.

Diese allgemeine negative Stimmung kann auch von den Kin- dern wahrgenommen werden, sie unruhig machen und ver- unsichern, was zu auffälligen Verhalten führen kann. Schlechte Absprachen, viele unterschiedliche Methoden und Handlungs- weisen bei Problemen der Kinder durch mangelnde Kommu- nikation und Transparenz, können die gleichen Folgen mit sich bringen.

Verbesserungen in der Gruppe können sich einstellen, in- dem man sich intensiv darum kümmert, die Atmosphäre zwi- schen den Erziehern zu verbessern. Gemeinsame Unterneh- mungen, besondere Dienstbesprechungen, in der man sich als Person und nicht nur als Mitarbeiter näher kommt, indem man sich z.B. auch über Privates unterhalten kann, fördern das Grup- pengefühl. In dieser Gruppe müssen vor allem Bindungen ge- schaffen werden, um eine bessere Stimmung zu bewirken, die sehr wichtig für das Miteinander ist und weitere Schritte einlei- ten kann, z.B. Feedbackrunden, Offenheit für Kritik, gemeinsame Ziele ausarbeiten.

Niveau 2 = M2

Gruppe

Das Verhalten der Gruppenmitglieder ist wie folgt einzustufen:

- es bilden sich Untergruppen, die untereinander konkurrieren können
- falls Fehler gemacht werden, wird schnell nach einem Schuldigen gesucht
- Unabhängigkeit wird sehr stark betont
- man ist lernoffen und es gibt erste Versuche von Feedback untereinander

Beispiel In der Dienstbesprechung sitzen die Erzieher Karl und Judith gegenüber von Ute und Helga. Es geht hin und her: Karl und Judith:„So wie das HPG letztens gelaufen ist, war totaler Mist! Ihr hättet euch besser vorbereiten sollen, wenn ihr schon zu zweit hingeht. Wie stehen wir jetzt vor dem Ju- gendamt wegen euch da?!“ Ute und Helga:„Das ist nur so gewesen, weil einer von euch die Infos dazu verloren hat! Wenn es euch nicht passt, dann macht es doch alleine! Auf uns jedenfalls könnt ihr beim nächsten Mal nicht mehr zählen!

Das heißt: In M2 Gruppen können sich „Cliquen“ bilden und in Wettstreit darüber ausbrechen können, welche„Seite“ Recht oder Unrecht hat und wer im Falle eines gemachten Fehlers der Schuldige ist. Es fällt den Gruppenmitgliedern schwer, Meinung anderer anzuhören und zuzulassen.

Die Atmosphäre, sowie die Vertrautheit und Offenheit kann zwar in den Untergruppen gut sein, nicht aber in der Gesamt- gruppe. Man steht nicht füreinander ein, Gruppenzusammen- halt existiert nicht. Transparentes Arbeiten ist, wie auch in M1 Gruppen, ein Problem und führt die gleichen Risiken mit sich: Das Arbeiten kann als Konkurrenzkampf gesehen werden und die Atmosphäre untereinander kann die Kinder verunsichern, unruhig oder sogar aggressiv machen.

Verbesserungen in der Gruppe können sich einstellen, wenn man sich offen Feedback geben kann, die Meinung anderer an- hört und akzeptiert sowie die positive Gruppenatmosphäre wie bei M1 fördert. Im gemeinsamen Dialog sollte man die Qualität der Arbeit prüfen, indem man von Erfolgen und Misserfolgen z.B. bestimmter Handlungsweisen berichten kann. Offener und ehrlicher Austausch sind Grundvoraussetzung für die Orientie- rung am Kind: Wo sind seine Probleme und Lösungsmöglich- keiten? In M1 und M2 Gruppen kann diese Fragestellung durch das problematische Verhalten untereinander in Hintergrund geraten.

Niveau 3= M3

Team

Das Verhalten der Gruppenmitglieder ist wie folgt einzustufen:

- entwicklungsorientiert Unterschiede werden untereinander intern kompensiert
- es wird voneinander gelernt und einander geschätzt
- Verantwortung wird übernommen
- es gibt untereinander Feedback und man ist offen für Neues
- Konsequenzen werden gemeinsam getragen

Beispiel Thema in der Dienstbesprechung: Das Verhalten eines aggres- siven Jugendlichen. Alle haben sich vorbereitet und erzählen von ihren bisherigen Erfahrungen mit diesem Teenanger: Wie man mit Problemsituationen umgegangen ist, ob man sie bewältigen konnte, was dabei gut und schlecht verlaufen ist. Man überlegt gemeinsam, welchen Weg man gehen kann, um dem Kind zu helfen. Dabei wird das Problem von allen Seiten beleuchtet und sich schließlich später ohne hitzige Diskussio- nen für einen gemeinsamen Weg entschieden.

Das heißt: In M3 Teams ist man sich dessen bewusst, dass man

unterschiedliche Arbeitsweisen durch die individuelle Entwick- lung hat und über deren Vor- und Nachteile sprechen kann,ohne sich dabei persönlich angegriffen zu fühlen. In solchen Teams können die Mitglieder voneinander lernen, Kritik gegenseitig annehmen und sich wertschätzen. Die Kommunikation ist offen und transparent. Wenn Fehler gemacht werden, wird die Verant- wortung dafür selbstständig übernommen. Niemand wird des- wegen verurteilt. Die Mitglieder des Teams unterstützen sich ge- genseitig und die Konsequenzen werden gemeinsam getragen. Man ist in der Lage, Feedback zu geben und offen für Neues zu sein: neue Ideen, Ansichten und Meinungen haben in diesem Team eine Chance. Die Mitglieder arbeiten für ein gemeinsames Ganzes zum Wohle der Kinder und des eigenen Teams und sind stolz darauf. Es wird gemeinsam„gelacht und geweint“.

Verbesser ungen könnten sich einstellen, indem man regel- mäßig gemeinsam das Tun der Erzieher intern reflektiert und so das Team weiterhin optimieren kann.

Niveau 4= M4

Team

Das Verhalten der Gruppenmitglieder ist wie folgt einzustufen:

- es herrscht wechselseitiges Vertrauen
- direkter und objektiver Umgang mit Gefühlen
- man kann teamübergreifend arbeiten
- man kann zusammen und unterstützend arbeiten und gemeinsam Ziele erreichen
- das Team erarbeitet starke Interaktionen
- man ist flexibel

Beispiel Thema Dienstbesprechung: Ein Mädchen der Gruppe hat gro- ße Schwierigkeiten mit dem Sozialverhalten. Das Team holt sich zur Unterstützung die Nachbargruppe. Um das Problem von einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten, spielen die Erzieher der Gruppe in einem Rollenspiel das Verhalten des Mädchens, sowie das der Erzieher nach. Die Nachbars- gruppe beobachtet dies, stellt Fragen dazu, darf kritisieren und Feedback sowie Tipps und Ratschläge zu geben."

Das heißt: In M4 Teams herrscht optimale Teamwork. Grund- lagen dazu wie Vertrauen, Objektivität, Offenheit, Kritikfähig- keit, gute Kommunikation, Transparenz, Flexibilität und Spaß an der Arbeit und am Erreichen gleicher Ziele sind gegeben. Dieses Team weiß um sein Können und Nichtkönnen, ist gewillt, es ständig zu optimieren und ist in der Lage, sich ständig aufs Neue zu hinterfragen und zu reflektieren. So kann es solch ei- nem Team gelingen, weiterhin so optimal zu arbeiten.

„Der Erzieher arbeitet nicht in der Gruppe, er lebt in der Gruppe.“

H. Kupfler;„Einführung in Theorie und Praxis der Heimerziehung“

Heimerziehung

Jede Unterbringung eines Kindes in ein Kinderheim hat ande- re Gründe. Dementsprechend muss sich die Erziehung diesen Gründen anpassen. Der Erzieher erhält in seiner täglichen Ar- beit wenig Vorgaben und ergänzende Theorien, die ihn in sei- ner Arbeit unterstützen. Dies ist eine große Herausforderung an jeden Erzieher, der dem Kind sein neues Zuhause als einen Ort des Neuanfangs, der neuen Möglichkeiten aber auch der Ge- borgenheit und Nestwärme darbieten möchte. Darum ist der Erzieher für die Kinder mehr als nur „der Erzieher“: er ist auch ein Stück Zuhause.

Beispiel Dialog zwischen Erzieherin Katja und Kind Dennis: Katja hat sich ein neues Auto gekauft. Dennis: „Wow! Tolles Auto! Woher hast du denn soviel Geld, dass du dir das kaufen kannst?“ Katja: „Dafür habe ich gearbeitet und gespart.“Dennis: „Ach echt? Wo arbeitest du denn? Du bist doch die ganze Zeit hier?!“

Das auffällige Verhalten der Kinder und Jugendlichen ist der Ausdruck ihrer Probleme. Für sie ist es schwierig Regeln und Wertvorstellungen zu begreifen. Sie verstehen den Sinn und die Nützlichkeit der jeweiligen Werte und Handlungen nicht, weil sie wenige Möglichkeiten gelernt haben, es zu verstehen. Die Kinder und Jugendlichen können oft ihre Probleme nicht mit Worten benennen, sondern nur analog ausdrücken, wie z.B. durch Fremdaggressionen. Aufgabe der Erziehung ist es, dem Kind zu helfen, in einem Entwicklungsprozess persönliche Iden- tität zu erlangen und zugleich Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, sich sowohl sozial zu integrieren, als auch kreativ für die sozialen Konflikte geeignete Lösungswege zu beschreiten. Wichtig hierbei ist zu erkennen, welches Problem oder Proble- me genau das Kind hat und welche Schwerpunkte man in den Erziehungsauftrag legt. So kann es einem Team besser gelin- gen, Ziele zu formulieren und gemeinsam das Kind intensiv zu fördern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Es gibt auch keine auffälligen Kinder an sich.

Unser e Erwartungen definieren, was als auffällig, gestört usw. zu gelten hat .“

H. Kupfler;„Einführung in Theorie und Praxis der Heimerziehung“

Zwei Studien

Hier folgt nun die Vorstellung zweier Studien, die verdeutlichen sollen, dass…

1. Kinder aus problematischen Familien immer in vier verschie- denen Punkten Störungen aufweisen, auf die man als Erzieher gezielt eingehen kann und

2. es einer der neusten Untersuchungen in NRW entspricht, dass das problematische Verhalten der Kinder in der Heimerzie- hung zunimmt. Konkret heißt dies: Aufgrund der momentanen westlichen Gesellschaftstrends, die sich durch den Umgang mit Ethik, Normen,Werten, Ritualen, Familie etc. definieren, wird be- obachtet, dass Kinder und Jugendliche immer mehr zu offener Aggression und Gewaltausübung neigen. Es entsteht folglich die Frage: Wie stellen sich Erzieher und Pädagogen auf diese Veränderung ein?

Vir ginia Satir

Virginiga Satir war eine der bedeutendsten Familientherapeu- tinnen. In ihrer Arbeit als Therapeutin mit 3.000 Familien fand sie heraus, dass sich in allen dieser Familien stets vier Schlüssel- faktoren als gestört erwiesen:

- der Selbstwert war niedrig,
- die Kommunikation fand indirekt, vage und nicht wirklich ehrlich statt,
- die Regeln waren starr, unmenschlich, durften nicht angesprochen werden und galten für ewig,
- die Verbindung zur Gesellschaft war voll Furcht, anklagend oder beschwichtigend gestimmt.

Ziel: Kinder, die im Kinderheim leben, kommen aus Familien mit verschiedenen Problematiken. Wir können annehmen, dass auch in diesen Familien, die vier oben genannten Schlüsselfak- toren gestört sind und Auswirkungen auf das Verhalten und We- sen der Kinder haben. Bei den Interviews mit Erziehern als auch mit den Kindern selber, wurden diese Schwierigkeiten deutlich benannt. Das bedeutet für die Erzieher, die Kinder besonders zu unterstützen in ihrem Selbstwert, ihrer Kommunikation, ihrem Regelbewusstsein und in der Interaktion mit anderen.

Prof. Dr Richard Günder

Unter der Leitung von Prof. Dr. Günder wurde 2007 eine Unter- suchung über Einweisungsgründe, Entwicklung und Umgang mit aggressiven Verhalten von Kindern in den stationären Ein- richtungen in Deutschland durchgeführt. 367 Fragebögen wur- den von den Angestellten der stationären Einrichtung in NRW ausgefüllt und ausgewertet.

Folgendes wurde festgestellt:

- Aggressionen und entsprechende gewalttätige Verhaltens- weisen von Kindern sind ein beständiges Thema innerhalb des Arbeitsfeldes der stationären Erziehungshilfe.
- Die Ursachen der erscheinenden Aggressionen sind nicht zwangsläufig oder primär bei den Kindern und in deren indivi- dueller Lebensgeschichte zu finden. Sie können auch durch die Organisation, in der die Kinder leben, und deren Rahmenbedin-
gungen verursacht werden.
- Auf der Grundlage der Sozialisation in den Herkunftsfamilien und oftmals traumatischer deprimierender Erfahrungen weisen die Kinder in der Regel Störungen und Auffälligkeiten in mehre- ren Problembereichen auf.
- Viele Erzieher behaupten sogar, dass die aggressiven Verhaltens- weisen bei den Kindern stark zugenommen haben.Die Aggressio- nen werden beschrieben als autoaggressive Aggressionen (47%), körperliche Gewalt (58%) und verbale Aggressionen (81%). 62 % der Erzieher äußerten das Verhalten der Kinder sogar als intensiv aggressiv.
- Die Befragung ergab, dass die Gründe oftmals Überforde- rungssituationen (90%), Konflikte in der Schule (71%) und El- ternbesuche (49%) sind. Man stellte fest, dass Elternbesuche von den Erziehern nicht gut genug vorbereitet und nachberei- tet werden.

Diese aktuelle Studie zeigt ganz deutlich, dass in NRW Kinder in stationären Einrichtungen ein hohes Potential an Aggressio- nen aufweisen.

[...]

Details

Seiten
123
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640135813
ISBN (Buch)
9783640140664
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113697
Note
1-
Schlagworte
Wege Tipps Kreative Spiele Methoden Thema Aggressionsbewältigung Erzieher Kinder Jugendliche Aggressionen stationäre Erziehungshilfe Kinderheim Elternhilfe

Autoren

  • Pietrowski (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

  • Kempkens (Autor)

  • Krzanowski (Autor)

  • Paetzold (Autor)

  • Seidel (Autor)

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Titel: Kreative Spiele und Methoden zum Thema "Aggressionsbewältigung" für interessierte Erzieher und wütende Kinder