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Vergleichsanalyse der kritischen Auseinandersetzungen mit der Pop-Literatur von Eckhard Schumacher und Moritz Baßler

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 19 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1. Archivierung als Hauptthese der Studie von M. Baßler
2.1.1. Baßler: Realistische Literatur
2.1.2 Baßler: Oberfläche
2.1.3. Baßler: Erinnerung und Gedächtnis
2.1.4. Baßler: Markenname
2.2. Gegenwartsfixierung als die Hauptthese von Schumacher
2.2.1. Schumacher: Oberfläche
2.2.2. Schumacher: Musik als Rhythmus und Taktgeber der Literatur
2.2.3. Pop und Journalismus bei Schumacher

3. Schlussfolgerung

4. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik der Popliteratur und ihrer Rolle in der Literatur des 20.Jahrhunderts anhand der Studien von Eckhard Schumacher und Moritz Baßler.

Am Anfang seiner Studie stellt Moritz Baßler die Frage: Was ist geschehen in der Welt der Literatur? „Auf einmal gibt es wieder Autoren über deren Texte man sich austauscht, die nicht von einer Kulturredaktion, sondern von Gleichgesinnten empfohlen werden [...]“[1] Was ist das, was diese Literatur besonders macht, wodurch ist sie gekennzeichnet? Diese Fragen stelle ich mir auch und werde in meiner Arbeit das Phänomen der Pop-Literatur aufgrund der Forschungen von Moritz Baßler „Der deutsche Pop-Roman“ und Eckhard Schumacher „Gerade Eben Jetzt“ untersuchen.

Als Ziel meiner Arbeit sehe ich das Herausfinden der Gemeinsamkeiten und der Unterschiede in der Analyse der Popliteratur bei beiden Autoren.

Vor allem werde ich mich mit der Frage auseinandersetzen welche Aspekte dieses Phänomens von Schumacher und Baßler als maßgebende für das Verständnis der Popliteratur betrachtet wurden.

Des Weiteren werde ich analysieren welche Vertreter der Popliteratur in den Studien für die Belegung der jeweiligen Thesen ausgesucht wurden.

Abschließend werde ich mein Urteil bezüglich der beiden Werke fällen.

2.1. Archivierung als Hauptthese der Studie von M. Baßler

Zu einer der Hauptthesen, die Moritz Baßler in seinem Buch behandelt und durch sein ganzes Buch führt - ist die These der Archivierung. Sein Hauptargument lautet: „Wenn das Neue als Ergebnis einer Tauschhandlung zwischen anerkannter Kultur und der Welt des Profanen zustande kommt, dann ist Pop, als Medium des Neuen, zuallererst eine Archivierungs- und Kanonisierungsmaschine.“[2] Dabei bezieht sich der Autor auf die Kunsttheorie von Boris Groys: „Das Neue ist nur dann neu, wenn es nicht einfach nur für irgendein bestimmtes individuelles Bewusstsein neu ist, sondern wenn es in Bezug auf die kulturellen Archive neu ist.“[3] Diese Theorie trifft die Prose von Goldt, so Baßler, denn er beschreibt die „Alltagsbeobachtungen“, die uns bekannt sind, die aber literarisch noch nicht fixiert wurden. „Der Bereich, der von den Archiven nicht erfasst ist, nennt Groys „den profanen Raum.“[4] Nach der Meinung von Groys, wenn die Dinge nicht festgehalten werden, gehen sie in die Vergangenheit. „…es sei denn sie werden durch „Mechanismen des Neuen“ (darunter versteht Groys vor allem Kunst und Theorie) aufgewertet, aufgezeichnet und gespeichert – und damit in die kulturellen Archive aufgenommen.“[5] Die Literatur gehört ebenso zu dem Archiv. Baßler deutet an, dass im „profanen Raum“ komplexe Kulturen existieren, „…die Popkultur zum Beispiel oder die Markenkultur, die Kultur der Sprayer, der Briefmarkensammler oder der Single-Malt-Trinker (Eckhard Henscheid hat jüngst – in kulturkritischer Absicht – über 700 so bezeichnete „Kulturen“ zusammengetragen.)“[6] Diese Kulturen führen ihre Archive, die Max Goldt in seiner Prosa oft gebraucht.

Baßler verweist auch auf eine andere Art der Archivierung, er erläutert diese Art am Beispiel der „Grover-Romane“ von Andreas Mand. Der Erzähler ist ein Kind, zwölfjähriger Andreas, deshalb „gelingt es in diesem Roman einerseits, die zu archivierende Welt begrenzt zu halten, und andererseits, die enorme generative Potenz eines pubertären Darstellungs- und Vollständigkeitsbedürfnisses für die eigene Arbeit zu nutzen…“[7] Hier wird die Welt eines pubertierenden Jungen dargestellt, die nach Möglichkeit genauer beschrieben werden sollte. Dabei verweist Baßler auf das Merkmal des Schreibens von Mand, auf die detaillierte Beschreibung. Aber dessen ungeachtet nimmt der Leser nicht Anteil an dem Leben des Jungen, da die Situation nicht als individuelle, sondern als eine von mehreren dargestellt wird.

Baßler weist auf die Sprache der Romane hin, die er „ausgeklügelt“[8] nennt. „Es ist eine Kindersprache, durchsetzt mit Adultismen. Diese erscheinen aber nicht als Einmischungen eines Erwachsenen Autor-Ichs, sondern als altkluge Adaptationen der Elternsprache…“[9] Als Ziel dieses Erzählverfahrens definiert Baßler als „eine nirgendwo durchbrochene textuelle Welt eigenen Rechts[…]“[10]

Zum Schluss betont Baßler, dass der Autor des Romanen nicht der zwölfjährige Junge ist. Ein Kind würde „keine autobiographische Prosa, sondern reine Fiktion“[11] schreiben. Und der springende Punkt von „Grovers Erfindung“ sei: „Ich würde natürlich niemandem verraten, wie die Kamera funktioniert. Im Gegenteil, ich würde es so machen, dass sie es gar nicht merken. Dass sie denken, alles ist echt.“[12]

Also, das Paradigma, das Moritz Baßler propagiert ist das Archivismus. Darin sieht er die Aufgabe der Literatur. Baßler nennt die Namen der Autoren, die die „Literatur der zweiten Worte“ schreiben: Andreas Mand, Matthias Politycki, Max Goldt, Reinald Goetz und die anderen. Dieser Literatur bringt Baßler seine Sympathie entgegen.

2.1.1. Baßler: Realistische Literatur

In seiner Untersuchung stellt Moritz Baßler den Gegensatz zum realistischen Literatur auf. Baßler diskutiert den Realismus am Beispiel des Romans von Bernhard Schlink „Der Vorleser“, der bei den Kritikern nach Erscheinung als glänzendes Beispiel eines „neuen Erzählens“ galt. „Aber Vorsicht, so Baßler, wir haben es hier mit dem erfolgreichsten deutschen Roman der 1990er zu tun…“[13] Der Erfolg des Romans ist mit dem Thema Nazizeit verbunden, das der Autor so schwerelos darstellt und zusammen mit den erotischen Szenen präsentiert. Dieser Roman sieht Baßler als eine „wunderliche Männerfantasie“[14] und nennt den Roman: „…unglaublicher Kitsch“[15].

Baßler führt in seiner Untersuchung mehrmals ein bedeutendes nach seiner Meinung Zitat von Wolfgang Kroener aus der Rhein-Zeitung vor: „Man liest. Und versteht.“[16] Denn der Inhalt ist der Hauptbestandteil des Realismus. So Baßler: „Auf Inhalt kommt es an!“[17] Es muss hauptsächlich gelesen und verstanden werden. „Ohne störendes Dazwischenfunken der poetischen Sprache; denn zum realistischen Effekt gehört, dass man die Verfahren, die ihn hervorrufen, nicht bemerkt.“[18]

Als ein typisches Merkmal von Realismus wird das Phänomen der Verallgemeinerung diskutiert. So zum Beispiel, führten der Analphabetismus und die mangelnde Aufklärung der Heldin des Buches zu ihren irrenden Taten und Baßler vermutet, dass „Schlink auch dies nicht direkt als Allegorie auf das deutsche Volk gemünzt wissen will, aber die Verallgemeinerung stellt sich automatisch ein…“[19] Baßler unterstreicht die Tatsache, dass es ihm nicht darum geht, den Autor Bernhard Schlink politisch anzuzweifeln, sondern er will am Beispiel des Romans die Probleme zu schildern, „die ein realistisch – fiktionales Erzählen, zumal mit historischem Anspruch, bekommt, weil es denn Einzelfall plotten, aber stets das Allgemeine meinen muss, um zu funktionieren.“[20]

Baßler bezeichnet die Konstruktion des Buches als geschmacklos. Die Hauptheldin Hanna begeht den Selbstmord vor der Entlassung aus dem Gefängnis und somit befreit sie den nachgeborenen Helden von seiner eigenen Geschichte. Aufgrund dessen gibt Baßler dem Realismus eine klare Definition. Er schreibt, dass der Realismus ist - wenn die Bösen am Ende sterben und die Helden belohnt werden. Baßler weist darauf hin, dass die realistischen Texte nach Schablonen geschrieben werden, was verständlicher und zugänglicher für den Leser sein soll: mal liest, man versteht. Im Gegensatz dazu ist die Pop-Literatur komplizierter und ausgeklügelter und damit etwas Besonderes. „Was sich leichter entschlüsseln lässt, wird für wirklicher gehalten, während das Schwierige, Ungewohnte per difinitionem das ist, was sich von Wirklichkeit entfernt.“[21]

Demgegenüber favorisiert Baßler den Roman von Andreas Mand. Für Baßler zeigt sich in diesem 1992 erschienen Buch erstmals eine neue Art des Schreibens. Das neue Verfahren des Schreibens besteht darin, eine Situation nicht individuell, sondern als Essenz zahlreicher ähnlicher erlebter Situationen aufzuzeichnen. So Baßler: „Hier ging es erstens um eine Kindheit, die mir bis ins Detail sehr bekannt vorkam, von der ich aber zuvor noch nie etwas gelesen hatte.“[22]

Baßler war erstaunt und gleichzeitig erleichtert, als am Ende der Lektüre nichts zum Vorschein gekommen war, worauf er gewartet hat. Baßler war sich sicher, dass es hinter diesen unschuldigen Kindheitserinnerungen mehr steckt. Er suchte ständig nach den Anzeichen der wahren Bedeutung des Textes, auf die Geheimnisse, die das „[...] Gelesene nachträglich in ein anderes – schreckliches, tragisches, zumindest aber durch und durch problematisches – Licht tauchen.“[23] Aber zur Freude des Autors hat sich der Verdacht, dass man im Buch mit den Kindesmisshandlungen, Homosexualität zu tun hat, nicht bestätigt. „Diese Prosa hatte keine Tiefestruktur, sie war nicht auf Entlarvung eines schönes Scheins hin angelegt, sie war nicht von einem gesellschaftlichen oder sonstigen Problem her geschrieben und lief nicht auf ein Coming out hinaus. Sie war einfach so gut.“[24] Also zum Unterschied zu der realistischen Literatur, wird die Pop-Literatur nicht nach Schablonen geschrieben, sie ist einmalig und unabsehbar.

[...]


[1] Baßler, Moritz: Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten. München: Beck, 2002. S. 10

[2] Baßler, M.:Der deutsche Pop-Roman. S.21.

[3] Ebd. S.21.

[4] Ebd. S.21.

[5] Ebd. S.21.

[6] Ebd. S.22.

[7] Baßler, M.:Der deutsche Pop-Roman. S.22.

[8] Ebd. S.25.

[9] Ebd. S.25.

[10] Ebd. S.25.

[11] Ebd. S.27.

[12] Ebd. S.27.

[13] Baßler, M.: Der deutsche Pop-Roman. S. 70.

[14] Ebd. S.69

[15] Ebd. S.70

[16] Ebd. S.71

[17] Ebd. S.72

[18] Ebd. S.72

[19] Ebd. S.74

[20] Ebd. S.75

[21] Baßler, M.: Der deutsche Pop-Roman. S.76.

[22] Ebd. S.12.

[23] Ebd. S.13.

[24] Ebd. S.13.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640148424
ISBN (Buch)
9783640148516
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113631
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2
Schlagworte
Vergleichsanalyse Auseinandersetzungen Pop-Literatur Eckhard Schumacher Moritz Baßler Gegenwartsliteratur

Autor

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