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Italophonie als geographischer und sozialer Raum: Malta

Seminararbeit 2006 24 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der historische Hintergrund
1.1 Malta – Spielball der Kulturen
1.2 Der Malteser-Orden
1.3 Malta ab 1800

2. Die maltesische Sprache
2.1 Die Sprachgeschichte Maltas
2.2 Die Sprachsituation heute
2.3 Herkunft des Wortschatzes
2.4 Italienisch im Maltesischen

Schlusswort

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Abbildungen

Einleitung

„Eine Mittelmeerinsel wie jede andere? Nein, eine Welt für sich. > Einen Schock der Freude<, hat einmal der englische Gouverneur Sir Harry Luke Malta genannt.“[1]

Malta liegt am strategischen Kreuzungspunkt im Mittelmeer. Nicht zuletzt diese Lage bestimmte seit jeher das Geschick der im ganzen 316 km2 großen Inseln Malta, Gozo, Comino, Cominotto und Filfla. Mitten auf der Handelsroute zwischen Sizilien, Italien und Afrika übten sie dadurch schon von frühester Zeit einen Einfluss aus, der in deutlichem Gegensatz zu ihrer Größe steht.[2] Abb.1

In dieser Hausarbeit werde ich anhand der sehr interessanten und vielseitigen Geschichte Maltas versuchen aufzuzeigen, welchen Einfluss die italienische Sprache auf die Entwicklung des Maltesischen nahm und inwieweit man auch noch heute von einer Italophonie auf Malta sprechen kann.

1. Der historische Hintergrund

1.1 Malta – Spielball der Kulturen

Die erste Besiedlung Maltas erfolgte etwa 5200 v.Chr. von Sizilien aus. Die Einwanderer lebten nomadisch in Höhlen und in erste Linie vom Fischfang.[3] Abb.2 Etwa 4000 v.Chr. entwickelte sich durch die isolierte Insellage eine Megalithkultur, noch heute zeugen davon die Überreste großer Steintempel. Abb.3 Warum diese Kultur 2500 v.Chr. ihr Ende fand, ist ungeklärt. Da die Menschen dort sehr friedfertig lebten, nimmt man an, dass sie einer Epidemie infolge einer Dürrekatastrophe zum Opfer fielen.[4] In der Bronzezeit, ab etwa 2000 v.Chr. wurde die Insel erneut von Sizilien und Unteritalien aus besiedelt.[5] Um 1000 v.Chr. wurde Malta von den Phöniziern kolonisiert, die Malta als sicheren Stützpunkt für ihren Seehandel sahen. Daher leitet Malta vielleicht auch seinen Namen ab, denn das phönizische Wort malet bedeutet soviel wie Zufluchtsort.[6] Zum Punischen Reich gehörte Malta etwa ab 650 v.Chr., als die Insel Karthago unterstellt wurde.[7] Infolge des 2. Punischen Krieges gelang es den Römern die Insel zu unterwerfen, Malta wurde Teil des Römischen Reiches. In dieser Zeit hieß die Insel Melita, in Anlehnung an die griechischen Worte méli „Honig“ und mélitta „Biene“, denn Malta war in erster Linie für seinen Honig berühmt.[8]

Ein wichtiger festverankerter staatlicher Feiertag betont ein wichtiges Ereignis der Geschichte Maltas. Der Legende nach soll der Apostel Paulus 59.v.Chr. auf dem Seeweg nach Rom Schiffbruch vor der Insel Melita erlitten haben. Paulus verbrachte 3 Monate auf dieser Insel und erwarb sich durch Krankenheilung großes Ansehen.[9] Dass das Melita des Paulus mit Malta identisch ist, bleibt in der Überzeugung und im Brauchtum der Malteser fest verankert.

Unter der Herrschaft der Römer wurden in Malta der Hafen ausgebaut, ein Straßennetz angelegt und öffentliche Bäder errichtet. Abb.4 Nach und nach verwuchsen die römische und punische Kultur miteinander. Nach der Teilung des römischen Reiches 395 gehörte Malta zu Byzanz, ab dieser Zeit bildeten sich auch mehr und mehr christliche Gemeinden.[10]

Spätestens 870 muss Malta den Arabern in die Hände gefallen sein, denn aus diesem Jahr ist überliefert, dass eine byzantinische Flotte aufbrach, um das von den Sarazenen besetzte Malta zu befreien.[11] Der Versuch scheiterte und die Araber konnten sogar Sizilien erobern. Gegen eine Gebühr war es den Christen aber möglich ihren Glauben auch unter muslimischer Vorherrschaft weiterhin frei auszuleben. 1091 beendeten die Normannen die arabische Vorherrschaft und Malta wurde dem sizilianischen Königreich einverleibt.[12] Durch den gewaltsamen Abriss von der muslimisch-arabischen Kultur kam es zu einer verstärkten Christianisierung.[13] Es folgten Jahrhunderte wechselnder europäische Herren. Als Malta seit 1194 zum Stauferreich gehörte zwang Friedrich II. alle Muslime zur Annahme des Christentums.[14] Im weiteren Verlauf der Geschichte regieren 1268 die Anjou, 1284 das Haus Aragón und 1412 die Habsburger, bis Malta 1530 von Karl V. den Johannitern übergeben wird.[15]

1.2 Der Malteserorden

Der offizielle Name Souveräner Malteser-Ritter-Orden: Hospital-Orden vom hl. Johannes von Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta gibt bereits einen kleinen Einblick über den Status und die Geschichte dieses Ordens, der seit Beginn des 12. Jahrhunderts bis heute besteht.[16]

1048 wurde von süditalienischen Kaufleuten in Jerusalem eine Hospiz- und Krankenhausgemeinschaft gegründet, die sich bis 1154 zu einem Orden entwickelte. Dessen Schutzpatron Johannes der Täufer gab ihm den Namen Johanniterorden. Bereits 1118 gelobten die Ordensmitglieder neben Keuschheit, Armut und Gehorsam auch den Kampf gegen die Mohammedaner. Somit wurde der Orden in die militärische Bewegung der Zeit der Kreuzzüge eingebunden.[17] In den kriegerischen Wirren fiel die letzte verteidigte Festung der Kreuzfahrerstaaten im Jahre 1291. Von dort flohen sieben überlebende Johanniter-Ritter in das lateinische Königreich Zypern, wo erneut eine Ordenszentrale errichtet wurde. 1304 eroberten sie Rhodos und errichteten 1310 dort ihr Zentrum.[18] Nach türkischer Belagerung und Besetzung musste der Orden Rhodos 1523 verlassen. 1530 übergab Karl V. den zu Sizilien gehörenden maltesischen Archipel dann als Lehen an den Orden. Malta wurde zum christlichen Brückenkopf gegen die heranrückenden Türken, die 1565 vergeblich über die Insel auf das europäische Festland vorzurücken versuchten. Abb.5 Nach seiner neuen Heimat wurde der Orden von nun an immer häufiger Malteserorden genannt. Abb.6 Auf dem Zug nach Ägypten besetzte Napoleon Malta und vertrieb den Orden ohne nennenswerte Gegenwehr.[19] In Europa waren die Malteser durch die französische Revolution in ihrer Existenz bedroht und unterstellten sich dem Schutz des russischen Zaren Paul I.[20] Als der nachfolgende Zar die Großmeisterwürde nicht fortsetzen wollte, siedelte die Ordenszentrale 1803 nach Italien über. In Rom residiert der Orden noch heute und zählt derzeit etwa 10 000 Mitglieder weltweit, die sich ausschließlich karitativen Aufgaben widmen.

1.3 Malta ab 1800

Die Johanniter kapitulierten kampflos vor den Truppen Napoleons[21], unter anderem deswegen weil viele französische Ordensritter mit den Ideen der Französischen Revolution sympathisierten und sich daher unloyal verhielten.[22] Am 09. Juni 1798 gelang es Napoleon binnen 36 Stunden die Insel zu erobern. Daraufhin mussten die Ritter die Insel verlassen und kehrten trotz des Restitutionsvertrages von Amiens 1802 nicht zurück.[23]

Napoleons Soldaten plünderten die Insel und zogen sich somit den Hass der Malteser zu. Doch die französische Herrschaft blieb nur ein kurzes Zwischenspiel. Im Zuge der französisch-britischen Auseinandersetzungen im Mittelmeerraum kam es 1800 zur englischen Blockade Maltas. Im Frieden von Paris im Jahre 1814 erkannten die europäischen Großmächte Malta als Kolonialbesitz der britischen Krone an.[24]

Die Malteser waren gezeichnet vom ständigen Wechsel der herrschenden Mächte und bemühten sich um möglichst große Autonomie.[25]

Durch den Ausbau Maltas zum Hauptflottenstützpunkt der britischen Marine erblühte die Wirtschaft der Insel. Doch bereits im Zweiten Weltkrieg wurde Malta durch italienische und deutsche Luftangriffe schwer zerstört. 1500 Menschen starben.[26]

Ab 1947 erhielt Malta eine Selbstverwaltung. Doch vor dem Hintergrund der Überbevölkerung und hoher Arbeitslosigkeit wandertn allein im Jahr 1954 fast 11000 Malteser aus.[27]

In einer Volksabstimmung stimmten 1955 74% der Malteser für die Eingliederung in den britischen Staatsverband, doch Großbritannien lehnte ab. Als State of Malta erhielt die Insel 1962 endlich Autonomie und eine vollverantwortliche Regierung. 1964 erklärte Malta seine staatliche Unabhängigkeit blieb jedoch Mitglied des Commonwealth mit Königin Elisabet II als Staatsoberhaupt.[28] Erst 1974 wurde Malta zur parlamentarischen Republik mit einem Präsidenten als Staatsoberhaupt proklamiert.[29] 1979 verließen die letzten britischen Truppen die Inselrepublik. Seit Mai 2004 ist Malta Mitglied der Europäischen Union.[30]

[...]


[1] Buttigieg-Jaklin (Artemis) 1991, S.7.

[2] Buttigieg-Jaklin (Artemis) 1991, S.7.

[3] Vgl. (Baedecker) 20047, S.24; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.11 .

[4] Vgl. (Baedecker) 20047, S.24; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.11/12; Brincat (Le Mani) 2003, S.30/31.

[5] Vgl. (Baedecker) 20047, S.24; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.12; Brincat (Le Mani) 2003, S.36.

[6] Vgl. (Baedecker) 20047, S.12+24; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.12; Ambros (Reichert) 1998, S.5.

[7] Vgl. (Baedecker) 20047, S.24; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.13; Ambros (Reichert) 1998, S.4/5.

[8] Vgl. (Baedecker) 20047, S.25; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.13; Ambros (Reichert) 1998, S.5.

[9] Apostelgeschichte 28, 1-6.

[10] Vgl. (Baedecker) 20047, S.26; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.13/14.

[11] Vgl. (Baedecker) 20047, S.26; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.14; Ambros (Reichert) 1998, S.6.

[12] Vgl. (Baedecker) 20047, S.26; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.15; Ambros (Reichert) 1998, S.6.

[13] Ambros (Reichert) 1998, S.6.

[14] Vgl. (Baedecker) 20047, S.28; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.16.

[15] Vgl. (Baedecker) 20047, S.8+28/29+39; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.17.

[16] Vgl. Barz (Lit) 1995, S.4; (Baedecker) 20047, S.37; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.17.

[17] Barz (Lit) 1995, S.4.

[18] Vgl. Barz (Lit) 1995 S.5; (Baedecker) 20047, S.18+38.

[19] Barz (Lit) 1995, S.6.

[20] Barz (Lit) 1995, S.6/7.

[21] (Baedecker) 20047, S.32.

[22] (Baedecker) 20047, S.32 ® Von 28 Großmeistern auf Malta waren 12 Franzosen (Baedecker) 20047, S.41.

[23] (Baedecker) 20047, S.32.

[24] Vgl. (Baedecker) 20047, S.32; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.30.

[25] (Baedecker) 20047, S.32.

[26] (Baedecker) 20047, S.33.

[27] (Baedecker) 20047, S.33.

[28] (Baedecker) 20047, S.33.

[29] Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.33.

[30] Vgl. (Baedecker) 20047, S.33; Kossow (Iwanowski) 1999/20002, S.36.

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640136117
ISBN (Buch)
9783640336593
Dateigröße
4.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113206
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Italophonie Raum Malta

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