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Die Rolle des Klassenlehrers an der Waldorfschule

Seminararbeit 2007 16 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2. Struktur und Pädagogik der Waldorfschule
2.1. Das Beispiel der Freien Waldorfschule Oberberg
2.1.1. Organisation der Schule
2.1.2. Pädagogische Leitlinien
2.2. Was macht die Waldorfschule aus?

3. Die besondere Funktion des Klassenlehrers
3.1. Der Klassenlehrer an der Waldorfschule
3.2. Epochenunterricht
3.3. Zusammenarbeit im Kollegium und mit den Eltern

4. Fazit

Literaturverzeichnis

A. Quellen

B. Darstellungen

1. Vorbemerkungen

In einer Zeit der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland wird die Frage nach Bildung und Schule immer lauter. „Bildung ist der Schlüssel zu Wohlstand und sozialer Anerkennung“[1], stellte kürzlich Bundespräsident Horst Köhler bei seiner Eröffnungsrede des Weltkongresses der Bildungsinternationalen in Berlin fest. Im Bericht „Bildung in Deutschland“ werden vier Parameter des Bildungsbegriffs genannt. Die „Leistungsfähigkeit, die individuelle Entfaltung, die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit und der soziale Zusammenhang eines Landes“ sind die wesentlichen Ziele der Bildung. Wie soll eine Schule am Anfang des 21. Jahrhunderts aussehen? Ist das viergliedrige Schulsystem noch sinnvoll? Es gibt zahlreiche Reformansätze in verschiedenen Bundesländern.

Ein Entwurf der nordrhein-westfälischen SPD[2] sieht folgendes u.a. vor: „Die Gemeinschaftsschule nimmt die Kinder nach der Grundschule auf und ist bis zur Klasse 10 für deren Bildungserfolg verantwortlich. […] In den Klassen 5 und 6 findet für alle Kinder ein gemeinsamer Unterricht statt. Ab Klasse 7 kann nach gemeinsamer Entscheidung der Schule, der Schulträger und der Eltern beispielsweise ein vollständig integrierter Unterricht angeboten werden oder eine Differenzierung in Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialklassen erfolgen.“[3]

Demgegenüber steht z.B. die Schüler Union NRW, die unter dem Motto „Nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine!“ sich mit der Aktionsseite www.rettet-unsere-schulen.de für den Erhalt und die Festigung des mehrgliedrigen Schulsystems ausspricht. Die CDU NRW startete kürzlich ihre größte Kampagne seit der Bundestagswahl 2005 mit dem Titel „Die SPD-Einheitsschule führt ins Chaos – Keine Experimente mit unseren Kindern“[4]. Privatschulen erfreuen sich hingegen immer größerer Beliebtheit. Seit 1992 hat sich die Zahl der Privatschulen verdoppelt. 873.000 Schüler werden dort unerrichtet, das entspricht 5,7 Prozent der Gesamtschülerzahl[5].

Ein Reformmodell, welches seit fast 90 Jahren bestand hat, ist die Waldorfschule. Die erste Schule dieser Art wurde nach Vorträgen von Rudolf Steiner vor Arbeitern der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart im Jahre 1919 gegründet. Mit der Gründung einer Schule in Erfurt im Jahr 2006 wurde „die 200er-Grenze überschritten und auch im Jahr 2007 setzte sich der Trend mit der Gründung von fünf neuen Schulen fort“[6]. In Deutschland wurden zu Beginn des letzten Schuljahres 2006/2007 „rund 808.700 Kinder eingeschult“[7], davon 0,8 Prozent in Freien Waldorfschulen. Während 1996 insgesamt 1.668 Schülerinnen und Schüler an einer Freien Waldorfschule ihr Abitur absolvierten, waren es 2004 2.227 Schüler[8]. Was unterscheidet die Waldorfschulen von den staatlichen Bildungseinrichtungen?

In der vorliegenden Arbeit soll die Arbeit der Waldorfschulen näher beleuchtet werden. Das ausgeprägte Klassenlehrerprinzip, eines der Schwerpunkte der strukturellen und pädagogischen Arbeit, wird hinterfragt.

2. Struktur und Pädagogik der Waldorfschule

An den Freien Waldorfschulen in Nordrhein-Westfalen wurden im Schuljahr 2006/2007 an 49 Schulen 18.216 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.[9] Um sich der Schulform zu nähern, betrachten wir zunächst das Beispiel einer einzigen Schule. Im Jahr 1990 gründete sich der „Förderverein der Freien Waldorfschule Oberberg e.V.“. Damit war der Grundstein für die Gründung einer Schule gelegt. Standort ist in Gummersbach-Vollmerhausen im Oberbergischen Kreis, Regierungsbezirk Köln, Nordrhein-Westfalen.

2.1. Das Beispiel der Freien Waldorfschule Oberberg

Die Freie Waldorfschule Oberberg betreibt in freier Trägerschaft im Sinne ihres Leitbildes und auf der Grundlage der Pädagogik von Rudolf Steiner eine Ersatzschule, die die Klassen 1 bis 13 umfasst. Die Basis bilden die zwei Gremien Förderverein und Trägerverein. Im nächsten Unterkapitel werden die organisatorischen Rahmenbedingungen des Schullebens geschildert. Auch für die Funktion des Klassenlehrers sind sie von Bedeutung.

2.1.1. Organisation der Schule

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Organigramm der Freien Waldorfschule Oberberg, Quelle: http://www.fws-oberberg.de.

Der Förderverein ist der Eigentümer des Schulgrundstücks und der Schulgebäude. Der Trägerverein betreibt die Schule und tritt gegenüber dem Förderverein als Mieter auf. Mitglied des Fördervereins kann auf Antrag jede juristische Person werden. Mitglieder des Trägervereins werden automatisch alle Eltern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule. Die Mitgliederversammlungen beider Vereine wählen gemäß Satzung alle zwei Jahre ihre Vorstände, die jeweils aus sechs Persönlichkeiten bestehen. Der Vorstand des Trägervereins setzt sich dabei paritätisch aus drei Elternvertretern und drei Vertretern des Lehrerkollegiums, die der Mitgliederversammlung des Trägervereins aus dem Lehrerkollegium zur Wahl vorgeschlagen werden, zusammen. Die Vorstände tragen die gesamte Verantwortung für die Schule.

Im Einvernehmen mit dem Vorstand des Fördervereins beruft der Vorstand des Trägervereins sechs Mitglieder einer Schulleitung, die unterschiedliche Aufgabengebiete vertreten. Die einzelnen Aufgabengebiete lassen sich dabei als Säulen darstellen. Bei den einzelnen Säulen handelt es sich um die Aufgabengebiete:

- Pädagogische Organisation und Entwicklung (Unter- und Mittelstufe)
- Pädagogische Organisation und Entwicklung (Oberstufe)
- Verwaltung, Recht und Finanzen
- Öffentlichkeitsarbeit
- Gebäude und Gelände
- Kollegiale Entwicklung

Die Schulleitung wird vom Trägervereinsvorstand mit der Leitung der Schule beauftragt. Unter den einzelnen Säulen der Schulleitung etablieren sich die unterschiedlichen Arbeitskreise.[10] Die Struktur ermöglicht eine enge Zusammenarbeit im Kollegium. Der einzelne Lehrer hat neben der Funktion der Vermittlung von Unterricht, auch organisatorische Aufgaben. An Regelschulen steht die Schulleitung über allem. Bei Problemen innerhalb einer Klasse oder zwischen Schülern und Lehrern ist sie es, die die entscheidenden Schritte einleitet. Der Klassenlehrer der Waldorfschule kann mit seinen Kollegen der Schulleitung Probleme besprechen und klären. Die wöchentlich stattfindenden Lehrerkonferenzen sind ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt feststellen, dass auch diese Organisationsform nicht frei von Problemen ist. Welche pädagogischen Konzepte verfolgt die Freie Waldorfschule Oberberg?

2.1.2. Pädagogische Leitlinien

Im Leitbild der werden die Ziele der Schule skizzenhaft beschrieben, es gehe darum „[…] junge Menschen auf dem Weg zum Bewusstwerden ihrer schöpferischen Persönlichkeit zu begleiten und zu fördern“[11]. Hilfestellungen „sich als ganzer Mensch gesund zu entwickeln, mit Freude auch gegen Widerstände – lebenslang zu lernen, ihre eigene Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen“ werden gegeben. „Wir wollen bei unseren SchülerInnen Weltinteresse wecken, Verantwortungsgefühl entwickeln und kreative Fähigkeiten fördern, damit sie die Herausforderungen unserer Zeit erkennen und ergreifen können“[12], heißt es in einem weiteren Abschnitt des Leitbildes.

[...]


[1] Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler zur Eröffnung des 5. Weltkongresses der Bildungsinternationalen am 22. Juli 2007 in Berlin, Quelle: http://www.bundespraesident.de.

[2] Bildungspolitischer Leitantrag des SPD-Landesvorstandes zum außerordentlichen Landesparteitag de NRWSPD am 25. August 2007 in Bochum, Quelle: http://www.nrwspd.de.

[3] Ebd.

[4] Mit Fakten gegen die Einheitsschule. In: CDU NRW-Aktuell. Infodienst der CDU Nordrhein-Westfalen, Ausgabe 30 vom 30. August 2007.

[5] Birgitta vom Lehn: Beste Bildung für die Kleinen. Private bieten mehr Unterricht. In: Welt am Sonntag, Nr. 30 vom 30. Juli 2007.

[6] Thekla Walker: Herausforderung Waldorf. In: info 3. Anthroposophie im Dialog Nr. 7/8 2007, S. 13.

[7] Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes Nr. 463 vom 6. November 2006.

[8] Schulabgängerinnen- und abgänger nach Abschlussart, Bildungsgang und Abgangsjahr. In: Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration. Hrsg. Konsortium Bildungsberichterstattung. Bielefeld 2006, S. 255.

[9] Allgemeinbildende Schulen in NRW zu Beginn des Schuljahres 2006/07 nach Schulformen, Quelle: Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW, http://www.landesdatenbank-nrw.de.

[10] Vgl. Festschrift zur Einweihung des Schulneubaus der Freien Waldorfschule Oberberg in Gummersbach-Vollmerhausen. Gummersbach 1997.

[11] Quelle: http://www.fws-oberberg.de

[12] Ebd.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640135677
ISBN (Buch)
9783640135882
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113188
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Rolle Klassenlehrers Waldorfschule Reformpädagogik

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