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Intermedialitätskonzeptionen

Gängige Intermedialitätskonzeptionen mit ihren Ansätzen und Theorien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 22 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verfasser

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung: Intermedialität

3 Intermedialitätskonzeption nach Schröter
3.1 Synthetische Intermedialität
3.2 Formale oder Trans-mediale Intermedialität
3.3 Transformationale Intermedialität
3.4 Ontologische Intermedialität
3.5 Zwischenergebnis

4 Intermedialitätskonzeption nach Rajewsky
4.1 Phänomenbereiche des Intermedialen
4.1.1 Medienkombination - Multi, Pluri- oder Polymedialität, Medienfusion
4.1.2 Medienwechsel, Medientransfer, Medientransformation
4.1.3 Intermedialer Wechsel

5 Intermedialität und Multimedialität

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Verfasser

Patrick Koops

Magister Artium

09. Fachsemester

Fächer: Politikwissenschaft (HF), Neuere Geschichte (NF), Neuere englische Literaturwissenschaft (SE), Text- und Mediengermanistik (SE)

Im Rahmen des Hauptseminars: „Intermedialität“ (WS 2006/2007)

1 Einleitung

“Der Begriff Intermedialität deutet auf mediale Brückenschläge, das Zusammenspiel verschiedener Medien. Zu denken wäre hier vor allem an Verbindungen zwischen Musik, Tanz, bildender Kunst, Sprache. In aller Vorläufigkeit ließe sich generalisierend von kulturell kodierten Kommunikationssystemen sprechen, die sich beeinflussen, nachahmen, berühren oder gar zu einer Einheit verbinden können.“[1]

Aufbauend auf dem Konzept der Intertextualität aus den sechziger Jahren, der eine Theorie der Beziehungen zwischen den Texten formuliert, entstand der Begriff der Intermedialität.[2] Wie aktuell dieser Begriff in der heutigen Forschung ist, ist schon erkennbar am Beginn eines Beitrags von Joachim Paech von 1998:

“Intermedialität ist >in<.“[3]

Mediale Ausdrucksformen bewegen sich immer weiter aufeinander zu, vermischen sich und stehen in Wechselbeziehung zueinander. Die Abkapselung einzelner Medien gegenüber anderen medialen Ausdrucksformen ist hingegen „out“. Begünstigt wird die Bedeutungszunahme des Begriffs „Intermedialität“ durch die Entwicklung zu einer multimedialen Gesellschaft sowie durch zunehmende Verwendung intermedialer Kunstausdrucksformen.[4]

Aufgrund der Aktualität des Begriffs Intermedialität ist es umso erstaunlicher, dass sich bislang in der Forschung keine durchgängige Definition des Begriffs durchgesetzt hat. Die Beiträge von Schröter (1998) und Rajewsky (2002) beinhalten bislang die meines Erachtens bedeutendsten Ansätze und Theorien. Schröter geht davon aus, dass „es niemals darum gehen kann, einen integralen Begriff von Intermedialität zu vertreten. Der Begriff ist so vielfältig wie die Diskurse, in denen er produziert wird.“[5]

Ziel dieser Arbeit ist nicht eine Definition des Intermedialitätsbegriffs zu schaffen. Vielmehr sollen einige gängige Intermedialitätskonzeptionen mit ihren Ansätzen und Theorien dargestellt werden. Im Vordergrund steht die Frage, lässt sich der Begriff der Intermedialität in unterschiedliche Typen mit verschiedenen theoretischen Modellen einteilen? Was sind die Ansätze bei der Kreierung einer Intermedialitätstheorie? Kann es überhaupt hinsichtlich des umfassenden Forschungsfeldes eine allgemeingültige Intermedialitätstheorie geben?

Zuerst wird diese Seminararbeit eine theoretische Verortung des Begriffs „Intermedialität vornehmen um einen Überblick zu bekommen. Um die oben genannten Fragen zu klären, wird zunächst die Intermedialitätskonzeption von Schröter (1998) dargestellt. Schröter (1998) unterscheidet vier Typen der Intermedialität, und zwar die synthetische Intermedialität, die formale oder trans-mediale Intermedialität, die transformationale Intermedalität und die ontologische Intermedialität. Anschließend wir ein neuerer Ansatz der Intermedialitätsforschung von Rajewsky vorgestellt. Rajewsky nimmt eine Dreiteilung des Intermedialitätsbegriffs vor und unterscheidet folgende Phänomenbereiche des Intermedialen, und zwar die Medienkombination, den Medienwechsel und den intermedialen Wechsel. Abschließend erfolgt eine genauere Bestimmung des Verhältnisses zwischen Intermedialität und Multimedialität.[6]

2 Begriffsbestimmung: Intermedialität

Wie definiert sich der Begriff „Intermedialität“? Rajwesky bezeichnet den Begriff „Intermedialität“ als „termine ombrello“[7] oder aber auch „ombrellone“.[8] Ein Begriff in der wissenschaftlichen Diskussion, der mit unterschiedlichen Bedeutungen und Theoriekonzeptionen belegt ist. Seit den 1990er Jahren versammelt sich unter dem Hyperonym „Intermedialität“ eine ganze Reihe auf den ersten Blick nicht zusammenpassender Termini, zum Beispiel „Multimedialität“, „Poly- oder Plurimedialität“, „Transmedialität“, „Medienwechsel“, „Medientransfer“ und „mediale Transformationen.“ Diese Termini sind zum Teil Subkategorien der Intermedialität, können partiell aber auch als gleichwertige Kategorien angesehen werden. Weitere Begriffe wie „mixed media“, „Ekphasis“, „transposition d’art“, „ut pictura poesis“, „Veroperung“, „Verfilmung oder Adaption“, „novelization“, „Musikalisierung der Literatur“, „Narrativisierung der Musik“, „Digitalisierung des Films“, „Klangkunst“, „Hyperfiction“ et cetera finden unter dem großen Sonnenschirm der Intermedialität ihren Platz.[9]

Doch wo genau beginnt eigentlich „Intermedialität“? Wilhelm Füger geht dieser Frage in einem Aufsatz aus dem Jahr 1998 nach, indem er Überlegungen über die Etymologie des Begriffs „Intermedialität“ anstellt:

“Der Begriff Intermedialität enthält den der Medialität, dieser wiederum den des Mediums, und letzterer findet auf unterschiedliche Sachverhalte Anwendung. Von öffentlichen, elektronischen, audio-visuellen Medien und dergleichen ist etwa oft die Rede, bis hin zu Medien im Sinne von Personen mit übersinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten.“[10]

Auch Rajewsky versucht eine Positionsbestimmung des Begriffs durch einen ähnlichen Ansatz:

“In diesem Sinne läßt sich >Intermedialität< zunächst einmal […] als Hyperonym für die Gesamtheit all jener Phänomene heranziehen, die, dem Präfix >inter< entsprechend, in irgendeiner Weise zwischen Medien anzusiedeln sind.“[11]

Die weitere Diskussion in Fügers’ Aufsatz beschäftigt sich unter anderem mit einer engeren Bestimmung des Begriffs „Medium“. Füger stellt fest, anders als Rajewsky, die „Intermedialität“ als Phänomen zwischen den Medien ansiedelt, dass von Intermedialität schon vor jedem Medienwechsel, beispielsweise durch Umsetzung von Bewusstseinsprozessen in ein Medium, gesprochen werden kann.[12] Füger kommt bei seinen Ausführungen zu folgendem Fazit:

“Intermedialität beginnt nicht erst bei Transferprozessen zwischen den Sektoren des Spektrums „verbal/visuell/etc.“, sondern schon an der Schwelle vom Präverbalen zum Verbalen und innerhalb der Sphäre des letzteren bereits bei der Umsetzung von Oralem in Skripturales.“[13]

[...]


[1] Eicher, Thomas (1994): Was heißt (hier) Intermedialität?, in: Thomas Eicher, Ulf Bleckmann (Hrsg.): Intermedialität. Vom Bild zum Text. Bielefeld: Aisthesis, S. 11 - 28, hier S. 11.

[2] Vgl. Pfister, Manfred (1985): Konzepte der Intertextualität, in: Ulrich Broich, Manfred Pfister (Hrsg.): Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien. Tübingen: Niemeyer, S. 1 - 30.

[3] Paech, Joachim (1998): Intermedialität. Mediales Differenzial und transformative Figuration, in: Jörg Helbig (Hrsg.): Intermedialität: Theorie und Praxis eines interdisziplinärischen Forschungsgebiets. Berlin: Schmidt, S. 14 - 30, hier S. 14; im Folgenden zitiert: Paech (1998).

[4] Vgl. Rajewsky, Irina O. (2002): Intermedialität. Tübingen: A. Francke Verlag, S. 1 - 5; im Folgenden zitiert: Rajewsky (2002).

[5] Schröter, Jens (1998): Intermedialität. Facetten und Probleme eines aktuellen medienwissenschaftlichen Begriffs, in: montage/av 7.2. Zeitschrift für Theorie & Geschichte audiovisueller Kommunikation, S. 129 - 154, hier S. 149; im Folgenden zitiert: Schröter (1998).

[6] Vgl. Schröter (1998), S. 129 - 154.

[7] Rajewsky (2002), S. 6; „termine ombrello = Schirm-Begriff.

[8] Rajewsky (2002), S. 6; „termine ombrellone“: Das Suffix “-one” verweist im Italienischen auf eine größere Einheit, in diesem Fall auf einen größeren Schirm, nämlich den Sonnenschirm (ombrellone) im Vergleich zum Regenschirm (ombrello).

[9] Vgl. Rajewsky (2002), S. 1 - 11; Vgl. dazu auch: Roloff, Volker (2008): Intermedialität und Medienanthropologie. Anmerkungen zu aktuellen Problemen, in: Joachim Paech, Jens Schröter (Hrsg.): Intermedialität – Analog/Digital. Theorien – Methoden – Analysen. München: Fink Verlag, S. 15 - 29.

[10] Füger, Wilhelm (1998): Wo beginnt Intermedialität? Latente Prämissen und Dimensionen eines klärungsbedürftigen Konzepts, in: Jörg Helbig (Hrsg.): Intermedialität. Theorie und Praxis eines interdisziplinären Forschungsgebiets. Berlin: Schmidt Verlag, S. 41 - 57, hier S. 41; im Folgenden zitiert: Füger (1998).

[11] Rajewsky, Irina O. (2004): Intermedialität >light<? Intermediale Bezüge und die >bloße Thematisierung< des Altermedialen, in: Roger Lüdeke, Erika Greber (Hrsg.): Intermedium Literatur. Beiträge zu einer Medientheorie der Literaturwissenschaft. Göttingen: Wallstein Verlag, S. 27 - 77, hier S. 31.

[12] Vgl. Füger (1998), S. 41 - 57.

[13] Ebenda, S. 55.

Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640131440
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113135
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Germanistik
Note
sehr gut
Schlagworte
Intermedialitätskonzeptionen Intermedialität

Autor

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Titel: Intermedialitätskonzeptionen