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Übernahmegeschäfte - ein kurzer Überblick

Seminararbeit 2008 20 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Die reine Theorie der Übernahmen

3. Monopol Preisbildung zur Übernahme-Abwehr
3.1 Das bestehende Management ist kreditwürdig
3.2 Das bestehende Management ist nicht kreditwürdig

4. Einfluss von Übernahmen auf das Management
4.1 Übernahmen führen beim Management zu „Myopie“
4.2 Übernahmen und Management- Disziplinierung

5. Positive-Theorie: Einzelbieter-Fall
5.1 Wertsteigerung durch die Heuschrecke - Grossman-Hart Analyse
5.2 Positives Ergebnis des Bieters trotz Free-Riding
5.2.1 Privater Benefit
5.2.2 Aktienbesitz vor Übernahme (Toehold)
5.2.3 Verwässerung des Aktienwertes (Dilution)
5.2.4 Übernahmeabwehr (Poison-Pills)
5.3 Wertsteigerung durch Heuschrecke – entscheidend ist die Angebotsabgabe
5.4. Resumee

6. Wertminderung durch Heuschrecke und das One-Share-One-Vote Ergebnis

7. Positive Theorie von Übernahmen: Mehrere Bieter

8. Abschluss

1. Einführung

Übernahmegeschäfte beschreiben den Wechsel des Eigentümers eines Unternehmens. Hierbei übernimmt ein neues Unternehmen die Kontrolle und ersetzt das Management durch ein neues Team oder verwaltet die Firmenwerte auf eine andere Art.

Es gibt freundliche und feindliche Übernahmen wobei es sich bei letzterem, um die seltenere Form von Übernahmegeschäften handelt. Natürlich gibt es auch freundliche Übernahmen die unter Ausübung von Druck durchgesetzt werden, dies erschwert die genaue Einteilung. Der Focus dieser Ausarbeitung wird trotzdem auf den Fall der feindlichen Übernahme liegen und bezieht sich hauptsächlich auf die Erkenntnisse von Jean Tirolé (The Theory of Corporate Finance, Kap. 11 S. 425-443).

Es gibt verschiedene Motivationen für eine Übernahme. Die Vorteile, die von einem neuen Management ausgehen, können völlig unterschiedlich sein. In der Regel kann man jedoch davon ausgehen, dass eine neue Geschäftsführung frische Ideen und mehr Effizienz in das Unternehmen bringt. Die neue Firmenführung wird auch, aller Wahrscheinlichkeit nach, vergangene Fehler vermeiden.

Des weiteren spielt auch der disziplinierende Effekt auf das bestehende Management unter Androhung einer möglichen Übernahme, auf Grund schlechter Performance, eine große Rolle.

Es gibt jedoch auch Fälle in denen eine solche Übernahme das Zielobjekt absichtlich schädigt. Der Bieter beabsichtigt hier meist durch die Übernahme die eigene Machtstellung zu stärken oder aber durch eine schädigende Übernahme Produkte, die den Abverkauf eines eigenen Produkts beschränken, zu eliminieren.

Diese Motive spielen im folgenden eine große Rolle, da eine Übernahme teils mit hohen Kosten verbunden ist und unterschiedlichste Hindernisse die Übernahme behindern können. Im folgenden werde ich diverse Situationen schildern und mit einigen Modellen und Studien, mögliche Strategien näher bringen.

2. Die reine Theorie der Übernahmen

Bei einer möglichen Übernahme kann es zu verschiedenen Auswirkungen auf die Einahmen der Investoren und Unternehmer kommen, welche allesamt unabhängig von der Übernahme, vom Erfolg der Unternehmung abhängen.

Wenn keine Übernahme stattfindet und das Unternehmen weitergeführt wird, erhalten die Investoren den Wert [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und der Unternehmer den Gewinn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

Im Falle einer möglichen Übernahme erhält der Investor den Wert [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und die Heuschrecke den Gewinn[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

In einem Fixed-Investment Beispiel sieht das folgendermaßen aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Unternehmens-Charter sind die Bedingungen, unter der die Heuschrecke die Kontrolle an sich bringen kann, festgelegt.

Dabei muss zunächst klar werden, ob die Übertragung der Kontrolle an die Heuschrecke erwünscht ist oder eher erschwert werden soll.

Dies hängt zwangsläufig von den Erträgen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bei einer entsprechenden Übernahme ab.

Ferner können diese Richtlinien auch eine disziplinierende Wirkung auf die Geschäftsführung entfalten. Unter diesem Aspekt unterscheidet man zwischen Übernahmehindernissen, die für den Fall einer Übernahme nur sicherstellen sollen, dass möglichst effiziente Ergebnisse erzielt werden und auf der anderen Seite solche Hindernisse, deren Zweck darin bestehen, feindliche Übernahmen generell möglichst zu vereiteln[1].

Ebenfalls muss die Heuschrecke einen fixen Betrag aufwenden, um das Ziel auszumachen. Kosten, um eine Strategie für die Übernahme auszumachen, Kosten für das Übernahmeverfahren und evtl. damit verbundene Rechtsstreitigkeiten, auch hier spielen gerade die Hindernisse eine große Rolle.

Welche Einflüsse eine so genannte Charter auf die Heuschrecke haben, werden im folgenden abgehandelt.

3. Monopol Preisbildung zur Übernahme-Abwehr

Wir nehmen zunächst an, dass die Unternehmenscharter uneingeschränkt bestimmbar ist. Es werden natürlich auch nur die Interessen der Unternehmer und der Investoren berücksichtigt, ein potentieller Käufer bleibt natürlich außen vor.

Eher noch wird sogar versucht diesen potentiellen Käufer durch die Charter zu „steuern“.

Wir treffen folgende Annahmen:

- Die Heuschrecke will Kredite nicht rationieren. Es kann also den gesamten Betrag [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zahlen

- [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist im ersten Schritt zum Zeitpunkt der Erstellung der Charter bekannt. Im Gegensatz dazu ist [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zum Zeitpunkt der Übernahme eine private Information der Heuschrecke. Aus Sicht des Zielobjekts ist [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] verteilt nach der Dichte [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und der kumulierten Verteilungsfunktion [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Dabei sind dies private Informationen der Heuschrecke.

Zusätzlich nehmen wir an, dass das bestehende Management Kredite ebenfalls nicht rationiert. Im Verlauf wird auch der Einfluß auf die Charter erläutert, im Fall schlechter Bilanz.

3.1 Das bestehende Management ist kreditwürdig

Wir nehmen an, dass ein Unternehmen einen Verkaufspreis [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bestimmen kann. Dies ist gleichbedeutend der Kürzung des Gewinns der Heuschrecke. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Die Wahrscheinlichkeit für den Verkauf ist somit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Nutzen des Unternehmers entspricht dem Kapitalwert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die monopolistische Preissetzung oberhalb der Grenzkosten bezeichnet durch die Lernersche Formel zeigt, dass die Marktmacht eines Unternehmens von dem Kehrwert der Nachfrageelastizität abhängt. Je größer die Nachfrageelastizität, desto kleiner der Monopolgrad und somit die Marktmacht.

Unendliche Preiselastizität, also vollkommene Konkurrenz würde einen Monopolgrad gen Null ergeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die „Kosten“ für die Ankündigung einer Übernahme entsprechen den Opportunitätskosten aus dem entgangenen Gewinn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

Um zu sehen, dass [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] tatsächlich der Elastizität der Nachfrage entspricht, zeigen wir, dass die Wahrscheinlichkeit der Übernahme [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] die Nachfrage nach Übernahme[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] definiert.

Somit ist: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] entspricht [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], welches die Standartdefinition einer Elastizität ist.

Lass [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] sein. („m“ steht für Monopol) Preisbildung bei Monopolen führt in der Regel zu Ineffizienz.

Jeder Monopolist setzt den höheren Preis [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], um Verlustgeschäfte zu vermeiden.

Im Grunde kann man [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] als Transaktionskosten betrachten welche gegebenenfalls effiziente Übernahmen behindern.

3.2 Das bestehende Management ist nicht kreditwürdig

Auch hier spielt die Heuschrecke zunächst keine Rolle. Der Unternehmer hat zunächst einmal die Aufgabe die Investoren zu befriedigen.

Wir stellen dies im Zusammenhang mit dem fixed-investment-Modell folgendermaßen dar: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Der Unternehmer wählt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] um folgende Maximierung zu erreichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Einfluss von Übernahmen auf das Management

Manne[2] vertrat die Meinung, dass eine schwache Performance des Managements den Unternehmenswert senkt oder es sich nicht so entwickelt, wie dies bei einer anderen Unternehmensstrategie zu erwarten wäre. Dies ermöglicht es einem anderen Unternehmen, der Heuschrecke, das Unternehmen aufzukaufen, das Management zu ersetzen und das Unternehmen zu sanieren.

Aus dieser Beobachtung ist auch die These von der Kontrolle des Managements durch den Kapitalmarkt (“market for corporate control”) entwickelt worden[3].

Ein weiterer Einfluss, der von drohenden Übernahmen ausgeht, ist die daraus resultierende Kurzsichtigkeit des Managements, der „Myopie“.

4.1 Übernahmen führen beim Management zu „Myopie“

Stein [4] erklärt in diesem Modell, weshalb Übernahmen zu kurzsichtigem Verhalten von Managern führen können.

Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass Manager besser als der Kapitalmarkt über die künftigen Ertragsaussichten des Unternehmens informiert sind. Gerade Unternehmen, deren Projekte große Zeithorizonte haben oder hohen Vorfinanzierungen unterliegen, unterliegen daduch der Gefahr unterbewertet und zum Opfer von Übernahmen zu werden. Um dies zu vermeiden, würden Managements solcher Unternehmen entweder zu Übernahmehindernissen greifen oder aber kurzfristige Projekte bevorzugen. Demnach müssten also z. B. Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen für langfristige Projekte vorzugsweise in vor Übernahmen geschützten Unternehmen anzutreffen sein.

Gerade bei drohenden Übernahmen führt Myopie also dazu, dass das Management kurzfristige Projekt den langfristigen vorzieht und somit indirekt verhindert, dass nach Übernahmen die neue Unternehmensführung davon profitiert. Das bestehende Management verhindert also auch mit ihrem Verhalten, profitable Geschäfte was wiederum die Wahrscheinlichkeit für eine Übernahme senkt.

[...]


[1] Theodor Baums Feindliche Übernahmen und Managementkontrolle (S.4)

[2] Manne, Mergers and the Market for Corporate Control, in: Journal of

Political Economy 73 (1965), S. 110 - 120.

[3] Mathis, Mechanismen zur Kontrolle von Managern in großwen Kapitalgesellschaften. Diss. rer.pol. Saarbrücken

1992 S. 65 - 104

[4] Stein, Takeover Threats and Managerial Myopia, in: Journal of Political Economy 96 (1988) S. 61 ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640133062
ISBN (Buch)
9783640134854
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113090
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – VWL
Note
2.3
Schlagworte
Management Applied Microeconomics

Autor

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Titel: Übernahmegeschäfte - ein kurzer Überblick