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Objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse: Interview mit einem Drogenabhängigen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 41 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Strukturanalyse des Interviews
2.1 Analyse der Interviewfrage
2.2 Analyse der Antwort

3 Fallstrukturhypothese

4 Kurzüberprüfung der Fallstrukturhypothese
4.1 Analyse einer neuen Textsequenz
4.2 Bestätigung der Fallstrukturhypothese
4.2.1 Analyse einer weiteren Textstelle
4.2.2 Bestätigung der Fallstrukturhypothese

5. Widerlegung der Fallstrukturhypothese

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Drogenabhängigkeit stellt ein beträchtliches Problem unserer heutigen Zeit dar. Alleine in der EU zählt man zurzeit knapp 2 Millionen „problematischer“ Drogenkonsumenten – lässt man die Dunkelziffer außer Betracht. Nach Schätzung der DHS (Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren) sind ca. 5% der deutschen Bundesbürger suchtkrank, davon sind 0,15 Millionen abhängig von illegalen Drogen, wie Heroin, Kokain, LSD und Cannabis. Jedes Jahr sterben etwa 2.000 Menschen an nicht zugelassenen Drogen in Deutschland. Vor allem bei Jugendlichen hat der Konsum einen historischen Höchststand erreicht. Zwar kann eine fallende Tendenz des Verkaufs und des Konsums bei Cannabis beobachtet werden, die gefährlicheren Partydrogen wie Extacy und andere synthetischen Stoffe gewinnen jedoch immer mehr an Beliebtheit.

Auch die steigende Zahl der HIV/Aids-Kranken unter den Rauschmittelkonsumenten ruft in mehreren EU-Staaten zunehmende Besorgnis hervor. Nicht nur führen die Konsequenzen des Drogenmissbrauchs zu sehr erschreckenden und tragischen Einzel­schicksalen; auch birgt das Drogenproblem eine Bedrohung für die Sicherheit und Gesundheit der restlichen Bevölkerung. In Europa zählt der Kampf gegen Drogen – illegaler wie auch vor allem legaler Rauschmittel – zu einem der wichtigsten Anliegen. Ziel ist es, auf allen Ebenen gegen illegalen Drogenhandel und -konsum vorzugehen. Der EU-Drogenaktionsplan sieht einen Prozess zur Verhinderung von Drogen­abhängigkeit vor, was durch bessere Vermittlung von Drogenpräventionsprogrammen an Schulen und anderen Einrichtungen, durch verbesserte Früherkennungsverfahren und gezieltere Einsätze der Medien erreicht werden soll. Wie aber gegen die hohe Zahl der bereits Abhängigen vorgehen? Einrichten von Fixerstuben, Abgabestellen von sterilen Spritzbestecken, Methadonsubstitutionsprogramme und anonyme Drogenberatungs­stellen können sicherlich zur Verminderung von Infektionen und Drogenkriminalität beitragen. Ob diese Vorrichtungen den Suchtkranken jedoch beim Kampf gegen ihre Abhängigkeit hilfreich sind, muss als eher zweifelhaft betrachtet werden. Es sollte ein Weg gefunden werden, auf dem Menschen, die zum Teil schon viele Jahre einer Sucht unterliegen, erfolgreich unterstützt werden können.

Diesbezüglich stellt sich zunächst die Frage, welche Lebensumstände für den Drogenmissbrauch ausschlaggebend sind. Laut WHO (Welt Gesundheits-Organisation) ist eine Droge eine Substanz, die dem Menschen hilft, seine Probleme und Unzufrieden­heiten zu verbergen, anstelle sich der Wirklichkeit zu stellen. Wesentlich scheint also eine Stimmungsänderung zu sein, die mit der Einnahme einer Droge hervorgerufen wird. Der Konsument verschafft sich emotionale Zustände wie Euphorie und andere Glücksgefühle, die in der Realität nicht existieren und errichtet sich mit Hilfe der Drogen eine angestrebte Welt. Mittels der Rauschmittel wird also versucht, der sozialen Wirklichkeit zu entfliehen, indem eine eigene Realität, eine Traumwelt aufgebaut wird. Wäre es anderen Menschen objektiv möglich, einen Blick in diese irreale geschaffene Welt der Suchtkranken zu werfen und dadurch ihre Vorstellung der Realität besser verstehen und nachvollziehen zu können, so wäre es möglicherweise einfacher, dem abhängigen Menschen zu helfen, seiner unechten Welt zu entfliehen. So wäre es vielleicht realisierbar, ihn dabei zu unterstützten, die von ihm erwünschte Realität in der sozialen Wirklichkeit ohne Drogen aufzubauen, anstelle mit Hilfe von Rauschmitteln in eine andere entfliehen zu müssen.

Die vorliegende Arbeit hat sich aus diesem Grund zum Ziel gemacht, anhand einer durchgeführten Fallanalyse der Frage nachzugehen, wie diese Realitätsvorstellung von drogenabhängigen Menschen aussieht. Bei dem verwendeten Textmaterial handelt es sich um ein biografisches Interview. Die Befragung fand im Mai 2005 in einem Drogenhilfezentrum in Mainz statt. Diese Einrichtung bietet Menschen mit Drogen­problemen eine vierwöchige Übernachtungsmöglichkeit und Beratungsgespräche an.

Das Interview wurde dort von einer Mitarbeiterin vorgenommen. Befragt wurde eine männliche drogenabhängige Person von 45 Jahren, welche die Einrichtung für einige Zeit aufgesucht hatte.

Die Analyse dieses Protokolls wird im Folgenden mittels des objektiv-hermeneutischen Verfahrens vorgenommen.

2 Strukturanalyse des Interviews

2.1 Analyse der Interviewfrage

Frage (Interviewer): Wie ist es gekommen, dass du drogenabhängig geworden bist? Erzähl mir das bitte von Beginn bis heute.

Auffällig ist zunächst, dass der Interviewer den Probanden mit „ du“ adressiert. Mittels dieser persönlichen Anrede eröffnet sich die Frage, ob zwischen den beiden eine vertraute Beziehung und Nähe besteht, da sonst zu erwarten wäre, dass der Interviewer stattdessen „Sie“ benutzen würde. Die Verwendung des „du“ könnte aber auch darauf hinweisen, dass sich der Interviewer dem Befragten gegenüber überlegen fühlt und sich eher respektlos verhält, indem er sich sein Gegenüber durch diese Anrede praktisch unterstellt. Diese Vermutung würde sich auch in dem Adjektiv drogenabhängig widerspiegeln, das der Interviewer gleich zu Beginn zur näheren Beschreibung des Interviewte verwendet. Die Verwendung des Wortes „drogenabhängig“ verleiht dem Befragten einen schwachen und etwas unterwürfigen Charakter, da „Abhängigkeit“ andeutet, dass ein Mensch ohne eine gewisse Sache nicht existieren kann. Anstelle dieses Ausdrucks hätte der Interviewer die Frage auch anders formulieren können wie beispielsweise: „ Wie ist es gekommen, dass du drogenkrank geworden bist?“ Bei einem Alkoholiker ist beispielsweise „alkoholkrank“ eine gängige Formulierung.

Die Sequenz als Ganze gesehen macht eher einen negativen, unheilvollen Eindruck. Beginnt ein Satz, so wie das hier der Fall ist mit „ Wie ist es gekommen, dass …“, wird weiterhin eher ein negativer Verlauf erwarten, wie z.B.: „ Wie ist es gekommen, dass er gestorben ist ?“ Oder: „ Wie ist es dazu gekommen, dass sie dich verlassen hat ?“. Die Sequenz bekommt einen drohenden Charakter durch die Verwendung der Wörter „ es gekommen“. Zu diesem Zeitpunkt ist noch völlig unklar, was mit „ es gemeint ist, was „es“ in diesem Satz darstellt und welche Funktion „es“ hat. Da „es“ jedoch in Zusammenhang mit „gekommen“ steht, wird diesem unbekannten „es eine aktive Rolle zugeschrieben. Es ist nicht möglich einzuschätzen, worum es sich nun konkret bei dem „es handelt, was dazu führt, dass der Satz auf negative Art und Weise wirkt. Es scheint fast, als wäre dieses „es“ nicht aufhaltbar ist und den Abhängigen bedroht.

Dieser „aktiven“ Teilsequenz „Wie ist es gekommen,…“ steht die zweite Hälfte des Satzes gegenüber: „…, dass du drogenabhängig geworden bist?“. Das „ du“ scheint hier das Gegenstück zum „es in der vorangegangenen Sequenz zu sein, was allerdings durch die verbale Passivform „ geworden bist“ viel schwächer und machtloser wirkt. Mit dieser Eingangssequenz entsteht somit frühzeitig der Eindruck, dass der Interviewte von passiver Natur ist und von einem „es in seinem Leben, sei dies ein Mensch, ein Gegenstand oder eine Situation, gesteuert und in seinem Handlungsvermögen beeinträchtigt wird.

Die anfängliche Vermutung, der Interviewer könnte sich seinem Gesprächspartner gegenüber herablassend verhalten, scheint nach der nächsten Sequenz an Kraft verloren zu haben. „ Erzähl mir das“ klingt keineswegs überheblich, vielmehr signalisiert der Interviewer sein persönliches Interesse an seinem Gegenüber mit dessen Problem. Die sehr persönliche Aufforderung an den Interviewten, aktiv zu werden und zu erzählen, wird durch das „ bitte“ zu einer höflichen, respektvollen Anfrage aufgewertet. Dem Interviewer könnte höchstens mit dieser Frage unverhältnismäßige Neugierde vorge­worfen werden, was aber in dieser Eingangssequenz unbestätigt bleibt. Unterstrichen wird die Vermutung des persönlichen Interesses durch die Verwendung des Wortes „ erzähl“, denn genauso gut hätte er die Frage auch anders formulieren können: „Berichte mir das bitte.“ Hätte der Interviewer in der Frage das Verb „erzählen“ mit „berichten“ ersetzt, so hätte diese in der Hinsicht eine andere Bedeutung bekommen: in einem Bericht geht es eher um das Informieren über objektive Daten. „Erzählt“ eine Person jedoch etwas, so geht es höchstwahrscheinlich um eine subjektive Sichtweise, um persönliche Anliegen. Der Interviewer scheint also an seinem Gegenüber persönlich interessiert zu sein und nicht an irgendwelchen allgemeineren Fakten zur Drogenszene.

Dieses Interesse wird weiterhin auch durch das „ mir“ unterstrichen, da er sich seinem Gegenüber als direkten Ansprechpartner anbietet. Dies lässt die Vermutung aufkommen, dass Interviewer und Interviewter möglicherweise vor dem Interview schon miteinander bekannt waren. Es ist nämlich eher unüblich, sich für eine fremde Person in höherem Maße einzusetzen, es sei denn, es gehört zum Aufgabenbereich des Interviewers, was dann auf dessen berufliche Beziehung mit dem Befragten hinweisen würde.

Adäquat zu dem vorangehenden „es“ wirkt in dieser Sequenz das „das“. Immer dringlicher stellt sich nun die Frage, was zu umschreiben versucht wird. Es könnte geargwöhnt werden, dass ein Problem nicht benannt werden soll, eventuell aus Tabu-Gründen. Der Interviewer vermeidet es jedenfalls, nähere Umstände zu benennen.

„Von Beginn bis heute“ lässt darauf schließen, dass das Problem zum Zeitpunkt des Interviews, also „ heute“, noch aktuell ist. Unklar ist jedoch der Zeitpunkt des Beginns; damit könnte sowohl z.B. die Geburt des Interviewten gemeint sein, als auch ein Auslöser, wie beispielsweise ein Fremdeinfluss.

2.2 Analyse der Antwort

Antwort (Interviewter): (lachend) Also, ...

Der Interviewte startet mit einem sprachlichen Doppelpunkt, der ihm zum Zeitgewinn (Nachdenken) dienen könnte und zeigt damit auch, dass er bereit ist, etwas auf die vorangegangene Frage zu erwidern. Das Lachen kann den Zeitgewinn verlängern und kann ebenso Unsicherheit bedeuten. Es kann darauf hinweisen, dass der Interviewte sich auf die Antwort freut und gerne antwortet. Vielleicht zeigt er auch Sympathie für sein Gegenüber.

Anschlussmöglichkeiten:

Option 1: Der Interviewte entzieht sich der gestellten Frage, weil er keine Zeit hat („Also, ich hab jetzt leider keine Zeit für ein Interview . ),

oder weil er keine Lust hat („ Also , ich hab jetzt gar keine Lust Fragen zu beantworten.“),

oder weil er sich bedroht fühlt („ Also, das ist mir zu privat, das geht keinen was an.“).

Option 2: Der Interviewte möchte eine genauere Frage gestellt bekommen („ Also, was willst Du jetzt genau wissen?“).

Option 3: Der Interviewte möchte noch etwas zu den Hintergründen des Interviews erfahren („ Also, was passiert mit dem was ich Dir erzähle?“).

Option 4: Der Interviewte antwortet direkt auf die gestellte Frage indem er seine Lebensgeschichte von Anfang an erzählt („ Also, als ich geboren wurde...“),

oder von konkreten Ereignissen/Personen erzählt auf die seine Drogenabhängigkeit zurückzuführen sind („ Also, damals bei den Problemen mit meinen Eltern ...“).

..., es hat so schon angefangen, ...

Mit „ es “ hat der Interviewte eine passive Formulierung gewählt. Er spricht in der dritten Person und benennt nichts Konkretes, was angefangen hat. Wahrscheinlich hat er das „es“ aus der Frage übernommen („Wie ist es gekommen ...?“). Aber das „gekommen“ hat er nicht aufgegriffen, sondern „ angefangen “ benutzt. „Angefangen“ hat etwas Prozesshaftes. Etwas hat angefangen und ist noch im Gange, wobei keine Person unmittelbar aktiv ist. Auffällig ist die Satzstellung mit „ so schon “. „Schon“ könnte einen zeitlichen Hintergrund haben („ ..., es hat so früh angefangen, ...“). „So“ könnte zu einer näheren Erläuterung („. .., es hat auf folgende Art und Weise angefangen.“) hinleiten.

Anschlussmöglichkeiten:

Option 1: Der Interviewte wird nun konkret und erläutert was angefangen hat („ ..., es hat so schon angefangen, dass ich erst ab und zu Drogen nahm“) oder wann er damit angefangen hat („ ..., es hat so schon angefangen, dass ich in jungen Jahren Drogen nahm.“).

Option 2: Der Interviewte ist nicht in der Lage eine Antwort auf die Frage zu geben, weil er die Antwort nicht kennt („ ..., es hat so schon angefangen, ach ich weiß auch nicht genau wie...“), oder keine Antwort geben möchte („. .., es hat so schon angefangen, darüber will/kann ich nicht sprechen.“).

Option 3: Der Interviewte beendet die Antwort schnell und versucht das Thema zu wechseln („ ..., es hat so schon angefangen, wie das eben so ist. Magst Du Autos?“).

..., hmm, also,...

Erneut benutzt der Interviewte einen sprachlichen Doppelpunkt „ also “. Vielleicht muss er noch seine Gedanken sammeln. Das „ hmm “ deutet auf Nachdenken oder Verlegenheit hin.

Anschlussmöglichkeiten:

Option 1: Er braucht noch etwas Zeit bis er die Antwort klar formuliert hat („ ..., hmm, also, lass mich mal nachdenken.“) oder er ist (sich) unsicher („ ..., hmm, also, ich weiß gar nicht so genau wie das war.“).

Option 2: Möglicherweise ist er mit der Frage überfordert und braucht eine Pause („..., hmm, also, warte mal kurz“).

Option 3: Er bricht den Satz ab und versucht schnell das Thema zu wechseln („ ..., hmm, also, ist doch egal. Hast Du Hunger?“).

..., angefangen habe ich eigentlich mit fünfzehn.

In dieser Sequenz wechselt der Interviewte die Perspektive. Er spricht von sich selbst als aktive Person („ich habe angefangen“) und wählt keine passive Formulierung („es hat angefangen“). Mit dem Adverb „ eigentlich “ relativiert er seine Aussage. Er ist sich vielleicht unschlüssig über den Zeitpunkt „ mit fünfzehn “, weiß nicht genau, ob er eventuell schon früher oder erst später angefangen hat. Das eigentlich könnte sich auch auf das „ich habe angefangen“ beziehen. Er möchte relativieren, dass er nicht selbst dabei handelte, sondern nur passiv daran beteiligt war. Das passt auch zu der vorher verwendeten Form „es hat angefangen“. Es wird nichts gesagt über die Hintergründe, was mit fünfzehn für ihn ausschlaggebend war, um mit etwas anzufangen (wahrscheinlich Drogen zu nehmen). „Mit fünfzehn“ verweist auf einen Punkt in der Pubertät, der ein Symbol für Umbruch und Entwicklung darstellt.

Anschlussmöglichkeiten:

Option 1: Der Interviewte könnt jetzt erzählen was mit fünfzehn bei ihm besonderes vorgefallen ist („ ..., angefangen habe ich eigentlich mit fünfzehn. Da hatte ich zu Haus viele Probleme.“).

Option 2: Er könnte nun näher erklären, mit was er mit fünfzehn angefangen hat („ ..., angefangen habe ich eigentlich mit fünfzehn. Da fing ich an regelmäßig Drogen zu nehmen.“).

Option 3: Er könnt seine Relativierung verstärken, dass er nicht schuld ist („ ..., angefangen habe ich eigentlich mit fünfzehn. Aber eigentlich war ich das nicht selbst, sondern wurde da reingezogen.“),

oder er relativiert den Zeitpunkt weiter („ ..., angefangen habe ich eigentlich mit fünfzehn. Nein, das war eigentlich viel später/früher.“).

Es fing mit dem Zigarette rauchen an, ...

Der Interviewte fällt wieder in seine passive Formulierung „ es “ zurück. Scheinbar hat er bisher Entscheidungen für sein Leben nicht selbst in die Hand genommen. Er hat diese Fähigkeit nie besessen oder sie ist ihm abhanden gekommen. Auch benutzt er wieder das prozesshafte „anfangen“. Es ist etwas ins Rollen gekommen, das nicht gestoppt werden kann. Dieses Hin- und Herspringen zwischen den Perspektiven ist ein Sucht­merkmal. Einmal sind die Abhängigen sie selbst, und dann plötzlich sind sie von etwas besessen. Auffallend ist „ mit dem Zigarette rauchen “ und nicht zum Beispiel „ mit dem Rauchen von Zigaretten“ oder „mit rauchen“. Diese Form weist auf etwas Symbolisches hin, etwas Schlechtes, das ihn bei seinen Entscheidungen beeinflusst.

Anschlussmöglichkeiten:

Option 1: Der Interviewte berichtet nun wie es weiter ging („ Es fing mit dem Zigarette rauchen an, später nahm ich auch andere Drogen.“).

Option 2: Er erzählt Näheres zu den Umständen („ Es fing mit dem Zigarette rauchen an, das haben damals alle gemacht, das war ‚in’.“).

..., dann kam der Haschisch ...

Diese Sequenz ist durch „ dann “ zeitlich an die voran gegangene geknüpft. Eine Abfolge, eine nüchterne Aufzählung ohne zu erkennende Emotionen. Dinge treten in das Leben, man kann nichts dagegen tun, nicht selbst bestimmen, es nur passiv geschehen lassen. „ Der Haschisch “ wird in personifizierter Form erwähnt. Ähnlich wie „das Zigarette rauchen“ kommt hier noch stärker das Symbolische durch.

Anschlussmöglichkeiten:

Option 1: Der Interviewte könnt die Aufzählung fortsetzen („ ..., dann kam der Haschisch und dann die richtig harten Drogen.“).

Option 2: Es könnt auch mit einer genaueren Beschreibung weiter gemacht werden, zum Beispiel was der Haschisch für eine Bedeutung hatte („ ..., dann kam der Haschisch und der hat mir sehr geholfen meine Probleme zu vergessen.“).

... und dann der Alkohol.

Diese Reihenfolge ist etwas abweichend von der „Norm“. Alkohol wird selten bei einer Aufzählung von Drogen erwähnt, die in die Abhängigkeit führten. Und wenn, dann eher zu Anfang, da Alkohol eher zugänglich ist und ein akzeptiertes Rauschmittel in der Gesellschaft ist. Alkoholiker sind selten gleichzeitig von anderen Drogen abhängig und zeigen verschieden Krankheitsbilder. In dieser Sequenz währe eher die Aufzählung von „richtigen“ Drogen wie zum Beispiel Heroin zu erwarten gewesen.

Anschlussmöglichkeiten:

Option 1: Die Aufzählung der Drogen, die in die Abhängigkeit geführt haben, geht weiter („ ... und dann der Alkohol. Weiter ging es dann mit den härteren Sachen.“).

Option 2: Es wird berichtet, warum es zu der Einnahme der genannten Drogen kam („ ... und dann der Alkohol. Diese Drogen halfen mir allen Scheiß zu vergessen.“).

Option 3: Der Interviewte erzählt, was so besonderes an Alkohol für ihn war, warum er am Ende der Kette steht („ ... und dann der Alkohol. Und mit dem ging es mir richtig gut. Der hat mir geschmeckt.“).

Man hat es in der Schule kennen gelernt. (kurze Pause)

Mit „ man “ verallgemeinert der Interviewte seine Person. Er tut so, als wären Drogen für die Schule grundsätzlich normal, so als ob jeder in der Schule Drogen kennen lernen würde. Das lässt eventuell auf eine Schule mit nicht gerade gutem Ruf schließen und lässt zudem einiges über das Umfeld vermuten.

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Details

Seiten
41
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640132324
ISBN (Buch)
9783640134816
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113070
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Pädagogisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse Interview Drogenabhängigen Objektive Hermeneutik Methode Methodologie

Autor

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Titel: Objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse: Interview mit einem Drogenabhängigen