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Außenpolitik im Mittelalter

Wie gestaltete sich im Heiligen Römischen Reich die Wahrnehmung der Beziehungen zu anderen Herrschaftsgebieten Europas?

Seminararbeit 2004 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.0 Verständigung über Begrifflichkeiten
1.1. Definition und Voraussetzungen für Außenpolitik
1.2 Untersuchungsgegenstand Mittelalter
1.2.1 Zeitrahmen
1.2.2 Geographische Beschränkung

2.0 Herrschaftsträger und Herrschaftszentren im Mittelalter
2.1. Kaiser, Könige, Kronvasallen - Der Feudalstaat
2.2. Gemeinsamkeiten im Regierungsbetrieb zwischen den Herrschaftsträgern
2.2.1 Katholische Kirche und Papsttum
2.2.2 Der Hofstaat
2.2.3.Konzilien und Reichstage

3.0 Ausgewählte Mittel der Außenpolitik im Mittelalter
3.1. Kriege und Militär
3.2 Allianzbildung durch Heiratspolitik
3.3 Wirtschaftliche Restriktionen
3.3.1 Ein Beispiel: Die Hanse
3.4 Diplomatie durch Gesandtschaften

4.0 Zusammenfassung / Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit stellt sich der Frage inwieweit das, was wir heute als Außenpolitik verstehen, in der vormodernen Epoche des Mittelalters existierte und welche Formen dabei Ausprägung fanden. Dabei dienen als Ausgangspunkt zum einen die Ausarbeitungen eines Referates zum Thema Mittelalter, dass im Rahmen dieses Seminars von mir gehalten wurde und zum anderen die Grundüberlegungen innerhalb des Seminars über Formen von Staatlichkeit in den Kategorien Vormoderne, Moderne und Postmoderne.

Ziel einer solchen Hausarbeit kann nur eine kurze überblickartige Darstellung des Themas sein, dass den Leser in Grundlegende Überlegungen einführt. Deshalb werde ich mich bei meinen Ausarbeitungen im Kern auf das Heilige Römische Reich beschränken. Dessen Beziehungen zu den Regionen, die nach heutigem Verständnis als Abendland bezeichnet werden, sollen im folgenden beschrieben und ein Vergleich zum heutigen Begriff der Außenpolitik hergestellt werden.

Bei meiner Recherchearbeit stützte ich mich auf zwangsläufig auf Sekundärliteratur aus dem historisch- geschichtlichen Bereich. Dabei möchte ich anmerken, dass die Verwendung dieses Materials sich von der politikwissenschaftlichen Materials in Sprache, Vokabular und Vorraussetzungen an den Leser unterscheidet. Die Kombination dieser beiden Wissenschaftsströmungen stellt die Herausforderung bei der Annäherung an meine Fragestellung dar. Historisches Wissen, Kenntnis originärer Quellen und Vertrauen auf deren Übersetzung aus dem Mittelhochdeutschen bzw. Lateinischen wird auf Theoriemodelle der Politikwissenschaft angewandt.

Deshalb möchte ich zu Beginn der Abhandlung Begriffe aus beiden Bereichen erläutern, um somit für den Leser eine gemeinsame Ausgangsposition zu schaffen. Im weiteren Verlauf finde ich es sehr wichtig, sich der Frage der Herrschaftsgestaltung dieser Epoche allgemein zu stellen. Erst nachdem geklärt ist wer zur Machtausübung legitimiert oder in der Lage ist, kann man sich der Frage nach deren Ausprägungsformen oder den einzelnen Mitteln insbesondere im Blick auf die äußeren Beziehungen beantworten. Die Darstellung der außenpolitischen Mittel der damaligen Zeit zum Ende der Arbeit sollen dazu dienen mein Verständnis zur Beantwortung der Fragestellung zu begründen. Kern bildet dabei folgende Hypothese, die ich dieser Arbeit voranstellen möchte:

Obwohl sich Staatlichkeit nach heutigem Verständnis während des Mittelalters kaum verorten lässt und sich bestenfalls zu entwickeln begann, betrieben Machtträger der damaligen Zeit das, was wir heute als Außenpolitik von Staaten bezeichnen.

1.0 Verständigung über Begrifflichkeiten

1.1. Definition und Voraussetzungen für Außenpolitik

Im Studium der Politik-/ Verwaltungswissenschaft ist ein unumstrittenes Teilgebiet der Bereich der Internationalen Politik und Internationalen Beziehungen. Schnell ist man beim Versuch der Beschreibung dieses Bereichs bei tagesaktuellen oder Beispielen aus der jüngeren Geschichte angelangt.

In Vorlesungen und Schriften über die Entwicklung der Internationalen Beziehungen wird einem oft ein historischer Überblick über das 20. Jahrhundert geboten. Nähert man sich dem Untersuchungsgegenstand aus theoriegeleiteter Perspektive wird schnell klar warum es sich so und nicht anders verhält. das Verständnis der Internationalen Beziehungen ist stark mit der Definition und Existenz von Nationalstaaten verwebt.[1] Die heutige politische Gliederung der Welt ist maßgeblich während dieses Zeitraumes entstanden, so dass diese Betrachtungsweise für die Politikwissenschaft sinnvoll ist. Eine Begründung hierfür ist denkbar logisch und einfach. Durch die Schaffung starr abgegrenzter Territorien der einzelnen Staaten konnte überhaupt erst so etwas wie eine Außenpolitik entstehen. Außenpolitik in diesem Sinne betrachtet daher das Handeln der politischen Akteure. Die vorher fehlende Abgrenzbarkeit macht (etwas zugespitzt formuliert) nach diesem Verständnis alles zu innenpolitischen Angelegenheiten.

Die Diskussion verläuft in diesem Zusammenhang dicht mit der Frage nach epochaler Einteilung einher. Das Verständnis von Vormoderne als Zeitalter ohne oder sich in Ansätzen entwickelnder Nationalstaaten, die Moderne als Zeitalter der Nationalstaaten und die Postmoderne als Phase des sinkenden Einflusses oder gar Bedeutungsverlust der Nationalstaaten harmonieren ebenfalls mit diesem Theoriemodell.[2]

Was sind also die Merkmale von Außenpolitik? Die Konkurrenz zwischen Staaten und ihr jeweiliges Streben nach Nutzenmaximierung schaffen auf verschiedensten Ebenen Abhängigkeiten und Verflechtungen, sei es, weil ein Gegenstand von mehreren Staaten beansprucht wird oder sie sich im Austauschprozess von Waren, Dienstleistungen etc befindlich sind. Die jeweilige Reaktion auf ein Problem durch die beteiligten Akteure wird dabei als Außenpolitik verstanden. Teilgebiete sind daher auch Handels-, Zoll-, Militär- oder Entwicklungspolitik.

Ursprünglichste Form der Konfliktregulierung ist der Kampf oder der Krieg, jedoch entwickelten sich auch politische Lösungsansätze, die man unter dem begriff der Außenpolitik zusammenfassen kann. Die Wahrnehmung ist auf stärkste mit den Begriffen Außenministerium und Diplomatie verknüpft. Die Einrichtung von Vertretungen und Botschaften oder die Entsendung von Gesandten zur Vertretung der eigenen staatlichen Interessen ist dabei die Basis. Kommunikation zwischen den Machtträgern wird zur Grundlage jeglicher Außenpolitik erhoben.

Die Weiterentwicklung dieses Systems von Vertretungen und Gesandten stellen internationale und supranationale Organisationen dar. Diese nehmen oftmals die Funktion einer Interessenaggregation (z. Bsp. NATO - gemeinsames Interesse: Schutzbedürfnis) war oder dienen dem Ausgleich der verschiedenen nationalstaatlichen Interessen (zum Beispiel: Europäische Union versucht einheitliche Außenpolitik zu gestalten, obwohl Nationen unterschiedliche Prioritäten haben).

Zusammenfassend für die weitere Arbeit möchte ich daher die Kommunikation der Herrschenden über Gesandte und Vertreter und die Nutzung übergeordneter Organisationen und Institutionen als entscheidende Merkmale der Außenpolitik festhalten.

1.2 Untersuchungsgegenstand Mittelalter

Der Begriff des Mittelalters ist ein Ergebnis der humanistischen Bewegung zum Ende des 15. Jahrhunderts. Damals ging man davon aus, dass diese "dunkle" Epoche durch einen Verfall von Kultur und Bildung gekennzeichnet war und sich daher deutlich von den Errungenschaften der antiken Geisteswissenschaften abgrenzte. Erst die Wiederentdeckung antiker Traditionen in der Renaissance stellte in damaliger Vorstellung einen Wendepunkt dar.

1.2.1 Zeitrahmen

Was war nun aber genau das Mittelalter? Wann fing es an und wann endete es? Zu diesen Fragen gibt es mehrere Antworten, da der Umfang dieser Epoche etwa ein Jahrtausend umfasst. Als möglicher Beginn des Mittelalters wird das Ende der Völkerwanderungen in Europa angesehen. Die Völkerwanderungen fanden ca. 375 n. Chr. bis 568 n. Chr. statt und sind eng mit der beginnenden Christianisierung des europäischen Kontinents verbunden. Einig sind sich Historiker, dass das Mittelalter spätestens mit der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 768 n. Chr. begann. Bis zu diesem Punkt wird auch von der Phase des Frühmittelalters gesprochen.

Daran schließt sich die Phase des Hochmittelalters an. Die Herrschaft König Ottos I und seine Kaiserkrönung zum Herrscher über das Heilige Römische Reich im Jahr 962 n. Chr. sind hier als Eckdatum zu nennen. Gleichzeitig wird nochmals deutlich, das die Begriffe Mittelalter und Mittelalterforschung stark mit dem zentraleuropäischen Kontinent verbunden sind, was nicht heißen soll, das andere Regionen der Welt in dieser Zeit keinerlei Entwicklung erfahren haben. Die regionalen Grenzen werden daher im nächsten Gliederungspunkt von mir näher ausgeführt.

In die Phase des Hochmittelalters sind auch Ereignisse wie die Reconquista in Spanien (1043 n. Chr. - 1099 n. Chr.) , die Kirchenspaltung in Ost- und Weströmische Kirche, dass so genannte Morgenländische Schisma (1054 n. Chr.), und die sieben Kreuzzüge, d. h. jene Kriegszüge der abendländischen Christenheit ab 1095 n. Chr. bis 1270 n. Chr. zur Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes von der Herrschaft der („Ungläubigen”) Mohammedaner, einzuordnen.

Die Einteilung des Mittelalters in Phasen endet mit der Zeit des so bezeichneten Spätmittelalters. Als Beginndatum kann hier stellvertretend die "Magna Charta" von 1215 n. Chr. festgehalten werden. Sie stellt im damaligen Verständnis von Herrschaft einen entscheidenden Wendepunkt dar, in dem mit dieser Urkunde ein Fundament für die Entwicklung konstitutioneller Freiheitsrechte geschaffen wurde. Zweites wichtiges Dokument jener Zeit ist die "Goldene Bulle" Kaiser Karls IV. von 1356, das wichtigste Reichsgrundgesetz des Heiligen Römischen Reiches. Diese Urkunde regelte erstmals die Königswahl durch die zu wahlberechtigten Kurfürsten ernannten Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, den König von Böhmen, den Pfalzgraf bei Rhein, den Herzog von Sachsen-Wittenberg und den Markgraf von Brandenburg. Sie sicherte den Kurfürsten Privilegien wie Bergwerks-, Münz- oder Salzhoheit.[3]

Als Endpunkt der mittelalterlichen Epoche können mehrere alternative Daten durch die jeweiligen Vertreter begründet werden. Einige sehen in der Entdeckung Amerikas durch Columbus im Jahr 1492 n. Chr. ein Datum, dass die Begrenztheit der Politik auf Europa beendet und somit eine neue Epoche einleitet. Gerade bei einer Untersuchung außenpolitischer Fragen wäre diese Überlegung sicher sinnvoll.

Auch die Geschehnisse um Luther im Jahr 1517 n. Chr. sind ein solch markantes Datum, dass als Endpunkt dieser Zeit gesehen und begründet werden kann, spielte doch die katholische Kirche bisher eine der zentralen Rollen und wird nun in ihren Grundfesten durch die Reformation in Frage gestellt.

Auch mein drittes Beispiel für einen markanten Endpunkt des Mittelalters hängt mit der Reformation zusammen. Der Dreißigjährige Krieg ist das Ergebnis der Religionskonflikte in Folge der Reformationsbewegungen. Sein Ende im Jahr 1648 mit dem Westfälischen Frieden stellt unbestritten das späteste annehmbare Ereignis des Mittelalters dar. Dessen Inhalte blieben bis 1806 n. Chr. staatsrechtliche Grundbestimmungen im Heiligen Römischen Reich. Die bisherigen Herrschaftsstrukturen mit einer kaiserlichen Vormacht mussten einer Herrschaft der Territorialfürsten weichen, die unter anderem auch umfangreiche rechte bezüglich der Außen- und Bündnispolitik erhielten.[4]

[...]


[1]Vgl. Woyke, Wichard: Handwörterbuch Internationale Politik, 8. Auflage, Opladen: Leske+Budrich 2000,S. 1

[2] Vgl. Kobrin, Stephen, J.: Back to the Future: Neomedievalism and the Postmodern Digital World Economy, in Journal of International Affairs, 1998 Nr. 2, S 361 - 386

[3]Vgl. Valentin, Veit: Die Geschichte der Deutschen – Von den Anfängen bis 1945, Berlin: Pontes- Verlag, 1947,S. 118

[4] Vgl. ebd., S. 208

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640132188
ISBN (Buch)
9783640134762
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113051
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Wirtschafts-und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Außenpolitik Mittelalter Europäische Union Formen Organisation

Autor

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