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Die Römische Republik und der Ausbruch des Zweiten Makedonischen Krieges

Seminararbeit 2007 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Rom und der griechische Osten nach dem Vertrag von Phoinike 205 v. Chr.

3 Die Unterredung zwischen Philipp V. und Antiochos III.: Die Invasion Makedoniens
3.1 Die Situation verschärft sich: Der „Raubvertrag“
3.2 Die Invasion Makedoniens

4 Die Einmischung der Römer und der Ausbruch des II. Makedonischen Krieges

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

„[…] daß sie durch den Sieg über die Feinde nicht nur Lybien fest in ihre Hände bekommen, sondern auch die unbestrittene Herrschaft und Hegemonie über die übrige bewohnte Erde für sich und ihr Vaterland gewinnen würden […].“ (Polybios 200 v. Chr.-120 v. Chr.)[1]

Dieses aus der vom römischen Feldherren Publius Cornelius Scipio Africanus maior (236 v. Chr.-183 v. Chr.) im Vorfeld der Schlacht in der Nähe der Stadt Zama[2] im Jahre 202 v. Chr. gehaltenen Rede an seine Soldaten entnommene Zitat, offenbart die außenpolitischen Intentionen der Römer kurz vor dem Ende des dritten Jahrhunderts v. Chr.. Dieser Auszug vermittelt den Willen, die Römische Republik zu einen hegemonialen, auf Expansion ausgerichteten Macht zu etablieren. Tatsächlich kann man von einem Wandel der römischen Außenpolitik nach dem für sie fast vernichtend ausgegangenen Zweiten Punischen Krieg (218 v. Chr.-201 v. Chr.) sprechen, denn wie auch in dieser Untersuchung gezeigt werden soll, richtete sich ihre mit der Zeit immer ausgeklügeltere Diplomatie in Richtung einer Bildung einer Hegemonie bzw. in Manier einer expandierenden Weltmacht. Dabei ist nicht außer Acht zu lassen, dass sich die römische Diplomatie im westlichen Mittelmeergebiet von der im östlichen praktizierten gewiss erheblich unterschied; den westlichen Teil betrachtete man als barbarisch und unzivilisiert, dagegen empfanden die Römer die hellenistische Welt als die Wurzel der Zivilisation. Nach diesem Verständnis wurde auch die Außenpolitik der Römischen Republik konzipiert.

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Untersuchung der Ereignisse, die zum Ausbruch des Zweiten Makedonischen Krieges im Jahre 200 v. Chr. geführt haben. Unter dem Aspekt der Imperialismusfrage[3] soll hier eine Analyse der Hintergründe für die römische Einmischung im griechischen Osten während des Eroberungszuges des makedonischen Königs Philipp V. (238 v. Chr.-179 v. Chr.) gegeben werden. Die zu belegende These ist dabei die folgende: Die Einmischung Roms und, darauf folgend, die Eskalation des Zweiten Makedonischen Krieges basiert auf der gewollten Einflussnahme der Römer auf die griechischen Staaten mit den Mitteln der hegemonialen bzw. imperialen Kontrolle, welche die vertraglich festgelegte Unterordnung oder Kontrolle von „freien“ Verbündeten ohne festgeschriebene Abkommen implizierte. Die These von der defensiven Außenpolitik[4] im Hinblick auf die Vermeidung von Annexionen wird dabei in ihrer Geltung nicht gänzlich neutralisiert, denn die Angst der Römer vor einer erneuten Invasion als Folge des Einfalls Hannibals wirkte sich enorm auf ihre Diplomatie aus. Jedoch wird vielmehr, wie im folgenden gezeigt werden soll, die Theorie des bellum iustum mittels einer ausgeklügelten Diplomatie von den Römern aufgegriffen, um ihre Intervention im griechischen Osten rechtfertigen zu können. Zudem machte das Klientelverhalten der griechischen Staaten die römische Einmischung erst möglich und erleichterte somit die spätere Involvierung der Römer in den Konflikt.

Als Quellen werden für diese Arbeit Polybios’ universalgeschichtliches Werk Geschichte[5] und Livius’ Römische Geschichte[6] herangezogen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Livius als ein Vertreter der Annalistik gilt; für ihn liegt die natürliche Ordnung der Welt darin, dass die Römer zur Herrschaft über alle anderen Völker bestimmt sind.

Im ersten Abschnitt des Hauptteils dieser Arbeit wird das Verhältnis Roms zum griechischen Osten nach dem Abschluss des Vertrages von Phoinike im Jahr 205 v. Chr., welcher das Ende des Ersten Makedonischen Krieges (215 v. Chr.-205 V. Chr.) markierte,

dargestellt. Durch diese Skizzierung soll der kontextuelle Rahmen gesetzt werden, ohne dessen der Untersuchungsschwerpunkt dieser Arbeit, nämlich die Frage nach der Form des römischen Expansionismus beim Ausbruch des Zweiten Makedonischen Krieges, schwerlich analysiert werden kann.

Anschließend sollen im zweiten Teil die zentralen Ereignisse, die letztlich zum Eingreifen Roms geführt haben, oder es aus ihrer Sicht rechtfertigten, nämlich der Geheimvertrag zwischen Phillip V. und dem König des Seleukidenreiches, Antiochos III. (242 v. Chr.-187 v. Chr.), und der Eroberungszug Philipps V. nach Kleinasien dargestellt werden. Untersuchungsschwerpunkt sollen dabei die Reaktionen Roms auf diese Ereignisse sein.

2. ROM UND DER GRIECHISCHE OSTEN NACH DEM VERTRAG VON PHOINIKE 205 V. CHR.

Die Vorgeschichte des Zweiten Makedonischen Krieges ist unmittelbar verknüpft mit dem Frieden von 205 v. Chr., der dem Krieg zwischen Rom und Makedonien vorläufig ein Ende gab.[7] Es handelte sich hierbei um einen Separatfrieden, denn die Römer führten nach wie vor Krieg gegen Karthago wobei die römische Armee große Verluste im Laufe dieses Krieges um die Dominanz im Mittelmeerraum erlitt. Für Rom bedeutete dieser Frieden eine enorme Entlastung, da man bis dato einen Zweifrontenkrieg führte – der makedonische König unterstützte Karthago mit seinen Truppen.[8] Livius schreibt nämlich folgendes:

„Alle Tribus genehmigten ihn, weil der Krieg sich in Afrika zugewandt hatte und sie daher im Augenblick von allen anderen Kriegen befreit werden wollten.“[9]

Die Intention, einen Waffenstillstand zu schließen, ging von beiden Kriegsparteien aus; nachdem die Ätoler[10] den Bündnisvertrag mit Rom gebrochen und einen Sonderfrieden im Jahre 206 v. Chr. mit Makedonien geschlossen hatten, verlor Rom damit einen wichtigen Verbündeten im östlichem Mittelmeer; Philipp V. sah für seine Flotte keine Hoffnung die Römer zu besiegen.[11] Zudem waren viele griechische Stadtstaaten in der Ägäis aus seiner Sicht zu sehr an Rom gebunden, was es ihm unmöglich machte, eine breite Front gegen die Römer zu etablieren. Bei diesen Friedensverhandlungen nahmen außer den römischen Feldherren P. Sempronius auch Amynander, Athananen und andere Vertreter des Bundes der Epiroten und Akarnanen teil. Laut Livius sprach sich allerdings als erster Philipp V. für einen Frieden aus.[12] Somit brach dieser seinen Vertrag mit Karthago ohne eine vorherige Absprache mit seinem Bündnispartner getroffen zu haben.

Es wurde vereinbart, dass Rom die Parthiner, Dimallon und zwei andere Städte, nämlich Bargyllon und Eugenion, die die Landroute zwischen Epidamnus und Apollonia beschützten erhält. Philipp durfte Atintanien behalten, was ihm einen freien Zugang zu den strategisch wichtigen Städten Lissos und Scodra gewährleistete.[13]

Zudem wurden seitens Philipp V. Bithynien, die Achäer, die Böoter, die Thessaler, die Akarnanen und die Epiroten in den Vertrag als seine Bündnispartner aufgenommen, von Rom Ilion, Pergamon, Agron, Sparta, die Eleer, die Messenier und die Athener. Es ist allerdings zweifelhaft, inwiefern es sich bei der Aufnahme der Athener als amici nicht um eine annalistische Dublette handelte, um das spätere Einmischen Roms rechtfertigen zu können. De facto wurde durch diesen Vertrag ein status quo im östlichen Mittelmeer anerkannt, denn Rom stabilisierte seine Grenze nach Osten und der König von Makedonien sicherte sich im Westen ab. Folglich verlor Makedonien durch dieses Abkommen vorerst nicht den Status einer Hegemonie in der hellenistischen Welt. Anderseits ersuchte sich auch Rom, eine Art Protektorat über griechische Stadtstaaten zu errichten und zu diesem Zweck wurde zum Beispiel Athen als Bundesgenosse in dem Vertrag fixiert.

Interessanterweise berichtet Livius von einem für zwei Monate befristeten Waffenstillstand und nicht von einem dauerhaften Frieden; seine Intention lag darin, die Kontinuität zwischen dem Ersten und Zweiten Makedonischen Krieg zu zeigen: „Dies wurde niedergeschrieben und gesiegelt und ein Waffenstillstand für zwei Monate geschlossen […].“[14] Plausibel erscheint diese Kontinuität, da die Römer es dem König von Makedonien nicht verzeihen konnten, dass er an der Seite Karthagos gegen sie kämpfte, aber auch, weil sie auf Dauer die Existenz einer anderen Großmacht im Mittelmeer nicht akzeptieren konnten und deshalb nur vorübergehend einen Frieden mit Makedonien abschließen wollten. Somit erscheint Philipp V. erneut als ein potenzieller Gegner Roms. Dagegen spricht die Tatsache, dass die Römer nach dem oben erwähnten Ausscheiden der Ätoler aus der Allianz mit der Römischen Republik äußerst an einem Frieden mit Makedonien interessiert gewesen sind. Der Senat fand sich aufgrund des Krieges gegen Karthago und der damit zusammenhängenden fragilen Lage unter Druck gesetzt und es ist folglich schwer vorstellbar, dass Rom bereits beim Abschluss des Vertrages von Phoinike auf einen neuen Krieg aus war. Sicherlich empfanden es die Römer als ungünstig, den makedonischen König zwar militärisch geschwächt doch ohne richtige Strafe für seine Unterstützung Karthagos aus dem Krieg ziehen zu lassen, doch in dieser Situation war der Vertrag von Phoinike für sie die scheinbar beste Lösung.

[...]


[1] Zitiert nach: Polybios: Geschichte. Gesamtausgabe in zwei Bänden. Zweiter Band. Buch XV, 10. Zürich 1963. Seite 865.

[2] Der karthagische Feldherr Hannibal (246 v. Chr.-183 v. Chr.) verlor hier zum ersten Mal eine Schlacht gegen die Römer, als er im Zweiten Punischen Krieg von Publius Cornelius Scipio Africanus maior besiegt wurde.

[3] Auch wenn der Terminus „Imperialismus“ im Kontext der Expansionswelle der europäischen Großmächte an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erst geläufig wurde, lassen sich diesbezügliche Muster durchaus in der antiken Außenpolitik wiederfinden – besonders in der Werdung Roms zur einen Weltmacht. Auch wenn die Untersuchung der römischen Außenpolitik mit der genauen Differenzierung dieser beiden Termini den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde – diese Untersuchung nimmt es sich auch nicht als Ziel – ,sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Übergänge zwischen hegemonialer Vorherrschaft und imperialer Herrschaft fließend sind. Dennoch ist es sinnvoll, beide voneinander zu unterscheiden. „Hegemonie“ bedeutet Herrschaft innerhalb einer Gruppe formal gleichberechtigter politischer Akteure; „Imperialität“ hingegen löst diese – zumindest formale – Gleichheit auf und reduziert die Unterlegenen auf den Status von Klientelstaaten. Sie stehen in einer mehr oder weniger erkennbaren Abhängigkeit vom Zentrum, in diesem Falle Roms. Vgl. dazu Herfried Münkler : Imperien. Die Logik der Weltherrschaft. Bonn 2005, S. 18f.

[4] Als Hauptvertreter dieser These gilt der deutsche Historiker Theodor Mommsen (1817-1903). In seinem Werk vertritt er die These, nach der die Entstehung des römischen Weltreiches in ihrer defensiven Außenpolitik wurzelt. Folglich handelte es sich laut Mommsen nicht um eine gewollte Expansion der Römer; Motiv sei die Angst vor zu starken Nachbarn gewesen. Siehe dazu: Theodor Mommsen: Römische Geschichte. 8 Bd. München 1976.

[5] Polybios: Geschichte. Gesamtausgabe in zwei Bänden. Zweiter Band. Zürich 1963.

[6] T. Livius: Römische Geschichte. Buch XXVII-XXX und Buch XXXI-XXXIV. München 21986.

[7] Vgl. Karl-Ernst Petzold: Die Eröffnung des Zweiten Römisch-Makedonischen Krieges. Untersuchung zur spätannalistischen Topik bei Livius. Darmstadt 1940, S. 11.

[8] Seit ihrem Vertrag von 215 v. Chr. koordinierten Karthago und Makedonien ihr Vorgehen gegen Rom gemeinsam.

[9] Zitat von Livius XXIX,12,16.

[10] Nach mangelnder Unterstützung der Römer schlossen diese bereits im Jahr 206 v. Chr. einen Vorfrieden mit Makedonien.

[11] N.G.L. Hammond / F.W. Walbank: A History of Macedonia. Volume III. 336-167 B.C.. Oxford 1988, S. 409.

[12] Vgl. Livius: XXIX,12,12.

[13] Ebd. XXIX,12,13 und Hammond / Walbank (1988), S. 409.

[14] Ebd. XXIX,12,15.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640125739
ISBN (Buch)
9783640126491
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v113014
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Schlagworte
Die Römische Republik Makedonien Makedonische Kriege

Autor

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