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Kinderhospiz Balthasar: Wie Kinder sterben

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 12 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie gehen sterbenskranke Kinder mit ihrem nahenden Tod um? „onko onko

3. Das Kinderhospiz Balthasar in Olpe
3.1. Das Gebäude, die Finanzierung und die Zielgruppe
3.2. Aufgaben und Ziele

4. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Hauptseminars Im Sterben: Umfangen vom Leben soll in dieser Hausarbeit das Thema Kinderhospiz Balthasar: Wie Kinder sterben behandelt werden. Dabei gliedert sich die Arbeit in zwei Teile.

Im ersten Teil wird die Frage Wie gehen sterbenskranke Kinder mit ihrem nahenden Tod um? (Kapitel 2) gestellt. Um die Ergebnisse der Fachliteratur zu verdeutlichen, wird zum Schluss des ersten Teils das Gedicht onko, onko, das zwei krebskranke Jungen verfasst haben, inhaltlich analysiert.

Anschließend soll es um das Kinderhospiz Balthasar in Olpe (Kapitel 3) gehen. Zunächst soll das Gebäude näher beschrieben werden, damit man es sich besser vorstellen kann. Darüber hinaus wird die Finanzierung geklärt und die Zielgruppe beschrieben (Kapitel 3. 1.). Dann folgen die Aufgaben und Ziele des Kinderhospiz (Kapitel 3. 2.).

2. Wie gehen sterbenskranke Kinder mit ihrem nahenden Tod um?

Kinder verkörpern Leben und Zukunft. Wenn nun aber ein Kind an einer unheilbaren Krankheit erkrankt, stellt dies eine enorm hohe Belastung für die Familie dar. Verzweiflung, Angst, Protest und Resignation sind typische Reaktionen auf die erschütternde Diagnose. Das Sterben eines Kindes verdeutlicht auf äußerste Weise die eigene Macht- und Hilflosigkeit gegenüber dem Tod. Zumal der Tod in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema ist.[1]

Wie gehen die Kinder selber mit ihrem bevorstehenden Tod um? Hildegard Iskenius-Emmler behauptet, dass todkranke Kinder ganz genau spüren, dass sterben müssen. Sie merken, dass ihre Ängste über die normalen Trennungs- und Verlustängste, die sie im Krankenhaus haben, hinausgehen. Sie empfinden nämlich Todesängste.[2]

Noch schlimmer als die Todesangst, ist das veränderte “sonderbare“ Verhalten der Familienangehörigen, die das Kind anders behandeln als vorher.[3] Dieses “sonderbare“ Verhalten kann z.B. in Form von Verwöhnung auftreten. Die Eltern verwöhnen ihr Kind, wobei sie nicht erkennen, was dem Kind wirklich wichtig ist.[4]

In wie weit sich ein Kind über sein Sterben im Klaren ist, hängt von seinem psychischen Entwicklungsstand und seiner emotionalen und kognitiven Vorstellungen über Leben, Krankheit und Tod ab.[5] Viele Familienmitglieder und Pflegekräfte negieren, dass das Kind über seinen Zustand Bescheid weiß. Sie Verleugnen dies aus Angst mit dem Kind über dieses für sie heikle Thema sprechen zu müssen.

Die Eltern hegen oft einen größeren Wiederstand in sich über das Thema Tod zu reden als die Kinder selbst, die schnell merken, das dieses Thema tabu ist. So versuchen viele Eltern ihre Angst zu überspielen. Das Empfinden und die Situation des Kindes ist jedoch eng mit den Verhaltensweisen und der Einstellung der Familie, des Pflegepersonals und der Freunde verbunden. Manche Kinder tun so gar, als ob sie über ihre Lage nicht Bescheid wüssten, nur um ihre Eltern nicht zu belasten.[6] Das Kind versucht aus Angst davor den Kontakt zu den Personen, die ihm am Herzen liegen, zu verlieren, alleine mit der Situation umzugehen. Es zieht sich in die Isolation zurück.[7] „Das sterbenskranke Kind ist somit von einer Atmosphäre umgeben, die einerseits durch die Gewissheit des baldigen Sterbens und andererseits durch die Leugnung der damit verbundenen Gefühle gekennzeichnet ist.“[8] Das Kind ist durch zweierlei Punkte belastet:

- durch seine Krankheit
- dadurch, dass es sich einsam und mit seiner Trauer, Wut und Hilflosigkeit allein-gelassen fühlt

Je mehr die Krankheit fortschreitet, desto mehr wird das selbstständige Handeln des Kindes eingeschränkt. Auf die Beherrschung des eigenen Körpers ist das Kind jedoch besonders stolz. Sie verleiht dem Kind seine ICH-Stärke (Freud). Durch den Verlust der Autonomie wird das Ich des Kindes geschwächt und es kann zu einer Regression auf eine frühere Entwicklungsstufe kommen.[9] So kann es z.B. vorkommen, dass ein Kind, welches bereits selbstständig auf Toilette gehen konnte, wieder ins Bett macht.

Meistens leidet die Beziehung zu gleichaltrigen Spielgefährten, da diese die Ängste der kranken Kinder nicht nachempfinden können. Außerdem ist aus körperlichen Beein-trächtigungen kein gemeinsames Spielen mehr oder nur sehr eingeschränkt möglich. Zudem finden manche Kinder die körperliche Veränderung des kranken Kindes wie etwa Haarausfall ekelhaft. Iskenius-Emmler ist der Meinung, dass sich gesunde Kinder nicht mehr um die Freundschaft mit todkranken Kindern bemühen würden, da sie wissen, dass diese ohnehin nicht mehr lange leben. So fühlen sich die kranken Kinder von ihren Freunden ausgeschlossen.[10]

Gesunde Geschwister sind häufig eifersüchtig auf ihre sterbenskranke Schwester oder todkranken Bruder, da sich alles um sie dreht und sie selbst auf vieles verzichten müssen. Sie sind wütend und leiden auf der anderen Seite an Schuldgefühlen, sobald die Eltern ihnen ihr eifersüchtiges Verhalten übel nehmen.[11]

Oft ziehen sich Freunde und Nachbarn der Familie zurück, da sie nicht wissen, wie sie mit der ungewohnten Situation umgehen sollen.

Das sterbenskranke Kind leidet oft unter heftigen Schuldgefühlen, weil es seine Krankheit als Strafe für ein Vergehen ansieht, das nur durch den Tod gesühnt werden kann.[12] So antworten 90% herzkranker und diabetischer Kinder auf die Frage Warum werden Kinder krank?: „Weil sie böse sind“.[13]

Wie stellen sich Kinder ihren Tod vor? Was glauben sie, kommt danach? Manche Kinder haben Reunionsphantasien. Sie glauben an die Wiedervereinigung mit Verstorbenen. Andere Kinder glauben an Wiedergeburt. Sie verleugnen so die Endgültigkeit des Todes. Jüngere Kinder hegen Immortalitätsphantasien, die ihre infantilen Omnipotenzvorstellungen zum Ausdruck bringen. Daneben gibt es einige Kinder, die Bestrafungs- bzw. Rettungsphantasien haben. Sie glauben an eine Bedrohung oder Rettung durch außenstehende Mächte.[14]

[...]


[1] Vgl. Hildegard Iskenius-Emmler, Psychologische Aspekte von Tod und Trauer bei Kindern und Jugendlichen (Europäische Hochschulschriften: Reihe 6, Psychologie; Bd. 263) Frankfurt am Main 1988, 195-197.

[2] Vgl. ebd. 197.

[3] Vgl. ebd. 200.

[4] Vgl. ebd. 212.

[5] Vgl. ebd. 197f.

[6] Vgl. ebd. 198.

[7] Vgl. ebd. 201.

[8] Ebd. 198f.

[9] Vgl. ebd. 201.

[10] Vgl. ebd. 202.

[11] Vgl. ebd. 212.

[12] Vgl. ebd. 202f.

[13] Vgl. Dieter Bürgin, Das Kind, die lebensbedrohende Krankheit und der Tod, Bern/ Stuttgart/ Wien 1978, 99.

[14] Vgl. ebd. 87.

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640127894
ISBN (Buch)
9783640128167
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112933
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Katholisch-theologischen Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Kinderhospiz Balthasar Kinder Sterben Umfangen Leben

Autor

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Titel: Kinderhospiz Balthasar: Wie Kinder sterben