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Alkoholkonsum bei Jugendlichen - Eine empirische Untersuchung unter Jugendlichen aus Potsdam

Magisterarbeit 2008 113 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodische Vorgehensweise

3. Begriffsdefinitionen
3.1 Jugend
3.2 Alkohol – Substanz und Konsummengen
3.3 Alkoholkonsum, -missbrauch, -abhängigkeit

4. Alkoholkonsum in Deutschland – Entwicklung und Bestandsaufnahme
4.1 Alkoholkonsum bei Erwachsenen
4.2 Alkoholkonsum bei Jugendlichen

5. Alkoholkonsum versus gesundheitsbewusstes Verhalten
5.1 Gesundheitsverhalten
5.2 Soziale Ungleichheiten und Gesundheit
5.3 Der „normale“ Alkoholkonsum und seine gesundheitlichen Folgen
5.4 Gesundheitliche Folgekosten für die Gesellschaft

6. Die Einflüsse des sozialen Umfelds auf das Konsumverhalten Jugendlicher
6.1 Der Einfluss von Gesellschaft und Werbung
6.2 Der Einfluss der Familie – biologische und soziale Faktoren
6.3 Der Einfluss der Peergroups
6.4 Schlussfolgerungen

7. Jugendlicher Alkoholkonsum im Alltag Expertengespräche
7.1 Vertreter der Polizei – Gespräch mit dem Leiter der Führungsstelle des Schutzbereichs Potsdam
7.2 Das Klinikum Ernst von Bergmann – Gespräch mit dem Leiter der Rettungsstelle und einem Oberarzt der Kinderstation
7.3 Sozialarbeiter – Gespräch mit einem Mitarbeiter des Chill out Vereins
7.4 Gespräch mit zwei Sozialpädagogen des Jugendclubs „Alpha“

8. Präventionsmaßnahmen

9. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Fragebogen

Einleitung

Alkohol steht in unserer Gesellschaft zum einen für Geselligkeit, zum anderen für einen ungesunden Lebensstil und zwar dann, wenn er im Übermaß getrunken wird. Übermaß ist in den verschiedenen nationalen Kulturen unterschiedlich definiert. Auffällig, aber noch am ehesten als Grenzerfahrung toleriert, ist der Alkoholkonsum vor allem bei Jugendlichen. Die Relevanz des Themas ist ungebrochen und erweckt mit vermeintlich neuen extremen Erscheinungsformen jugendlichen Trinkverhaltens, wie den „FlatratePartys“ oder dem „binge-drinking“, immer wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Was scheinbar nicht an die Öffentlichkeit gelangt, ist, dass die Bundesrepublik Deutschland insgesamt ein Alkoholproblem zu haben scheint. Das bedeutet nicht, dass die gesamte Bevölkerung zuviel Alkohol konsumiert, sondern dass der Umgang mit der Substanz kaum hinterfragt wird. Alkohol hat zu fast jeder Zeit und an fast jedem Ort seine Berechtigung. Das „Feierabendbier“ oder das „Sektfrühstück“ sind feste Bestandteile der Alltagssprache. Der Reichstag besitzt ein eigenes parlamentarisches Weinforum. Alkoholkonsum wird in unserer Gesellschaft nahezu vollkommen akzeptiert und reproduziert sich über Verhalten und Normen. Ein sensibler Umgang mit dem sogenannten „normalen“ Alkoholkonsum fehlt fast völlig. Der Verzicht auf das „Feierabendbier“ fördert eher Verlustängste als ein Überdenken der eigenen Risikoverhaltensweisen. Obwohl das alle Teile der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, ruht der Blick dieser Arbeit auf den Jugendlichen, da sie durch die Normen und Werte ihrer sozialen Umgebung geprägt und in ihrer Entwicklung beeinflusst werden. Der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol spiegelt sich unter anderem im Trinkverhalten Jugendlicher wider, was sich durch kurze Ausblicke in andere Länder belegen lässt.

Es gibt bis zum heutigen Zeitpunkt viele umfassende Studien im Inund Ausland, die sich mit den Trinkgewohnheiten von Jungen und Mädchen unter 25 Jahren beschäftigen. Sehr oft werden gleichzeitig die Erfahrungen mit anderen berauschenden Drogen und der Tabakkonsum sogenannte Risikoverhaltensweisen erhoben. Viele Untersuchungen sind dabei stark medizinisch oder psychologisch ausgerichtet und konzentrieren sich darauf die Menge konsumierten Alkohols genau zu erfassen. Was fehlt ist eine genauere soziologische Betrachtung und Auswertung der Umstände, wegen denen Jugendliche Alkohol konsumieren. Wann, wo und in welchem Maße Jugendliche trinken, wird in vielen Studien nur am Rande erfasst und unzureichend ausgewertet. Der Fokus liegt allzu häufig vorrangig auf der Erfassung der Trinkmenge und der Trinkhäufigkeit.

Das Motiv liefert jedoch die ersten Ansätze zur Prävention. Welche Rolle die häusliche Umgebung oder der sozioökonomische Status, dass heißt der Beruf, das Einkommen und die Schulbildung der Eltern spielt, ist ein weiterer Ansatz, der untersucht wird. Wieso Jugendliche Alkohol konsumieren, kann dabei nur in einem gewissen Maße erläutert werden, da die Gründe dafür vielschichtig sind und von vielen Faktoren beeinflusst werden.

Ein wichtiger Faktor ist die soziale Umgebung, in der die Jugendlichen aufwachsen. Dass Alkohol in unserer Gesellschaft ein unreflektiertes latentes Problem darstellt, ist die erste These, die dieser Arbeit innewohnt. Jugendliche wachsen in unserer Gesellschaft in einer Umgebung auf, in der es eher „normal“ ist zu trinken als nicht zu trinken. Um diese Annahme zu verfolgen, wird zunächst dargestellt, was als „normaler“ und was als „riskanter“ Alkoholkonsum definiert ist. Zudem wird ein Einblick in den alltäglichen Umgang mit der Substanz gewährleistet. Durch eine Darstellung des allgemeinen Umgangs mit Alkohol und speziell dem der Werbung werden ihre Einflüsse auf das Konsumverhalten Jugendlicher analysiert. Die Determinanten, die das Trinkverhalten der Jugendlichen am stärksten beeinflussen, werden dabei genauer erörtert. Dazu zählen beispielsweise das nähere soziale Umfeld, die Familie und die Peergroups, sowie die Strukturen der gesamten Gesellschaft. Allgemeine Aussagen zum Thema Alkohol sollen auf ihre statistische Signifikanz hin untersucht werden. Beispielsweise, dass die Veranlagung für riskanten Alkoholkonsum vererbbar sei oder dass die Substanz eine gesundheitsschützende Wirkung habe.

Der Alkoholkonsum hat einen großen Einfluss auf den späteren Gesundheitszustand, die Morbidität und Mortalität. Die Gesundheit genießt insgesamt einen allgemein hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Bemerkenswerterweise wird der „normale“ Alkoholkonsum größtenteils in der öffentlichen Meinung kaum als gesundheitsbeeinträchtigender Faktor wahrgenommen, es werden ihm sogar protektive Eigenschaften zugewiesen. Welche Folgen der vermeintlich normale Alkoholkonsum auf die Gesundheit hat, wird ebenso dargestellt wie der Kontrast zwischen Gesundheitsbewusstsein und realem Gesundheitsverhalten. Obwohl den meisten Jugendlichen bekannt ist, dass der übermäßige Konsum von Alkohol schädlich sein kann, trinken sie dennoch regelmäßig zu große Mengen. Dass das Gesundheitsbewusstsein im Widerspruch zum realen Gesundheitsverhalten steht, ist die zweite These dieser Arbeit, die untersucht werden soll. Dabei sollen vor allem die Faktoren herausgearbeitet werden, die einem gesundheitsbewussteren Handeln im Wege stehen.

Das Gesundheitsverhalten und Risikobewusstsein Jugendlicher wird durch viele Faktoren geprägt. Individuelle Einstellungen wie auch das soziale Umfeld, vor allem die häusliche Umgebung, die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung und der nähere Freundeskreis, spielen eine Rolle. Dabei ist zu beachten, dass Gesundheit in unserer Gesellschaft ein wertvolles und begehrtes Gut darstellt, das nicht gleich verteilt ist. Ein immer noch bestehender trotz aller Ausdehnung in die Breite hierarchischer Aufbau der Gesellschaft verwehrt bestimmten sozialen Gruppen den Zugang zu verschiedenen Lebensbedingungen. Solche positionsgebundenen Vorund Nachteile werden allgemein als soziale Ungleichheiten bezeichnet.1 Aus diesem Grund liegt ein weiterer Fokus dieser Arbeit auf den Zusammenhängen von Gesundheit und sozialer Ungleichheit und ihrem Einfluss auf das Trinkverhalten. Signifikante Zusammenhänge zwischen dem sozioökonomischen Status der Eltern und dem Gesundheitsverhalten von Jugendlichen wurden in vielen Bereichen nachgewiesen, wie beispielsweise dem Ernährungsverhalten. Jedoch scheint dieser Fakt beim Konsum von alkoholischen Getränken nicht zuzutreffen. Der individuelle Alkoholkonsum scheint sich der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, zumindest im Jugendalter, zu entziehen. Dass der individuelle Alkoholkonsum im Jugendalter unabhängig von dem soziökonomischen Status der Eltern ist, stellt die dritte Kernthese dieser Arbeit dar.

Für die Überprüfung dieser Thesen wurde eine Erhebung mittels eines Fragebogens zum Trinkverhalten Jugendlicher der Stadt Potsdam, mit verschiedenen sozialen Hintergründen, entwickelt und durchgeführt. Dabei wurden die Jugendlichen einer 9. und

12. Klasse einer Privatschule und die Jungen und Mädchen eines Jugendclubs, der in einem sozial schwächeren Teil Potsdams liegt, befragt. Unter der Annahme, dass die Eltern der Kinder aus der Privatschule einen höheren Bildungsabschluss und somit höhere Realeinkommen haben als die Eltern der Jugendlichen aus dem Jugendclub sollte die unterschiedliche sozioökonomische Grundlage gewährleistet sein. Dieser Fakt wurde anhand der Bildungsabschlüsse der Eltern überprüft.

Um einen Einblick in das reale Trinkverhalten Jugendlicher zu erhalten und ein entsprechendes Erhebungsinstrument für die eigene Befragung zu erstellen, wurde der Leiter der Rettungsstelle und ein Oberarzt der Kinder und Jugendmedizin des Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, verschiedene Sozialarbeiter, das Lehrpersonal der Schulen und ein Beamter der Polizei Potsdam befragt. Zusätzlich wurde die Krankenhausstatistik des Klinikum Ernst von Bergmann herangezogen, um einen genauen Einblick in die tatsächliche Zahl der mit einer Alkoholintoxikation eingelieferten Jugendlichen zu erhalten.

Da die eigene Befragung keine repräsentativen Daten liefert, sondern allenfalls Tendenzen des jugendlichen Trinkverhaltens aufweisen kann, wurden verschiedene andere Studien zum Alkoholkonsum bei Jugendlichen aus dem Inund Ausland herangezogen. Damit wurde gleichzeitig die Einordnung in den internationalen Kontext ermöglicht. Verwendet wurden dabei hauptsächlich die Drogenaffinitätsstudien und die regelmäßig durchgeführten Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sowie die Studien zum Gesundheitsund Risikoverhalten der Weltgesundheitsorganisation und „Die Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen“.

Die Entwicklung des Fragebogens unter kritischer Betrachtung der bisher durchgeführten Studien und die Probleme bei der Gestaltung der Items und die Fragen der Messbarkeit bestimmter Merkmalsausprägungen bilden den ersten Teil dieser Arbeit. Es folgen verschiedene Definitionen von Begrifflichkeiten, die in der Arbeit verwendet werden und die notwendig sind, um Falschinterpretationen und Verständnisprobleme zu vermeiden. Den größten Teil der Arbeit nehmen die Auswertung und die Überprüfung der oben aufgestellten Thesen ein. Die Darstellung des Alkoholkonsums von Jugendlichen und Erwachsenen innerhalb der letzten 30 Jahre gibt einen Überblick über Tendenzen der zukünftigen Entwicklung. Dieses Kapitel ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Betrachtungen, da die dort analysierten Daten die Grundlage für die weiteren Annahmen bilden. Sie geben Aufschluss darüber, ob tatsächlich durch Flatrate-Partys und binge-drinking eine neue Qualität Jugendlichen Alkoholkonsums erreicht ist. Einen weiteren wichtigen Punkt bilden die zum Ende der Arbeit dargestellten Präventionsmaßnahmen. Sie sind vor allem durch die Expertengespräche beeinflusst und ziehen eine Bilanz der bisherigen angestrebten, präventiven Maßnahmen. Gleichzeitig dienen sie als Anregung für weitere Forschungen auf diesem Gebiet.

2. Methodische Vorgehensweise

Diese Befragung zum Alkoholkonsum bei Jugendlichen hat vor allem die Überprüfung ihrer drei Kernthesen zum Ziel:

1. Alkohol stellt in unserer Gesellschaft ein unreflektiertes, latentes Problem dar.
2. Das reale Gesundheitsverhalten steht im Widerspruch zum Gesundheitsbewusstsein.
3. Der ökonomische Status der Eltern hat nur einen geringen Einfluss auf das Trinkverhalten Jugendlicher.

Weiterhin soll dargestellt werden wie viel und wie regelmäßig Jugendliche Alkohol konsumieren und wie groß die Einflussnahme durch die häusliche Umgebung und den Freundeskreis ist.

Beim individuellen Gesundheitsverhalten und auch bei den Motiven Alkohol zu trinken, handelt es sich um Einstellungen, Meinungen oder Verhaltensdispositionen, die am besten durch Befragungen zu messen sind. Um einen aussagekräftigen Fragebogen zu erstellen, wurden im Vorfeld der eigenen Befragung die gängigen Studien, die zu diesem Thema bisher veröffentlicht worden sind und deren Erhebungsinstrumente durchgesehen.1 Die Studien fragen jedoch größtenteils den reinen Substanzkonsum ab und weniger die Motive, die hinter dem Konsum von Alkohol stehen. In diesem Punkt wurde der eigene Fragebogen angepasst und explizit nach den Motivationen gefragt. Weiterhin wurden Fragen zur Gesundheit und zu einer gesunden Lebensweise eingebunden um das Gesundheitsverhalten einschätzen zu können. Inwieweit schon im Jugendalter eine gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol vorliegt und allgemeine Vorstellungen über den Konsum manifestiert sind, wurde vor allem durch Frage 25 getestet, in der die Zustimmungen zu weitläufigen Meinungen über Alkohol abgefragt wurden. Die im Vorfeld der Befragung durchgeführten Expertengespräche mit Vertretern der Polizei, mit Ärzten und Sozialpädagogen, haben einen ersten Einblick in die Realität jugendlichen Alkoholkonsums gegeben und fanden ihren Eingang in den Fragebogen vor allem über die Fragen, die die Auswirkungen eines starken Alkoholkonsums betreffen. Sie gaben Aufschluss darüber, wo Präventionsmaßnahmen gezielter ansetzen müssen und wo sie versagen.2

Um den Alkoholkonsum bei Jugendlichen zu messen, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Man setzt beim Produkt an. Das hieße die für den Konsum zur Verfügung stehenden Mengen und ihren Absatz zu erfassen. Diese Methode eignet sich für diese Befragung nicht, da es speziell um den Alkoholkonsum von Jugendlichen geht und das Alter beim Umsatz von alkoholischen Getränken in der Regel nicht erfasst wird.3 Die zweite Methode ist die indirekte Befragung, die für diese Studie mit der Hilfe eines standardisierten Fragebogens auch erfolgte. Es wurden quantitative und qualitative Methoden angewendet um die Trinkgewohnheiten und die Einstellungen zur Gesundheit so realitätsnah wie möglich abzubilden.

Zur Teilnahme an dieser Studie haben sich die Schüler des Schillergymnasiums Potsdam und die Besucher des Jugendclubs Alpha in Potsdam bereit erklärt, die somit auch die Grundgesamtheit der Befragten bilden. Erläutert werden im Anschluss zunächst die Auswahlkriterien für die Befragten, die Methoden der Auswertung sowie die Schwierigkeiten, die bei der Planung und Durchführung dieser Befragung aufgetreten sind.

Auswahl der Probanden und Auswertung

Die Stichprobe umfasst Jugendliche im Alter von 13-25 Jahren mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen. Die kleine Altersspanne soll die Untersuchung von Tendenzen für einen eventuell anderen Umgang mit Alkohol innerhalb der unterschiedlichen Altergruppen ermöglichen, beispielsweise das Erstkonsumalter oder die Trinkmenge der letzten 30 Tage. Weiterhin ist so die Vergleichbarkeit mit anderen Studien gewährleistet. Für den unterschiedlichen sozialen Hintergrund wurde eine Privatschule herausgesucht und die Schüler einer 9. und 12. Klasse befragt, sowie ein Jugendclub, der in einem Stadtteil Potsdams liegt, in dem überwiegend sozial schwache Familien leben und die Arbeitslosenquote überdurchschnittlich hoch ist. Von der Annahme ausgehend, dass die Eltern der Kinder aus der Privatschule aufgrund des Schulgeldes höhere Realeinkommen haben, als die Eltern der Jugendlichen aus dem Club, wurden im November und Dezember 2007 zwei etwa gleich große Befragungen an dem jeweiligen Ort durchgeführt. Angestrebt war eine Stichprobengröße von 50 Jugendlichen. Die Befragungen wurden in den Klassen des Schillergymnasiums persönlich durchgeführt. Insgesamt wurden 14 Schüler der 9. Klasse und 13 Schüler der 12. Klasse befragt. Dem gegenüber stehen 30 Jugendliche, die im Jugendclub an unterschiedlichen Tagen die Fragebögen unter Anleitung der vorher informierten Mitarbeiter ausfüllten. Es ergibt sich demnach eine Grundgesamtheit von 57 befragten Personen, die sich wie folgt verteilt.

Abb. 2-1 Grundgesamtheit (absolute Zahlen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Datenmaterial aus eigener Erhebung)

Das Durchschnittsalter aller Befragten liegt bei 17,6 Jahren. Das ermöglicht eine gute Vergleichbarkeit mit anderen Studien, die sich mit jugendlichem Alkoholkonsum befassen.

Die Befragung erfolgte in schriftlicher Form. Der Fragebogen umfasst 34 Fragen, für deren Beantwortung etwa 30 Minuten veranschlagt worden sind. Dabei wurden verschiedene Themenbereiche abgefragt. Den größten Teil nahmen die unterschiedlichen Erfahrungen mit Alkohol, die Einstellungen zur Substanz sowie die Erfassung des Frequenz-Menge Index des Alkoholkonsums ein. Der zweite Fokus lag auf dem individuellen Gesundheitsverhalten und dem Wert, der Gesundheit beigemessen wird. Dazu wurde nach dem Freizeitverhalten, vor allem nach sportlicher Aktivität, der Werteinschätzung von Gesundheit direkt und nach allgemeinen Vorstellungen vom Alkoholkonsum gefragt, deren Authentizität eingeschätzt werden sollte. Die Aussagen über den Alkoholund Tabakkonsum, sowie über ungeschützten und ungewollten Geschlechtsverkehr unter Alkoholeinfluss, sind in dieser Befragung Determinanten für ein riskantes Gesundheitsverhalten.

Die Angaben zum Alkoholkonsum selber wurden deshalb auf ihre Validität hin geprüft um Unregelmäßigkeiten, die sich auf Grund von Unverständnis oder fehlender Bereitschaft den Fragebogen korrekt auszufüllen, ergeben haben sollten, aufzudecken. Beantwortet beispielsweise ein Proband die Angabe zum Erstkonsum mit dem Item „ich habe noch nie Alkohol getrunken“ , gibt später jedoch an, Alkohol zu konsumieren, werden seine gesamten Aussagen einer Prüfung unterzogen und bei weiteren Widersprüchen wird der Fragebogen gegebenenfalls aus der Grundgesamtheit entfernt. Jugendliche, die in der Mehrheit keinen Konsum angaben, wurden als Nichtkonsumenten und Jugendliche, die in der Mehrheit der Items Konsum angaben, wurden dementsprechend als Konsumenten eingestuft. Die gleiche Art der Rückkontrolle gab es bei dem Merkmal „sportliche Aktivität“, das in verschiedenen Fragen gemessen wurde. Weiterhin wurde der sozidemographische Hintergrund, der Bildungsstand der Eltern, das Freizeitverhalten und die Höhe des für Alkohol ausgegeben Geldes erfragt, mit dem Ziel herauszufinden, ob einer dieser Faktoren einen signifikanten Einfluss auf den individuellen Alkoholkonsum oder das Gesundheitsverhalten hat.

Durch das persönliche Einsammeln der Fragebögen in den Klassen und im Jugendclub und die anschließende Kodierung ist sowohl die Anonymität der befragten Personen gewährleistet sowie die Unterscheidung nach dem Ort der Erhebung. Auf eine Rücklaufkontrolle konnte auf Grund der geringen Stichprobengröße verzichtet werden. Jedem Probanden stand es frei, die Befragung komplett zu verweigern oder einzelne Fragen ohne die Angabe von Gründen auszulassen. Das Interesse an der Erhebung war jedoch groß, was sich aus anschließenden Gesprächen mit den Jugendlichen ergab. Die 57 Fragebögen wurden alle gewissenhaft ausgefüllt und keiner musste wegen widersprüchlicher Angaben aus der Befragung entfernt werden. Die Auswertung wurde mit den Programmen SPSS sowie mit der Hilfe von EXCEL durchgeführt und erfolgte größtenteils über die Darstellung prozentualer Verteilungen und Kreuztabellen, da vorrangig deskriptive Sachverhalte abgefragt wurden. Die Ergebnisse sind in die folgenden Kapitel der Arbeit eingearbeitet.

Die größte Schwierigkeit bei dieser Befragung ist die geringe Größe der Stichprobe, die keine repräsentativen Daten zulässt, auch wenn das Anliegen dieser Studie eine hauptsächlich deskriptive Darstellung ist. Um diese Lücke zu füllen, werden im Verlauf der Arbeit mehrere repräsentative Studien aus dem Inund Ausland herangezogen, um die eigenen Ergebnisse in den aktuellen Forschungsstand einordnen zu können bzw. zu untermauern und die Thesen zu verifizieren oder gegebenenfalls zu falsifizieren. Ein allgemeines Problem bei reinen schriftlichen Umfragen ist, dass alle erhobenen Informationen auf Selbstangaben beruhen. Bei Befragungen zu zurückliegenden Ereignissen und Verhalten können diese, im Gegensatz zu Beobachtungen, nicht direkt gemessen werden. Es werden Verhaltensberichte erfasst. Das „underreporting“ bei der Feststellung des genauen Alkoholkonsums, dass heißt das die tatsächlich getrunkenen Mengen nicht korrekt angegeben werden, ist ein Schwachpunkt in der Erfassung. Das wird durch den Fakt verschärft, dass es sich bei Alkoholmissbrauch um ein sozial unerwünschtes Verhalten handelt. So ist bekannt [...] „dass Selbstangaben zur Konsummenge aus Repräsentativerhebungen, [...] nur etwas mehr als die Hälfte dessen ausmachen, was aufgrund der Produktionsstatistik in der Bevölkerung als Verbrauch geschätzt wird.“4 Bei allgemeinen Bevölkerungsumfragen, wie sie auch im Kapitel 4.1 herangezogen werden, ist deshalb das Problem des Unterschätzens der getrunkenen Mengen zu beachten. Die tatsächliche Höhe des konsumierten Alkohols kann durch Verschweigen bzw. Herunterspielen und durch bewusste Falschaussagen verschleiert werden. Der von Experten geschätzte Alkoholkonsum wird in solchen Fällen in einer so genannten Dunkelziffer angegeben. Im Gegensatz dazu muss bei Jugendlichen darauf geachtet werden, ob sie überhöhte Mengen an getrunkenem Alkohol angeben um anzugeben oder zu demonstrieren, dass sie ungewöhnlich große Mengen an Alkohol vertragen. Oftmals neigen sie dazu ihren eigenen Alkoholkonsum zu übertreiben um ihre vermeintliche Trinkfestigkeit zu unterstreichen. Ein Phänomen, dass sich aus der gesellschaftlichen Akzeptanz beim Thema Alkohol im allgemeinen und dem Verhalten der jeweiligen Peergroup im speziellen teilweise erklären lässt.5 Dieser Ungenauigkeiten müssen sich die Initiatoren solcher Umfragen bewusst sein. Sie müssen versuchen ihr Untersuchungsinstrument so zu gestalten, dass möglichst genaue Antwortvorgaben vorliegen, zwischen denen ausgewählt werden kann. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass zusätzliche Kontrollmechanismen eingebaut werden.

Neben den Fragen zum realen Alkoholkonsum stellen die Angaben zu dem Einkommen oder dem Bildungsstand der Eltern, die das Einschätzen der jeweiligen sozialen Lage erleichtern sollten, weitere Hindernisse dar. Fragen nach dem Nettoverdienst, dem Vermögen, dem Immobilienbesitz oder dem konkreten beruflichen Status der Eltern schließen sich bei reinen Kinderund Jugendlichenbefragungen aus, da diese Faktoren oftmals nicht bekannt sind oder nicht richtig eingeschätzt werden können.6 Aus diesem Grund wurde nach dem Bildungsabschluss der Eltern gefragt um einen Eindruck über das Bildungskapital der Eltern zu erlangen. Da ein hoher Bildungsabschluss öfter mit einem höheren Einkommen korreliert als ein niedriger, wurde von ihm ausgehend ein höheres Nettoeinkommen unterstellt, dass noch einmal durch das Abfragen des monatlichen Taschengeldes überprüft wurde. Das Taschengeld eignete sich jedoch nur bedingt als Indikator, da die befragten Jugendlichen aus dem Jugendclub teilweise schon eine Lehre absolvierten oder einen Beruf ausübten, so dass ein unverfälschter Durchschnitt zum monatlich zur Verfügung stehendem Geld, nicht aussagekräftig erhoben werden konnte. Tendenziell lässt sich jedoch sagen, dass sich die Beträge zwischen den Schülern der Privatschule und den Jugendlichen aus dem Club nicht sehr stark unterschieden. Die Bildungsabschlüsse der Eltern unterschieden sich jedoch und sind in der Abbildung 2-2 abzulesen. Sie stellen die prozentuale Verteilung innerhalb der jeweiligen Gruppe dar. Jeweils ein Jugendlicher aus dem Jugendclub und aus der Privatschule machten keine Angaben zum Bildungsabschluss der Eltern.

Abb. 2-2 Bildungsabschlüsse der Eltern (in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Datenmaterial aus eigener Erhebung)

An den Verteilungen wird deutlich, dass die Eltern, die ihre Kinder auf eine Privatschule schicken, häufiger über einen höheren Bildungsabschluss verfügen. 37% der Mütter von Kindern aus der Privatschule hatten ein Studium abgeschlossen im Gegensatz zu 13,3% der Mütter von Kindern aus dem Jugendclub. Bei den Vätern fällt dieser Unterschied noch deutlicher aus (48,1 vs. 13,3). Über ein Drittel der Kinder aus der Privatschule haben zwei Elternteile, die ein Studium abgeschlossen haben. Interessant ist, dass fast 40% der Jugendlichen aus dem Club angaben, den Bildungsabschluss ihrer Eltern nicht zu kennen. Nur ein Jugendlicher aus der Privatschule kannte den Bildungsabschluss seines Vaters nicht. Die entsprechenden Bögen wurden sonst jedoch sehr sorgfältig ausgefüllt, weswegen unzureichende Motivation ausgeschlossen werden kann. Ob der Bildungsabschluss ein Thema darstellt, dass in den Familien keine große Beachtung findet oder das Desinteresse der Kinder an diesem Wissensmangel Schuld trägt, kann nur spekulativ beantwortet werden.

In jedem Fall bestätigt sich in den Daten die Annahme, dass die Eltern, die ihre Kinder auf eine Privatschule schicken einen höheren Bildungsabschluss besitzen als die Eltern der Kinder aus dem Jugendclub. Dementsprechend kann auch ein höherer sozioökonomischer Status unterstellt werden.

3. Begriffsdefinitionen

Dieser Absatz ordnet die Substanz Alkohol zunächst nach chemischen und physikalischen Gesichtspunkten grob ein und erläutert was bestimmte Begriffe, die im Zusammenhang mit Alkoholkonsum und Jugendlichen verwendet werden, bedeuten. Diese Definition ist notwendig, um später die Ergebnisse der eigenen Befragung und die der anderen Studien richtig einordnen und miteinander vergleichen zu können. Regelmäßiger Konsum von alkoholischen Getränken könnte als täglicher, wöchentlicher oder monatlicher Konsum aufgefasst werden und zu erheblichen Differenzen in der Auswertung von Ergebnissen führen. Über den genauen Alkoholgehalt eines Getränks wurde erst

1999 Einigung erzielt und somit eine Vergleichbarkeit unter den verschiedenen Ländern gewährleistet.7

Das Alter von Jugendlichen differiert in vielen Studien ebenfalls, teilweise werden nur einzelne Jahrgänge befragt. Eine genaue Definition, welche Personengruppen zu den Jugendlichen gezählt werden und welche nicht, ist demnach dringend erforderlich.

3.1 Jugend

Der Begriff Jugend oder Jugendlichkeit wird in der Alltagssprache geradezu inflationär gebraucht und kann den 12jährigen Schüler ebenso einschließen wie den 25jährigen Studenten. Einige Jugendliche befinden sich mit 19 noch in der Schulausbildung, andere arbeiten schon Vollzeit. Der Begriff ist dementsprechend dehnbar und schwierig zu definieren. Jugend ist zuallererst eine gesellschaftliche Konstruktion, die durch kulturelle Normen und Werte und explizite rechtliche Regelungen definiert ist. Laut Gesetzgeber sind Jugendliche ab dem 18. Lebensjahr volljährig und somit erwachsen. Dennoch ist es möglich, bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres nach dem Jugendstrafrecht verurteilt zu werden. Die rechtlichen Regelungen geben dem Begriff Jugend damit ebenfalls einen kleinen Spielraum. In der Jugendsoziologie wurde die Lebensphase Jugend lange als ein Abschnitt verstanden, in dem die Werte und Einstellungen einer Gesellschaft internalisiert werden um das Erwachsenenalter zu bewältigen also Sozialisation stattfindet. Heute wird sie zunehmend als eine strategische Phase innerhalb des Lebenslaufes interpretiert, [...] „in der die Jugendlichen und jungen Erwachsenen versuchen, in einem Prozess des Aushandelns und Entwickelns ihre eigene Biographie aktiv zu konstruieren.“8 Die Jugend stellt somit keine Übergangs-, sondern eine eigenständige Lebensphase dar.9

Die Lebensspanne Jugend unterliegt auch historischen Veränderungen. In den USA reichte 1870 die Jugendphase bei Männern beispielsweise bis ins 35. Lebensjahr hinein.10 Jugend zeichnet sich trotz zunehmender Individualisierungsund Pluralisierungstendenzen dennoch stets durch prägnante Faktoren aus. Soziokulturelle, politische, ökonomische und rechtliche Einflüsse spielen dabei eine Rolle. Identifikation und die Suche nach Identifikationsmustern zur Ausbildung der eigenen Persönlichkeit sind zentrale Kennzeichen von Jugend. Hinzu kommen eine weitgehend fehlende ökonomische Grundlage, eine gewisse Fremdbestimmtheit des eigenen Handelns, die Eingebundenheit in ein Bildungsoder Weiterbildungssystem und ein latentes Bedürfnis nach intergenerativer Abgrenzung.

Der Soziologe Bernhard Schäfers unterscheidet drei Jugendphasen, die auch im weiteren Verlauf der Arbeit verwendet werden: die 13-18jährigen (pubertäre Phase) – Jugendliche im engeren Sinn
die 18-21jährigen (nachpubertäre Phase) – die Heranwachsenden
die 21-25jährigen (gegebenenfalls auch Ältere) – junge Erwachsene, die ihrem sozialen Status und ihrem Verhalten nach größtenteils noch als Jugendliche anzusehen sind11

Im angloamerikanischen Raum hat sich für diese dritte Jugendphase der Begriff der Post-Adoleszenz herausgebildet. Er ist durch die Mündigkeit ohne wirtschaftliche Grundlage gekennzeichnet. Die Post-Adoleszenz bezeichnet unter anderem auch Studenten, die häufig ebenfalls zu den Jugendlichen gezählt werden.12

3.2 Alkohol – Substanz und Konsummengen

„Alkohol bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch den zur Gruppe der Alkohole gehörenden Äthylalkohol, der durch die Vergärung von Zucker aus unterschiedlichen Grundstoffen gewonnnen wird und berauschende Wirkung hat. Alkohol gehört zu den Suchtmitteln, deren Erwerb, Besitz und Handel legal sind.“13

Die Geschichte des Alkohols als Nahrungs-, Genussund als Rauschmittel hat eine lange Tradition und kann über Jahrtausende zurückverfolgt werden. Heutzutage sind alkoholische Getränke in Deutschland, wie auch den meisten nicht-islamischen Ländern, unbegrenzt verfügbar. Alkohol wir zumeist als Genussmittel konsumiert, da er in geringen Mengen eine angenehme berauschende Wirkung hat. Oft wird er zu den Mahlzeiten und besonderen festlichen Anlässen gereicht.

Die verschiedenen alkoholischen Getränke haben unterschiedliche Volumenprozente. Um sie trotzdem miteinander vergleichen zu können ermittelte eine vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragte Arbeitsgruppe, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Vertretern der Alkoholindustrie, im Jahr 1999 Schätzwerte zum Alkoholgehalt verschiedener alkoholischer Getränke. Bier hat damit ca. 4,8 Volumenprozent (Vol.-%), Wein und Sekt ca. 11 Vol.-%, und Spirituosen enthalten ca. 33 Vol.-%.14 Aus diesen Werten leitet sich auch der Pro-Kopf-Konsum an reinem Alkohol ab.

„Der Pro-Kopf-Konsum von alkoholischen Getränken ist einer der wichtigsten Indikatoren für zu erwartende alkoholbezogene Probleme in der Bevölkerung.“15 Deshalb ist es wichtig, ihn so genau wie möglich zu ermitteln. Dabei existieren eine Vielzahl von Methoden, um den Alkoholkonsum zu erfassen.16 Die gängigste ist wohl der FrequenzMenge-Index. Die Häufigkeit des Alkoholkonsums und die Menge pro Trinkgelegenheit werden miteinander multipliziert um eine Vorstellung von der Gesamtmenge des konsumierten Alkohols zu erhalten.17 Die Antworten können dabei numerisch oder kategorial erfolgen, z.B. „jeden Tag“, „viermal die Woche“ u.s.w. Die Recall Methode erfasst die angegebene Frequenz und Menge in einem bestimmten Zeitabschnitt des bei verschiedenen Gelegenheiten getrunkenen Alkohols und wird auch in dieser Arbeit überwiegend angewandt. Ein bestimmter Referenzrahmen (z.B. „in den letzten 30 Tagen“) wird dabei vorgegeben um den Schülern lange Überlegungen und übertriebene

Schätzungen zu ersparen. Dass diese Methode ihre Grenzen hat, beispielsweise, dass ein Monat mit ungewöhnlich hohem oder ungewöhnlich niedrigem Trinkverhalten vorangegangen ist, wird dabei in Kauf genommen. Die Praxis hat aber gezeigt, dass sich die Werte, die mit dieser Methode erhoben wurden nicht von denen, die unter anderem durch fortwährende Protokollierung des Trinkverhaltens entstanden sind, unterschei den.18

3.3 Alkoholkonsum, -missbrauch, -abhängigkeit

In Bezug auf den Alkohol hält sich diese Arbeit an die Vorgaben aus den Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die mit denen der anderen Studien übereinstimmen. Demnach gilt: „Der Konsum von mindestens einem Getränk mindestens einmal in der Woche wird als regelmäßiger Konsum definiert.“19 Ebenso verhält es sich mit riskantem Trinkverhalten. Fünf alkoholische Getränke oder mehr, an mindestens einem Tag innerhalb der letzten 30 Tage, gilt laut BZgA als ein Indikator für einen riskanten Alkoholkonsum.20 Das Trinken von mehr als fünf Getränken pro Gelegenheit wird zudem als binge-drinking bezeichnet: Ein Trinkgelage bzw. Besäufnis, wie es häufig in Großbritannien und den skandinavischen Staaten praktiziert wird.

Nach internationalen Empfehlungen, unter anderem von der World Health Organization (WHO) oder der British Medical Association, sollten Frauen heute nicht mehr als 20g reinen Alkohol pro Tag zu sich nehmen. Das entspricht in etwa 0,5 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein pro Tag. Männer sollten nicht mehr als 30-40g pro Tag trinken, was in etwa 0,75 Liter Bier oder etwa 0,4 Liter Wein entspricht.21 Diese Werte stellen Obergrenzen dar, um körperliche Schädigungen zu vermeiden. Sie definieren einen risikoarmen oder auch moderat genannten Konsum und wurden in den letzten Jahren erheblich gesenkt.22 Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) liegt mit ihren Empfehlungen etwas darunter und geht von 12g Alkohol pro Tag bei Frauen und 24g Alkohol pro Tag bei Männern aus, die einen risikoarmen Alkoholkonsum bezeichnen und betont noch einmal eindeutig, dass nicht täglich getrunken werden sollte.23 Diese Anmerkung fehlt bei den Angaben der WHO. Der Begriff „risikoarm“ deutet zudem darauf hin, dass es einen völlig risikofreien Alkoholkonsum nicht gibt, was später noch genauer erläutert wird. Werden jedoch gewisse Mengen eingehalten und längere Abstinenzphasen beachtet, steht dem Genuss aus medizinischer Sicht wenig im Wege.

Es gibt neben den als risikoarm eingestuften Konsumenten noch zwei weitere Klassifikationen. Konsumenten mit einem riskanten Trinkverhalten, dass bei 21-40g reinem Alkohol pro Tag bei Frauen und 31-60g reinem Alkohol pro Tag bei Männern liegt und

Konsumenten mit einem gesundheitsgefährdenden Konsum von mehr als 40g Alkohol pro Tag bei Frauen und über 60g Alkohol pro Tag bei Männern.24 Nach den Untersuchungsergebnissen vieler Studien, die im weiteren Verlauf vorgestellt werden, weist ein gewisser Prozentsatz an Jugendlichen bereits in jungen Jahren alle Kriterien für einen Alkoholmissbrauch oder sogar eine Alkoholabhängigkeit auf. Um mit diesen Begriffen nicht leichtfertig umzugehen soll kurz dargestellt werden, was unter Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit zu verstehen ist.

Für eine Missbrauchsdiagnose nach DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) muss mindestens eines der folgenden Kriterien innerhalb derselben 12 Monate vorliegen: wiederholter Alkoholkonsum, der zu einem Versagen bei der Erfüllung wichtiger Verpflichtungen führt wiederholter Alkoholkonsum in Situationen, in denen es auf Grund des Konsums zu einer körperlichen Gefährdung kommen kann wiederkehrende Probleme mit dem Gesetz in Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum fortgesetzter Alkoholkonsum trotz ständiger oder wiederholter sozialer oder zwischenmenschlicher Probleme, die durch die Auswirkungen des Alkoholkonsums verursacht oder verstärkt werden25

Für eine Diagnose der Alkoholabhängigkeit müssen drei der folgende Kriterien, ebenfalls in denselben 12 Monaten auftreten:

Toleranzentwicklung

Entzugssymptome

Alkoholkonsum häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt anhaltender Wunsch oder erfolglose Versuche, den Substanzgebrauch zu verringern oder zu kontrollieren viel Zeit für Aktivitäten, Alkohol zu beschaffen, zu sich zu nehmen, oder sich von der Wirkung zu erholen wichtige soziale, berufliche oder Freizeitaktivitäten werden auf Grund des Alkoholmissbrauchs aufgegeben oder eingeschränkt fortgesetzter Substanzmissbrauch trotz Kenntnis eines anhaltenden oder wiederkehrenden körperlichen oder psychischen Problems, das wahrscheinlich durch den Alkoholmissbrauch verursacht oder verstärkt wurde26

In der Münchener Studie (EDSP, Early Development Stages of Psychpthology) wiesen 9,7% der 14-24jährigen bereits alle Kriterien für einen Alkoholmissbrauch auf und 6,2% für eine Alkoholabhängigkeit.27 Jungen erfüllten die Kriterien dabei wesentlich häufiger.

Bei schädlichem Alkoholkonsum wird Alkohol gewohnheitsmäßig in größeren Mengen getrunken, um die positiven Wirkungen immer wieder erleben zu können, ohne dass übermächtiger Wunsch oder ein Zwang besteht. Das umschreibt keine körperliche Abhängigkeit, die sich zum Beispiel im Zittern der Hände, dem so genannten Tremor äußert, sondern eine allmählich entstehende psychische Abhängigkeit. Der Grund für den Alkoholkonsum ist dabei entscheidend. Wird aus Langeweile getrunken um eine beruhigende Wirkung zu erzielen oder ist es ein bedeutendes Mittel um Spaß zu haben? All diese Faktoren könnten auf eine beginnende oder bereits bestehende Abhängigkeit hinweisen. Ebenso der Wunsch weniger zu trinken, der in der Erhebung ebenfalls erfragt wird. Oft besteht eine Niedrigdosisabhängigkeit, die weitestgehend unabhängig von der von der Dosis ist sich über einen längeren Zeitraum entwickelt.28 Zu unterschätzen ist sie jedoch nicht, da einmal angenommene Trinkgewohnheiten oftmals eine Lebenszeitprävalenz besitzen.

In der Jugendphase kommt es zur Herausbildung von Toleranzen gegenüber des Alkohols. Das heißt, durch die Gewöhnung an die Substanz verringert sich die Empfindlichkeit des Körpers darauf.29 Der Jugendliche wird umgangssprachlich trinkfester. Das bedeutet nicht, dass diejenige Person weniger betrunken ist, was die Blutalkoholkonzentration betrifft, sondern, dass sie sich mit dieser Konzentration eventuell noch reaktionsschneller zeigt, als ein im Umgang mit Alkohol Unerfahrener. Neben der „Übung“ spielen auch genetische Faktoren bei der Toleranzfähigkeit gegenüber Alkohol eine Rolle. Über die Folgen von längerfristigem Alkoholmissbrauch und auch über die des vermeintlich normalen Alkoholskonsums gibt das Kapitel 5.3 Auskunft.

4. Alkoholkonsum in Deutschland – Entwicklung und Bestandsaufnahme

Wie es um den Gesamtalkoholkonsum in Deutschland bestellt ist, soll in diesem Abschnitt näher erläutert werden. Die Daten verdeutlichen die Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahrzehnten. Zudem wird ein kurzer Blick ins Ausland gewährt um darzustellen, wo sich Deutschland in Bezug auf den Alkoholkonsum international positioniert.

Der Alkoholkonsum bei Erwachsenen soll nur kurz angeführt werden um einen Eindruck des Trinkverhaltens der Bürger der Bundesrepublik Deutschland zu erhalten. Es soll aufgezeigt werden, wie sich das Trinkverhalten der Jugendlichen ins Gesamtbild der alkoholkonsumierenden Gesellschaft eingliedert. Bei einigen vorgestellten Befragungen, die die Gesamtbevölkerung betreffen, sind bestimmte Teile der Bevölkerung ausgeschlossen und die Zahlen deswegen mit Vorsicht zu behandeln. Bei der Interpretation der Daten muss berücksichtigt werden, dass oftmals keine Angaben zum Alkoholkonsum von Obdachlosen oder Personen in Einrichtungen wie Altenheimen, Gefängnissen und Kasernen berücksichtigt wurden. Weiterhin unterscheiden sich die Ergebnisse teilweise von Studie zu Studie.

Der hauptsächliche Fokus liegt auf dem Trinkverhalten der Jugendlichen. Die kontinuierlichsten Untersuchungen führt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durch. Seit 1973 befragt die Institution regelmäßig Jugendliche zu ihrem Alkohol-, Tabakund Drogenkonsum. Weitere Ergebnisse können dem „Kinder und Jugendgesundheitssurvey“ (KiGGS) entnommen werden. Die Studie des Robert Koch Instituts stellt viele Informationen über gesundheitliche Belange im Kindesund Jugendalter bereit. An der Studie haben sowohl Kinder als auch deren Eltern teilgenommen.30

Herangezogen werden ebenfalls die Ergebnisse der „Health and Health Behaviour Amoung Young People“ Studien der World Health Organisation, zu der auch die „Health Behavior in School-aged Children – A WHO Cross National Study“ gehört (HBSCStudie). Die WHO führt dazu regelmäßig alle vier Jahre Untersuchungen in den verschiedensten, vorrangig europäischen, Ländern durch. Ziel der Studie ist es, die sozialen und individuellen Determinanten der gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen über einen langen Zeitraum hinweg zu verfolgen um eine Erweiterung des Grundlagenwissens über die Entstehungsund Entwicklungsbedingungen gesundheitsbezogener Einstellungen und Verhaltensweisen zu gewährleisten.31 Dabei wird ein makro-sozialer Kontext berücksichtigt, der die komplexen Beziehungen von eigener sozialer Lage, familiärer Situation, den Schulbedingungen und den Kontakten zu den Gleichaltrigen betrachtet. Risikogruppen können dadurch leichter entdeckt und Präventionsmaßnahmen auf sie zugeschnitten werden. Als Konsequenz soll die Qualität gesundheitsfördernder Maßnahmen und die Gesundheitserziehung entscheidend verbessert werden.

Im folgenden Abschnitt werden hauptsächlich die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen der BZgA, der WHO und der „Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen“ (ESPAD) beleuchtet, da sie die neuesten veröffentlichten Ergebnisse liefern. Die Ergebnisse aus der eigenen Erhebung werden mit denen der Studien verglichen und analysiert.

4.1 Alkoholkonsum bei Erwachsenen

Das Bundesministerium für Gesundheit führt seit 1980 in unregelmäßigen Abständen, etwa alle zwei bis fünf Jahre, unter der Bevölkerung im Alter von 18-59 Jahren eine repräsentative Befragung zu ihrem Gebrauch psychoaktiver Substanzen durch.32 Die Ergebnisse werden in der Bundesstudie veröffentlicht. Des weiteren gibt es überwiegend lokale Untersuchungen, die sich meist an den Ergebnissen der Bundesstudie anlehnen und nur das Altersspektrum um die Gruppe der Jugendlichen erweitern.33 Alle Studien zielen auf die Erfassung des Substanzkonsums ab, Alkohol stellt dabei nur einen Teilsaspekt dar.

Alkoholische Getränke werden von ca. 90% der erwachsenen Bevölkerung konsumiert.34 Für viele sind sie ein alltägliches Genussmittel, das zur Entspannung getrunken wird und regelmäßig Mahlzeiten begleitet. Alkohol ist ständiger Begleiter auf Festen, bei geschäftlichen Abschlüssen oder politischen Verhandlungen und erlangt durch seine selbstverständliche Anwesenheit einen hohen sozialen Stellenwert. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung überschreitet jedoch mit ihrem eigenen Trinkverhalten die oben erläuterten Höchstwerte der WHO, die einen risikoarmen Konsum definieren. Etwa 2,0 Millionen Frauen und 4,1 Millionen Männer in der Altersgruppe von 18 bis 59 Jahren tranken nach der Bundesstudie von 1997 mehr als die empfohlenen Höchstmengen.35 Der Pro-Kopf-Konsum der deutschen Bevölkerung ist in den letzten zehn Jahren gesunken und stagniert seit 2003 bei etwa 10,3 Litern reinem Alkohol pro Jahr.36 1991 lag er bei etwa 12,4 Litern, 1998 noch bei 10,6 Litern pro Jahr.37 Deutschland belegt damit europaweit den 7. Platz hinter Ländern wie Luxemburg (Platz 1), Irland (4) und Frankreich (6). Werden die durchschnittlichen 10,3 Liter reiner Alkohol einmal auf Bier umgerechnet, das den niedrigsten Volumenprozentwert aufweist, und wird davon ausgegangen, dass eine Flasche 0,5 Liter enthält, wären nach den oben angeführten Volumenprozentwerten 24 Milliliter reiner Alkohol in jeder Flasche. Jeder Deutsche müsste demnach pro Jahr 437,5 Flaschen Bier trinken, um die 10,3 Liter reinen Alkohol zu konsumieren, oder ca. 95 Liter Wein, oder circa 32 Liter Spirituosen. Das ist unverkennbar eine große Menge. Bier macht im Übrigen in etwa die Hälfte des konsumierten

Alkohols aus.38 Seit dem Zweiten Weltkrieg stieg in beiden deutschen Staaten, bedingt durch den steigenden Wohlstand der Pro-Kopf-Verbrauch stark an. In der BRD wurde 1980 mit dem Konsum von 12,5 Litern reinem Alkohol der Scheitelpunkt erreicht. In der ehemaligen DDR stieg der Konsum noch bis 1990 kontinuierlich an und lag zu diesem Zeitpunkt bei 12,9 Litern.39 Die beiden deutschen Teilstaaten unterschieden sich demnach durchaus in ihrer Konsummenge, jedoch wird aus den Quellen nicht deutlich wie der Verbrauch in der DDR gemessen wurde.

Heutzutage leben ca. 7-12% der Bevölkerung abstinent und haben auch in ihrem gesamten Leben keinen Alkohol getrunken, was etwa 3,4 Millionen Erwachsenen entspricht.40 Frauen leben dabei häufiger alkoholabstinent als Männer. Geschlechtspezifische Unterschiede lassen sich auch in allen anderen Konsumklassen finden. Einen risikoarmen Konsum weisen ca. 75% (etwa 36,3 Millionen) der 18-59jährigen auf, einen riskanten Konsum ca. 10,3% (etwa 5 Millionen). Nach anderen Quellen, in denen die 1869jährige Bevölkerung berücksichtigt wurde, liegt bei insgesamt 10,4 Millionen Männern und Frauen ein riskanter Konsum vor.41 Einen gefährlichen Konsum weisen ca. 2,9% (etwa 1,4 Millionen) auf und ca. 0,9% der Befragten gehören zur Gruppe der Hochkonsumenten.42 Die Prävalenzwerte der Männer lagen in allen Gruppen, in denen Alkoholkonsum vorlag, um das Zweibis Dreifache über denen der Frauen. Die Daten über den tatsächlichen Missbrauch differieren jedoch stark und widersprechen sich teilweise sogar, je nach dem welche Studie als Datengrundlage herangezogen wurde. Nicht zu vernachlässigen ist auch eine nicht genau abzuschätzende Dunkelziffer. Trotzdem wird deutlich, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung einen zumindest riskanten Alkoholkonsum aufweist, der im allgemeinen Bewusstsein jedoch durchaus noch als normal aufgefasst wird. Eine wirkliche Abhängigkeit nach den Kriterien der DSM-IV liegt dabei größtenteils nicht vor. Die eigentlich vermeidbaren körperlichen Schädigungen dieser Gruppe wiegen mit zunehmendem Alter jedoch schwer und werden im Kapitel 5.3 näher erläutert.

4.2 Alkoholkonsum bei Jugendlichen

Auf die Geschichte des Alkoholkonsums bei Jugendlichen wird in dieser Arbeit nicht eingegangen. Die gesamte Spannweite über die Antike, die Trinkgelage in den studentischen Burschenschaften bis zum heutigen Alkoholkonsum von Jungen und Mädchen, siehe auch: Robert Koch-Institut (Hg.): Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des wäre ein interessantes, jedoch zu weites Themenfeld und könnte nicht erschöpfend dargestellt werden.43 Das Hauptaugenmerk in diesem Abschnitt soll auf den verschiedenen Studien aus dem Inund Ausland liegen, die schon zum Alkoholkonsum Jugendlicher veröffentlicht wurden und die Entwicklungen der letzten 30 Jahre beinhalten. Dazu sollen das Alter beim Erstkonsum, die monatlichen Trinkgewohnheiten und in einem gewissen Maße die Motivationen zum Alkoholkonsum genauer beleuchtet werden.

Die kontinuierlichsten Untersuchungen führt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durch. Seit 1973 befragt die Institution regelmäßig Jugendliche im Alter von 12-25 Jahren zu ihrem Alkohol-, Tabakund Drogenkonsum. Die ESPAD Studie und die Studien der WHO eignen sich nur bedingt, da sie einen sehr eingeschränkten Alterskreis als Grundlage haben. Die WHO Studien untersuchen vorrangig das Konsumverhalten von Jugendlichen im Alter von 11-15 Jahren, die ESPAD Studie untersuchte das von Schülern und Schülerinnen der 9. und der 10. Klasse innerhalb verschiedener Schultypen. Im Allgemeinen stabilisieren sich die Trinkgewohnheiten von Jugendlichen erst im Alter von 16 bis 17 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit für einen regelmäßigen Konsum erreicht mit 20 Jahren ihren Höhepunkt. Die beiden Studien enden vor dieser Altersspanne. Da die Untersuchungen der BZgA bis in das Alter von 25 Jahren reichen, werden sie vorrangig für die Darstellung des Trinkverhaltens in späteren Jahren herangezogen.

Erstkonsum und Trinkgewohnheiten

Der erste Alkoholkonsum ist überwiegend an gesellige Anlässe in Anwesenheit der Eltern gebunden. Meist wird dabei weniger als ein Glas eines alkoholischen Getränks getrunken. Die Jugendlichen der eigenen Umfrage gaben im Durchschnitt an mit 12,4 Jahren das erste mal ein alkoholisches Getränk konsumiert zu haben. Die Jungen aus der Privatschule tranken mit durchschnittlich 12,3 Jahren ein Jahr früher Alkohol als die Jungen aus dem Jugendclub. Die Mädchen waren in ihren Angaben hingegen äquivalent. Der erste Alkoholkonsum wird größtenteils positiv und vorrangig als „Schwipps“ erlebt.44 Nach der HBSCStudie von 2001 hatten bereits 60% der elfjährigen Mädchen und 65% der 11jährigen Jungen in der Bundesrepublik Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Alkohol getrunken. Von den 15jährigen hatten nur 6% bislang keine Erfahrungen mit Alkohol.45 Die Daten der ESPAD Studie liegen nur leicht darunter. Laut der Drogenaffinitätsstudie der BZgA von 2001 haben 92% der befragten 1225jährigen schon einmal Alkohol probiert.

Die Verbreitung von riskanten Trinkmustern wird in den verwendeten Studien vor allem durch das Ausmaß der Alkoholrauscherfahrungen beschrieben. Die erste Rauscherfahrung machten die Jugendlichen in der eigenen Befragung durchschnittlich im Alter von 14 Jahren. Die Jugendlichen aus der Privatschule lagen dabei wieder leicht vor denen aus dem Jugendclub. Die BZgA gibt als Durchschnittsalter 15,6 Jahre an, die ESPAD Studie keines. Allerdings gaben dort 77% der 16jährigen Mädchen und 83% der 16jährigen Jungen an, schon einmal betrunken gewesen zu sein. Die Rauscherfahrungen der Jugendlichen der letzten 30 Tage, getrennt nach Jungen und Mädchen aus der eigenen Befragung, sind in den folgenden Abbildungen dargestellt.

Abb.4-1 Trunkenheitserlebnisse der letzten 30 Tage Mädchen (Angaben in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Datenmaterial aus eigener Erhebung)

Abb. 4-2 Trunkenheitserlebnisse der letzten 30 Tage Jungen (Angaben in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus den Abbildungen ist zu entnehmen, dass die Jungen der jeweiligen Gruppen generell öfter betrunken waren als die Mädchen. Kein Mädchen der Privatschule war während der letzten 30 Tage bei drei oder vier Gelegenheiten betrunken, nur eines hatte sechs mal ein Trunkenheitserlebnis. Aus dem Jugendclub gab kein Mädchen in den letzten 30 Tagen mehr als 4 Trunkenheitserlebnisse an. Im Gegensatz dazu waren 38,2% der Jungen mehr als einmal während der letzten 30 Tage betrunken. Auffällig ist, dass kein Junge aus der Privatschule angab, mehr als fünfmal betrunken gewesen zu sein, jedoch ein Fünftel der Jungen aus dem Jugendclub. Auch generell wiesen die Schüler aus der Privatschule weniger Rauscherlebnisse auf. Die Unterschiede in den Trunkenheitserlebnissen der Jugendlichen aus dem Club und den Schülern der Privatschule resultieren vermutlich aus dem geringen Unterschied im Durchschnittsalter. Die Jugendlichen aus dem Club waren durchschnittlich 19 Jahre, die Jugendlichen aus der Privatschule im Durchschnitt 16 Jahre alt. Dieser Altersunterschied wiegt schwer, da der Höhepunkt des Alkoholkonsum mit durchschnittlich 20 Jahren erreicht wird. Von den Schülern aus der 9. Klasse gaben insgesamt nur zwei Jungen ein Trunkenheitserlebnis in den letzten 30 Tagen an. Das ist unter anderem ein Grund dafür, dass mehr Jungen aus der Privatschule kein Trunkenheitserlebnis innerhalb der letzten 30 Tage hatten, als Mädchen aus dem Jugendclub. Die eigenen Daten liegen etwas über denen aus der ESPAD Studie, decken sich aber weitestgehend mit denen der Drogenaffinitätsstudie von 2001, was wiederum durch die Berücksichtigung unterschiedlicher Altersgruppen erklärt werden kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Großteil der Jugendlichen in einem Alter Trunkenheitserfahrungen aufweist, in dem sie noch keinen Alkohol trinken dürften. Laut dem Jugendgesetz ist erst mit 16 Jahren der Konsum von Bier erlaubt. Der Konsum von stärkeren Spirituosen sogar erst mit 18 Jahren. Die meisten minderjährigen Jugendlichen bitten aus diesem Grund ältere Freunde ihnen Alkohol zu kaufen. Von den Minderjährigen, die selber Alkohol kaufen, war es 77,8% möglich, dies bisher ohne Einschränkungen aufgrund ihres Alters zu tun. Ein Indiz dafür, dass die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes nur unzureichend umgesetzt werden. Die Mehrheit der Jugendlichen, die Alkohol kauft, kauft ihn selbst.

Jugendliche entwickeln meist eine relativ ausgeprägte Präferenz für eine Alkoholart und konsumieren andere kaum oder nur sehr selten. Die Auswahl hängt dabei von vielen Bedingungen ab. Der Preis, der individuelle Geschmack, aber auch die Trinkpräferenzen des Freundeskreises sind beeinflussende Faktoren. Wie stark diese Einflüsse sind wurde in keiner der analysierten Studien untersucht. Auch in der Studie zu den Ursachen jugendlichen Alkoholkonsums fehlt dies völlig. Die Jugendlichen der eigenen Umfrage bevorzugen bestimmte Getränke vor allem geschlechterspezifisch, wie aus den bereinigten Werten der Abbildung 4-3 zu entnehmen ist.

Abb. 4-3 Getränkekonsum der letzten 30 Tage (Angaben in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Datenmaterial aus eigener Erhebung)

Erfreulich ist, dass nur ein männlicher Befragter aus dem Jugendclub angab, dass er täglich Bier und Spirituosen konsumiert. Er war auch einer derjenigen, die angaben, in den letzten 30 Tagen sechsmal betrunken gewesen zu sein. Die große Mehrheit trinkt jedoch weder täglich noch mehrmals pro Woche. Bei den männlichen Befragten bildet nur Bier eine Ausnahme, das von einem Fünftel mehrmals pro Woche, dass heißt zu unterschiedlichen Trinkgelegenheiten, konsumiert wird. Auch trank nur ein Viertel der männlichen Befragten in den letzten 30 Tagen kein Bier. Die Untersuchungen der BZgA bestätigen, dass Bier das beliebteste Getränk bei jungen Männern ist. 23% der 12-25jährigen trinken es regelmäßig, das bedeutet mindestens einmal pro Woche.46 Das beliebteste alkoholische Getränk bei den Mädchen sind die Biermischgetränke, die vor allem nach Einführung der Sondersteuer auf Alkopops vermehrt auf den Getränkemarkt drängten. Ein Fünftel trinkt diese einmal wöchentlich, nur 39,1% gaben an in den letzten 30 Tagen keine Biermischgetränke konsumiert zu haben, im Gegensatz zu 61,8 % der Jungen. Ihre Konsumpräferenz beschränkt sich insbesondere auf Bier. Die Mädchen beschränken ihren Konsum vorrangig auf den monatlichen. Nur Wein/Sekt und Spirituosen werden noch zu über 10% wöchentlich konsumiert.

[...]


1 Reinhold, Gerd (Hg.): Soziologie-Lexikon. Oldenbourg Wissenschaftsverlag. München 2000, S. 590.

1 Anregungen für den Fragebogen wurden vor allem der ESPAD Studie entnommen, sowie den Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

2 Siehe Kapitel 7 und 8.

3 Angaben über die Mengen an produziertem Alkohol und dessen Verbrauchszahlen lassen sich in der amtlichen Statistik des Statistischen Bundesamtes finden, in den verschiedenen Veröffentlichungen der Brauereiverbände und –vereine, sowie beim Münchener Institut für Wirtschaftforschung; „Produktschap“- Index trägt jedes Jahr die Produktionszahlen von mehr als 50 Ländern zusammen.

4 Bühringer, Gerhard: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos-Verl.-Ges. Baden-Baden 2000 (S. 11)

5 Siehe Kapitel 6.

6 Jacob, Rüdiger; Eirmbter, Willy H.: Einführung in die Methoden der Umfrageforschung mit Hilfen zur Erstellung von Fragebögen. Oldenburg 2000, S. 232.

7 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hg.): Alkoholabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe. Band 1. o.O. 2003, S. 12.

8 Endruweit, Günter; Tromsdorff, Gisela (Hg.): Wörterbuch der Soziologie. Lucius & Lucius. Stuttgart 2002, S. 257.

9 siehe unter anderem: Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Juventa. Weinheim 1999.

10 Gehring, Rolf: Jugendweihe: Streit um eine Erziehungseinrichtung. In: Griese, Hartmut M.(Hg.): Übergangsrituale im Jugendalter: Jugendweihe, Konfirmation, Firmung und Alternativen. Münster 2000, S. 92.

11 Schäfers, Bernhard: Jugendsoziologie. Einführung in die Grundlagen und Theorien. Leske+Budrich. Opladen 2001, S. 19.

12 Gillis, John R.: Geschichte der Jugend. Heyne. München 1994, S. 266.

13 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.(Hg.): Alkohol. Aus der Reihe: Sucht und ihre Stoffe. Eine Informationsreihe über die gebräuchlichen Suchtstoffe. Faltblatt. Köln 2006

14 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hg.): Alkoholabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe. Band 1. o.O. 2003, S. 12.

15 Ebd. S. 12.

16 Was den Gesamtkonsum der Bevölkerung angeht, werden meist Schätzungen der Brauereiverbände herangezogen. (Deutscher Brauerbund, Deutscher Weinbauverband) Das Münchener ifo-Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht diese Daten regelmäßig. Für internationale Daten empfiehlt sich der „Produktschap voor Gedistilleerde Dranken“ der jährlich in den „World Drinking Trends“ veröffentlicht wird. 17 Bühringer, Gerhard: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos-Verl.-Ges. Baden-Baden 2000, S. 31.

18 Ebd. S. 31.

19 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hg.): Alkoholkonsum der Jugendlichen 2004 bis 2007. Kurzbericht. Köln 2007, S. 7.

20 Ebd. S. 7.

21 Bühringer, Gerhard: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos-Verl.-Ges. Baden-Baden 2000, S. 9. siehe dazu auch: Empfehlungen der Bundesärztekammer.

22 ebd. S. 135 ff.

23 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.(Hg.): Alkohol. Aus der Reihe: Sucht und ihre Stoffe. Eine Informationsreihe über die gebräuchlichen Suchtstoffe. Faltblatt. Köln 2006.

24 Bühringer, Gerhard: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos-Verl.-Ges. Baden-Baden 2000, S. 33.

25 Alkohol und Werbung. Auswirkungen der Alkoholwerbung auf das Konsumverhalten bei Kindern und Jugendlichen. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos. Baden-Baden 2002, S. 7.

26 Ebd. S. 7.

27 Bühringer, Gerhard: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos-Verl.-Ges. Baden-Baden 2000, S. 108-110.

28 Kornhuber, Hans Helmut: Alkohol – auch der „normale“ Konsum schadet. Urban & Vogel Medien und Medizin Verlagsgesellschaft. München 2001, S. 3.

29 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.(Hg.): Alkohol. Aus der Reihe: Sucht und ihre Stoffe. Eine Informationsreihe über die gebräuchlichen Suchtstoffe. Faltblatt. Köln 2006.

30 Vgl. Kurth, Bärbel-Maria: Der Kinderund Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Ein Überblick über Planung, Durchführung und Ergebnisse unter Berücksichtigung von Aspekten eines Qualitätsmanagement. In: Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung. Gesundheitsschutz. Band 50. Springer Medizin Verlag. 2007, S. 533-546.

31 Weiterführende Informationen unter www.hbsc.org.

32 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hg.): Alkoholabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe. Band 1. o.O. 2003, S. 16.

33 Siehe unter anderem: Alkoholstudie Thüringen, „Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland“ (Berlinstudie), EDSP (Early Developmental Stages of Psychopathology) München Studie.

34 Bühringer, Gerhard: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos-Verl.-Ges. Baden-Baden 2000, S. 3

35 Ebd. S. 9.

36 Robert Koch-Institut (Hg.): Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut. Berlin 2006, S. 109.

37 Bühringer, Gerhard: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos-Verl.-Ges. Baden-Baden 2000, S. 25.

38 Robert Koch-Institut (Hg.): Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut. Berlin 2006, S. 109.

39 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hg.): Alkoholabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe. Band 1. o.O. 2003, S. 12.

40 Ebd. S. 16.

41 Robert Koch-Institut (Hg.): Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut. Berlin 2006, S. 110.

42 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hg.): Alkoholabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe. Band 1. o.O. 2003, S. 16.

43 als Weiterempfehlung siehe: Spode, Hasso: Die Macht der Trunkenheit. Kultur und Sozialgeschichte des Alkohols in Deutschland. Leske+Budrich. Opladen 1993.

44 Bergler, Reinhold (Hg.): Ursachen des Alkoholkonsums Jugendlicher. Eine sozialpsychologische Grundlagenstudie. Deutscher Instituts-Verlag. Köln 2000, S. 83.

45 Currie, Candace; Hurrelmann Klaus; Settertobulte Wolfgang; Smith, Rebecca; Todd, Joanna: Health and Health Behaviour Among Young People. International Report. WHO. Kopenhagen 2001, S. 73-82.

46 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hg.): Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2001. Köln 2001, S. 8.

Details

Seiten
113
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640122677
ISBN (Buch)
9783640124053
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112820
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Schlagworte
Alkoholkonsum Jugendlichen Eine Untersuchung Potsdam

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Titel: Alkoholkonsum bei Jugendlichen - Eine empirische Untersuchung unter Jugendlichen aus Potsdam