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Terrorismus und Internationale Politik - Der Neorealismus und der 11. September

von Dr. Stefan Schweizer (Autor) M.A. Pia-Johanna Schweizer (Autor)

Skript 2008 9 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Terrorismus und Internationale Politik

Der Neorealismus und der 11. September

Welche Bedeutung besitzen die klassischen Theorien der Internationalen Politik noch heute?

Auf den ersten Blick sind die antiquierten Konzepte hinfällig. Bei genauerem Hinsehen benutzen Politiker aber auch noch klassische Theorie der Internationalen Politik, um ihren Standpunkt zu einem Agieren im internationalen Raum zu legitimieren.

Das folgende Beispiel illustriert dies am Neorealismus und den Terroranschlägen des 11. September.

1. Problem: Am Morgen des 11. September 2001 zerstörten zwei entführte Boeing-Passagierflugzeuge die Zwillingstürme des über 400 Meter hohen World Trade Centers in New York. Über den tatsächlichen Angriff hinaus sollte so signalisiert werden, daß das immens symbolträchtige Herzstück im Innersten des kapitalistischen Systems völlig zerstört war. Kurze Zeit später zerstörte eine weitere entführte Passagiermaschine mit dem Nordflügel des amerikanischen Verteidigungsministeriums einen Teil des scheinbar am besten gesichertsten Gebäudes der Welt; eine andere entführte Maschine stürtzte bei Pittsburgh auf freiem Feld ab. Diese terroristischen Angriffe hatten mit äußerster Präzision und Brutalität den ökonomisch-militärischen Nerv der einzigen nach dem Kalten Krieg existierenden Supermacht getroffen. Die Regierungen und Bevölkerungen des westlichen Staatensystems waren zutiefst in ihrem Sicherheitsselbstverständnis erschüttert.

2. Politisches Problem: Das bedrohliche Potential der Folgen der Anschläge für die westlichen Regierungen und das westliche Lebensverständnis wurde erkannt und zu bannen versucht: Handlungsbereitschaft und -fähigkeit wurden demonstrativ signalisiert. Der Hauptproblembereich lag in dem massiven, kriegsähnlichen Angriff auf einen souveränen Staat, der zugleich unangefochtener militärischer und ökonomischer Welthegemon ist. Die nationale Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten ist ursächlich von äußeren Feinden bedroht. Als Urheber der Anschläge wurde der mutmaßliche Terrorist und Moslemextremist Bin Laden identifiziert. Bin Ladens enge Anbindung an das in Afghanistan herrschende Taliban-Regime ist nicht zuletzt religiöser, finanzieller, familiärer und militärischer Natur. Trotz mehrfacher gegenteiliger Aufforderung wurde Bin Laden von den Herrschenden in Afghanistan weiter protegiert. Er richtete sogar neue Drohungen gegen die westliche Welt. Die Frage, die sich im politischen Kontext der westlichen Welt stellt, lautet: Wie kann die jeweilige nationale Bedrohungssituation gelöst bzw. Sicherheitslage entspannt werden? Als Lösung beschlossen die USA mit ihren Verbündeten einen äußerst breit gefächerten und komplexen Krieg gegen den Terrorismus und seine Unterstützer auf politischer, militärischer, ökonomischer, diplomatischer Ebene etc. Diese anfänglich auch als "Feldzug" bezeichnete Kampagne richtet sich sowohl gegen einzelne Terrororganisationen wie El Kaida als auch gegen Staaten, die eng mit diesen assoziiert sind bzw. diese logistisch und anderweitig unterstützen. Der Erfolg dieser Gegenmaßnahmen läßt sich bis dato noch nicht absehen.

3. Politikwissenschaftliches Problem: Die politikwissenschaftliche Zugangsweise zu diesem aktuellen und komplexen Themenbereich kann von der Fragestellung ausgehen, ob und wie sich das Vorgehen der USA und ihrer Verbündeten gegen El Kaida und Afghanistan "theoriegeleitet" erklären, analysieren und damit gegebenenfalls plausibilisieren läßt. Der Term "theoriegeleitet" ist hier nicht im streng meta- oder wissenschaftstheoretischen Sinne aufzufassen, vielmehr bedeutet er, daß versucht werden soll, eine möglichst adäquate Theorie in der Menge der "Theorien der Internationalen Beziehungen" erfolgreich auf die Problem- und Aufgabenstellung anzuwenden. M.a.W., aus der Alltagsproblemstellung (1, 4) ergibt sich ein politisches Problem (2), welches dringend politikwissenschaftliche Bearbeitung, Begleitung und eventuell auch Beratung erfordert (3, 5). Generell kann man nach der Analyse und Erklärung internationaler Beziehungen fragen, hier konkreter den Beziehungen der Anti-Terror-Allianz versus den Terrorismus: Welche Maßnahmen trifft warum, mit welchen Konsequenzen, wann und wozu die Anti-Terror-Allianz? Bei einer Emphase der Sicherheits- und v.a. der Friedenskomponente - also einer Konnotation der teleologischen oder Wozu-Komponente - lauten die Fragen beispielsweise: Wie und warum kann die Sicherheit der Nationalstaaten der Anti-Terror-Allianz wiederhergestellt und wie kann dauerhafter Frieden erreicht werden? Wie kommt es dann zu Kooperation und Frieden im Rahmen internationaler Anarchie? Übergeordnete Gesamtforschungsfrage aber ist mit Blick auf die Beziehungsanalyse: Wie lässt sich der Konflikt zwischen westlichen Ländern und nicht-westlichen Ländern und Terrororganisationen erklären?

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Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640118618
ISBN (Buch)
9783640118908
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112775
Note
Schlagworte
Terrorismus Internationale Politik Neorealismus September

Autoren

  • Dr. Stefan Schweizer (Autor)

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  • M.A. Pia-Johanna Schweizer (Autor)

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Titel: Terrorismus und Internationale Politik - Der Neorealismus und der 11. September