Lade Inhalt...

Die Caesarbilder der augusteischen Dichter Vergil und Ovid am Beispiel von Caesars Tod und Apotheose

Hausarbeit 2008 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die augusteische Zeit
2.1. Caesars Apotheose
2.2. Augustus’ Dichter

3. Caesars Apotheose in der augusteischen Dichtung
3.1. Vergils Eklogen und Aeneis
3.2. Ovids Metamorphosen und Festtagskalender

4. Zusammenfassung

5. Quellen und Literatur
5.1. Quellen
5.2. Literatur

1. Einleitung

Caesar erhielt nach seinem Tod als erster Römer eine Apotheose[1], aber über seine Leistungen wurde nicht mehr gesprochen. Die Quellen schweigen meist über ihn und auch in der Forschung wird nur selten das Caesarbild der augusteischen[2] Zeit analysiert. Meist wird Caesar bei einer Arbeit über das Augustusbild der Dichter mitbehandelt. Diese Arbeit behandelt Caesars Tod und Apotheose in der Darstellung der augusteischen Dichter Vergil und Ovid. Sie versucht herausfinden, wie Caesar kurz nach seinem Tod betrachtet wurde.

Unter Vergil entstand eine neue Dichtung mit „staatlich-gesellschaftlichem“ Bezug.[3] Die Dichter ließen zeitgenössische Themen und Sichtweisen der Gesellschaft in ihre Werke einfließen. Diese spiegeln daher gut wider, wie sich die Menschen sich an Caesar erinnerten.

Vergil zeigt das Caesarbild kurz nach dessen Tod. Ovid gehörte zu der ersten Generation, die das Ende der Republik nicht mehr (bewusst) miterlebte. An seinen Werken kann man feststellen, wie sich das Caesarbild im augusteischen Principat weiterentwickelte. Die Dichter schreiben mehrdeutig und bis heute wird über die Aussage ihrer Texte diskutiert. Ihr Caesarbild hängt von der jeweiligen Interpretation des Lesers ab. Diese Arbeit will daher keine vollkommen richtige Interpretation aufzeigen, sondern Interpretationsmöglichkeiten. Ferner benutzen die Dichter Caesar meist nur, um (kritisch) etwas über Augustus auszusagen. Oktavian nannte sich erst in seinem Principat[4] nach 31 v. Chr. Augustus. Diese Arbeit versucht diesem Unterschied zu folgen.

Im ersten Kapitel soll kurz erläutert werden, wie es zu Caesars Apotheose kam und wie die Stellung der Dichter in der augusteischen Zeit war. Danach werden Vergils und Ovids Werke analysiert, um ein Caesarbild zu erstellen. Bei Vergil sollen die Eklogen als sein frühestes und die Aeneis als sein letztes Werk betrachtet werden. Ovid bezieht sich nur in den Metamorphosen und dem Festtagskalender auf die Apotheose. Dabei soll betrachtet werden, inwieweit sich das Caesarbild in der Dichtung und somit auch in der Gesellschaft ändert.

2. Die augusteische Zeit

2.1. Caesars Apotheose

Nach Caesars Tod 44 v. Chr. kam Oktavian in die Politik. Er war von Caesar testamentarisch adoptiert worden und demnach dessen Erbe.[5] Im Juli 44 veranstaltete er Spiele zu Ehren des Diktators. Am Ende dieser Spiele erschien ein Komet, der als Seele Caesars gedeutet wurde. Horaz nannte ihn „ sidus Iulium “.[6] Zwei Jahre später wurde Caesar zum Gott erklärt. Dies diente zunächst als Propaganda gegen die Caesarmörder, die Oktavian und Antonius kurz danach in der Schlacht bei Philippi besiegten.[7] Wenig später befand sich Rom erneut im Bürgerkrieg. Im selben Jahr begann mit Vergil die augusteische Dichtung.[8]

Mit seinem Sieg bei Actium 31 v. Chr. gegen Kleopatra und Antonius beendete Oktavian den Bürgerkrieg und wurde Herrscher des römischen Reiches. Nun musste er seine Position festigen.[9] Er stellte sich als Retter und Erneuerer des Staates und Sicherer des Friedens, Wohlstandes und der Freiheit dar.[10] Ferner benutze er Caesars Apotheose, um von ihr seine göttliche Herkunft als Legitimation für seine Machtposition abzuleiten.[11]

Nachdem er als Augustus seine Macht gesichert hatte, distanzierte er sich von Caesar. Seine göttliche Herkunft führte er nun hauptsächlich auf Apollo zurück.[12] Vermutlich, so FINK, wollte er nicht daran erinnert werden, dass Caesar wegen der Alleinherrschaft, die auch er anstrebte, ermordet wurde.[13] Der Komet wurde nicht mehr als Caesars Seele interpretiert. Augustus grenzte sich von dieser Version ab und stellte sie als Glaube der Leute dar.[14] Der Komet wurde nun als Vorzeichen von Augustus’ Herrschaft gedeutet.[15] Caesar wurde zu einem Thema, das besser vergessen wurde. Jede Erwähnung über ihn im augusteischen Principat ist daher eine Überraschung.[16]

2.2. Augustus’ Dichter

Die frühen augusteischen Dichter hatten wenig Grund, den chaotischen Bürgerkriegen vor und nach Caesars Tod nachzutrauern, also lobten sie Oktavian, der die Kriege beendete und den Frieden brachte.[17] Sie schilderten die Anfänge der römischen Geschichte und sagten Ruhm für Rom voraus.[18] Vergil z.B. kündigte ein neues goldenes Zeitalter unter Oktavian an.[19]

Nach den Bürgerkriegen folgte eine moralische Erneuerung, die besonders Horaz unterstützte. Dichtung fördere die Bildung und Moral und sei daher wichtig, um weitere Bürgerkriege zu verhindern. Horaz habe z.B. die Schlacht von Actium als notwendig für das Ende der Kriege dargestellt.[20] Das heißt auch, dass die Dichtung Propaganda für Augustus machte.

Augustus förderte die Literatur, wollte sie aber auch kontrollieren. „Eine Verbreitung über den engsten Freundeskreis hinaus war nicht denkbar, ein Publikum außerhalb des augusteischen Einflussbereichs existierte nicht“.[21] Laut GALL schafften sich die Dichter dennoch Freiräume, indem sie sich in unpolitische Texte zurückzogen oder sich mit Aspekten beschäftigten, die sie guten Gewissens loben konnten.[22] Andererseits entdecken Forscher in fast allen Texten der augusteischen Dichter Kritik an der Politik. Häufig wird diese Kritik aus einer Einzelinterpretation der mehrdeutigen Formulierungen geschlossen.[23] Von Vergil glaubte man, dass er Augustus lobt, aber auch bei ihm entdeckten Forscher Kritik am Principat. Diese Kritik wird jedoch besonders bei Ovid vermutet. Die augusteischen Dichter hatten große geistige Freiheit. Sie konnten sich sogar erlauben, Erwartungen nicht zu erfüllen. Augustus wollte z.B. ein Epos auf seinen Namen, aber keiner der überlieferten Dichter erfüllte diesen Wunsch. BURCK deutet die Dichtung als „ungeheuer“ reich und vielseitig,[24] aber die meisten Werke sind verloren gegangen.

[...]


[1] Apotheose: Vergöttlichung, zum Gott werden

[2] „Augusteisch“ bezeichnet die Zeit von Caesars Tod bis Augustus’ Tod. Der Begriff beinhaltet also auch die Zeit vor dem Principat, als Augustus noch Oktavian war.

[3] BURCK, ERICH: Die Rolle des Dichters und der Gesellschaft in der augusteischen Dichtung, in: Antike und Abendland 21, hrsg.: Bruno Snell [u.a.], Berlin 1975, S.12-35, S.24.

[4] Der Titel Princeps war zuerst im Senat üblich (princeps senatus) und bezeichnete denjenigen, der an erster Stelle auf der Liste der Senatoren stand. Unter Oktavian beschrieb der Titel die neue Staatsordnung, die theoretisch keine Monarchie, sondern die Herrschaft einer (oligarchischen) Gesellschaft sein sollte. Trotzdem war der Princeps eigentlich ein Herrscher, der die Verfassung lediglich duldete. BLEICKEN, JOCHEN: Augustus. Eine Biographie, Berlin 31999, S.321, S.373 und S.394/5.

[5] URBAN; DETLEF: Die augusteische Herrschaftsprogrammatik in Ovids Metamorphosen, Frankfurt am Main [u.a.] 2005, S.91.

[6] Nach VOIT, LUDWIG: Caesars Apotheose in der Darstellung Ovids, in: Et scholae et vitae. Festschrift für Karl Bayer, hrsg.: Friedrich Meier/ Werner Suerbaum, München 1985, S.49-56, S.52.

[7] COLEIRO, EDWARD: An introduction to Vergil’s bucolics with a critical edition of the text, Amsterdam 1979, S.148.

[8] BURCK: Augusteische Dichtung, 1975, S.17.

[9] URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.93.

[10] URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.95/6.

[11] BLEICKEN: Augustus, 1999, S.78/9.

[12] URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.137.

[13] FINK, GERHARD: Festum geniale. Ovid und die Iden des März, in: Athlon. Festschrift für Hans-Joachim Glücklich, hrsg.: Landesverband Rheinland-Pfalz im deutschen Altphilologenverband, Speyer 2005, S.11-18, S.12/13.

[14] VOIT: Caesars Apotheose, 1985, S.52.

[15] SCHMITZER, ULRICH: Zeitgeschichte in Ovids Metamorphosen, Beiträge zur Altertumskunde Band 4, hrsg.: Ernst Heitsch [u.a.], Stuttgart 1990, S.291.

[16] SYME, RONALD: History in Ovid, Oxford 1978, S.191.

[17] URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.100.

[18] BURCK, Augusteische Dichtung, 1975, S.13/14.

[19] Vergil, Aen. I, 291ff; Aen. VI, 792; Ek. IV, 46-58. Siehe BURCK, Augusteische Dichtung, 1975, S.14 und HOLZBERG, NIKLAS: Vergil. Der Dichter und sein Werk, München 2006, S.46.

[20] Siehe THORNTON, AGATHE: The living universe. Gods and men in Virgil’s Aeneid, Leiden 1976, S.10/11.

[21] GALL, DOROTHEE: Die Literatur in der Zeit des Augustus, hrsg.: Martin Hose, Darmstadt 2006, S.20.

[22] GALL: Literatur, 2006, S.20.

[23] WITTCHOW, FRANK: Vater und Onkel. Julius Caesar und das Finale der Aeneis, in: Gymnasium Band 112, hrsg.: Richard Klein/ Ulrich Schmitzer, Heidelberg 2005, S.45-69, S.46.

[24] BURCK, Augusteische Dichtung, 1975, S.17/18.

Details

Seiten
13
Jahr
2008
ISBN (Buch)
9783640127801
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112594
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Caesarbilder Dichter Vergil Ovid Beispiel Caesars Apotheose

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Caesarbilder der augusteischen Dichter Vergil und Ovid am Beispiel von Caesars Tod und Apotheose