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Bernard Herrmann und seine Filmmusiken zu "Citizen Kane", "Psycho" und "Taxi Driver"

Hausarbeit 2007 13 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bernard Herrmann und die Tradition der europäischen Romantik

2. Charakteristika von Herrmanns Kompositionen – Die kleine musikalische Einheit

3. Citizen Kane – Macht und Ohnmacht eines Giganten

4. Psycho – Aufschrei der Streicher

5. Taxi Driver – Klanggemälde einer Stadt

6. Bernard Herrmann und sein Vermächtnis in der Musikwelt

7. Literaturverzeichnis

1. Bernard Herrmann und die Tradition der europäischen Romantik

Als bei der Oscarverleihung 1942 der junge, bis dato noch weitgehend unbekannte Komponist Bernard Herrmann mit seinen Filmmusiken zu „Citizen Kane“ und „All that Money Can Buy“ gleich zweimal in der Kategorie „Best Original Score“ nominiert wurde, stellte dies zweifellos eine Überraschung dar. Das er mit der Musik zu letzterem aber tatsächlich die Trophäe mit nach Hause nehmen durfte und sich damit gegen die Großen der Zunft, namentlich Alfred Newman, Franz Waxman, Max Steiner und Miklos Rozsa, durchsetzte, glich schon fast einer Sensation.[1]

Abgesehen von Newman waren es zu dieser Zeit Immigranten, die die Filmmusik Hollywoods mit der romantischen Tradition Europas dominierten. Max Steiner, mit über 150 Scores einer der bedeutendsten Hollywoodkomponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, studierte in Wien unter anderem bei Gustav Mahler. Dimitri Tiomkin wurde im St. Petersburger Konservatorium von niemand geringerem als Alexander Glasunov geprägt. Erich Wolfgang Korngold wurde von Puccini und Richard Strauss als „Wunderkind“ gelobt und als ausgewiesener Gegner der atonalen Musik bekannt.

Diese Tradition durchbrach Bernard Herrmann mit „Citizen Kane“ und „in den folgenden dreißig Jahren wurde der Name Bernard Herrmann Synonym für den modernen Klang Hollywoods.“[2] Was macht diesen „modernen Klang“ von Bernard Herrmann aus und wie arbeitete er damit fast 40 Jahre lang? An drei signifikanten Ecksteinen von Herrmanns Oeuvre, seinem Erstling „Citizen Kane“(1941), seinem wohl berühmtester Score zu „Psycho“ (1960) und seiner letzten Filmmusik zu „Taxi Driver“(1976) soll dieser Frage nachgegangen werden.

2. Charakteristika von Herrmanns Kompositionen – Die kleine musikalische Einheit

“The reason I don’t like this tune business is that a tune has to have eight or sixteen bars, which limits a composer. Once you start, you’ve got to finish – eight or sixteen bars.” Bernard Herrmann[3]

Eine der bedeutendsten Charakteristika in Herrmanns Musik, angefangen von „Citizen Kane“ bis hin zu seinem letzten Film „Taxi Driver“, ist die Schaffung einer „Cellular Music Unit“, einer musikalischen Einheit, die, oftmals nur aus drei bis vier Noten bestehend, die bislang übliche Melodie mit acht oder mehr Takten ersetzt. Diese musikalische Einheit hat den Vorteil, dass sie sich dem Film wesentlich leichter anpassen kann. Im Gegensatz zu einer langen melodischen Linie war es so einfacher auf Kameraeinstellungen, Schnitte, selbst auf filminterne Gegebenheiten wie Ortswechsel oder Bewegungen der Schauspieler angemessen zu reagieren und damit die Funktion der Musik bedeutend zu verstärken.

Hand in Hand mit der musikalischen Einheit geht Herrmanns Art der Instrumentation, die zu dieser Zeit ein absolutes Novum in der filmmusikalischen Tradition Hollywoods darstellte. Der große Zeitdruck der Studios erlaubte es den Komponisten nicht, die Orchestrierung selbst durchzuführen. Diese wurde von angestellten Musikern – oft zum Missfallen der Komponisten – übernommen. Herrmann orchestrierte (bis auf ganz wenige Ausnahmen) grundsätzlich selbst. Zum einen war er schnelles Arbeiten von seinen Anfängen beim Radio gewohnt, zum anderen beschränkte er sich in der Anzahl seiner Projekte auf durchschnittlich zwei Filme pro Jahr. In der Orchestrierung variiert Herrmann seine kleinen Motive, entwickelt sie weiter, lässt sie in den verschiedensten Orchestergruppen oder mit unterschiedlicher Begleitung spielen und gibt ihnen so die Funktion eines wagnerschen Leitmotivs.

Auch in der Besetzung des Orchesters beschritt Herrmann neue Ufer. Statt des üblichen großen Orchesters mit Schwerpunkt auf den Streichern verwendet er immer wieder außergewöhnliche Gruppierungen. So wurde in „Journey to the Center of the Earth“ (1959) ein Orchester komplett ohne Streicher verwendet und, diametral dazu, ein reines Streichorchester in „Psycho“(1960).

Ausflüge in den Sound des „klassischen Hollywoods“ sind aber – wenngleich äußerst selten – dennoch in Herrmanns Oeuvre zu finden. So steht seine Filmmusik zu Hitchcocks „Vertigo“ (1958) – ähnlich wie „Marnie“(1964) – paradigmatisch für die Fortsetzung der romantischen Tradition im Sinne von Waxman’s „Rebecca“ (1940) oder Rozas „Spellbound – Ich kämpfe um dich“ (1945).

3. Citizen Kane – Macht und Ohnmacht eines Giganten

Obwohl sein Vater Chirurg war, war es ihm wichtig, seinen Sohn früh die klassische Musik näher zu bringen und so besuchte Bernard Herrmann bereits in frühen Jahren Opern und Konzerte. Er lernte Violine und bereits mit 13 Jahren gewann er einen Kompositionswettbewerb. Er schrieb sich an der Universität von New York im Fach Komposition ein, von wo sein Weg ihn zur berühmten Juilliard School of Music führte. Dort gründete er 1931, im Alter von 20 Jahren, sein erstes Orchester, das „New York Chamber Orchestra“. Umso überraschender scheint es, dass der erstklassige Hochschulabsolvent seine Karriere beim Radiosender CBS begann. Anfangs nur als Dirigent, dann aber immer häufiger auch als Komponist für Hörspiele, machte sich Hermann schnell einen Namen. Hier traf er auch erstmals auf Orson Welles, der 1938 sein berühmt-berüchtigtes Hörspiel „War of the Worlds“ (Krieg der Welten) nach dem Roman von H.G. Wells inszenierte. Herrmann hatte dabei die musikalische Leitung, komponierte aber keine eigene Musik sondern arrangierte und dirigierte nur bereits vorhandene – meist klassische – Stücke.[4]

Nach dem großen Erfolg des Stückes wurde Welles von dem Hollywoodstudio RKO unter Vertrag genommen und nach langer Stoffsuche begann er mit der Verfilmung des fiktiven Lebens von Charles Foster Kane. Für die Musik verpflichtete Welles seinen Freund von CBS – Bernard Herrmann. Wie für Welles waren auch die Produktionsbedingungen für Herrmann luxuriös. Für die Komposition und Einspielung waren knapp über zwölf Wochen angesetzt – Bedingungen die Herrmann so nie wieder haben sollte.

[...]


[1] www.oscar.org

[2] Titel, Jan: Bernard Herrmann (www.original-score.de)

[3] Bruce, Graham: Bernard Herrmann – Film Music and Narrative, S.35

[4] Lasher, John Steven: About the composer, http://www.bernardherrmann.org/articles/bio/ aboutthecomposer/

Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640108329
ISBN (Buch)
9783640116102
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112473
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Schlagworte
Bernard Herrmann Filmmusiken Citizen Kane Psycho Taxi Driver

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Titel: Bernard Herrmann und seine Filmmusiken zu "Citizen Kane", "Psycho" und "Taxi Driver"