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Die mythologische Gestalt des Heroen, Menschenbildners und Halbgottes Prometheus in der deutschsprachigen Literatur des 18. Jahrhunderts

Hausarbeit 2006 12 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Epoche des Sturm und Drang
2.1 Der Sturm und Drang und sein historischer Kontext
2.2 Das neue Lebensgefühl und Selbstverständnis des Dichters
2.3 Der Geniebegriff im Sturm und Drang

3. Mythologische Motive in der deutschsprachigen Literatur
3.1 Renaissance der Mythologie im 18. Jahrhundert
3.2 Die Sage von Prometheus
3.3 Johann Wolfgang von Goethe: „Prometheus“
3.3.1 Die Entstehungsgeschichte der Hymne
3.3.2 Zur Form des Gedichts
3.3.3 Interpretation der Hymne

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

„Himmel und Erde waren geschaffen; das Meer wogte in seinen Ufern, und die Fische spielten darin; in den Lüften sangen beflügelt die Vögel; der Erdboden wimmelte von Tieren. Aber noch fehlte es an dem Geschöpf, dessen Leib so beschaffen war, dass der Geist in ihm Wohnung machen und von ihm aus die Erdenwelt beherrschen konnte. Da betrat Prometheus die Erde, ein Sprössling des alten Göttergeschlechter...“[1] – so beginnt wohl einer der bekanntesten griechischen Mythen, der durch immer neue künstlerische Gestaltung und Bearbeitung noch bis heute lebendig geblieben ist.

Unter Mythen sind sagenähnliche Erzählungen von Göttern, Helden und Dämonen zu verstehen. Sie entstanden meist als Erklärung sowohl des Welt- und des Menschenursprungs, wie auch noch nicht erkannter Naturerscheinungen und Zusammenhänge in der Ur- und Frühzeit der Menschheitsentwicklung.[2]

Genauso wie die Religion, so ist auch die Mythologie Ausdruck einer gewissen Ohnmacht, der schicksalhaft empfundenen Abhängigkeit der Menschen vom Einfluss der Natur und Gesellschaft. Parallel widerspiegeln sie immer eine ganz bestimmte Entwicklungsstufe der Lebensweise des jeweiligen Volkes. Jeweils solche Erscheinungen werden als göttlich verehrt, die für das Leben und Werden eines Volkes von besonderer Bedeutung waren. So findet man Sonnen- und Regengötter, Götter des Waldes, der Jagd, des Meeres usw. In phantastischen Erzählungen werden u. a. ihr Wirken und ihre Beziehungen zu den Menschen beschrieben.[3]

Die Kenntnis der alten Mythen verdankt man in hohem Maße den literarischen Überlieferungen. Wie die Märchen sind auch unzählbare Mythen allgemein bekannt und weit verbreitet – nicht zuletzt wegen ihrer poetischen Sprache und der in ihnen gestalteten Menschheitsprobleme. Bis in die Gegenwart hinein werden deshalb ganze Mythen oder ihre einzelnen Gestalten und Motive immer wieder Kunstwerken zugrunde gelegt oder in ihnen verarbeitet, denn sie sind immer gegenwärtig.[4]

Ein Beispiel dafür ist Johann Wolfgang Goethes Prometheus-Dichtung, die den Gehalt des antiken Mythos wesentlich bereichert und der die vorliegende Arbeit gewidmet ist. Durch die Anführung des Gedichts bekommt der Leser einen Eindruck der damaligen Zeit mit ihren spezifischen Merkmalen. Die Hymne zeigt nicht nur durch ihren Aufbau, sondern auch durch ihre Sprache und vor allem durch ihren Inhalt die typischen Elemente der Sturm-und-Drang-Periode.

2. Die Epoche des Sturm und Drang

2.1 Der Sturm und Drang und sein historischer Kontext

Die Epoche des Sturm und Drang (etwa 1770 bis 1785) scheidet die Geister der Experten. Einige sind der Auffassung, dass es sich um einen Abschnitt der Aufklärung handelt, andere bestehen darauf, dass sich der Sturm und Drang als eigenständige Epoche aus der Empfindsamkeit entwickelt hat. Diese Epoche, die sich eigentlich nur auf Deutschland beschränkte, kann als jugendliche Revolte gegen die Aufklärung und Gesellschaft angesehen werden. Während sie im politischen Bereich ohne Erfolg blieb, löste sie geistige Impulse bei den Mitmenschen aus, die auch noch in der Romantik und Klassik nachwirkten.[5]

Im 18. Jahrhundert war das Deutsche Reich nach dem 30-jährigen Krieg in eine Vielzahl von kleinen Territorien zersplittert. Es herrschten Chaos und Unordnung. Es existierte im Staat keine einheitliche Exekutive, Legislative und Judikative. Die einzelnen Fürstentümer herrschten größtenteils autonom und auf Kosten der verarmten Bevölkerung. Die Unterschicht, die zwei Drittel der Bevölkerung darstellte, litt unter grausamsten Lebensbedingungen, am untersten Existenzminimum. Man darf aber zugleich die Entstehung des Bürgertums nicht vergessen, das durch das wirtschaftliche Aufblühen der Städte bedingt war. Die bürgerliche Emanzipation war geprägt durch den Wunsch nach sozialen, weltanschaulichen und politischen Reformen. Und die damaligen Dichter waren nicht taub auf die Bedürfnisse des Bürgertums.[6]

2.2 Das neue Lebensgefühl und Selbstverständnis des Dichters

Die Dichter des Sturm und Drang führten in manchem die Ideen der Aufklärung fort, gerieten jedoch in ganz entscheidenden Fragen in Widerspruch zur Vätergeneration. Träger der neuen Bewegung waren meist Studenten, die aus dem Kleinbürgertum kamen (nur Goethe stammte aus einem wohlhabenden Patrizierhaus).[7]

Diese Jugend setzte in den siebziger Jahren zum Angriff auf die Heiligtümer der Aufklärung an und stürzte deren Götterbilder der Vernunft und Zweckmäßigkeit. Dafür wurden nun den neuen Idealen Altäre errichtet: Freiheit, Genie, Natur, Gefühl.[8]

Mit anderen Worten: „im Widerspruch gegen die Aufklärung wurde eine rebellische Jugend ihrer eigenen Kräfte bewusst. An die Stelle der Regel trat jetzt die originale Natur; an die Stelle von Tugend und Witz traten die Kraft und das Genie. Statt Moral wollte man vitale Leidenschaften, statt Form den genialen Überschwang, statt Ordnung das fruchtbare Chaos, statt Gesellschaft das Volk, statt Maß die freie Willkür. Nicht die Norm sollte mehr herrschen, sondern eine schöpferische Freiheit, die keine Bindung und Regel anerkannte, vielmehr sich selbst ausleben und austoben wollte“.[9]

Die Zeit des Sturm und Drang war durch ein neues, schwärmerisches Verhältnis zur Natur gekennzeichnet. Die Epoche erstrebte eine natürliche Gesellschaftsordnung. Entscheidend sollte nicht Geburtsadel sein, sondern Bildung des Herzens. Dazu gehörte auch eine andere, eine bürgerliche Vorstellung von Moral. Da die Stürmer und Dränger ihre Ideen jedoch nicht in die Realität umsetzen konnten (das Bürgertum war politisch machtlos), wurde die Literatur, besonders die für die Bühne bestimmte, dazu verwendet, den Entwurf einer neuen Welt zu bieten. Die adeligen Machthaber wurden hier vor Schranken eines Weltgerichts gestellt, der Unmoral bezichtigt und verurteilt. Die Werke der Stürmer und Dränger waren kämpferischer Natur, sie klagten an, wandten sich gegen den Machtmissbrauch der Fürsten, gegen gesellschaftliche Vorurteile und Standesschranken, gegen religiöse Unduldsamkeit, gegen die bestehende Kultur überhaupt. Populärste Themen waren der tragische Konflikt eines markanten Individuums mit der Gesellschaft oder dem Geschichtsverlauf sowie der Zusammenprall von Gefühl und Ehrenkodex.[10] Dazu gehörten auch: Spannung zwischen kleinen Sozialkreisen; Konflikt zwischen Hofadel und Bürgertum; der autonome Künstler, der dem „Genie“ folgt statt der Regel, als Vorbild individueller Eigenständigkeit; Spannung zwischen Drang nach Selbstverwirklichung und Einengung durch das Alltagsleben; Tod als Ausweg aus dem „Kerker“ des Lebens.[11]

[...]


[1] Kasper 1983: 123f.

[2] vgl. Müller 1972a: 29

[3] vgl. Kasper 1983: 124

[4] vgl. Kasper 1983: 124

[5] vgl. Killinger 1996: 93

[6] vgl. Strotmann 2001: 4

[7] vgl. Killinger 1996: 93

[8] ebenda

[9] Martini 1968: 217

[10] vgl. Killinger 1996: 93f.

[11] vgl. Hermes 1994: 62

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640119769
ISBN (Buch)
9783640156429
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112388
Institution / Hochschule
Uniwersytet Warszawski (Universität Warschau)
Note
Sehr gut
Schlagworte
Gestalt Heroen Menschenbildners Halbgottes Prometheus Literatur Jahrhunderts

Autor

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