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Das Straphänomen R.E.M.

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 31 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Biographie der Bandmitglieder von R.E.M

3. R.E.M. im sozio-kulturellen Kontext
3.1 Musikalische Einflüsse
3.2 Einfluß der Südstaaten auf R.E.M.

4. Medien
4.1 Die Medien und R.E.M
4.2. R.E.M. und die Medien

5. Das Image von R.E.M

6. Die Stellung von R.E.M. als Stars
6.1. R.E.M.s sozial-politisches Engagement
6.2 Der Einfluß von R.E.M. auf die Musikszene (in den USA)

7. Der Marktwert von R.E.M

8. Schlußbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

R.E.M. – eine Band, die dieses Jahr ihr 20jähriges Bestehen feiert, eine Band, die ihre Darstellung in der Öffentlichkeit einschätzt als „R.E.M. is part lies, part heart, part truth and part garbage.“ (Mike Mills, 1990), eine Band, die vielen Bands als Vorbild dient, weil sie sich (angeblich) nie den Regeln des Musikgeschäfts unterworfen hat, schlicht „America’s Best Rock’n’Roll Band“ (Rolling Stone, 1987). Diesem „Starphänomen R.E.M.“ widmet sich die vorliegende Arbeit. Dabei gilt es die soziale, kulturelle und kommerzielle Umgebung von R.E.M näher zu untersuchen.

Zahlreiche Bücher sind mittlerweile über R.E.M. erhältlich, vor allem seit der Band vor neun Jahren der internationale Durchbruch mit Losing My Religion gelang. Jedoch haben sich bisher nur wenige Autoren genauer mit der umfangreichen R.E.M.-Materie auseinandergesetzt. Somit beschränkt sich der überwiegende Teil dieser Bücher nur auf dürftige chronologische Darstellungen der Band, die vielfach angereichert sind mit Bildern. Es scheint, daß bisher nur ein Autor die verschiedenen Aspekte R.E.M.s näher beleuchtete – Marcus Gray in It Crawled From The South. Dieses Buch bildet nicht nur die Grundlage für andere Bücher über R.E.M. wie Documental von Dave Bowler und Bryan Dray oder R.E.M. von David Harrington, sondern fließt auch in diese Arbeit ein. Auf dem deutschsprachigen Buchmarkt erschienen vornehmlich zur Zeit der Monster -Tour 1995 diverse Bücher über R.E.M. wie R.E.M. - Amerika träumt: Der ungewöhnliche Aufstieg der wichtigsten Rockband der USA von Stefan Nink oder R.E.M. von Annette Weidner, die mit vielen Ungenauigkeiten und Fehlern angereichert sind. Darüber hinaus wurden einige Zitatensammlungen (z.B. R.E.M.: Talk About The Passion, An Oral History von Denise Sullivan oder R.E.M.: In Their Own Words von Peter Hogan) und Artikelsammlungen (z.B. The R.E.M. Companion von John Platt oder R.E.M.: The Rolling Stone Files) publiziert. Eine schier unerschöpfliche Quelle bildet das Internet mit unzählige Gigabytes an Informationen über R.E.M. (Diskographien, Biographien, über 800 englischsprachige Artikel).

Im Rahmen dieser Arbeit soll den folgenden Fragen nachgegangen werden: Wie sieht der sozio-kulturelle Hintergrund der Band aus? Welchen musikalischen Einflüssen waren die Bandmitglieder ausgesetzt? Welche Rolle spielen die Südstaaten der USA in der Musik von R.E.M.? Wie werden R.E.M. von den Medien aufgenommen? Wie gehen R.E.M. mit den Medien um? Wie sieht eigentlich das Image von R.E.M. aus? Wie nutzen R.E.M. ihre Stellung als Stars aus? Welchen Einfluß üben R.E.M. hauptsächlich auf die amerikanische Musikszene aus? Läßt sich das Starsein von R.E.M. ökonomisch messen?

2. Kurze Biographie der Bandmitglieder von R.E.M.

Hauptsächlich in der ersten Dekade ihrer Existenz wurden R.E.M. mit Athens, Georgia assoziiert und als „Southern“ bezeichnet. Jedoch wurde nur ein Bandmitglied in den Südstaaten geboren und keines der Bandmitglieder verbrachte dort seine Kindheit.

Peter Lawrence Buck, geboren am 6. Dezember 1956 in Oakland, Kalifornien, verbrachte die prägenden Jahre seiner Kindheit in Kalifornien. Später zog seine Familie nach Indiana und als Peter Buck 13 Jahre alt war, ließ sich die Familie in Atlanta, Georgia nieder. Mit 16 Jahren fing er mit dem Gitarrespielen an, jedoch war sein Können, als er aber bei R.E.M. anfing, stark eingeschränkt (Gray, 1996, 4). Die Aussagen betreffend seines Lebenslaufs nach seinem 17. Lebensjahr sind unterschiedlich, so daß ein verklärtes Bild von Peter Buck entsteht, das er selbst geprägt hat, und das ihn als Tellerwäscher und Vagabund, der à la Kerouac durch das Land zog, darstellt. Es entsteht der Eindruck, daß Peter Buck an seiner eigenen Person als Beispiel für den American Dream gelten möchte, der zwar in einer Mittelklasse-Familie aufgewachsen ist, sich aber später im Leben durchkämpfen mußte. Auf jeden Fall arbeitete er 1979 in einem Plattenladen namens Wuxtry Records in Athens, Georgia, als ihm eine Kunde besonders auffiel, weil, so will es die Legende, er sich immer die Platten kaufte, die Peter Buck für sich selbst aufgehoben hatte; es war Michael Stipe.

John Michael Stipe, geboren am 4. Januar 1960 in Decatur, Georgia, zog während seiner Kindheit häufig um, weil der Vater beim US-Militär angestellt war. Wie Michael Stipe selbst betont, ließ ihn diese Zeit zum Außenseiter werden, der kaum sozialen Anschluß fand (obwohl ihn seine Klassenkameraden nie so empfunden haben). Diese Aussage soll zur Erklärung seines teils „merkwürdigen“ Auftretens in der Öffentlichkeit dienen. 1978 ließ sich die Familie in Georgia nieder und Michael Stipe schrieb sich an der University of Georgia in Athens für Kunst und Photographie ein. Als er 1979 Peter Buck kennenlernte, zogen die beiden in eine profanierte Kirche, in der der erste Auftritt von R.E.M. später stattfinden sollte (Gray, 1996, 18).

William Thomas Berry, geboren am 31. Juli 1958 in Duluth, Minnesota, wuchs auch in einer Familie auf, die häufig am Umziehen war. Nach Wisconsin und Ohio ließ sie die Familie 1972 in Macon, Georgia nieder, wo er zur High School ging, die auch Mike Mills besuchte. Beide konnten sich aufgrund ihrer gegensätzlichen Persönlichkeiten nicht ausstehen. Jedoch bezeichneten sie sich Jahre später als beste Freunde. Diese Wandlung sei nur allein der Musik zu verdanken, denn sie spielten im selben High School Orchester.

Michael Edward Mills, geboren am 17. Dezember 1958 in Orange County, Kalifornien, weist den umfangreichsten musikalischen Hintergrund aller Bandmitglieder auf. Seine Eltern waren beide Musiker, die Mike Mills in seinen musikalischen Ambitionen unterstützten (Piano, Tuba, Sousaphon, Gitarre). Sowohl Bill Berry als auch Mike Mills schrieben sich an der University of Georgia in Athens 1979 ein – Bill Berry, um Rechtsanwalt für Medienrecht zu werden; Mike Mills wollte sich erst später für ein Hauptfach entscheiden. Über eine gemeinsame Bekannte lernten sich die Zweigespanne Peter Buck/ Michael Stipe und Bill Berry/ Mike Mills kennen. Auf den Wunsch dieser Bekannten hin, auf ihrer Geburtstagsparty aufzutreten, hatten Berry, Buck, Mills und Stipe ihren ersten Auftritt als Twisted Kites am 5. April 1980.

3. R.E.M. im sozio-kulturellen Kontext

3.1 Musikalische Einflüsse

R.E.M. sind bekannt dafür, daß sie gerne Cover-Songs spielen, vor allem von Musikern und Musikerinnen, die nicht nur Einfluß auf ihre eigene Musik, sondern, wie sie sagen, auch auf ihr Leben ausübten.

Peter Buck war unter anderem fasziniert von den Rolling Stones, Neil Young, Van Morrison, Velvet Underground, New York Dolls, Iggy Pop and the Stooges und T Rex. Wie er 1992 gegenüber Q erklärte, äußerte sich seine Begeisterung für T Rex folgendermaßen:

I thought, that’s what being a pop star is all about. Wearing feather boas and going Top of the Pops swilling champagne. As an image, that was really cool, and living in Georgia, it was like Martians, a message from another planet.

Einen profunden Eindruck hinterließ bei Peter Buck, wie auch bei Michael Stipe, Horses (1975 erschienen) von Patti Smith:

I wore Patti Smith jackets, Patti Smith shirts, Patti Smith ties and I got the local barber to give me a Patti Smith haircut. I walked out of the place expecting everyone to admire me, but Atlanta, Georgia wasn’t quite ready for men who dressed like their favourite woman artist.

Daneben besorgte er sich alle Platten, die mit der New Wave Szene von New York zu tun hatten. 1977 hörte er Anarchy in the UK von den Sex Pistols – von nun an war Punk die Inspiration von Peter Buck (Gray, 1996, 8).

Michael Stipe nennt vor allem die elterliche Plattensammlung (Henry Mancini oder George Gershwin) als frühe musikalische Einflüsse. Als die Familie Mitte der 60er Jahre nach Texas zog, fing er an, sich für Country zu interessieren, später auch für Elvis Presley. Anscheinend sind die anderen Klänge der 60er nicht bis zu ihm durchgedrungen – so behauptet er, daß er erst in den 80ern von Bob Dylan, den Beach Boys oder den Beatles etwas gehört hatte (Gray, 1996, 12). 1975 aber sah er in einer Ausgabe von Creem ein Bild von Patti Smith „she was terrifying looking like Morticia Addams“. Wie Peter Buck besorgte er sich Horses und er fühlte sich überwältigt:

It pretty much tore my limbs off and put them back in a different way. That’s pretty strong stuff for a 15-year-old American middle-class white boy sitting in his parent’s living room with his headphones on so they wouldn’t hear it ... Horses was the one.

Als weitere Einflüsse nennt er die Sex Pistols, Generation X und die Ramones, jedoch war er auch an der Musik interessiert, die die New Wave und Punk -Bewegung auslöste. Denn er fing an, sich mit der Punk -Ethik Do It Yourself zu beschäftigen:

Patti Smith in her interviews and Tom Verlaine and anyone who revolved around that scene were saying how anyone could be in a band. As a 16-year-old, I took that very literally, and decided I need to be a singer.

So fing er an, in ein paar Bands mitzuspielen, obwohl er jahrelang abstritt, das getan zu haben und behauptete R.E.M. wäre die erste Band, in der er mitgespielt hätte (Gray, 1996, 18).

Bill Berry und Mike Mills berichten von ihren frühen musikalischen Einflüssen viel unverblümter und direkter als Peter Buck oder Michael Stipe. Bill Berry nennt James Brown, die Motown-Produktionen und die Beatles und Mike Mills Led Zeppelin, Queen, Sex Pistols und die Ramones als maßgebliche Einflüsse. Daher war das eigene Material von R.E.M. tief verwurzelt in der Musik der frühen bis mittleren 60er Jahre, aber auch andere Stile wurden ausprobiert wie Rock’n’Roll, R&B und UK Beat Boom (in den USA als British Invasion bekannt).

Nach ihrem ersten öffentlichen Auftritt auf der Geburtstagsfeier, bei der schätzungsweise 300 Menschen anwesend waren und auf der sie nur Cover-Songs spielten, folgten Auftritte in diversen Club von Athens, wobei ihnen die Gigs Bertis Downs (Rechtsanwalt für Medienrecht) besorgte. Bertis Downs ist bis heute der Rechtsanwalt von R.E.M. und nach dem Ausscheiden im Mai 1996 von Jefferson Holt, der seit den ersten Auftritten als R.E.M.s Manager fungierte, übernahm Bertis Downs zusätzlich seine Rolle.

Die Auswahl der Cover-Versionen, die R.E.M. spielten, folgte einem bestimmten Muster: R.E.M. spielten nicht die Songs ihrer Vorbilder, sondern sie versuchten die Quelle ausfindig zu machen, die ihre Vorbilder beeinflußt hatte. Den Ausgangspunkt für ihr aufgeführtes Material bildeten somit die Einflüsse ihrer eigenen Einflüsse. Nach kurzer Zeit wandten sich R.E.M. von dieser Einstellung ab, und sie konzentrierten sich auf das eigene Songwriting, denn Peter Bucks Gitarrenfähigkeiten waren zu beschränkt, um auch nur die einfachsten Cover-Versionen richtig spielen zu können (Gray, 1996, 38).

Natürlich waren die Mitglieder von R.E.M. nicht die einzigen, die den Umbruch der späten 70er Jahre in der Popmusik bemerkten. Obwohl die Punk -Bewegung in den USA sich in den Charts nicht durchsetzen konnte, so führte sie doch zum Wiedererwachen des Interesses am Lokalen, so daß autonome Musikszenen entstanden. Viele Collegestädte entwickelten kleinere Versionen der Londoner und New Yorker Modelle. Mitte der 80er Jahre gehörte auch Athens zu ihnen. Die Bevölkerung der Classic City, wie Athens genannt wurde, bestand zu einem Drittel aus 18- bis 22jährigen Studenten, die hungrig waren nach Unterhaltung. Lokale Bands, die ihr Publikum fesseln konnten, waren die Side Effects, die Tone Tones, die Method Actors, Pylon, Love Tractor und die B-52‘s (Gray, 1996, 40). Mike Mills beschreibt die Atmosphäre folgendermaßen: „People decided at their parties, rather than play records, they would have the newest band playing“. Eine Band sollte nur laut und schnell spielen, das waren die einzigen Anforderungen, die gestellt wurden. Für Twisted Kites, die sich nach ihrem ersten Auftritt in R.E.M. umbenannten, fungierten die Cover-Versionen, die sie später bei ihren Auftritten spielten, als ein Ventil angestaute Spannung abzubauen. Jedoch wurden die früher spontan gespielten Cover-Songs während der später stattfindenden Stadientouren eingestellt, weil sie weniger Flexibilität und Spontaneität zuließen.

3.2 Einfluß der Südstaaten auf R.E.M.

Subtil hat die Umgebung, also die Südstaaten, die Musik von R.E.M. beeinflußt. Vor allem auf ihrem Erstlingswerk, der 1982 erschienenen EP Chronic Town, ist die Grundatmosphäre in den Songs zu spüren. Diese Grundatmosphäre vom nördlichen Georgia wurde von John Seawright gegenüber Vox folgendermaßen beschrieben: „It’s sunny here, but there’s a darkness and decay as well. There’s a constant reminder of mortality.“ Diese Aussage geht einher mit der Beschreibung von Peter Buck, der die Musik auf Chronic Town Spooky Gospel nannte.

In vielen Songs, vornehmlich in denen, die vor 1989 geschrieben wurden, sind zahlreiche Querverweise auf den amerikanischen Bürgerkrieg, ein prägendes Ereignis für die Südstaaten, eingewoben. Daneben benutzt Michael Stipe viele idiomatische Ausdrücke, die nur den Zuhörern aus den Südstaaten bekannt sind und dem Rest der Welt als Quelle großer Verwirrung begegnen. Beispielsweise ist „Katie bar the door“ (aus dem Song Sitting Still) ein Südstaatenausdruck für „man sollte besser aufpassen, denn die Dinge geraten außer Kontrolle“. Losing My Religion, mit Phrasen wie „I’m choosing my confessions“ und „the slip/ That brought me to my knees“, legt die Vermutung nahe, daß es sich dabei um Glaubensverlust handelt. Jedoch behauptet Michael Stipe, daß „losing my religion“ ein Südstaatenidiom für „am Ende seiner Kräfte sein“ ist. Nichtsdestotrotz hat keines der Bandmitglieder jemals diesen Ausdruck vorher gehört. Dennoch ist der Gedanke der Religiosität nicht abwegig, denn die Südstaaten liegen im Bible Belt. In dieser Region nimmt Religion eine bedeutende Stellung im alltäglichen Leben ein, vor allem im Leben der ländlichen und oftmals armen Bevölkerung. So werden auf dem ersten und zweiten Album von R.E.M. Murmur und Reckoning viele religiöse Anspielungen verwendet wie in Harborcoat, Pilgrimage, Talk About The Passion, 9-9. Besonderen Ausdruck wird den Mythologien, Fabeln und Traditionen der Südstaaten auf dem dritten Album von R.E.M. Fables Of The Reconstruction verliehen. Aber nicht nur die Songtexte verleihen der Musik von R.E.M. ein Südstaatenambiente, sondern auch die Instrumentation wie sie in der Country und Hillbilly-Musik üblich ist (Gray, 1996, 264).

Die Südstaatenmythologie- und nostalgie wich allgemeineren US-amerikanischen Themen auf dem vierten Album Lifes Rich Pageant, um dann wiederzukehren im darauffolgenden Album Document. Mit dem Wechsel von R.E.M. von IRS zu Warner Brothers 1988 geriet der Einfluß der Südstaaten immer mehr in den Hintergrund. Ein Grund könnte darin liegen, daß R.E.M. durch den Wechsel der Plattenfirma ihr internationales Profil ausdehnen wollten und somit ihre Texte von allgemeineren, international nachvollziehbaren Themen handeln ließen.

Nicht nur die Südstaaten haben die Musik von R.E.M. geprägt, auch R.E.M. ihrerseits prägten und prägen das Bild von Athens, Georgia. Um 1978 gab es keine bemerkenswerte Musikszene in der Collegestadt Athens, außer den B-52‘s, die 1979 nach New York gingen. Zu der Zeit hatte die University of Georgia in Athens einen Ruf, nicht karriereorientierte Studenten anzuziehen. Seitdem aber R.E.M. erfolgreich waren, veränderte sich auch Athens. Es gab drei unvermeidbare Nebenprodukte durch die enge Verbindung zwischen R.E.M. und Athens: 1. Viele Musiker aus den ganzen USA zogen nach Athens, in der Hoffnung, daß eine enge Beziehung zu dieser Stadt oder der Band ihrer Karriere nützen würde. 2. Die University of Georgia verzeichnete einen steilen Anstieg an Einschreibungen, da sich viele R.E.M.-Fans erhofften, auf diese Art und Weise an die Band ranzukommen. 3. Die dritte Nebenerscheinung war das Aufkommen von Fan-Pilgerfahrten nach Athens. Vor allem der Sänger und Texter der Band, Michael Stipe, zog Massen an (Gray, 1996, 142). Die Pilgerfahrten und die gestiegene Anzahl an Studenten brachten der Stadt viel Geld ein. So präsentiert sich Athens heute als gepflegtes Städtchen mit Cafés, Restaurants und Nachtclubs. Daneben engagieren sich die Mitglieder von R.E.M. für den Erhalt von älteren Gebäuden und verhindern den Aufbau von großen Zementblockbauten. Die Reaktionen der Einheimischen ist gemischt. Die einen mögen die Art und Weise nicht, wie R.E.M. die Stadt dominieren, andere befürworten das Engagement der Bandmitglieder für die Stadt. Nachdem von dem 1991 erschienenen Album Out Of Time mehr als 10 Millionen Exemplare verkauft wurden, stieg die Anzahl der Menschen, die auf der Suche nach R.E.M. waren, noch einmal erheblich. Zu dieser Zeit war sich die Band unsicher, wie sie mit dem gestiegenen Druck umgehen sollte, und so verließen sie die Stadt für eine Weile. Als Automatic For The People erschien, entschied sich die Band nicht zu touren und Michael Stipe verweigerte jegliche Interviews. Peter Buck und Mike Mills übernahmen diese Aufgabe, wobei alle Interviews außerhalb von Athens stattfanden. Jedoch ging diese Sparflammen-Politik nach hinten los, da nun Spekulationen über die Gesundheit des Sängers aufkamen und sich die Medien und die Fans wieder auf den Weg nach Athens machten. R.E.M. und Athens sind somit unzertrennbar miteinander verbunden. Dennoch, durch den anhaltenden Ansturm von Fans und Medienvertretern konnte die Stadt nicht weiter als ihr Refugium dienen. Mittlerweile halten sich die Mitglieder von R.E.M. immer weniger in Athens, sondern vielmehr in Los Angeles, New York oder Seattle, auf.

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Details

Seiten
31
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638174473
ISBN (Buch)
9783656459682
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11237
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Forschungsinstitut Populäre Musik
Note
1,3
Schlagworte
R.E.M. REM Alternative Musik Band Musikgruppe

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