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Die Romantik als kunst- und literaturwissenschaftliche Epoche

von Christian Schön (Autor)

Essay 2008 11 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Romantik als Epochenbegriff einer literarischen Bewegung

3. Epochenkonstituierende sozialgeschichtliche Implikate

4. Realpolitik, Christentum und Utopien

5. Wegbereiter der frühromantischen Ästethik: Kant, Fichte und Schelling
5.1 Kant
5.2 Fichte
5.3 Schelling

6. Ein Paradigmenwechsel: Die Ästhetik als Krönung der Philosophie

1. Einleitung

Einen kompakten aber guten Überblick über die Etymologie des Wortes Romantik und die vielfache Verwendungsweise desselben gibt Gerhard Schulz.[1] Im folgenden interessiert insbesondere die Verwendungsweise des Begriffes Romantik als Epochenetikett der zugehörigen literarischen Bewegung in Deutschland bzw. es werden die damit verbundenen Konnotationen dem Begriff zugrundegelegt. Allerdings wäre eine alleinige Fokussierung auf die literarische Romantik fatal, denn gerade die romantische Bewegung in ihrer universalistischen Gesamtausrichtung und unabdinglichen Tendenz zum Absoluten ist als ein die verschiedensten Wissenschafts- und Kunstrichtungen integrierender Ansatz zu verstehen. Besonders deutlich zeigt sich dies daran, daß in der Romantik der Kunst allgemein Lösungskompetenzen zugeschrieben wurden, die man anderen Disziplinen (wissenschaftlicher Art, hier vornehmlich der Philosophie) nicht zutraute. Im folgenden wird versucht, zweierlei Dinge herauszustellen. Einmal sind dies - in äußerst knapp gehaltener Form - allgemeine Faktoren (aber z.T auch Ausflüsse), die sich für die Konstituierung der Romantik als Epoche verantwortlich gezeigt haben. Zum anderen wird ein Paradigmenwechsel in der Philosophie skizziert, welcher als geradezu außerordentlich in seiner Bedeutung für die literarische Produktion der Romantik erachtet werden muß, nämlich die Einbeziehung der Ästhetik in die Philosophie bzw. die Erklärung der Ästhetik als gewichtigstes bzw. eines der gewichtigsten philosophischen Themen überhaupt.

2. Romantik als Epochenbegriff einer literarischen Bewegung

Die generellen Defizite und die damit verbundenen Probleme von Epocheneinteilungen in Literaturgeschichten, aber auch die Leistungs- bzw. Klassifikationspotentiale derselben sind von mir bereits in dem Realismus und Gottfried Kellers "Grünen Heinrich" betreffenden Papier thematisiert worden. Deshalb wird an dieser Stelle lediglich darauf verwiesen.

Die die literarische Romantik umfassende Zeitspanne wird mit 1798-1835[2] angegeben. Als Variante zu dieser Angabe finden sich Datierungen von +/- 5 Jahren.[3] Einigkeit hingegen herrscht hinsichtlich einer Unterteilung der Romantik in zwei unterschiedliche Strömungen, wobei die sukzessive Veranlagung der beiden ins Auge springt. Es handelt es sich dabei einmal um die Frühromantik (um 1798 vornehmlich in Jena), zu deren prominenstesten Vertretern sicherlich Wackenroder, Tieck, Hardenberg (Novalis) und die Gebrüder Schlegel zu rechnen sind. Die auf 1805 bzw. 1808/09 datierte Hochromantik umfasste vor allem Arnim, Brentano und Eichendorff.[4]

3. Epochenkonstituierende sozialgeschichtliche Implikate

Kein historisches Ereignis symbolisiert die große Teile Europas umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen - nämlich den Übergang des Feudalismus zur Bürgertumsherrschaft - besser als die Französische Revolution. Allerdings war die Macht des Bürgertums in Deutschland vor allem wegen der ungeheuer großen Fragmentierung in über dreihundert souveräne Staaten beschnitten, da die (in England und Frankreich bereits seit längerem gegebene nationale Einheit) als relevanter Entwicklungsbedingung und -faktor wirtschaftlichen Potentials angesehen wird. Diese Konstellation zeitigte zwar für das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen fatale gesellschaftliche Konsequenzen, die aber durch enorme Entwicklungspotentiale in Kunst und Wissenschaft kompensiert werden konnten: "Dem Bürgertum, das auch in Deutschland immer mehr Bedeutung gewann und dem Adel selbstbewußter entgegentrat, fehlte daher die wirtschaftliche Macht, politische Veränderungen zu erzwingen. Statt dessen baute der progressive Teil dieses Bürgertums auf die Macht der Moral, auf Philosophie und Literatur."[5] Bezüglich der Akzeptanz der gerade angerissenen sozialen (und nicht wissenschaftlichen bzw. künstlerischen) Gegebenheiten kann man ein Distinktionsmerkmal zwischen der "klassischen" und "romantischen" (Künstler-) Generation festmachen, denn während "Goethe und Schiller, die Klassiker, die Position der Aufklärung unter dem Druck der Verhältnisse am Ausgang des Jahrhunderts mit der feudalen Gesellschaftsordnung zu versöhnen suchten, kennzeichnet es die Romantiker, daß sie diese Versöhnung ablehnten."[6] Trotz dieser vordergründigen Niederlage des Bürgertums dürfen die von diesem in ihrer Entwicklungsphase initierten gesellschaftsverändernden Tendenzen nicht unterschlagen werden, obwohl diese in der (literarischen) Epoche der Romantik noch nicht völlig zum Tragen kamen bzw. in ihren Auswirkungen allzu stark zu spüren waren. Dabei handelt es sich um die die Technisierung der Lebensverhältnisse der Menschen und den Übergang von merkantilistischer zu kapitalistischer Wirtschaftsweise.[7] Als die die Romantik "ablösende" literarische Richtung schien der Realismus eher diesen sozioalgeschichtlichen Gegebenheiten zu entsprechen.[8] Man kann auch davon ausgehen, daß die Romantiker (insbesondere z.B. Eichendorff) die eben genannten Komponenten ganz bewußt in ihrer Dichtung ausklammerten, die Dichtungen also im wahren Sinne des Wortes als fiktionalisierte Wunschvorstellungen bzw. Utopien zu verstehen sind.

[...]


[1] Vgl. Schulz, G., Romantik. München 1996, S. 10-13

[2] Frenzel, H.A. und E., Daten deutscher Dichtung, Band 1. München 1964, S. 249

[3] Vgl. z.B. Peter, K., Romantik, in: Bahr, E., (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur, Band 2. Tübingen 1998, S. 345

[4] Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart 1990, S. 398

[5] Peter, K., Romantik, in:Bahr, E., (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur, Band 2. Tübingen 1998, S. 349 f.

[6] Ebd., S. 346 f.

[7] Schulz, G., Romantik. München 1996, S. 22 ff.

[8] Literatur Lexikon. Stuttgart 1990, S. 398

Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640104437
ISBN (Buch)
9783640105328
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112361
Note
Schlagworte
Romantik Epoche

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