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Vulkanausbrüche auf Island

Methoden, Folgen und Fallbeispiele

Seminararbeit 2008 15 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Methoden zum Nachweis vulkanischer Aktivitäten

3. Folgen für Mensch und Natur
3.1 Folgen der Eruptionswolke
3.2 Folgen des Tephrafallouts
3.3 Folgen pyroklastischer Ströme
3.4 Folgen von Lahars (Hlaups)
3.5 Folgen von Lavaströmen

4. Fallbeispiele isländischer Vulkanausbrüche
4.1 Ausbruch der Laki-Spalte 1783
4.2 Ausbruch der Hekla 1947/48
4.3 Ausbruch des Eldfell 1973

5. Literaturliste:

1. Einführung

Nach Aussage Engels (1998: 7 f.) gab es während des Holozäns weltweit eine Gesamtzahl von etwa 1.500 aktiven Vulkanen. Mit seinen ca. 200 postglazialen Vulkanen stellt Island demnach eines der vulkanisch aktivsten Länder der Erde dar. Die am häufigsten auftretende Eruptionsart ist die Spalteneruption. Nichtsdestotrotz kommt auch jede andere Form vulkanischer Aktivität auf Island vor (Frömming 2006: 104). In ihrer „Global Volcanism Program Database“ geht die Smithsonian Institution davon aus, dass es seit der Landnahme Islands im Jahr 874 n. Chr. zu einer Gesamtzahl von 204 bis 223 vulkanischen Ausbruchsereignissen gekommen ist (www.volcano.si.edu). Diese statistische Einschätzung stimmt mit der Aussage Frömmings (2006: 104) überein, nach derer es in heutiger Zeit fast alle fünf Jahre zu einem größeren Ausbruch am zentralisländischen Rücken kommt.

Obwohl bevorstehende Vulkanausbrüche, im Gegensatz zu beispielsweise Erdbeben, meist deutliche Anzeichen haben und obwohl es in letzter Zeit zu teils beachtlichen Fortschritten bei der Vorhersage von Vulkanausbrüchen gegeben hat (Müller 2000: 10 f.; Steinþórsson 2005: 4), weist die isländische Geschichte doch viele Fälle von verheerenden Eruptionen auf. Diese, und ihre Auswirkungen auf Mensch und Natur, sollen im Folgenden näher erläutert werden. Schwerpunkt wird dabei weniger auf die geologischen Eigenheiten Islands gelegt als auf die Beschreibung und Diskussion negativer wie positiver Folgen von Vulkanausbrüchen.

2. Methoden zum Nachweis vulkanischer Aktivitäten

In diesem Abschnitt sollen Belege dargestellt werden, mit deren Hilfe eine Unterscheidung von aktiven (auch schlafende) und erloschenen Vulkanen bewerkstelligt werden kann. Die Liste der Belege basiert auf der Vorgehensweise der Smithsonian Institution zur Erstellung ihrer „Global Volcanism Program Database“ und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Als aktiv darf ein Vulkan gelten, wenn seine letzte Tätigkeit nicht weiter als 10.000 bis 20.000 Jahre zurückliegt (www.volcanodiscovery.com). Die Smithsonian Institution hat sich dabei, nach eigenen Angaben eine Grenze von 10.000 Jahren gesetzt (www.volcano.si.edu). Ihre Ergebnisse dürften demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit den gesicherten Bestand an aktiven Vulkanen entsprechen.

Die folgenden Anhaltspunkte dienen alleine, oder in Kombination, zur Feststellung (wahrscheinlicher) vulkanischer Aktivität:

Historische Belege: Dies sind während oder kurz nach der beobachteten Eruption erstellte Hinweise und stellen, unter den hier aufgeführten Methoden, das sicherste Mittel zur Bestimmung der letzten vulkanischen Tätigkeit dar.

Belege mithilfe der Radiokarbon-Methode: Diese produzieren ebenfalls relativ gesicherte Ergebnisse und können oftmals durch andere Methoden entstandene Thesen überprüfen bzw. spezifizieren.

Anthropologische Belege umfassen sowohl Hinweise in einheimischen Legenden, beispielsweise isländischen Sagen, als auch verschüttete, datierbare Artefakte.

Thermale Belege geben an, dass ein Vulkan immer noch Hitze sowie oberflächliche Anzeichen dafür aufweist (Fumarole, heiße Quellen etc.).

Holozäne Belege können durch die folgenden drei Aspekte beschrieben werden: (1) Vulkanische Produkte die vorhandene pleistozäne Ablagerungen überlagern. (2) Junge vulkanische Erscheinungsformen in Gebieten die seit tausenden von Jahren von Erosion geprägt sein müssten. (3) Vegetationsmuster die wesentlich stärker ausgeprägt sein müssten wenn das vulkanische Substrat mehrere tausend (oder hundert) Jahre alt wäre.

Für Island besonders erwähnenswert ist die Tephrochronologie. Diese stellt eine geochronologische Technik dar, bei der einzelne Schichten von Tephraablagerungen in Böden als Zeitmarker verwendet werden. Tephra wird dabei als Sammelbegriff für Fragmente vulkanischen Gesteins und Lava verwendet die bei einem Vulkanausbruch durch Explosionen, Gase und Lavafontänen in die Luft geschleudert werden. Die Größe der Fragmente ist in diesem Zusammenhang nicht von Bedeutung (volcanoes.usgs.gov). Ergebnis der Nutzung dieser Zeitmarker ist eine relative, bzw. daraus ableitend eine absolute Einzeitung von geologischen oder geomorphologischen Prozessen und Ereignissen (Kellerer-Pirklbauer 2003: 12 f.). Die Anfänge der Tephrochronologie liegen in Island begründet wo Sigurdur Thórarinsson in den 1930er Jahren begann, Schichten vulkanischer Asche zu studieren und zu kartieren (Steinþórsson 2005: 8). Bis in die 1960er waren tephrochronologische Studien in Nord-West Europa auf Island beschränkt, dem einzigen Land mit aktiven Vulkanen in der Region. Spätere Untersuchungen fanden isländische Tephraablagerungen in Skandinavien und auf den Färöer Inseln, also tausende Kilometer von ihrer ursprünglichen Quelle entfernt. Fortschritte im Bereich der geochemischen Analyse machten es möglich Tephraschichten unabhängig von anderen Datierungsmethoden zu identifizieren. Sobald ein Tephratyp geochemisch analysiert worden war, konnte er benutzt werden um über kontinentale Grenzen hinweg als Zeitmarker zu dienen. Auf diese Art wurden weitere Entdeckungen isländischer Tephra in Norwegen, Schottland, Nordirland, Deutschland, Schweden und im grönländischen Inlandeis gemacht (www.tephrabase.org). Für die tephrochronologischen Bemühungen auf Island waren vor allem verschiedene Ausbrüche der Hekla von besonderer Bedeutung. Da der Vulkan einen, für Island einzigartigen Magmatyp eruptiert (Kellerer-Pirklbauer & Eulenstein 2003: 244) und oftmals große Mengen von Tephra über die Insel verteilt, gelten einige seiner Tephraschichten als wichtige Zeitmarker. Allen voran trifft das auf die bei der ersten historischen Eruption der Hekla im Jahr 1104 entstandene H1 (Hekla 1) Tephraschicht zu (Kellerer-Pirklbauer 2003: 11, 17; Thorarinsson 1967: 5 ff.).

3. Folgen für Mensch und Natur

Dieser Abschnitt der Arbeit befasst sich mit den Wirkungen, die (isländische) Vulkanausbrüche auf den Menschen bzw. die Natur haben. Zur besseren Übersicht wird eine Untergliederung in durch Vulkanausbrüche verursachte Naturkatastrophen vorgenommen.

Bevor jedoch jede einzelne Vulkangefahr im Folgenden näher diskutiert wird, soll an dieser Stelle erst einmal eine Beschreibung von allgemeinen Folgen vulkanischer Ausbrüche (bzw. vulkanischer Aktivität) stattfinden. Dass vulkanische Aktivität ohne Zweifel auch während der Ruhephasen, und damit ohne direkte Beeinflussung der menschlichen Umwelt durch die später genannten Vulkangefahren einen starken Einfluss hat, wird für Island am Beispiel seiner Sagen deutlich: Nicht nur, dass sich diese mit den Gründen und Auswirkungen von Vulkanausbrüchen beschäftigen, sie geben auch Hinweise auf Strategien zum Schutz vor solchen. So wurde durch die Anthropomorphisierung der Natur, Vulkane wurden beispielsweise mit Hexen gleichgesetzt oder als Wohnort dieser vorgestellt, eine Art Betretungsverbot gefährlicher Regionen geschaffen. Auch Anleitungen zum Bau von Dämmen aus Bäumen, Büschen, Grassoden und Steinen wurden auf diese Art vermittelt (Frömming 2006: 99, 121).

Um jedoch Beispiele für allgemeine Folgen von Vulkanausbrüchen zu finden, muss man nicht zwangsläufig in die isländische Sagenwelt flüchten: Die Tatsache, dass es in der Geschichte Islands nach Vulkanausbrüchen vermehrt zu unverhältnismäßig großen Migrationsströmen gekommen ist, lässt den Schluss zu, dass auch Bevölkerungsteile die nicht (direkt) durch den Ausbruch geschädigt wurden ihr Heil an einem anderen Ort suchten. Anscheinend reichte dafür bereits die Ungewissheit über Zeitpunkt und Ausmaß der nächsten Eruption aus. Beispiele können durch den Ausbruch der Askja 1875 (www.nationmaster.com) und der Laki-Spalte 1783 angeführt werden. Bei letzterem bestanden sogar Überlegungen die Insel aufzugeben (www.trekkingguide.de). Einen aktuelleren Fall beschreibt Frömming (2006: 106) mit dem Ausbruch des Eldfell auf der Westmänner Insel Heimaey im Jahr 1973. Obwohl die gesamte Bevölkerung ohne Verluste evakuiert werden konnte und der Ausbruch vergleichsweise glimpflich ausging, kehrten bei weitem nicht alle Einwohner nach dem Erlöschen des Vulkans zurück. Die problematischste langfristige Auswirkung der Eruption ist daher ein allmählicher Bevölkerungsrückgang, der in der Angst begründet liegt, bei einem erneuten Vulkanausbruch auf der Insel gefangen zu sein.

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Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640119653
ISBN (Buch)
9783640119684
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112360
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
Schlagworte
Vulkanausbrüche Island Vorbereitungsseminar Island-Exkursion Thema Eyjafjallajökull

Autor

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Titel: Vulkanausbrüche auf Island