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Der Kern der "Krisis der europäischen Wissenschaften" nach Husserl

Essay 2008 4 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

1. Was bedeutet „Krisis der europäischen Wissenschaften“?

Für Husserl liegt die Krisis der europäischen (westlichen) Wissenschaft in der, aus dem Erfolg der exakten Wissenschaft resultierenden, Stagnation der in Epistemologie und Ontologie forschenden Welt. Mit exakten Wissenschaften sind jene gemeint, die mithilfe der Arithmetik und der Messinstrumente Ergebnissen erzielten, im Gegensatz zu den rein geistlichen Wissenschaften, die sich über den Prozess des Erkennens überhaupt uneinig sind. Die Stagnation sieht er weniger in dem zweifelhaften Erfolg der exakten Wissenschaften, die bspw. niemals Aussagen über „Sinn“ und „Moral“ treffen können, sondern gerade in derjenigen Dichotomie aus objektiver Dingwelt und subjektiver Erkenntnis, die beide Wissenschaften (exakte und geistliche) fahrlässig konstruiert haben. Das Problem, dass sich die Parteien mit ihren unterschiedlichen Kategorien nicht mehr über Sinn und Unsinn verständigen können, ist Synonym dieser Stagnation.

Für Husserl sind also beide Parteien, diejenige, die keinen Sinn stiften kann (exakte Wissenschaft), und diejenige, die den Sinn zu stiften nicht vermag (geistige Wissenschaft), Opfer ihrer eigenverursachten Opposition. Eigenverursacht, weil die Hauptbegründer dieser Opposition mit alten Traditionen gebrochen haben, bspw. mit der Methexis (griech. „Teilhabe“) Platos, die trotz einer Zwei-Welten-Lehre, eine notwendige Zusammengehörigkeit beider Welten postuliert.

Als Hauptbegründer dieser Opposition entlarvt Husserl Galileo Galilei und René Descartes. Galilei sei für die unreflektierte Idealisierung und Emanzipierung der Körperwelt verantwortlich gewesen, die sich durch die mathematisierbare Objektivität vor dem erkennenden Subjekt kennzeichnet. Descartes sei nun derjenige gewesen, der die Spaltung von Körper und Geist kanonisierte, da er mit seinem formuliertem Dualismus („res cogitans et res extensa“) einen der Welt entgegengesetzten, naturalistischen Psychologismus entwarf, der trotz seiner Rationalität eine im Gegensatz inbegriffene Dingwelt antizipierte. In der, aus dieser Opposition der Wissenschaften resultierenden, Stagnation sieht Husserl den Kern der Krisis der europäischen Wissenschaften, die sich aus zwei Seiten zusammensetzt – wie jede Opposition.

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Details

Seiten
4
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640117468
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112342
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
Schlagworte
Kern Krisis Wissenschaften Husserl

Autor

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Titel: Der Kern der "Krisis der europäischen Wissenschaften" nach Husserl