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Diffusion von Innovationen

Diplomarbeit 2006 73 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

HINWEIS

VORWORT

SCHEMATISCHER AUFBAU UND GLIEDERUNG DER ARBEIT

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINFÜHRUNG

2 ÜBERSICHT ÜBER DAS THEMENGEBIET

3 INNOVATION
3.1 DER INNOVATIONS-PROZESS
3.1.1 Die Wahrnehmungsphase
3.1.2 Die Forschungsphase
3.1.3 Die Entwicklungsphase
3.1.4 Die Kommerzialisierung
3.2 DER INNOVATIONSPROZESS NACH GARTNER
3.3 WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNG VON INNOVATIONEN

4 ADOPTION
4.1 ADOPTIONS-ENTSCHEIDUNGS-MODELL
4.1.1 Die Wissensphase.
4.1.2 Die Überzeugungsphase
4.1.3 Die Entscheidungsphase
4.1.4 Die Implementierungsphase
4.1.5 Die Bestätigungsphase
4.1.6 Kommunikationskanäle
4.1.6.1 Wahl der Kommunikationspartner
4.1.6.2 Meinungsführer
4.1.6.3 Das Two-Step-Flow Modell
4.1.6.4 Imitation
4.1.6.5 Markennamen und Technologiecluster
4.2 WAHRGENOMMENE EIGENSCHAFTEN VON INNOVATIONEN
4.2.1 Relativer Vorteil
4.2.2 Kompatibilität
4.2.3 Komplexität
4.2.4 Testbarkeit
4.2.5 Beobachtbarkeit
4.2.6 Kaufrisiko
4.3 ÜBERNEHMERKATEGORIEN
4.3.1 Trennbarkeit der Übernehmerkategorien
4.3.2 Eigenschaften der Übernehmerkategorien.
4.3.2.1 Innovatoren
4.3.2.2 Frühe Übernehmer
4.3.2.3 Frühe Mehrheit
4.3.2.4 Späte Mehrheit
4.3.2.5 Nachzügler

5 DIFFUSION I.E.S.
5.1 DIE DIFFUSIONSKURVE
5.2 DIFFUSIONSKURVE UND PRODUKTLEBENSZYKLUS
5.3 DIFFUSIONSMODELLE
5.3.1 Unterteilung nach Kommunikationskanälen
5.3.2 Unterteilung nach mathematischem Vorgehen
5.3.3 Unterteilung nach Dynamik und Aggregationslevel
5.3.3.1 Die Querschnittsanalyse
5.3.3.2 Die logistische Regression
5.3.3.3 Das Hazard-Modell
5.3.3.4 Das Bass-Modell
5.4 WIRKUNGSMESSUNG
5.4.1 Die Adoptionsrate
5.4.2 Begriff der Penetration
5.4.3 Beschleunigung eines Diffusionsprozesses
5.5 SONDERFÄLLE DER DIFFUSION
5.5.1 Netzeffekte
5.5.2 Die kritische Masse
5.5.3 Schattendiffusion
5.6 EINFLÜSSE NEUER MEDIEN
5.7 FOLGEN DER DIFFUSION

6 FAZIT

7 QUELLENVERZEICHNIS

8 ANHANG

Hinweis

Die vorliegende Version der Diplomarbeit entspricht nicht dem Original. Aus urheberrechtlichen und datenschutztechnischen Gründen wurde die Arbeit nachträglich verkürzt.

Vorwort

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Autor dieser Arbeit ist Student im Fachbereich Wirtschaft an der Fachhochschule Darmstadt. Durch die mehrjährige Tätigkeit als Werkstudent bei der T-Systems International GmbH hatte er Gelegenheit, Einblicke in den Markt der Informations- und Kommunikationstechnologie zu gewinnen. Unterstützt und betreut wurde die Arbeit durch Prof. Dr. Bernhard Ohl auf Seiten der FH- Darmstadt, als auch von Gerhard Schmidt, Betreuer auf Seiten der T-Systems. Der Bearbeitungszeitraum begann am 01. März 2006 und endete am 30. Juni desselben Jahres. Die Arbeit mit dem Titel „Diffusion von Innovationen“ umfasst sowohl einen theoretischen als auch eine praktischen Teil. Der Theorieteil dient zur systematischen Aufbereitung der einzelnen Bestandteile des Themengebiets. Abschließend soll in einem praktischen Teil die Übertragbarkeit der Theorie in die Praxis geprüft werden[*].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Das Themengebiet der Diffusion von Innovationen

Abb. 2 Innovationsprozess

Abb. 3 Verfügbare Technologie und Innovationsdruck

Abb. 4 Gartner Hype Cycle

Abb. 5 Kondratjew-Zyklen

Abb. 6 Der Innovations-Entscheidungs-Prozess

Abb. 7 Two-Step-Flow Theory

Abb. 8 Übernehmerkategorien

Abb. 9 Die Kluft

Abb. 10 Unterschied zwischen Diffusion und Adoption

Abb. 11 Auswirkung von Mehrfachkäufen

Abb. 12 Modellübersicht zur Prognose der Adoption

Abb. 13 Das Bass Modell

Abb. 14 Formel des Bass-Grundmodells

Abb. 15 Innovations- u. Imitationsparameter

Abb. 16 Das „Generalized-Bass-Modell“

Abb. 17 Relativer Marketing Effekt

Abb. 18 Einflüsse auf die Adoptionsrate

Abb. 19 Die kritische Masse

Abb. 20 Einflüsse auf die Diffusion

1 Einführung

Was ist eine Innovation, wer interessiert sich für neue Ideen und wie verbreiten sie sich in einem bestimmten Markt? Welche Faktoren beeinflussen den Adoptionsprozess? Ist alles Zufall oder gibt es berechenbare Muster, ist der Verbreitungsprozess eine vorgegebene Konstante oder lässt er sich beeinflussen?

Mit all diesen Fragen beschäftigen sich die Adoptions- und Diffusionstheorie und somit auch diese Diplomarbeit. Der Titel lautet „Diffusion von Innovationen“ was soviel bedeutet wie „Verbreitung von neuen Dingen.“ Um das Themengebiet transparent aufzubereiten wurde die Arbeit in zwei Teile getrennt.

Ziel des ersten, theoretischen Teils ist eine klare Darstellung des Themengebietes sowie eine eindeutige Definition der Begriffe Innovation, Adoption und Diffusion. Zu diesem Zweck hat der Autor, die seiner Meinung nach wichtigsten Erkenntnisse aus der Literatur zu den drei Themengebieten zusammengetragen.

2 Übersicht über das Themengebiet

Während der Recherche zum Thema der Diffusion sind dem Autor eine Vielzahl von Begrifflichkeiten begegnet, die in der Literatur nicht trennscharf definiert werden. Diese Arbeit soll dem Leser einen Überblick über die verwendeten Begriffe und deren Zusammenhänge geben und Klarheit durch eine eindeutige Definition schaffen. Eine Übersicht über das gesamte Themengebiet der Arbeit zeigt Abbildung 2. Die Grafik ist hauptsächlich in Anlehnung an die theoretischen Ansätze von E. Rogers entstanden. Zum besseren Verständnis wurden die Prozessmodelle aus der Literatur umbenannt, da selbst Everett Rogers, einer der großen Theoretiker auf dem Gebiet der Diffusion, Begriffe wie Innovation, Adoption und Diffusion nach Meinung des Autors nicht immer eindeutig und konsequent verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Das Themengebiet der Diffusion von Innovationen (Modifiziert nach: Rogers, E., 2003, S.138+170)

Abbildung 2 verdeutlicht, dass die Diffusionstheorie neben der Diffusion i.e.S. aus den Komponenten der Innovation und der Adoption besteht.

Der Innovationsprozess besteht nach Rogers aus sechs Phasen, wobei sich lediglich vier davon direkt dem Innovationsprozess zuordnen lassen. Der Prozess der Adoption lässt sich in fünf Phasen unterteilen. Der Autor verwendet hier ebenfalls einen Ansatz von Rogers. Als letztes folgt die Diffusion. Diese stellt im eigentlichen Sinne nur die kumulierte Auswirkung von Innovation und Adoption dar. Die Diffusion i.e.S. ist folglich eine Betrachtung der Adoption auf Marktebene.

3 Innovation

Innovation bedeutet wörtlich übersetzt „Neuerung“ oder „Erneuerung“ und stammt aus dem Lateinischen. Abgeleitet wurde der Begriff von novus „neu“ und innovatio „etwas neu Geschaffenes.“ Im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff der Innovation im Sinne von neuer Idee und Erfindung sowie für deren (wirtschaftliche) Umsetzung verwendet (vgl. o.V.[j], 2006, o.S.).

Wenn von Innovation gesprochen wird, verstehen viele darunter eine technische Neuerung. Aus diesem Grund wird oft Technik und Innovation gleich gesetzt. Dabei muss eine Innovation gar nichts mit Technik zu tun haben.

Rogers definiert Innovation als eine Idee, ein Objekt oder eine Verfahrens- bzw. Verhaltensweise, die den Mitgliedern eines sozialen Systems neu ist oder als neu angesehen wird. Hierbei ist es nicht von Bedeutung, wie lange die Innovation schon auf dem Markt verfügbar ist, sondern ob die Innovation für den Einzelnen eine Neuheit darstellt. Somit wählt er bewusst eine sehr breit gefasste Definition als Grundlage seiner Arbeit (vgl. Rogers, E., 2003, S.12).

Aus Sicht eines Unternehmens lassen sich noch weitere Innovationsarten unterscheiden. So nennt Forrester Research1 Innovationsarten wie die

Produkt-Innovation, Service-Innovation, Prozess-Innovation und Geschäftsmodell-Innovation (Overby, C.S., 2005, S. 3f.).

Schumpeter bezeichnet eine Innovation als eine Neukombination verschiedener Produktionsfaktoren und eine Durchsetzung der Neuheit am Markt. Das reine Erfinden bezeichnet Schumpeter als Invention. Die Innovation steht seiner Meinung nach in engem Zusammenhang mit der Markteinführung, Durchsetzung und der wirtschaftlichen Nutzung einer Neuerung (Schumpeter, J.A., 1997, 97ff.).

An dieser Stelle sei angemerkt, dass Schumpeter tiefer gehende Möglichkeiten zur Diskussion über die Entstehung und Auswirkung von Innovationen bietet. Eine weiterführende Betrachtung von Innovation hinsichtlich ihrer volkswirtschaftlichen Auswirkungen und dem Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Konsumenten ist aber nicht Gegenstand dieser Arbeit. Für den interessierten Leser lässt sich als weiterführende Literatur der Nachdruck des Werkes von Schumpeter, Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 9. Auflage, 1997, empfehlen.

3.1 Der Innovations-Prozess

Im vorigen Kapitel wurden die unterschiedlichen Definitionen des Innovationsbegriffs erläutert. Eine Innovation lässt sich aber nicht nur in einem festen Begriff beschreiben, im Rahmen dieser Arbeit wird dem Begriff der Innovation eine Prozesseigenschaft zugrunde gelegt.

Rogers beschreibt den Innovationsprozess in sechs Phasen (siehe Abb. 3). Er räumt ein, dass die einzelnen Phasen nicht immer nacheinander ablaufen bzw. einzelne Phasen im Einzelfall wegfallen können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Innovationsprozess

(Modifiziert nach: Rogers, E., 2003, S.138)

Nach der Meinung des Autors reicht der eigentliche Innovationsprozess von der Wahrnehmung bis zur Kommerzialisierung (Phase eins bis vier). Die Phasen fünf und sechs sind, wie bereits in der grafischen Übersicht (Abb. 2) des Eingangskapitels erläutert, dem Adoptionsprozess und der Diffusion

i.e.S. zuzuordnen. Eine andere Betrachtungsweise des Innovationsprozesses bietet der Gartner-Hype-Cycle. Eine Erläuterung findet sich in Kapitel 4.2.

3.1.1 Die Wahrnehmungsphase

Der Innovationsprozess beginnt bei Rogers mit der Wahrnehmung eines Bedürfnisses oder eines Problems. Nach der Auffassung von Rogers wird in der Wahrnehmungsphase ein Problem von Individuen oder Organisationen eines sozialen Systems erkannt bzw. wahrgenommen. Es kann sich hierbei um ein bereits bestehendes Problem oder ein antizipiertes zukünftiges Problem handeln (vgl. Rogers, E., 2003, S.137f.).

Nach der Meinung des Autors kann ein Innovationsprozess aber auch durch den Konkurrenzkampf verschiedener Unternehmen aus derselben sowie verwandten Branchen ausgelöst werden. Die Darstellung von Rogers trifft am ehesten auf einen „Pull-Markt“ zu, während die vom Autor soeben angesprochene Variante einen „Push-Markt“ beschreibt.

Bei einem Pull-Markt erzeugen die Marktteilnehmer einen Innovationsdruck durch die Nachfrage nach einer Innovation, die leistungsfähiger ist als existierende Produkte, Verfahrensweisen oder Ideen. Eine Innovation, die ein solches Bedürfnis befriedigt, verbreitet sich nach ihrer Einführung sehr schnell und mit relativ geringem Marketingaufwand (vgl. Greeson, M., 2005, S.6).

Ein Ansatz, der den Zusammenhang von Marktbedürfnissen, verfügbaren Technologien und dem steigenden Innovationsdruck beschreibt, stammt von der Managementberatung Arthur D. Little (siehe Abb. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Verfügbare Technologie und Innovationsdruck (Nach: o.V.[a], o.J., o.S.)

Hier sei angemerkt, dass der Begriff der Technologie hier als eine Art der Innovation zu betrachten ist, die eine Grundlage für die Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren oder Ideen bildet.

Die Marktbedürfnisse im Bezug auf bestimmte Produkte, Ideen und Verfahrensweisen und der damit verbundenen Technologie verändern sich. Durch die begrenzte Leistungsfähigkeit verfügbarer Technologien entsteht ein so genannter Innovationsdruck, also eine Lücke zwischen der Erwartung des Marktes und der Leistungsfähigkeit verfügbarer Lösungen. Ein steigender Innovationsdruck lässt auf ein ungesättigtes Marktpotential schließen, was Unternehmen aber auch einzelne Individuen veranlasst, nach einer neuen Lösung zu suchen. Durch den „Nachfrageüberschuss“ entsteht also ein Pull-Markt. Push-Märkte sind das Gegenstück zu Pull-Märkten. In einem Push-Markt versuchen konkurrierende Unternehmen durch das Entwickeln von leistungsfähigen Innovationen einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen (vgl. Greeson, M., 2005, S.6).

Schumpeter spricht hier auch von kreativer Zerstörung: „Jede ökonomische Entwicklung baut auf dem Prozess der schöpferischen bzw. kreativen Zerstörung auf. Durch die Zerstörung von alten Strukturen werden die Produktionsfaktoren immer wieder neu geordnet. Die Zerstörung ist also notwendig (und nicht etwa ein Systemfehler), damit Neuordnung stattfinden kann.“ (o.V.[i], 2006, o.S.)

Die „kreative Zerstörung“ beschreibt also den Prozess, in dem existierende Produkte, Verfahrensweisen oder Ideen von neueren, leistungsfähigeren Innovationen abgelöst werden. Es kann sich aber auch um neue zusätzliche Dinge handeln, die existierende Lösungen ergänzen, unterstützen oder verbessern. Im Falle eines Push-Marktes erzeugen die Marktteilnehmer von sich aus keinen „Nachfrageüberschuss“, was die Verbreitung der Innovation erschwert. Der Innovator (Ein Unternehmen, das eine Innovation in einem Markt verbreitet) muss die Innovation mit relativ hohem Marketing- bzw. Kommunikationsaufwand in den Markt „drücken.“ Die Qualität einer Innovation lässt sich hierbei oft daran messen, wie schnell das „Alte“ vom Markt verschwindet.

3.1.2 Die Forschungsphase

Die Forschungsphase lässt sich in Grundlagenforschung und erweiterte Forschung unterteilen. Basisrecherchen oder Grundlagenforschungen werden oftmals von wissenschaftlichen Einrichtungen wie Universitäten oder staatlich geförderten Organisationen getätigt. Die Forschungen haben oftmals kein konkretes Forschungsziel bzw. es werden keine gezielten Lösungen für bestimmte Probleme entwickelt. Erweiterte Forschung wird hauptsächlich von Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft betrieben und basiert auf der Grundlagenforschung. Sie zielt meist auf die Lösung eines bestimmten Problems oder die Entwicklung eines bestimmten Produktes, einer Verfahrensweise oder einer Idee für einen bestimmten Einsatz ab. Oftmals werden in der Forschungsphase zufällige Entdeckungen gemacht, die Innovationen in einem völlig anderen Bereich anstoßen als ursprünglich geplant (vgl. Rogers, E., 2003, S.139ff.).

Ein weiterer Ursprung von Innovation beschreibt die Erkenntnis von MIT Professor Eric von Hippel. Er stellte fest, dass in einigen Bereichen Erfindungen von so genannten Lead-Usern gemacht werden. Es handelt sich dabei um kreative Individuen, die eine Lösung zu einem Problem entwickelt haben. Diese treten dann später nach der Entwicklung eines Prototypen zu Vermarktungszwecken an die entsprechenden Unternehmen heran (vgl. Rogers, E., 2003, S.139ff.).

3.1.3 Die Entwicklungsphase

Die Entwicklungsphase ist eng mit der vorangehenden Forschung verbunden. Der allgemein verwendete Ausdruck R&D (Research and Development) zeigt, dass sich Forschung und Entwicklung nicht klar voneinander trennen lassen. Im Gegensatz zur Forschungsphase geht es in der Entwicklungsphase mehr darum, ein marktreifes Produkt zu entwickeln, das den tatsächlichen Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Die Arbeit in der Entwicklungsphase wird also mehr von äußeren Einflüssen wie

Kundenbedürfnissen, rechtlichen Beschränkungen, Druck durch Wettbewerber und Idealen der Unternehmenspolitik gelenkt (vgl. Rogers, E., 2003, S.146ff.).

Das Ergebnis der Entwicklungsphase ist in der Regel ein Prototyp oder ein Demonstrator. Dieser dient als Grundlage für Entscheidungen bezüglich der Kommerzialisierung bzw. der Markteinführung. Ein Demonstrator kann aber auch in frühen Phasen der Entwicklung in Akzeptanztests zur Erhebung von Kundenbedürfnissen aber auch zur Qualitätssicherung eingesetzt werden.

3.1.4 Die Kommerzialisierung

Wikipedia definiert die Kommerzialisierung als einen Prozess, in dem die wirtschaftlichen Gesichtspunkte einen immer stärker werdenden Einfluss gegenüber ideellen Aspekten gewinnen (o.V.[k], 2006, o.S.).

Nach Rogers geht es in der Phase der Kommerzialisierung um die Konkretisierung des Produktes für einen spezifischen Markt. Hauptaufgabe der Kommerzialisierung ist der endgültige Transfer von neuen Ideen aus Forschung und Entwicklung in ein gewinnbringendes Produkt. Kommerzialisierung umfasst somit die Freigabe und die Realisierung der Prozesse der Produktion, Verarbeitung, Verpackung, Marketing und Vertrieb (vgl. Rogers, E., 2003, S.152).

Nach dem Innovationsprozess-Modell von Rogers folgt die Phase der Adoption nach der Phase der Kommerzialisierung. Eine Innovation kann aber auch schon vor der endgültigen Kommerzialisierung zu Testzwecken auf dem Markt verfügbar bzw. adoptierbar sein. Eine genaue Trennung ist hier nicht immer möglich. Als Beispiel können hier innovative Dienste im Internet genannt werden, die vor der eigentlichen Vermarktung als „Beta“ Version, also als Testversion, verfügbar gemacht werden. Ziel ist hierbei eine erweiterte Testung sowie die Gewinnung von Meinungen und Verbesserungsvorschlägen zukünftiger Nutzer. Ein Nebeneffekt bei dieser Vorgehensweise ist, dass der Verbreitungsprozess durch Mund-zu-Mund Propaganda in einer sehr frühen Phase angestoßen wird.

3.2 Der Innovationsprozess nach Gartner

Ein etwas anderes Modell des Innovationsprozesses stellt der Gartner Hype- Cycle dar. Die von Gartner1 entwickelte Darstellungsweise setzt innovative Technologien und deren „Sichtbarkeit“ als auch der Marktreife in eine Beziehung (siehe Abb. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Gartner Hype Cycle

(Modifiziert nach: o.V.[b], 2005, S.3)

Sichtbarkeit meint hier die Aufmerksamkeit der Presse und das Medieninteresse. Innovationen mit einer hohen „Sichtbarkeit“ werden in den Medien häufig erwähnt und erregen so das allgemeine Interesse. Dies ist vor allem in der „Hype-Phase“ so, die in kurzem Abstand nach der Entwicklung einer Innovation folgt.

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, überschlagen sich in dieser Phase oftmals die Prognosen verschiedener Marktforscher bezüglich der Umsatzpotentiale. Nach einer gewissen Zeit zeigen sich die hochgepushten Erwartungen als kurzfristig nicht realisierbar und die Innovationen durchlaufen eine Phase der Desillusionierung.

Danach folgt ein Zeitraum, in der Innovationen zunächst ausgereift und überarbeitet werden, später dann überzeugen und schließlich allgemein genutzt werden, bis sie letztendlich ihre "Produktivitätsebene" erreicht haben. Jede Innovation bzw. Technologie kann somit einer Phase auf der soeben erläuterten Kurve zugeordnet werden. Diese durchlaufen die Kurve in unterschiedlicher Geschwindigkeit, was durch die unterschiedlichen Symbole kenntlich gemacht wird. Es lässt sich nun darüber streiten, an welchem Punkt in der Kurve die Adoption und folglich die Diffusion im klassischen Sinne anfängt. Sichtbar sind jedoch die Parallelen zum Innovationsprozess von Rogers. Die Wahrnehmung einer Innovation wäre im Bezug auf den Hype- Cycle schon in der ersten Phase (Technologie Auslöser) möglich. Zu einer tatsächlichen Nutzung bzw. einer Adoption kann es aber erst später kommen, wenn die Innovation marktreif und kommerzialisiert ist. Einen Anhaltspunkt gibt hier die geschätzte Zeit bis zur Erreichung der Produktivitätsebene. Je kürzer diese ist, desto näher rücken eine kommerzielle Nutzbarkeit und damit auch die mögliche Adoption durch den Markt.

3.3 Wirtschaftliche Auswirkung von Innovationen

Mit diesem Kapitel möchte der Autor in einer kurzen Darstellung auf zyklische Schwankungen der Gesamtwirtschaft eines sozialen Systems hinweisen, die möglicherweise im Zusammenhang mit bedeutenden Innovationen stehen. Das Auftreten von zyklischen Schwankungen beobachtete unter anderen der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew (siehe Abb. 6). Auch wenn viele die Existenz der Zyklen bezweifeln, so sollte Kondratjew mit seiner 1926 getroffenen

Behauptung, dass sich die dritte Welle gegen Ende des 20. Jahrhunderts zu Ende neigen würde, Recht behalten. Die Ursache für die langen Wellen sieht Kondratjew in den Gesetzesmäßigkeiten des Kapitalismus, während neue Techniken nicht Ursachen, sondern Folgen der langen Wellen sind (vgl. o.V.[c], o.J., o.S.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Kondratjew-Zyklen (Modifiziert nach: o.V.[d], 2000, o.S.)

Kondratjew vertritt also die These, dass eine wirtschaftliche Depression die Innovativität eines sozialen Systems steigert und somit zu bedeutenden Neuerungen führt. Diese Innovationen wiederum steigern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und führen letztendlich zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Andere kürzere Zyklen sind die Kitchin-Wellen (2-3 Jahre), der Konjunkturzyklus (3-7 Jahre) und die so genannten Juglar-Wellen (8-9 Jahre).

Eine genauere Analyse der Zyklen soll hier nicht vorgenommen werden, da die Theorie über den Zusammenhang von wirtschaftlicher Entwicklung und Innovation umstritten ist und nicht zum Kernthema dieser Arbeit zählt. Der Autor sieht in der Theorie des Kondratjew-Zyklus und dem Themengebiet der Arbeit insofern einen Zusammenhang, dass eine große Innovation viele kleine Folgeinnovationen anstößt und deren Adoption bzw. Verbreitung als Auslöser konjunktureller Entwicklungen angesehen werden kann.

[...]


[*] Der Praxisteil wurde aus datenschutztechnischen Gründen entfernt.

1 Forrester Research ist ein unabhängiges Marktforschungsunternehmen im Technologiesektor.

1 Gartner: Research und Consulting Unternehmen mit Fokus auf IT- und Telekommunikationsmärkte.

Details

Seiten
73
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640108220
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112340
Institution / Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,7
Schlagworte
Diffusion Innovationen

Autor

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Titel: Diffusion von Innovationen