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Nationalismen in Jugoslawien

Seminararbeit 2008 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Südosteuropa, Balkan

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einführung

2. Nationalismus als theoretisches Phänomen
2.1. Nationalismus im Zusammenhang mit Nation Building

3. Die jugoslawischen Nationalismen:
3.1. Vorwort
3.2. Die Konfliktlinie der jugoslawischen Nationalismen
3.3. Serbischer Nationalismus
3.4. Kroatischer Nationalismus:
3.5. Andere jugoslawische Nationalismen:

4. Conclusio

5. Literatur

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1 - Dialektologische Karte der serbokroatischen Sprache

Abbildung 2 - AVNOJ-Grenzen

Abbildung 3 - Großserbien

Abbildung 4 - Großkroatien

Abbildung 5 - Nazigruß bei Thompson-Konzert

Abbildung 6 - Politische Landkarte Bosnien-Herzegowinas

Abstract:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich primär mit dem Begriff des Nationalismus im Zusammenhang mit dem Thema des Seminars. Dabei soll das Psychologische im Nationalismus mit den relevanten politischen und geschichtlichen Tatsachen verknüpft werden. Das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens war/ist ein Feld, wo noch immer nationalistische und nationalismusähnliche Prozesse ablaufen und dafür werden die einzelnen Nationalismen analysiert und kommentiert werden zum Zweck der Erklärung des Nationalismus. Der Nationalismus ist ein Phänomen wie theoretisch als auch empirisch. Seine negative Konnotation in der internationalen Politik kann nicht in der Wissenschaft so offen wie in den Medien vorkommen. Allgemein betrachtet kann der Nationalismus nur bei der Entstehung neuer Nationen bzw. Staaten gerechtfertigt werden. Am jugoslawischen Beispiel erkennt man doch die Vielfältigkeit des Nationalismus. Die Falsifizierung der Multikausalität der jugoslawischen Krise beinhaltet auch die psychologische Ebene in sich. Am Besten werden solche Ergebnisse hervorgekriegt wenn man eine ideologische Konstellationsanalyse der jugoslawischen Nationalismen durchführt. Genau deswegen, wird eine laufende, nicht dem bestimmten Forschungsbereich begrenzte Analyse gemacht, deren Ergebnisse die Einzigartigkeit des jugoslawischen Falles stützen können.

1. Einführung:

Von einer universaler Definition des Nationalismus kann man nicht reden. Am einfachsten und am gröbsten gesagt ist es „ eine politische Ideologie, die auf Kongruenz zwischen einer Nation und einem Staatsgebilde abzielt[1]. In dem Zusammenhang, liegt der Nationalismus in einem Spaltungsfeld zwischen Chauvinismus und Patriotismus was die Wahrnehmung betrifft. Am jugoslawischen Beispiel, das in der Arbeit zerlegt sein wird, redet man zuerst einmal vom Ethnozentrismus und von der Wiederaufwachung der bereits entstandenen Nationen und Ethnien. Was man als Nation in Jugoslawien vor dem Krieg bezeichnen kann sind die Völker, die früher in der Geschichte durch den Prozess der Nation building gegangen sind und die jemals früher ihr eigener Staat gehabt haben. Obwohl die Slowener und Kroaten im Königreich Jugoslawiens eine gewisse Autonomie hatten, von ihrer voller Staatlichkeit redet man erst nach dem jugoslawischen Krieg. Die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien erkannte verschiedene Nationalitäten jedoch es gab keine jugoslawische Nation. In so einem Konglomerat der Gleichen und Gleichären kommt es immer wieder zu diversen Abspaltungen. Das Psychologische in den jugoslawischen Nationalismen erkennt man an ihren ideologischen Merkmalen. Um sich erfolgreich mit dem Thema auseinandersetzen zu können, wird die Arbeit in drei Teile gegliedert.

In erstem, theoretischem Teil der Arbeit werden die aktuellen wissenschaftlichen Ansätze des Nationalismus diskutiert. Im theoretischen Rahmen dieser Arbeit sollen auch die Grundrisse des Nationalismus vorkommen zum Zweck der späteren Anwendung dieser Theorien bzw. ihre Erkennung an diversen jugoslawischen Beispielen. An diesen Beispielen spielen besonders die Sprache und Religion eine wichtige Rolle. Bei den Nationalismen können sie als Mittel zur Durchführung und Wiederaufwachung dieser Ideologien beobachtet werden. Die Kategorie der Sprache wurde im jugoslawischen Fall am meisten nationalisiert. Vor dem Krieg gesprochene serbokroatische Sprache in diversen dialektischen Varianten wurde auf 4 neuer Sprachen aufgeteilt: Bosnisch, Kroatisch, Serbisch und Montenegrinisch. Im Laufe der Nationalisierung eigener Kulturen wurden auch neue Wörter eingeführt nur zum Ziel der Abgrenzung zu anderen. Hier spricht man wieder deutlich vom Ethnozentrismus.

Der zweite Teil wird sich auch mit dem Leben im ehemaligen Jugoslawien beschäftigen. Der Aufstieg und Fall des jugoslawischen Sonderwegs bzw. das Leben in so einem Staat verschiedener Völker und Religionen. Heutige Kritiker des Kommunismus bzw. des jugoslawischen Sozialismus behaupten, dass es eine imaginäre Gesellschaft war und dass es nur anhand des Zwangs funktioniert hat. Diese Zeit ist uns relevant da aus den Phänomenen der jugoslawischen Gesellschaft werden die Einzigartigkeiten der Mentalität der Jugoslawen erkennt. Zu diesen Phänomenen gehören auch die Arbeiterselbstverwaltung und starke politische Position nach Außen. In dieser Zeit waren auch die Immigrationen der ehemaligen kroatischen und serbischen Regimes besonders tätig. Ein serbischer Schriftsteller und Berichter[2] fragte sich in einem Zeitungsartikel: „ Seit wann hassen wir uns ?“. Seine Ausgangsthesen behaupten dass das Ganze schon in den 70er Jahren angefangen hat. Der Kroatische Frühling und die serbische Immigration bzw. ihre Aktivitäten in einer Zensurgesellschaft stützen seine Thesen. Deswegen ist so eine Gesellschaft bzw. ihre Klima und Merkmale als Anfangstelle unserer Forschung enorm wichtig. Danach werden die einzelnen Nationalismen diskutiert.

Die für den Krieg relevanten Nationalismen sind: serbischer, kroatischer, bosnischer (vgl. Bosniakischer) und albanischer. Jeder von diesen Nationalismen hatte andere Rahmenbedingungen und Besonderheiten eigener Ideologie. In diesen Fällen werden auch die Konfrontationslinien und die wichtigsten Persönlichkeiten jedes Beispiels genannt. Die serbischen und kroatischen Nationalismen werden wieder unter die Lupe genommen, da sie bzw. ihre Reflexion am wichtigsten waren.

Der balkanische Raum ist noch immer ein Spannungsfeld. In der letzen Zeit wurden zwei neue Staaten gegründet, Montenegro und Kosovo. Was ist dort passiert im Bezug auf unser Thema? Das Montenegro ist nicht zum ersten Mal durch den Nation – Building Prozess gegangen. Warum kam es zur Schwächung der Solidarität mit den Serben, und inwiefern ist die Neonationalisierung des montenegrinischen Volks für die Gründung ein neuer Staat zuständig. Montenegro ist ein unabhängiger Staat und seine Mitgliedschaft bei der UNO ist das Kernzeichen der Souveränität. Am Beispiel Kosovos ist das anders. Die Kosovo-Albaner haben wenige oder keine kulturelle Gemeinsamkeiten mit den Serben. Die Feindlichkeit existiert seit Anfang des 20ten Jahrhunderts. Der Prozess der Nation – Building ist noch immer im Laufe dort. Jedoch, es wird immer öfter von einer partiellen Souveränität geredet da der Staat nicht von Allen anerkannt ist.

Heutzutage wird von allen Nationalisten behauptet dass ihre nationalen Fragen nicht gelöst wurden. Kroaten und Serben in Bosnien, Albaner in Mazedonien und Montenegro, Serben in Montenegro, Moslems in Serbien (Sandžak). In drittem Teil kommt es zu einer Konstellationsanalyse der heutigen Situation. Es werden sowohl die rechtlichen Basis als auch die facts from the field vorkommen. In Bosnien finden sich auch die nationalen politischen Parteien in einer Transition von nationalistischen zu Volksparteien nach dem Vorbild der Europäischen Volkspartei. Inwiefern wird ein Konsens zwischen drei nationalistischen Strömungen (serbischen, kroatischen und bosniakischen) erreicht, wird nach dem Beispiel der Verfassungsänderung analysiert. Meiner Meinung nach, findet sich der balkanische Raum in einem Stand der negativen Frieden[3] und von einer idealistischen Vorstellung des ewigen Friedens kann noch immer keine Rede sein. Die europäische Perspektive ist Priorität aller Prioritäten und es ist auch eine causa sine qua non[4].

2. Nationalismus als theoretisches Phänomen

Eine Nation die, politisch motiviert von der Idee der individuellen und kollektiven Selbstbestimmung, im Staat das Medium ihrer Selbstverwirklichung findet, sei Staatsnation.[5]

Die Abgrenzung zwischen Staatsnation und Nation ist sehr wichtig bei der Konflikauslösung. Ein Staat übt die Macht auf ihren eigenen Teritorium aus und die Völker die auf dem Staatsboden leben, und die sich mit den ideologischen und politischen Wesen einen Staat legitimieren können, sind die Anhänger dieser Staatsnation. Die Anhänger der Nation die nicht auf dem Boden ihres Mutterstaates leben, die sich aber kulturell und sprachlich mit dieser Nation legitimieren neigen anhand der nationalistischen Ideologien dazu, sich unter die Kontrolle des Mutterstaates zu stellen. Es ist unterschiedlich vom Fall zu Fall, welche Besonderheiten spielten die wichtigsten Rollen. Hauptsächlich waren das die Sprache und Kultur, die eine Nation von anderen unterscheiden. Im Fall der jugoslawischen Nationalismen spielte Religion die Musterrole im Gegensatz zur Sprache, da die Südslawen (Kroaten, Serben, Montenegriner und Bosniaken) eine sehr ähnliche Sprache sprechen[6], die erst im Laufe des Kriegs nationalisiert wurde. Hauptsächlich, es werden drei Formen des Nationalismus unterschieden[7]:

- Politischer Nationalismus – Ziel ist die Staatsgründung und die Schaffung der Institutionen des Machterwerbs und der Machausübung.
- Ökonomischer Nationalismus – Die Schaffung des nationalen Markts ist durch die Emanzipation einer nationalen Wirtschaftspolitik verwirklichbar.
- Kultureller Nationalismus – Als Ziel steht die Schaffung kultureller nationaler Einheit in Sprache, Kultur und gemeinsamer Erinnerung im Rahmen der Nation – Building.

Diese Tatsachen unterstützen meine These, dass der Nationalismus, in seinem echten Sinne nur parallel mit der Nation – Building gerechtfertigt sein kann. In heutiger Weltordnung, wo der Primat aufs Völkerrecht gelegt wird/sein sollte, haben die nationalistische Strömungen keine Chance, im Rahmen einer legalen Aktion, die Staatengrenzen zu ändern oder auf irgendwelche andere Art die Souveränität der schon anerkannten Länder in Frage zu stellen. Jedoch behaupten sie dass die heutige Weltordnung selbst ungerecht sei.

Man kann die Veilfältigkeit der Bedeutung des Nationalismus nicht in Frage stellen. Jedoch wird Nationalismus ''vor allem als ein politisches Prinzip verstanden, das besagt, politische und nationale Einheiten sollten deskungsgleich sein''.[8]

Im Zusammenhang mit dieser Konstatation wird das nationale Gefühl in Verbindung gesetzt. Die politischen und ethnischen Grenzen dürfen sich nich überschnitten werden. Es impliziert weiter dass das Politische und Nationale das Gleiche sind/sein sollten. Dabei spilt auch Legitimität eine wichtige Rolle. Man muss sowohl theoretisch/ideologisch als auch empirisch/rechtlich die Anstrebungen nationalistischer Bewegungen rechtfertigen können. Jedoch, die zwei Grundbegriffe, die in Zusammenhang mit dem Nationalismus in Verbindung stehen sind Staat und Nation.

[...]


[1] Gellner (1983)

[2] vgl. Petar Luković, kontroverser Berichter der bekanntesten serbischen und kroatischen politischen Zeitungen und Magazinen. In Serbien ist er wegen «anti-serbischen» Texten meistens gegen die Kirche, Milošević und Šešelj demonisiert worden. Seine Kritik an die Kirche scheint primitiv und unprofessionel im Gegensatz zu den politischen Themen, die öfter vorkommen.

[3] Vgl. Kaldor (2003,17)

[4] Der kroatische Premierminister Ivo Sanader (HDZ) beschreibt mit diesem lateinischen Sprichwort (Die Voraussetzung ohne die es nicht geht) die Notwendigkeit der europäischen Perspektive für alle Länder Balkans im Bezug auf Wohlfahrt und Frieden.

[5] Kunze (2005, 28)

[6] Es wird heute noch immer von einigen Linguisten behauptet dass es um eine Sprache handelt.

[7] vgl. Kunze (2005, 38)

[8] Gellner (1993,8)

Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640111435
ISBN (Buch)
9783640112746
Dateigröße
865 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112277
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,00
Schlagworte
Nationalismen Jugoslawien

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Titel: Nationalismen in Jugoslawien