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Die Ausstellung "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" als kulturtouristisches Event und ihre Bedeutung für den Tourismus in Sachsen-Anhalt

Seminararbeit 2006 20 Seiten

Kunst - Management, Vermarktung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die Ausstellung „Das Heilige Römische Reich“

2. Begriffsbestimmungen
2.1. Kulturtourismus
2.2. Event

3. Historische Großausstellungen als kulturtouristische Events

4. Erfolgsfaktoren historischer Großausstellungen
4.1. Inszenierung
4.2. Exponate
4.3. Kontinuität
4.4. Ausstellungsmarketing

5. Zur Bedeutung der Ausstellung „Heiliges Römisches Reich“ für den Kulturtourismus in Sachsen-Anhalt
5.1. Identitätsstiftung
5.2. Imagegewinn
5.3. Vermarktung der Region als touristische Destination.

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Die Ausstellung „Das Heilige Römische Reich“

Die Doppelausstellung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ findet vom

28.08. bis zum 10.12. diesen Jahres im Kulturhistorischen Museum Magdeburg und im Deutschen Historischen Museum in Berlin statt. Der Magdeburger Ausstellungsteil

„Von Otto dem Großen bis zum Ausgang des Mittelalters“ widmet sich dabei der Zeitspanne von 962 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Im Deutschen Historischen Museum in Berlin wird die Zeit von 1495 bis 1806 veranschaulicht. Dabei zeigt die Großausstellung beachtlichen Ausmaßes über 1.000 Exponate auf insgesamt 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche[1]

Der Ausstellung wurde der Ehrentitel „29. Ausstellung des Europarates“ verliehen. Ausstellungen des Europarates wollen bei den Bürgern Europas ein Bewusstsein für das gemeinsame europäische Kulturerbe schaffen. Die erste Europaratsausstellung fand 1954 in Brüssel statt. Standen in der Anfangszeit die großen Stilepochen im Mittelpunkt, so dominieren spätestens seit 1980 historische Großausstellungen. Das Label „Ausstellung des Europarates“ gilt inzwischen als Qualitätssiegel, die Besucherzahl dieser Ausstellungen geht meist in die Hunderttausende.

Der Magdeburger Ausstellungsteil trägt zudem die Bezeichnung „Landesausstellung Sachsen-Anhalt“, ein Label das jährlich an besonders bedeutende Ausstellungen im Land vergeben wird. Es war insbesondere der große Erfolg der „Vorgänger-Ausstellung“ „Otto der Große, Magdeburg und Europa“, der 27. Ausstellung des Europarates, die 2001 ebenfalls im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg stattfand, der das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Magdeburg dazu motivierte, die beachtlichen finanziellen Mittel aufzubringen, die für die Durchführung einer derartigen Großausstellung erforderlich sind.[2]

Diese Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit dem sachsen-anhaltischen Ausstellungsteil. Die Bedeutung der Ausstellung als kulturhistorisches Event für das Land Sachsen-Anhalt wird skizziert, historische Großausstellungen als Events dargestellt. Erfolgsfaktoren dieser Ausstellungen werden kurz am Beispiel der Ausstellung „Heiliges Römisches Reich“ dargelegt. Dabei werden vorab die Begriffe Kulturtourismus und Event beleuchtet.

Dabei kommen einige Facetten des Themas notwendigerweise zu kurz. So wurde die Darstellung der Marketing-Aktivitäten auf das Allerwesentlichste beschränkt. Alleine dieser Aspekt des Themas könnte Gegenstand einer Arbeit sein, die den doppelten Umfang der vorliegenden hätte.

2. Begriffsbestimmungen

2.1. Kulturtourismus

Die Definitionen von Kulturtourismus sind mannigfaltig und differieren stark. Die WTO definiert Tourismus als „activities of persons during their travel and stay in a place outside their usual place of residence, for a continuous period less than one year, for leisure, business or other purposes“[3]. Diese Definition wird weithin geteilt. Bei einem Begriff mit derart mannigfaltigen Bedeutungsebenen wie Kultur jedoch gehen die Definitionen weit auseinander.

Beinahe ebenso vielfältig wie die Definitionen von Kultur, sind die von Kulturtourismus. „Da sich bereits die beiden Teilbegriffe `Kultur´ und `Tourismus´ einer klaren Begriffsbestimmung entziehen, bleiben auch die Definitionen des `Kulturtourismus´ notwendigerweise recht allgemein“, meint etwa Becker.[4] Konstitutiv für die meisten Definitionen sind kulturelle Motivation und kulturelles Interesse der Touristen, sowie das kulturelle Angebot der Destination. Dabei liegt je nach Autor der Schwerpunkt der Definition auf dem einen oder anderen Aspekt.

So definiert Becker „Der Kulturtourismus nutzt Bauten, Relikte und Bräuche in der Landschaft, in Orten und in Gebäuden, um dem Besucher die Kultur-, Sozialund Wirtschaftsentwicklung des jeweiligen Gebietes durch Pauschalangebote, Führungen, Besichtigungsmöglichkeiten und spezifisches Informationsmaterial nahezubringen. Auch kulturelle Veranstaltungen dienen häufig dem Kulturtourismus.“[5]

Bei Dreyer ist das Reisemotiv des Touristen entscheidend. „Mit Kulturtourismus werden alle Reisen bezeichnet, denen als Reisemotiv schwerpunktmäßig kulturelle Aktivitäten zugrunde liegen.“[6] Dreyer benutzt dabei einen sehr weit gefassten Kulturbegriff, nennt etwa auch einen „Einkaufsbummel machen“ und „Musik hören“[7] als kulturelle Aktivitäten.

Generell differieren die Definitionen von Kulturtourismus dahingehend, dass entweder ein weit gefasster Kulturbegriff, der auch Alltagsund Breitenkultur umfasst, zugrunde liegt oder ein eng gefasster Begriff, der sich auf die Angebote der Hochkultur beschränkt. Den weitesten Begriff von Kulturtourismus hat Nahrstedt, der konstatiert, dass „Tourismus selbst bereits Kultur ist und zwischen den Kulturen des

Herkunftslandes der Reisenden wie des Gastlandes der Bereisten vermittelt.“[8]

Gleichgültig jedoch, ob man das Angebot einer Destination oder das kulturelle Interesse des Besuchers heranzieht, eine Definition von Kulturtourismus wird immer zwischen einer zu weiten Fassung – und damit letztlich einer definitorischen Beliebigkeit

– und einer zu engen Fassung oszillieren, die einzelne Reiseformen des kulturellen Reisens unberechtigt ausschließt.

Für die Zwecke dieser Arbeit sei Kulturtourismus schlicht als „Reise zu kulturellen Angeboten“ definiert. Dem Verfasser ist bewusst, dass er sich damit um eine Definition von Kultur herumdrückt. Eine verbindliche Definition des Begriffes „Kultur“, die all seinen Bedeutungsebenen gerecht wird, scheint ihm jedoch gerade in einer Zeit, in der sich die Grenzen zwischen Breitenkultur und Hochkultur auflösen, nicht leistbar.

2.2. Event

Der englische Begriff „Event“ lässt sich beinahe wörtlich mit „Ereignis“ ins Deutsche übersetzen. Gemeinhin werden mit dem Begriff inszenierte Ereignisse vor allem aus den Bereichen Kultur und Sport bezeichnet. Zunehmend werden jedoch auch andere Ereignisse, wie Naturereignisse – etwa eine Sonnenfinsternis – zu inszenierten Events. Konstitutiv am Event ist die Inszenierung[9], die beim Besucher ein bestimmtes Erlebnis auslösen soll.

Die Abgrenzung zum Begriff der Veranstaltung ist schwierig. Die meisten Autoren weisen auf die Einmaligkeit und Außergewöhnlichkeit von Events hin. Auch Opaschowski bezeichnet das „Gefühl des Einmaligen und Außergewöhnlichen“[10] als wichtigen Faktor für den Erfolg von Events. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist für ihnImagination“[11], eine Kulisse die „schöner und beeindruckender als die Wirklichkeit sein“ kann und die „ohne Szenerie und Dramaturgie nicht aus(kommt; W.F.)“[12] - andere Autoren sprechen von „inszenierten Erlebnisräumen“[13]. Ein dritter erfolgsentscheidender Faktor ist „Perfektion bis ins kleinste Detail“[14].

In dieser Arbeit wird Event als außergewöhnliches, inszeniertes, zeitlich befristetes Ereignis verstanden, das zumeist eine Veranstaltung ist. Events werden häufig mit Mitteln des Projektmanagements geplant.[15]

[...]


[1] Schulz, Bernhard: Ein Märchen aus uralten Zeiten. Prunkvoll: die Magdeburg-Berliner Ausstellung zum „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“. In: Der Tagesspiegel, Internetpublikation, URL: www.tagesspiegel.de/kultur/archiv/27.08.2006/2726233.asp, 2006

[2] so u.a. der für die Öffentlichkeitsarbeit der Ausstellung zuständige wissenschaftliche Mitarbeiter des kulturhistorischen Museums, Dr. Alexander Schubert. Schubert, Alexander: Persönliches Gespräch, 28.08.06

[3] WTO, 2003 zitiert nach Allmann, Uwe und Roth, Peter: Marketing im Kulturtourismus. Lehrbrief der Fernuniversität Hagen, Hagen, 1998, S.44

[4] Becker, Christoph und Steinecke, Albrecht: KulturTourismus: Strukturen und Entwicklungsperspektiven. Lehrbrief der Fernuniversität Hagen, Hagen, 1997, S.12

[5] Becker, Christoph: Kulturtourismus in Europa, Trier, 1993, S.8

[6] Dreyer, Axel und Antz, Christian: Handbuch Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt. Magdeburg/ Wernigerode, 2002., S.14.

[7] ebd.

[8] Nahrstedt, Wolfgang: Die Kulturreise, in: Kulturtourismus, München/ Wien, 1996, S.22

[9] vergl. u.a. Opaschowski, Horst: Das gekaufte Paradies. Tourismus im 21. Jahrhundert. Herausgeber: B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitut, Hamburg, 2001, S.102.

[10] ebd., S.86

[11] ebd., S.85

[12] ebd., S.86

[13] Nufer, Gerd: Event Marketing. Theoretische Fundierung und empirische Analyse unter besonderer Berücksichtigung von Imagewirkungen, 2. Auflage, Wiesbaden, 2006, S.18f

[14] a.a.O., Opaschowski, Horst, 2001, S.85

[15] zu einer kurzen Definition von Projekten sowie Instrumenten zu Ihrer Planung siehe etwa Heinrichs, Werner: Ablaufplanung im Projektmanagement. Balkendiagramm, Meilensteinplanung und Netzplantechnik. In: Bendixen, Peter/ Fuchs, Max/ Heinrichs, Werner (Hg.): Handbuch Kulturmanagement, Aufsatz B 4.7., Stuttgart, 1998.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640111428
ISBN (Buch)
9783640112739
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112272
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für Kulturmanagement
Note
1,7
Schlagworte
Ausstellung Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation Event Bedeutung Tourismus Sachsen-Anhalt Präsenzveranstaltung Prag Prater Pavarotti Wenn Kultur Reiseziel

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