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Wohnen und Sozialer Wandel in Paris

von Dipl. Geogr. Franziska Noltenius (Autor) Grit Kämmerer (Autor) Holger Wermke (Autor)

Seminararbeit 2004 19 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bevölkerungsentwicklung

3. Sozioökonomische Disparitäten

4. Wohnungsmarkt und Wohnungspolitik
4.1 Raum- und Stadtplanung im Bereich der Île-de-France
4.2 Stadterneuerungspolitik
4.3 Sozialer Wohnungsbau

5. Wohnungsmarkt

6. Fazit

Literaturangabe

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik des Wohnungswesens und der Sozialstruktur in der Region Île-de-France. Der Großraum Paris hat mit einem Bevölkerungsanteil von etwa 20 Prozent an der Gesamtbevölkerung Frankreichs (entspricht etwa 11 Millionen Einwohnern) eine deutliche Primatstadtfunktion für die Nation.

Im Folgenden werden neben Grundlagen zur Bevölkerungsentwicklung auf die aktuelle Situation des Pariser Wohnungsmarktes und die politische Regulation dessen eingegangen. Die Sozialstruktur der Region steht dabei in enger Verbindung mit den Charakteristika des Wohnungsmarktes. Auffällig sind besonders die Differenzen auf der Stadtteilebene, die sich unter anderem durch Mietpreise, Anteil an Sozialwohnungen und sozialen Komponenten zeigen. Neben exklusiven Stadtteilen mit hohem Mietpreisniveau existieren Arrondissements, die von schlechter Bausubstanz und großen Anteilen armer Bevölkerungsschichten geprägt sind.

2. Bevölkerungsentwicklung

Die Hauptstadt Frankreichs hatte bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts mit 200.000 Einwohnern ein so hohes Bevölkerungsgewicht wie keine andere Stadt zu dieser Zeit. Bis zum Jahre 1801 stieg die Bevölkerungszahl auf circa 550.000 Einwohner an. Paris hatte somit aber lediglich einen Anteil von zwei Prozent an der Gesamtbevölkerung Frankreichs. Die Sogwirkung der Hauptstadt setzte erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, so dass sich zwischen 1840 und 1940 die Einwohnerzahl auf 4,9 Millionen erhöhte. Dieser Zuwachs erfolgte vornehmlich auf Grund von Migrationsgewinnen. Heute leben etwa 11 Millionen Menschen in der Region Île-de-France. Durch den Anteil von circa 19 Prozent an der Gesamtbevölkerung des Landes wird der Primatcharakter dieser Region deutlich. In den städtischen Agglomerationen ist eine Bevölkerungszahl von etwa 9,6 Millionen Einwohnern (EW) mit 2,1 Mio. EW in der Kernstadt und 7,5 Mio. EW in den 395 Kommunen des verstädterten Umlandes festzuhalten. Eine Million Menschen leben derzeit in den mit Paris funktional eng verflochtenen städtischen Agglomerationen in den Außenbereichen der Île-de-France. Lediglich 400.000 EW dieser Region leben in eher ländlich geprägten Gemeinden.

Die Kernstadt Paris hatte mit circa 2,9 Millionen Einwohnern im Jahre 1920 ihren Bevölkerungshöchststand erreicht. Seitdem lässt sich ein Bevölkerungsrückgang von nunmehr 28 Prozent konstatieren. Zwischen 1960 und 1975 musste Paris den mit 500.000 EW stärksten Bevölkerungsverlust hinnehmen. Seitdem verlangsamt sich zwar dieser Prozess, die Kernstadt verliert aber weiterhin kontinuierlich an Einwohnern.

Auf der anderen Seite findet seit den letzten Jahrzehnten ein ausufernder Suburbanisierungsprozess statt. „Einer allmählichen Entleerung der Innenstadt stand somit ein kräftiges Wachstum an der Peripherie gegenüber“ (Pletsch 1998, S. 2). Nachdem der innere Wachstumsring, die Petite Couronne, vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf Grund des Industrialisierungsprozesses starke Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen hatte, stieg die Bevölkerungszahl im äußeren Wachstumsring, der Grande Couronne, unter anderem durch vermehrten Einfamilienhausbau und der Entstehung der fünf villes nouvelles, die als Entlastungsstädte geplant wurden, auf vier Millionen Einwohner im Jahre 1999 an. Insgesamt reduziert sich jedoch auch der Bevölkerungszuwachs im äußeren Wachstumsring. Bevölkerungsgewinne bestehen vor allem auf Grund des natürlichen Bevölkerungswachstums, wobei der mit 12,9 Prozent im nationalen Vergleich hohe Ausländeranteil eine wichtige Rolle spielt. Die geringen Bevölkerungszuwächse, die durch Migrationen bedingt sind, erhält die Region hauptsächlich durch die Wanderung junger Menschen im Alter zwischen 25 und 29 Jahren.

Generell lässt sich somit sagen, dass seit 1990 das Bevölkerungswachstum der Region Île-de-France fast zum Stillstand gekommen ist, auch wenn einige Gebiete Bevölkerungsgewinne zu verzeichnen haben.

Zusammenfassend finden in der gesamten Agglomeration nur noch ein geringes Bevölkerungswachstum, mit absolutem Bevölkerungsrückgang in der Kernstadt, und eine Verlagerung der Bevölkerungsdynamik innerhalb des suburbanen Raumes nach außen statt. Seit den 1960er Jahren erfolgte des Weiteren eine Verschiebung der Bevölkerungszunahme von Zuwanderung hin zum natürlichen Bevölkerungswachstum, welches teilweise durch den hohen Ausländeranteil bedingt ist.

3. Sozioökonomische Disparitäten

Der wirtschaftliche Wandel in der Region Île-de-France vom sekundären Sektor hin zum tertiären Sektor hatte auch einen Einfluss auf die Sozialstruktur der Region. Die sozialräumlichen Disparitäten zwischen Kernstadt und Umland haben zugenommen. Zudem bestehen große Disparitäten zwischen dem Westen und Osten der Region hinsichtlich des Einkommens und der Berufsgruppen. Vor allem der Norden und Osten sind durch vergleichsweise geringe durchschnittliche Jahreseinkommen geprägt. Das geringste durchschnittliche Jahreseinkommen (unter 20.000 € pro Jahr) und das Problem einer hohen Arbeitslosenquote ist im Norden und Nordosten des Petite Couronne aufzufinden. Beispielsweise lag im Départment Seine-Saint-Denis Mitte der 1990er Jahre das Durchschnittseinkommen 20 Prozent unter dem regionalen Durchschnitt und wies im Jahre 2000 mit über 11 Prozent die höchste Arbeitslosenquote der Region auf. Dem gegenüber liegen die zehn Gebiete mit dem höchsten Einkommen ausschließlich im Westen von Paris.

Ebenso bringt die unterschiedliche Verteilung der ausländischen Bevölkerung Probleme der ethnischen Segregation mit sich. Im Grande Couronne beträgt der Ausländeranteil zwischen acht und neun Prozent und ist damit in der Region am Geringsten. Im Gegensatz dazu leben in der Kernstadt Paris mit 300.000 Personen die meisten Ausländer in der Region, welches einem Bevölkerungsanteil von 14,5 Prozent entspricht. Das Départment Seine-Saint-Denis hat mit 19 Prozent (entspricht 260.000 Personen) den höchsten Ausländeranteil der Region.

Diese sozioökonomischen Unterschiede führen zu sozialer Exklusion in einzelnen Gebieten, welche wiederum Tendenzen zur Ghettoisierung und Vandalismus fördern (vgl. Coy 2003, S. 63ff.).

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640111060
ISBN (Buch)
9783640111213
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112264
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Geographisches Institut
Note
"-"
Schlagworte
Wohnen Sozialer Wandel Paris Stadtentwicklung Auswirkungen

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Titel: Wohnen und Sozialer Wandel in Paris