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Bilingualismus in der Familie

Examensarbeit 2008 49 Seiten

Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

0 EINLEITUNG

1 VOR- UND NACHTEILE DER BILINGUALEN FAMILIE

2 RAHMENBEDINGUNGEN FÜR BILINGUALISMUS

3 DAS BILINGUALE MENTALE LEXIKON

4 VERSCHIEDENE PRINZIPIEN ZUR BILINGUALEN ERZIEHUNG
4.1 OPOL-/ Partnerprinzip
4.2 Familiensprache = Nicht-Umgebungssprache (mL@H)
4.3 Späte Zweisprachigkeit
4.4 Künstliche Zweisprachigkeit
4.5 Zeitund Raumprinzip

5 SCHLUSSBEMERKUNG

6 LITERATUR

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Die Iceberg-Analogie, aus: BAKER, Colin: A Parents’ and Teachers’ Guide to Bilingualism, Multilingual Matters Ltd, 1995, S.48

Abbildung 2: Parent to child language use patterns, aus: BARRON- HAUWAERT, Suzanne: Language Strategies for Bilingual Families, The One Parent-One-Language Approach. 1. Aufl.- Parents and Teachers’ Guides No. 7 : Multilingual Matters Ltd, 2004, S.16

Abbildung 3: Comparison of parent’s and children’s language levels, aus: BARRON-HAUWAERT, Language Strategies for Bilingual Families, a.a.O., S.83

Abbildung 4: Strategy depending on age of child, aus: BARRON- HAUWAERT, Language Strategies for Bilingual Families, a.a.O., S.181

Abbildung 5: Children’s profiency compared to parental strategy, aus: BARRON-HAUWAERT, Language Strategies for Bilingual Families, a.a.O., S.181.

0 Einleitung

In dieser Arbeit geht es um die bilinguale Familie. Genauer wird dabei ein Blick auf die Kinder geworfen, die von ihren Eltern zweisprachig erzogen werden und auf die Strategien, die die Eltern hierbei anwenden.

In der heutigen Welt ist Bilingualismus sicher keine Ausnahme, doch vor allem bei Sprechern von Weltsprachen wie Englisch ist Bilingualismus eher seltener. Schätzungsweise gibt es 6000 Sprachen auf der Welt (Crystal, 1997), doch nur 150 Länder.[1] Laut Fishman (1967) spricht über die Hälfte der Weltbevölkerung mehr als eine Sprache, in Ländern wie Südafrika oder Indien ist Bilingualismus die Regel und Monolingualismus die Ausnahme.[2] Hierfür gibt es ethnische und politische Gründe oder geographische Mobilität.

Bevor ein näherer Blick auf Bilingualismus in der Familie geworfen wird, muss zunächst einmal geklärt werden, was unter Bilingualismus überhaupt verstanden wird.

Eine feste Definition, was Zweisprachigkeit genau ist, gibt es nicht. Der amerikanische Linguist Bloomfield versteht darunter „native-like control of two languages“, was soviel heißt, wie beide Sprachen so zu beherrschen, als seien sie die Muttersprache[3]. Doch diese Definition lässt nicht zu, dass eine Sprache in manchen Bereichen stärker ist, als die andere. Der Grad der jeweiligen Sprachbeherrschung muss nicht so hoch sein, dass man beide Sprachen gleichmäßig beherrscht, aber auch nicht so niedrig, als dass man in einer Sprache nur Dinge „verstehen“ kann – passiv bilingual ist. Der Grad der Sprachbeherrschung liegt dazwischen, wichtig ist jedoch, dass man sich seiner Zweisprachigkeit bewusst ist und sich zu beiden Sprachen verbunden fühlt.[4]

So kann sich bei bilingual erzogenen Kindern ein bestimmter Sprachbereich schneller oder langsamer entwickeln, als in der anderen Sprache, da manche Bereiche in der einen Sprache komplizierter sind oder soziale oder persönliche Vorlieben für den Gebrauch einer bestimmten Sprache vorliegen.

Es gibt oftmals eine „starke“ und eine „schwache“ Sprache, wobei die starke Sprache in der Regel die Sprache der Gesellschaft – des Umfeldes – ist. Diese Sprache ist die, die mehr gesprochen und gehört wird.

In dieser Arbeit wird Bilingualismus der nach Weinreich als „Die Praxis, abwechselnd zwei Sprachen zu gebrauchen, soll Zweisprachigkeit heißen, die an solcher Praxis beteiligten Personen werden Zweisprachig genannt“,[5] verstanden. Diese Definition schließt die „natürliche Zweisprachigkeit“ ein, nämlich die, in der die Kinder die zwei verschiedenen Muttersprachen ihrer Eltern erlernen und die „künstliche Zweisprachigkeit“, die später genauer beschrieben wird.

Worauf in dieser Arbeit nicht eingegangen wird, ist die Zweisprachigkeit, wie sie bei Immigranten vorhanden ist, bei denen die zweite Sprache eine Fremdsprache ist, die die Muttersprache ersetzt. Bei Immigranten wird somit Monolingualismus durch neuen Monolingualismus ersetzt.[6]

Zunächst einmal werden in dieser Arbeit die Vorund Nachteile beschrieben, die eine zweisprachige Erziehung mit sich bringt und das mentale Lexikon des bilingualen Kindes wird genauer erläutert, um Vorurteile näher zu untersuchen und Sprachstörungen und Interferenzen im Sprachgebrauch zu durchleuchten. Inwieweit sind Sprachmischungen bei Bilingualen normal?

Bevor verschiedene Prinzipien zur Zweisprachigkeit vorgestellt werden und auf deren entsprechende Vorund Nachteile eingegangen wird, werden Rahmenbedingungen betrachtet, ohne die eine bilinguale Erziehung nicht funktionieren kann. Bei den Prinzipien zur bilingualen Erziehung steht besonders das Partnerbzw. OPOL-Prinzip, bei dem immer ein Elternteil mit dem Kind genau eine Sprache spricht, im Vordergrund.

Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Frage der „künstlichen Zweisprachigkeit“, was bedeutet, dass in einem einsprachigen Elternhaus eine „natürliche Zweisprachigkeit“ nachgeahmt wird.[7] Hierbei wird die Frage geklärt, ob eine "künstliche Zweisprachigkeit“ sinnvoll ist, welche Voroder Nachteile sich aus eben dieser ergeben, und welche Erfahrungen von Eltern, die ihre Kinder so erzogen haben, gemacht wurden. Hierbei wird besonders auf die bekannte Studie von George Saunders eingehen, der seine Kinder englisch-deutschzweisprachig erzieht obwohl Deutsch weder seine Muttersprache ist, noch die seiner Frau.

Abschließend wird die Frage geklärt, welche Prinzipien der zweisprachigen Erziehung besonders erfolgreich sind und von Eltern gewählt werden sollten. Welche Rolle spielen bei der Wahl des Prinzips äußere Bedingungen? Gibt es die eine bestimmte Erfolgsstrategie für zweisprachige Kindererziehung?

1 Vorund Nachteile der bilingualen Familie

Der größte Vorteil der zweisprachigen Kindererziehung ist, dass die Kinder spielend leicht die zweite Sprache erlernen, während andere Kinder später in der Schule viel mehr Mühe dazu aufwenden müssen.[8] Sie lernen durch Spiel und haben keine Angst Fehler zu machen.[9] Außerdem sollen sie sowohl sprachgewandter und sprachinteressierter, flexibler, anpassungsfähiger und sogar intelligenter sein als einsprachige Kinder.[10] Inwieweit dies Vorurteile oder Tatsachen sind, stellt sich im Folgenden heraus.

Dass Kinder spielend und einfacher die zweite Sprache erlernen ist einleuchtend, denn sie lernen über die Welt und wie Dinge funktionieren. Dabei lernen sie die zweite Sprache fast von selber, da sie nicht auf das Erlernen der Sprache an sich konzentriert sind. Im Gegensatz zu einem Erwachsenen ist dies viel leichter, da der Erwachsene Sprache zu einem völlig anderen

Zweck benutzt, nämlich um Zustände zu beschreiben, nicht um sie zu begreifen.[11]

Generell weit verbreitet ist die Annahme, dass Kinder eine zweite Sprache leichter lernen können als Erwachsene. Einer der Hauptunterschiede ist, dass Kinder noch über die Welt lernen und sich die Sprache dabei eher spielend aneignen, um Dinge zu verstehen. Bei Erwachsenen hingegen geht es um das Sprachlernen an sich. Sie stehen den Kindern darin nach, dass sie die Aussprache nicht so akzentfrei beherrschen werden. Nach Rod Ellis (1995) ist das akzentfreie Erlernen einer Sprache nur bis zum sechsten Lebensjahr möglich, wenn die Sprache in ihrer normalen Umgebung dargeboten wird.[12] ist nach einer Studie aus dem Jahr 2001 von Hamers & Blanc das optimale Alter um eine Sprache zu lernen bis zur Pubertät.[13]

Festgehalten wird hier, dass es nicht schwerer, ist als Erwachsener zweisprachig zu werden im Vergleich zum Kindesalter, da ältere Kinder oder Erwachsene schon besser mit neuen Informationen umgehen können und bessere Gedächtnisstrukturen haben. Verglichen mit der Zeit, die sie benötigen, um eine zweite Sprache zu erlernen, sind Erwachsene sogar effizienter. Wobei sie sich schwerer tun ist Aussprache. Es fällt ihnen oftmals schwer, zum Beispiel einen ganz neuen Laut zu adaptieren.[14]

Als Nachteil der frühen Zweisprachigkeit ist die Befürchtung vieler Eltern zu sehen, dass die Kinder keine der beiden Sprachen richtig erlernen, oder überfordert sind. Das könnte dazu führen, dass die Kinder sprachlich verspätet sind.[15] Dies wurde 1992 von den Forschern Pearson, Fernandez und Oller widerlegt, die eine Studie an englisch-einsprachigen Kindern und Englisch-Spanisch-zweisprachigen Kindern im Alter von 8 bis 30 Monaten durchführten. Hierbei wurden die Eltern jeweils befragt, welche Ausdrücke und Wörter ihre Kinder schon kannten und dabei stellten sie fest, dass die bilingualen Kinder genauso schnell lernten wie die monolingualen.[16] Hierbei ist zu bedenken, dass nur das mentale Lexikon der Kinder überprüft wurde und keine grammatischen Strukturen.

Oftmals ist die schwache Sprache ein wenig lückenhaft. Die Kinder stottern, es kommt zu Sprachmischungen. Dies ist kein Nachteil des Bilingualismus selbst. Viel eher stellt sich die Frage, ob die wichtigsten Spracherziehungsprinzipien eingehalten wurden, die im Folgenden beschrieben werden. Sprachmischungen sind außerdem heutzutage gut erforscht und wie Meisal (1994) herausstellte, kein Zeichen von verspäteter Sprachentwicklung. Mittlerweile befassen sich fast alle Fallstudien mit Sprachmischungen und es wurde gezeigt, dass fast alle zweisprachig aufwachsenden Kinder durch eine solche Phase gehen. Sprachmischungen entstehen oftmals unabsichtlich, da Kinder das bestimmte Wort in der einen Sprache nicht kennen, es in der anderen Sprache ähnlich ist, oder es sich in der anderen Sprache einfacher aussprechen lässt.[17] Die Fälle der Sprachmischungen werden im Kapitel 3 beschrieben.

Viele Eltern haben die Befürchtung, dass eine doppelte Halbsprachigkeit (Semilingualismus) eintritt. Besonders bei Migranten ist dies zu beobachten, wenn ein qualitativer und quantitativer Sprachkontakt nicht gegeben ist oder ein mangelndes Sozialprestige mit der Sprache verknüpft ist. Doch dieses Beispiel ist nicht auf den Bilingualismus übertragbar, da die psychosozialen Faktoren zu stark abweichen.[18] Aspekte für gute Vorraussetzungen der erfolgreichen zweisprachigen Erziehung werden im Folgenden beschrieben.

Laut Wieczerkowski und Weinreich gehen die Nachteile der Zweisprachigkeit soweit zurück, dass zweisprachige Kinder phantasielos und gefühlsarm sind, einen niedrigeren Intelligenzquotienten haben als Einsprachige, Minderwertigkeitsgefühle oder gespaltene Persönlichkeiten entwickeln. Doch dies sind Vorurteile, da sich keine empirische Basis dafür findet.[19] Sicherlich gibt es trotzdem nicht nur Vorteile für die bilinguale Familie, sondern auch Nachteile. In besonderem Interesse steht hierbei der Intelligenzquotient bilingualer Kinder.

Im Jahr 1923 führte Saer in Wales eine Studie durch, in der er 1400 Kinder im Alter zwischen sieben und elf auf ihren Intelligenzquotienten überprüfte. Die Kinder waren alle zweisprachig mit Englisch und Walisisch und die Ergebnisse wurden in die Gruppen „städtische Region“ und „ländliche Region“ eingeteilt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Intelligenzquotienten der Kindergruppen in Bezug zu Wohnort, aus: SAUNDERS, George, S.15ff.

Wo sich der Intelligenzquotient von Stadtkindern mit einem Durchschnittswert von 99 bei Einsprachigen und 100 bei Zweisprachigen kaum unterscheidet, fällt der IQ von Kindern in ländlichen Regionen, die zweisprachig erzogen wurden, deutlich niedriger aus als bei ihren einsprachigen Altersgenossen.[20]

Nun könnte davon ausgegangen werden, dass Wieczerkowski und Weinreich mit ihrer These Recht hatten, dass bilinguale Kinder nicht so intelligent sind wie monolinguale, doch es lässt sich vermuten, dass die bilingualen Kinder aus den ländlichen Regionen weniger Kontakt mit der zweiten Sprache außerhalb ihres Zuhauses hatten und dies das Ergebnis beeinflusst hat. Seitdem wurden viele weitere Studien über die Intelligenz der bilingualen Kinder gemacht und im Jahr 1962 fanden Peal & Lambert heraus, dass die Kinder flexibler sind und kognitive Vorteile gegenüber den einsprachig aufgewachsenen Kontrollgruppen vorweisen.[21]

1972 stellte Anita Ianco Worall heraus, dass bilinguale Kinder die Willkürlichkeit der Sprache schon viel früher erkennen, als monolingualen Kinder. So waren sich die bilingualen Kinder im Alter von vier bis neun Jahren bewusst, dass die Kuh „Hund“ heißen könnte, wenn für alle Sachen Namen gefunden werden müssen. Die Einsprachigen behaupteten größtenteils, dass dies nicht möglich wäre, da Namen von Dingen nicht geändert werden könnten.[22] Hieraus ergibt sich, dass das Sprachverständnis bei den bilingualen Kindern schon viel weiter ausgeprägt ist. Studien, die sich mit Gehirnwellen befassen, zeigen außerdem, dass Bilinguale flexibler und offener für neue Konzepte sind. Empirisch belegt ist, dass Bilinguale jeweils im Vergleich zu den Kontrollgruppen kreativer denken, sozialer und anpassungsfähiger sind.[23] Insgesamt lässt sich sagen, dass die Zweisprachigkeit sicher ein Vorteil für Kinder ist, da sie es relativ leicht haben, eine zweite Sprache zu erlernen. Inwieweit der IQ eines Kindes im Zusammenhang zu seiner Zweisprachigkeit steht, ist nicht klar, genauso wenig, wie sich die Frage stellt, ob Phantasielosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle oder gespaltene Persönlichkeiten wirklich durch Zweisprachigkeit hervorgerufen werden. Hierbei handelt es sich eher um Vorurteile aus den 50er Jahren. Das Problem, dass zweisprachige Kinder Schwierigkeiten bei der Identitätsfindung haben, kann ausgeschlossen werden, wenn gute Vorraussetzungen für die zweisprachige Erziehung geschaffen wurden. „Je nachdem, wie der Zweisprachige die Kulturen beider Sprachen lebt und erlebt, kann er sich mit ihnen identifizieren. Wird der Bikulturalismus positiv erlebt, ist eine bikulturelle Identität eine Bereicherung der eigenen Persönlichkeit, wird der Kulturkontakt negativ erlebt, ist eine bikulturelle Identität eine Belastung.“[24] Doch selbst bei negativem Kulturkontakt lässt sich daraus nicht auf gespaltene Persönlichkeiten schließen.

Auch bedeutet das Erlernen einer zweiten Sprache nicht, dass sich die erste dadurch nicht richtig entwickeln kann. „Die Sprachen stärken sich gegenseitig. Je stärker wiederum beide Sprachen sind, umso positiver sind die Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten generell und die schulischen Leistungen im Besonderen (Cummis 1984).“[25] Das Vorhandensein einer starken und einer schwachen Sprache ist bei Zweisprachigen eher die Regel als die Ausnahme. Da die starke Sprache meistens die Sprache der Umgebung ist, ist dies nicht weiter verwunderlich. Bei kaum einem Zweisprachigen ist die Sprache der Umgebung zweisprachig, es sei denn er verbringt gleich viel Zeit abwechselnd in den entsprechenden Ländern.

Insgesamt lässt sich nicht völlig klären, welche Vorteile die Zweisprachigkeit mit Sicherheit jedem bringt und auch nicht welche Nachteile immer durch sie entstehen, doch der Vorteil der Mühelosigkeit des Spracherwerbs, den zweisprachige Kinder bei dem Erlernen zweier Sprachen haben, ist sicher die Bemühungen und das Durchhaltevermögen der Eltern wert.

2 Rahmenbedingungen für Bilingualismus

Um eine natürliche Zweisprachigkeit gut umsetzen zu können, müssen einige Rahmenbedingungen erfüllt sein. Dies sind nicht viele Prinzipien, doch es ist sehr wichtig, dass die Prinzipien des funktionalen Sprachgebrauchs und der Sprachtrennung, der emotionalen und der sprachlichen Zuwendung sowie der positiven Spracheinstellung beachtet werden. Diese werden im Folgenden näher erläutert.

Zunächst einmal werde ich einige Begriffe erläutern, die während dieser Arbeit immer wieder auftreten. Als Umgebungssprache wird im Folgenden die Sprache verstanden, die in dem Land gesprochen wird, in welchem die Kinder aufwachsen. Oftmals ist die Umgebungssprache die Sprache, die die starke Sprache der Kinder wird. Genauso ist die Umgebungssprache oftmals die Sprache, die zur Familiensprache wird, da die Kinder nur mit dem Elternteil, der die andere Sprache spricht, nicht die Umgebungssprache sprechen. Die Familiensprache wird oftmals so gewählt, dass sie auf den sprachlich schwächeren Elternteil Rücksicht nimmt.[26] Spricht die Mutter die Sprache 1 besser als der Vater Sprache 2, wird Sprache 1 zur Familiensprache. Da starker Druck der Umgebungssprache auf die Familiensprache herrscht, ist die Tendenz die Familiensprache der Umgebungssprache anzupassen.[27] Weitere Begriffe, die im Folgenden auftreten werden, sind: Spielsprache, Schulsprache usw. Diese sind selbsterklärend. Hierbei ist anzumerken, dass die Spielsprache unter dem Druck der Umgebungssprache gewählt wird, da die Spielpartner oft aus der Umgebung der Kinder kommen.

Zurück zu den Prinzipien, die für die Umsetzung von Zweisprachigkeit relevant sind: Beim funktionalen Sprachgebrauch und der Sprachtrennung kommt es darauf an, dass nicht von einer in die andere Sprache übersetzt wird, sondern die Wahl der Sprache festen Kontexten zugeordnet ist. Die Sprachen werden nicht willkürlich gewechselt, sondern die Sprachwahl unterliegt festen Prinzipien. „Jede Sprache hat ihre besondere Aufgabe, ihre Rolle, ihr Anwendungsgebiet.“[28] Es sollten keine Sprachmischungen auftreten, um die festen Sprachwahlprinzipien nicht zu zerstören, denn sonst würde das Prinzip nicht mehr funktionieren.

[...]


[1] Vgl. HARDING-ESCH, Edith; RILEY, Philip: The Bilingual Family, A Handbook for Parents. 2. Aufl. : Cambridge University Press, S. 28.

[2] Vgl. SAUNDERS, George: Bilingual Children: From Birth to Teens. 2. Aufl. : Multilingual Matters, S. 1.

[3] Vgl. Ebd., S. 7.

[4] Vgl. KIELHÖFER, Bernd; JONOKEIT, Sylvie: Zweisprachige Kindererziehung. 10. Aufl. Tü- bingen : Stauffenberg-Verl., 1998, S. 11.

[5] Ebd., S. 11.

[6] Vgl. SAUNDERS, From Birth to Teens, a.a.O., S. 40.

[7] Vgl. KIELHÖFER et al., Zweisprachige Kindererziehung, a.a.O., S. 14.

[8] Vgl. KIELHÖFER, et al., Zweisprachige Kindererziehung, a.a.O., S. 9.

[9] Vgl. BAKER, Colin: A Parents’ and Teachers’ Guide to Bilingualism. Multilingual Matters Ltd, 1995, S. 39.

[10] Vgl. KIELHÖFER et al., Zweisprachige Kindererziehung, a.a.O., S. 9.

[11] Vgl. HARDING-ESCH et al., The Bilingual Family, a.a.O.,S. 6.

[12] Vgl. BARRON-HAUWAERT, Suzanne: Language Strategies for Bilingual Families, The One Parent-One-Language Approach. 1. Aufl.- Parents and Teachers’ Guiedes No. 7 : Multilingual Matters Ltd, 2004, S. 24.

[13] Vgl. Ebd., S. 23.

[14] Vgl. BAKER, A Parents’ and Teachers’ Guide to Bilingualism, a.a.O., S. 40f.

[15] Vgl. KIELHÖFER et al., Zweisprachige Kindererziehung, a.a.O., S. 9.

[16] KING, Kendall; MACKEY, Alison: The Bilingual Edge: Why, When, and How to Teach Your Child a Second Language, 1. Aufl. : Collins, S. 208.

[17] Vgl. BARRON-HAUWAERT, Language Strategies for Bilingual Families, a.a.O., S. 10f.

[18] Vgl. KIELHÖFER et al., Zweisprachige Kindererziehung, a.a.O., S. 91f.

[19] Vgl. Ebd., S. 11.

[20] Vgl. SAUNDERS, From Birth to Teens, a.a.O., S. 15ff.

[21] Vgl. SAUNDERS, From Birth to Teens, a.a.O., S. 15ff.

[22] Vgl. Ebd., S. 17.

[23] Vgl. BARRON-HAUWAERT, Language Strategies for Bilingual Families, a.a.O., S. 24.

[24] KIELHÖFER et al., Zweisprachige Kindererziehung, a.a.O., S. 100.

[25] Ebd., S. 90.

[26] Vgl. KIELHÖFER et al., Zweisprachige Kindererziehung, a.a.O., S. 20.

[27] Vgl. Ebd., S. 20.

Details

Seiten
49
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640111374
ISBN (Buch)
9783640112715
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112224
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Schlagworte
Bilingualismus Familie Zweisprachigkeit Zweisprachige Erziehung One-parent-one-language-approach Minority language at home Bilinguale Erziehung Bilinguale Familie

Autor

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