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Die Einführung eines neuen Produktes in einem mittelständischen Unternehmen aus dem Bereich Automotive

Erarbeitung eines technologischen Konzeptes unter der Beachtung von IT-Aspekten

Diplomarbeit 2000 59 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzreferat / Abstract

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Erläuterung der Aufgabenstellung
1.2 Beschreibung des Lösungsweges

2. Konzept Prototypenfertigung Nockenwelle

3. Teilerecherche zum Produkt Nockenwelle
3.1 Nockenwellentypen, -arten und Geometrien
3.2 Märkte und Innovationen

4. Technologisches Konzept
4.1 Fertigungsverfahren
4.2 Fertigungsumgebung
4.2.1 Schleifmaschine
4.2.2. Software
4.2.3 Werkzeuge
4.3 Fertigungsplanung
4.4 Technologische Versuche
4.6 Vorschläge Maschinenerweiterung

5. Kostendarstellung
5.1 Herstellkosten und Selbstkosten
5.2 Kalkulationseinzelkosten
5.3 Marktpreise

6. Realisierung des Vorschlagkonzeptes

7. Ausblick in die Nockenwellenzukunft

Literaturverzeichnis

Kurzreferat

Schneider, Matthias

Erarbeiten eines technologischen Konzeptes zum Schleifen von Nockenwellen unter Beachtung vorhandener Hard- und Softwarekomponenten

Diplomarbeit Hochschule Harz, FB Automatisierung und Informatik, 2000 61 Textseiten, 24 Anlagen, 34 Bilder, 18 Literaturstellen In der Arbeit wird ein technologisches Konzept erarbeitet um verschiedenste Nockenwellen auf einer Universal-Schleifmaschine zu schleifen. Dazu mussten Erfahrungen über das CNC-Unrundschleifen von Nocken gesammelt werden. Eine Recherche untersucht die verschiedenen Arten von Nockenwellen und die wichtigsten Nockenformen. Der Grund dafür: Die Anforderungen an das Schleifen sind abhängig von der Nockenform.

Für das Schleifen der Nockenwelle mussten Programme für die Steuerung programmiert werden. Die Programmierung wurde auf einem PC und an der Steuerung der Schleifmaschine durchgeführt. Probleme wie die Winkelpositionierung und eine spielfreie Werkstückmitnahme mussten gelöst werden. Die Prozessführung wurde über die konstante Werkstück- Drehgeschwindigkeit geführt. Für zwei mögliche Varianten der Nockenkontur- Daten (Hubwertetabellen, CAD-Daten) wurde der Arbeitsablauf entwickelt. Das Schleifen zylindrischer Nocken konnte schnell umgesetzt werden. Eine besondere Lösung erforderte die konkave Geometrie von Nocken. Mit der CADTechnik wurde dafür eine Pseudo-Nockenwelle konstruiert. Sie vereint die Eigenschaft (Nockenkontur) vieler Nockenwellen in sich. Die Pseudo- Nockenwelle testet zugleich den maximalen Grenzbereich der Schleifmaschine (konkave Geometrie). Für einen größeren Arbeitsbereich der Schleifmaschine wird eine Lösung vorgeschlagen.

Anschließend sind die Kosten für die Herstellung einer geschliffenen Nockenwelle berechnet wurden. Die Kalkulation ist mit branchen- und betriebsüblichen Maschinenstundensätzen durchgeführt. Das Ergebnis zeigt das sich eine wirtschaftliche Fertigung von Prototypen-Nockenwellen rechnet. Eine Zusammenfassung der Realisierungen und ein Ausblick in die Zukunft der Nockenwelle beenden diese Arbeit.

abstract

Schneider, Matthias

A technological concept is develop to grind camshafts under consideration of

hard- and software components

Diplomarbeit Hochschule Harz, FB Automatisierung und Informatik, 2000

61 textpages, 24 attachments, 34 pictures, 18 bibliographic references

In the paper a technological concept has been elaborated to grind the most various camshafts at a universal grinding machine. For this subject, we had to gain experience on the CNC-noncircular grinding of cams.

An investigation analyses the various types of camshafts and the major forms of cams. The reason why is, that the requirements to the grinding depend on the form of the cam.

For grinding the camshaft programmes had to be eleborated for the control. The programming was carried out at a PC and at the control of the CNCmachine. We had to solve problems like the positioning of angles and a noclearance drive of the workpiece. The process was guided by the constant rate of workpiece rotation. The work flow of the contour grinding process has been developed for two possible variations of the geometric data of cam contours (lift tables, CAD data). It was easily possible to grind cylindric cams. We faced difficulties in grinding concave countours of cams. By means of CAD technology a pseudo-camshaft was constructed. It combines the characteristics of many camshafts. At the same time, the pseudo-camshaft tests the maximum range of the grinding machine (concave geometric). We suggest a solution for a larger working range of the grinding machine.

After that, we calculated the costs for manufacturing a grinded camshaft. The calculation was done by using machine hour rates that are customary in the trade and plant. The result shows that an economical manufacturing of prototype camshafts is profitable. A summary of implementations and prospects of the future of camshafts wind up this paper.

Abbildungsverzeichnis

Abb.3 Haupteinflüsse auf das Schleifergebnis

Abb.4 Nockenwellenarten

Abb.5 Nockengeometrien

Abb.6 Nockendefinitionen

Abb.7 Rollenschlepphebel

Abb.8 Skizze: Tassenstößel

Abb.9 SUPERFINISH: Einstechbearbeitung mit Stein

Abb.10 SUPERFINISH: Bandschleifen

Abb.11 Einordnung des NW-Schleifens nach DIN 8580

Abb.12 Schleifverfahren für die Nockenwellen-Lager

Abb.13 Tabelle: Unterschiede Rundschleifen / Unrundschleifen

Abb.14 Zustellung

Abb.15 Werkstückdrehgeschwindigkeit

Abb.16 Schnittgeschwindigkeit

Abb.17 Schleifscheibendurchmesser

Abb.18 Merkmalskennzeichnung an Schleifscheiben

Abb.19 Werkzeugkosten CBN-Großserie

Abb.20 Kostentendenz von Korund und CBN

Abb.21 Diagramm: Korngrößen / Oberflächen

Abb.22 Organigramm: Fertigungsablaufplan

Abb.23 Nockenwellenpositionierung

Abb.25 Versuchsprotokoll zu den Schleifversuchen

Abb.26 Programmprotokoll des ersten Schleifprogramms

Abb.27 Schleifeinrichtung / Maschinenerweiterung an T3

Abb.28 Schleifeinrichtung nach der Maschinenerweiterung

Abb.29 Ermittlung der Fertigungsgemeinkosten

Abb.30 Tabelle: Ermittlung von Selbstkosten und Angebotspreis

Abb.31 Tabelle: Lohnkosten im Bearbeitungsprozess

Abb.32 Preisliste: Spezial-Nockenwellen

Abb.33 Erfüllung der Anforderungen an die Nockenwellen

Abb.34 Ausblick: Elektro-Hydraulische Ventilsteuerung

Gleichung1 Auswahl des geeigneten Schleifscheibendurchmessers

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Erläuterung der Aufgabenstellung

Von den Schleiferfahrungen im Unternehmen ausgehend, muss untersucht werden, ob die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Schleifbearbeitung an Nockenwellen gegeben sind.

Die Aufgabe entwickelte sich zum einen aus den Fertigungsanfragen der Automobilbaubranche. Diese entwickeln ständig neue Varianten und Arten von Nockenwellen und suchen deshalb Kooperationspartner, die für sie Nockenwellen in kleinen Stückzahlen (z.B. 20 Nockenwellen) und mit speziellen Anforderungen (Nockengeometrie) für ihre Motorentestläufe herstellen.

Zum anderen wurde mit der Inbetriebnahme einer neuen CNC-Universal- Rundschleifmaschine der neusten Generation, die neue und noch recht junge Technologie des CNC-Unrund-Formschleifens in das Unternehmen getragen.

Der Aufgabe entspricht das:

- Erarbeiten des erforderlichen Know-hows zum Nockenwellenschleifen
- die technische wie betriebswirtschaftliche Umsetzung zu realisieren ist
- eine flexibel gehaltene Schleifbearbeitung aufgebaut werden muss
- mit einem Typ Nockenwelle diese Erfahrungen zu sammeln sind
- die Programmierung und das Schleifen über die CNC-Steuerung erfolgt
- die Kosten für eine Prototypen-Schleifbearbeitung ermittelt werden
- bei Problemen adäquate Lösungen vorzuschlagen sind

Das Hauptaugenmerk wird sich auf das Schleifen der Nockenkontur mit den dafür notwendigen Überlegungen hinsichtlich der Prozesseinrichtung (Vorrichtungsbau) und den notwendigen Prozessschritten beim Schleifen konzentrieren. Die Aufgabe ist unter dem Aspekt der vorhandenen Vorraussetzungen (Schleiferfahrungen) und den parallel durchzuführenden Aufgaben, Inbetriebnahme einer neuen Schleifmaschine und Beherrschung einer neuen Maschinen- und Programmsoftware, zu sehen.

1.2 Beschreibung des Lösungsweges

Abschnitt 1

Im Interesse der Firma, für die diese Arbeit geschrieben wurde, sind die

„Vorstellung des Unternehmen“, wie auch sehr spezielle Details in der gesamten Arbeit auf „Geheimhaltung“ abgegrenzt wurden. Im 1.Abschnitt werden dafür die maschinenbezogenen Schleiferfahrungen für das Rundschleifen im Abschnitt 4.1 ausführlich beschrieben, da die Erfahrungen aus diesem Verfahren die Vorraussetzungen für das Unrundschleifen bilden.

Abschnitt 2

Das Ziel des Konzeptes „Prototypenfertigung von Nockenwellen“ und ein dazu erarbeitetes Pflichtenheft wird kurz vorgestellt. Von dieser Basis ausgehend werden die Problematiken, die mit der Realisierung des Vorhabens zu tun haben, untersucht.

Abschnitt 3

Da ein unmittelbarerer Zusammenhang zwischen der Kontur einer Nockenwelle und der möglichen Fertigung besteht, ist eine Teilerecherche in der Automobilbaubranche notwendig. Die Geometrie der Kontur ist ein wesentlicher technologischer Einflussfaktor.

Abschnitt 4 (Hauptteil)

Das technologische Konzept für das Schleifen einer Nockenwelle wird erarbeitet. In ihm werden notwendige Grundlagen vorgestellt, die Ist- Ausgangssituation festgehalten (Schleifmaschine, Software, Werkzeug) und die Vorangehensweise bei den Schleifversuchen dokumentiert. Es wird analysiert wie die Nockenkonturdaten eingelesen und verarbeitet werden können. Nachfolgend erfolgen die Programmierung der Schleifprogramme und das Einrichten der Schleifmaschine (Arbeitsablaufplan). Die Schleifversuche werden an einer selbst konstruierten Pseudo-Nockenwelle durchgeführt, um den Maschinengrenzbereich zu testen (maximale Konkavität). An der Stelle, an der die Maschine an ihren Grenzbereich stößt, soll eine Lösung für eine Maschinenerweiterung erarbeitet werden.

Abschnitt 5

Nach den Untersuchungen auf vorwiegend praktisch, technischer Ebene, schließt sich die Fokussierung auf wirtschaftliche Aspekte an (Kostendarstellung). Hierzu sind die Firmengewohnheiten im Bereich des Rechnungswesens zu analysieren und bei den Kostenbetrachtungen mit einzubeziehen. Bei der durchzuführenden Selbstkostenanalyse für eine geschliffene Nockenwelle soll dieses Kriterium besondere Beachtung finden.

Die Wirtschaftlichkeit der Nockenschleifbearbeitung wird durch einen Vergleich von Angebotspreis (geschliffene Nockenwelle KMU) und einem dem Marktsegment (Spezialnockenwellen) entsprechenden Bezugspreis bewertet.

Abschnitt 6

Die Zusammenfassung der umgesetzten Schleifanforderungen erfolgt in der Tabelle (Abb.Nr.33) an der sich eine Auswertung in der Anlage 6.1 anschließt.

Abschnitt 7

Der Ausblick in die Zukunft soll zeigen, wie vorteilhaft die flexible Schleif- bearbeitung einer Nockenwelle auf der CNC-Universal-Schleifmaschine ist und welche Alternative es hierzu in der Zukunft noch geben kann.

Aufgabenabgrenzung:

Bei der Bearbeitung der Aufgabenkomplexe stellte sich heraus, dass die Themen "Härten von Nockenwellen" und "Untersuchung der Maschinenfähigkeit (MFU)" unbedingt zu betrachten sind. Da eingeschätzt werden kann, dass dafür der zeitliche Rahmen und der Umfang dieser Arbeit überschritten wird, wurden in Abstimmung mit den Betreuern diese Themen aus folgenden Gründen nicht behandelt:

Härten: - Unterschiedliche Anforderungen seitens der Nockenwellen (Material, Form, Baugrösse, usw.)

- Härteverfahren (Induktionshärten, Plasmanitrieren usw.)
- Herstelleranforderungen

(nur mittels teuren Spezialvorrichtungen in Fremdleistung möglich)

2. Konzept Prototypenfertigung Nockenwelle

Mit dem Projekt „Nockenwellenschleifen in Einzelfertigung bis zu Kleinstserien“ soll eine Technologie aufgebaut werden, um die zur Zeit vorhandene Marktlücke für Forschungs- und Entwicklungsnockenwellen schließen zu können. Vor allem die Unabhängigkeit und Flexibilität einer noch kleinen Firma soll genutzt werden. Mit der Dienstleistung „Inhouse-Bearbeitung von Nockenwellen“ für Kunden der Automobilbau-, Automobilbauzulieferer- und Motorenbaubranche, soll ein Teil des Prototypen-Wachstumsmarktes abgefangen werden (<100 Nockenwellentypen/Jahr). Das Nockenwellen- schleifen ist ein angelegtes Arbeitsthema zum Gemeinschaftskonzept

„Inno-Regio“, das sich aus den Fertigungsunternehmen und Forschungsstätten im Bundesland Sachsen-Anhalt gegründet hat.

Nachfolgendes Pflichtenheft ist im Rahmen der Arbeit aufgestellt wurden:

- Teilerecherche (Arten, Formen, Geometrien)
- Schleiftechnologie (Unrundschleifen)
- Maschinen-Ist-Analyse
- Maschinen-Grenzbereich (Pseudowelle)
- Schlussfolgerungen
- weiterführende Maschinenveränderungen, die den Maschinengrenzbereich in Hinsicht „größte Konkavität“ so erweitert, dass ein erheblicher Marktvorsprung erzielt werden kann.
- Kostendarstellungen vom Produkt „fertiggeschliffene Nockenwelle“

Das Lasten- und Arbeitsheft zu dem Projekt in Verbindung mit den vorgenommenen Implementierungen stellt das Erarbeitete in den nachfolgenden Kapiteln dar.

Darstellung der Problematiken beim Nockenwellenschleifen

Das Schleifen einer Nockenwelle mit einer konvexen bis zylindrischen Nockenform konnte relativ zügig in die Praxis umgesetzt werden, ohne zunächst näher auf die Detailbetrachtungen von Lagerbezügen, Zentrierungs- und Rundlaufanforderungen einzugehen.

Vorbesprechungen beim Maschinenlieferanten und der Versuch bei der Inbetriebnahme der Universal-Unrundschleifmaschine brachten die Bestätigung, dass mit einem zuvor generierten Unrund-Schleifprogramm die Kontur für einen Flachtaster-Nocken CNC-gesteuert hergestellt werden kann. Die C-X-Zustellungen der indexierten Achsen ergaben eine interpolierte Bahn am Kontaktpunkt zwischen Werkstück und Schleifscheibe (=Nockenkontur). Bei einer bahngesteuerten Regelung und der zu umfahrenden Schleifbahn, bei der sich der Abstand zum Werkstückzentrum zeitlich abhängig vom Werkstückdrehwinkel ändert, müssen demnach folgende Erscheinungen berücksichtigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. Nr.3: Haupteinflüsse auf das Schleifergebnis

Eine im akzeptablen Toleranzbereich arbeitende Maschinenregelung wird bei der Steuerung X vorausgesetzt beziehungsweise muss durch die Messgenauigkeit im Rahmen einer angrenzenden Arbeit zum Qualitätskonzept bestätigt werden.

-Eine Maschinenfähigkeit durchzuführen (In einem Prozess mit einem 50er Fertigungslos) wird ausdrücklich empfohlen.

Die Maschinenregelung im Bahnsteuerungsbetrieb ist der größte Einflussfaktor beim Auftreten einer Formabweichung.

Der Bahnsteuerungsbetrieb weist außerdem enge Grenzen für eine Zeitoptimierung des Schleifprozesses auf.

Durch die begrenzte Achsdynamik beim Konturschleifen entstehen Schleppfehler. Sie werden durch die gegebenen Verhältnisse beim Unrundschleifprozess hervorgerufen, die in der Tabelle im Abschnitt 4.1. näher beschrieben werden. Die ausführliche Behandlung von Schleppfehlern und deren Kompensation soll nicht Bestandteil dieser Arbeit sein, da sich die Universität Hannover in einem eigens dafür geschaffenen Forschungsbereich (Prof. Dr.-Ing. Hans Kurt Tönshoff) damit beschäftigt.

Bei der Verfahrenstechnologie kommen alle aus empirischen Erkenntnissen gesammelten Schleiferfahrungen zum Einsatz, die im Detail oft durch vorherige Probe- und Versuchsreihen ergänzt werden müssen. Deshalb lässt sich nicht ausschließen, dass zum Beispiel bei einem veränderten Material oder einer neuen Kontur einer Nockenwelle die Qualität der Schleifergebnisse starken Schwankungen unterworfen ist. Darum sollte man Analogiebetrachtungen bei einer leicht veränderten Situation immer mit einbeziehen, um nicht mit der Schleiftechnologie wieder am Anfang beginnen zu müssen1.

Die größte Herausforderung beim Schleifen von Nockenwellen bestand und besteht zugleich bei dem Schleifen von konkav geformten Nocken. Wie sich durch die Teilerecherche bestätigen soll, gibt es immer mehr den Trend zu dieser Art von Geometrien.

Die Problematik bei der Erfüllung dieser Marktanforderung liegt darin, dass man aus den sich rasant weiterentwickelten CNC-Rundschleifmaschinen mit dem Einbau einer zusätzlichen binär ansteuerbaren Werkstückdrehachse eine Universal-Unrundschleifmaschine entwickelt hat. Dabei konnten und wurden nicht alle Details die für das Unrundschleifen konkaver und konvexer Nocken gelten mit in die Konstruktion der Maschine einbezogen. Das Hauptproblem ist dabei der zu geringe Arbeitsbereich, da dieser einem Schleifscheiben- durchmesser von 400mm bis 500mm angepasst ist. Für konkave Nockenformen benötigt man bis zu zwanzigfach kleinere Scheibendurchmesser. Deshalb kann es bei der Geometrie unrund, - nach innen hin einfallend, zu sogenannten Maschinenkollisionen kommen, da die Spindellagerung und der Reitstock durch die geringere Ausladung der Schleifscheibe näher aneinander gerückt werden müssen. Um dieses Problem zu lösen, wurde eine Pseudowelle mittels der CAD-Technik entwickelt, die den Grenzbereich mit den einsetzbaren Rundschleifscheiben aufzeigen soll. Im technologischen Konzept wurden dazu die Schleifversuche gefahren.

Im Unterpunkt 4.6 wird ein Vorschlag für eine mögliche Maschinenerweiterung erarbeitet, um wesentlich konkavere Nockenformen auf der Universal- Unrundschleifmaschine realisieren zu können.

Nachfolgend sind die Problematiken aufgelistet, die beim Schleifen von Nocken auf einer CNC-Schleifmaschine auftreten. Sie konnten durch einen Besuch beim Schleifmaschinen-Hersteller in Erfahrung gebracht werden. Mittels der erhaltenden fachlich kompetenten Hinweise kam man zu folgenden Schlussfolgerungen in Bezug auf:

- Bearbeitung in einer Aufspannung

An der Axialführungsscheibe (Passungsbohrung) muss der Werkstückmitnehmer befestigt werden (Anlage 2.5). Die Schleifbearbeitung wird an dieser Stelle damit so eingeschränkt, dass ein zusätzlicher Umspannvorgang nötig wird, bei dem die Werkstückzentrierung erneut eingerichtet werden muss.

- konkave Geometrie in der Nockenkontur

Die Schleifscheibenradien müssen kleiner als der Krümmungsradius des konkaven Bereiches in der Nockenkontur sein (Gleichung 1). Die Montage einer Scheibe mit der benötigten Größe bedeutet in der praktischen Ausführung eine große Schleifscheibenumfangsgeschwindigkeit bei einer daraus resultierenden geringen Schnittleistung. Die Umsetzung muss über eine geeignete Spindelauswahl erfolgen. Des weiteren gibt es Schwierigkeiten mit der Werkzeugzuführung in der Maschine (Abschnitt 4.6).

- Wellen sollten gerichtet, gewuchtet sein; eine stirnseitige Zentrierung haben

An den Wellenenden ist die Drehbearbeitung für die Vorbearbeitung zum Schleifen abgeschlossen. Die Herangehensweise an die Vorbearbeitung ist sich im Vorfeld genau zu überlegen und muss eigens hierfür spezifiziert werden.

- spielfreie Werkstückmitnahme

Beim Unrund-Schleifprozess ändern sich ständig die Kraftverhältnisse und das Werkstück wird dadurch vom Mitnehmer mal mehr oder weniger gezogen oder geschoben. Deshalb ist ein spielfreier Werkstückmitnehmer für die vorliegende Nockenwelle zu entwickeln und zu verwenden.

- Spannungsfreie zentrierte Lage der Welle + Abstützung

Die Welle muss zwischen den Spitzen von Werkstückspindel und Reitstock geschliffen werden. Bei nicht ausreichender Abstützung der Welle könnte das zu Durchbiegungen führen. Wie oft und an welchen Stellen abgestützt werden muss ist abhängig von der Länge und dem Material der Nockenwelle. Der Einsatz einer sogenannten Lünette (optionales Maschinenzubehör), die mit einer Selbstzentrierungsfunktion ausgestattet ist, wirkt möglichen Form- oder Lageveränderungen entgegen und beeinflusst die Abtragsleistung beim Schleifen. In den Versuchen wird ohne Lünette gearbeitet um die Ergebnisse für eine Investition bewerten zu können.

- Winkelpositionierung des eingespannten Werkstückes

Die Nockenwelle muss am oberen Nocken (höchste Erhebung) auf eine, in der Zeichnung angegebene, eng tolerierte Winkelposition ausgerichtet werden. Über einen Werkstückbezugspunkt (Passungsbohrung) wird mit einem Endmaß oder durch eine konstruierte Prismenhalterung, die Nockenstellung in der Spitzenlage definiert. Das Ausrichten mit einer Messuhr wird nicht empfohlen, da der Unsicherheitsbereich für die Winkelmessung zu groß werden könnte.

In der durchgeführten Problemanalyse spiegeln sich die gegebenen Vorrausetzungen wieder, die insbesondere die Maschinenspezifikation betreffen. Das technologische Konzept wird bei seinen Lösungen versuchen das hier Vorangestellte mit einzubeziehen.

3. Teilerecherche zum Produkt Nockenwelle

3.1 Nockenwellentypen, -arten und Geometrien

Im Markt der Automobilbauer und deren Zulieferindustrie existieren heute, vom Herstellprinzip ausgehend, drei wesentliche Hauptgruppen von Nockenwellen:

- gegossene Stahlgussnockenwellen (traditionell)
- gefügte Nockenwellen, man spricht von gebauten Nockenwellen
- Nockenwellen aus dem Vollem gefertigt (Rundstahlmaterial)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. Nr.4: Nockenwellenarten

Für den Prototypensektor von besonderem Nutzen sind die beiden letzteren Bauarten. Vor allem der gefügten Welle ist durch Ihr geringes Gewicht, dem geringen Schleifaufmass, der Individualität im Bezug zu der veränderbaren Nockenstellung und der unterschiedlich verwendbaren Materialien das Hauptaugenmerk zu schenken. Die Vielfalt der Fügeverfahren, die von der Wirtschaft derzeit genutzt werden um eine Nockenwelle bedarfsgerecht und damit besonders variantenreich herzustellen, zeigt eindringlich wohin der Markt tendiert.

Von Vorteil ist es, dass neben den vielen Vorzügen des Fügens der letzte Arbeitschritt für eine fertigbearbeitete Nockenwelle, das Schleifen der Lager- und Nockenflächen, erhalten bleibt. Begründet wird die Arbeitsgangfolge um zu verhindern, dass die physikalischen Kräfte die beim Fügen von Nockenwellen entstehen der lagerbezogenen Genauigkeit schaden. Die Nockenkontur erhebt zudem den Anspruch alle Nocken in einer Aufspannung herzustellen, um einen möglichen Konturversatz zu verhindern.

[...]


1 Frank, A.: Informationsmaterial der TU Graz, S.48

Details

Seiten
59
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640107414
ISBN (Buch)
9783640218387
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112057
Institution / Hochschule
Hochschule Harz Hochschule für angewandte Wissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Erarbeitung Konzeptes Beachtung IT-Aspekten Einführung Produktes Unternehmen Bereich Automotive

Autor

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Titel: Die Einführung eines neuen Produktes in einem mittelständischen Unternehmen aus dem Bereich Automotive