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Der Reichstag zu Worms 1495. Ablauf, Verhandlungspunkte, Ergebnisse und eigentliche Absichten Maximilians I.

Ein Vergleich

Seminararbeit 2005 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: Anmerkungen zu Vorgehensweise und Zielen der Arbeit

II. Hauptteil:
1. Erschließung des Wormser Reichstages mit Hilfe ausgewählter Sekundärliteratur
1.1 Allgemeines: Grober Verlauf, Hintergrundsituation
1.2 Teilnehmende Gruppierungen und deren Rangordnung
1.3 Anstehende Verhandlungspunkte der verschiedenen Gruppen
1.4 Schriftliche und nichtschriftliche Ergebnisse des Reichstages und deren tatsächliche Realisierung
1.5 Positive und Negative Auswirkungen des Wormser Reichstages für die Folgezeit des Reiches
2. Beschäftigung mit der Quelle:
Angermeier, Heinz, Deutsche Reichstagsakten, Mittlere Reihe, Bd. 5, Deutsche Reichstagsakten unter Maximilian I., hrsg. durch die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Reichstag von Worms 1495, Bd. 1, Teil 1, Akten, Urkunden und Korrespondenzen, Göttingen, 1981, Nr. 27, Seiten 124- 129
2.1. Zusammenfassung des Quelleninhaltes und Vorstellung der Quellenart sowie der Edition
2.2. Darstellung der Umstände, die zur Überlieferung der Quelle geführt haben und Klärung des historischen Kontextes
3. Vergleich der beiden Befunde aus Kapitel II.1. und II.2.

III. Schlussbemerkung

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung: Anmerkungen zu Vorgehensweise und Zielen der Arbeit

Als Ziel dieser Arbeit habe ich angesetzt, zu vergleichen inwiefern sich die im Reichstagsausschreiben zum Wormser Reichstag von 1495, durch Maximilian geäußerten Anliegen mit den tatsächlich realisierten Ergebnissen decken. Infolgedessen werde ich auf den Erfolg oder Misserfolg der Maximilianschen Reformpolitik schließen.

Zunächst werden hierfür der genaue Verlauf des Wormser Reichstages, die Beteiligten Gruppen, und deren differente Forderungen, die Hintergrundsituation sowie die Ergebnisse, deren Umsetzung und Folgen für das Reich näher mit Hilfe ausgewählter Sekundärliteratur beleuchtet.

Anschließend werde ich den Inhalt der Quelle des Ausschreibens zum Wormser Reichstag untersuchen, die Maximilian I. am 24. November 1494, aus Antwerpen an die verschiedenen Stände erließ.[1] Auch die Analyse der Quellenart und der Edition sind hier darzulegen. Nach einer Erläuterung der Umstände, die zur Überlieferung der Quelle geführt haben und der Klärung des historischen Kontextes der Quelle werde ich die in den Kapiteln II.1. und II.2. gewonnen Ergebnisse miteinander vergleichen, um so letztendlich eine Antwort auf die Frage deren Übereinstimmung geben zu können.

II. Hauptteil:

1. Erschließung des Wormser Reichstages mit Hilfe ausgewählter Sekundärliteratur

1.1 Allgemeines: Grober Verlauf, Hintergrundsituation

Am 24. November 1494 schrieb Maximilian den Wormser Reichstag für den 2.Februar 1495 aus. Er galt bis dato als der Höhepunkt aller bisherigen Reformbewegungen und war als „“Debut“ eines neuen Herrschers besonders gut besucht.“[2] Maximilian glaubte die Verhandlungen innerhalb von vierzehn Tagen hinter sich bringen zu können, aufgrund der prekären Lage in Italien, das von Frankreich belagert war. Doch bald zeigte ihm der Widerstand der Stände, dass an ein rasches Ende der Verhandlungen nicht zu denken war. Nachdem Maximilian am 18.03.1495 in Worms eintraf, begannen nach einem Zeitraum von acht Tagen die Verhandlungen im Wormser Rathaus. Am 7.08. 1495, also fast fünf Monate später wurden die Beschlüsse verkündet. Die Hintergrundsituation des Reichstages ist vor allem geprägt von außenpolitischen Bedrohungen. 1453 überrannten die Osmanen das byzantinische Reich und rückten scheinbar unaufhaltsam donauaufwärts vor. Frankreich hatte den Hundertjährigen Krieg gegen England gewonnen und musste sein Heer weiterbeschäftigen. Bereits 1494 begann der französische König Karl VIII. seinen Eroberungszug durch Italien, um das Anjou-Erbe, Mailand und Neapel, zurückzugewinnen. Damit war die Vorherrschaft der Habsburger in Italien gefährdet. Nach hinhaltenden Verhandlungen Mit Karl VIII. trat Maximilian im März 1495 in ein Bündnis mit dem Papst, Spanien, Venedig und Mailand ein, die so genannte „Heilige Liga von Venedig“. Dieses Bündnis schreckte Karl VIII. dermaßen ab, dass er sich aus Italien nach Frankreich zurückzog. Dies wäre Maximilians Chance gewesen, Frankreich zu schlagen. Doch die Stände hinderten ihren König am Aufbruch, aus Furcht, er könne noch mächtiger und ihnen damit noch gefährlicher werden.

1.2 Teilnehmende Gruppierungen und deren Rangordnung

Der Hauptteil der Besucher reiste aus dem Süden und Südwesten des Reiches an. Im Grunde waren die Teilnehmer in vier Gruppen gegliedert, nämlich in drei Kurien und Maximilian. Sie waren alle verschieden alt und berechtigt aber gemeinsam dem König, der legitimen Gewalt verpflichtet. Die älteste, ranghöchste Kurie stellten die Kurfürsten. Die mittlere Kurie, mit dem zweitgrößten Einfluss wurde von den Fürsten, also den Grafen, Herzögen, Bischöfen etc. vertreten. Die 100 freien Städte und Reichsstädte bildeten die letzte Kurie mit dem geringsten Einfluss. Bis 1648 hatten sie nur beratende Funktion. Dennoch war auf sie am meisten Verlass, was zum Beispiel die Zahlungen des Gemeinen Pfennigs anbelangte.

Obwohl alle Mitglieder zu „Rat und Hilfe“, das heißt zum Kommen und Zahlen verpflichtet waren und die Zustimmung der Kurien zwar wünschenswert aber keinesfalls notwendig war, konnte sich Maximilian nicht gegen den Widerstand der Stände ( Reichsfürstlicher Widerstand) durchsetzen, der ihn immer wieder zum Entgegenkommen zwang. Dies verärgerte Maximilian einerseits: Die Deutschen sind „Bestien, mehr als Bestien“[3], andererseits kostete es wertvolle Zeit, die man in Italien besser hätte nutzen können.

1.3 Anstehende Verhandlungspunkte der verschiedenen Gruppen

Als ein weiterer Grund für die lange Dauer des Reichstages ist die Unstimmigkeit zwischen den Forderungen des Königs mit denen der Stände anzubringen. Beide Seiten erhoben Maximalforderungen. Für Maximilian schien eindeutig die Außenpolitik des Reiches Priorität zu haben. Als sein Hauptanliegen ist der Romzug, verbunden mit der Kaiserkrönung zu nennen. Auch die baldige Durchführung eines Türkenkrieges der gesamten Christenheit bringt er an. Eine „eylende hilff“, also eine sofortige und intensive finanzielle Beteiligung der Stände sollte zur Rettung Reichsitaliens beitragen, die „bestendige hilff“ lästige Steuerbitten für die nächsten zehn bis zwölf Jahre ein für alle Mal aufheben und dabei helfen, Feinde wie die Türken, Franzosen und Ungarn auch dauerhaft abwehren zu können. Innenpolitisch standen die Wahrung des Friedens und des Rechts und die spanische Heiratsfrage an.

Die Gegenforderungen der Stände zielten vor allem auf größere Selbstständigkeit und mehr Mitspracherecht, vor allem bei Gerichtsdingen und finanziellen Betreffen ab. Sie forderten ein dauerhaftes Gericht, Friede, Recht und Ordnung. Zudem sollte bereits zu diesem Zeitpunkt Erzbischof Berthold v. Mainz ein Reichsregiment eingerichtet werden, was Maximilian jedoch ablehnte, aus Angst, dass er durch diesen abgelöst werden könnte. „An der Reaktion des König Maximilians auf das ständische Reichsregimentsprojekt ist vor Allem bemerkenswert, dass er zwar dieses ständische Projekt ablehnte, aber sich nicht grundsätzlich gegen den Regimentsgedanken verschloss.“[4]

1.4 Schriftliche und nichtschriftliche Ergebnisse des Reichstages und deren tatsächliche Realisierung

„Die vier Grundurkunden des Wormser Reichstags verdienen als Beispiele des endlich doch gelungenen Zusammenwirkens von König und Ständen Aufmerksamkeit.“[5] Sie beinhalteten die Errichtung des „ewigen Landfriedens“, der die Fehde als erlaubtes Rechtsverfahren zur Friedensherbeiführung zu Gunsten der ordentlichen Gerichtsbarkeit ablösen sollte. Realisiert wurde dieser Beschluss, aus Geldmangel, erst eine Generation später. Die Rechtsgemeinschaft des Reiches aber nahm deutlich zu oder wurde vielfach oft erst errichtet. „Die partielle Umorganisierung des königlichen Kammergerichts war das wichtigste dauernde schriftlich fixierte Zugeständnis des Herrschers.“[6] Es sah einen von König und Reichsständen gemeinsam besetzten Gerichtshof, mit festem Sitz, vor. Obwohl die Stände den größten Teil der Sitze innehatten, lag die legitime Gewalt beim König, der den Kammerrichter stellte. Auch die Auswirkungen dieses Beschlusses blieben gering. Dennoch wurde trotz der territorialen Zersplitterung des Reiches eine gewisse Rechtseinheit gewahrt. Zudem „verabschiedete der Reichstag von Worms die Ordnung des Gemeinen Pfennigs. Er setzte damit formell eine Steuerordnung in Kraft, derzufolge die nächsten vier Jahre lang jeder Einwohner des Reiches ab dem 15. Lebensjahr, gleichgültig welchen Geschlechtes und Standes, alljährlich bis zum Neujahrstag eine Kopfsteuer von 1/24 Rh.fl. bzw. ab einem Vermögen von 500 Rh.fl. eine Vermögenssteuer von ½ Rh.fl. respektive 1 Rh.fl. zu zahlen hatte.“[7] Sie ist als erste Reichsteuer zu nennen und sollte der Rückzahlung der, dem König bereits gewährten „Eilenden Hilfe“ sowie der Unterhaltung des Kammergerichtes dienen. Doch die Zahlungsbereitschaft der Stände, die Städte ausgenommen, war sehr begrenzt, so dass Maximilian von den insgesamt bewilligten 4 Millionen Gulden tatsächlich lediglich 250.000 zugesprochen bekam.

Als letztes wurde der Beschluss der Handhabung des Friedens und des Rechts urkundlich verankert. Die Stände finanzierten, also wollten sie auch mitbestimmen. Daher gab es „eine Art de facto- Legitimierung des Reichstages“[8], da ohne dessen Zustimmung kein Krieg mehr geführt, kein Bündnis mit fremden Nationen eingegangen und keine Steuern erhoben werden konnten. Auch die jährliche Einberufung des Reichstages zur Sicherung des Landfriedens stellte einen wichtigen Pfeiler da. Doch keine dieser Festlegungen wurde letztendlich in die Tat umgasetzt.

So waren es vor allem die nichtschriftlichen Ergebnisse des Wormser Reichstages, die Wirkung zeigten und denen deshalb besondere Aufmerksamkeit gebührt: Erstens wurde das Funktionieren des Reichtages durch den König akzeptiert, zweitens gewöhnte sich die politische Elite an monatelanges Zusammensein und das ständische Mitbestimmungsrecht wurde in der Reichsverfassung verankert.( „institutionalisierter Dualismus“[9] )

[...]


[1] Angermeier, Heinz, Deutsche Reichstagsakten, Mittlere Reihe, Bd. 5, Deutsche Reichstagsakten unter Maximilian I., hrsg. durch die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,

Reichstag von Worms 1495, Bd. 1, Teil 1, Akten, Urkunden und Korrespondenzen, Göttingen, 1981,

Nr. 27, Seite 124

[2] Moraw, Peter, Hoftag und Reichstag von den Anfängen im Mittelalter bis 1806, in: Parlamentsrecht und Parlamentspraxis in der Bundesrepublik Deutschland, Ein Handbuch, hrsg. von Schneider, Hans- Peter und Zeh, Wolfgang, Berlin, New York, 1989, Seite 16

[3] Wiesflecker, Hermann, Maximilian I.: Die Fundamente des habsburgerischen Weltreiches, Wien, München, 1991, Seite 264

[4] Angermeier, Heinz, Die Reichsreform 1410- 1555, die Staatsproblematik in Deutschland zwischen Mittelalter und Gegenwart, München, 1984, Seite 172

[5] Moraw, Peter, Hoftag und Reichstag von den Anfängen im Mittelalter bis 1806, Seite 19

[6] Moraw, Peter, Der Reichstag zu Worms von 1495, in: 1495- Kaiser Reich Reformen, Der Reichstag zu Worms, Ausstellung des Landeshauptarchivs Koblenz in Verbindung mit der Stadt Worms zum 500jährigen Jubiläum des Wormser Reichstags von 1495, hg. Von der Landesarchivverwaltung Rheinland- Pfalz, Koblenz, 1995, Seite 33

[7] Schmid, Peter, Der Deutsche Orden und die Reichssteuer des Gemeinen Pfennigs, Neustadt a.d. Aisch, 2000, Seite 19

[8] Moraw, Peter, Der Reichstag zu Worms von 1495, Seite 33

[9] Moraw, Peter, Der Reichstag zu Worms von 1495, Seite 35

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640105397
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112040
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Reichstag Worms Vergleich Ablauf Verhandlungspunkten Ergebnissen Maximilian Reichstagsausschreiben Absichten Zwischen Mittelalter Moderne Herrschaftszeit Maximilians

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Titel: Der Reichstag zu Worms 1495. Ablauf, Verhandlungspunkte, Ergebnisse und eigentliche Absichten Maximilians I.