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Potentiale für die mittelständische Bauwirtschaft bei Schulbauvorhaben am Beispiel des Freistaats Sachsen

Seminararbeit 2003 45 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Forschungsziel und -gegenstand

2 Das Baugewerbe – heute und morgen
2.1 Baukonjunkturelle Lage
2.2 Zukunftsaussichten und -prognosen
2.3 Welche Rolle nimmt der baugewerbliche Mittelstand ein?
2.3.1 Begriff
2.3.2 Wettbewerbliche Situation
2.3.3 Gründe für die Entwicklung und Ausblick

3 Der Schulsektor – wo liegt die Chance für die Privatwirtschaft?
3.1 Der Privatisierungsbegriff
3.2 Die öffentliche Aufgabe
3.3 Ausgangslage
3.3.1 Bisherige Praxis
3.3.2 Schulstatistik
3.4 Was kostet die Schule?
3.5 Ausgabenplanung

4 Umsetzung – Gestaltungsformen von Kooperationen mit praktischer Relevanz
4.1 Aufgabenspektrum bei einem Schulprojekt – was kann privatwirtschaftlich realisiert werden?
4.2 Geeignete Kooperationsformen
4.2.1 Vorbetrachtung
4.2.2 Mittelstands-ARGE
4.2.3 Betreibermodell
4.2.4 Kooperationsmodell
4.3 Der Effizienzgedanke

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2-1 Betriebe und Beschäftigte im Bauhauptgewerbe

Abbildung 2-2 Geschäftsklimaindizes der alten (seit 1985) und neuen (seit 1990) Bundesländer

Abbildung 2-3 Branchenvergleich für Ifo-Geschäftsklimaindex Sachsen seit 1998

Abbildung 2-4 Betriebe, Beschäftigte und Umsatz im Bauhauptgewerbe nach Beschäftigten-Größenklassen

Abbildung 2-5 Umsätze pro Betrieb und Beschäftigten nach Beschäftigten-Größenklassen

Abbildung 3-1 Häufigkeit von Schuleinrichtungen in Sachsen 2001/2002

Abbildung 3-2 Finanzierungssaldo im sächsischen Schulsektor nach Häufigkeit der Einrichtungen 2001

Abbildung 4-1 Mittelstands-ARGE mit funktionaler Gliederung

Abbildung 4-2 Betreibermodell

Abbildung 4-3 Kooperationsmodell

Abbildung 4-4 Pyamide der effizienzsteigernden Faktoren

Abbildung 4-5 Optimaler Risikotransfer

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2-1 Ausgaben der öffentlichen Kommunalhaushalte für Baumaßnahmen (1995-2000)

Tabelle 2-2 Kurzfristige Umsatzprognose für das Baugewerbe (Deutschland und neue BL im Vergleich)

Tabelle 3-1 Schulen und Schüler in Sachsen (Schuljahr 2001/2002)

Tabelle 3-2 Ausgaben der öffentlichen Haushalte für Baumaßnahmen 2000 und 2001

Tabelle 3-3 Schulhausbauförderung des Freistaates Sachsen

Tabelle 4-1 Aufgabenspektrum bei einem Schulprojekt

Tabelle 5-1 Pro und Kontra privatwirtschaftlicher Realisierungen

1 Forschungsziel und -gegenstand

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Ansätzen für Kooperationen mittelständischer Bauunternehmen zur privatwirtschaftlichen Realisierung von Sozialinfrastruktur-Maßnahmen in Sachsen. Insbesondere wird der praktische Bezug zum Schulsektor hergestellt, um spezielle Anwendungsmöglichkeiten für Schulhausbau- und modernisierung vorzustellen.

In Kapitel 2 betrachtet der Autor zunächst ausführlich die gesamtwirtschaftliche Lage im Baugewerbe unter Einbeziehung der bisherigen sowie der zukünftig prognostizierten Entwicklung. Ausgehend davon folgt eine nähere Analyse der wettbewerblichen Situation im Bausektor. Es werden die Ursachen für die gezeigte Entwicklung beleuchtet, wobei der Focus vor allem auf den mittelständischen Baubetrieben liegt. Nach einem kurzen Überblick über relevante schulstatistische Kennziffern befasst sich Kapitel 3 neben der Analyse der Kostensituation im Schulsektor mit der Quantifizierung des zukünftigen Investitionsbedarfes sowie mit der öffentlichen Haushaltsplanung für den Schulbereich. Vor dem Hintergrund der im Vorfeld aufgezeigten Potentiale folgt die Erläuterung der Modellansätze, die eine verstärkte Kooperation zwischen mittelständischen Bauunternehmen und der öffentlichen Hand ermöglichen könnten. Hierfür werden die in Frage kommenden, bisher staatlich regulierten Tätigkeitsfelder eruiert und hinsichtlich der praktischen Relevanz für mittelständische Baubetriebe diskutiert. Neben der Betrachtung verschiedener Zielvorstellungen der öffentlichen Hand bei Schulbaumaßnahmen wird außerdem eine Untersuchung hinsichtlich erfolgs- und effizienzsteigernder Faktoren einer privatwirtschaftlichen Maßnahme vorgenommen. Auf diese Weise soll im Ergebnis der Arbeit klar erscheinen, dass aufgrund der wirtschaftlichen und wettbewerblichen Situation im mittelständischen Baugewerbe ein vielfältiges Umdenken hinsichtlich Unternehmensstrategie, Leistungsangebot und Kooperationsbereitschaft unumgänglich ist zur Erschließung neuer Marktfelder. Dadurch wäre eine gewisse Stabilität der Unternehmen am Markt gewährleistet. Die vorliegende Arbeit soll zeigen, dass und wie die öffentliche Hand mit ihrem großen, noch zu bestimmenden Bauinvestitions- und Modernisierungsbedarf in Zukunft zunehmend auch für Mittelständler zum Auftraggeber werden könnte.

2 Das Baugewerbe – heute und morgen

2.1 Baukonjunkturelle Lage

Nach dem Bauboom infolge der deutschen Wiedervereinigung ist seit nunmehr acht Jahren das Baugewerbe durch einen anhaltenden Wirtschaftsabschwung geprägt. Die jährlichen Bauinvestitionen gingen in diesem Zeitraum um 13,2 % zurück. Im vergangenen Jahr lag das absolute Bauvolumen mit 228,7 Mrd. € ca. 6 % unter dem des Vorjahres. Im Vergleich stellt dies den größten Verlust der letzten zehn Jahre dar. Die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate des BIP (zwischen 1994 und 2001: 11,8 %) wurde in dieser Zeit durch die anhaltende Baurezession um ca. 4 Prozentpunkte gedrückt.[1]

Während das deutsche Bauhauptgewerbe 1995 noch einen Jahresumsatz in Höhe von 91,7 Mrd. € erzielte, lag diese Kennzahl im Jahre 2001 nur noch bei 66,6 Mrd. €. Die Umsätze in der ersten Jahreshälfte 2002 summieren sich auf 32,2 Mrd. €, eine Trendwende ist nicht in Sicht.[2]

An die Entwicklung der Umsatzzahlen angelehnt verlaufen die Zeitreihen für die Betriebs- und Beschäftigtenzahlen im Bauhauptgewerbe, aufgezeigt in Abb. 2-1 anhand der Monatsstatistik für Betriebs- und Beschäftigtenzahlen im deutsche Baugewerbe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - 1 Betriebe und Beschäftigte im Bauhauptgewerbe

Quelle: ifo Institut 2002.

Sowohl bei der Anzahl der Betriebe als auch bei den Beschäftigten kam es seit Anfang 1995 bis 2002 fast zu einer Halbierung der Anfangswerte.

Das ifo Institut für Wirtschaftsforschung gibt unter anderem für die Baubranche regelmäßig eine Konjunkturprognose ab. Hierfür werden monatlich ausgewählte Unternehmen der Branche nach folgenden Einflussgrößen befragt:

1.) Beurteilung und Entwicklung im Berichtsquartal, insbesondere
- Beurteilung der derzeitigen Geschäftslage
- Umsatz gegenüber Vorquartal
- Gegenwärtiges Auftragsvolumen

2.) Pläne und Erwartungen, insbesondere
- Umsatzerwartung für das nächste Quartal
- Zahl der Beschäftigten im nächsten Quartal
- Erwartung der Geschäftsentwicklung im nächsten Halbjahr

Aus diesen Daten berechnet das Institut monatlich den sog. Geschäftsklimaindex, der als Vorbote für die wirtschaftliche Entwicklung in der jeweiligen Branche gilt. Abb. 2-2 zeigt die Verläufe der Indizes für die Baubranche in den alten und neuen Bundesländern auf. Ganz deutlich ist der Boom in den Jahren 1990 bis 1992 zu erkennen. Diese Höchststände wurden seither nicht wieder erreicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - 2 Geschäftsklimaindizes der alten (seit 1985) und neuen (seit 1990) Bundesländer

Quelle: ifo Institut 2002.

In Abb. 2-3 wird der jüngste Verlauf des Geschäftsklimaindex für die sächsische Bauwirtschaft mit dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel im Branchenvergleich gegenübergestellt. Das Geschäftsklima ist im Baubereich seit Jahren deutlich im negativen Bereich und liegt auf viel niedrigerem Niveau als die Vergleichsbranchen sowie der Gesamtindex.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - 3 Branchenvergleich für ifo-Geschäftsklimaindex Sachsen seit 1998

Quelle: ifo Institut 2002.

Die öffentliche Hand trägt mit ihren Investitionen in großem Maße zum Wirtschaftswachstum bei. Im Baugewerbe ist ihr Anteil größer als in anderen Bereichen. Wirtschaftspolitische Lenkungsmaßnahmen in Form von Nachfragesteuerung haben in der Baubranche somit eine besonders große Wirkung. Nach der Wende wurde von Seiten des Staates in großem Maße investiert und die Branche ist überproportional gewachsen. Schon nach kurzer Zeit wurden die Gelder knapp und die Schuldenlast drückte, sodass die Ausgaben zurückgefahren werden mussten. Betrugen die öffentlichen Bauinvestitionen 1994 noch 41,28 Mrd. €, waren es 2001 nur noch 30,44 Mrd. € (-26 %). Der Anteil des öffentlichen Bau entsprach auf der Basis des Jahres 1994 ca. 15 % des Gesamtvolumen der Branche (263,58 Mrd. €). Bis 2001 sank der Anteil um zwei Prozentpunkte.[3]

Noch gravierender zeigt sich die Entwicklung in den neuen Bundesländern. Die Zeitreihe in Tab. 2-1 zeigt exemplarisch mit sächsischen Daten, dass die Ausgaben für Baumaßnahmen der öffentlichen Kommunalhaushalte um ca. 43 % zurückgingen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 - 1 Ausgaben der öffentlichen Kommunalhaushalte für Baumaßnahmen (1995-2000)

Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (Hrsg.) 1996 (S. 534), 1997(S. 488), 1998 (S. 504), 1999 (S. 540), 2000 (S. 560), 2001 (S. 544).

2.2 Zukunftsaussichten und -prognosen

Für die Zukunft der Branche gehen die Meinungen in verschiedene Richtungen. Der Verband der Bauindustrie sieht die bisherige Entwicklung als Abkoppelung der Bautätigkeit vom Konjunkturmechanismus. Man sieht sich weiterhin schweren Zeiten bevor und räumt Hoffnungen auf Besserung nur unter der Bedingung eines marktgerechten Strukturwandels bei einem strengen politischen Kurswechsel hinsichtlich der Gestaltung von Steuer- und Arbeitsmarktpolitik ein.[4]

Das optimistische Lager glaubt an einen intakten Konjunkturmechanismus für das Baugewerbe. Einer Studie des Institutes für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG Bonn) zur Folge steigt das Volumen der Bauinvestitionen bis 2010 auf 250 Mrd. € und somit auf das Niveau nach der deutschen Wiedervereinigung. Diese Prognose basiert insbesondere auf Hochrechnungen, woraus sich Verbesserungen im Nichtwohnungsbau ergeben würden, während der zunehmende Bevölkerungsrückgang in Deutschland langfristig zu einem Überangebot auf dem Wohnungsmarkt führen würde. Das Institut berechnet für den Infrastrukturbereich mittelfristig jährliche Bauinvestitionen in Höhe von 62 Mrd. € und somit auf dem Niveau der neunziger Jahre. Zum einen wäre der Nachholbedarf in den neuen Bundesländern noch nicht gedeckt, zum anderen ergibt sich in den alten Bundesländern erheblicher Modernisierungs- und Sanierungsbedarf durch Rückstau von Reparaturen und Erweiterungsinvestitionen.[5]

Eine insgesamt ebenfalls leicht optimistische Tendenz stellte Dr. Volker Rußig (Leiter des Fachgebietes Bautätigkeit und Immobilien im Forschungsbereich Strukturwandel und Branchen beim ifo Institut in München) im Rahmen des „ifo Branchen-Dialog 2002“ am 24.10.2002 in München in Aussicht. Es wird zwar im Wohnungsbau aufgrund der gesättigten Nachfrage weiterhin bergab gehen, lediglich die Altbausanierung dürfte stabil verlaufen. Ab 2003 erwartet man jedoch eine Verbesserung im Wirtschaftsbau sowie im Tiefbau der öffentlichen Haushalte. Ab 2004 wird dann ein leichter Anstieg der Bauinvestitionen prognostiziert.[6] Die aktuellen Hochrechnungen gestalten sich wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 - 2 Kurzfristige Umsatzprognose für das Baugewerbe (Deutschland und neue BL im Vergleich)

Quelle: Statistisches Bundesamt 2002.

Für die Entwicklung der neuen Bundesländer kann dieser Trend jedoch nicht bestätigt werden. Hier wird es bis 2007 aufgrund der Strukturanpassungskrise sowie dem Kapazitätsabbau in der Branche insgesamt keine Verbesserung der konjunkturellen Lage geben. Die kurzfristige Erholung im kommenden Jahr ist durch nachfragebedingte Sondereffekte der Flutkatastrophe begründet.[7]

2.3 Welche Rolle nimmt der baugewerbliche Mittelstand ein?

2.3.1 Begriff

Der Begriff Mittelstand wird in der Praxis häufig in verschiedenen Zusammenhängen und dementsprechend unterschiedlichem Inhalt verwendet. Gekennzeichnet sind mittelständische Betriebe in der Regel dadurch, dass sie von einem selbständigen Unternehmer geleitet werden, der das wirtschaftliche Risiko trägt und selbst mitarbeitet. Demnach trifft die Bezeichnung auch für die Gruppe der, teilweise losgelöst vom Mittelstand betrachteten, Klein- und Einmannbetriebe zu.

Die Abgrenzung zum Großbetrieb ist meist unscharf, da sie nach zwei Kriterien vorgenommen werden kann – Umsatzschwellen und Beschäftigungszahlen. Weiterhin spielt bei einer sinnvollen Abgrenzung die Situation in der beobachteten Region eine Rolle (z.B. Ost/West, Stadt/Land). Überschlägig lassen sich in Deutschland etwa 95 % der Betriebe aller Branchen dem Mittelstand zurechnen, ihr Umsatzanteil beträgt ca. 50 %.[8]

2.3.2 Wettbewerbliche Situation

Für die weitere Betrachtung ist zunächst interessant, welchen Status die mittelständischen Unternehmen in ihrem Marktsegment einnehmen. Hierfür sollen die bauhauptgewerblichen Unternehmen in drei Beschäftigtengrößenklassen eingeteilt werden. Um einen Eindruck der Größen- und Machtverhältnisse zu gewinnen, zeigt Abb. 2-4 die größenklassifizierten Unternehmen in drei interessanten Häufigkeitsverteilungen basierend auf den entsprechenden Monatszahlen vom Juni 2001.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - 4 Betriebe, Beschäftigte und Umsatz im Bauhauptgewerbe nach Beschäftigten-Größenklassen

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Weitz 2002, S. 13.

Die Darstellung verdeutlicht folgenden Zusammenhang: ein Großteil der Bauunternehmen (ca. 87 %) in Deutschland beschäftigt weniger als 20 Personen. In diesen Bauunternehmen arbeiten ca. 40 % aller im Bauhauptgewerbe tätigen Personen. Der Umsatzanteil dieser Unternehmen beträgt jedoch lediglich 30 %. 50 % des Gesamtumsatzes werden hingegen von Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern generiert, die gemessen an der Gesamtzahl der Betriebe lediglich 4 % ausmachen. Für die Praxis hat dies in sofern Bedeutung, dass die Hälfte des Marktes den Großunternehmen vorbehalten bleibt, während sich der Großteil mittelständischer Betriebe mit Klein- und Kleinstaufträgen die Existenz sichern muss. Abb. 2-5 quantifiziert und bekräftigt diesen Sachverhalt durch eine modifizierte Darstellungsweise.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - 5 Umsätze pro Betrieb und Beschäftigten nach Beschäftigten-Größenklassen

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Weitz 2002, S. 13.

Angenommen, dass eine Arbeitskraft in einem kleinen Unternehmen genau soviel leisten kann wie in einem Großbetrieb, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Beschäftigten in größeren Unternehmen deutlich effizienter eingesetzt werden. Jedoch ist anzumerken, dass Großunternehmen zum einen in stärkerem Maße mit hochtechnologischen und somit kostenintensiven Maschinen arbeiten und zum anderen höhere Aufwendungen für Transaktionskosten aufgrund ihrer eigenen Größe entstehen.

Bekanntlich lässt sich die Effizienz einer Unternehmung auch nicht vom Jahresumsatz ableiten, sondern eher von seinem Verhältnis zum Jahresgewinn. Die Deutsche Bundesbank hat in einer Untersuchung über die Finanzierungsverhältnisse in der Baubranche festgestellt, dass die Umsatzrenditen der mittelständischen Bauunternehmen in den letzten Jahren bei ca. 2 % lagen. Bei den Kapitalgesellschaften lag diese Kennziffer zwischen 0 und 1 %.[9]

2.3.3 Gründe für die Entwicklung und Ausblick

Welche Bedeutung ist nun der mittelständische Bauwirtschaft beizumessen? Sind die Forderungen der Interessenvertreter zur vermehrten Einbindung in öffentliche Aufgaben gerechtfertigt?

Die bisherige Analyse von Konjunktur und Marktstruktur legt die Schlussfolgerung nahe, dass zur Beurteilung dieser Fragen eine Diskussion auf betriebswirtschaftlicher Ebene nicht alleiniges Kriterium sein kann. Vielmehr sind hier wirtschafts-, struktur- und sozialpolitische Aspekte einzubeziehen, um zunächst eine Erklärung für die gewachsenen Strukturen zu finden und später daraus Verbesserungsansätze ableiten zu können.

Gemessen am Jahresumsatz hat die mittelständische Bauindustrie einen relativ geringen Anteil. Die große Anzahl der Betriebe lässt ihr hingegen eine gewisse Schlüsselrolle zukommen. Dies könnte u.a. daraus resultieren, dass in der Baubranche die finanzielle Markteintrittsschwelle sehr niedrig liegt.[10]

Aufgrund vieler Insolvenzen und Liquidationen mittelständischer Bauunternehmen gehen regelmäßig zwei bis drei Neugründungen durch die ehemalige Belegschaft hervor.[11] Von einer Konzentration im Baugewerbe kann also nicht die Rede sein. Vielmehr nimmt der Wettbewerbsdruck innerhalb der Branche zu, sodass in nächster Zeit nicht von effizienzsteigernden Zusammenschlüssen in der Bauwirtschaft auszugehen ist. Große Bauunternehmungen fusionieren, um so der verheerenden Wettbewerbssituation zu entkommen (z.B. Dywidag - Walter Bau) oder müssen ganz vom Markt verschwinden - aktuelles Beispiel ist die Holzmann AG.[12] Für diese Unternehmen sind zu hohe und inflexible Kapazitäten sicher eines der größten Probleme. Große Bestände an Maschinen und technischen Anlagen, die wegen schlechterer Auftragslage nicht gebraucht werden, verursachen dann genauso wie ein zu hoher Personalbestand, der aufgrund bestehender Arbeitnehmerschutzgesetze schwer zu reduzieren ist, Kosten, denen keine Leistungen gegenüberstehen. Weitere Kostenbelastungen können durch Ineffizienzen im Prozess der Leistungserstellung oder durch Verschwendung verursacht werden.

Die Mittelständler mögen in diesem Punkt wahrscheinlich flexibler sein als die große Konkurrenz. Es bleibt jedoch der Fakt, dass durch den hohen Wettbewerbsdruck die Margen auch für die Mittelständler im Baugewerbe deutlich geringer sind als in anderen Branchen. Nicht zuletzt ist dieser Umstand verantwortlich für ein weiteres Problem - die geringe Eigenkapitalausstattung.

Der Kreditsektor hat dieses Risiko erkannt. Ab 2005 wird den Mittelständlern durch die Baseler Beschlüsse das (Über-) Leben zusätzlich erschwert. Die Banken werden bei der Kreditvergabe ein neues Rating-Verfahren einsetzen, welches sich unter anderem an der Umsatzrendite orientiert. Da diese zur Zeit in der Baubranche im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen äußerst gering ausfällt, würde es bedeuten, dass baugewerblichen Unternehmen am Finanzmarkt ein deutlich höherer Kapitalzins auferlegt wird. Die Fremdkapitalbeschaffung würde sich demnach verteuern.[13]

Noch prekärer erscheint die Situation vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung. Die Marktschranken für Bauunternehmen aus Niedriglohnländern verschwinden zunehmend und der hiesige Wettbewerbsdruck wird sich weiter erhöhen.

Verständlich sind nun die Forderungen von Seiten des Mittelstandes nach einem Umdenken in der Politik, die bisher den Großkonzernen mit intensiver staatlicher Hilfe versucht hat, den Rücken zu stärken. Nach dem Scheitern dieser Maßnahmen muss die Regierung als Konsequenz neue Wege finden und umsetzen, um der seit sieben Jahren in der Rezession steckenden Baubranche aus ihrer misslichen Lage zu helfen, bevor der Markt von ausländischen Anbietern übernommen wird.

Bei der Verlagerung öffentlicher Aufgaben in die Privatwirtschaft könnte durch staatlichen Nachfragezuwachs eine Markterweiterung stattfinden. Die Folge wäre eine entsprechende Reduzierung des wettbewerblichen Drucks auf dem jeweiligen Markt. Im folgenden Kapitel sollen nach eingehender Analyse der statistischen Gegebenheiten, Potentiale für privatwirtschaftliche Realisierungen durch mittelständische Betriebe im Bereich der sozialen Infrastruktur, insbesondere bei Schulen aufgezeigt werden.

[...]


[1] Vgl. Verband der Bauindustrie für Niedersachsen (Hrsg.) 2002, S. 17ff.

[2] Vgl. ifo Institut 2002 (Hinweis: Es handelt sich hierbei und im folgenden um unveröffentlichte Daten und Zeitreihen aus einer internen Datenbank, die erhoben wurden vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung und dem Autor zur Erstellung der Arbeit von der ifo Niederlassung in Dresden freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden).

[3] Vgl. Statistisches Bundesamt 2002.

[4] Vgl. Verband der Bauindustrie für Niedersachsen (Hrsg.) 2002, S. 17ff.

[5] Vgl. o.V. 2002, in www.bauarchiv.de

[6] Vgl. Rußig 2002.

[7] ebenda

[8] Vgl. Sellien/Sellien (Hrsg.) 1988, Bd. 4, S. 424.

[9] Vgl. o.V. 2002, in: Bauwirtschaft + Politik, Nr. 5, S. 16.

[10] Vgl. Verband der Bauindustrie für Niedersachsen (Hrsg.) 2002, S. 19.

[11] Vgl. Weitz 2002, S. 13.

[12] Vgl. Linden 2002, S. 17ff.

[13] Vgl. Gusche 2002, S. 10.

Details

Seiten
45
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638174169
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11188
Institution / Hochschule
Technische Universität Bergakademie Freiberg – Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Baubetriebslehre
Note
2,0
Schlagworte
Mittelstand Schulen Kooperationen PPP Baugewerbe

Autor

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