Lade Inhalt...

Die elektronische Patientenkarte in ausgewählten Ländern der Europäischen Union

Frankreich, Deutschland, Slowenien, Österreich und Italien - Eine vergleichende Bestandsanalyse

Seminararbeit 2006 33 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG
1.1. EINFÜHRUNG IN DIE ARBEIT
1.2. TELEMATIKANWENDUNG IM GESUNDHEITSWESEN: DIE PATIENTENKARTE

2. MATERIAL UND METHODEN

3. DIE PATIENTENKARTENMODELLE IN DEN EINZELNEN LÄNDERN (ERGEBNISSE)
3.1. FRANKREICH – CARTE VITALE
3.1.1. GESETZLICHE GRUNDLAGEN UND BISHERIGE ENTWICKLUNG
3.1.2. VON DER CARTE VITALE 1 ZUR CARTE VITALE
3.1.3. ERWEITERUNGEN BEI DER ZWEITEN GENERATION
3.1.4. DER EINFÜHRUNGSPROZESS
3.2. DEUTSCHLAND – ELEKTRONISCHE GESUNDHEITSKARTE (EGK)
3.2.1. GESETZLICHE GRUNDLAGEN UND ORGANISATION
3.2.2. VON DER KRANKENVERSICHERTENKARTE ZUR ELEKTRONISCHEN GESUNDHEITSKARTE
3.2.3. ERWEITERUNGEN DURCH DIE EGK
3.2.4. DER ZUGRIFFSMECHANISMUS
3.3. ÖSTERREICH – E-CARD
3.3.1. GRUNDLAGEN DES E-CARD PROJEKTES
3.3.2. DATEN AUF DER E-CARD
3.3.3. DIE SYSTEMINFRASTRUKTUR
3.4. S LOWENIEN – H EALTH I NSURANCE C ARED (HIC) 17
3.4.1. DIE ENTWICKLUNG DER HIC
3.4.2. DIE SYSTEMINFRASTRUKTUR
3.4.3. DIE GEPLANTEN WEITERENTWICKLUNGEN
3.5. I TALIEN – C ARTA R EGIONALE DEI S ERVIZI -- S ISTEMA I NFORMATIVO S OCIO S ANITARIO (CRS-SISS) 20
3.5.1. GRUNDLAGEN UND PROJEKTORGANISATION
3.5.2. FUNKTION UND FUNKTIONALITÄT DER CRS-SISS
3.5.3. DATEN AUF DER CRS-SISS

4. DISKUSSION UND FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

DARSTELLUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

1.1. EINFÜHRUNG INDIE ARBEIT

Derzeit gibt es europaweit Anstrengungen zur Anwendung von E-Health und Gesundheitstelematik als Mittel die Gesundheitssysteme zu modernisieren und international wettbewerbsfähig zu machen.

Bei den zahlreichen Modellen kann grob eine Differenzierung vorgenommen werden. Einige Systeme arbeiten mit Netzmodellen (wie Dänemark oder Großbritannien), bei anderen handelt es sich um Kartenmodelle.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit ausgesuchten Kartenmodellen und zeigt den aktuellen Stand der einzelner Projekte zur elektronischen Patientenkarte in fünf Ländern der Europäischen Union: Frankreich, Deutschland, Slowenien, Österreich und Italien (Region Lombardei).

Die elektronische Patientenkarte stellt eine gesundheitstelematische Anwendung dar. Deshalb erfolgt zu Beginn der Arbeit eine Definition des Begriffes Gesundheitstelematik, um anschließend die Motive telematischen Handelns aufzuzeigen.

Im Haupt- bzw. Ergebnisteil werden die fünf Projekte vorgestellt.

Dazu werden jeweils die organisatorischen Merkmale dargestellt mit einem Blick auf die gesetzliche Grundlage. Bei den Modellen in Deutschland und Frankreich werden zusätzlich Aspekte der Weiterentwicklung ihrer bisherigen Kartensysteme aufgezeigt.

Ferner wird so nicht nur ein Blick in die bisherigen Entwicklungen geworfen, sondern auch die absehbaren und vorgesehenen Weiterentwicklungen der einzelnen Patientenkarten werden mit besonderem Augenmerk auf die Kartendateninhalte betrachtet.

Schließlich erfolgt im letzten Teil die Diskussion der Ergebnisse der Arbeit.

1.2. TELEMATIKANWENDUNG IM GESUNDHEITSWESEN: DIE PATIENTENKARTE

Der Begriff Telematik ist aus den Wörtern Tele kommunikation und Infor matik zusammengesetzt und geht in seiner Erstverwendung auf den 1978 veröffentlichten Bericht von Simon Nora und Alain Minc an den französischen Staatspräsidenten zurück. Sie bezeichnen Telematik als „Verflechtung zwischen Rechnern [Datenverarbeitungsanlagen] und Telekommunikationsmitteln“1.

Die Gesundheitstelematik bezeichnet für die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) die Anwendung der Telematik im Bereich des Gesundheitswesens in den Gebieten der „globale [n] Gesundheitsförderung, Krankheitskontrolle und Krankenversorgung sowie Ausbildung, Management und Forschung“2.

Was sind aber die Motive telematischen Handelns insbesondere im Gesundheitswesen?

Eine qualitativ hochwertige Versorgung des Patienten benötigt ein umfassendes Kommunikationswesen. So können mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien die relevanten Informationen für Leistungserbringer und Kostenträger zeitnaher und bedarfsgerechter zur Verfügung stehen.3

Durch den Einsatz von Telematikanwendungen wie der Patientenkarte wird idealerweise nicht nur eine Optimierung der Versorgungsqualität erreicht, sondern auch Kosten können eingespart werden.4 Beispielhaft sei hier die Kosteneinsparung als Folge des Medienwechsels von konventionellen (Rezept in Papierform) hin zu digitalen Medien (elektronisches Rezept) genannt.

Letztlich kann der Einsatz von Telematik im Gesundheitswesen eine Verbesserung der Datenerhebung für statistische Zwecke – wie Epidemiologie, Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung – erzielen.5

Diese Motive schaffen damit auch die Ausgangssituation für die Einführung bzw. Verwendung von Patientenkartenmodellen.

2. MATERIAL UND M ETHODEN

Die Suchstrategie war für jedes einzelne Länderprojekt sehr unterschiedlich.

Für das Projekt der elektronischen Gesundheitskarte (Deutschland) wurde vorwiegend auf deutsche Publikationen und Bücher zurückgegriffen. Ferner wurden auch unterschiedliche deutschsprachige Datenbanken mit Hilfe des Angebotes des Deutschen Instituts für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) im Internet (http://www.dimdi.de) gesucht.

Im gesamten Zeitraum der Literaturrecherche wurde über das Internet auf die MEDLINE-Datenbank (Datenbank der National Library of Medicine, Zugriff über http://www.pubmed.org) zugegriffen, jedoch konnte nur eine wissenschaftliche Publikation für den Bereich der HIC (Slowenien) genutzt werden. Bei den Projekten aus Frankreich, Slowenien und Italien wurden fast ausschließlich fremdsprachige Quellen benutzt.

Die verwertbaren Quellen zum Carte Vitale 2 – Projekt lagen fast ausschließlich in französischer Sprache vor; so auch bei dem Kartenprojekt CRS-SISS der Lombardei, die nahezu ausschließlich in italienischer Sprache vorlagen. Für die HIC (Slowenien) konnte auf englische Texte zurückgegriffen werden.

Da es sich bei allen Modellen um staatlich initiierte Projekte handelt, wurde auch gezielt nach veröffentlichten Informationen und Publikationen in den jeweiligen Internetangeboten der Gesundheitsministerien gesucht. Im Falle der CRS-SISS in der Lombardei (Italien) verlief die Suche über die Regionalbehörde (Regione Lombardia).

Bei der Bearbeitung des Themas e-card in Österreich wurde auch Kontakt aufgenommen mit dem strategischen Leiter der Sozialversicherungs-Chipkarten Betriebs- und Errichtungsgesellschaft, der zahlreiche Informationen zur Verfügung stellte. Auch wurden mir von der European Health Telematics Association Informationen zu den anderen EU-Projekten zur Verfügung gestellt.

Bei der Recherche wurde festgestellt, dass die ausländischen Projekte in deutschen Publikationen kaum Beachtung finden. Hierzu wäre eine jeweils nationale Datenbankrecherche vorteilhaft gewesen (beispielsweise die französischsprachige Literaturdatenbank PASCAL), jedoch war dies aufgrund mangelnder Zugriffsrechte nicht möglich.

3. DIE PATIENTENKARTENMODELLE IN DEN EINZELNEN LÄNDERN

3.1. DIE CARTE VITALE 2 IN FRANKREICH

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.1. GESETZLICHE GRUNDLAGEN UND BISHERIGE ENTWICKLUNG

Die französische Ausprägung der elektronischen Patientenkarte heißt Carte Vitale. Die Einführung der ersten Version dieser Versichertenkarte (Carte Vitale 1) wurde durch die Verordnung des damaligen Premierministers Alain Juppé – die sogenannte Ordonnance

Juppé – Ende der 1990er Jahre verabschiedet und ist seither in dem französischen Sozialversicherungsgesetz (Code de la Sécurité Sociale, CSS) gesetzlich verankert.

Somit ersetzte die Carte Vitale die papierbasierte Sozialversicherungskarte. Das Ziel war es, das System der Kostenerstattung zu modernisieren und die Abläufe für die Versicherten zu vereinfachen.6

In dieser Absicht wurde die Interessensgruppe GIE SESAME-Vitale gegründet. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung des Programms, des technischen Designs und mit der Ausgabe der Smart-Cards.7

Anders als in anderen Ländern der Europäischen Union, wurden in Frankreich nicht nur die Versicherten mit Karten ausgestattet, sondern auch bereits die Heilberufler.8 Insgesamt betrachtet sind derzeit 55 Millionen Patientenkarten sowie 600.000 Heilberufeausweise im Umlauf. Als technische Infrastruktur stehen weiter 200.000 Kartenlesegeräte und 20.000 Karten-Update-Terminals zur Verfügung.9 An den Karten- Update-Terminals kann eine Aktualisierung der Daten seitens des Versicherten vorgenommen werden.

3.1.2. VON DER CARTE VITALE 1 ZUR CARTE VITALE

In der unten abgebildeten Darstellung sind die Dateninhalte der Carte Vitale 1 aufgelistet. Es wird deutlich, dass auf der Karte keinerlei medizinischen Informationen hinterlegt sind.

Darstellung 1: Kartendateninhalte der französischen Carte Vitale 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Distrimed, http://www.distrimed.com/teletrans/cartevitale.htm

Dennoch wird der Zugriff auf die auf dem Chip gespeicherten Daten nur mit dem sogenannte 2-Karten-Mechanismus gewährt. Hierzu werden die Patientenkarte zusammen mit dem Heilberufeausweis in ein eigens dafür konzipiertes Kartenlesegerät eingesteckt. Der Mechanismus ist bereits bei der ersten Version der Carte Vitale zu Abrechnungszwecken notwendig gewesen.

Die Subsitution der Carte Vitale 1 (CV 1) durch seinen Nachfolger der Carte Vitale 2 (CV 2) ähnelt in den Absichten der Weiterentwicklung der Krankenversichertenkarte hin zur elektronischen Gesundheitskarte in Deutschland. Damit verbunden sind einige Weiterentwicklungen.

Im Unterschied zu seinem Vorgänger verfügt die CV 2 eine erweiterte Speicherkapazität von ehemals 4 KB auf 32 KB. Auch optisch unterscheidet sie sich dahingehend, dass die CV 2 ein Foto auf der Frontseite enthält. Das Foto wird zusätzlich in digitalisierter Form auf dem Chip gespeichert.10

3.1.3. ERWEITERUNGEN DER ZWEITEN GENERATION

Die neue Kartengeneration zeichnet sich insbesondere durch drei neue Erweiterungen aus: Die persönliche Krankenakte (Dossier Medical Personnel, DMP), das elektronische Rezept und die Aufnahme medizinischer Notfalldaten.

Die persönliche Krankenakte ist der zentrale Datenplatz, wo Ärzte und andere Leistungserbringer patientenbezogene medizinische Daten ablegen können. Diese sensiblen Daten werden auf Servern gespeichert.11 Die Carte Vitale zusammen mit dem Heilberufeausweis dienen dann als Zugriffsschlüssel auf den Server.12 Man erhofft sich damit eine bessere Qualität der Versorgung (vgl. 1.2.).

Jene Zielsetzung, die bereits bei der Digitalisierung der Abrechnung bei der ersten Generation der Carte Vitale verfolgt wurde – also die Kosteneinsparung – ist u.a. auch das Bestreben bei der Idee des elektronischen Rezeptes. Die bislang papierbasierten Verschreibungen sollen künftig digitalisiert vorgenommen werden (vgl. eGK in Deutschland).

Nicht nur im Verwaltungsbereich können Kosten gespart werden, sondern auch bei den Arzneimittelausgaben.

Mit dem Einsatz des elektronischen Rezeptes können Fehlverschreibungen vermindert und als Folge auch unnötige Nebenwirkungen verhindert werden, insbesondere wenn auf die digitale Krankenakte zurückgegriffen wird. Auch preiswertere Generika können gezielt verschrieben werden.13

Der Zugriff in den Bereich des elektronischen Rezeptes erfolgt mit dem bereits beschriebenen 2-Karten-Meschanismus.14

Schließlich ist als dritte Erweiterung die Aufnahme von medizinischen Notfalldaten wie die Blutgruppe, die derzeitige Behandlung aber auch der Name des behandelnden Arztes geplant. Dies verlangt einen speziellen Sicherheitsmechanismus, denn nur der Notarzt soll auf diese Daten zugreifen können und dann auch ausschließlich auf die Notfalldaten.15

Darüber hinaus sollen laut Gesundheits- und Sozialministerium ab Mitte 2007 auch Organspendedaten auf Wunsch des Karteninhabers auf die Karte aufgenommen werden.16

3.1.4. DER EINFÜHRUNGSPROZESS

Das französische Gesundheits- und Sozialministerium rechnet mit der vollständigen Ausgabe der Carte Vitale 2 im Jahre 2010. Die Ausgabe beginnt Ende 2006 in der Region Brétagne und wird dann fortfolgend regional weitergeführt. Die CV 2 wird bevorzugt erst denjenigen ausgehändigt, die unter den alten Regelungen noch nicht Inhaber einer Carte Vitale gewesen sind. Dies können Neuversicherte oder Jugendliche ab 16 Jahren sowie jene Versicherte sein, die ihre Karte entweder verloren haben oder deren Karte defekt ist. Schließlich beginnt die Austeilung für alle Versicherten Mitte des Jahres 2007.

Darstellung 2:Verteilung der Carte Vitale 2 in Frankreich in den Jahren 2007-2010; [Angaben in Millionen]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung / Ministère de la Santé et des Solidarités 2006

[...]


1 Vgl. Krüger / Reschke (2002), S. 15.

2 Lehmann (2005), S. 675.

3 Vgl. Dierks / Nitz et al. (2003), S. 17ff.

4 Vgl. Pfeiffer (2005), S. 24.

5 Vgl. Dierks / Nitz et al. (2003), S. 20 ff.

6 Vgl. Ministère de la Santé et des Solidarités (2006), S.2.

7 Vgl. Mouille (2006), S. 115.

8 Vgl. Ministère de la Santé et des Solidarités (2006), S.2.

9 Vgl. Mouille (2006), S. 115.

10 Vgl. GIE SESAME-VITALE (2006).

11 Vgl. Mouille (2006), S. 116.

12 Vgl. GIE SESAME-VITALE (2006).

13 Vgl. Mouille (2006), S. 116.

14 Vgl. Mouille (2006), S. 116.

15 Vgl. Mouille (2006), S. 116.

16 Ministère de la Santé et des Solidarités (2006), S. 4.

Details

Seiten
33
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640166800
ISBN (Buch)
9783640190317
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111836
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Note
2,0
Schlagworte
Patientenkarte Ländern Europäischen Union Grundlagen Informationsverarbeitung

Autor

Zurück

Titel: Die elektronische Patientenkarte in ausgewählten Ländern der Europäischen Union