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Die Einzelgrabkultur in Schleswig-Holstein und dem überregionalen Umfeld

Probleme und Perspektiven

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 36 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhalt

Vorbemerkung

1. Einleitung

2.1 Funde und Befunde in Schleswig-Holstein
2.1.1 Forschungsgeschichte und chronologische Einordnung
2.1.2 Forschungsstand und Probleme
2.2 Schlussfolgerungen und Bedeutung der Funde in S-H.
2.3 Funde und Fundarten
2.3.2 Die Äxte
2.3.3 Die Keramik
2.3.4 Siedlungsbefunde
2.3.5 Metallfunde und andere Gegenstände
2.3.6 Zur Einzelgrabkultur Norddeutschlands

3. Forschungsstand in Dänemark und dem überregionalem Umfeld
3.1 Funde und Befunde in Dänemark ihr Bezug auf S-H
3.1.1 Forschungstand und Topographie der EGK
3.1.2 Grabsitte und Grabtypen
3.1.3 Die westjütische Einzelgrabkultur Ost-dänische Inselkultur
3.2 Die Einzelgrabkultur in Mecklenburg-Vorpommern
3.3 Die Einzelgrabkultur/Schnurkeramik in Niedersachsen
3.4 Differenzierung der EGK und TRB
3.5 Einwanderung kontra eigenständiger Entwicklung
3.6 Spätneolithikum
3.7 Zusammenfassung

4. Ausblick

Tabellen

Literatur

Abkürzungen: EGK: Einzelgrabkultur, TRB: Trichterbecherkultur, S-H: Schleswig-Holstein

Vorbemerkung

Ich verwende hier den Begriff EGK oder einzelgrabzeitlich für die zeitliche Stellung der Einzelgrabkultur. Wie wir sehen werden ist der Begriff einzelgrabzeitlich weitaus besser als die Festsetzung auf den Begriff „Kultur“. Dies deswegen im Hinblick auf die Forschungsgeschichte mit der strikten Unterscheidung von zwei Kulturen, wobei die neuere Forschung die Kontinuität betont.

1. Einleitung

Die Einzelgrabkultur ist eine Begriffsprägung von Johanna Mestorf (1829-1909) aus dem Jahre 1892. Ihre Ergebnisse fasste sie in einem Kurzbericht über die „Gräber ohne Steinkammer unter Bodenniveau“ im fünften Heft, 1892, der Mitteilungen des Anthropologischen Vereins in Schleswig- Holstein zusammen. Die Einzelgrabkultur gilt als nördlicher Zweig der Schnurkeramischen Kulturen. Charakteristisch für die Einzelgrabkultur sind meist einzelne Gräber unter Erdhügeln. Sie existierte in der Zeit von ca. 2800-2300 v. Chr. und erstreckte sich über die Gebiete Norddeutschlands (hauptsächlich Niedersachsen und Mecklenburg Vorpommern), Dänemarks (hier insbesondere Jütland) und der Niederlande.

2.1 Funde und Befunde in Schleswig Holstein

Im Folgenden werde ich mich erst der Forschungsgeschichte der Einzelgrabkultur (EGK) widmen und deren chronologischer Einordnung. Im Weiteren werden die Befunde und Fundarten, wie die Äxte, Keramiken und Grabsitten sowie Siedlungsfunde einzeln behandelt. Das Fundgut Schleswig- Holsteins stelle ich in Zusammenhang mit dem überregionalen Kontext dar und behandle es daher nicht einzeln.

2.1.1 Forschungsgeschichte und chronologische Einordnung

Forschungsgeschichte:

Die wissenschaftliche Untersuchung der EGK hat gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit Kaptein Andreas Peter Madsen (1822-1911) im westjütischen Ribe Amt ihren Anfang genommen (Amundsen, Hilde R. 2000: 55f.), der niedrige Grabhügel entdeckt und diese untersucht hat.

Johanna Mestorf hat im Zuge dessen, als erstes den dualistischen Charakter des Neolithikums (TRB u. EGK) erkannt. Sie veröffentlichte ihre Ergebnisse „über die Gräber ohne Steinkammer unter Bodenniveau“ im fünften Heft der Mittheilungen des Anthropologischen Vereins in Schleswig-Holstein 1892.

Einige Jahre später veröffentlichte Sophus Müller (1898) seine Monographie zur Einzelgrabkultur und stellte dort das bekannte Entwicklungsschema der Aufeinanderfolge von Unter- Boden -und Obergrabzeit auf (Abb. 1). Später griffen J. E. Forssander (1993) und N. Åberg, (1918) die Einzelgrabkultur auf, und argumentierten für und wider einer Einwanderung eines neuen Volksschlags (Amundsen, Hilde R. 2000:71, 77, 79; 1997: 12-13). Im folgendem betrachte ich Charlotte Damms postprozessuelle Betrachtungsweise über die EGK im Zusammenhang mit ihrer gründlichen Überlegung für eine Argumentation gegen eine Einwanderung der EGK Kultur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Idealisierter Schnitt durch einen Grabhügel mit Gräbern der EGK in drei Perioden: Untergrabzeit, Bodengrabzeit und Obergrabzeit (Jensen, Jørgen 2001:479).

Charlotte Damm hält mit ihrer postprozessuellen, hermeneutischen Analyse fest, dass die materielle Kultur einen nonverbalen Diskurs beinhaltet: „Its meanings may go unnoticed, because it is less direct, but precisely for this reason its effects may be more profound“ (Damm 1991: 23). Auch wendet sie die Strukturationstheorie von Anthony Giddens an, die darauf beruht, dass intentionelle Handlungen zu unbeabsichtigten Konsequenzen führen können. In der Theorie über die materielle Kultur - also der Artefakte als Diskurs - ist es von zentraler Bedeutung, dass verschiedene Typen von Diskursen gleichzeitig existieren, samt, dass der Diskurs missverstanden werden kann und diskontinuierlich ist. Somit sucht Charlotte Damm nach Mustern in den Fundkomplexen durch Typologisierung, Katalogisierung und Datierung von Grabsitten und Artefakten mit Erstellung einer Kartierung. Mit dieser Analyse geht sie der Frage nach Kontinuität und Wandel von der Trichterbecherzeit MN A V bis zur Einzelgrabzeit MN B I-II im zentralen und westlichen Jütland nach. Hier stellt sie eine Wirtschaft mit größerer Gewichtung auf Haustierhaltung und Roggenanbau fest. Sie sieht die EGK hauptsächlich als eine pastorale Gesellschaft, kombiniert mit Ackerbau, jedoch mit einer Siedlungskontinuität auf Jütland. Trotz dieser Kontinuität sind die Veränderungen markant (Damm 1991: 102 ff.). Eine neue Grabsitte mit neuem Inventar taucht auf. Doch auch hier ist es möglich, eine Kontinuität von MN A V in den Steingräbern und bei einzelnen Artefakten z. B. bei den Äxten festzustellen (Damm 1991: 103). Damm gewichtet die Gleichheit dieses Fundmaterials mit gleichzeitigen schnurkeramischen Streitaxtgruppen in Mitteleuropa. Für sie kommt eine innere Entwicklung genauso in Frage, wie eine Migration (Damm 1991: 103). Für mich stellt sich nun zentral die Frage der Interpretation der Nachbestattungen. Schon Struve bemerkt, dass eine „größere Anzahl von jütischen Streitäxten, Bechern oder Flintgeräten aus solchen Megalithgräbern [im Bezug auf Kontaktfunde mit der Megalithkultur in Holland bis Nordwest-Deutschland] stammen, von deren primärer Grabausstattung nichts bekannt ist. … Im Allgemeinen scheint die EGK erst gegen Ende der Untergrabszeit zur Wiederbenutzung von Megalithgräbern überzugehen“ (Struve, K. W. 1955: 90). Ich denke, dass in Bezug auf die Erforschung der Einzelgrabkultur mit der Interpretation von EGK Gräbern mit Nachbestattungen mit großer Sorgfalt und Vorsicht vorgegangen werden muss. Bei der Interpretation von Bestattungen als Nachbestattungen muss eine interpretierte Nachbestattung sich nicht notwendigerweise bei neurer Betrachtung sich als eine solche erweisen.

Andererseits kann es sich hier durchaus um eine Primärbestattung im Kontext der EGK handeln; besonders wenn eine solche Primärbestattung der unterliegenden TRB in einem Megalithgrab nicht im Befund nachzuweisen war. Auch kann es sich durchaus um eine Nachbestattung handeln kann, wenn eindeutig eine Aufeinanderfolge einer TRB Bestattung und EGK Bestattung zu registrieren ist, wie dies dokumentiert ist bei der Bestattung in einer Steinkiste bei Grammdorf (Gem. Wangels) in Schlewsig-Holstein mit Nachbestattungen der EGK und Kugelamphorenkultur. Diese ist N-S ausgerichtet mit dem Eingang im SO. Sie bestand aus einer rechteckigen Kammer mit den Maßen 3 m x 1,6 m und war bis zur Hälfte mit lehmigem Sand aufgefüllt. Der Boden war wie so häufig mit gebranntem Flint bedeckt. Darüber war im nördlichen Kammerdrittel eine Steinfliesenlage, die vom ungepflasterten Kammerteil durch größere hochkantgestellte Steinplatten abgetrennt wurde. Als Funde zu verzeichnen, waren ein Einzelgrabbecher mit Kammstich-Verzierung, eine zweihenkelige Kugelamphore und ein Flintbeil (Struve, K. W. 1955: 165). Eine ähnliche Anlage findet sich bei Mønsted ((Abb. 2) siehe unten S. 14) aber ohne Nachbestattung. Ob es sich nun hier um eine Nachbestattung handelt oder nicht (mag durchaus in Frage gestellt werden), der Nachweis einer Kontinuität von Steingräbern bis zur EGK ist deutlich.

Die Chronologie:

Ein großes Problem bei der Neubewertung der Theorie über die Einwanderung der EGK - die von der Existenz eines gemeinsamen ältesten Horizonts bedingt ist - ist, dass das dänische Fundmaterial zumeist nur durch Typentafeln und Fundlisten veröffentlicht worden ist (Amundsen, Hilde R. 2000: 61). Sophus Müller gliederte 1899 das Fundmaterial der EGK typo-chronologisch in seiner erwähnten Arbeit über die Einzelgrabkultur. Eine typo-chronologische Datierung und Gliederung der Einzelgrabkultur war durchaus auch Globs Hauptanliegen, der noch einmal Sophus Müllers Werk aufgriff und mit den vielen neuen Funden noch einmal durchstrukturierte und eine Typologie der Äxte und Keramik aufstellte (Amundsen, Hilde R. 2000: 82f. ; Glob P. V. 1945). Später hat Eva Hübner Fundmaterial von 1707 Fundlokalitäten aus Schleswig-Holstein und Dänemark mit einer Korrespondenz-Analyse einer chronologischen Neubearbeitung unterzogen (Hübner, Eva 2004: 214 -219). Schleswig-Holstein und Dänemark gaben hierfür das geographisch homogene Material. Chronologisch wurden die beiden Gebiete durch eine Parallelisierung der Streitaxtentwicklung verknüpft, wie sie auch schon Struve (1955) vorgenommen hatte. Hübners Analyse resultiert in der Aufstellung einer Chronologie mit Gliederung in drei Perioden und sieben Phasen, die mit den wichtigen Veränderungen im Formengut sowie mit Bestattungssitten korrespondieren. Sie definierte hierbei auch die Periodenübergänge neu. Das ältere Jungneolithikum bzw. die ältere Einzelgrabzeit (die Untergrabzeit und ein Teil der älteren Bodengrabzeit nach Glob (1945)), entspricht der Periode 1 mit den Phasen 1a-1c. Die Periode 2 entspricht dem jüngsten Abschnitt der älteren Bodengrabzeit und einem Teil der jüngeren Bodengrabzeit, während Periode 3 dem Endabschnitt der jüngeren Bodengrabzeit und der älteren Obergrabzeit entspricht (Tabelle 1).

Tabelle 1 Eva Hübners Neugliederung der EGK Chronologie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach den ältesten Daten setzt die Einzelgrabkultur um die Mitte des 29. Jh. v. Chr. ein. Und der Hauptteil der Datierungen endet um 2800 v. Chr. aus der Trichterbecherzeit. In Nordostjütland gelangt das grübchenkeramische Siedlungsgebiet in den Einzugsbereich der Einzelgrabkultur. Damit beginnt auch die Einzelgrabkultur sich auf den dänischen Inseln zu manifestieren (Hübner, Eva 2004: 215).

Eine große Frage ist nun, wie hilfreich eine solche chronologische Neugliederung für den Erkenntnisgewinn über die EGK ist, oder ob sie nur noch weitere Fragen aufwirft und verwirrt.

Ebbesen setzt den Beginn der Streitaxtzeit (=EGK) mit dem Beginn des Baus der ersten Einzelgräber auf der jütischen Halbinsel an, das gleichzeitig mit der veränderten Form der Streitäxte und der Keramik im gleichen Gebiet einsetzt (Ebbesen, K. 2001: 75). Er führt 7 Fundplätze mit MN V Keramik und 20 Datierungen auf. Das Resultat ist eine obere Grenze bei 2850 v. Chr, und eine untere Grenze bei 2400 v. Chr., wobei das Jahr 2850 v. Chr. den Übergang zwischen dem Jungneolithikum (Periode vor dem Spätneolithikum) und Mittelneolithikum anzeigt. Somit ist auch klar, dass eine früher angenommene zeitweise Parallelität (Müller, S. 1899: 279; Glob, P. V. 1945: 105: A-Becher) der EGK mit der TRB nun hinfällig ist, und die 14 C Daten auf eine Periodenfolge der TRB und EGK weisen.

2.1.2 Forschungsstand und Probleme

Ein zentrales Forschungsproblem ist der Mangel an Siedlungsfunden, besonders in Schleswig-Holstein, und das Fehlen von anthropologischen Studien wie einige in Dänemark und Schweden durchgeführt wurden.

Im Mittelpunkt der Forschungsgeschichte steht die Frage nach dem Ursprung entweder durch eine Migration oder durch eigenständige Entwicklung. Für Schleswig-Holstein ist zentral für eine ausreichende Beantwortung dieser Frage, eine Untersuchung der Besiedlung, besonders im östlichen Holstein, wo im Vergleich zum westlichen Teil kaum Befunde von Gräbern oder gar Siedlungen vorliegen (Ausnahme Flintbek, Kr Rendsburg-Eckernförde (Zich, Bernd 1992). Demnach ist aber im Westen eine solche an gewässernahen Orten sehr wahrscheinlich (Struve, K. W. 1955: 85):

1. Möglicherweise ist eine einheitliche Neubearbeitung der Typologie erforderlich nach neuen Siedlungsfunden.
2. Untersuchung an Plätze an Gewässern im Westen – Möglichkeit für Besiedelung
3. Jungmoränenlandschaft – Wie steht es mit der Besiedelung - Prospektion

2.2 Schlussfolgerungen und Bedeutung der Funde Schleswig-Holsteins

Die Funde in Schleswig –Holstein schließen sich denen des restlichen Jütlands an. Wie in Jütland und Dänemark allgemein, ist eine Zweiteilung des Landes zu erkennen, mit vielen Einzelgräbern (EGK Gräbern) und EGK-zeitlichen Funden im Westteil des Landes, wohingegen der Osten von megalithischen Grabbauten dominiert wird und so gut wie keine EGK Siedlungen dort entdeckt worden sind (Struve, K. W. 1955: 82 ff.; Schlosser Mauritzen, Esben 2003: 44).

2.3 Funde und Fundarten

Die Funde der Gräber setzten sich am häufigsten aus Felsgesteinäxten (siehe 2.2.3) und der typischen einzelgrabzeitlichen Keramik aus geschweiften Bechern und später Steilwandbechern zusammen. Vereinzelt kommen Pfeil und Bogen vor (bes. in Nordjütland) und dicknackige Äxte, vor allem auf den dänischen Inseln. Meisel und Flintmesser, sowie Ansammlungen von Flintabschlägen, Flintsicheln, Pfeilspitzen, Zapfenkeile, dicknackige Beile, dünnblattige Beile, Querbeile und Bernsteinperlen – und Ketten tauchen auch in den Gräbern auf (Hansen, M. & Rostholm, H. 1996: 117-120). In den Siedlungsfunden Jütlands wird das Fundspektrum hauptsächlich durch Keramik erweitert mit deren drei Grundtypen: Den rundbauchigen, geschweiften und steilwandigen Bechern. Weiter sind Hammersteine aus Flint und Quarzit und so genannte Kochsteine aus Granit und viele Flintabschläge mit vereinzelten Bohrern im Fundkomplex.

Der Fundkomplex der Gräber der EGK wirkt im ersten Augenblick sehr verschieden von dem der Trichterbecherkultur, doch wie wir nachfolgend noch sehen werden ist durchaus eine Kontinuität in der Entwicklung der EGK Funde zu ermitteln.

2.3.2. Die Äxte

Die Äxte stellen meist Einzelfunde dar, und es sind nur wenige geschlossene Fundkomplexe bekannt wie bei Flintbek, Kr. Rendsburg, Eckernförde (Zich, Bernd 1992: 16) und Hörup (Kr. Schleswig- Flensburg). Die Steingerätedepots haben ihre größte Ausbreitung auf den dänischen Inseln und der Ostküste der jütischen Halbinsel (Struve, K. W. 1955: 13 – Äxte: 13-41).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die wichtigste und am häufigsten vertretene Fundgruppe in den Gräbern der Einzelgrabkultur bilden die Streitäxte, Deren Funktion ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Infrage komme eine solche Funktion als Waffe, zu Kultzwecken und zu Repräsentationszwecken. Die Äxte aus Diabas oder Diorit gelangten als Geschenke, Beutestücke oder als Handelsgut in andere Gebiete und sorgten so für chronologische Verknüpfungen für eine typo-chronologische relative Datierung. Die Äxte werden nach ihren Formenspektren in die folgenden typologischen Reihen untergliedert: A, B, C (ungeschweifte), D und E Äxte (konkave), F, G, H, J, K, L- Äxte plus noch einige Sonderformen (facettierte Äxte mitteldeutscher Art (durch Schliff eckig gefertigt), schwedische Bootsäxte etc.. Die Äxte A – E sind der Untergrabszeit zuzuordnen. Die Äxte F – J gehören der Bodengrabzeit an und die Äxte K und L sind in der Obergrabzeit differenziert im Sinne der relativen Chronologie, die P. V. Glob (1945) und Struve für Schleswig Holstein (1955: Äxte 13-41), (Abb. 4 & 5) aufgestellt haben.

Derartige Äxte wurden auch in Kiel gefunden, wie auf dem Eichhof, eine 12 cm lange Streitaxt und in Kiel, Esmarchstrasse - einem Grab- oder Hortfund. So wurden bei einer Hausausschachtung zwei Äxte zusammen gefunden. Interessant im Zusammenhang mit der Periode des Spätneolithikums und der folgenden Dolchzeit ist, dass dort schon in häufigerem Grade die Streitäxte, kupferne Äxte imitieren, wie die Äxte des Typs A1-A2. Die Felsgesteinäxte wurden mit Rippen versehen, welche die Gussnähte, der mit Zweischalenguss hergestellten Äxte imitieren.

Bei dem Flachgrab von Wittenborn, Kreis Segeberg, werden die dortigen Axtfunde der EGK als Opfer für überirdische Mächte interpretiert (Struve, K. W. 1955: 16).

Interessant ist auch die Fundverteilung der unterschiedlichen Typen (sie basiert jedoch auf den Daten Struves von 1955). Hier zeigt sich, dass die K – Äxte mit 319 Funden der weitaus häufigste Typ ist. Dabei sind die meisten keine Grabfunde, sondern Einzelfunde. Wir haben somit nach dem Stand von 1955, ein Maximum der Äxte in der Frühphase der EGK (A, C, E in Anbetracht ihres Umlaufs und folgender Niederlegung (infolge Globs Typologie) und ein Maximum eines einzelnen Typs (Tabelle 2 und unten Tabelle 3), der ungefähr heute ähnlich ist.

Details

Seiten
36
Jahr
2005
ISBN (Buch)
9783640127771
Dateigröße
8.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111774
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institu für Ur- und Frühgeschichte
Note
Schlagworte
Einzelgrabkultur Schleswig-Holstein Umfeld Probleme Perspektiven

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