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Analyse des Films "Starship Troopers"

Hausarbeit 2005 47 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis :

Einleitung

1. Das Genre Science-Fiction

2. Robert A. Heinlein – der Autor

3. Paul Verhoeven – der Regisseur

4. Der Film
1. Die Kritiken
2. Die Story
3. Darstellung und Rolle der Frau
4. Das Verhältnis zum Feind – die Bugs
5. Parallelen zu den USA und zum 3. Reich
6. Welche Rolle spielt schwarzer Humor, Ironie und Zynismus in diesem Film?
7. Art der Darstellung von Gewalt und Brutalität und ihre Folgen
8. Unterschiede zwischen dem Original und der deutschen Synchronisation

5. Relevante Bezüge zwischen Buch und Film

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Anhänge

Einleitung

Wie kommt man dazu, so einen Film zu machen? Ein Film wie er kontroverser nicht diskutiert werden kann, der einmal als hirnloser Ballerfilm und ein anderes Mal als hochintelligenter Antikriegsfilm bezeichnet wird.

Wer macht so einen Film und was steckt dahinter? Warum ausgerechnet auf der Grundlage eines schon umstrittenen Romans, von einem, so berühmten Autor wie Heinlein?

Das waren die Kernfragen, mit denen ich mich in dieser Hausarbeit auseinander gesetzt habe.

Ich habe bewusst das Thema „Tricktechnik“ außen vor gelassen und mich ausschließlich mit den inhaltlichen Themen und Darstellungen auseinander gesetzt.

Dementsprechend sind die Analyse und Interpretation des Films nicht chronologisch, sondern nach Themenschwerpunkten gegliedert und es kommt des Öfteren vor, dass manche Szenen unter verschiedenen Gesichtspunkten auftauchen.

Leider gab es außer diversen Kritiken keine direkte Lektüre über den Film, und so stützen sich die Abschnitte zum grossteil auf meinem persönlichen Eindruck und meinen eigenen Schlussfolgerungen daraus.

In der Hausarbeit verwende ich für diese Abschnitte die Bezeichnung Kapitel, die betreffenden Abschnitte des Films sind mit der Anfangszeit des betreffenden Filmabschnitts angegeben.

Die Analyse des Films bezieht sich in erster Linie auf die deutsche Fassung, auf Unterschiede zur Originalversion gehe ich in einem gesonderten Kapitel ein.

Ich möchte mit dieser Hausarbeit niemanden überzeugen, da so ein blutiger Film wie „Starship Troopers“ auch immer ein Stück weit Geschmackssache ist und erhebe auch nicht den Anspruch, dass meine persönliche Deutung die einzig richtige ist. Alles was ich zeigen oder auch beweisen möchte, ist, dass mehr hinter diesem Film steckt als die meisten Kritiken vermuten lassen und dass er bei weitem nicht so oberflächlich ist, wie es manchmal den Anschein hat.

1. Das Genre Science–Fiction

„Science-Fiction ist die Couch, auf die sich die Gegenwart legt – mit all ihren Ängsten und Hoffnungen, ihren Alpträumen und Sehnsüchten“

(Körte2001 in Bleyenberg)

Die literarischen Anfänge im Bereich Science-Fiction gehen bis weit in das 18. Jahrhundert zurück bis in die Zeit der Aufklärung. Die Wissenschaft sollte der Vernunft Platz machen und den Aberglauben verdrängen, der den Menschen an seiner freien Entfaltung hinderte. Von nun an sollte der Mensch die Kraft sein, die den Ton auf dem Planeten angab.

Zu den ersten richtigen Science-Fiction Romanen gehören die Bücher von Jules Verne wie “Die Reise zum Mond“ oder “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“. In diesen Büchern spiegelt sich auch der damalige Zeitgeist wieder, sie sind Ausdruck des menschlichen Tatendrangs, genau wie die damalige Reiseliteratur. Sie sind voll von Berichten, wie mutige Pioniere wilde Gegenden erkundeten und dabei noch viel wildere Tiere besiegten.

Es reifte recht schnell die Erkenntnis, dass die Natur nur bedingt kontrollierbar war, und bei Kontrollversuch eher zerstört werden würde. So erschienen Bücher wie “Frankenstein“ von Mary Shelly oder “Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Louis Stevenson, die weit weniger positive Visionen von der Zukunft beinhalteten und die technischen Wunderwerke der Menschen hinterfragten.

H.G. Wells benutzte dann die Science-Fiction in seinen Romanen “Die Zeitmaschine“ und “Krieg der Welten“ als Kritik an der Gesellschaft.

Das Genre Science-Fiction grenzt oft an Horrorszenarien, aber auch an die politische Parabel, wenn sie das Ende des Humanismus in die Zukunft verlagert und gewalttätige Regime die Würde der Einzelnen vernichten, die selbst durch den Wiederstandsakt der Liebe nichts gegen “Big Brother“ (1984) ausrichten können – die schlimmstmögliche Wendung der Geschichte wird vorweg genommen.

Oft enthält die Science-Fiction in Literatur und Film einen philosophischen Kern, der uns nachdenken lässt über die Beschaffenheit der eigenen Existenz, auch über Ängste und Sehnsüchte und nicht zuletzt über Moral und Verbrechen des Fortschritts.

So scheint es auch nicht verwunderlich, dass die Science-Fiction im 20. Jahrhundert eine neue Blüte erlebt, die bis heute andauert. Als Beispiel seien hier Isaak Asimov mit seinen Robotergesetzen (“Der 200 Jahre Mann“, “I Robot“) und Robert A. Heinlein (“Puppetmasters“, “Rocket Ship Galileo“/“Destination Moon“, “Starship Troopers“), die sicherlich zu den bekanntesten dieser Epoche zählen sowie P.K. Dick (“Bladerunner“, “Total Recall“) genannt.

Der technische Fortschritt ist unaufhaltsam und nimmt ein rasantes Tempo an – die Erfindung von Automobil, Flugzeug, Radio und Fernsehen bis hin zum ersten Flug ins All. Auch die Ausmaße der Kriege und eingesetzten Waffen darin nehmen andere Dimensionen an - zwei Weltkriege und der Einsatz der Atombombe.

Der Science-Fiction-Film erscheint vornehmlich als amerikanisches Genre, betrachtet man die Vielzahl der einschlägigen Produktionen aus Hollywood, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, welcher soweit es den Kampf im Pazifik mit Japan betrifft, durch die technische Innovation der bis dahin größten Vernichtungswaffe, der Atombombe, beendet worden ist.

Im anschließenden Kalten Krieg bis 1990 führte die Furcht vor ungebetenen Eindringlingen und Saboteuren, vor der heimlichen Infiltration des sozialen Körpers durch ideologische Vergiftung – im Extremen auch vor Ufos und unsichtbaren “Körperfressern“ zu einer öffentlichen Sensibilisierung. Auch der zwanghafte Puritanismus und Konformismus der amerikanischen Gesellschaft förderten Kreationen der Fantasie, die hintergründig das Verbotene und Gefürchtete vergegenwärtigen, wie z. B. Doppelgänger, Cyborgs oder Replikanten.

Es gibt immer wieder neue Gedanken oder Situationen, die dann in der Science-Fiction deutlich werden und ihren Ausdruck finden, bohrende Fragen zur “alternativen“ Ethik und Existenz eines Wunsch- oder Angstlebens in der Zukunft. Unter anderem ließ sich das lange Zeit eher „männliche“ Interesse am technischen Experiment oder am kräftemessenden Spiel um Sieg und Übermacht zum Teil zurückdrängen, um auch Frauenperspektiven Raum zu geben, wie etwa in der Alien-Reihe oder in Contact. Ein Ende der Science-Fiction-Inventionen ist jedenfalls nicht abzusehen.

(vgl.Koebner, Bleyenberg, Franklin)

2. Robert A. Heinlein – der Autor

„Von Planet zu Planet, vom Sonnensystem bis weit in die gesamte Milchstrasse. Robert A. Heinleins Werk kannte keine Grenzen...“

(Herribert E. Severing)

Heinlein zählt zusammen mit Asimov unbestritten zu den Großmeistern der Science-Fiction.

Er ist der einzige Autor, der viermal den Hugo Award gewann u.a. 1959 für “Starship Troopers“ - wohl sein umstrittenstes Werk. Auch wurde er insgesamt sechsmal für die Prometheus Hall of Fame nominiert.

Er beeinflusste nicht nur den englischen Wortschatz mit Ausdrücken aus seinen Büchern wie u.a. auch “a waldo“, ein Ausdruck, den Ingenieure heute für ein Servosystem verwenden, sondern hatte auch Einfluss auf die Star Trek Serie – jedenfalls auf die Tribbles, die in einer seiner Geschichten als Weltraumkatzen auftauchen.

Die Verfilmung seines Buches “Rocket Ship Galileo“ als “Destination Moon“ (1950) wird oft als erster moderner Science-Fiction-Film bezeichnet, seine Geschichte “Space Cadet“ (1948) wurde Grundlage der ersten Science-Fiction-Fernsehserie - “Tom Corbett: Space Cadett“.

Heinlein hatte aber auch indirekten Einfluss auf die Science-Fiction, so war er zusammen mit Asimov in beratender Funktion am Apollo Projekt beteiligt.

Er ist nicht nur einer der einflussreichsten Science-Fiction Autoren, sondern auch ein viel diskutierter und manchmal auch umstrittener. Er wurde von vielen als sehr wertkonservativ angesehen, trotzdem avancierte sein Buch “Stranger in a Strange Land“ zu einem Kultbuch der amerikanischen Jugendbewegung der 1970er Jahre. Die politische Haltung in seinen Büchern und Geschichten wurde als radikal, militaristisch, populistisch, anarchistisch oder auch liberal bezeichnet.

Ich möchte an dieser Stelle kurz Heinleins Werdegang beschreiben, da er nicht nur in seinem Buch “Starship Troopers“, aber hier besonders, auf Erfahrungen aus seiner Militärzeit zurückgreift.

Geboren wurde Heinlein 1907 in einer Kleinstadt in Missouri. Seinen Schulabschluss machte er 1929 und ging anschließend zur Marine, obwohl sein eigentlicher Berufswunsch Astronom war, doch damit war zu Beginn der großen Depression wenig Geld zu verdienen.

Nach dem Besuch der Marine-Akademie war Heinlein auf verschiedenen Kriegsschiffen stationiert u.a. als Gunnery Officer auf der USS Lexington, dem damals modernsten Flugzeugträger, bevor er 1934 wegen einer Tuberkulose seine Marine-Laufbahn als

Lieutnant - junior grade abrupt beenden musste.

Er versuchte sich in verschiedenen Berufen, während er begann in Kalifornien Mathematik und Physik zu studieren, um doch noch Astronom zu werden. Leider musste er auch das Studium aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und arbeitete in der Zeit danach im Silberbergbau, später als Politiker und Immobilienmakler, bis 1939 nach einem Wettbewerb eine Zeitschrift seine erste Geschichte veröffentlichte und er sich nun ausschließlich dem Schreiben widmete. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte er sich in verschiedenen Genre, er schrieb u.a. Detektivgeschichten aber auch Artikel, die vor den Gefahren des Atomkrieges warnten. Erst ab 1947 schrieb er fast nur noch Science-Fiction.

In den folgenden Jahren verfasste Heinlein vor allem eine umfangreiche Sammlung von Romanen und Geschichten für Jugendliche und junge Ewachsene, die zunehmend komplexer wurden, und 1959 im sehr umstrittenen Buch “Starship Troopers“ ihren Höhepunkt fanden.

Dieser Roman brachte ihm in einigen Kreisen den Ruf eines Kryptofaschisten ein, ihm wurde unter anderem vorgeworfen er würde in diesem Buch den Faschismus verherrlichen.

1961 dann markiert Heinleins berühmtester und einflussreichster Roman “Stranger in a Strange Land“, in seinem Lebenswerk den Wendepunkt hin zu reifer Science-Fiction mit weiteren 10 Romanen, welche bis 1966 als seine dritte Schreibperiode bezeichnet wird.

Zwei weitere folgten. Er starb 1988 in Kalifornien.

(vgl. Franklin, Beck-Ewe)

3. Paul Verhoeven – der Regisseur

Frage: „Was halten sie davon dass ihnen manchmal übertriebene Gewalt vorgeworfen wird?“

Verhoeven: „Auch Grimms Märchen waren grausam.“

An den Filmen des holländischen Regisseurs Paul Verhoeven haben sich schon immer die Geister geschieden, was den einen zu gewalttätig, zu sexbesessen oder gar pornographisch war, gefiel nicht selten einem Millionenpublikum. Verhoevens Kino ist kein Kino, dass den Blick abwendet. Es ist nicht diskret, sondern direkt und drastisch. Verhoeven galt schon als Provokateur, als er noch in Holland arbeitete. Aufgrund seiner andauernden Konflikte mit der Zensur verließ er 1985 Europa.

1938 in Deen Haag geboren, studierte Paul Verhoeven Physik und Mathematik in Leiden und promovierte mit einer Arbeit zur Relativitätstheorie. Er arbeitete zunächst kurze Zeit als Lehrer, trat aber schon in den frühen 60er Jahren mit Kurzfilmen in Erscheinung, bevor er Dokumentarfilme für die niederländische Marine sowie Fernsehserien zu drehen begann.

„Wat zien ik?“ („Was sehe ich?“) hieß 1971 sein erster Spielfilm, eine antibürgerliche Sexkomödie um zwei Amsterdamer Huren. Zwei Jahre später sorgte Veroeven mit „Turks Fruit“ („Türkische Früchte“) für Aufsehen. Die Geschichte einer leidenschaftlichen amour fou, wurde als bester ausländischer Film für den Oskar nominiert und gilt als Kultfilm der sexuellen Revolution. 1975 folgte das Melodram „Das Mädchen Keetje Tippel“, 1978 das Wiederstandsdrama „Soldat van Oranje“. Weil er in seinem Film „Spletters“ (1980) zeigt, wie ein Mann vergewaltigt wird, wurde er der Pornographie bezichtigt. Sein Psychothriller „Der vierte Mann“ (1984) über die erotischen und religiösen Obsessionen eines homosexuellen Schriftstellers errang zahlreiche Preise auf internationalen Festivals, war aber zugleich Verhoevens letzter Film, den er in den Niederlanden realisierte.

1985 verließ Verhoeven seine Heimat und ging in die USA. Hier inszenierte er zunächst eine Folge der Fernseh-Horror-Serie „Hitschhiker“, bevor er 1985 seinen ersten Hollywoodfilm mit dem für seine Arbeit Gewisserweise programmatischen Titel „Flesh and Blood“ vorlegte. 1987 kam sein futuristischer Action-Film „Robo Cop“ in die Kinos, eine scharfe Satire auf die amerikanische Gesellschaft, die das Law and Order Prinzip auf eine absurde Spitze trieb. Er zeigt eine künftige Welt, in der Kriminalität solche Ausmaße angenommen hat, dass sie nur mit noch viel größerer Brutalität bekämpft werden kann. Auch Verhoevens nächster Film „Total Recall“(1990) mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle spielt in der Zukunft. Im 21. Jahrhundert wird der Bauarbeiter Donald Quaid von bösen Alpträumen an sein früheres Leben auf dem Mars geplagt. Die Kritik reagierte negativ auf diesen Film – zu bombastisch, zu gewalttätig und inhaltsleer, doch in den Kinos wurde er ein Kassenschlager, der Paul Verhoeven in die Liste der zehn mächtigsten Hollywood-Regisseure aufsteigen ließ. Genau wie „Robo Cop“ brachte ihm außerdem auch „Total Recall“ eine Oscar-Nominierung für die beste Regie.

Zusammen mit seinem späteren Film „Starship Troopers“ (1997) bilden sie eine Art antiutopische Trilogie in der Verhoeven seine Individuen mit totalitären Machtapparaten konfrontiert, doch während der Cyborg-Cop Murphy und der Geheimagent Quaid/Hauser die Funktionäre des Systems vernichten können, stehen die jungen MIs tatsächlich im Dienste dieses Regimes, dass am Ende den Sieg davon trägt. Alle drei Filme zeigen die Protagonisten u.a. als Menschen verachtende Raubtiere, zielgerichtete Insektenwesen, die der alltäglichen Destruktion allenfalls mit einer zynischen Bemerkung begegnen. (vgl. Koebner S.470f)

Mit dem Erotikthriller „Basic Instinkt“ zog Verhoeven die Grenzen für die Darstellung von Sex in Hollywood Filmen neu. Es folgte 1995 „Showgirls“

1997 kam dann mit „Starship Troopers“ erneut ein höchst umstrittener Film in die Kinos.

Sein bisher letzter Film „Hollow Man“ kam 2000 in die Kinos. (vgl. Paul Verhoeven, wdr)

4. Der Film

4.1. Die Kritiken

„ ...teuerster Trashfilm des Jahres...“ (Filmzentrale)

„ ...brutal, ekelig, laut und inhaltsleer...“ (Filmfacts)

„ ...ein Film für Betonköpfe, Infojunkies, Barbiepuppenmenschen und alle andere, die gerne ein wenig lachen möchten, wo es kaum mehr was zu lachen gibt.“ (Heise)

„ ...kein Film wurde je so missverstanden...“ (Sensoview)

„ ...Starship Troopers wird in die Geschichte eingehen als anschauliches Fallbeispiel des Drehbuchloches “ (Snafu)

„ ...grandioser Antikriegsfilm.“ (Moviebazar)

Ich denke schon diese kurzen Ausschnitte machen deutlich wie verschieden die Reaktionen auf diesen Film waren, denn unterschiedlicher können Kritiken wohl kaum sein.

Genau wie an dem Buch von Heinlein scheiden sich auch hier die Geister.

Es gab Kritiker, die Verhoeven vorwarfen, er verherrliche in diesem Film den Faschismus und den Krieg, es gehe zu wie in Landser-Heften. Seine Darsteller werden mit Barbie und Ken verglichen, die Serien wie “Beverly Hills“ entsprungen seien, genauso wurde sein Film aber auch als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft und hochintelligent bezeichnet.

Was an diesen Vorwürfen dran ist, ob einige diese angeblichen Schwächen nicht einen bestimmten Zweck erfüllen und wohl beabsichtigt sind, welche Rolle Gewalt, Ironie und der imaginäre Fernsehsender “Fed Net“ spielen, soll in den weiteren Kapiteln näher behandelt werden.

4.2. Die Story

Die Erde in der Zukunft: Die Feinde sind nicht mehr die Nationen untereinander, sondern die “Bugs“, riesige Insekten die in einem Planetensystem weit entfernt in der Milchstrasse leben. Durch gezielte Attacken mit Asteroiden können sie schwere Verwüstungen auf der Erde verursachen. Die Bugs konnten im ersten Bug-Krieg zurückgeschlagen werden, seitdem sind sie sogar ein Teil des täglichen Schulunterrichts geworden.

Johnny Rico, Dizzy Flores, Carmen Ibanez und Carl Jenkins gehen alle nach ihrem High School Abschluss zum Militär, Johnny aber mehr aus dem Grunde, um seiner Freundin Carmen zu imponieren, die mit Begeisterung eine Pilotenlaufbahn anstrebt. Er und Dizzy werden der Mobilen Infanterie zugeteilt und kommen in die Grundausbildung, wo sie die ganze Härte des Militärs kennen lernen. Während dieser Zeit kommt die Nachricht, das Buenos Aires, ihre Heimatstadt, durch einen Bug-Asteroiden vollständig zerstört wurde.

Die ganze Einheit wird losgeschickt zu einem Großangriff auf den Heimatplaneten der Bugs - Klendathu. Die Regierung stellt sich die Entscheidungsschlacht auf diesem Planeten als leichten Spaziergang vor, doch die Invasion wird auf sehr blutige Weise gestoppt – abertausende Soldaten sterben, auch Rico wird lebensgefährlich verletzt. Nach seiner Genesung wird er seinem alten Lehrer Lt. Rasczak zu geteilt.

Ein Planet nach dem anderen wird nun „gesäubert“ und nach einem „Brain-Bug“ abgesucht, der laut Vermutungen der neuen Militärregierung irgendwo existieren soll.

Der Beweis für die Existenz eines solchen „Brain-Bug“, dieses intelligenten Insekts, ist schnell gefunden, als Johnny und seine Kameraden in einen von den Bugs geplanten Hinterhalt geraten, bei dem nur wenige überleben.

Kurz darauf wird dieser „Brain-Bug“ bei einer Rettungsaktion von Rico, mittlerweile Lieutenant, der einen Hilferuf von Carmen erhält und ihr zu Hilfe eilt, auch gefunden.

Der „Brain-Bug“ und damit die Intelligenz der Bugs kann nun erforscht werden um sie in Zukunft besser bekämpfen und ganz vernichten zu können. (vgl. Szontagh,Henkelmann)

Ich möchte an dieser Stelle einige Hintergrundinformationen aus dem Buch bezüglich des Regierungssystems anfügen, welche die generelle Einstellung der Bevölkerung zum Militär und seine Bedeutung in ihrer Geschichte verständlicher machen. Leider werden bestimmte Aspekte im Film nicht ganz so deutlich, jedenfalls nicht in der deutschen Übersetzung. Einige Andeutungen findet man im englischen Original.

(Siehe im Kapitel: 4.4. Das Verhältnis zum Feind)

Im späten 20.Jahrundert gab es einen Zusammenbruch des bis dahin existierenden demokratischen Systems. Gründe dafür waren die Undiszipliniertheit der Menschen, ihre Selbstsucht und Egoismus in einer uneingeschränkten Demokratie. All das verursachte einen moralischen Kollaps, der im Terror, unkontrollierbarer Kriminalität und Sittenverfall endete, nicht nur in Nord-Amerika, sondern auch in Russland und Großbritannien.

Eine Wende brachte dann 1987 die „Neue Nationale Regierung im Kollaps“, die ausschließlich aus Veteranen des Krieges der Russisch -Anglo-Amerikanischen Allianz gegen die Chinesische Hegemonie bestand und festlegte, dass nur noch Veteranen das volle Bürger- und Wahlrecht erhalten.

Diese Regierungsform ist immer noch aktuell bis zu jenem Zeitpunkt an dem die Geschichte von Starship Troopers spielt und wird als, die am besten funktionierenste und fortschrittlichste in der Geschichte angesehen.

Begründet wird dies in Buch und Film immer wieder dadurch, dass nur ein Soldat sich der moralischen Verantwortung für sein Volk bewusst sein kann und damit erst zum vollständigen Bürger wird, womit er auch erst Anspruch auf das Wahlrecht hat.

„Der Unterschied zeigt sich auf dem Gebiet der staatsbürgerlichen Tugend. Ein Soldat übernimmt persönliche Verantwortung für die Sicherheit einer politischen Gemeinschaft, zu der er gehört, und wird sie nötigenfalls sogar mit dem Preis seines Lebens verteidigen. Der Zivilist tut so etwas nicht.“ (Heinlein Seite 33; Das Zitat wurde fast wörtlich im Film übernommen - siehe 0:04:13)

Zum Zeitpunkt, in der die Geschichte beginnt verzichtet der Großteil (zumindest auf der Erde) auf sein volles Bürger- und Wahlrecht, entweder aus Pazifismus, Faulheit oder Desinteresse. Letztere verschreiben sich meist der Wirtschaft.

4.3. Darstellung und Rolle der Frau

Der Film behandelt u.a. ein ganz aktuelles Thema, nämlich wie sieht zukünftig die Rolle der Frau in Militär und Krieg aus. Gerade für Deutschland ist dieses Thema relevant, da hier den Frauen noch gar nicht so lange alle Abteilungen der Bundeswehr offen stehen.

Aber noch eine weitere recht aktuelle Entwicklung spielt hier in die Darstellung der Frau mit hinein, der Wandel des utopischen Feminismus ( Die Welt muss weiblicher und damit besser werden) hin zu einem neoliberalen Feminismus (Frauen können alles, was Männer auch können, wenn sie sich nur die Hemmungen abtrainieren).

In diesem Film gibt es nicht die schreiende Frau, das staunende Kind und den tatkräftigen Mann, die den Bugs gegenüberstehen, sondern es ist eine Kampfeinheit bestehend aus jungen, durchtrainierten Körpern beiderlei Geschlechts.

Das Schöne an diesem Team besteht darin, dass Frauen, die beweisen, dass sie alles mindestens genauso gut können wie Männer, deswegen nicht ihre Weiblichkeit in Frage stellen lassen müssen und dass diese Gleichbehandlung auch nicht ausschließt, sich ineinander zu verlieben.

Das Schlechte daran ist, dass Kraft, Leidensfähigkeit, Panzerung des Körpers und bedingungsloser Einsatz zu den einzigen Aufnahmekriterien werden. Frauen sind von post- patriachalen Männerbünden nicht mehr ausgenommen, wohl aber alles, was nach Schwäche, Zweifel oder Mitleid aussieht.

Der klassische Kriegsfilm, auch wenn er sich im Genre des Westerns oder der Science-Fiction abspielte, lebte davon, dass die Frau von der kriegerischen Männerwelt als Wesen ferngehalten aber ins Bild integriert wurde, sie war da um die Wunden von Körper und Seele zu heilen.

Die bewaffnete Frau scheint ein Schreckensbild zu sein, dass es nur beim Feind gibt, eine Phantasie, eine Amazone die entwaffnet wird oder zumindest eine halbwegs komische Figur.

Eine weitere Funktion der Frau im klassischen Kriegsfilm war die „zivilisierende“.

Sie war Ärztin oder Krankenschwester, die heilen musste, was die Zerstörungswut der Männer angerichtet hatte.

In diesem Film ist nun auch das Militär weiblich besetzt. Die Mythologie des Männerbundes, Thema der meisten Kriegsfilme, wird hier in Frage gestellt, bzw. geschlechterübergreifend angepasst. Im Genre des Kriegsfilms dient das Militär aber auch als Integrationsmittel. Arm - reich, schwarz - weiß und jetzt auch männlich und weiblich alle werden vor dem Ausbilder gleich.

Am deutlichsten wird dies bei der Duschszene im Ausbildungscamp (0:28:00). Die Soldatinnen sind es gewohnt zusammen zu duschen und sich über völlig neutrale Themen zu unterhalten, nämlich darüber warum sie eigentlich beim Militär sind. Es gibt keinerlei erotische Anspielungen, Hemmungen oder Schamgefühl bezüglich der Nacktheit, dem anderen Geschlecht gegenüber.

Der militarisierte Frauenkörper mag durchaus noch sexy sein, aber er hat keine Blöße mehr.

Liebe ist in diesem Männer-Frauenbund durchaus möglich, wie man an Dizzy und Jonny sieht, aber sie hat nach Seeßlen das homoerotische Element des Männerbundes geerbt.

Eine Sache macht diese Gleichberechtigung im Militär aber auch deutlich – für die Kanonen bzw. hier die Bugs ist es völlig egal ob ihr „Futter“ männlich oder weiblich ist.

(vgl. Seeßlen)

Dizzy ist diejenige weibliche Hauptdarstellerin, die absolut diesem „neuen“ Frauentyp entspricht. Sie ist taff, durchsetzungsstark und zeigt schon am Anfang beim „Footballspiel“, dass sie keinerlei Nachteile in punkto Stärke und Sportlichkeit gegenüber den Männern hat (0:10:55), auch bei ihrer Ankunft bei Jonnys Gruppe der Infanterie wird es noch mal deutlich, wenn sie die Herausforderung des Ausbilders annimmt (0:24:34) .

Es gibt jedoch auch noch Carmen. Sie verkörpert zwar nicht gerade das klassische Frauenbild, zeigt aber noch Züge davon. So zeigt sie z. B. eindeutig Schwäche als sie beim sezieren des Bugs in der Schulstunde anfängt sich zu erbrechen. (0:07:18)

Auch geht sie zwar zum Militär aber als Pilotin, damit ist sie nicht direkt in die Kämpfe verwickelt wird, wie die Soldaten in der Infanterie.

Auch verabscheut sie im Gegensatz zu Dizzy direkte Gewalt, wie an der Prügelszene zwischen Jonny und Zander deutlich wird (0:54:30).

Obwohl sie als draufgängerische Pilotin gezeigt wird wirkt sie im Gegensatz zu Dizzy doch eher ruhig und in ihrer Ausdrucksweise zurückhaltender – Eigenschaften, die man eher dem klassischen Frauenbild zuordnet.

Ich möchte mit dieser Beschreibung der Charaktere von Dizzy und Carmen nur bewusst machen, dass das Auftreten dieses „neuen“ Frauentyps die Existenz des noch ein wenig klassischen Typs nicht ausschließt, sondern dass sie beide gleichberechtigt als „Heldenfiguren“ nebeneinander existieren.

Verhoeven geht mit der völligen Gleichberechtigung der Frau auch im Bereich des Militärs und diesem „neuen“ Frauentypus einen Schritt weiter als Heinlein in seinem Buch und gibt ihm damit auch mehr Aktualität.

Bei Heinlein sind zwar auch beide Geschlechter gleichberechtigt und können zum Militär gehen, aber in seiner Beschreibung von Jonnnys Truppe der Mobilen Infanterie gibt es keinerlei Frauen – Dizzy ist im Buch ein Mann und dementsprechend gibt es auch keine Liebesbeziehung zwischen Dizzy und Jonny.

Frauen werden hier in erster Linie als die besseren Piloten beschrieben, da sie angeblich in Krisensituationen ausgeglichener bleiben und schneller und intuitiver reagieren. (vgl Heinlein Seite 10)Hier werden also die Geschlechter nicht angeglichen oder auch gleichgemacht, sondern ihre speziellen Vorteile hervorgehoben und gefördert: Die größere körperliche Kraft bei den Männern (Infanterie) – die Intuition und Ausgeglichenheit bei den Frauen (Piloten).

Die Raumschiffe sind auch hier genau wie im Film keine richtigen Kriegsschiffe, sondern ausschließlich Transportmittel für die Infanterie und damit sind auch hier die Pilotinnen nur indirekt an einer Schlacht beteiligt.

Generell spielt die Frau als solche in Heinleins Buch aber eine absolute Nebenrolle.

4.4. Das Verhältnis zum Feind – Die Bugs

„Nur ein toter Bug ist ein guter Bug!“

(0:50:45)

Wer ist der eigentliche Aggressor in diesem Film? Die Bugs oder die Menschen?

Eine Frage, die man leider nur beantworten kann, wenn man den Film im Original gesehen hat, da in der deutschen Übersetzung einer Szene ein völlig anderer Inhalt gegeben wurde.

Im Bezug auf die Frage nach dem Aggressor und auch auf das Verhältnis der Menschen zu den Bugs und den betreffenden Wandel, der sich in diesem Film vollzieht, wirkt diese Änderung aber eher irritierend und auch ein wenig unlogisch. Es mag für diese Änderung Gründe gegeben haben, aber darauf werde ich in einem späteren Kapitel eingehen.

Es ist schon gleich die erste Szene in der die Bugs erwähnt werden - die Schulstunde. Hierbei handelt es sich um eine Unterrichtsstunde in Geschichte und Moralphilosophie, leider wird das im Film nicht deutlich benannt und ich kann es nur als Hintergrundwissen aus dem Buch anfügen.

0:03:44 OV: Dizzy:"Uh, my mother always said, violence never solves anything."

Rasczak:"Really? I wonder what the city fathers of Hiroshima would say about that. You."

Carmen:"They probably wouldn't say anything. Hiroshima was destroyed."

Rasczak:"Correct. Naked force has resolved more issues throughout history, than any other factor. The contrary opinion, that violence never solves anything, is wishful thinking at its worst. People who forget that always pay."

(Übersetzung: Dizzy:"Äh, meine Mutter sagt, dass Gewalt nie etwas lösen kann. Rasczak:"Wirklich? Ich frage mich, was die Stadtväter von Hiroshima dazu sagen würden. Sie."

Carmen:"Die würden wahrscheinlich gar nichts dazu sagen. Hiroshima wurde vernichtet."

Rasczak:"Korrekt. Nackte Gewalt hat mehr Angelegenheiten in der Geschichte gelöst, wie kein anderer Faktor. Die Gegenteilige Meinung, dass Gewalt niemals etwas lösen kann, ist reines Wunschdenken. Menschen, die das vergessen, werden immer dafür bezahlen.")

DV: Dizzy:"Äh, meine Mutter sagt, dass Gewalt nie etwas lösen kann."Rasczak:"Wirklich? Möchte zu gerne wissen, was die Bürger von Washington dazu sagen würden? Sie."

Carmen:"Die würden wahrscheinlich gar nichts dazu sagen. Washington wurde im ersten Bugkrieg zerstört."

Rasczak:"Sehr richtig. Mit bedingungsloser Gewalt wurden damals die Bugs zurückgeschlagen und die Menschheit gerettet. Und mit der Einstellung, dass Gewalt niemals etwas lösen kann, kommt man nicht weit! Reines Wunschdenken! Menschen, die das vergessen, werden immer dafür bezahlen."

imposed the stability that has lasted for generations since."

Ich möchte den doch recht brisanten Inhalt dieses Gespräches im englischen Original an dieser Stelle außen vor lassen, da ich mich an späterer Stelle noch damit beschäftigen werde.

Für die Beziehung zu den Bugs und die Frage nach dem eigentlichen Aggressor ist dieser Dialog jedoch ebenfalls von Bedeutung.

Fakt ist, es wird kein erster Bug-Krieg erwähnt und auch die nächsten Szenen deuten alle darauf hin, dass die Bugs vorher als Kriegsgegner niemals in Erscheinung getreten sind. Sie sind zwar bekannt jedoch einfach als riesiges Ungeziefer auf fremden Planeten - nicht mehr und nicht weniger.

Deutlich wird dies in einer weiteren Schulstunde, wohl Biologie, in der Jonny und Carmen gemeinsam einen Bug sezieren.

Jonny macht hier eine, wie ich finde, recht aufschlussreiche Bemerkung: „Stell dich nicht so an! Es ist doch nur ein Bug!“ (0:06:35)

Er hegt hier keinerlei Abscheu oder gar Hass gegen die Bugs, sie sind neutral. Die Lehrerin, die hier genau wie der andere Lehrer - Rasczaks zu den Veteranen zählt, bringt ihnen sogar Respekt und auch Bewunderung entgegen, wenn sie sagt:

„Wir Menschen betrachten uns nur allzu gern als Krone der Schöpfung, aber ich fürchte das ist nicht die ganze Wahrheit. Der Afrikanische Sandkäfer ist uns in vieler Hinsicht überlegen und äußerst fruchtbar. Er hat kein Ego und kennt keine Angst und weiß nichts vom Tod“ Sieht so nicht ein perfekter Soldat aus? Oder wenn sie sagt:

“ Nehmen sie sich ein Beispiel an den Arachnioden. Diese hochentwickelte Insektenpopulation ist bemerkenswert. Nach menschlichen Maßstäben kann man sie nur als dumm bezeichnen aber sie haben sich über Millionen von Jahren ständig weiter entwickelt und nun sind sie in der Lage neue Planeten zu bevölkern, in dem sie ihre Sporen ins All schleudern.“ (0:06:44)

Ich glaube nicht, dass sie als Veteran so anerkennend von den Bugs sprechen würde, hätte es vorher einen Krieg mit ihnen gegeben.

Dass die Bugs gefährlich werden können, wenn man in ihr Gebiet eindringt, ist bekannt, was an dem Spot von Fed Net deutlich gemacht wird, wenn dieser über die abgeschlachtete Mormonenkolonie im Qarantänegürtel berichtet. (0:22:27)

Aber zu diesem Zeitpunkt sind die Bugs immer noch einfach riesige Ungeziefer, die erst dann gefährlich werden, wenn man ihnen zu nahe kommt.

Im Umkehrschluss bedeutet dieser Bericht und die Sezierstunde aber noch etwas anderes. Die Menschen sind offensichtlich in von Bugs besiedeltes Gebiet eingedrungen, haben sie entführt und eingesperrt (0:22:17) und sie bedenkenlos und ohne Grund zu Forschungszwecken getötet. (Sezierstunde)

Damit ist der eigentliche Aggressor schon gefunden. Bestätigt wird dieses im Film durch die Szene auf dem Transporter vor dem Angriff auf Klendathu. (0:52:06)

Hier gibt der Reporter die Vermutung einiger Menschen wieder, die genau dies als Grund für den Angriff auf die Erde ansehen und eine friedliche und aussöhnende Politik befürworten.

Dieser Gedankengang wird aber sofort von Jonny unterbrochen, der wütend dazwischen fährt und auch vom Reporter eher ironisch, abwertend vorgetragen, da dieser Gedankengang ja eine gewisse Intelligenz der Bugs voraussetzten würde.

Erst jetzt nach dem Angriff der Bugs entwickeln die Menschen Wut und Hass auf sie.

„Nur ein toter Bug ist ein guter Bug!“ (s.o.)

Doch sie haben noch immer nicht den Status von wirklichen Gegnern, sie sind jetzt lästige Insekten, die vernichtet werden müssen um die Sicherheit zu garantieren. (0:01:10)

Ähnlich einem Wespennest, das man entfernt, damit niemand gestochen wird. Die Infanterie hat hier die Funktion eines riesigen Kammerjägers. Das drückt sich auch bei der Stimmung an Bord des Sternenkreuzers aus. Es herrscht Aufbruchstimmung, endlich einmal kämpfen zu können aber nicht mit einem ebenbürtigen Gegner, sondern bei einem „Spaziergang“ .

Die Überschrift dieser besagten Live-Sendung trägt den Titel (“ Countdown to Victory“) (0:51:52)

Wirkliche Skrupel eine ganze Spezies zu vernichten gibt es nicht. Aber das ist sogar nachvollziehbar – haben wir Skrupel ein Wespennest zu vernichten, wenn es unsere Gesundheit oder gar unser Leben bedroht? Selbst bei uns würde der Tierschutz dabei nicht eingreifen und in den Augen der Menschen sind die Bugs immer noch nichts anders als überdimensionale Insekten, die eine große Gefahr für das Leben tausender von Menschen darstellen.

Erst nach der Misere auf Klendathu kommen die Arachnoiden in die Kategorie eines ernst zu nehmenden Gegners, der nicht nur bekämpft, sondern vernichtet und ausgelöscht werden muss.

Und auch wir würden wahrscheinlich jetzt erst wirkliche moralisch Skrupel bekommen, denn auch erst jetzt kommt die Vermutung auf, dass die Bugs intelligent sein könnten. (1:04:55 Fernsehdiskussion)

Das Bedenkliche in diesem Film ist eigentlich, dass es in dieser Situation keinerlei moralische Bedenken gibt, aber was will man von einer Gesellschaft erwarten, die ihre politische Struktur darauf aufbaut, dass Gewalt immer eine Lösung ist?

Wirklich fatal fällt dieses moralische Problem auf, als es sich als bewiesen herausstellt, dass die Bugs den Menschen in der Intelligenz ebenbürtig sind. „Sie sind wie wir!“ ( 1:24:38 Hinterhalt der Bugs)

Diese Erkenntnis, die eigentlich auf das Gewissen eines jeden Menschen aufrüttelnd wirken sollte, wird jedoch vorgebracht von einem feigen Offizier, der sich versteckt hat, anstatt zu kämpfen. In dieser Gesellschaft eine Todsünde, die ihn damit jegliche Glaubwürdigkeit enthebt. Und somit bleibt sein Einwand, ja seine Erkenntnis völlig unbeachtet.

Den Höhepunkt dieser moralischen Katastrophe bildet aber dann die Szene, nach der Gefangennahme des Brain-Bugs, als Carl die Gefühle desselben wahrnimmt. (1:51:45)

Es ist Angst – Angst vor den Menschen und ihrer Brutalität, die in den Augen eines intelligenten Wesens jeder Logik entbehren muss. - „Eines Tages wird jemand wie ich kommen und dich töten und deine verdammte Rasse!“ (1:47:24 OV)

Die Reaktion der Menschen darauf ist Jubel. Freude darüber, den Feind in Angst und Schrecken versetzt zu haben – Sie sind die Sieger.

Die Szene im Labor, in dem der Bug dann erforscht wird, bestätigt dann nur noch einmal mehr diese moralische Katastrophe. Diesem Wesen wird nicht der Funke von Mitgefühl oder gar „Menschlichkeit“ gegenüber gebracht, obwohl man von seiner Empfindungs- und daher auch Leidensfähigkeit weiß.

Solch eine unmenschliche Skrupellosigkeit gegenüber einem anderen, intelligenten Wesen und gar einer ganzen „Rasse“ gab es auch in unserer Vergangenheit schon einmal, im 3.Reich und in diesem Zusammenhang ist das Verhältnis der Menschen zu den Bugs meiner Ansicht nach auch zu deuten, zu verstehen.

Dass diese Parallele kein Einzelfall ist, sondern sich durch den ganzen Film zieht, soll im nächsten Kapitel näher erläutert werden.

4.5. Parallelen zu den USA und zum 3. Reich

„... bemerkenswerte Ähnlichkeit mit BdM-Mädels und HJ-Jungen...“ (Die Zeit) „...brachiale Karikatur der amerikanischen Militär- und Waffenkultur,...“ (Bleyenberg) „... in seiner Rhetorik und seinen Symbolen reichlich faschistoid.“ (Heise)

Beim Lesen der diversen Kritiken und Bewertungen dieses Films ist eines auffällig – fast jeder Schreiber geht auf die diversen Anspielungen in Verhoevens Film ein, sie werden aber entweder als Anspielungen auf das 3. Reich oder als Kritik an der amerikanischen Gesellschaft gewertet. Als Beispiel werden größtenteils aber die selben Szenen gegeben.

Der imaginäre Sender “Fed Net“ ist eines dieser Beispiele. Aber auch an den weiteren, folgenden wird deutlich, dass beides richtig ist.

Bei dem Live-Bericht von der Front (Invasion - 0:01:30 und 0:52:06) wird die Anspielung eigentlich schon Karikatur, des Trends im aktuellen Fernsehen zu immer reißerischen Berichten und Sendungen, zur Gaffer- Mentalität - ( Der Reporter wird „ Live“ vor der Kamera zerfetzt, sein Kollege filmt fleißig weiter )- und damit auch zu immer weniger Tabus im Fernsehen deutlich.

Genau in die gleiche Richtung geht eine weitere Anspielung, die Ankündigung auf die Live-Übertragung einer Hinrichtung (0:21:45).

Live-Berichte von Verfolgungsjagden der Polizei gibt es bereits in den USA - wie groß ist der Schritt noch zu einer Live-Exekution? Live Urteile gibt es ja auch schon. Wie weit wird der Trend zu immer mehr Reality – Tv noch gehen?

Die sich ständig wiederholende Frage „Möchten sie mehr Wissen?“ „Do you want to know more?“ nach den Spots kann man ebenfalls in diese Richtung deuten. Als Anspielung auf unser Bedürfnis immer alles wissen zu wollen, ohne Rücksicht auf Privatsphäre und Tabus, aber vielleicht auch auf unsere Informationsgesellschaft.

Der Sender „Fed Net“ zeigt aber genauso eindeutige Parallelen zu den Propaganda Filmen im 3.Reich.

Sehr deutlich wird dies in dem Spot: „Do Your Part !“ (0:51:36)

„Auch unsere Jüngsten beteiligen sich! Und Sie? Wir brauchen ihre Mithilfe: Am Arbeitsplatz, Zuhause, in der Gemeinde!“

Mir persönlich kamen an dieser Stelle aufgrund der Wortwahl recht schnell Assoziationen zu Propagandafilmen des 3. Reiches, welche die Mobilmachung der Volksgemeinschaft zum Inhalt hatten.

Auch das Zeichen von „Fed Net“ lässt gewisse Assoziationen zu, so wurde es in der Kritik von Giesen als Kreuzung aus Reichsadler und Hakenkreuz bezeichnet.

In dem Spot : „Join up now!“ (0:00:35) kann man sowohl zu den USA als auch dem 3. Reich Parallelen ziehen:

„Überall auf der Welt verpflichten sich junge Menschen um für die Zukunft zu kämpfen.“

„Ich leiste meinen Beitrag!“...

„Treten auch sie der Mobilen Infanterie bei und kämpfen sie für die Zukunft!“

Im engl. Wird es noch deutlicher, wenn es heißt:

...„Treten sie der Mobilen Infanterie bei und Retten sie die Welt!“

Aktive Mobilmachung und die Aufforderung seinen Beitrag (zur Volksgemeinschaft) zu leisten erinnern wieder an Propagandafilme des 3. Reiches, aber die Begründung: „Und retten sie die Welt!“ lösen (jedenfalls bei mir) sofort Assoziationen mit den USA aus. Vielleicht auch, weil die Welt in (fast)jedem Science-Fiction Film von Amerikanern gerettet wird, was ja auch kein Wunder ist, bei einem sehr vom amerikanischen geprägten Genre.

Mir kommen aber auch Gedanken an Sprüche vom amerikanischen Präsidenten, dass die Welt von der „Achse des Bösen“ befreit werden muss, und die Auffassung der USA von sich selbst als Weltpolizei.

Verhoeven versetzt in der Schulstunde, (Siehe auch im Kapitel das Verhältnis zum Feind) der Außenpolitik der USA einen ziemlichen Seitenhieb, in dem er Hiroshima als Begründung dafür anführt, dass „nackte Gewalt in der Geschichte mehr Probleme gelöst hat als jeder andere Faktor“(0:03:44) . Dass die USA immer noch dazu neigen, Probleme mit Gewalt bzw. Militär zu lösen, auch ganz aktuell zur Dreh- und Spielzeit des Films “Starship Trooper“ kann man anhand von Anhang I erkennen, hier sind alle Militäreinsätze und Kriege der USA nur von 1996-1998 aufgeführt.

Nicht zu unrecht wird in diversen Kritiken behauptet, man könnte im ersten Augenblick meinen man hätte “Beverly Hills“ oder “Melrose Place“ eingeschaltet und würde vom Barbie Lächeln der Schauspieler fast erschlagen.

Die Welt hat Bonbon Farben und alle sind glücklich. Alle sind gesund, sportlich, gebildet und gleichberechtigt und die Eltern sorgen sich um ihre Kinder – so wie wir es aus den typischen amerikanischen Vorabendserien kennen. Der Beginn der Geschichte spielt aber nicht in den USA, sondern in Buenos Aires, was einem erst bewusst wird als die Stadt namentlich benannt wird und insofern beruhen unsere Assoziationen allein auf dem Spiel von Verhoeven mit unseren Sehgewohnheiten und „Vorurteilen“ bezüglich dem, was „typisch amerikanisch“ ist.

Nach Seeßlen erinnern all diese jungen und gesunden Teenager aber auch an BdM –Mädels und HJ – Jungen.

Dies liegt wahrscheinlich nicht zuletzt an ihrer Begeisterung fürs Militär und dem Wunsch ihren Beitrag zu leisten.

Wem eine solche Begeisterung für den Krieg trotzdem als weit hergeholt und unglaubwürdig erscheint, der sollte daran denken, dass die Lehrer in dieser Gesellschaft, die Pädagogen (jedenfalls alle, die uns vorgestellt werden) Veteranen sind und dass Werte wie „Gewalt ist immer eine Lösung“ in den Schulstunden vermittelt werden.

Nach dem Eid, hört man dann die Begrüßung aus dem Lautsprecher: “Willkommen beim Abenteuer Föderationsdienst“(OV 0:18:40)“Willkommen beim Föderationsdienst“(DV) Der Kriegsdienst als Abenteuer?

In dieser Gesellschaft werden schon die Kinder und Jugendlichen in ihrer Einstellung zu Krieg und Militär geprägt – wieder eine Parallele zum 3. Reich. Man denke an Filme wie „Die Brücke“ in der genau diese Problematik behandelt wird.

Es gibt aber noch eine weitere kurze Szene, die mich an “Die Brücke“ erinnert hat. Das ist, wenn Johnny die Bemerkung macht: „Das sind ja alles noch Kinder!“ (1:37:40)

Die Begrüßung im Ausbildungscamp der Mobilen Infanterie durch Drill Sergeant Zim (0:22:50),eigentlich fast die ganze Zeit der Grundausbildung, könnte dann wörtlich aus fast jedem Army-Film übernommen worden sein.

Sie zeiget dann wieder die gewohnten amerikanischen Themen wie Gruppenzusammenhalt und -dynamik, Ehre, die Ausbilder-Rekrut Beziehung und im weiteren Film dann die idealisierte Beziehung zwischen Soldat und Vorgesetztem, die dann auch in das bekannte Ideal von „Niemand wird zurückgelassen“ mit hineinspielt. (1:08:45 „er hat mir das Leben gerettet!“) Dieser starke Gruppenzusammenhalt und der dahinterstehende Idealismus kann aber auch wieder in Bezug auf das 3.Reich gedeutet werden.

Was dann an der Darstellung des Militärs wieder eindeutig an das 3. Reich erinnert, ist die Uniform der Abteilung Forschung und Entwicklung, die Ähnlichkeit mit den Uniformen der Wehrmacht ist nicht zu übersehen, auch die öffentliche Erschießung eines Arachnoiden durch Carl in einem Spot von “Fed Net“ lässt wieder Assoziationen zu.(0:51:17)

Es gibt aber noch eine Szene die deutlich auf die damaligen Erschießungen anspielt. Bei der Säuberung einer der Bugplaneten werden die Bugs umzingelt, zusammengetrieben und auf einen Leichenhaufen zusammengeschossen. (1:13:04)

Es mag sein, dass es noch einige andere Szenen und Details gibt, die im Bezug auf die USA oder das 3. Reich interpretiert werden können, aber das sind nur weitere Belege für die eigentliche Provokation, die Verhoeven hier begangen hat.

Er hat die USA im gleichen Atemzug mit dem 3.Reich karikiert und damit in gewisser Weise auf eine Stufe gestellt.

Typische Amerikanismen können auch als Anspielung auf das 3. Reich gewertet werden, wenn das keine Provokation ist.

Man könnte die Parallelen auch als Warnung sehen, sich nicht in seinem Patriotismus und seiner Überzeugung davon „die Guten“ zu sein, zu einem Angriff auf „Unschuldige“ hinreißen zu lassen und nicht zu vergessen, dass nackte Gewalt niemals eine Lösung ist.

Dass diese Art von Gesellschaftskritik an den USA nur ein Europäer und nicht Deutscher wagen konnte, darin schließe ich mich der Meinung von Bleyenberg an.

Ich habe nach der Fertigstellung dieses Kapitels noch ein Zitat von Verhoeven über genau dieses Thema gefunden und möchte dieses noch anfügen, ich denke es steht für sich selbst. :

„Ich benutze ganz offensichtlich die Ästhetik von Leni Riefenstahl. Viele Einstellungen sind angeregt, beeinflusst oder inspiriert – wie immer sie es auch nennen wollen – von „Triumph des Willens“ ... In einigen Einstellungen zitiere ich auch die monumentale Architektur Albert Speers. Ich spiele in „Starship Troopers“ fortwährend auf Nazideutschland an. Der Film bezieht sich ständig auf die deutsche Geschichte, aber er handelt natürlich von Amerika. Es geht darum, wie krank ein Land ist, das seine Bürger aus idiotischen Gründen in andere Länder schickt und dort sterben lässt. “ (Paul Verhoeven, www.wdr.de)

4.6. Welche Rolle spielen schwarzer Humor, Ironie und Zynismus in diesem Film?

Schwarzer Humor : „Als solcher wird Humor bezeichnet, der besonders makaber oder grotesk ist. Oft spielen Verbrechen, Krankheit und Tod in unsinnigen oder paradoxen Bezügen unangemessen verharmlost und als normal dargestellt eine Rolle. Besonders gern werden aktuelle Katastrophen in schwarzem Humor verwendet.“ (www.adlexikon.de)

Ironie: „Die Ironie (griechisch - wörtlich die Verstellung) ist eine Äußerung, die oft – aber nicht zwingend – das Gegenteil des Gesagten meint, die mit scheinbarer Ernsthaftigkeit den gegnerischen Standpunkt ins Widersprüchliche zieht. Im Gegensatz zum Humor ist Ironie eher kritisch und nicht um Zustimmung bemüht.“ (de.wikipedia.org)

Zynismus: „Vielfach wird mit Zynismus auch eine Haltung bezeichnet, die moralische und menschliche Werte in Frage stellt, und sich darüber lustig macht.“ (www.adlexikon.de)

Das der Film eindeutig von schwarzem Humor, Ironie und Zynismus geprägt ist, möchte ich mit den folgenden Szenen belegen, die meines Erachtens am deutlichsten in diesen Punkten sind und im Anschluss auf den Sinn und Zweck des Ganzen eingehen.

Die Stunde für Geschichte und Moralphilosophie (0:03:02 – 0:04:42, siehe auch Abschnitt über Verhältnis zum Feind – OV Version) ist ein sehr deutliches Beispiel für Ironie.

Der Lehrer bringt hier den Kindern bei, das Gewalt immer eine Lösung ist, und nennt als Beispiel dafür auch noch die Vernichtung von Hiroshima. Das stimmt auf eine gewisse Art und Weise auch, denn mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima wurde der Kampf im Pazifik mit Japan beendet und somit ein „ Problem“ gelöst, doch die daraus resultierenden Folgen waren verheerend und darin liegt die Ironie der Aussage. Ganz abgesehen davon, das der Satz “Gewalt ist niemals eine Lösung“ zu den Grundsätzen unserer Moral gehört. (bzw. gehören sollte.)

Ein etwas verstecktes aber sehr treffendes Beispiel für Zynismus, ist die Hintergrundmusik auf dem Abschlussball. (0:15:40 und 0:17:01 Hierfür sollte man sich den Film mit Untertiteln anschauen.)

Der Text lautet folgendermaßen:

All is well

But I have not been to paradise

All is well

No I have not been to paradise

Watch the days go by …

All is well

Talk about ist

Watch the days go by

All is well

24th century dies …

Während des Abschlussballs, einer Szene, in der die heile Welt dieser Gesellschaft nicht deutlicher dargestellt werden kann, wird sie gleichzeitig in Frage gestellt und ihr Untergang angedeutet.

Zum schwarzen Humor oder zur Ironie, kann man dann die Szene bei der Einschreibung zählen (0:18:25), wenn der zuständige Soldat zu Johnny sagt: „Die Mobile Infanterie hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin!“ Und der Blick von Johnny und dem Zuschauer dann auf den künstlichen Arm und im Anschluß daran auf die Beinstümpfe fällt.

Hier noch einige Beispiele (Es befinden weitere Szenen mit kurzem Kommentar in Anhang II,):

Hier gibt es einen Spot von Fed Net, unter dem Titel: „A world that works!“ (0:21:35)

Soldat : „Eine Vollautomatische Morita. Wer möchte sie mal halten?“

Kinder : „Ich, ich!“

Sprecher: „Unsere Kinder – wir müssen sie schützen“

In der Originalversion heißt es:

Sprecher: "Die Regel des Bürgers: die Menschen schaffen eine bessere Zukunft."

Dazu teilen voll bewaffnete Soldaten Munition an die Kinder aus.

Eine Situation, die auf uns schizophren und unpassend wirkt, denn beide Aussagen stehen im Gegensatz zu unserem doch allgemeinen Wunsch nach einer friedlichen Zukunft ohne Kriege.

Was man als Ironie des Schicksals bezeichnen könnte ist folgende Szene, wenn von Sky Marshall Dienes in einem Fed Net Spot folgendes angekündigt wird (0:50:50):

„Wir müssen dieser Bedrohung unseren Mut, unser Blut und unser Leben entgegensetzten“ – genau das wird auch bei dem Angriff auf Klendathu geschehen.

Der nächste Satz macht dann wohl erst klar, was es mit der Offensive wirklich auf sich hat: „Sorgen wir dafür, dass die menschliche Zivilisation und nicht Insekten die unbestrittenen Herrscher dieser Galaxis sind und bleiben!“

In möchte an dieser Stelle etwas intensiver auf die übernatürlichen Fähigkeiten, die einige Menschen, wie z.B Carl zueigen sind eingehen. Das scheint im ersten Moment nichts mit Ironie zu tun zu haben, für die Rechtfertigung des Bug-Krieges und der Gewalt die den Bugs im Laufe des Films angetan wird ist diese Fähigkeit aber von “ironischer“ Bedeutung. Durch die Existenz dieser Fähigkeiten wird eigentlich deutlich, dass sich die Menschen in diesem Bereich im Vergleich zu unserer Zeit, biologisch gesehen, weiterentwickelt haben. Man könnte es auch so deuten, dass sie auf der Schwelle zu einer neuen Entwicklungsstufe stehen. Gleichzeitig haben sie sich aber in unseren Augen, gesellschaftlich gesehen, zurückentwickelt – Demokratie existiert nicht mehr, sondern eine militärische Staatsform und sogar die körperliche Züchtigung ist wieder gesellschaftsfähig. All das, was wir an unserer Gesellschaftsform für fortschrittlich erachten ist “Überwunden“. Statt dessen stützt sich diese Gesellschaft in großen Teilen auf das Prinzip, dass Gewalt das wirksamste Mittel ist um Probleme zu lösen. (Siehe auch Kapitel über Gewalt) Das eigentlich Ironische und Erschreckende ist nun, dass die Menschheit ihre neuen Fähigkeiten in keinster Weise einsetzt um mit den Bugs in Kontakt zu treten um mit ihnen friedlich zu kommunizieren. Dass sie theoretisch kommunizieren könnten, wird in der Szene deutlich, in der Carl die Gefühle des Brain-Bugs wahrnehmen kann, (1:51:45) und es grenzt an Zynismus, wenn behauptet wird, das Ziel wäre es, die Bugs zu verstehen (1:04:40) – die Folterung des Brain-Bugs würde gar keinen Sinn ergeben, wenn dieser Wunsch wirklich ernst gemeint wäre. Betrachtet man es genau, liegt in der Tatsache, dass die Menschheit zur Empathie/Telepathie fähig ist, das eigentlich moralisch Verwerfliche an diesem Krieg. Die Menschen sind nicht nur die eigentlichen Aggressoren, die aus Unkenntnis die Bugs als dumme große Insekten eingestuft haben, was man an mangelnder Möglichkeit zur Kommunikation noch nachvollziehen könnte, es stellt sich heraus, dass sie eigentlich hätten Kommunizieren können, es aber anscheinend nie versucht haben in ihrer Arroganz und in ihrer überzeugten Überlegenheit. Dieser ganze Krieg, die ganzen toten Bugs und Menschen waren niemals nötig. Die ganzen dramatischen Folgen des Krieges haben sich die Menschen, die gleichzeitig auf dem Weg zu einer höheren Entwicklungsstufe sind, selbst zuzuschreiben, und das nur, weil für sie Gewalt das effektivste Mittel ist um Probleme zu lösen.

Verstärkt werden, in diesem Film, Ironie und Zynismus nicht nur in den oben genannten Kapiteln und Szenen, sondern generell dadurch, dass man die allgemeine Umgebung in diesem Film, das Umfeld und die Darstellung der Menschen nur als kitschige, heile Welt bezeichnen kann. Kitschig deswegen, weil sie schon zu schön ist. Die Sonne scheint, alle Menschen sind jung, schön und gesund – mit Ausnahme der Veteranen, deren Behinderung immer deutlich gezeigt wird, die aber nie einen hilfebedürftigen, sondern immer einen sehr selbstbewussten Eindruck machen und eher Autorität ausstrahlen.

Auch die Farben der Kleidung und Umgebung unterstützen diesen Eindruck – in einigen Kritiken werden sie als Bonbon-Farben bezeichnet.

Die Inhalte der Dialoge und die dargestellte Umgebung stehen dementsprechend nach unserer Erwartungshaltung im Wiederspruch zueinander. (Siehe z. B. Waffen/ Kinder 0:21:35)

Die Kampfszenen bilden keine Ausnahme von diesem Prinzip. Auch sie finden ausschließlich im Sonnenschein statt mit sportlich, attraktiven Soldaten, die einigen Filmkritikern nach auch in solch einer Situation noch einen Modelwettbewerb gewinnen könnten.

Alles in diesem Film scheint ein Stück weit zu schön, zu typisch und zu ideal, um wahr zu sein - die Schule, das Ausbildungscamp e.t.c.

Für die Darstellung der Charaktere gilt dasselbe und so ist es nicht verwunderlich, dass sie mit Barbie und Ken verglichen werden und Verhoeven der Vorwurf gemacht wird, man könnte auch gleich „Beverly Hills“ oder „Melrose Place“ einschalten um solche Darsteller zu sehen.

Das stimmt sogar, denn einige der Schauspieler sind Darsteller in solchen Vorabendserien.

Diese Übertreibung und Typisierung, die ich hier beschrieben habe und die als Makel in den allermeisten Kritiken auftaucht hat aber einen bestimmten Effekt beim Zuschauer.

Ich kann mich mit dieser Welt und mit den Darstellern nicht identifizieren und habe auch nicht den Wunsch danach, denn alles erscheint unecht.

Vor allem die Darsteller sind flach – seelenlos, wie es in einigen Kritiken genannt wird, sie entsprechen zu sehr einem Klischee.

Dadurch kann ich aber die Ironie und den Zynismus in diesem Film erst wirklich wahrnehmen, denn ich kann mir diese Welt mit einem gewissen Abstand ansehen. Ich gebe meine Objektivität nicht in dem Maße auf, wie ich es vielleicht tun würde, wenn ich eine wirkliche Identifikationsfigur hätte.

Ich kann als Deutscher und als Amerikaner die Anspielungen wahrnehmen und trotzdem noch über die Situation schmunzeln, denn ich identifiziere mich ja nicht völlig damit und mit dieser Welt.

Genau darin liegt aber mit der Grund, warum dieser Film so kontrovers diskutiert wird, meiner Meinung nach. Einerseits werde ich durch die ganze Machart des Filmes in die Lage versetzt, viel von der Kritik und den Anspielungen wahrzunehmen die darin stecken und andererseits macht der Film nicht den Eindruck, als müsse man ihn wirklich ernst nehmen. Dazu leistet natürlich auch die Darstellung der Gewalt ihren Beitrag. Diese massive Darstellung von Gewalt kann man meiner Meinung nach erst mit Hilfe der Ironie und des schwarzen Humors als Zuschauer überhaupt ertragen.

4.7 Art der Darstellung von Gewalt und Brutalität und ihre Folgen

Gewalt: „ Im Sprachgebrauch ist der Begriff Gewalt sehr ambivalent. Gleichbedeutend können Macht (englisch power, lateinisch potentia) oder Herrschaft im legitimen Sinne verwendet werden. Die Vielfältigkeit von Gewalt kann am deutlichsten im Rahmen seiner möglichen Konnotationen Macht, Autorität und Zwang bestimmt werden.„ (de.wikipedia.org)

Brutalität: “Brutalität ist eine Einstellung oder ein Verhalten, das von Rücksichtslosigkeit, Grausamkeit und Gewalttätigkeit geprägt ist.„ (de.wikipedia.org)

Dass Gewalt und Brutalität in diesem Film eine sehr große, dominierende Rolle spielen, ist unübersehbar und nicht zuletzt der ausschlaggebende Punkt, warum dieser Film so kontrovers diskutiert wurde und sich Video und DVD auf der Liste der jugendgefährdenden Schriften befinden.

Wie eigentlich alles in diesem Film wird auch die Gewalt überdeutlich und übertrieben, also in gewisser weise typisiert dargestellt. Dass der Gewalt eine so große Rolle zufällt ist auch richtig für die Logik des Films, denn Dreh und Angelpunkt der Geschichte ist eine Gesellschaft, die auf dem Prinzip aufbaut, dass Gewalt die höchste Autorität ist, von der alle anderen Autoritäten abstammen und auf der ideellen Vorstellung, das Gewalt mehr Probleme in der Geschichte gelöst hat als jeder andere Faktor (0:03:44).

Wie dann das Leben in so einer Gesellschaft aussehen könnte wurde konsequent dargestellt, Das heißt aber auch, dass Gewalt nicht negativ besetzt ist sondern positiv bzw. neutral. Gewalt, auch körperliche Gewalt und ihre Folgen sind hier im Alltag allgegenwärtig. Deutlich wird dies am Beispiel der beiden Lehrer, die uns im Film vorgestellt werden. Rasczak der Lehrer für Moralphilosophie und Geschichte fehlt ein Arm und die Biologie ist offensichtlich blind, da vermutlich beide Veteranen sind, wohl aufgrund von kriegerischen Auseinandersetzungen. Dass auch körperliche Gewalt zum Alltag und zum normalen Umgang mit Regel- und Gesetzesverstößen gehört wird in den folgenden zwei Szenen deutlich:

Zum erstenmal wird dies im Streitgespräch von Johnny und seinem Vater erkennbar, als dieser ihm antwortet: „Ich würde lieber zehn Peitschenhiebe auf dem öffentlichen Platz bekommen, als mit anzusehen, wie du dein Leben ruinierst.“ (0:12:18) Leider wird dies nur in der Originalversion deutlich. Die Zweite Szene ist dann natürlich die öffentliche Auspeitschung von Johnny im Ausbildungscamp. (0:41:03)

Dass die Ausführung von Gewalt sogar mit Todesfolge ebenfalls zum Alltag in dieser Gesellschaft gehört und die Tabu- oder Toleranzgrenze nicht überschreitet, zeigt ein Spot von “Fed Net“, wenn hier die Live-Übertragung (s.o.)einer Hinrichtung angekündigt wird.

Es scheint sowieso in dieser Gesellschaft keine Tabus in bezug auf Gewalt und Gewaltdarstellung zu geben, so überlässt der Bericht von “Fed Net “ über die toten „extremistischen Mormonen“ (s.o.) nichts der Fantasie. Das gleiche gilt natürlich für die Live-Übertragung vom Angriff auf Klendathu, wo sogar der Reporter vor laufender Kamera getötet wird.(0:01:30) Aber Verluste gehören zum Krieg und dass Soldaten sterben oder verletzt werden gehört zur akzeptierten Normalität und in gewisser Weise sind sie auch dafür da. (1:15:05)

Was dann fast schon verwundert, nach soviel akzeptierter Gewaltdarstellung in dieser Gesellschaft, ist die Zensur in der Szene mit der Kuh (0:22:17) Man könnte sie als letzten Rest von Tabu in Bezug auf öffentliches Töten sehen, denn im Unterschied zum Mörder, der den Tod ihrer Auffassung nach ja verdient hat, den Mormonen, die ihn in gewisser Weise selbst verschuldet haben, dem Bug der im Fernsehen von Carl erschossen wird und den Feind darstellt und den Soldaten, die das allgegenwärtige Risiko freiwillig in Kauf nehmen, ist die Kuh ein unfreiwilliges Opfer, das unschuldig zu Wissenschaftlichen Zwecken geopfert wird. Es gibt insgesamt in dem Film nur noch eine zweite Zensur ganz am Schluss des Films, wenn der Brain-Bug gefoltert wird. Hier liegt die Tabuschwelle wohl eher beim Zuschauer, denn eine brutale Folter mit mechanischen Instrumenten im „Gesicht“ eines wehrlosen Wesens währe wohl der wirklichen Zensur zum Opfer gefallen. Andererseits sind diese Zensuren im Film auch als Zynismus in Bezug, auf das vor allem US-amerikanische Fernsehen zu sehen, wo gerade durch solche Zensurbalken die Aufmerksamkeit gerade auf die betreffenden Stellen gelenkt wird.

Was in diesem Film auffällt ist die Trennung von Gewalt und Brutalität in vielen Fällen. Brutal im Sinne von rücksichtslos, grausam und gewalttätig handeln die Menschen in diesem Film ausschließlich den Bugs gegenüber, untereinander sind sie zivilisiert, verständnisvoll und familiär fürsorglich.

Es gibt eine Ausnahme und das ist der Umgang von Drill Sergeant Zim mit den Rekruten im Ausbildungscamp. Gleich zu Beginn wird einem Rekrut der Arm gebrochen (0:24:06), Dizzy wird gewürgt (0:24:34) und Aces Hand wird im weiteren Verlauf der Ausbildung mit einem Messer an eine Wand genagelt (0:27:15I). Ich möchte hier nur zu bedenken geben, dass zum einen das medizinische Niveau wesentlich höher liegt als bei uns und die Verletzungen damit kurze Zeit schmerzhaft aber ohne weitere Folgen für die Rekruten sind und dass Schmerz im Zusammenhang mit körperlicher Gewalt ein Teil des “Erziehungssystems“ sind (siehe Auspeitschen) . Genau in diesem Zusammenhang wird hier der Schmerz auch eingesetzt – zur Vermittlung von Ausbildungszielen. Das heiß also, es ist gar keine Ausnahme, sondern bestätigt noch einmal die Prinzipien dieser Gesellschaft.

Die normale Bevölkerung in dem Film und auch die hauptdarstellenden Charaktere erscheinen uns auch nicht als bösartig, schlecht oder völlig unmoralisch, was sie ja auch nicht sind. Ihre Einstellung und Prinzip zur Gewalt ist nur eine andere und das ist auch mit einer der Gründe, warum viele der Auffassung sind, dass der Film Gewalt verherrlichend ist. Das scheint sogar ein logische Schlussfolgerung zu sein, denn wie schon oben bereits festgestellt, sind Menschen, die nach diesen Prinzipien handeln nicht wirklich böse – arrogant, verbohrt, intolerant und in mancher Hinsicht unsensibel – ja, aber das polische System in dem sie leben funktioniert gut. Laut Film (0:03:02) ist es stabiler und fortschrittlicher als unsere Demokratie und das wichtigste, diese Gesellschaft mit ihren Prinzipien scheint am Ende der Sieger zu sein. Was dabei dann allerdings außer Acht gelassen wird, ist aber die stetig anwesende „Grundironie“. Der ganze Film stellt sich durch seine Machart, durch seine Überzogenheit gerade in Bezug auf die ständige unzensierte Anwesenheit von Gewalt und ihren Folgen (z.B. tote Körper von Bugs und Menschen), die fast schon nervig ist, immer wieder selbst in Frage und so ist auch das anscheinend so gut funktionierende System, die Prinzipien der Gesellschaft und der anscheinende Sieg am Schuss mit ihm in Frage zu stellen.

Einige der Begründungen, warum der Film in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen wurde ist Folgendes: Das massive, exzessive Töten für ein „ Gute Sache“ ohne jegliche Hemmschwellen und Skrupel, welches das voyeuristische Interesse befriedigt, der nationale Pathos und dass kein anderes Mittel, als der Einsatz von Gewalt, in Erwägung gezogen wird. Interessant fand ich, dass die Umstrittenheit des Films in seiner Deutung bei den Kritikern ebenfalls wichtiger Grund für die Indizierung war.( vgl.Bundesprüfstelle )

Was bis jetzt noch keine Beachtung gefunden hat, was aber meiner Ansicht nach mit ein Grund für die kontroverse Diskussion ist, ist die Musik. Sie spielt in diesem Film zwar keine wesentliche Rolle, sie ist sehr dezent, ausgenommen des Liedes vom Abschlussball, und doch beeinflusst sie unsere Stimmung, wenn auch unbewusst. Sie kommt bei den Kampfszenen und bei den Spots von “Fed Net “ zum Einsatz. Bei den Spots wird sie einem schon eher bewusst, als unterstützende Hintergrundmusik der Patriotischen Aussagen eingesetzt (0:00:35, 0:21:28) aber auch bei den Kampszenen (1:10:37 – 1:14:54) ist sie vom Charakter her ähnlich. Sie drückt die Spannung und anwesende Gefahr aus, aber sie hat auch immer einen “patriotischen“ Unterton, sie ist niemals traurig, höchstens ein bisschen melancholisch. Sie legitimiert damit im Unterbewusstsein ein Stück weit die Handlungen und stellt sie nicht, wie es bei manchen Filmen der Fall ist, für den Zuschauer unbewusst in Frage. Ich halte dies für einen wichtigen Grund warum man den Film als gewaltverherrlichend interpretieren kann. Vor allem wenn man sich diesen Film nicht mit einem gewissen Abstand betrachtet, sondern sich leicht emotional beeinflussen lässt. Die Musik im Abspann ist dann wieder sehr auffällig pathetisch, in der man eindeutige Einflüsse von Militärmusik (Trommel) erkennen kann.

Mir persönlich fällt es eher schwer nachzuvollziehen, wie man diesen Film als Gewaltverherrlichend einstufen kann, da mir persönlich die Ironie des ganzen Films auch beim Erstenmal sehen, als ich noch nicht ahnen konnte, dass ich mich überhaupt einmal intensiver damit beschäftigen würde schon absolut bewusst war. Mein erster spontaner Kommentar zu diesem Film war wirklich: „Der ist so schlecht, dass er wieder gut ist.“

An dieser Stelle noch einmal ein Zitat von Verhoeven über seine persönliche Einstellung zur Darstellung von Gewalt:

„Ich mag es Gewalt auf möglichst ungewöhnliche Weise zu zeigen. Nicht nur, weil ich glaube, dass Gewalt so realistisch wie möglich gezeigt werden sollte, sondern auch, weil ich weiter gehen möchte, als das Publikum es erwartet. Ich möchte es provozieren, aufrütteln, vor den Kopf stoßen.“

4.8. Unterschiede zwischen dem Original und der deutschen Synchronisation

Als der Kinofilm "Starship Troopers" in Deutschland in die Kinos kam, hatte der Verleiher Buena Vista ursprünglich vor, den Film um 10 Minuten zu kürzen und ab 16 Jahren freizugeben. Allerdings hatte die FSK dieser Schnittfassung die 16er Freigabe verweigert, und so kam der Film ungekürzt in die deutschen Kinos. Es existiert nach wie vor keine FSK 16-Version von "Starship Troopers". Leider wurde der Film trotzdem in der ungekürzten Fassung nicht von deutscher Zensur verschont, was sehr schade ist, denn die deutsche Synchronisation nimmt dem Film viel von seiner Konsequenz und macht ihn damit unlogisch. Meiner Meinung nach trägt dies viel eher dazu bei, diesen Film als gewaltverherrlichend aufzufassen.

Ich kann nur spekulieren, warum diese Synchronisationszensur durchgeführt wurde, aber anscheinend ist die Idee einer funktionierenden faschistoiden Gesellschaft, auch wenn sie absolut ironisierend dargestellt wird, nicht erwünscht. Deswegen wurden bei der Synchronisation viele im ideologischen Sinne kritische Stellen entschärft. Der Film wurde trotzdem in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen.

Verschwunden ist die ganze Idee, dass nur Soldaten in der gesellschaftlichen Ordnung von "Starship Troopers" als vollwertige Bürger gelten (in der OV wird für "Soldat" das Wort "Citizen" als Synonym gebraucht).

Die DVD bietet sowohl die unzensierte amerikanische, als auch die zensierte deutsche Tonspur. Bei der Special Edition kommt noch hinzu, dass deutsche Untertitel die unzensierten Dialoge wiedergeben; die Untertitel für Hörgeschädigte basieren hingegen auf der zensierten deutschen Fassung.

In der folgenden Auflistung der betreffenden Filmabschnitte sind der Vollständigkeit halber auch diejenigen aufgeführt, die in den vorherigen Kapiteln bereits aufgetaucht und besprochen wurden.

0:00:49 OV:

Sprecher:"Join the Mobile Infantry and save the world. Service guarantees Citizenship."

(Übersetzung:

Sprecher:"Treten Sie der Mobilen Infanterie bei und retten Sie die Welt. Der Dienst garantiert Bürgerschaft.") DV:

Sprecher:"Treten Sie der Mobilen Infanterie bei und kämpfen Sie für die Zukunft."

Hier ist eine große Abweichung der DV von OV zu sehen. In der Originalfassung sind nur Soldaten vollwertige Bürger - im Gegensatz zu Zivilisten. In der deutschen Fassung wurde dies entfernt, das führt leider dazu, dass man das Prinzip dieser ganzen Gesellschaft und den hohen Stellenwert, den hier der Föderationsdienst einnimmt gar nicht verstehen kann.

0:03:02 OV: Rasczak:"This year we explored the failure of democracy, how the social scientists brought our world to the brink of chaos. We talked about the veterans, how they took control and imposed the stability that has lasted for generations since."(Übersetzung: Rasczak:"In diesem Jahr haben wir das Versagen der Demokratie erforscht, und wie Sozialwissenschaftler unsere Welt an den Rand des Chaos führten. Wir sprachen über die Veteranen, wie sie die Kontrolle übernahmen und die Stabilität brachten, die nun seit Generationen andauert.")

DV: Rasczak:"Unser Thema war dieses Jahr die politische Entwicklung der Jahrtausendwende. Und wie Außerirdische diese Entwicklung beeinflusst haben. Wir sprachen über die Bugs, wie sie die Erde angriffen und Tausenden unserer Vorfahren den Tod brachten."

Die Szene im Schulunterricht ist die am meisten zensierte Szene. In der Originalfassung haben die Demokraten die Welt an den Rand des Chaos gebracht, bis die Regierung schließlich von Kriegsveteranen übernommen wurde und die Lage sich stabilisierte. In der DV wurde stattdessen ein "erster Bug-Krieg" erfunden. Ein "Versagen der Demokratie" und "Kontrolle der Kriegsveteranen" scheinen wohl aufgrund unserer Geschichte schon als tendenziell jugendgefährdend bzw. als faschistisches Gedankengut eingeordnet zu werden.

0:03:21

OV:

Rasczak:"You. Why are only citizens allowed to vote?"

Schüler:"It's a reward. What the Federation gives you for doing Federal Service."

Rasczak:"No. No. Something given has no value. Look, when you vote, you are excercising political authority, you are using force. And force, my friends, is violence. The supreme authority from which all other authority is derived."

(Übersetzung:

Rasczak:"Sie. Warum dürfen nur Bürger wählen?"

Schüler:"Es ist eine Belohnung. Das, was dir die Föderation für den Föderationsdienst schenkt."

Rasczak:"Nein, nein. Etwas Geschenktes ist wertlos. Schau - wenn du abstimmst, dann übst du politische Autorität aus, du übst Macht aus. Und Macht, meine Freunde, ist Gewalt. Die höchste Autorität, von der alle anderen Autoritäten abstammen.")

DV:

Rasczak:"Warum ist es sinnvoll, Militärdienst zu leisten?"

Schüler:"Es ist eine Auszeichnung. Die Föderation belohnt alle, die in der Truppe gedient haben."

Ranszcak:"Nein, nein. Denn Pflichtbewußtsein ist das Schlüsselwort. Wenn Sie gedient haben, sorgen Sie für unsere planetarische Sicherheit. Sie schützen die Gemeinschaft. Und das Mittel dazu, Freunde, heißt Gewalt. Und nackte Gewalt ist das einzige, was wir den Bugs entgegensetzen können."

Die Zensur an der Schule geht weiter. Aus der OV erfahren wir, dass nur die Bürger (=Soldaten) stimmberechtigt sind. Und dass die politische Macht eine Unterart der obersten Macht sei, die Gewalt heißt.

In der DV hingegen wird die Stimmberechtigung der Soldaten verschwiegen; stattdessen wird die Frage durch eine ganz andere ersetzt. Gewalt wird zwar erwähnt, aber nur als schützende Kraft, die nur zum Sichern der "planetarischen Sicherheit" da ist.

0:03:44

OV:

Dizzy:"Uh, my mother always said, violence never solves anything."

Rasczak:"Really? I wonder what the city fathers of Hiroshima would say about that. You."

Carmen:"They probably wouldn't say anything. Hiroshima was destroyed."

Rasczak:"Correct. Naked force has resolved more issues throughout history, than any other factor. The contrary opinion, that violence never solves anything, is wishful thinking at its worst. People who forget that always pay."

(Übersetzung:

Dizzy:"Äh, meine Mutter sagt, dass Gewalt nie etwas lösen kann."

Rasczak:"Wirklich? Ich frage mich, was die Stadtväter von Hiroshima dazu sagen würden. Sie."

Carmen:"Die würden wahrscheinlich gar nichts dazu sagen. Hiroshima wurde vernichtet."

Rasczak:"Korrekt. Nackte Gewalt hat mehr Angelegenheiten in der Geschichte gelöst, wie kein anderer Faktor. Die Gegenteilige Meinung, dass Gewalt niemals etwas lösen kann, ist reines Wunschdenken. Menschen, die das vergessen, werden immer dafür bezahlen.")

DV:

Dizzy:"Äh, meine Mutter sagt, dass Gewalt nie etwas lösen kann."

Rasczak:"Wirklich? Möchte zu gerne wissen, was die Bürger von Washington dazu sagen würden? Sie."

Carmen:"Die würden wahrscheinlich gar nichts dazu sagen. Washington wurde im ersten Bugkrieg zerstört."

Rasczak:"Sehr richtig. Mit bedingungsloser Gewalt wurden damals die Bugs zurückgeschlagen und die Menschheit gerettet. Und mit der Einstellung, dass Gewalt niemals etwas lösen kann, kommt man nicht weit! Reines Wunschdenken! Menschen, die das vergessen, werden immer dafür bezahlen."

Hier ist eine der auffälligsten Zensurstellen: Hiroshima wurde durch Washington ersetzt. Es war wohl zu zynisch, aber gerade dieser Zynismus und die Ironie in diesem Film sorgen dafür, dass der Zuschauer den Film erst verstehen kann und bewirken, dass dieser Film nicht Gewalt verherrlicht, sondern sie in Frage stellt. In der DV wird stattdessen wieder der mysteriöse erste Bugkrieg angesprochen, was wiederum wie im Kapitel „Das Verhältnis zum Feind“ bereits erwähnt, einen logischen Bruch zur Folge hat.

0:04:13

OV:

Rasczak:"Rico, what's the moral difference, if any, between a civilian and a citizen?"

Johnny:"A citizen accepts personal responsibility for the safety of the body politic, defending it with his life. A civilian does not."

(Übersetzung:

Rasczak:"Rico, worin besteht der moralische Unterschied, falls es ihn gibt, zwischen einem Zivilisten und einem Bürger?"

Jhonny:"Ein Bürger übernimmt die persönliche Verantwortung für die Sicherheit der Staatspolitik, und verteidigt sie mit seinem Leben. Ein Zivilist tut das nicht.")

DV:

Rasczak:"Rico, worin besteht der politische Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten?"

Johnny:"Ein Soldat übernimmt persönliche Verantwortung für die Sicherheit der Erde. Er verteidigt sie mit seinem Leben. Ein Zivilist tut das nicht."

Hier ist der Unterschied marginal, aber dennoch wichtig. Bei der OV geht es um einen moralischen Unterschied. Bürger sein ist moralisch richtig, denn man verteidigt die Politik des Staates mit seinem Leben. In der DV geht es um einen politischen Unterschied - und man verteidigt nicht die Politik, sondern die Sicherheit der Erde. In der DV ist das Motiv fürs Soldatsein ein edleres, als in der OV, nämlich die Verteidigung der Zivilisten, Kinder, Erdbevölkerung. Das zieht sich durch das gesamte Dialogbuch.

0:04:27

Rasczak:"But do you understand it? Do you believe it?"

Jhonny:"I don't know."

Rasczak:"Of course you don't. I doubt anyone here would recognize civic virtue if it reached up and bit you in the ass."

(Übersetzung:

Rasczak:"Aber verstehen Sie das? Glauben Sie das?"

Jhonny:"Das weiß ich nicht.

Rasczak:"Natürlich wissen Sie's nicht. Ich glaube, keiner würde hier den Wert eines Bürgers erkennen, selbst wenn dieser einen in den Arsch beißenwürde!")

DV:

Rasczak:"Aber begreifen Sie das auch? Sind Sie bereit dazu?"

Jhonny:"Das weiß ich nicht.

Rasczak:"Natürlich wissen Sie's nicht. Und vermutlich würde niemand hier unsere Kinder verteidigen, selbst wenn ihnen ein Bug in den Arsch beißt!"

In dieser Szene geht es darum, dass der Lehrer will, dass die Schüler das auch glauben, was sie gelernt hatten: der Wert eines Bürgers (civic virtue), was den Bürger/Soldaten auszeichnet. In der DV wurde das umgemünzt auf die Verteidigung der Kinder.

0:12:18

OV:

Vater:"Have you lost your mind? I'd rather take ten lashes in Public Square than see you ruin your life."

(Übersetzung:

Vater:"Hast du den Verstand verloren? Ich würde lieber zehn Peitschenhiebe auf dem Öffentlichen Platz bekommen, als mit anzusehen, wie du dein Leben ruinierst.")

DV:

Vater:"Hast du den Verstand verloren? Bevor ich dazu "ja" sagen werde, nehme ich liebend gerne jede Strafe in Kauf."

Hier wird die öffentliche Bestrafung (das Auspeitschen) aus der DV getilgt. Zehn Peitschenhiebe auf dem öffentlichen Platz scheint die Norm zu sein – aber diese öffentlichen Strafmaßnahmen gehören zu dieser Gesellschaft und erklären auch später die Auspeitschung von Johnny.

0:18:40

OV:

Lautsprecherdurchsage:"Welcome to the adventure of Federal Service."

(Übersetzung:

Lautsprecherdurchsage:"Willkommen beim Abenteuer Föderationsdienst.")

DV:

Lautsprecherdurchsage:"Willkommen beim Föderationsdienst."

Hier wird das "Abenteuer" unterschlagen - denn Föderationsdienst wird Propaganda mäßig als Abenteuer verkauft.

0:19:16

OV:

Jhonny:"I want to be a citizen!"

...

Mutter:"Does citizenship mean that much to you?"

(Übersetzung:

Johnny:"Ich will Bürger sein!"

Mutter:"Bedeutet dir die Bürgerschaft so viel?")

DV:

Johnny:"Ich möchte zur Föderation!"

...

Mutter:"Ist dir der Militärsdienst wirklich so wichtig?"

Hier wieder mal ein "Bürger" unterschlagen.

0:21:35

OV:

Sprecher:"Citizen rule. People making a better tomorrow."

(Übersetzung:

Sprecher:"Die Regel des Bürgers: die Menschen schaffen eine bessere Zukunft.")

DV:

Sprecher:"Unsere Kinder. Wir müssen sie schützen."

Die Aussage der deutschen Fassung ist etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass die Kinder Waffen und Patronen ausgeteilt bekommen. Sie werden dadurch nicht geschützt - sollen sich aber an Waffen und Munition für die bessere Zukunft gewöhnen - das sagt uns die OV.

0:22:50

OV:

Zim:"Most of you will not live to be in the Mobile Infantry"

(Übersetzung:

OV:

Zim:"Die meisten von euch werden es nicht erleben, in die Mobile Infanterie zu kommen.")

DV:

Zim:"Die meisten von euch werden es nicht schaffen, in die Mobile Infanterie zu kommen"

In der DV wurde die Aussage etwas abgeschwächt - die meisten werden es nicht überleben, in M.I. zu kommen.

0:28:22

OV:

Djana'd:"Oh, I am going in for politics, and, you know, you gotta be a citizen for that."

(Übersetzung: Djana'd:"Oh, ich möchte in die Politik, und, wißt ihr, dazu muß man Bürger sein.")

DV:

Djana'd:"Ich möchte in die Politik, und da ist es gut, wenn man zwei Jahre gedient hat."

Und wieder muß man Bürger sein, um seine politische Karriere voranzutreiben. In der DV ist es nur gut, gedient zu haben.

0:47:37

OV:

Dizzy:"Hey, you take that stroll down Washout Lane, you're only proving one thing, Johnny."

Johnny:"What's that, Diz?"

Dizzy:"That you don't have what it takes to be a citizen."

(Übersetzung: Dizzy: "Hey, wenn du jetzt durch das Versagertor gehst, beweist das nur eins, Johnny."

Johnny:"Und das wäre, Diz?"

Dizzy:"Daß du's einfach nicht drauf hast, Bürger zu sein.")

DV:

Dizzy:"Hey. Wenn du jetzt durch das Versagertor gehst, beweist das nur eins, Johnny."

Johnny:"Und was wäre das?"

Dizzy:"Daß du's einfach nicht drauf hast, Soldat zu sein."

Hier wird wieder ein Bürger durch einen Soldaten ersetzt.

0:51:36

OV:

Sprecher:"Everyone is doing their part. Are you? The war effort needs your effort."

(Übersetzung:

Sprecher:"Jeder leistet seinen Beitrag. Tun Sie's? Die Kriegsanstrengungen brauchen Ihre Mithilfe.")

DV:

Sprecher:"Auch unsere Jüngsten beteiligen sich. Wir brauchen Ihre Mithilfe."

Die OV geht einerseits auf den allerersten Werbespot ein ("Ich leiste meinen Beitrag"). Zweitens, ist die Propaganda hier viel offensichtlicher: der Appell an den Zuschauer des Spots, in Form des Reimes "war effort - your effort". Die deutsche Fassung wurde in diesem Sinne abgeschwächt.

1:34:32

OV:

Johnny:"Once somebody asked me if I knew the difference between a citizen and a civilian. I can tell you now. A citizen has the courage to make the safety of the human race their personal responsibility. Dizzy was my friend. She was a soldier. But more than that, she was a citizen of the Federation."

(Übersetzung: Johnny:"Einmal fragte mich jemand, ob ich einen Unterschied zwischen einem Bürger und einem Zivilisten kenne. Den kenne ich jetzt. Ein Bürger hat den Mut, die Verantwortung für die Sicherheit der menschlichen Rasse zu übernehmen. Dizzy war ein guter Freund. Sie war Soldat. Aber vor allen Dingen war sie ein Bürger der Föderation.")

DV:

Johnny:"Ich bin mal gefragt worden, ob ich einen Unterschied zwischen einem Soldaten und einem Zivilisten kenne. Ich kenne ihn jetzt. Ein Soldat hat die Verantwortung mit seiner ganzen Kraft und seinem Leben für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Dizzy war ein guter Freund. Und sie war ein Soldat. Aber vor allen Dingen sollte sie ein leuchtendes Vorbild für uns sein."

Entfernt wurde die "menschliche Rasse", der "Bürger der Föderation" wurde zu einem "leuchtenden Vorbild".

1:47:24

OV:

Zander: „One day, someone like me is gonna kill you and your whole fucking rase.“

(Übersetzung:

Zander: Eines Tages wird jemand wie ich kommen und dich töten und deine verdammte

Rasse!“)

DV:

Zander: “Irgendwann wird jemand wie ich kommen und dich umbringen. Dich und deine ganze verkackte Bande.“

Hier wurde wohl das Gedankengut eine ganze Rasse vernichten zu wollen als zu gefährlich eingestuft.

1:54:02

OV:

Sprecher:"We need you all. Service guarantees citizenship."

(Übersetzung:

Sprecher:"Wir brauchen Sie alle. Der Dienst garantiert Bürgerschaft!")

DV:

Sprecher:"Wir brauchen Sie alle. Kämpfen Sie für die Zukunft!"

Hier die Parallele zum aller ersten Werbespot. "Dienst garantiert Bürgerschaft" wird durch das "Kämpfen für die Zukunft" ersetzt. (vgl. Starship Troopers Schnittberichte)

Meiner Meinung nach wurde mit der Zensur in der Synchronisation genau das Gegenteil bewirkt. Die Anspielungen auf das Dritte Reich sind nach wie vor deutlich erkennbar aber manches ist logisch nicht mehr nachvollziehbar und der Film wird dadurch in seiner Ironie abgeschwächt, und man kommt in Versuchung Teile des Films ernstzunehmend.

Die OV dagegen ist die konsequente Darstellung einer Gesellschaft, die auf den Prinzipien von Gewalt aufbaut und sich selbst dabei in Frage stellt.

5. Relevante Bezüge zwischen Buch und Film

„Vorwärts, ihr Affen, oder wollt ihr ewig leben?“

( unbekannter Feldwebel, 1918, in Heinlein S.5)

Mit diesem Zitat beginnt das Buch „Sternenkrieger“ im Untertitel „Starship Troopers“ von Heinlein und auch dem Zuschauer des Films, (in der DV sind die „Affen“ mit „wilde Hunde“ übersetzt), dürfte dieser Aufruf im Gedächtnis geblieben sein (1:25:20 von Rasczak, 1:54:00 von Johnny), doch leider gibt es keinen Hinweis auf den historischen Bezugs.

Fast jedes Kapitel im Buch von Heinlein beginnt mit einem historischen Zitat, von der Antike bis heute, meistens im Bezug mit früheren Kriegen oder hohen Militärs, teilweise sogar aus der Bibel. Sie alle beinhalten den Kernsatz, des nun folgenden Kapitels und geben damit der fiktionalen Erzählung einen sehr realen Bezug zur Vergangenheit und machen es damit auch ein Stück weit authentisch.

Das Buch erschien 1959, in Deutschland erst 1979, warscheinlich, weil es inhaltlich so umstritten war und ähnlich Verhoeven wurde auch Heinlein der Vorwurf gemacht ein Neo-Faschist zu sein. Das Buch ist wohl das Umstrittenste von Heinlein, trotzdem bekam er dafür den Hugo Award.

Im Gegensatz zum Film fehlen dem Buch die überzogenen Spitzen und der grundsätzlich ironische Unterton. Es ist sehr ernsthaft geschrieben und die Ironie oder auch die Gesellschaftskritik erkennt man erst beim genauen Hinsehen. Sie ist eher philosophisch und versteckt sich in den Zitaten am Kapitelanfang und den Stunden für Moralphilosophie (Anhang III Buch Seite 128- 137, Anhang IV Buch Seite 200-213), sowie am Ende in dem historischen Hinweis auf Roger Young (Anhang V Buch Seite 303)

Genau wie im Film muss der Leser des Buches in gewisser Weise selbst herausfinden, wo die Ironie steckt und sich seine eigene Meinung über die vorgebrachten logischen Argumentationen, vor allem in den Moralphilosophie Stunden bilden, oder die angegeben Hinweise auf einen aktuellen Bezug zu unserer Gesellschaft überprüfen.

Verhoeven wurde in diversen Kritiken der Vorwurf gemacht, sein Film hätte kaum noch etwas mit dem Buch gemein und in gewisser Weise stimmt dieser Vorwurf auch.

Das Buch handelt ausschließlich von Johnny und seiner Militärlaufbahn, seine Beziehung zu Frauen werden im Buch nur mit wenigen Sätzen erwähnt. Verhoeven hat also die ganze Thematik über die Darstellung und Rolle der Frau in seinem Film ergänzt ihn aber damit um ein sehr aktuelles Thema erweitert. In einem Punkt hat er das Buch von Heinlein sogar entschärft, nämlich dadurch, dass er den Menschen einen äußeren Anlass für den Bug-Krieg gegeben hat. Im Buch ist der Anlass für den Krieg völlig irrelevant, da die MI kämpft, weil sie dafür da ist und nur auf den Befehle wartet, Begründungen braucht sie dafür nicht.

Johnnys Entwicklung zu einem „guten MI“, durch Ausbildung, Training und Moralstunden sind der eigentliche Inhalt von Heinleins Buch.

Verhoeven hat aber einige Abschnitte des Buches fast wörtlich in seinem Film übernommen, so auch seine Darstellung der Stunde für Moralphilosophie (Buch S.32-34), oder die Szene bei der Rekrutierung „Die mobile Infanterie hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin!“ (vgl. Buch S. 38) . Genauso die Begrüßung im Camp durch Sergeant Zim, inklusive des Gebrochenen Arms – allerdings entschuldigt sich Zim im Buch dafür und meint er wäre wohl etwas stürmisch gewesen. (Buch S. 52f)

Die Szene mit dem Messer beginnt fast identisch, endet aber nicht damit, das er den Rekruten damit an die Wand nagelt, sondern Zim beginnt einen längeren, erklärenden Monolog über die Gefährlichkeit von Waffen und dass die gefährlichste Waffe der voll ausgebildete MI ist.

(Buch S. 70f)

Auch Johnnys Auspeitschung hat seinen Ursprung im Buch, allerdings aufgrund eines anderen Vergehens.

Die Bugs spielen im Buch eher eine Nebenrolle, sie sind eben gerade die aktuellen Feinde. In der Darstellung der Gesellschaft der Bugs hat Verhoeven wieder eine Abschwächung im Gegensatz zum Buch vorgenommen. Im Buch sind die Bugs zwar auch in Arbeiter, Krieger und Intelligenzkaste unterteilt (außerdem gibt es noch die Königinnen) aber sie sind eindeutig intelligent, denn sie verfügen über Städte, Industrie und besiedeln mit Hilfe von Raumschiffen andere Planeten – sie werden also von Anfang an als wirklicher Gegner auf ähnlichem Niveau angesehen und befinden sich zu keiner Zeit in der Rolle der dummen Insekten, dadurch ist das Verhalten der Menschen im Buch gegenüber den Bugs noch viel verachtender.

Meiner Meinung nach konnte Verhoeven das Buch gar nicht 1:1 verfilmen, selbst wenn er es gewollt hätte, denn diesen Film hätte jeder wirklich ernst genommen und damit wäre der Film wohl nie in den Verleih gekommen und die Kritiken wären nicht kontrovers sondern eindeutig im Sinne von gewaltverherrlichend ausgefallen. Auch ich muss gestehen, dass ich das Buch (den Film hatte ich davor schon gesehen und vermisste beim Buch jetzt die übertriebenen Spitzen und den ironischen Unterton) beim ersten Lesen für bare Münze nahm und mich sehr erschreckt habe, wobei mein Glaube an Heinlein als einen der größten Science-Fiction Autoren ebenfalls ins Wanken geriet.

Ich halte Verhoevens Film für eine gute, aktualisierte Umsetzung von Heinleins Buch, mit dem er genau das Gleiche erreicht hat wie Heinlein, und das meiner Meinung nach ganz bewusst – eine kontroverse Diskussion über die (amerikanische) Gesellschaft. Außerdem ist dieser Film auch im Zusammenhang mit „Robocop“ und „Total Recall“ zu sehen, worin sich auch die Verwendung der „Fed Net“ Spots begründen.

6.Fazit

Ziel meiner Hausarbeit war es zu zeigen, dass dieser Film mehr ist als ein hirnloser Ballerfilm und ich glaube, es ist mir auch gelungen. Er ist eine sehr ironische und provokante (amerikanische) Gesellschaftskritik, die in meinen Augen sowohl amüsant wie gleichermaßen erschreckend ist.

Wirklich nachzuvollziehen ist das ganze leider nur in der Originalversion und ich kann jedem nur von der deutschen Übersetzung abraten.

Zu den genauen Gründen warum Verhoeven sich ausgerechnet dieses Buch von Heinlein ausgesucht hat und was ihn dazu bewogen hat es auf so eine überspitzte, ironische und manchmal auch zynische Art und Weise zu verfilmen, kann ich leider nicht mehr sagen, als meine persönliche Meinung im vorigen Kapitel, da es zu dem Film keine wirkliche Literatur gab und ein aktuelles Buch über Verhoeven zwar angekündigt aber noch nicht erschienen ist.

Alles in Allem hat sich mein persönlicher, spontaner Eindruck über diesen Film durch die Hausarbeit nur bestätigt, er ist vielleicht differenzierter geworden und ich habe ihn hoffentlich sprachlich niveauvoller ausgedrückt, aber es bleibt dabei:

„Dieser Film ist so schlecht, dass er schon wieder gut ist!“

7. Literatur und Quellenverzeichnis:

Literatur:

Franklin Bruce H., 1980, Robert A. Heinlein – America as Science-Fiction, Oxford University Press

Heinlein Robert A., 1979, Sternenkrieger – Starship Troopers, Bergisch Gladbach

Koebner Thomas (Hrsg.), 2003, Filmgenres – Science Fiction, Stuttgart

Artikel aus dem Internet:

Beck-Ewe K., Robert A. Heinlein – Der Mann der die Tribbles erfand, www.buechertreff.net 05.04.05

Biographie – Paul Verhoeven, www.difl.de, 03.04.05

Bleyenberg Daniel, Der Kultfilm in der postmodernen Gesellschaft (Magisterarbeit von 2001),www.bleyenberg.de 01.04.05

Blitzbesprechung – Starship Troopers, www.snafu.de, 03.04.05

Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Entscheidung Nr. 4881 vom 10.03.1999, www.zensur-infos.de 02.06.05

Edler Andreas, Starship Troopers, www.filmfacts.de, 03.04.05

Giesen Rolf, Starship Troopers, www.epilog.de, 03.04.05

Henkelmann Carsten, Starship Troopers, www.senseoview.de, 05.04.05

Hoffmann Denis, Kritik, www.zelluloid.de , 03.04.2005

Lehmann Tobias, Starship Troopers, www.filmzentrale.de , 26.03.05

Medosch Armin, Starship Troopers, www.heise.de, 03.04.05

Militäreinsätze und Kriege der USA von 1950 bis 1999, www.aktivpolitik.de, 24.05.05

Paul Verhoeven, www.prisma-online.de, 03.04.05

Paul Verhoeven – von Holland nach Hollywood, www.wdr.de ,02.06.05

Robert A. Heinlein, www.wikipedia.org, 26.03.05

Schäfer Tobias, Buch-Reviews – Starship Troopers, www.buchwurm.de, 26.03.05

Seeßlen Georg, Das Kino entdeckt einen neuen Heldentypus: den weiblichen Körper als Kampfmaschiene – Die Zeit 12/1998, www.zeit.de, 01.04.05

Starship Troopers – Juhu, ein Paul Vehoeven Film, www.moviebazar.de, 03.04.05

Starship Troopers, www.schnittberichte.com, 02.06.05

Szontagh Viktor, Starship Troopers, www.allesfilm.com, 03.04.05

Sonstige Quellen:

DVD: Starship Troopers – Bis heute regieren Menschen die Welt. Bis heute...,

Regie Paul Verhoeven, Tochstone and Tristar Pictures, 2001

Anhang I

Militäreinsätze und Kriege der USA von 1996 – 1998

1996

Operation “Assured Response”: Liberia, April 1996 bis August 1996

Operation “Quick Response”: Zentralafrikanische Republik, Mai 1996 bis August 1996

Operation “Guardian Assistance”: Zaire/Ruanda/Uganda, 15.11.1996 bis 27.12.1996

Operation “Pacific Haven/Quick Transit”: Irak – Guam, 15.09.1996 bis 16.12.1996

Operation “Laser Strike”: Südafrika, ab 1.04.1996

Operation “Nomad Edeavor”: Taszar, Ungarn, ab März 1996

Operation “Northern Watch”: Kurdistan, ab 31.12.1996

Operation “Desert Focus”: Saudi Arabien, ab Juli 1996

Operation “Desert Strike”: Irak, 3.09.1996; Cruise Missile-Angriffe: Irak, 26.06.1993, 17.01.1993, Bombardements: Irak, 13.01.1993

Operation “Decisive Edeavor/Decisive Edge”: Bosnien-Herzegowina, Januar 1996 bis Dezember 1996

1997

Operation “Guardian Retrieval”: Kongo, März 1997 bis Juni 1997

Operation “Noble Obelisk”: Sierra Leone, Mai 1997 bis Juni 1997

Operation “Bevel Edge”: Kambodscha, Juli 1997

Operation “Phoenix Scorpion I”: Irak, ab November 1997

1998

Operation “Noble Response”: Kenia, 21.01.1998 bis 25.03.1998

Operation “Shepherd Venture”: Guinea-Bissau, 10.06.1998 bis 17.06.1998

Operation “Infinite Reach”: Sudan/Afghanistan, 20. bis 30.08.1998

Operation “Phoenix Scorpion II”: Irak, ab Februar 1998

Operation “Phoenix Scorpion III”: Irak, ab November 1998

Operation “Phoenix Scorpion IV”: Irak, ab Dezember 1998

Operation “Desert Fox”: Irak, 16.12.1998 bis 20.12.1998

Operation “Joint Guard”: Bosnien-Herzegowina, 20.06.1998

Operation “Determined Falcon”: Kosovo/Albanien, 15.06.1998 bis 16.06.1998

Operation “Joint Forge”: ab 20.06.1998

Operation “Deliberate Forke”: Bosnien-Herzegowina, ab 20.06.1998

Operation “Deny Flight”: Bosnien, 12.04.1993 bis 20.12.1995

Anhang II

Weitere beispielhafte Szenen, in denen schwarzer Humor, Ironie und Zynismus deutlich werden:

0:22:27

Der Ausdruck „mormonische Extremisten“ – wir verknüpfen Extremisten eher mit Gewalt oder gewalttätig, zu allem fähig, Eigenschaften die wir in unserer Gesellschaft nicht den Mormonen zuordnen würden – in einer Gesellschaft, in der Gewalt immer eine Lösung ist, scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

0:51:36

„Do Your Part“

Kinder zertreten Insekten und werden dabei von einer Frau die danebensteht durch begeistertes klatschen angefeuert, dazu der Text: „Auch unsere Jüngsten helfen mit!“

Wir bringen unseren Kindern bei keine Tiere zu quälen, um ihnen Respekt und Verantwortung für ihre Umwelt zu vermitteln. Diese Kinder aber werden dazu angefeuert, obwohl es sich um harmlose “normale“ Insekten handelt, die in keiner Beziehung zu den Bugs stehen. Sie werden schon hier in ihrer Einstellung zu den Bugs geprägt – diese sind nur Ungeziefer, das man vernichten muss.

0:51:52

Der Titel der Reportage von der Flottenkampfstation Ticonderoga trägt die Überschrift: “Countdown to Victory“ – endet aber in einem Massaker.

1:04:40

Der Leitspruch des neuen Sky Marshalls lautet: „Um die Bugs bekämpfen zu können muss man zu altererst die Bugs verstehen!“

Es ist aber eigentlich niemand daran ernsthaft interessiert die Bugs und ihre Beweggründe, warum sie die Erde angegriffen haben zu Verstehen. Es geht lediglich darum ihre Schwächen herauszufinden. Würde man sie wirklich verstehen wollen, wäre die Regierung an einem Dialog interessiert und würde sich eingestehen müssen, das die Rolle des „Bösewichts“ ihnen zufällt. Auch würde dann ihre ganze bisherige Politik in Frage stehen.

1:04:55

„Ich finde die Vorstellung das ein Bug denken kann schon fast obszön und anstößig!“

Eine Einstellung die sich in der bisherigen Politik und Einstellung in der Gesellschaft wiederfindet und nur zwangsweise durch die Angriffe wiederlegt wird. Dann rutscht der Bug aber sofort in die Rolle des Feindes und ist im übertragenen Sinne wieder obszön und anstößig.

1:15:05

Ist wieder ein schönes Beispiel für schwarzen Humor. „Ich brauche einen Korporal – und das werden sie sein, wenn sie nicht irgendwann draufgehen!“ - Es wird also schon von vorneherein davon ausgegangen, das die Lebenserwartung nicht sehr hoch ist. Der schnelle Tod eines Soldaten wird als „Normalzustand“ vorausgesetzt.

Dies sind natürlich noch längst nicht alle Szenen, aber diejenigen, die mir persönlich besonders aufgefallen sind und sie sollen auch nur die Kernaussagen im Kapitel: Welche Rolle spielen... noch mal bestätigen.

Details

Seiten
47
Jahr
2005
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111644
Note
1,0
Schlagworte
Analyse Films Starship Troopers

Autor

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Titel: Analyse des Films  "Starship Troopers"