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Sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz - Ursachen und Gegenmaßnahmen

Hausarbeit 2008 24 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung
1.1 Sexuelle Belästigung im Beschäftigtenschutzgesetz
1.2 Die Formen der Sexuelle Belästigung

2 Personenkonstellationen in Belästigungssituationen
2.1 Alter der Belästiger und der Belästigten
2.2 Betriebszugehörigkeitsdauer der Belästiger und der Belästigten.
2.3 Berufliche Position des Belästigers im Verhältnis zur Belästigten.

3 Sexuelle Belästigung aus verschiedenen Perspektiven.
3.1 Organisatorische Perspektive
3.2 Soziokulturelle Perspektive
3.3 „Natürlich-biologische“ Perspektive.

4 Sexuelle Belästigung im Strafrecht.
4.1 Auszug aus dem Strafgesetzbuch.

5 Schlussbetrachtung.

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Problem der Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz ist nicht neu - es exis­tiert, seitdem es außerhäusliche Frauenerwerbsarbeit gibt.[1] Die Thematisierung des Problems in Unternehmen und der Öffentlichkeit ist dagegen eine relativ neue Ersc­heinung. Wie bei vielen anderen Themen auch, wurde Sexuellen Belästigung in den USA, im Ver­gleich zu Deutschland, verhältnismäßig früh diskutiert.[2]

Bei Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz handelt es sich nicht um eine Randerscheinung; laut ver­schiedener Erhebungen in der Europäischen Union (EU) werden 40-50% der Arbeit­nehmerinnen belästigt. Das zeigt, dass es sich um ein dem normalen Arbeitsalltag zugehöriges Problem zu handeln scheint[3]. Dabei beschränken sich die negativen Auswirkungen von Sexuellen Belästigung nicht nur auf die direkt betroffenen Personen, für die die Belästigung häufig dazu führt, dass sie den Spaß an ihrem Beruf verlieren, psychisch angespannt sind und sich ausgeliefert fühlen. Die Folgeerscheinungen wie Stress, Ängste, Depressionen und Aggressionen, können auch die Arbeitsleistung und -zufriedenheit beeinträchtigen. Konkrete Auswirkungen wären beispielsweise der Abbruch der Karriere, der Verlust des Arbeitsplatzes und Arbeitsunfähigkeit.[4]

Öffentliche Diskussion und Enttabuisierung sind die wichtigsten Voraussetzungen für strukturelle Veränderungen. Ohne eine öffentliche Auseinandersetzung über die- bis vor wenigen Jahren nachhaltig verleugnete und totgeschwiegene- Problematik können Betriebe und Verwaltungen kein Problembewusstsein entwickeln. Enttabuisierung ist ein schwieriger und konfliktreicher Lernprozess, der sich zwischen radikalen Forderungen auf der einen und heftigem Widerstand auf der anderen Seite bewegt.[5]

Noch von wenigen Jahren wurde das Problem „Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz“ auch von Frauenbeauftragten und Gleichstellungsstellen kaum wahrge­nommen. Selten, aber doch zunehmend häufiger meldeten sich Frauen, die sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz erlebt hatten, mit dem Wunsch nach Unterstützung. Vor allem aber offenbarte sich das Ausmaß des berührten Tabus: In weit größerem Maße als bei anderen Benach­teiligungen und Diskriminierungen von Frauen im Arbeitsleben werden bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz Widerstände und Abwehr lebendig. Sie reichen vom Herunterspielen und InfragestelIen des Konfliktgehalts bis zu scharfen Angriffen auf die persönliche Glaubwürdigkeit der Klägerin. Sexuelle Belästigung ruft emotional stark besetzte und tabuisierte Betroffenheit auf den Plan: Es geht um Macht und Ohnmacht, um Herrschaftsmuster in der Geschlechterbeziehung in Verbindung mit Sexualität.

Es zeigte sich, dass individuelle offene Gegenwehr im Einzelfall zwar erfolgreich die Mauer des Schweigens durchbrechen kann und das Opfer am Ende nicht isoliert ist. Gleichzeitig ist aber die betroffene Frau den Belastungen und Verletzungen einer Kon­frontation in einem von Macht geprägten Raum schutzlos ausge­setzt. Deshalb kann dies nicht der einzige Weg sein, auf dem eine Veränderung des öffentlichen Bewusstseins und des institutionellen Umgangs mit sexistischen Übergriffen und Belästigungen in der Arbeitswelt vorangebracht wird.[6]

Frauenbeauftragte, Gleichstellungsstellen und betriebliche Frauenvertretungen haben demgegenüber in den letzten Jahren versucht, mit Hilfe betrieblicher Befragungen, Untersuchungen und Kampagnen einen Raum für breite öffentliche Auseinander­setzung und Enttabuisierung zu schaffen.[7]

1.1 Sexuelle Belästigung im Beschäftigtenschutzgesetz

In der Literatur findet sich eine große Anzahl unterschiedlicher Definitionen für Sexuelle Belästigung, aber gibt es bislang noch keine offizielle und allgemein gültige Definition.

Seit dem 1. September 1994 wird im Beschäftigtenschutzgesetz explizit der Problem­bereich Sexuelle Belästigung geregelt.

"Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist jedes vorsätzliche, sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde von Beschäftigten am Arbeitsplatz verletzt. Dazu gehören:

1. sexuelle Handlungen und Verhaltensweisen, die nach den strafgesetzlichen Vorschriften unter Strafe gestellt sind,
2. sowie sonstige sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell be­stimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie Zei­gen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen, die von den Betroffenen erkennbar abgelehnt werden.“[8]

1.2 Die Formen der Sexuelle Belästigung

Es gibt vier Kategorien der Belästigungsformen:

1. Verbal: obszöne Witze und Anspielungen, zweideutige Bemerkungen über Figur und sexuelles Ver­halten, Aufforderungen zum Geschlechtsverkehr, unerwünschte Einladung mit eindeutiger Absicht, Avancen sowohl schriftlich als auch telefonisch.[9] Sexuelle Auszüglichkeiten machen offenbar einen wesentlichen Bestandteil der Gesprächen am Arbeitsplatz aus. Die Frauen können sich über die Witze und Anspielungen ihrer Kollegen, Vorgesetzten oder Klienten vielfach nicht amüsieren.[10]

2. Nonverbal: Anstarren, Hinterherpfeifen, taxierende Blicke, Aufhängen von Pin-ups und pornographischen Bildern am Arbeitsplatz, auffordernde Gesten, Exhibitionismus.

3. Physisch: Unerwünschter körperlicher Kontakt, „zufällige“ Berührung von Körperteilen wie Brust und Genitalien, Po-Kneifen oder Klapsen, Aufgedrängte Küsse und Umarmungen, (versuchte) Vergewalti­gung. Schwere Formen sexuelle Übergriffe, die auf den Intimbereich der Frauen gerichtet sind, finden allerdings vielfach unter Ausschluss eines Publikums statt. Unter diesen Bedingungen kann das zudringliche Verhalten für das Opfer zu einer massiven Bedrohung seiner körperlich-sexuellen Unversehrtheit erwachsen, deren Endpunkt nicht mehr einschätzbar ist.[11]

4. Sexuelle Erpressung: Androhung beruflicher Nachteilen bei sexueller Verweigerung, Versprechen beruflicher Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen.[12]

2 Personenkonstellationen in Belästigungssituationen

In einer Studie des Bundesministeriums für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit werden in der Branchenuntersuchung zu Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz die Variablen Alter, Betriebszugehörigkeit, relative berufliche Position und Familienstand von Tätern und Opfern erfasst.

2.1 Alter der Belästiger und der Belästigten

Abbildung 1: Alter der Belästiger und der Belästigten zum Zeitpunkt der Belästi­gung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eine Erstellung in Anlehnung an: Holzbecher, Monika; Braszeit, Anne; Müller, Ursula; Plogstedt, Sibylle: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz; Kohlhammer Verlag; Stuttgart 1990; S.265

In der oben stehenden Abbildung wird die prozentuale Verteilung von vier Gruppen in den einzelnen Altersklassen gegenübergestellt. Für die Branchenuntersuchung werden von Holzbecher et al. 1981 Fragebögen als auswertbar angegeben.[13] Mit Ausnahme der Anga­ben zur Altersverteilung der männlichen Erwerbspersonen stammen die Zahlen aus der Branchenuntersuchung der BMJFFG-Studie. Die Spalte "Belästigte Frauen" stellt dabei die von SB betroffene Teilgruppe der insgesamt befragten Frauen dar. Die Angaben über das Alter der männlichen Belästiger ergeben sich aus dem Kenntnisstand der Betroffenen.

Lesebeispiele: Von den Frauen, die über eine Belästigung berichteten, sind 22% unter 20 Jahre alt. Dagegen fallen nur 3% der insgesamt befragten Frauen in die Gruppe der unter 20-Jährigen. Nach Angabe der belästigten Frauen fallen 2% der Belästiger in die Kategorie der unter 20-Jährigen. Dies entspricht in etwa dem Anteil dieser Alters­gruppe unter den männlichen Erwerbspersonen in der BRD (5%). Für die untersuchten Betriebe liegen keine Angaben über die Altersverteilung der Belästiger vor, so dass auf die ungenaueren Strukturdaten des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen werden musste. Verglichen mit den BRD-Strukturdaten der männlichen Erwerbspersonen gibt es einerseits eine deutliche Überrepräsentierung der 30-50-Jährigen , die zwar 64% der Belästiger, aber nur 47% der männlichen Erwerbspersonen stellen.[14]

Andererseits ist die Gruppe der unter 30-jährigen mit nur 15% der Belästiger, im Vergleich zu ihrer relativen Häufigkeit an den gesamten männlichen Erwerbspersonen, mit 30% unterrepräsentiert.

2.2 Betriebszugehörigkeitsdauer der Belästiger und der Belästigten.

Die Betriebszugehörigkeitsdauer ist eng verknüpft mit dem Merkmal "Alter". Es ergeben sich die folgenden Zahlen:

Abbildung 2: Dauer der Betriebszugehörigkeit der Belästiger und der Belästigten zum Zeitpunkt der Belästigung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eine Erstellung in Anlehnung an: Holzbecher, Monika; S. 265, 293 u. 295

Auch hier stammen die aufgeführten Prozentangaben aus; der Branchenuntersuchung der BMJFFG-Studie. Drei Gruppen werden gegenübergestellt: In der ganz rechten Spalte finden sich Angaben zur Betriebszugehörigkeitsdauer aller befragten Frauen. Die Daten bezüglich der Frauen, die aus dieser Gruppe belästigt wurden, finden sich in der Spalte "Belästigte Frauen". Die Angaben über die männlichen Belästiger erge­ben sich aus dem Kenntnisstand der Betroffenen.[15]

Im Ge­samtbild zeigen sich deutliche Profile: Als Belästiger fallen diejenigen mit längerer Betriebszu­gehörigkeitsdauer auf (58% für die Gruppe der länger als; 5 Jahre Beschäftigten). Bei den Belästigten finden sich dagegen 66% in der Gruppe der weniger als 3 Jahre Be­schäftigten.

Diese Zahlen verweisen einerseits auf die asymmetrische Machtverteilung zwischen Belästigern und Belästigten. Andererseits könnte auch dahingehend die Vermutung angestellt werden, dass mit zunehmender Betriebszugehörigkeitsdauer, die Frauen als potentielle Opfer für die Täter ihren Reiz verlieren. Die Beurtei­lung der physischen Attraktivität ist bei Frauen erheblich stärker als bei Männem an die Variable Alter geknüpft.[16] Möglicherweise aber auch daher, weil mit zunehmen­der Betriebszugehörigkeitsdauer der Reiz des Neuen und des Unbekannten schwindet und sich die Frau somit weniger als Projektionsfläche für männliche Wünsche eignet. Eine vierte mögliche Interpretation argumentiert im Sinne eines Abstumpfungseffek­tes: Mit zunehmender Betriebszugehörigkeitsdauer "gewöhnen" sich die Frauen an sexistische Verhaltensweisen und nehmen sie weniger als Sexuelle Belästigung wahr. Dafür spricht, dass die Berufsanfängerinnen den bei weitem größten Teil der Belästigten (unter 20 Jahre 22%, 20-30 Jahre 53%) stellen.[17]

[...]


[1] Vgl. Deutscher Gewerkschaftsbund (Hrsg.): Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz; Düsseldorf 1998, S. 5

[2] vgl. Meschkutat B; Holzbecher M: Sexuelle Belästigung und Gewalt: (K)ein Thema für Personalverautwortliche?; in: Krell, Gertraude: Chancengleichheit durch Personal­politik: Gleichstellung von Frauen und Männern in Unternehmen und Verwaltungen; rechtli­che Regelungen - Problemanalysen - Lösungen; 2. Auflage; Gabler Verlag; Wiesbaden 1998; S. 398

[3] Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 200; S. 10

[4] Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 200; S. 10

[5] Vgl. Sadrozinski R; Grenzverletzungen, Sexuelle Belästigung im Arbeitsalltag; Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Frankfurt am Main 1993; S. 87

[6] Vgl. Sadrozinski R; Grenzverletzungen, Sexuelle Belästigung im Arbeitsalltag; Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Frankfurt am Main 1993; S. 88

[7] Vgl. Sadrozinski R; Grenzverletzungen, Sexuelle Belästigung im Arbeitsalltag; Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Frankfurt am Main 1993; S. 88

[8] Beschäftigtenschutzgesetz vom 24.6.1994: §2 (2); in Arbeitsgesetze; DTV; München 1998; S. 49

[9] Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 200; S. 15

[10] Vgl. Schnock B; Die Gewalt der Verachtung, Sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz; Röhrig Universitätsverlag; St. Ingbert 1999; S. 59-66

[11] Vgl. Schnock B; Die Gewalt der Verachtung, Sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz; Röhrig Universitätsverlag; St. Ingbert 1999; S. 143

[12] Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 2001; S. 15

[13] Vgl. Holzbecher, Monika; Braszeit, Anne; Müller, Ursula; Plogstedt, Sibylle: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz; Kohlhammer Verlag; Stuttgart 1990, S. 253

[14] Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 2001; S. 19

[15] Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 2001; S. 20

[16] Vgl. Sieverding, Monika: Geschlecht und physische Attraktivität; in: Hassebrauck, Manfred; Reiner: Physische Attraktivität; Hogrefe Verlag; Göttingen 1993; S. 235

[17] Vgl. Holzbecher, Monika; Braszeit, Anne; Müller, Ursula; Plogstedt, Sibylle: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz; Kohlhammer Verlag; Stuttgart 1990, S. 294

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640096503
ISBN (Buch)
9783640864843
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111602
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,5
Schlagworte
Belästigung Frauen Arbeitsplatz Ursachen Gegenmaßnahmen

Autor

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