Lade Inhalt...

Die Zukunft des Reiseveranstaltermarktes bei Flugreisen

Seminararbeit 2007 24 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Segmentierung im Touristikmarkt

3 Reiseveranstalter und Reisemittler
3.1 Reiseveranstalter in Deutschland
3.2 Reisemittler
3.3 Integrationen der Tourismuskonzerne
3.3.1 Horizontale Integration
3.3.2 Vertikale Integration

4 Reisearten und deren Leistungen
4.1 Die Pauschalreise mit ihren Vor- und Nachteilen
4.2 Reisepreiskalkulation einer Pauschalreise

5 Verkehrsarten im Flugverkehr
5.1 Charterfluggesellschaften und deren Kostenvorteile
5.2 Charterkonzepte
5.3 Kalkulation von Flugpreisen

6 Das Internetportal Expedia

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

PDF-Dateien:

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Marktsegmentierung nach dem Reiseanlass

Abbildung 2: Marktanteile der deutschen Reiseveranstalter

Abbildung 3: Anzahl der Reisebüros

Abbildung 4: Wachstum des Flugverkehrmarktes, Passagiere in Europa (in Mio.) und Marktanteile in %

Abbildung 5: Vergleich Expedia und TUI

Abbildung 6: Organisation der Urlaubsreise

1 Einleitung

Die Reiselust der Deutschen ist nach wie vor ungebremst. Das am häufigsten verwendete Verkehrsmittel ist immer noch der PKW. So fuhren 54% der Reisenden mit dem Auto zu ihrem gewünschten Reiseziel. Dagegen nutzten 32% der Deutschen das Flugzeug, die restlichen 7% bzw. 6% fuhren mit Bus und Bahn in den Urlaub.[1]

Im Jahr 2006 gaben die Bundesbürger 60,5 Mrd. Euro für Ihre Reisen aus. Damit sind sie unangefochtener Reiseweltmeister. Im Gegensatz betrugen die deutschen Reiseeinnahmen ungefähr 26 Mrd. Euro.[2]

Trotz der guten Zahlen steht der Reiseveranstaltermarkt gewaltig unter Druck. Zwar ist die Reislust der Deutschen stetig vorhanden, jedoch ist die Konkurrenz in der Reiseveranstalterbranche sehr groß. Die klassischen großen Veranstalter wie TUI oder Thomas Cook verlieren langsam ihre Vormachtstellung auf dem Markt, es kommen viele kleine Veranstalter wie ALDI, die ihnen ihre Position streitig machen wollen. Aber nicht nur ALDI beeinflusst die Marktstruktur, sondern auch die Reiseveranstalter aus dem Internet wie zum Beispiel das Internetreiseportal Expedia. Diese versuchen ihre Reiseangebote hauptsächlich oder nur über das Internet zu vertreiben. Deshalb zahlen sie keine Provision an die Reisebüros und der Personalaufwand ist ebenfalls sehr niedrig, da sie meist über eigene Callcenter die Reisen an den Mann bringen. Aufgrund dessen ist es den Internetportalen möglich, erhebliche Kosten einzusparen.

Die klassischen Veranstalter wie TUI und Thomas Cook müssen sich also etwas einfallen lassen, wenn sie ihre Marktposition nicht verlieren wollen.

2 Segmentierung im Touristikmarkt

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Reiseanlässe im Touristikmarkt, zum einen berufliche und zum anderen private Reisen. Berufliche Reisen können zum Beispiel Geschäftsreisen, Incentive-Reisen, Messe-, Kongressreisen oder kombinierte Geschäfts- und Urlaubsreisen sein. Eine Incentive-Reise ist eine Belohnungsreise die ein Mitarbeiter aufgrund besonderer Leistungen von seinem Unternehmen erhält. Berufliche Reisen haben einen betrieblichen Anlass und die Kosten werden vom Unternehmen getragen. Die Privatreisen werden in Urlaubsreisen, Besuchsreisen zu Verwandten oder Freunden und in sonstige Privatreisen unterteilt.[3] [4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Marktsegmentierung nach dem Reiseanlass

3 Reiseveranstalter und Reisemittler

3.1 Reiseveranstalter in Deutschland

Ein Reiseveranstalter führt selbst oder mit Hilfe Dritter, das heißt mittels Reisebüro eine Reiseveranstaltung durch. Des Weiteren bietet er verschiedene touristische Haupt- und Nebenleistungen wie zum Beispiel Flug, Hotel oder Mietwagen, zu einem Pauschalpreis an.[5] Der Veranstalter haftet für sämtliche Schäden die bei der Reise auftreten, jedoch muss dies ausdrücklich von den Reisenden glaubhaft dargestellt werden.

Der größte deutsche Reiseveranstalter ist TUI mit 14,4 Mio. Kunden und einem Umsatz von 4,46 Mrd. Euro im Jahr 2006.[6] Damit liegt TUI, was die Teilnehmeranzahl betrifft an der Spitze. Gemessen am Umsatz ist der Zweitplatzierte Reiseveranstalter Thomas Cook jedoch „nur“ 1,4 Mrd. Euro von TUI entfernt, obwohl er im Gegensatz zu diesem nur ca. die Hälfte an Teilnehmern abfertigte. Dieser hohe Umsatz ist auf die große Anzahl von Fernreisen zurück zu führen, die vor allem die Charterfluggesellschaft Condor für Thomas Cook durchführt. An dritter Stelle befindet sich die REWE Touristik, sie liegt ungefähr auf gleicher Höhe wie Thomas Cook. REWE zeichnet sich vor allem durch ihre große Produktpalette aus, zu ihr gehören einige kleinere aber relativ bekannte Veranstalter wie zum Beispiel ITS Reisen, Tjaereborg und Jahn Reisen. Zu erwähnen ist ebenso der an sechster Stelle platzierte Veranstalter Öger Tours. Dieser bietet hauptsächlich Türkei- und Ägyptenreisen zu günstigen Preisen an, welche bei den deutschen Reisenden sehr beliebt sind.

TUI ist mit 29% Marktanteil Marktführer im deutschen Reiseveranstaltermarkt. Danach folgen Thomas Cook und REWE Touristik mit 19%- bzw. 18%. Direkt dahinter liegen Alltours mit 7,1%, FTI Touristik und Öger Tours mit jeweils 4% Marktanteil.[7]

In der folgenden Abbildung 2 sind vor allem die 19% der sonstigen Reiseveranstalter zu erläutern. Diese machen immerhin ein fünftel des gesamten Reiseveranstaltermarktes aus. Hierbei ist besonders der Lebensmittel-Discounter ALDI zu erwähnen. ALDI bietet seit dem Jahr 2007 diverse Pauschalreisen an. In einem kleinen Prospekt werden fünf konkrete Angebote ausgewiesen, darunter zum Beispiel eine Fernreise nach Mexiko oder auch Kurzreisen an die Nord- und Ostsee. ALDI arbeitet mit dem Reise-Direktanbieter Berge&Meer zusammen. Im Januar 2007 brachte man es auf 32.000 Teilnehmer und einen Umsatz von zwölf Millionen Euro.[8] Damit ist ALDI zwar noch ein kleines Licht am Markt, aber mit dieser Strategie schnappen sie mehr und mehr den großen Veranstaltern die Kunden weg. Das Gleiche gilt natürlich auch für andere kleine Reiseveranstalter, diese stehen ALDI in Nichts nach.

Abb. 2 Marktanteile der deutschen Reiseveranstalter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Reisemittler

Ein Reisemittler ist ein Handelsbetrieb, der im Auftrag der Produzenten vorwiegend Pauschalreisen und touristische Einzelleistungen an die Endverbraucher vermittelt.[9]

Reisemittler sind zum Beispiel Reisebüros, die für verschiedene Reiseveranstalter hauptsächlich Pauschalreisen vertreiben. Das Reisebüro kann auch selbst als Reiseveranstalter tätig sein, jedoch ist es eher üblich, dass es die Reiseangebote der Veranstalter an die Kunden weitervermittelt. Dafür bekommt das Reisebüro eine handelsübliche Provision vom Reiseveranstalter. Das Reisebüro ist verantwortlich für die Vertretung und den Verkauf des Programms des jeweiligen Veranstalters oder Leistungsträgers.[10] Hierunter fallen zum Beispiel die Vorhaltung von Produktinformationen (Kataloge und Reiseprospekte), Verkaufsabschluss und die Erstellung und Zustellung der Reiseunterlagen. Der Reisemittler haftet für die fachliche Beratung und die ordnungsgemäße Weiterleitung der Buchung.[11]

Trotz der guten Zahlen des Reisemarktes, nimmt die Zahl der Reisebüros ab. Im Jahr 2006 gab es noch 11.866 Reisebüros in Deutschland, vergleichsweise waren es 2005 noch 12.639 Reisbüros.[12] Das ist ein Rückgang von 773 Büros, dies entspricht ca. einem Minus von 6%.

Die 11.866 Reisebüros aus dem Jahr 2006 teilen sich wie folgt auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Anzahl der Reisebüros[13]

Die klassischen Reisbüros zeichnen sich dadurch aus, dass sie mindestens eine Veranstalterlizenz und mindestens eine Verkehrsträgerlizenz besitzen. Das Business Travel Büro vertreibt hauptsächlich Geschäfts- und Dienstreisen. Ein touristisches Reisebüro muss mindestens zwei Veranstalterlizenzen aufweisen, jedoch braucht es keine Verkehrsträgerlizenz.[14]

Die Verkehrsträgerlizenz berechtigt ein Reisebüro Flugtickets oder Bahnfahrkarten zu verkaufen. Eine Veranstalterlizenz erlaubt dem Reisebüro im Namen des Reiseveranstalters, Pauschalreisen und touristische Leistungen zu vertreiben.

Der Rückgang der Reisebüros ist auf die vermehrten Online-Buchungen zurück zu führen. Die Kunden buchen lieber einfach strukturierte Pauschalreisen online. Komplexe Buchungen wie die Individualreise erfolgen über das Reisebüro, deshalb sind die Reiseveranstalter gezwungen, ihre Angebote sowohl im Reisebüro als auch im Internet zu verkaufen.[15]

Die Reiseveranstalter versuchen deshalb mehr und mehr die Nutzung von beiden Vertriebskanälen. Im Jahr 2005 verkauften die Reiseveranstalter 8% der Reisen über das Internet, 41% nutzten sowohl Internet als auch Reisebüro. Die restlichen 51% fallen komplett an die Reisebüros.[16]

3.3 Integrationen der Tourismuskonzerne

3.3.1 Horizontale Integration

Unter der horizontalen Integration versteht man die Erweiterung des bisherigen Produktprogramms um verwandte Produkte für die tendenziell gleiche Abnehmerschaft.[17]

Dies bedeutet, dass ein Reiseveranstalter andere Veranstalter in sein Unternehmen aufnimmt, um somit das eigene Produktportfolio zu erweitern.

TUI zum Beispiel hat den Ferienhausspezialist Wolters-Reisen aufgekauft, damit wurde das Produktangebot an Ferienhäusern um ein vielfaches ausgebaut. Eine solche horizontale Integration ist besonders dann erstrebenswert, wenn ein Veranstalter seinen Marktanteil vergrößern möchte. Durch die vertikale Integration können neue Kunden gewonnen bzw. bestehende Kunden gehalten werden. Weiterhin kann eine Reduktion des Marktrisikos durch eine höhere Flexibilität bei der Reaktion auf neue Entwicklungen und Trends erzielt werden.[18]

3.3.2 Vertikale Integration

Die vertikale Integration zeichnet sich dadurch aus, dass die verschiedenen touristischen Leistungen nur von einem Reiseveranstalter durchgeführt werden. Das heißt, der Veranstalter versucht über die vertikale Integration die gesamte Wertschöpfungskette des Produktes „Reise“ in seinem Besitz zu bündeln.[19] Zu der Wertschöpfungskette gehören zum Beispiel Reisebüros, Flugzeuge, Hotels- bzw. Hotelketten, Incomingagenturen und Mietwagen.

Als Beispiel ist hier wiederum der Reisekonzern TUI zu erwähnen, er hat eigene Reisebüros, Flugzeuge und Hotels. Durch den Besitz von touristischen Leistungen kann TUI Synergieeffekte aufbauen und diese über die vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette in erhebliche Kostenvorteile umsetzen. Darüber hinaus ermöglicht die vertikale Integration eine stärkere Kontrolle des Reisablaufs, sowie eine bessere Kapazitätsplanung.[20]

4 Reisearten und deren Leistungen

Die Veranstalter können Reisen in vielfältigen Formen und Variationen anbieten. Grundsätzlich werden vier Reisearten unterschieden, die in den folgenden Unterpunkten näher beschrieben werden sollen.

(1) Die Vollpauschalreise

Die Vollpauschalreise ist dadurch gekennzeichnet, dass alle Hauptleistungen, wie Transport, Unterkunft, Betreuung vor Ort im Zielgebiet, Transfers und Verpflegung im Reisepreis eingeschlossen sind.[21] Sie ist die am meisten verbreitete und von den Kunden am häufigsten gebuchte Reiseart.

(2) All-Inclusive Tours

Bei dieser Reiseart werden die gleichen Leistungen erbracht wie bei einer Vollpauschalreise zum Beispiel Transport, Beherbergung und Verpflegung. Jedoch werden dazu noch weitere Nebenleistungen angeboten, die keine extra Kosten verursachen. Hierzu zählen umfangreiche Sportangebote, Animation sowie zusätzliche Verpflegungsleistungen.[22]

(3) Teil-Pauschalreise

Bei der Teil-Pauschalreise ist nur eine Hauptleistung im Reisepreis enthalten. Das bedeutet, dass nur der Transport oder nur die Beherbergung vom Veranstalter zur Verfügung gestellt wird.[23]

(4) Individualreise

Die Individualreise wird vom Kunden selbst organisiert, das heißt er bucht selbst seine eigene Reise mit den gewünschten Haupt- und Nebenleistungen dazu. Hierbei ist der Kunde völlig unabhängig vom Reiseveranstalter, denn er kann frei nach seinen Wünschen den Flugtermin und die Fluggesellschaft sowie das Hotel aussuchen.

4.1 Die Pauschalreise mit ihren Vor- und Nachteilen

Die Pauschalreise ist die am häufigsten gebuchte Reiseart. Die Kunden verbinden mit ihr ein angenehmes und stressfreies Reisen. In den Jahren 2002 bis 2006 ist der durchschnittliche Preis einer Pauschalreise von 546,-€ auf 521,-€ gefallen, jedoch ist die Reisedauer in diesem Zeitraum von 11,9 Tagen auf 10,9 Tage gesunken.[24] Dies zeigt wiederum, dass es in den Jahren 2002 bis 2006 kaum Veränderungen gab und dass die Pauschalreise noch immer einen hohen Stellenwert besitzt.

Die Pauschalreise weist verschiedene Vorteile gegenüber anderen Reisearten auf. Ein Vorteil ist die organisatorische Entlastung, das heißt der Pauschalreisende braucht sich nicht um seine Hotelreservierung oder den Transfer vom Flughafen zu kümmern. Diese Aufgaben werden vollständig vom Reiseveranstalter oder dessen Incomingagentur vor Ort erledigt. Ein weiterer Vorzug von Pauschalreisen ist die Fachkompetenz des Reiseveranstalters, denn durch dessen Spezialisierung muss der Reisende keine Sprachbarrieren überwinden. Außerdem wird der Ablauf des Reiseaufenthalts fachmännisch geplant und durchgeführt. Des Weiteren versprechen sich die Kunden einen höheren Nutzen bei der Buchung einer Pauschalreise, denn sie können jederzeit auf die Problemlösungsdienste und auf die Fachkompetenz des Reiseveranstalters zurückgreifen.[25]

Neben diesen Vorteilen der Pauschalreise stehen natürlich auch einige Nachteile, so ist eine Pauschalreise häufig teurer als eine selbstorganisierte Individualreise. Pauschalreisen werden oft als „Massenurlaub“ oder „Touristenherden“ polemisiert. Dies ist für viele Reisende ein unabdingbares Qualitätsurteil, auf das sie ungern verzichten möchten.[26]

4.2 Reisepreiskalkulation einer Pauschalreise

Die folgende Reisepreiskalkulation ist ein selbst gewähltes und fiktives Beispiel. In der nachfolgenden Darstellung werden realitätsnahe Kosten des Reiseveranstalters für eine 7-tägige Türkeireise aufgelistet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es entstehen für den Reiseveranstalter Kosten in Höhe von 285€. Der Veranstalter verkauft diese Reise jetzt entweder über das Internet oder über ein Reisebüro. Diese beiden Kalkulationen werden in der nächsten Darstellung aufgezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Reiseveranstalter schlägt auf die entstandenen Kosten einen von ihm gewählten Deckungsbeitrag auf. Im Beispiel sind es 115,-€, daraus ergibt sich ein Gesamtpreis für den Kunden von 400,-€.

Verkauft der Veranstalter über das Reisebüro, käme noch ein Aufschlag in Höhe der Reisebüroprovision hinzu. In der Darstellung erhält das Reisebüro eine Provision von 12% vom Veranstalter. Im vorangegangenen Beispiel sieht man zwei kalkulierte Preise, den Preis des Reiseveranstalters und den Preis des Reisebüros. Die beiden Preise unterscheiden sich um 48,-€, jedoch schreibt das Reiserecht vor, dass der Preis im Internet sowie im Reisebüro identisch sein muss. Das bedeutet, wenn ein Kunde direkt beim Veranstalter bucht, muss er auch 449,-€ wie im Reisebüro bezahlen. Der Veranstalter profitiert deshalb unwahrscheinlich vom Internetvertrieb, denn hier muss er keine Provision an das Reisbüro zahlen. Im Beispiel wäre das für den Veranstalter ein Gewinn von 163,-€.

5 Verkehrsarten im Flugverkehr

Heutzutage unterscheidet man zwei Verkehrsarten im Flugverkehr, zum einen den Fluglinienverkehr und zum anderen den Charterverkehr. Der Fluglinienverkehr ist gekennzeichnet durch Merkmale wie Gewerbsmäßigkeit, Öffentlichkeit, Regelmäßigkeit, Linienbindung, Beförderungspflicht, Betriebspflicht und Tarifpflicht.[27]

Der Charterflugverkehr ist definiert als „nicht“ Linienverkehr. Man bezeichnet ihn auch als Bedarfsflug-, Gelegenheits- oder Ferienflugverkehr.[28]

5.1 Charterfluggesellschaften und deren Kostenvorteile

Eine Charterfluggesellschaft unterhält in der Regel keine eigenen Fluglinien. Sie bietet ihre Flugzeuge und Besatzungen gegen ein entsprechend festgelegtes Entgelt an.

Einerseits können Privatpersonen und Unternehmen einzelne Flüge in Anspruch nehmen, andererseits gibt es mit den großen Touristikkonzernen wie TUI auch dauerhafte Abkommen.[29]

Die Charterfluggesellschaft schließt dazu einen kompletten Rahmenvertrag mit dem Reiseveranstalter ab. Darin verpflichtet sich die Fluggesellschaft die Beförderungsleistung ordnungsgemäß durchzuführen. Reine Ferienflieger sind zum Beispiel Condor, Hapag Lloyd, Lauda Air oder Aero Lloyd.

Ein Kostenvorteil des Charterflugverkehrs ist vor allem der höhere Sitzladefaktor aufgrund des auslastungssicheren Point-to-Point-Verkehrs. Die Fluggesellschaft kann weiterhin mit festen Aufenthaltsdauern der Passagiere rechnen. Indirekte Kosten wie zum Beispiel Passagierservice, Verkauf und Werbung, Verwaltung und sonstige Gemeinkosten können erheblich reduziert werden. Des Weiteren ergeben sich Kostenvorteile wie die Einsparung von Vertriebskosten, da der Veranstalter die Reise und somit auch den Flug verkauft. Die Charterfluggesellschaft erhält außerdem Stornierungsgebühren beim Nichtantritt der Reise und sie hat einen Liquiditätsvorteil durch die Vorauszahlung der Reiseveranstalter.[30]

Trotz der vielen Kostenvorteile, verlieren die Chartergesellschaften immer mehr Marktanteile. Dies ist vor allem auf das hohe Wachstum der Billigflieger zurück zu führen. In den letzten neun Jahren haben die europäischen Passagierzahlen enorm zugenommen, am meisten davon profitierten die Low Cost Airlines. Und in den nächsten Jahren wird der Billigflugsektor noch mehr zulegen, so dass er 2010 einen Marktanteil von 24% haben soll. Damit ist der Low Cost Sektor der größte Konkurrent der Charterfluggesellschaften. Des Weiteren verliert die Pauschalreise immer mehr an Bedeutung, denn die Inanspruchnahme von Individualreisen sowie Baukastenreisen nehmen überproportional zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Wachstum des Flugverkehrmarktes, Passagiere in Europa (in Mio.) und Marktanteile in %.[31]

5.2 Charterkonzepte

Es werden grundsätzlich vier Charterkonzepte unterschieden:[32]

- Vollcharter (Plane load): Ein Reiseveranstalter nimmt alle Plätze eines Flugzeugs unter Vertrag.
- Splitcharter: Die Kapazität des Flugzeugs wird von mehreren Reiseveranstaltern geteilt.
- Partcharter: Ein Reiseveranstalter chartert eine bestimmte Anzahl von Plätzen auf einem Linienflug.
- Einzelplatz-Buchung: Ein Reiseveranstalter bucht einzelne Plätze bei der Fluggesellschaft je nach vorhandenem Bedarf.

5.3 Kalkulation von Flugpreisen

Im folgenden Beispiel sollen die einzelnen Abläufe der Kalkulation von Flugpreisen für den Reiseveranstalter beschrieben werden. Es sind nachstehende Angaben gegeben.

- Anzahl der Plätze: 160
- Frequenz: 1x pro Woche
- Erster Hinflug: 31.März
- Letzter Rückflug: 27.Oktober
- Durchschnittliche Reisedauer: 2 Wochen
- Dauer der Saisonzeit: 30 Wochen
- Angebotener Preis pro Platz: 180,-€
- Auslastung: 87%

Im den obigen Annahmen gehen wir von einer Auslastung von 87% aus, für die weiteren Berechnungen der Gesamtkapazität gehen wir von einer Auslastung von 100% aus.

1) Berechnung der Gesamtkapazität

160 Plätze X 30 Wochen= 4800 Plätze X 180,-€= 864.000,- €

2) Berechnung unter Berücksichtigung der Leerfluganteile

Die Leerfluganteile ergeben sich aus den 30 Wochen Dauer der Saisonzeit abzüglich 2 Wochen für die ersten beiden leeren Rückflüge und die letzten beiden leeren Hinflüge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3) Berechnung der Gesamtkapazitäten bei 87% Auslastung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Flugpreis laut Kalkulation beträgt 222,-€. Der Reiseveranstalter schlägt hierauf in der Regel noch einen individuellen Gewinnaufschlag von etwa 10% bis 18%, unter Berücksichtigung der fixen und variablen Kostenanteile sowie eventuelle steuerliche Zuschläge und Reisebüroprovisionen.[33]

6 Das Internetportal Expedia

Das Internetportal Expedia verkauft Reisen über das Internet. Der Internettouristiker ist zu einer starken Konkurrenz für die großen Tourismuskonzerne geworden, denn er arbeitet ohne eigene Hotels, Flugzeuge, Ankunftsagenturen, Kataloge und ohne Abhängigkeit von Reisebüros.

Die Ware kauft Expedia frei am Markt und reicht sie mit einem Gewinnaufschalg weiter. Meist via Internet, gelegentlich auch per Callcenter.[34]

Der große Erfolg ist auf das Baukastenprinzip zurück zu führen. Bei Expedia können sich die Kunden ihre eigene Pauschalreise wie einen Baukasten zusammenstellen, ohne dass ein klassischer Veranstalter mitwirkt. Die Reisenden können sich so ihr gewünschtes Hotel, Verpflegung, Flugtermin individuell organisieren. Im Vergleich zu den klassischen Reisekonzernen ist Expedia konkurrenzfähig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Vergleich Expedia und TUI[35]

Die Abbildung zeigt, wie stark Expedia den größten deutschen Reisekonzern TUI unter Druck setzt. Expedia hat lediglich 6500 Mitarbeiter, TUI dagegen 50500. Der Internettouristiker erwirtschaftet aber einen operativen Gewinn je Mitarbeiter von 48000,-€. Das ist fast siebenmal so viel wie eine Durchschnittskraft bei TUI erzielt.

7 Fazit und Ausblick

Der Reiseveranstaltermarkt in Deutschland ist sehr hart umkämpft. Die Kleinen Veranstalter wie ALDI und Expedia machen mit ihren Angeboten den großen Touristikkonzernen das Leben schwer. Durch überschaubare Konzepte wie das Baukastenprinzip oder die fünf Topangebote von ALDI, tritt die Pauschalreise immer mehr in den Hintergrund. Dagegen sind Individualreisen ganz hoch im Kurs, vor allem selbst organisierte Flüge mit Billigfliegern profitieren enorm vom Individualreiseboom.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 Organisation der Urlaubsreise[36]

In Abbildung sechs ist deutlich zu erkennen, dass die Pauschalreise in den Jahren 2000 bis 2004 um 15% abgenommen hat. Selbstorganisierte Reisen und Baukastenreisen haben dagegen kräftig zugelegt. Im Jahr 2000 buchten 4% der Bundesbürger eine Reise nach dem Baukastenprinzip, 2004 waren es 9% und damit ein überproportionaler Anstieg von 125%. Auch die Selbstorganisierer haben gut zugelegt, insgesamt um 31%. Diese Zahlen belegen deutlich, dass sich der Reiseveranstaltermarkt im Umbruch befindet.

Es ist höchste Zeit für die Reisekonzerne, ihre Strategien im Markt zu ändern. Es herrscht ein Überangebot in der Reisewelt, darum ist es besonders für die Veranstalter erstrebenswert ihre Produkte so zu strukturieren, dass möglichst viele Kunden angesprochen werden.

Die Billigflieger profitieren enorm vom Umbruch in der Touristikbranche. Denn durch den Anstieg der Baukastenreisen und vor allem durch selbstorganisierte Reisen, ist der Marktanteil der Low Cost Carrier im Jahr 2007 schon bei 20% angelangt. Im Jahr 2010 soll der Marktanteil bei 24% liegen, was fast ein Viertel des gesamten Marktes ausmachen würde.[37]

Trotz des harten Machtkampfs in der Reisewelt steigt die Zahl der Passagiere stetig an. Aufgrund dessen ist die Situation zwar angespannt, aber nicht aussichtslos. Es müssen neue Strategien her um das steigende Reiseaufkommen in den nächsten Jahren zu bewältigen.

Literaturverzeichnis

Freyer, W., Pompl, W., Reisebüro-Management, München/Wien 1999.

Pompl, W., Luftverkehr, 3. Auflage, Berlin/Heidelberg, 1998.

Pompl, W., Touristikmanagement 1, 2. Auflage, Berlin/New York 1997.

Pompl, W., Touristikmanagement 2, Berlin/NewYork 1996.

Sterzenbach, R., Conrady, R., Luftverkehr: Betriebswirtschaftliches Lehr- und Handbuch, 3. Auflage, München/Wien 2003.

Zeitschriften:

Fvw International (2007): Der Aldi-Effekt und die Folgen für den Reisevertrieb, Die Kraft der fremden Marken, Heft 04/07 vom 16. Februar 2007, Hamburg.

Manager Magazin (2006): Mit leichtem Gepäck, Expedia, Heft 12/06, 36. Jahrgang, Hamburg.

PDF-Dateien:

Daniel, R., Lambertz, M., Management von komplexen Markenportfolios – Markenführung in der World of TUI, erhältlich unter: http://www.competence- ste.de/marketing.pdf, Stand 23. Juni 2007

Deutscher ReiseVerband (DRV), Fakten und Zahlen zum deutschen Reisemarkt 2006 erhältlich unter: http://www.drv.de/fileadmin/user_upload/2007_DRV_FZD_2006.pdf, Stand 28. Juni 2007.

Focus-Medialine, Der Markt für Urlaub und Geschäftsreisen, Fakten 2005, erhältlich unter: http://www.suedlicher-oberrhein.ihk.de/docs/view/dlzbu focusmedialinereise2005.pdf, Stand 26. Juni 2007.

HSH Nordbank: Branchenstudie Low Cost Carrier, Transport-Research September 2005, erhältlich unter: http://www.hshnordbank.de/home/themen/presse/publikationen/branchenstudie n/transport/BranchenstudieLowCostCarrier0905.pdf, Stand 28. Juni 2007

IHK-Information Pfalz, Reisebüro und Reiseveranstalter, erhältlich unter: http://www.pfalz.ihk24.de/produktmarken/starthilfe/gruendung/basisinfo/anhaen gsel/Reisebuero-Reiseveranstalter.PDF, Stand 25. Juni 2007

Mercer Management Consulting Studie 2006, Multi-Channel-Management, erhältlich unter: http://www.mercermc.de/uploads/media/Charts_Touristikstudie_01.pdf, Stand 28. Juni 2007

[...]


[1] Vgl. Deutscher ReiseVerband (DRV), Fakten und Zahlen zum deutschen Reisemarkt 2006, S.8, erhältlich unter: http://www.drv.de/fileadmin/user_upload/2007_DRV_FZD_2006.pdf, Stand 28. Juni 2007.

[2] Vgl. Focus-Medialine, Der Markt für Urlaub und Geschäftsreisen, Fakten 2005, S.6, erhältlich unter: http://www.suedlicher-oberrhein.ihk.de/docs/view/dlzbu_focusmedialinereise2005.pdf, Stand 26. Juni 2007

[3] Vgl. Pompl, W., Touristikmanagement 1, Berlin 1997, S.196

[4] Vgl. Pompl, W., Luftverkehr, Berlin 1998, S.141

[5] Vgl. IHK-Information Pfalz, Reisebüro und Reiseveranstalter, S.1, erhältlich unter: http://www.pfalz.ihk24.de/produktmarken/starthilfe/gruendung/basisinfo/anhaengsel/Reisebuero-Reiseveranstalter.PDF, Stand 25. Juni 2007

[6] Vgl. Deutscher ReiseVerband (DRV), Fakten und Zahlen zum deutschen Reisemarkt 2006, S.14, erhältlich unter: http://www.drv.de/fileadmin/user_upload/2007_DRV_FZD_2006.pdf, Stand 28. Juni 2007.

[7] Vgl. Deutscher ReiseVerband (DRV), Fakten und Zahlen zum deutschen Reisemarkt 2006, S.14, erhältlich unter: http://www.drv.de/fileadmin/user_upload/2007_DRV_FZD_2006.pdf, Stand 28. Juni 2007.

[8] Vgl. Fvw Magazin, Der Aldi-Effekt und die Folgen für den Reisevertrieb, S.34, Ausgabe 04/07, 16. Februar 2007.

[9] Vgl. Freyer, W., Pompl, W., Reisebüromanagement, München 1999, S.3

[10] Vgl. ebenda, S.10

[11] Vgl. IHK-Information Pfalz, Reisebüro und Reiseveranstalter, S.3, erhältlich unter: http://www.pfalz.ihk24.de/produktmarken/starthilfe/gruendung/basisinfo/anhaengsel/Reisebuero-Reiseveranstalter.PDF, Stand 25. Juni 2007

[12] Vgl. Deutscher ReiseVerband (DRV), Fakten und Zahlen zum deutschen Reisemarkt 2006, S.15, erhältlich unter: http://www.drv.de/fileadmin/user_upload/2007_DRV_FZD_2006.pdf, Stand 28. Juni 2007.

[13] Vgl. ebenda, S.15

[14] Vgl. Deutscher ReiseVerband (DRV), Fakten und Zahlen zum deutschen Reisemarkt 2006, S.15, erhältlich unter: http://www.drv.de/fileadmin/user_upload/2007_DRV_FZD_2006.pdf, Stand 28. Juni 2007.

[15] Vgl. Mercer Management Consulting Studie 2006, Multi-Channel-Management, S.5, erhältlich unter: http://www.mercermc.de/uploads/media/Charts_Touristikstudie_01.pdf, Stand 28. Juni 2007

[16] Vgl. ebenda, S.5

[17] Vgl. Daniel, R., Lambertz, M., Management von komplexen Markenportfolios – Markenführung in der World of TUI, S.8, erhältlich unter: http://www.competence-ste.de/marketing.pdf, Stand 23. Juni 2007

[18] Vgl. Daniel, R., Lambertz, M., Management von komplexen Markenportfolios – Markenführung in der World of TUI, S.8, erhältlich unter: http://www.competence-ste.de/marketing.pdf, Stand 23. Juni 2007

[19] Vgl. ebenda, S.11

[20] Vgl. ebenda, S.12

[21] Vgl. Freyer, W., Pompl, W., Reisebüromanagement, München 1999, S.374

[22] Vgl. ebenda, S.375

[23] Vgl. ebenda, S.376

[24] Vgl. Deutscher ReiseVerband (DRV), Fakten und Zahlen zum deutschen Reisemarkt 2006, S.5, erhältlich unter: http://www.drv.de/fileadmin/user_upload/2007_DRV_FZD_2006.pdf, Stand 28. Juni 2007.

[25] Vgl. Pompl, W., Touristikmanagement 2, Berlin 1996, S.25

[26] Vgl. Pompl, W., Touristikmanagement 2, Berlin 1996, S.27

[27] Vgl. Pompl, W., Touristikmanagement 1, Berlin 1997, S.198

[28] Vgl. ebenda, S.199

[29] Vgl. Pompl, W., Touristikmanagement 1, Berlin 1997, S.211

[30] Vgl. ebenda, S.212

[31] Vgl. HSH Nordbank: Branchenstudie Low Cost Carrier, Transport-Research September 2005, S.7, erhältlich unter: http://www.hshnordbank.de/home/themen/presse/publikationen/branchenstudien/transport/BranchenstudieLowCostCarrier0905.pdf, Stand 28. Juni 2007

[32] Vgl. Conrady, R., Sterzenbach, R., Luftverkehr, 2003, S.442

[33] Vgl. Freyer, W., Pompl, W., Reisebüromanagement, München 1999, S.390

[34] Vgl. Manager Magazin, Expedia-Mit leichtem Gepäck, S.84, Ausgabe 12/06, Dezember 2006.

[35] Vgl. ebenda, S.86

[36] Vgl. Focus-Medialine, Der Markt für Urlaub und Geschäftsreisen, Fakten 2005, S.16, erhältlich unter: http://www.suedlicher-oberrhein.ihk.de/docs/view/dlzbu_focusmedialinereise2005.pdf, Stand 26. Juni 2007

[37] Vgl. HSH Nordbank: Branchenstudie Low Cost Carrier, Transport-Research September 2005, S.7, erhältlich unter: http://www.hshnordbank.de/home/themen/presse/publikationen/branchenstudien/transport/BranchenstudieLowCostCarrier0905.pdf, Stand 28. Juni 2007

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (Buch)
9783640112630
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111519
Institution / Hochschule
Fachhochschule Trier - Hochschule für Wirtschaft, Technik und Gestaltung – FH Trier
Note
1,3
Schlagworte
Zukunft Reiseveranstaltermarktes Flugreisen Seminar Airline Management

Autor

Zurück

Titel: Die Zukunft des Reiseveranstaltermarktes bei Flugreisen