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Die Codierung geschlechtsspezifisch geordneter Erkenntnis- und Kommunikationsstrukturen in der Moderne als Folge und Voraussetzung gesellschaftlichen Wandels

Hausarbeit 2006 26 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhalt:

Abstract

1. Einleitung

2. Die Moderne
2.1.Gesellschaftsformen
2.1.1. Segmentäre Gesellschaften
2.1.2. Stratifizierte Gesellschaften
2.1.3. Funktional differenzierte Gesellschaften
2.2.Massenmedien

3. Bewusstsein und Kommunikation
3.1. Das personale System
3.2. Das soziale System
3.3. Interaktionsmedien
3.4. Strukturelle Kopplung
3.5. Reduktion von Komplexität
3.6. Sinn

4. Die Genderkonzeption der Systemtheorie
4.1. Doppelte Kontingenz
4.2. Geschlechtsidentität
4.2.1. Die drei Sinndimensionen
4.2.2. Dimensionen der Geschlechtsidentität
4.3.Konsequenzen
4.3.1. Frauen- und Männerstereotype

5. Der Einfluss der Massenmedien auf Kommunikation und Bewusstsein
5.1.Berichte, Werbung und Unterhaltung
5.1.1. Berichte
5.1.2. Unterhaltung
5.1.3. Werbung
5.2.Beschreibung
5.2.1. Die Massenmedien als gesellschaftliches Subsystem
5.2.2. Manipulation und Einflussnahme

6. Intragesellschaftliche Transformationen
6.1.Die Moderne II – eine Bestandsaufnahme
6.2.Geschlechtertransformationen
6.2.1. Personale Transformationen
6.2.2. Soziale Transformationen
6.3.Fazit

7. Literatur

Abstract

This homework is dealing with the topic Gender from a systemtheoretical point of view. Therefore the organization and structure of the modern society will be examined. The homework focusses on how the society is reflecting the distribution and demonstration of its power in the relations between the sexes. As the most powerful creators of meaning and reality the mass medias will be described and examined in its functions afterwards. The result will be an analysis of the possibilities of an emancipatory transformation on the personal and social level in the functional differentiated society.

1. Einleitung:

Die vorliegende Hausarbeit widmet sich dem Thema personal und sozial konstruierter Geschlechter unter systemtheoretischer Perspektive. Wie der Titel schon zeigt sind damit Zumutungen an das flüssige Lesen aufgrund hoher Abstraktionsgrade verbunden.

Formal geht es daher darum, die Systemtheorie in ihrer Anwendung auf das genannte Thema einfach (statt: vereinfachend) und voraussetzungslos zu erläutern.

Inhaltlich hat die Hausarbeit den Anspruch, Möglichkeiten und Beschränkungen von Erkenntnisgewinnung auf der Grundlage von intrakulturellen Machtverhältnissen zu sichten. Rechtlich-formal sind sich die Geschlechter faktisch gleichgestellt. Dass die Realität anders aussieht zeigt die Notwendigkeit von Gleichstellungsbeauftragten, Antidiskriminierungsgesetzen und vor allem latent und immanent wirkender geschlechtlich stratifizierter Machtverhältnisse, auf die genannte rechtliche Massnahmen versuchen zu reagieren. Das bedeutet, dass die funktional differenzierten Gesellschaften ihrem Anspruch hinterherhängen, Personen unter Absehung ihrer Person (!) in ihren Subsystemen gemäss der ihnen eigenen Leitunterscheidungen zu behandeln. Um das zu verstehen muss zunächst das systemtheoretische Vokabular genauer erläutert werden. Das soll sich aus der Hausarbeit ergeben.

Für diese erste Annäherung an das Thema wird vorerst nicht alles in jede Einzelheit erklärt. Weinbach (2004) benutzt in Erörterung der Genderproblematik den Begriff der geschlechtsspezifischen „Einfärbung“ von jedweden Erkenntnisprozessen und Kommunikationen. Soll das, was in der Wissenschaft als Wahrheit (welchen Charakters auch immer – seit Kuhn wird der Wahrheit oft genug ein „vorläufig“ vorangestellt) entdeckt und/oder angenommen wird, in die Bestände moderner Forschungen eingereiht werden, muss es sich der Überprüfung auf genannte Einfärbung aussetzen und standhalten. Und genau das begründet den Sinn, darüber zu arbeiten. „Einfärbung“ ist so vage gehalten und es gibt derart viele unterschiedlich besetzte Positionen in der Genderdebatte, dass die Systemtheorie unter Ausschaltung besagter Positionsdifferenzen einen allgemeinen Standpunkt bieten kann, der die Streitpunkte überbrückt und erklärt, was häufig nur ungreifbar mitschwingt und erst in empirischen Studien[1] seinen Faktizitätswert gewinnt.

2. Die Moderne:

2.1. Gesellschaftsformen

Und das führt als nächstes zur Konstruktion des Begriffes der Moderne. Diese ergibt sich aus der historisch-chronologischen Beobachtung von Veränderungen gesellschaftlicher Verhältnisse. Nach Luhmann (1998) gibt es drei abgrenzbare Stadien gesellschaftlicher Zustände: segmentäre, stratifizierte und funktional differenzierte.

2.1.1. Segmentäre Gesellschaften

Segmentäre (Stammes-) gesellschaften sind auf Grundlage (verwandtschaftlicher) Zugehörigkeit bzw. Nichtzugehörigkeit organisiert. Die Hierarchien sind flach und personalisiert[2]. Verwandtschaftsverhältnisse regeln Zugehörigkeit und Position.

2.1.2. Stratifizierte Gesellschaften

Stratifizierte Gesellschaften sind Ständegesellschaften. Diese zeichnen sich durch überpersonal gegebene Privilegien aus. Die Zugehörigkeiten sind standesbestimmt und markieren Mögliches wie Angemessenes, also die mit dem Stand verbundenen Erwartungen und Rechte.

2.1.3. Funktional differenzierte Gesellschaften

Durkheims Arbeiten über die soziale Arbeitsteilung lieferten den Stoff für die Unterscheidung eines weiteren Gesellschaftstypus, der funktional differenzierten. Diese Gesellschaftsform ist demnach über bestimmte (symbolisch generalisierte) Interaktionsmedien organisiert, von denen Macht nur eines bildet[3]. Diese Medien führen zur Ausbildung durch sie gebündelter und organisierter gesellschaftstragender Unterfunktionen, systemtheoretisch ausgedrückt, funktionaler Subsysteme[4]. Diese bedingen einander und führen dazu, dass sich Menschen in den gesellschaftlichen Bereichen unterschiedlichen Erwartungen ausgesetzt sehen. Dazu treten Technologien, die auf die Kommunikation über Interaktionsmedien ausgerichtet sind. Was zum Gegenstand der Kommunikation wird ist dabei freigeschaltet, solange es als medienvermitteltes Thema.verstanden werden kann[5].

2.2. Massenmedien

Und in diesen Bereich fallen auch die Massenmedien. Massenmedien leisten die Verbreitung symbolisch generalisierter Kommunikationen gerade nicht über Interaktionen. Das macht sie schnell und einflussreich. Nicht von ungefähr setzen zahlreiche Kausalanalysen gesellschaftlich verbreiteter Meinungen und Befindlichkeiten an der Rolle der Massenmedien an[6].

Die Moderne bildet in der beschriebenen Weise die Grundlage der weiteren tiefergehenden Ausführungen der Zusammenhänge von Bewusstsein, Kommunikation und Geschlecht.

3. Bewusstsein und Kommunikation:

Aus systemtheoretischer Perspektive stellen personale Systeme auf Bewusstsein und soziale Syteme auf Kommunikation ab.

3.1. Das personale System

Das personale System basiert auf der Sinnhaftigkeit des Bewusstseins. Bewusstsein muss, um bewusst zu werden, Sinn konstruieren und prozessieren. Das gründet auf dem neurobiologischen Modell, dem zufolge Sinnenreize durch das Nervensystem in einer bestimmten Weise verarbeitet werden, bevor sie als strukturdeterminiert gewichtete Informationen in den Aufbau mentaler Repräsentationen eingehen. Damit Sinnenreize als Sinnenreize verarbeitet werden können, muss eine Struktur bereits vorausgesetzt werden, die sie als Sinnenreize einordnet und damit erst zu operationalisierbaren Einheiten des Nervenapparates macht. Wahrnehmung ist somit nichts anderes als eine kontingente Gewichtung selektierter Sinnesreize. Sinn kann in diesem Sinne als die von dem Linguisten de Saussure bestimmte Zeichenformation verstanden werden: durch Abgrenzung gegenüber anderen und durch Bestimmung und Bestätigung derselben (in Luhmanns Systemtheorie: durch Kondensierung und Konfirmierung).

3.2. Das soziale System

Das soziale System besteht allein aus Kommunikationen. Den Begriff der Kommunikation gliedert Luhmann in die drei Elemente Information, Mitteilung und Verstehen. Verstehen entsteht durch und in der Unterscheidung von Information und Mitteilung. Ein Beispiel: Tiere sind nicht in der Lage, die Information von der Mitteilung zu unterscheiden. Wer einen Hund auf niedrigste Weise, doch freundlichen Tones beschimpft und beleidigt und ihn dabei anstrahlt und tätschelt, stellt darum auf eben dieses Wissen ab: selbst bei unterstellter Weisheit einer vollzogenene Unterscheidung von Information und Mitteilung wird der Hund die Information zugunsten der Mitteilung vernachlässigen[7]. Es ist in etwa vergleichbar mit der Zeichentriade des Philosophen Charles Peirce. Verständnis wie Missverständnis können auf der Grundlage dieser Aufschlüsselung von Kommunikation analysiert werden. Kommunikation macht Kommunikation anschlussfähig. Dabei fließen Wahrnehmungen und Sinnkonstitutionen des Bewusstseins als zu transzendierende Bedingungen der Kommunikation in den Prozess ein.

Psychologische Theorien gehen ebenfalls von der Unterscheidung von Information und Mitteilung aus. Darüber hinaus gliedert sich die Mitteilungsebene in drei Subebenen, die aus der Appellebene, der Beziehungsebene und der Selbstoffenarungsebene besteht und die in jeder Kommunikation entweder im Vordergrund stehen oder doch zumindest mitschwingen.

Aufgrund des Umstandes, dass, wie im Abschnitt über personale Systeme geschildert, Interaktionen auf kontingent geordneten und selektierten Sinnenreizen beruhen, die als Wahrnehmung überhaupt erst Interpretation und Verständnis ermöglichen, erscheint Verständigung als etwas Unwahrscheinliches. Übereinstimmungen des Aufbaus mentaler Repräsentationen zwischen beteiligten personalen Systemen einer Interaktion sind aufgrund des konstruktiven Charakters eigener und fremder Sinnhorizonte nicht als Verständigungsebene begründbar. Sender-Empfänger-Modelle wie das von Shannon und Weaver gelten durch die Neurobiologie (vgl. Roth 2003) als widerlegt zur Beschreibung von Kommunikation. Die Weltkomplexität ist zu gewaltig, um von nichttrivialen Systemen auch nur ein einziges Mal in der gleichen Weise reduziert werden zu können. Wie kommt also Verständigung zustande? Luhmann gibt darauf eine soziologisch begründete Antwort.

3.3. Interaktionsmedien

Allgemein kann der soziologisch geschulte Beobachter vier grundsätzliche Arten der Kombination von Handeln und Erleben in Interaktionen unterscheiden, die sogenannten symbolisch generalisierten Interaktionsmedien[8]. Diese werden in Situationen der doppelten Kontingenz[9] gewählt, ein von dem Soziologen Talcott Parsons geprägter Begriff. Er besagt, dass das eigene Verhalten in Bezug auf andere/den anderen auch anders möglich ist, wie auch dessen/deren Verhalten anders möglich ist. Hinzu kommt, dass sowohl Ego als auch Alter (als Interaktionsfiguren) Erwartungen erwarten, die ebenfalls auch anders möglich sind. Für die Bewältigung dieser hochkomplexen Situation kommt es zur Wahl eines Interaktionsmediums, dessen Funktion es ist, dass beide nunmehr über den Kontext oder Frame der Situation verständigt sind.

3.4. Strukturelle Kopplung

Das soziale System ist geschlossen wie das personale. Elemente des einen können nicht zu Elementen des anderen werden, wie eine Körperzelle auch nicht zu einer Erinnerung oder einem Gefühl werden kann. Geschlossene Systeme produzieren die Elemente, aus denen sie bestehen, selbst[10]. Allerdings sind beide Systeme strukturell gekoppelt. Da sie sich gegenseitig bedingen wird diese spezielle Kopplung von Luhmann als Interpenetration der beiden Systeme bezeichnet. Ohne Bewusstsein und den das Bewusstsein konstituierenden Möglichkeitshorizont des Sinnes kann Kommunikation nicht stattfinden. Ohne Kommunikation kann sich das Bewusstsein nicht als Bewusstsein erkennen[11].

3.5. Reduktion von Komplexität

Das Schlagwort von der „Reduktion der Komplexität“ zieht sich durch das Werk Niklas Luhmanns. Systeme bilden sich hernach funktional zur Reduktion einer Komplexität, die nur dadurch erfahrbar und handhabbar wird. Auch beispielsweise durch Drogen hervorgerufene synästhetische Zustände sind bereits reduzierte Weltkomplexität. Allerdings verändert sich die Gewichtung und neurochemische Kodierung der Sinnenreize, was zu einer veränderten Wahrnehmung führt. Dieses extreme Beispiel gilt für alle Zustände, die ein personales System per neuronaler Strukturbildung und –modifikation habitualisieren kann.

3.6. Sinn

Soziale und personale Systeme operieren auf der Grundlage von Sinn. Sinn ergibt sich aus dem Vollzug einer Unterscheidung oder, wie es Bateson (Bateson 1996) formuliert, als einen Unterschied, der einen Unterschied macht. Entlang der Unterscheidung unterschieden/indifferent wird die Welt zur (komplexitätsreduzierten) Welt. Die Welt kehrt dabei als unterschiedene Form in die markierte Seite der Form unterschieden/indifferent zurück und bildet einen Teil von ihr[12]. Auf diese Weise werden Unterscheidungen getroffen und als Unterschiede operationalisierbar gemacht[13].

4. Die Genderkonzeption der Systemtheorie:

Nach Weinbach (2004) in Anlehnung an Luhmann liegt die Konstruktion von Personen an der Schnittstelle von Kommunikation und Bewustsein. Sie wird sowohl im Bewusstsein konstituiert als auch in der Kommunikation aktualisiert, kondensiert und konfirmiert. Der Konstitutionsprozess an sich vollzieht sich schon über Kommunikation[14].

4.1. Doppelte Kontingenz

Über Interaktionen laufende Kommunikation vollzieht sich in doppelten Doppelhorizonten und wird deshalb von Luhmann als doppelte Kontingenz bezeichnet[15]. Dieses Konzept geht eigentlich auf Talcott Parsons zurück und beschreibt das Phänomen der Handlung eines Interakteurs 1 als eine Selektion unter den Interakteur 1 zugänglichen Alternativen von Handlungen. Interakteur 2´s Reaktion auf die Handlung von Interakteur 1 ist daher ebenfalls eine Selektion unter anderen sinnhaft zugänglichen Möglichkeiten auf die Handlung von Interakteur 1. Damit nicht genug ist Interakteur 1 Handelnder und als Handelnder Orientierungsobjekt (Objektpol) für andere (wie beschrieben), und auch für sich selbst. Als Handelnder richtet er sich nach den anderen und sich selbst in Bezug auf sie, als Objekt bedeutet er sich selbst und den anderen etwas[16]. Kurzgesagt geht es um die Bewältigung von Verhaltensunsicherheit vor und mit Beginn einer Interaktion. Dabei gehen alle Interakteure von ihren eigenen Erwartungen und den an andere gerichteten Erwartungen aus, unter die sich auch die summieren, die sie von anderen erwarten.

4.2. Geschlechtsidentität

Wird die Konzeption auf die Entstehung von Gender angewandt bedeutet das, dass das Bewusstsein, Mann/Frau/(...) zu sein, kommunikativ vermittelt wird. Das Bewusstsein lernt es, sich sich als Erwartungsadressat anderer zu empfinden und bildet eigene Erwartungen in Ableitung davon. Diese Erwartungen zweiter Ordnung gehen in die Kommunikationsstruktur ein. Die Erwartungen erster Ordnung, also der an sich selbst gerichteten Erwartungen als identitätsstiftender Faktor und Grundlage von Kommunikation schlechthin[17], sind in erster Linie Teil des Bewusstseins[18]. Erklärungen von Geschlechtsidentität lassen sich ohne die Trennung der sozialen von der personalen Ebene nicht geben.

4.2.1. Die drei Sinndimensionen

Identität welcher Art immer entsteht in drei Dimensionen, sinnesmässig obligatorischer Verweisungshorizonte[19]. Diese Verweisungshorizonte sind wie alles andere auch binär, auf der Grundlage einer Unterscheidung konzipiert.

Die sachliche Dimension verweist auf das Gemeinte in Abgrenzung zu anderem möglichem Gemeinten. Das Bezeichnete ergibt sich erst aus der Möglichkeit, auch anderes zu bezeichnen. Bezeichnung setzt schon die andere Seite des Indifferenten voraus, aus der das Bezeichnete selektiert wurde.

Die zeitliche Dimension unterscheidet das Vorher und Nacher. Im Re-entry (Spencer-Brown) der zeitlichen Dimension ergibt sich daraus das als reversibel und irreversibel Eingestufte. Alles, was ins Bewusstsein gelangt, ist an und für sich irreversibel, ein Ereignis, welches gleich wieder vergeht. Ereignisse zweiter Ordnung generalisieren durch Ereignisse gelieferte Unterscheidungskonstellationen und gehen als mitaktualisierte Struktur in die Prozessierung späterer Ereignisse ein.

Die Sozialdimension gibt die Referenz an. Was als systemintern gilt wird selbstreferentiell betrachtet und was der Umwelt zugerechnet wird, als fremdreferentiell. Es geht im Sinne des systemtheoriekonformen Konstruktivismus nicht um absolute Realität, sondern um die Realität in den Augen des Betrachters durch die kontingenten Unterscheidungsoperationen eines Beobachters. Was sich selbst und anderen zugerechnet wird, gewinnt ihre Realität erst durch die (notwendige) Zurechnung als solche. Im schon erläuterten Interaktionskonzept der „doppelten Kontingenz“ bauen sich Fremdreferenzen auf der Wahrnehmung bzw. Annahme auf, dass in der Umwelt der eigenen Identität oder Person durch andere Personen ebenfalls zugerechnet wird. Daraus ergibt sich im Re-entry der Unterscheidung in das durch sie Unterschiedene die Prozessierung von Kommunikation als Handeln bzw. Erleben. Fremdreferentielles wird erlebt und Selbstreferentielles als Handlung klassifiziert.

4.2.2. Dimensionen der Geschlechtsidentität

Weinbach analysiert, wie sich die „Geschlechtsrollenidentität“ in diesen drei Dimensionen manifestiert.

Auf der zeitlichen Ebene wird diese als sogenannte Geschlechtsrollenorientierung sichtbar. Damit wird die Ausrichtung an dem, was als geschlechtlich typisiertes Ich-Ideal normativ verfolgt und somit als beständig genommen oder kognitiv, d.h. als veränderbar behandelt wird, erfasst[20].

Die Geschlechtsrollenübernahme vollzieht sich in der sozialen Dimension und bezeichnet die Position in der Kommunikation, von der aus Erwartungen als orientierungsrelevant festgelegt werden. Dabei kann sich Ego[21] anhand eigener Erwartungen und Selbstfestlegungen oder an (Alters) denen anderer orientieren[22].

Auf der sachlichen Ebene kommt es zu einer Geschlechtsrollen-Selbstcharakterisierung der Person. Damit regelt sie einerseits die Überbrückung von normativen und kognitiven Geschlechtstypisierungen und andererseits die Generalisierung von Selbst- und Fremdzuschreibungen.

Weinbach zeigt auf, dass die Schematismenkombination auf Grundlage dieser drei Horizonte die männliche bzw. weibliche Geschlechtsrollenidentität zu beschreiben in der Lage ist. Demnach wäre die männliche Geschlechtsrollenidentität Ego (Eigenwahrnehmung als Handelnder, Protagonist im eigenen Leben), internal (bezogen auf eigenes Erleben, Erleben des eigenen Erlebens) und konstant (normativ, in konfirmierter Orientierung an das Geschlechtsich-Ideal).

Die weibliche Geschlechtsrollenidentität ist in der Selbstbeschreibung dem zufolge ebenfalls Ego, was sich aus der Notwendigkeit einer Selbstbeschreibung ergibt[23], internal und variabel (kognitiv, auf Anpassung an Gegebenheiten ausgerichtet).

Auf der Beobachtungsebene zweiter Ordnung, also der Beobachtung der weiblichen Geschlechtsrollenidentität anstelle einer Selbstbeschreibung, ergibt sich jedoch etwas anderes. Auf der Beobachtungsebene bildet sich die weibliche Identität auf der Unterscheidungsseite Alter (also der Eigenwahrnehmung als Erlebende und nicht als Handelnde[24] ), external (bezogen auf das Erleben des/der anderen) und variabel.

4.3. Konsequenzen

Dieser Umstand hat in Bezug auf das Personsein bzw. die Personwerdung einschneidende Konsequenzen. So ist die Frau als Person weniger beobachtbar oder nur unter der Voraussetzung einer angenommenen Differenz von Selbstbeschreibung und Beobachtung. Sie wird dann zu der Frau, die den Avancen des Mannes nachgegeben hat, für den sie zur Verfügung steht und dessen Partei sie wählt. Oder sie ist dann die Frau, die sich der Gruppe unter Absehung ihrer eigenen Intelligenz und möglichen Führungsqualifikation angeschlossen hat.

4.3.1. Frauen- und Männerstereotype

Aus diesen geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Bezügen ergeben sich Frauen- und Männerstereotype, die in die Kommunikation als Selbstreferenz, Erwartungen/Zuschreibungen und Erwartungserwartungen einfliessen und so die Kommunikation „einfärben“[25]. Intrageschlechtlich unterscheiden sich die Stereotype graduell und Weinbach nennt diese Abstufungen in Anlehnung an eine Untersuchung von Eckes[26], Cluster. Auf der Männerseite gibt es demzufolge Alternative, Professoren, Punks (Punks, Prolos, Rocker, Penner), Yuppies, Machos, typische Männer, Rentner und Spiesser (Streber, Egoisten, Bürokraten, Spiesser).

Auf der Frauenseite gibt es nur vier Typen, da diese als Frauen schlechthin in die hierarchische Staffelung gesellschaftlicher Stereotypen eingehen und somit gemäss dem Bourdieuschen Kapitalbegriff[27] aus gesellschaftstragender Sicht verhältnismässig wenig auf die Waage zu bringen haben, wie immer es sich auch tatsächlich verhalten mag.

Diese Typen sind Tussies, Karrierefrauen, Hausfrauen und Emanzen.

Diese Cluster lassen sich jeweils durch Variationen in den drei Dimensionen beschreiben. Karrierefrau wie Yuppie sind beispielsweise extrinsisch motiviert, d.h. gesellschaftlich angepasst und instrumentell orientiert, d.h. im Sinne von Zweck-Mittel-Ausrichtungen, was sich als Form von Egoismus beobachten lässt. Die Geschlechterdifferenz lässt sich an der Wahl der Strategien ablesen, die Karrierefrauen wie Yuppies wählen müssen, um ihre Ziele zu erreichen[28].

5. Der Einfluss der Massenmedien auf Kommunikation und Bewusstsein:

Massenmedien bilden ein Subsystem der Gesellschaft mit einer ihr eigenen Strategie der Reduktion von Komplexität.

5.1. Berichte, Werbung und Unterhaltung

Luhmann (Luhmann 1996, 24) unterscheidet die drei Formen Berichte, Werbung und Unterhaltung.

5.1.1. Berichte

Berichte und Nachrichten dienen der Information auf der Grundlage von Wahrheit oder zumindest referenzenmässig abgesicherter Meinungsbildung. Sie sind am ehesten mit dem Gesellschaftssystem Wissenschaft in Verbindung zu bringen. Gleichzeitig suggerieren sie stärker als die beiden anderen Formen, Realität so zu bringen wie sie ist. Visuelle Medien tun dies um so stärker, als dass die authentischen Bilder eines Vorfalles eine vermeintliche Wahrheit ablichten, die sich scheinbar wie von selbst erklären können. Im Seminar wurde gerade zu dem Thema intensiv gearbeitet. Ein Fazit könnte sein, dass den Bildern ebensowenig zu trauen ist wie der Realität der Massenmedien insgesamt, da sie kontextabhängig wirken und verstanden werden.

5.1.2. Unterhaltung

Unterhaltung ist formenmässig am wenigsten gebunden. Zwei Typen ragen in besonderer Weise hervor, der Roman und der Spielfilm. Sie ergeben sich in Referenz auf das Gesellschaftssystem der Kunst. Zugrunde liegt der Anspruch an eine Kreativität, der scheinbar keine Grenzen gesetzt sind oder sein sollten. Allerdings muss sich die Unterhaltung anders als die Kunst der Funktion der Massenmedien unterordnen. Die Grenzen sind dabei nur analytisch zu ziehen. Was Kunst ist, kann auch zu Unterhaltung werden und umgekehrt[29].

In welcher Form Weltannahmen und Stereotype in die Unterhaltung eingehen liegt im Gebiet der Filmanalyse bzw. Literaturwissenschaften und es sei dabei nochmals auf Themen und Texte des Seminars verwiesen.

5.1.3. Werbung

Werbung ist am engsten mit dem ökonomischen System der Gesellschaft verkoppelt. So wie Wirtschaft nicht gänzlich ohne Recht und Wahrheit nicht gänzlich ohne Macht betrieben werden kann sind auch die Massenmedien zweifellos auf Geld angewiesen.

5.2. Beschreibung

5.2.1. Die Massenmedien als gesellschaftliches Subsystem

Auch steht ausser Frage, dass es beim Betrieb der Massenmedien zu Verstrickungen mit Machtstrukturen, zum Eingreifen des Rechtssystems und zur Berufung auf Recht, Wahrheit, Liebe usw. kommt. Luhmanns Ansatz, die Massenmedien als eigenes Subsystem mit sich selbst reproduzierenden Elementen zu begreifen, soll aufzeigen bzw. klarstellen, dass diese Eingriffe aber nicht die eigentliche Funktionsweise der Massenmedien beschreiben[30]. Diese besteht Luhmann zufolge in der Umwandlung selektiv (na klar!) gewonnener Information in Nichtinformation. Zeitlichkeit geht dabei als zugrundeliegende Bedingung ihres Bestandes in ihre Qualität ein. Es geht um das, was als Information in Frage kommt, was als Information tatsächlich gewählt wird und was schon Information war und nicht mehr als Information gilt bzw. nur über rekursive Bezüge. Die Umwandlung von Information in Nichtinformation basiert auf Kontinuität, womit Zeit ähnlich wie in der Wirtschaft ein knapper Faktor ist, der ständig eingerechnet zu werden hat. Damit stehen die Massenmedien ständig in der Spannung, Frische gegen Qualität setzen zu müssen. Was gut recherchiert wurde hat eine gute Qualität, braucht seine Zeit und läuft damit Gefahr, von der Realität überholt zu werden. Frische Informationen haben den Neuigkeitswert, den alle Massenmedien für sich beanspruchen[31] und setzen sich dadurch dem Risiko aus, flüchtig oder schlampig recherchiert oder gar frei erfunden worden zu sein[32].

Um die Massenmedien zu begreifen bedarf es also nicht des Abgleiches der Darstellungen mit einer gegebenen objektiven Realität, da systemtheoretische Überlegungen lediglich von objektivierter Welt als Unterscheidungsverwendung im Auge des Beobachters ausgehen. Dennoch gibt es natürlich eine Referenz in Berichten und Nachrichten auf Wahrheit, die sich aber Funktion und Anspruch der Massenmedien zu fügen hat[33] und dem Wissen der Menschen, nicht die Zeit zu haben, alles zu überprüfen und jedes Rad neu zu erfinden. Die Verwendung von Technologien macht derlei Einstellungen notwendig.

Das führt zu dem Punkt der Notwendigkeit der Selektion von Information. Informationsrelevant ist für die Massenmedien das, was Nachrichtenwert hat, was Werbewert hat und was Unterhaltungswert hat. Die Möglichkeit von Manipulation und Meinungsmache durch die Massenmedien kann sich somit auf den Bereich der Selektion, der Darstellung und des Zeitpunktes der Veröffentlichung von Informationen beziehen[34]. Die Möglichkeit von Manipulation läuft bei jeder Selektion und Umwandlung von Information in Nichtinformation mit. Wenn Luhmann von einer oder der „Realität der Massenmedien“ spricht, vollzieht bzw. entsteht diese Realität auf drei Ebenen: der Ebene derjenigen, die sich informieren lassen, der Verbraucher, der Verständigten, die glauben, bezweifeln, unterstellen usw.. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die diese Realität als Darstellung dreidimensional (also zeitlich, sachlich und sozial) über kontingente Selektionen von Informationen produzieren. Als Realität 2. Ebene gilt dann die Funktionsweise der Massenmedien, an die die Produzenten notwendigerweise gebunden sind[35].

5.2.2. Manipulation und Einflussnahme

Manipulation wird erst dann ein Thema, wenn die Werte der drei Formen Berichte, Werbung und Unterhaltung zugunstem von anderem verletzt oder anderes mitvermittelt wird[36]. Der erstere Fall wäre z.B. eine Lüge, die als wahrer Bericht verkauft wird und die, als Lüge aufgeflogen, von weiterem Informationswert ist und somit denjenigen der Informationsvorsprung gutgeschrieben wird, die sie entlarvten. Erst durch die Möglichkeit von Konkurrenz in der Berichterstattung wird die Referenz auf Wahrheit in den Massenmedien wirklich zum Thema. Schwieriger ist die Aufdeckung von Manipulation als Mitvermittlung von anderem, was den jeweiligen propagierten Informationswert (Nachricht, Werbung, Unterhaltung) nicht in Frage stellt.

Im Sinne von Foucault setzen hier Disziplinierungsmassnahmen an, die auf Welt- und Selbstrepräsentationen[37] zurückzuführen sind und darauf zurückwirken. Dem kommunikativen Gebaren einer erst segmentär, dann stratifikatorisch durchstrukturierten machtbasierten Gesellschaftsorganisation ist nicht zu entgehen, es sei denn, es gibt eine Alternative. Diese nennt sich funktionale Differenzierung.

6. Intragesellschaftliche Transformationen:

6.1. Die Moderne II – eine Bestandsaufnahme

Erst die funktionale Differenzierung ermöglicht mit ihrer Etablierung in den drei Gewalten eine machtvolle Forderung nach formaler Gleichstellung von Menschen. Nachdruck erhält diese Forderung durch das, was in den Subsystemen gefragt ist – in der Wirtschaft ökonomisches Handeln, in der Wissenschaft analytisches Denken, im Recht und in der Politik rhetorische Fähigkeiten und Sachkompetenz. Wenn das, was Personen sonst noch mitbringen in den Subsystemen relevant wird kann funktionale Differenzierung nicht weiter gewährleistet werden. Dafür werden Regelungs-und Sanktionierungsmöglichkeiten eingeführt. Regelungen, die das Zusammenspiel der Subsysteme betreffen[38], müssen ihrerseits von Subsystemen als Leistung erbracht und eingebracht werden.

6.2. Geschlechtertransformationen

Vom Standpunkt der Chance der Ungleichheit der Geschlechter her muss als Resumée zu Weinbachs Ausführungen zwischen personaler und sozialer Geschlechtlichkeit unterschieden werden.

6.2.1. Personale Transformationen

Personales Geschlecht wird dabei zum Thema von Selbsterfahrung und Therapien. Wer sich selbst als Frau bezeichnen und dabei instrumentelle (also eigennützige, selbstbestimmte, auf Eigenständigkeit bedachte) anstelle expressiver (also verbal- und adaptationsorientierter) Attribute zuordnen möchte, braucht dazu einen starken Willen, um die davon abweichenden Erwartungen anderer auszuhalten wie auch die eigenen Erwartungserwartungen unneurotisch zu koordinieren – und das Gleiche gilt auch für männliche Selbstbeschreibungen in Abweichung zu den Männerstereotypen[39].

6.2.2. Soziale Transformationen

Auf der sozialen Ebene geht es um Kommunikationsstile[40] und somit um Verfahrensfragen. Hierbei tritt, leider meist nur theoretisch, das biologische bzw. angenommene Geschlecht in den Hintergrund. Erst hier wird es möglich, die Ungleichheit der Geschlechter zu beobachten, wo sie eigentlich kein Thema sein sollte. Da die Geschlechtsdifferenzen ein klares traditional aus älteren Gesellschaftsformen überliefertes Machtkalkül darstellen, sollte es in einer funktional differenzierten Gesellschaft möglich sein, diese zu substituieren. Macht wird dann zu einer Frage von Mehrheiten, Liebe zu einer Frage von Höflichkeit und Passion, Wirtschaft zu einer Frage von Knappheit und Bedarf und Wahrheit zu einer Frage von[41] Methodik und Validität. Das, was als Geschlecht im Sinne von Sterotypen und Kommunikationsstilen Komplexität altmodisch reduziert hat, kann sich dann über systemspezifische Beobachtungen und entsprechende Zuschreibungen neu fügen.

6.3. Fazit

In diesem Sinne lässt sich auch Judith Butlers Versuch über die Geschlechter verstehen. Butler zieht über die Trennung von Sex und Gender, des biologischen Geschlechts von der sozialen Geschlechtszugehörigkeit, die Möglichkeit anderen geschlechtlichen Selbstverständnisses als des binären in Erwägung[42]. In der analytisch vollzogenen Trennung von personalem und sozialem System lässt sich dieser Gedanke nicht aufrechterhalten. Das personale Selbstverständnis ist frei, sich wie auch immer zu definieren[43]. Kommunikation allerdings kennt nur die zwei Seiten von Annahme und Ablehnung, von Anpassung auf der einen, von Führung auf der anderen Seite. Kommunikation setzt wie zwei Magneten immer voraus, dass die eine Seite des einen auf die andere Seite des anderen trifft um zustandezukommen und um fortgesetzt werden zu können. In Anlehnung an den Soziologen Grave besteht eine beidseitig emanzipierte Kommunikation in wechselnden Bezügen: bald führen, bald folgen, bald reden, bald schweigen, wenn der andere das Wort übernimmt. Grave nimmt sein Beispiel aus der Delphinforschung. Und Delphine hatten statische Hierarchien noch niemals nötig.

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Scholl, Armin (Hg.) (2002): Systemtheorie und Konstruktivismus in der Kommunikationswissenschaft. Konstanz. UVK.

Spencer-Brown, George (1994): Laws of Form - Gesetze der Form. Lübeck. Bohmeier Verlag.

Steffen, Therese Frey / Rosenthal, Caroline / Väth, Anke (2004): Gender Studies – Wissenschaftstheorien und Gesellschaftskritik. Würzburg. Königshausen und Neumann.

Sutter, Tilmann (1999): Systeme und Subjektstrukturen – zur Konstitutionstheorie des interaktionistischen Konstruktivismus. Opladen. Westdeutscher Verlag.

Watzlawick, Paul / Kreuzer, Franz (1988): Die Unsicherheit unserer Wirklichkeit – Ein Gespräch über den Konstruktivismus. München. Piper.

Weinbach, Christine (2004): Systemtheorie und Gender – Das Geschlecht im Netz der Systeme. Wiesbaden. VS Verlag.

Wharton, Amy S. (2004): The Sociology of Gender – An introduction to theory and research. Malden. Blackwell Publishing.

[...]


[1] Da wären z.B. Studien über die geschlechtliche Zusammensetzung von Personen in den Führungspositionen der Wirtschaft. Studien über Verhalten und Kommunikation der Frauen, die es dennoch in entsprechende Etagen geschafft haben. Studien über den Zusammenhang des Geschlechts von Sachbearbeitern in Ämtern und dem ihrer Opfer bei Bewilligungsentscheidungen von Anträgen u.v.m.

[2] In Anlehnung an Max Weber liesse sich aussagen, dass segmentäre Gesellschaften sozial auf der Grundlage traditional begründeter Macht organisiert sind.

[3] Luhmann unterscheidet vier beobachtbare Interaktionsmedien: Macht, Liebe, Geld und Wahrheit. Dazu später mehr.

[4] Aus der Codierung von Macht und ihrer Ausdifferenzierung ergibt sich Politik und Recht, aus der Codierung von Geld Wirtschaft und Eigentum, aus der Codierung von Wahrheit Wissenschaft, aus der Sexualität Liebe usw. Desweiteren gibt es auch Subsysteme, die über kein eigenes Medium verfügen. Luhmann sichtet und beschreibt beispielhaft Religion und Erziehung. Gleichwohl verfügen auch diese (wie alle) Subsysteme über ihenen eigene Codierungen, für die Religion z.B. die Kodierung Immanentes/Transzendentes.

[5] Weshalb eine Differenz zwischen technischem Fortschritt und geistiger Entwicklung beobachtet werden kann. Das zeigen auch die gängigen Vorstellungen von Science-Fiction-Autoren: Die Ausserirdischen können zwar schon seit 30000 Jahren die überlichtschnelle Raumfahrt beherrschen und sind dann doch nur darauf aus, andere Lebensformen zu unterjochen.

[6] Da wäre z.B. der mögliche Einfluss einschlägiger Journale auf das Modebewusstsein bestimmter Szenen und Gruppierungen.

[7] Dazu auch Bateson über die Struktur der double binds als Kommunikationsweise in Familien mit einem schizophrenen Mitglied: Widersprüche auf den Kommunikationsebenen führen dabei zu unklaren Kommunikationen, die sich im scheinbar sinnlosen Gerede des Interpretanten (also des Bezugsuchenden) spiegeln. Da der Hund aus dem Beispiel nur die Mitteilungsebene versteht, entsteht für ihn keine Verwirrung.

[8] Luhmann 1998, 316-396: (Tab. S. 336) Handeln, das zu Erleben führt (Eigentum, Geld, Kunst); Handeln, das zu Handeln führt (Macht, Recht); Erleben, das zu Handeln führt (Liebe) und Erleben, das zu Erleben führt (Wahrheit, Werte) jeweils bezogen auf mindestens zwei Interaktionspartner.

[9] Ausführlicheres unter 4.1

[10] Dazu Maturana 1995, XII und XIII: „La noción de autopoiesis sirve para describir un fenómeno radicalmente circular: las moléculas orgánicas forman redes de reacciones que producen a las mismas moléculas de las que están integradas.“

[11] „Woher weiß das Bewußtsein, dass es ein Bewußtsein ist ? – Es ist ihm gesagt worden.“ (Fuchs 1998)

[12] Vgl. dazu Spencer-Brown 1994.

[13] „Die feinen Unterschiede“ von Pierre Bourdieu widmet sich diesem Thema. Bourdieus Habitusforschung mit seinen inkorporierten und inkorporierenden Strukturen trägt genau diesem Umstande Rechnung und geht aber bereits von der Faktizität der Unterschiede, die Unterschiede machen, aus. Luhmann beschreibt in Anlehnung an Spencer-Browns Formenkalkül die paradoxe Operation des Unterscheidens, in der die Unterscheidung in das durch sie Unterschiedene zurückkehrt. Es handelt sich bei den „feinen Unterschieden“ um ein typisches Beispiel der von Luhmann klassifizierten „Was-ist-der-Fall“ Soziologie und bei seiner Verwertung des ursprünglich mathematischen Formenkalküls um eine „Was-steckt-dahinter“ Soziologie. Beides ergänzt sich wunderbar.

[14] Siehe nochmalig Fussnote 10.

[15] Siehe dazu bereits 3.3

[16] Vgl. Zitat Parsons in Luhmann 1984, 148

[17] Denn wie liesse sich miteinander kommunizieren ohne Identität als Adressant und Adressat auf beiden Seiten einer Verständigung ?

[18] Systemtheoretisch verstanden als Einheit des Bewussten und Unbewussten.

[19] Weinbach 2004, 22 oder auch Luhmann 1994, 74

[20] Dazu Weinbach 2004, 41

[21] Luhmann verwendet die Begriffe Ego und Alter für die Referenzzuweisungen eines sozialen Systems: Selbstreferenz kennzeichnet das Ego und Fremdreferenz Alter, d.h. das, was als Kommunikation der Umwelt zugerechnet wird.

[22] Eine Frage wie die von Herbert Grönemeier in dem Lied „Männer“, „Wann ist ein Mann ein Mann ?“ zeigt die zeitliche wie die soziale Dimension auf. Zeitlich geht es um die Orientierung an einem Ideal, welches auch anders möglich ist. Wer Muskeln hat, ist ein Mann. Wer Mann ist, kann auch Pfeife rauchen. Sozial entsteht zusätzlicher Sinn und damit zusätzliche selektiv zu reduzierende Komplexität dadurch, dass sich Mann auch im Hinblick auf das Erleben und die Erwartungen von Frauen als Mann verstehen könnte. Es ist wohl nicht zuviel gesagt, dass dieses Lied die Emanzipation eines Mannes belegt.

[23] Denn wie sollte man/frau sich anders beschreiben als als Akteur im eigenen Leben und das, selbst wenn immer nur die anderen handeln ?

[24] Wer sich nach einem „Ritter“ oder einer neuen Regierung sehnt, der oder die kommt und alles gutmacht, belegt damit die Referenz auf Alter.

[25] Weinbach bringt als Beispiel bestimmte Fernsehtalkshows (Weinbach 2004, 82ff). Sind die Experten Frauen (z.B. Psychologinnen), dann wird das Gespräch wie ein Erfahrungsaustausch unter Betroffenen geführt. Sind die Experten Männer, werden diese als „Mann vom Fach“ behandelt. Ein anderes Beispiel bildet die experimentelle Beobachtung von Kommunikation unter Männern und Kommunikation unter Frauen: Demnach schauen sich Männer kaum an und verweisen auf unterschiedliches Erleben und unterschiedliche Standpunkte. Frauen suchen nach gemeinsamen Standpunkten und teilen das gleiche Erleben.

[26] Eckes, T. (1997): „Geschlechterstereotype – Frau und Mann in sozialpsychologischer Sicht“

[27] Er unterscheidet zwischen symbolischen, sozialen und ökonomischen Kapital. Aus Menge und Art des gewonnenen Kapitals ergibt sich im dreidimensionalen Raum dieser drei Kapitalsorten, im sozialen Raum oder nach Bourdieu im „sozialen Feld“, die gesellschaftliche Position der Akteure.

[28] Einen möglichen Beleg dafür bildet das Auftreten der Kanzlerkandidaten bei der letzten Bundestagswahl. Ab dem Zeitpunkt der Ankündigung von Neuwahlen veränderte Frau Merkel ihre ganze Erscheinung in Richtung einer Frau, die ins Kanzleramt gewählt werden möchte. Einer Frau(!), die sich als solche nachhaltig zu erkennen gegeben hat. Herrn Schröder hingegen hat nicht einmal die Tönung seiner Haare genützt, das Amt behalten zu dürfen. Ihm wurde es als Eitelkeit ausgelegt, bei ihr wurde es erleichtert zur Kenntnis genommen. Von Machos wird eben anderes erwartet als Bedachtheit auf Äußerlichkeiten.

[29] Das gilt auch für anderes. So wurde die provokante Benetton -Werbung von vielen zum Politikum, von einigen sogar zur Kunst erhoben. Wer einen Roman schreibt, muss auf jeden Fall einen Verleger finden, der Funktion und Reglement der Massenmedien beherzigt und das sind nicht zuletzt Absatzzahlen oder mindestens das Interesse bestimmter Kreise.

[30] Und dies vor dem Hintergrund einer sehr kritischen eigenen Einstellung zu den Massenmedien, insbesondere des Fernshens.

[31] Zu sagen, was noch nicht gesagt wurde und das möglichst als erste.

[32] Schönes Beispiel: die Veröffentlichung der Hitlertagebücher im Stern.

[33] So zitiert Luhmann in Bezug auf den alltäglichen Umgang mit Massenmedien nicht ohne Ironie Horatio aus Hamlet: So I have heard, and do in part believe it.

[34] Das entspricht den drei Dimensionen zeitlich, sachlich und sozial, die in 4.1 geklärt wurden.

[35] So macht es keinen Sinn, für eine konservative Zeitung einen linken Kolumnisten einzustellen, da seine Kolumnen für die Leser keinen Unterhaltungs- und vielleicht auch keinen Nachrichtenwert hätten. Ebenso widersinnig wäre es, für ein Produkt zu werben und auch Nachteile des Produktes mitaufzuzählen, da das keinen Werbewert hätte.

[36] Werbung, die sich in Unterhaltungssendungen schleicht, Wahrheiten, die in der Werbung mitvermittelt werden wie die Kompetenz von Haus frauen zum Thema Wahl des richtigen Waschmittels usw.

[37] Dazu insbesondere Dretske 1998

[38] z.B. Walfangquoten als Weg, Ökologie zu fördern und Ökonomie in ihren Negativwirkungen auf anderes zu begrenzen.

[39] Hier wären entsprechend expressive Eigenschaften zu nennen: Fähigkeiten, sich auszudrücken, Empathie, Annahme, Anpassung.

[40] Noch einmal ein Beispiel aus dem vollzogenen Regierungswechsel: Schröder als Mann im Zentrum und der (einsamen) Entscheidungen und Merkel als der Moderatorin, die auf Konsensfindung setzt. Manche würden sagen: weil sie keine Wahl hat.

[41] Mehrheiten. Dies ist ein weiterer Fall, in dem der Anspruch der Wirklichkeit der Moderne hinterherhängt.

[42] Einen interessanten Versuch dazu bildet der Science-Fiction-Streifen „Immortal – die Rückkehr der Götter“. Hier wird unterschieden zwischen Männern und Frauen, Ausserirdischen und Menschen. Dies ist eine sehr deutliche Erweiterung, solange Geschlechter anhand biologischer Merkmale differenziert werden. Der Film selbst bringt als solcher eine ganz andere Unterscheidung ins Spiel, nämlich die von Menschen und Animationen. Ein Film, der im übrigen auf vielerlei Weise das Thema Transformation behandelt. Nicht nur der Gott Horus durchläuft eine Verwandlung, auch eine gestrandete Ausserirdische. Diese wird durch göttliche Schwängerung zu einer menschlichen Frau – ihre Formel, die sie mit einem Lippenstift auf einen Spiegel schreibt: Man und Man wird durch Hinzufügung von vier Buchstaben zu einer Human Woman. Das wirkt wie eine befreiende Neudeutung der Schöpfungsgeschichte. Überhaupt ist die Schöpfungsgeschichte von spezifisch systemtheoretischen Reiz. So schreibt Luhmann, dass die geschlechtlichen Zuschreibungen anders aussähen, wenn Eva dafür gesorgt hätte, dass die Schlange den Apfel isst. Anders Maturana. Er redet in dem Zusammenhang von dem grossen Glück, das Paradies für die Eigenverantwortung aufgegeben zu haben, wofür er zu Zeiten der Pinochet-Diktatur in Chile verhaftet wurde.

[43] d.h. in Abgrenzung oder Konfirmierung zu etwas, was auch immer Biologisches oder Soziales.

Details

Seiten
26
Jahr
2006
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111324
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,7
Schlagworte
Codierung Erkenntnis- Kommunikationsstrukturen Moderne Folge Voraussetzung Wandels Macht Politik Transformationen Zeitalter Medien- Biotechnologien“

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Titel: Die Codierung geschlechtsspezifisch geordneter Erkenntnis- und Kommunikationsstrukturen in der Moderne als Folge und Voraussetzung gesellschaftlichen Wandels