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„Welt“ und „Wirklichkeit“ im Konzept des Radikalen Konstruktivismus als neurobiologisch fundierter Erkenntnistheorie

Hausarbeit 2006 29 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhalt:

Abstract

1. Einleitung:
1.1. Konstruktivismus als interdisziplinärer Lösungsansatz
1.2. Der Radikale Konstruktivismus als Paradigma
1.2.1. Terminologie
1.2.2. Neues Lehrmaterial
1.2.2.1. Krankheitskonstruktionen
1.2.3. Operationalisierbarkeit

2. Aufgabenstellung:
2.1. Parameter einer Epistemologie
2.1.1. Die Kohärenztheorie der Wahrheit
2.1.2. Die Korrespondenztheorie der Wahrheit
2.1.3. Die Konsenstheorie der Wahrheit
2.1.4. Die Konvergenztheorie der Wahrheit

3. Neurobiologische Grundlagen:
3.1. Neuronale Information
3.2. Aufbau und Funktion der Nervenzellen
3.3. Der Aufbau einer mentalen Repräsentation
3.4. Die Funktion mentaler Repräsentationen

4. Die Berührung der Welt:
4.1.1. Qualität als Eigenschaft geschlossener, Quantität als Eigenschaft offener Systeme
4.1.2. Strukturelle Kopplung
4.1.3. Kultur als Konventionskonstruktion
4.2. Evolutionäre Epistemologie und Konstruktivismus
4.2.1. Erkenntnis als Anpassung

5. Die Konstruktion in und als Teil der Wirklichkeit:
5.1. Zirkularität und Selbstreferenz in geschlossenen Systemen
5.2. Relativer und absoluter Raum
5.2.1. Relationierung als sich selbst bedingende Operation
5.2.2. Absoluter Raum als Bedingung der Möglichkeit von Relationierbarkeit
5.2.3. Das Verhältnis von relativem zu absolutem Raum
5.2.3.1.Beispiele

6. Ausblick:

7. Literaturangaben:

Abstract

This homework is dealing with the theory of the Radical Constructivism as an epistemology based on the biology of the nervous system. The central topic is the relationship between world and reality as a product of mind, knowledge and perception. For that recent neurobiological examinations will be discussed. These have consequences for epistemological theories which are confronted with the conclusion that human perception is not resulted by an objective world but nethertheless in touch with the world as such.

1. Einleitung:

1.1. Konstruktivismus als interdisziplinärer Lösungsansatz

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Theorie des sogenannten „Radikalen Konstruktivismus“ und den ihr eigenen Problem- und Aufgabenstellungen.

Ähnlich wie die technische Forschung Lösungen für mehr oder weniger spezifische Probleme entwirft[1], stellt der Radikale Konstruktivismus eine Lösung auf der Theorieebene in den Geistes- und Naturwissenschaften dar. Ausgangsproblem ist die Kluft in der Definition und Erreichung von Erkenntnis und Erkenntnisgewinnung zwischen den Geistes- und Naturwissenschaften[2]. Es geht konstruktivistischen Ansätzen darum, beide wissenschaftlichen Zweige unter den Hut einer Metatheorie zu bringen, die Erklärungen für beide Bereiche liefert. Dieses zweischneidige Schwert der Wissenschaft kann nur aufgrund von Entwicklungen im System der Wissenschaft als unvereinbar gesetzt werden. Dessen Spaltung wird in Denk- und Praxistraditionen der Disziplinen immer wieder aktualisiert. Vertreter beider Seiten tun sich schwer, die Spaltung selbst als historisch begründete Konvention und nicht als Zerwürfnis in Interdisziplinarität zu erkennen und zu hinterfragen. Die Suche nach einem gemeinsamen Nenner ging daher zunächst nur von einzelnen aus und stellte diese vor die Herausforderung, in einem Maße allgemein zu sprechen, wie dies sonst eher in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie der Politik und im Besonderen der Diplomatie praktiziert wurde[3]. Der Begriff „Radikaler Konstruktivismus“ wurde von von Glasenapp und von von Foerster aus der Taufe gehoben und bezeichnet diese neue Sichtweise in den Wissenschaften, Erkenntnis und Erkenntnisgewinnung interdisziplinär zusammenzufassen. Disziplinär produziertes Wissen wird als Betrachtung verschiedener Aspekte eines gemeinsamen Themas aufgefasst statt als unauflösbare Widersprüche.

1.2. Der Radikale Konstruktivismus als Paradigma

Ob der Radikale Konstruktivismus ein neues Paradigma im Sinne von Thomas Kuhn (Kuhn 1967) darstellt, lässt sich aber nicht klar entscheiden[4].

1.2.1. Terminologie

Dafür spricht, dass, wie schon oben ausgeführt, eine allgemeine, abstrakte Terminologie systemisch definierter Begriffe eingeführt wurde. Beobachtungen erster und zweiter Ordnung, Unterscheidungen, die Unterschiede machen[5], Selbstreferenz und Selbstreproduktion, triviale und nontriviale Systeme, strukturelle Kopplungen usw. verweisen gewollt oder ungewollt auf konstruktivistische Ansätze.

1.2.2. Neues Lehrmaterial

Einen anderen Punkt bildet die Umstellung des Lehrmaterials in Hinsicht auf das neue Paradigma[6].

1.2.2.1. Krankheitskonstruktionen

Ein Beispiel bildet die Veränderung der Diagnose und Behandlung von Geisteskrankheiten im Bereich der Psychologie/Medizin.

Zum einen gibt es die klare medizinische Diagnose von beispielsweise Schizophrenie als Stoffwechselstörung und biochemischer Konstellationen im Gehirn und ZNS. Das würden auch Konstruktivisten nicht bestreiten. Doch findet diese Diagnose auch auf kultureller Ebene statt (wenn Geisteskranke als Kontaktmedien transzendenter Kräfte und Entitäten gesehen werden, als Fälle für die Psychiatrie, als Heilige oder als Heiler). Diese kulturellen Variationen des Umganges mit Geisteskrankheiten verweisen auf den konstruierten Charakter von Kultur als solcher. Eine biochemische Behandlung von schizophrenen Patienten kann nur dann erfolgreich sein, wenn auch die eintretende Veränderung der Stoffwechselvorgänge von Sinn- und Sinneseinstellungen und –zuweisungen begleitet wird[7]. Daher wird in neueren Therapien von Schizophrenie als Fähigkeit zu unklarer Kommunikation ausgegangen. Diese Fähigkeit wird in Situationen ausgebildet, in denen dieses Verhalten von dem psychischen System als adäquateste Form der (Re-)aktion verstanden und gewählt wird. Die Therapie geht in bestem konstruktivistischem Verständnis nicht von Verrücktheit aus, sondern von der Nichtidentität der Ausgangssituation mit der Therapiesituation. Erst wenn der Patient verstanden hat, die Situation sinnbezogen als verändert wahrzunehmen und zu erleben kann sein Verhalten die Veränderung nachvollziehen. Diese Differenzierung kann aber nur kulturell, also über Kommunikationsgewohnheiten und –kodierungen angeliefert werden und basiert auf der Geschichte[8] des betroffenen psychischen Systems und des kommunikativen Umganges mit ihr durch den Therapeuten.

1.2.3. Operationalisierbarkeit

Es ist nicht notwendig, von einem Paradigma auszugehen, wenn sich damit, wie gezeigt, als Konzept arbeiten lässt. Der Radikale Konstruktivismus als Paradigma hat den Wissenschaftsbetrieb weitaus unauffälliger verändert als z.B. die Relativitätstheorie die Physik und die Technik[9], weil er erst so spät benannt und von anderen Ansätzen abgegrenzt wurde. Die vorliegende Hausarbeit hat allerdings den Anspruch, ihn als möglichen Standpunkt zu etablieren, um die seinen Leistungen zugrundeliegenden Annahmen aufzuzeigen.

2. Aufgabenstellung:

2.1. Parameter einer Epistemologie

Eine Epistemologie beschäftigt sich notwendigerweise mit den Faktoren Welt und Wirklichkeit auf der Grundlage von Wahrheit. Gerade diese Faktoren werden im Diskurs des Radikalen Konstruktivismus problematisiert[10]. An die Stelle der Wahrheitstheorien treten neurobiologische Bedingungen der Bewusstheit; systemische Geschlossenheit tritt an die Stelle von Kohärenz, quantitativ verwertete elektrochemische Reizungen an die Stelle der Korrespondenz und Konstruktion an die Stelle von Konsens.

2.1.1. Die Kohärenztheorie der Wahrheit

Die Kohärenztheorie der Wahrheit stellt auf die Widerspruchsfreiheit von Aussagen ab und geht dabei von bereits als wahr bewiesenen Aussagen aus[11]. Kuhn, Popper und auch die Konstruktivisten würden diese zugrundeliegende Grundannahme jedoch bereits in Zweifel ziehen. Über die Wahrheit ist noch nichts gesagt, wenn sie durch die Annahme ihrer selbst definiert wird. Die Kohärenztheorie gewinnt gleichwohl an Relevanz im Zusammenhang von Glaube und Moral. Glaubenssätze und Annahmen liegen jeder Reflektion und Handlung zugrunde und das wird auch nicht vom Konstruktivismus angefochten. Ohne Annahmen kein Standpunkt und ohne Standpunkt kein Handeln. Die Kombination und Gewichtung von Annahmen lassen sich als Navigationsinstrumente des Bewusstseins verstehen und treffen damit eine Vorauswahl für das, was als Verhalten dann noch möglich ist, ohne Widersprüche zu erzeugen.

2.1.2. Die Korrespondenztheorie der Wahrheit

Die Korrespondenztheorie der Wahrheit beruht auf der Entsprechung einer Aussage mit einem unabhängig von ihr gegebenen Gegenstand / Sachverhalt[12]. Der Linguist de Saussure ging beispielsweise davon aus, dass ein Zeichen sich aus einer Zuordnung von Bezeichnendem und Bezeichnetem zusammensetzt, die insofern miteinander korrespondieren. Die neuere Zeichentheorie von Charles Peirce sieht eine Korrespondenz in der Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat immer nur in Bezug zu einem Interpreten, der diese Beziehung versteht (konstruiert). Für etwas Lebendiges wie die Sprache gibt es denn auch keine endgültigen Regeln und die gesprochene Sprache (Parole), die ihr zugrundeliegenden Begriffe und ihr Gebrauch modifizieren die Wahrheiten desjenigen, der sie benutzt.

2.1.3. Die Konsenstheorie der Wahrheit

Diese Wahrheitstheorie ergibt sich aus der Übereinstimmung von Annahmen zwischen ihren Trägern[13]. Die dabei tragende Annahme besteht in der Fähigkeit der Träger zur Vernunft. Insofern fallen z.B. von mehreren geteilte Wahnphantasien nicht unter diese Sicht auf Wahrheit. Nach Luhmann besteht eine Wahrheit in dem Sachverhalt, dass das Erleben eines Bewusstseines zu dem Erleben mindestens eines anderen Bewusstseines führt. Misst man die Hirnströme von Beteiligten an einem guten Gespräch, dann lässt sich feststellen, dass sie nach kurzer Zeit in der gleichen Frequenz schwingen. Die Konsenstheorie stellt also eine Abkehr von der Suche nach objektiven Wahrheitskriterien dar und lässt sich in konstruktivistische Konzepte durchaus integrieren, wenn dabei der Absolutheitsanspruch der „Doppelgottheit“(Luhmann) Vernunft und Kritik aufgegeben wird.

2.1.4. Die Konvergenztheorie der Wahrheit

Dem gegenüber lässt sich die Konvergenztheorie der Wahrheit ganz gut mit den Annahmen des Konstruktivismus vereinbaren. Für die Bestimmung der Wahrheit von Aussagen ist demnach das Konzept zu berücksichtigen, innerhalb dessen sie getroffen werden. Daraus ergibt sich eine Art Kultur- oder Individualrelativismus[14]. Vom Konstruktivismus her wird davon faktisch ausgegangen und der Mensch wird dadurch zum Gefangenen seiner eigenen Wahrheiten, die sich lediglich funktional substituieren lassen.

2.1.5. Wahrheit als noch nicht entlarvte Übertreibung

Nach Popper lassen sich Theorien und Hypothesen zwar falsifizieren, aber nicht endgültig verifizieren. Es können beispielsweise Umstände eintreten, die das Bisherige zu einem Teil einer anderen, noch zu bildenden Theorie reduzieren[15]. Es kann auch sein, dass nicht alle Bedingungen erforscht wurden, die als unhinterfragte Vorannahmen in die Theorie Eingang fanden und dann durch abweichende Fälle den Verallgemeinerungsanspruch der Theorie verunmöglichen. Genau davon wird auch im Konstruktivismus ausgegangen[16]. Radikal wird der Ansatz erst dadurch, dass Theorien sich in keiner Weise mehr an der Realität als solcher orientieren, da diese selbst anders bewertet wird als im kritischen Rationalismus von Popper.

3. Neurobiologische Grundlagen:

Dieses Kapitel liefert die neurobiologischen Grundlagen für eine Theorie von Welt und Wirklichkeit im Konzept des Radikalkonstruktivismus. Dabei wird insbesondere auf die Funktion und Arbeit der Nervenzellen eingegangen. Daraus ergeben sich Konsequenzen für den Begriff und die Vorstellung von Realität. Auch das von Psychologie und Soziologie postulierte Paradigma über das Innen des Selbst und das Außen der Welt wird damit thematisch problematisiert.

3.1. Neuronale Information

Die menschliche Wahrnehmung basiert auf der elektrochemischen Stimulanz der Nervenzellen (Neuronen), die im Folgenden auch als Reize bezeichnet werden (siehe Bergen 2000, Kapitel 4). Eine Information ergibt sich aus der Reizverarbeitung durch den neuronalen Apparat (Gehirn, zentrales Nervensystem (ZNS)) in Priorisierung bestimmter Reize vor anderen. Ganz allgemein bedeutet eine Information eine Einschränkung für ein Element aus einer Vielfalt von Möglichkeiten aufgrund einer schon vorhandenen Struktur (Vgl. Klaus 1969, 269). Der Gehalt der Information ergibt sich aus dem Grad der Unbestimmtheit des Eintretens eines Ereignisses aus einer Menge möglicher Ereignisse (ders.).

Wie entsteht nun eine Information durch die neuronale Rezeption von Reizen ?

3.2. Aufbau und Funktion der Nervenzellen

Die Nervenzelle verfügt über Dendriten, antennenartige Fühler, die elektrochemische Umweltpotentiale messen. Das Potential gibt die elektrische Stärke des Reizes an. Potentiale der Umwelt werden im Nervenzellkern summiert. Die Konzentration der Potentiale auf einen bestimmten Dendritenbereich und die Intensität der Potentialfrequenz, die sich im Zellkern summiert, bestimmen die Weiterleitung des Potentials vom Zellkern. Übersteigt das Gesamtpotential einen bestimmten Wert, wird es weitergeleitet. Unterhalb dieses Wertes bleibt das Potential unterschwellig und wird nicht neuronal verarbeitet. Die Weiterleitung des Potentials vom Neuronenzellkern zu nachfolgenden Neuronen bedeutet die Entstehung eines Reizes.

Durch den axonalen Ast der Nervenzelle, an dessen Ende sich die Synapsendköpfchen befinden, wird der Reiz immer noch innerhalb der ursprünglichen Zelle weitergeleitet. Die Synapsen codieren das Potential in chemische Botenstoffe, die sie ausschütten und die mit den Dendritenstämmen nachgeschalteter Nervenzellen in Reaktion treten. Kollateralneuronen sorgen für die ständige Verbindung der Neuronen wie eine stehende Leitung (Vgl. Kapit 1992, 86). Ihre Synapsen arbeiten elektrisch, d.h. es werden Ladungen bzw. Werte weitergeleitet, und das auch wenn die Synapsen nicht feuern und kein Reiz im eigentlichen Sinne entsteht. Terminalneuronen leiten die Potentiale in Form von chemischen Ausschüttungen und Reaktionen weiter. Die Bedeutung eines Reizes misst sich an der Frequenz des Potentials.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
(Weininger 2003, 4)

Die Information ergibt sich nun, um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, aus der chemischen Codierung und Decodierung eines Reizes als Mischung verschiedener Synapsendköpfchensubstanzen. Die Frequenz des Potentials bestimmt die Dauer und Menge der Ausschüttung. Aufgrund dieses Sachverhaltes kann ein Reiz seiner Information auch vorauseilen. Damit lässt sich bezeichnen, was gemeinhin unter Intuition verstanden wird: das Erspüren von Sachverhalten ohne klare Sinnesreferenz, das Handeln nach Ahnungen oder auch die Nachformulierung einer spontanen Eingebung.

3.3. Der Aufbau einer mentalen Repräsentation

Die Information als Resultat der neuronalen „Kommunikation“ verbreitet sich durch die Nachschaltung von Dendritenstämmen (bis zu 8000fach) anderer Neuronen im Netzwerk und wird phänomenologisch sichtbar an im Gehirn ausgelösten neuartigen Verknüpfungen verschiedener Neuronen verschiedener funktionaler Gehirnarreale. Diese Initiationen und Veränderungen von Verknüpfungen beschreiben die Arbeit, die das Gehirn leistet. Im Folgenden werden diese als Suchprozesse bezeichnet, da eine Verknüpfung nur durch die intentional initiierte Verknüpfung eines Neurons durch die informative Bewegung des Netzwerkes erfolgt, welches ein Aktionspotential aufbaut, dass stark genug ist, eine Verknüpfung zu schaffen und sich mit anderen Neuronen zu vernetzen. Diese Vernetzung aufgrund einer Information wird dann als eine Repräsentation oder Abstraktion bezeichnet[17]. Es zeichnet die Einschränkung als konstituierendes Merkmal der Information aus einer Menge möglicher Ereignisse selbstreferentiell, also mittels Botenstoffen und Ladungen als neuronale Medien nach.

Neuronale verkettete Teilnehmer der Verknüpfung leiten schließlich die entstandene Information zur Zelle zurück, die das Aktionspotential eingangs weiterleitete. Die Geschwindigkeit der Verarbeitung von Informationen ergibt sich aus der bereits bestehenden Verknüpfungsdichte und Spannweite der Gehirnarreale. Repräsentationen und Abstraktionen erleichtern die Verarbeitung weiterer Informationen. Diese „synthetischen“ Repräsentationen sind funktional, hierarchisiert und vereinfacht im Hinblick auf die Ausgangskomplexität, aus der heraus sich Potentiale bildeten, die zur Entstehung der Verknüpfung führten. Wie (bzw. über welche bestehenden Verknüpfungen) nun Informationen verarbeitet werden hängt von den aktuell gültigen Bedingungen innerhalb des Gehirns und des ZNS ab. Bestimmte Drogen (z.B. Endorphine, Adrenalin, Testosteron oder auch Alkaloide) verändern die chemische Zusammensetzung der synaptischen Botenstoffe und somit die Bildung und Verarbeitung von Informationen. Strenggenommen verändert sich durch Drogen also nicht die Wahrnehmung selbst, sondern die Informatik des Nervenapparates, was zu einer veränderten Ordnung der Verarbeitung wahrgenommener Potentiale/Reize führt.

3.4. Die Funktion mentaler Repräsentationen

Für eine spezifischere Analyse sei auch auf Friederici (Friederici 1996) verwiesen, die Sprachverarbeitungsprozeduren im einerseits sich entwickelnden und andererseits im voll funktional differenzierten Gehirn untersucht. Daraus ergeben sich im Weiteren Untersuchungsfelder für den Bereich Prägung/Konditionierung durch Repräsentationen oder auch das Phänomen der Unterscheidung von „native Speakers“. Das neurolinguistische Programmieren (Bandler/Grinder) z.B. arbeitet mit Verknüpfung und Transformation von Repräsentationen des psychischen Inventars zu vorgegebenen Zwecken.

Geistige Prozesse finden ihre diesseitige Entsprechung in dem Zusammenspiel der Neuronen bei der Kreation von Repräsentationen, die aufrufbare funktionale Verknüpfungen verschiedener Gehirnarreale darstellen.

4. Die Berührung der Welt:

4.1. Erkenntnistheoretische Folgerungen aus der Neurobiologie

Ausgegangen von diesem in der Neurobiologie standardisierten Modell des Nervenapparates lassen sich die Fragen nach dem, was als Welt und Wirklichkeit gelten kann, radikalkonstru­ktivistisch nachzeichnen.

4.1.1. Qualität als Eigenschaft geschlossener, Quantität als Eigenschaft offener Systeme

Luhmann (Luhmann 1990, 36) bringt die Sache dahingehend auf den Punkt, indem er dem Gehirn konstatiert, es unterhalte qualitativ gar keinen und quantitativ nur einen sehr geringen Kontakt zur Welt. Qualität sowohl des Erfahrenen als auch des Erfahrbaren hängen demnach von den Bedingungen und Zuständen des Gehirns und nicht der Welt ab[18].

Die Welt wird neuronal, wie in (3) gezeigt, als Reizpotential gemessen. Unterschwelliges bleibt aussen vor und ab der Überschreitung wird das Potential als Reiz neuronal codiert und als Information verarbeitet. Dies ist der quantitative Kontakt, die Schnittstelle, an der sich entscheidet, was überhaupt als Möglichkeit des Welterlebens in das Bewusstsein eingehen kann. Dass auch das schon weitgehend determiniert ist, da Information nach Klaus eine vorhandene Struktur voraussetzt, ist das Thema des konstruktivistischen Ansatzes. Die Welt als solche wird damit nicht negiert. Sie wird damit dem Bewusstsein lediglich unzugänglich. Die Schnittstelle ist dem Bewusstsein weit vorgelagert und systemisch unerreichbar.

4.1.2. Strukturelle Kopplung

Um diese scheinbare Paradoxie aufzulösen führt Maturana dazu den Begriff der Strukturellen Kopplung ein. Geschlossene Systeme produzieren die Elemente, aus denen sie bestehen, selbst[19]. Elemente des einen können nicht zu Elementen des anderen werden, wie eine Körperzelle auch nicht zu einer Erinnerung oder einem Gefühl werden kann. Doch sie bedingen sich wechselseitig: das Nervensystem ist das Medium für Gedanken und Gefühle und Gedanken und Gefühle wirken auf die Arbeitsweise des Nervenapparates zurück.

Die übergeordnete Ebene, auf welcher Übersetzungen und Kodierungen von Reizen zu Informationen überhaupt zugelassen werden können, sind elektrostatische Ladungen, also Prozesse, die sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Organismus stattfinden. Das bedeutet nicht, dass alles von der Chemie abhängt. Sie ist ein Faktor unter anderen, der nicht unterschätzt zu werden hat. Elektrochemische Spannungen sind das Medium, über das aus neurobiologischer Sicht die Wirklichkeit wie eine Standleitung mit dem Organismus in Kontakt steht.

Gegenüber anderen epistemologischen Ansätzen lässt sich daraus folgern, dass der radikale Konstruktivismus die Qualität des Erkannten / der Erkenntnis durch die Annahme der operationalen Geschlossenheit des Nervensystems bei gleichzeitiger Offenheit des auf Elektrochemie basierenden Organismus modifiziert[20].

4.1.3. Kultur als Konventionskonstruktion

Ethnokulturelle Unterschiede beispielsweise erscheinen dadurch in einem anderen Licht: Das Nervensystem eines Jägers im Amazonasurwald hat eine ganz andere Relevanzhierarchie für Sinneswahrnehmungen und ihrer Interpretation aufgebaut als ein Stahlarbeiter im Ruhrpott. Ein Wanderer zwischen beiden Kulturen kann sich neuronal sowohl auf den einen Realitätskanal als auch auf den anderen einstellen, was jedoch drastischere Übersetzungsprozesse des neuronalen Repräsentationsapparates voraussetzt als zum Beispiel das Erlernen einer Fremdsprache[21].

Anhand dieses Beispieles lässt sich schon ermessen, weshalb dem Konstruktivismus das Attribut „radikal“ beigefügt wurde. Radikal ist er nicht, weil sein Konzept andere epistemologische Ansätze über den Haufen geworfen hätte. Radikal ist er in seinen Konsequenzen. Das bedeutet z.B., dass Unverständnisse und Missverständnisse lediglich Arten eines standpunktbedingten Verständnisses sind, die sich sozial als Konfusion beobachten lassen und nur dadurch ihren Eigenwert erreichen[22].

4.2. Evolutionäre Epistemologie und Konstruktivismus

4.2.1. Erkenntnis als Anpassung

Die evolutionäre Erkenntnistheorie deckt sich in etwa mit diesem Ansatz. Konrad Lorenz geht zwar von einer Wirklichkeit aus, in die das Überlebensinventar der Lebensformen passen muss; Erkenntnis ist demnach als Teil dieses Inventars zu begreifen, das sich aus den genetisch und sozialisationsmässig gebildeten Bedingungen der Lebensform ableitet. Erst dann landet die Erkenntnis als funktionaler und variierender Faktor des Überlebens auf dem Prüfstand einer wie auch immer gearteten Wirklichkeit[23].

An dieser Stelle scheidet sich der Weg der beiden epistemologischen Konzepte. Der Radikale Konstruktivismus unterstellt nicht der Wirklichkeit objektive Bedingungen, sondern den Arten einen durch Wahrscheinlichkeiten abgesicherten Passungserfolg genetisch-sozial geprägter Befähigungsfunktionen. Gemeinsam ist beiden Ansätzen, dass diese Funktionen kontingent gesetzt werden können, also als auch anders möglich. Nur stellt eine Aussage wie die von Lorenz über die Passung des Pferdehufes für den Steppenboden[24] als Modell für die Beziehung von der Welt zur Erkenntnis und umgekehrt die Welt selbst nicht dar. Die Bedingungen der Welt lassen sich nur durch erfolgreiche Passung der Funktionen umreissen und aber im Sinne von Poppers Verifizierungstheorem nicht endgültig klären[25].

Daher liegt das Augenmerk des Radikalkonstruktivismus nicht auf der Wirklichkeit selbst, sondern ihrer Vermittlung über das offene System von elektrochemischen Ladungen des Organismus in das operativ geschlossene Nervensystem. Daher steht der Terminus der Strukturellen Kopplung (4.1.2.) an zentraler Stelle im Radikalen Konstruktivismus.

5. Die Konstruktion in und als Teil der Wirklichkeit:

Das Kapitel referiert auf das, was auch schon im Seminar zum Thema der Beobachtung erster und zweiter Ordnung zum Thema wurde.

5.1. Zirkularität und Selbstreferenz in geschlossenen Systemen

Bei Knorr-Cetina (Knorr-Cetina 1984) findet sich noch vor der Einleitung eine Karikatur, die einen Wissenschaftler zeigt, der einen Wissenschaftler beobachtet, der einen Wissenschaftler beobachtet, der einen Wissenschftler beobachtet, der ein Experiment durchführt. Alle machen sich Notizen. Ginge man von dem zirkulären Konzept des Radikalkonstruktivismus aus, dann würde der Wissenschaftler, der das Experiment durchführt, stattdessen den erstgenannten Wissenschaftler beobachten und der Kreis wäre geschlossen. Ein solches Bild veranschaulicht zum einen das, was Luhmann als operative Geschlossenheit des Wissenschaftssystems bezeichnen würde. Wissen erzeugt Wissen. Da jede Wirklichkeitskonstruktion einzigartig und individuell verschieden ist, verfielfacht sich das rechnerisch mögliche Wissen in diesem System exponentiell mit dem Faktor der teilnehmenden Bewusstseine.

5.2. Relativer und absoluter Raum

Wie aus dem vorherigen Kapitel hervorgeht setzt der Konstruktivismus die Welt als Bedingung der Möglichkeit von Wirklichkeitskonstruktionen voraus. Sie bleibt den neuronal ermöglichten psychosozialen Systemen aber unzugänglich. Kant geht in seiner Epistemologie von einer ähnlichen Konzeption aus, welches er in seinen Ausführungen zum relativen und absoluten Raum thematisiert[26].

5.2.1. Relationierung als sich selbst bedingende Operation

In der „Kritik der Urteilskraft“ beschreibt er die Ermöglichung des abstrakten Denkens als Formen von Gedankenspielen und Wirklichkeitsrepräsentationen, die in einem relativen Raum stattfinden. Er ist deshalb relativ, weil er durch seine Inhalte beschrieben wird. So wie ein Gedanke zu dem nächsten führt und ein Bild oder eine Wahrnehmung von einer weiteren abgelöst wird, wird dieser Raum in seinen Grenzen immer wieder aktualisiert[27]. Das schon Gedachte, also temporär gebildete Bewusstseinsinhalte, gerinnen demnach zu latenten Strukturen, die ins Unbewusste eingehen und durch die als vollzogener Schritt dann die Grenze zwischen jetzt Möglichem und nicht mehr Möglichem neu vollzogen wird[28].

5.2.2. Absoluter Raum als Bedingung der Möglichkeit von Relationierbarkeit

Jenseits dieses relativen Raumes gibt es nach Kant noch den absoluten Raum, der sich nicht erreichen, auf den sich aber schliessen lässt. Der relative Raum der eigenen Handlungen und Möglichkeiten dehnt sich demzufolge in diesem absoluten Raum aus. Er bildet, mit Spencer-Brown gesprochen, die unmarkierte andere Seite allen Seins und aller Seinsprozesse[29]. Er ist nur als in Möglichkeit und Wirklichkeit transzendierte Bedingung von Welt- und Selbstkonstruktionen rekursiv zu erschliessen.

5.2.3. Das Verhältnis von relativem zu absolutem Raum

Spencer-Brown geht von demselben Erklärungsmuster aus. Ihm zufolge kehrt die Unterscheidung in das durch sie Unterschiedene zurück, die damit das Original verdeckt. Eine weitere Unterscheidung (z.B. eine Reflexion vorheriger Unterscheidungsoperation(en)) kann sich nur im bereits Unterschiedenen vollziehen und verdeckt ihrerseits ihre jeweilige Form. Die Form der Unterscheidung als solche lässt sich nur von einem anderen Beobachter wahrnehmen. Leider kann auch ein Beobachter nur mittels genutzter Unterscheidungen beobachten und so bleibt jede Beobachtung relativ im Verhältnis zur Welt[30].

5.2.3.1.Beispiele

Der Theologe und Therapeut Bert Hellinger veranschaulicht diese Annahmen in seiner Metapher über das Wesen der Macht. Den Jüngern eines Meisters wird klar, dass sie selbst sich für blind und ihren Meister für sehend gehalten haben. In Wirklichkeit hatten sie sich als Blinde, die sie sind, einem blinden Kutscher anvertraut, der seine blinden Pferde zur Fahrt in ein unbekanntes Ziel entlang eines Abgrundes anspornte[31]. Aus dieser Sicht ergeben sich Erkenntnis und Macht als zwei Seiten von Bewusstheit. Erkenntnis kann sich ihrer Begrenzung bewusst sein, auch wenn es ihre Grenzen nicht erkennen kann, da das Jenseitige jeweils indifferent bleibt[32]. Macht muss verkennen, um ordnen zu können. Ordnung ist aus konstruktivistischer Sicht eine Leistung des Gehirns / des ZNS, die auch anders möglich ist und vorläufigen Charakters, utilisiert für dasjenige, auf das es sich bezieht. So beziehen sich die Jünger auf ihren Meister, der Meister auf seine Befähigung, das Denken auf den Verstand und die Erkenntnis auf ihre Kontingenzhaftigkeit.

Ganz ähnlich wird auch das Majakonzept im Zenbuddhismus begründet. Die Majawelt ist die Welt der Illusion, die sich aus den Wünschen und Gedanken ihres Trägers ergibt. In der Meditation lässt sich dieses Bewusstsein soweit zur Ruhe bringen, dass sich eine Ahnung von etwas anderem erspüren lässt, welches sich den Reduktionsleistungen des operationalisierten Bewusstseins nicht beugt.

6. Ausblick:

Für eine Hausarbeit wie diese bietet der Radikale Konstruktivismus an, den Anspruch an wissenschaftliches Arbeiten nicht mit dem Anspruch an Wahrheit gleichzusetzen. Wenn Leser wie Verfasser gleichermassen Konstrukteure sind, eröffnet diese Ansicht im Rahmen formalfunktionaler Anforderungen einen kreativen Spielraum. So betrachten einige Literaturwissenschaftler wissenschaftliche Werke wie z.B. Luhmanns „Soziale Systeme“ als (in diesem Fall ganz große) Erzählungen des ausgehenden 20.Jahrhunderts. Nicht jeder Wissenschaftler versteht derlei Aussagen als Kompliment. Konstruktivisten können sogar noch weiter gehen und die Kategorie um die Naturwissenschaften als pragmatisch orientierter Weltbeschreibung erweitern. Von Prosa und Lyrik unterscheidet sich die Fachliteratur dann nur noch durch ihre sachliche Form.

Der Konstruktivismus regt dazu an, einerseits den Respekt vor den Ansichten etablierter Vertreter von Wahrheit zu verlieren[33] und ihn andererseits gegenüber Konstrukteuren zu bezeugen, die einer vermeintlich unerreichbaren Wahrheit entsagen und ihre eigene Wahrhaftigkeit dafür ins Spiel bringen. Wer für sich selbst einsteht, muss sich nicht auf anderes beziehen. Maturana (Maturana 2002) schildert in einem Interview sein Leben unter der Diktatur Pinochets und eine Begegnung mit ihm. Aus dem geht hervor, dass Würde und Selbstrespekt auch im Angesicht ausgeübter Macht nicht aufgegeben zu werden braucht, weil sie jenseits aller rechtlichen Regelungen und gesellschaftlicher oder individueller Auslegungen unantastbar ist. Durch die Annahme der Gleichwertigkeit von Wirklichkeitskonstruktionen entsteht eine Augenhöhe, die es erlaubt, die Rituale der Macht nachzuvollziehen, ohne sie verinnerlichen zu müssen.

7. Literaturangaben:

Einführungen:

Bänsch, Alexandra (1997): Wie hältst du´s mit der Wirklichkeit? – Kleine Einübung in die konstruktivistischen Diskussionen. Berlin. Humboldt-Universität.

Von Förster, Heinz (1997): Einführung in den Konstruktivismus. München. Piper.

Gumin, Heinz / Mohler, Armin (Hg.) (1985): Einführung in den Konstruktivismus. München. Oldenbourg Verlag.

Maturana, Humberto R. / Varela, Francisco J. (1993): Der Baum der Erkenntnis – Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. München. Goldmann.

Maturana, Humberto (2002): Vom Sein zum Tun – Die Ursprünge der Biologie des Erkennens. Heidelberg. Carl-Auer-Systeme.

Watzlawick, Paul / Kreuzer, Franz (1988): Die Unsicherheit unserer Wirklichkeit – Ein Gespräch über den Konstruktivismus. München. Piper.

Grundlagen:

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Von Förster, Heinz (1985): Sicht und Einsicht – Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie. Braunschweig. Vieweg.

Von Förster, Heinz (1995): Cybernetics of Cybernetics – the control of control and the communication of communication. Minneapolis, Mass. Future Systems.

Von Förster, Heinz / Von Glasersfeld, Ernst (1999): Wie wir uns erfinden – eine Autobiographie des radikalen Konstruktivismus. Heidelberg. Carl-Auer-Systeme.

Von Förster, Heinz (2003): Understanding understanding: essays on cybernetics and cognition. New York. Springer.

Geißlinger, Hans (1992): Die Imagination der Wirklichkeit – Experimente zum radikalen Konstruktivismus. Frankfurt am Main. Campus.

Von Glasersfeld, Ernst (1987): Wissen, Sprache und Wirklichkeit – Arbeiten zum radikalen Konstruktivismus. Braunschweig. Vieweg.

Von Glasersfeld, Ernst (1995): Radical Constructivism – A Way of Knowing and Learning. London. Falmer Press.

Von Glasersfeld, Ernst (1996): Wege des Wissens – konstruktivistische Erkundungen durch unser Denken. Heidelberg. Carl-Auer-Systeme.

Hejl, Peter M. (Hg.) (2001): Universalien und Konstruktivismus. Frankfurt am Main. Suhrkamp.

Koutroufinis, Spyridon A. (1993): Struktur und Selbstreflexion – eine kritische Auseinandersetzung mit den Theorien der Selbstorganisation und des naturwissenschaftlichen Radikalen Konstruktivismus und ein Versuch, das Phänomen der Evolution durch den Satz von Gödel zu begründen. Berlin.

Rusch, Gebhard / Schmidt, Siegfried J. (Hg.) (1994): Konstruktivismus und Sozialtheorie. Frankfurt am Main. Suhrkamp.

Schmidt, Siegfried J. (1992): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt am Main. Suhrkamp.

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Luhmann, Niklas (1990): Soziologische Aufklärung 5 – Konstruktivistische Perspektiven. Opladen. Westdeutscher Verlag.

Luhmann, Niklas / Maturana, Humberto / Namiki, Mikio / Redder, Volker / Varela, Franciso (1992): Beobachter – Konvergenz der Erkenntnistheorien?. München. Wilhelm Fink Verlag.

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Maturana, Humberto R. (2001): Was ist Erkennen? – Die Welt entsteht im Auge des Betrachters. München. Goldmann.

Riegas, Volker / Maturana, Humberto R. (1993): Zur Biologie der Kognition – ein Gespräch mit Humberto R. Maturana und Beiträge zur Diskussion seines Werkes. Frankfurt am Main. Suhrkamp.

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Watzlawick, Paul (Hg.) (1991): Das Auge des Betrachters – Beiträge zum Konstruktivismus; Festschrift für Heinz von Förster. München. Piper.

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[...]


[1] Ein Sprichwort unter Informatikern besagt, dass „Computer uns helfen, Probleme zu lösen, die wir ohne sie nicht hätten“.

[2] Dazu auch die Untersuchung von Knorr-Cetina zur Wissensgewinnung in den Naturwissenschaften (Knorr-Cetina 1984) und von der anderen Seite her Sokal, der als Naturwissenschaftler die Utilisierung naturwissenschaftlicher Termini in den Geisteswissenschaften untersucht und hinterfragt.

[3] Dazu zählt bahnbrechend vor allem Maturanas „Biologie der Realität“. Es diente nicht nur als Grundlage und stilbildend für Luhmanns Systemtheorie, sondern ist als Werk von großer Allgemeinheit auch der Biologie im Speziellen nur noch in seiner Terminologie zuzuordnen. Genausogut hätte dieses Werk in die Geschichte der Psychologie, der Soziologie (natürlich!) und der Philosophie eingehen können.

[4] Der Autor dieser Hausarbeit geht davon aus. Daher die Großschreibung des Terminus „Radikaler Konstruktivismus“. Ein nicht ganz unberechtigter Vorwurf der Naturwissenschaftler an die Geisteswissenschaftler besagt, diese würden vage Behauptungen, Tendenzen, das Sprechen über „Zunächsts“ und „Zumeists“ dem Beweis auch nur eines kleinen Körnchens Wahrheit zumeist vorziehen. Die Entscheidung für die Annahme des R.K. als Paradigma ist daher funktional begründet. Es eröffnet die Möglichkeit der Reflektion anderer erkenntnistheoretischer Ansätze und der Suche nach Verbindungen und Erweiterungen der Theorie in anderen Kontexten.

[5] Siehe „Draw a distinction“ (Spencer-Brown 1994) und auch Bateson 1996.

[6] Luhmanns Umstellung des Handlungsbegriffes auf den Kommunikationsbegriff ist ein gutes Beispiel dafür. So überarbeitete er zahlreiche Schriften, die danach nicht mehr dieselben waren (dazu der Disput von Habermas und Luhmann über kommunikatives Handeln). Kommunikation im Sinne von Luhmann als Einheit des Verstehens der Unterscheidung von Information und Mitteilung ist Konstruktivismus in Reinform.

[7] Ein Unterbeispiel: die Forschungen des Psychologen Wilhelm Reich zur Orgonenergie. Der Krebs einer Mehrzahl von im Orgonakkumulator behandelter Menschen löste sich im gleichen Maße auf wie der ihm beigemessene Sinn des betroffenen psychischen Systems. Als Folge starben überdurchschnittlich viele erfolgreich Behandelte in der Folgezeit an Unfällen oder Suizid.

[8] Im Sinne neuronal verschalteter linguistisch konditionierter Repräsentationen des Selbst und des Selbst in der Welt.

[9] die im übrigen von nur einer Person erdacht und in ihren Wirkungen als die eine zugrundeliegende Ursache viel klarer beobachtbar wurde.

[10] Anders z.B. bei Heidegger: die Welt setzt er als conditio sine qua non voraus und thematisiert stattdessen das Sein. Radikaler als der Konstruktivismus lässt er von der Welt überhaupt nichts mehr übrig, was jenseits des Seins noch greifbar wäre. In phänomenologischer Tradition übergeht er damit Bestimmungsoperationen im Sinne affirmativer Differenzierungen wie Kommunikation wie z.B. ein Neurologe Gedanken und Bewußtheit mit Synapsenaktivitäten erklärt. Notwendig ist ein solcher Verweis sicherlich, doch nicht hinreichend, um komplexe Phänomene des Bewußtseins wie Absichten (mit Searl: Illokutionen) oder Logik zu erklären.

[11] Tomaschek 2001, 45-55.

[12] Ibid., 29-55.

[13] Ibid., 55-59.

[14] Diese Ansicht ist nicht unproblematisch, z.B. bezogen auf die Diskussion der Universalität von Menschenrechten. Allerdings lässt sich dem entgegenhalten, dass das Bestehen auf kulturelle Eigenheiten oftmals die wahren Motive verdeckt. Um ihre Kinder zu fressen wird die Revolution in der Regel zuerst von ihnen verraten.

[15] Kuhn geht ebenfalls davon aus. Als Beispiel nennt er Newtons Gravitationsgesetze. Diese gingen schließlich in Einsteins Relativitätstheorie auf. Sie waren nicht grundsätzlich falsch, doch gingen sie von der Absolutheit von Raum und Zeit aus und setzten diese als faktisch.

[16] So etabliert Luhmann den Begriff der Reduktion von Komplexität. Demnach ist die Welt in ihren Aspekten an und für sich unermesslich, komplex und immer komplexer als das System (für dieses Beispiel: die Theorie) selbst, die mit ihr verfährt. Genau deswegen sieht er auch die Notwendigkeit, möglichen wahren Aussagen obligatorisch ein „Zunächst“ und „Zumeist“ vorzuschieben. Auch hier bezieht er sich implizit auf Maturanas Diskussion der Realität.

[17] Ein weiteres Konzept von Repräsentationen als zentrales Moment der Epistemologie in Dretske, Fred I. (1998): Die Naturalisierung des Geistes. Paderborn. Verlag Ferdinand Schöningh.

[18] Ein weiteres Beispiel aus der Informatik: Das Erfahrbare hängt von der Hardware ab. Die beste Software nützt dem Computerfreund nichts, wenn der Computer nicht genug Speicherplatz hat oder einfach langsam ist. Das Erfahrene: auch oder gerade ein sehr guter Film kann, auf einem schlechten Gerät abgespielt, zu einer großen Verzweiflung werden.

[19] Dazu Maturana 1995, XII und XIII: „La noción de autopoiesis sirve para describir un fenómeno radicalmente circular: las moléculas orgánicas forman redes de reacciones que producen a las mismas moléculas de las que están integradas.“

[20] Für eine systemische Theorie des Organismus und seinen Folgerungen für die Erkenntnistheorie vgl. Edlinger, Karl / Gutmann, Wolfgang Friedrich (2002): Organismus, Evolution, Erkenntnis. Frankfurt am Main. Peter Lang und eine Diskussion desselben Themas in Edelman, Gerald M. (1987): Unser Gehirn – ein dynamisches System - Die Theorie des neuronalen Darwinismus und die biologischen Grundlagen der Wahrnehmung. München. Piper.

[21] Das Lernen der Sprache bildet nur einen, wenngleich wichtigen Teil der Aneignung bzw. Annäherung an eine andere Kultur.

[22] Zum Begriff der Konfusion Watzlawick 1988

[23] Jones (2005) sagte im Interview mit der Zeit zum Thema „Intelligent Design“, also eines biblisch fundierten Kreationismus, dass, wenn es Gott gibt und er den Menschen erschaffen hat, er seinen Job miserabel erledigt hat. Die Augen jeder Katze sind besser als die eines Menschen, die Ohren jedes Hundes, die Ortungssinne jeder Fledermaus usw. Es scheint, als herrsche im Bereich angeborener Fähigkeiten eine Knappheit unter den irdischen Lebensformen. Weiter führt er aus, dass auch eine Kombination der besten Fähigkeiten nur ein Behelf in einer unendlich viel komplexeren Umwelt darstellen würde. Desweiteren ist zusätzlich anzumerken, dass ein auf Überleben gedrilltes Verarbeitungsnetzwerk wie das ZNS damit nicht umgehen könnte, ohne seine intentionale Ausrichtung zu transformieren (dazu passt, dass wissenschaftliche Neuerungen meist zuallererst auf den Schreibtischen der Verteidigungsministerien landen oder gar von ihnen in Auftrag gegeben wurden).

[24] „Diese zentralnervöse Apparatur schreibt keineswegs der Natur ihr Gesetz vor, sie tut das genau so wenig, wie der Huf des Pferdes dem Erdboden seine Form vorschreibt. Wie dieser stolpert sie über nicht vorgesehene Veränderungen der dem Organ gestellten Aufgabe. Aber so wie der Huf des Pferdes auf den Steppenboden paßt, mit dem er sich auseinandersetzt, so paßt unsere zentralnervöse Weltbild-Apparatur auf die reichhaltige reale Welt, mit der sich der Mensch auseinandersetzen muß, und wie jedes Organ, so hat auch sie ihre arterhaltend zweckmäßige Form in äonenlangem stammesgeschichtlichem Werden durch diese Auseinandersetzung von Realem mit Realem gewonnen.“ (Lorenz 1977, 166; oder auch Radnitzky / Bartley 1993, 85)

[25] Ein ähnlicher Gedanke im Bereich der Geschichtsforschung findet sich bei dem Ethnologen Jan Vansina, „Oral Traditions“. Demnach ist es nicht die Aufgabe des Historikers, faktische Ereignisse als Geschichte, die uns wie eine Landschaft umgibt und kausal unseren Weg bestimmt, herauszufinden. Vielmehr sei es die Aufgabe des Historikers, das Bild einer geschichtlichen Landschaft zu zeichnen, auf dem die es begründenden Quellen unterschiedliche Standpunkte einnehmen, von denen aus jeweils einige Facetten des Gesamtbildes sichtbar, andere unsichtbar werden.

[26] Dazu bezogen auf die Organismustheorie Edlinger, Gutmann, Friedrich 2002

[27] Wittgenstein beschreibt im Tractatus eine Konsequenz dieser Relativierung des Seins bzw. der Seinsinhalte in 6.4311: „Unser Leben ist ebenso endlos, wie unser Gesichtsfeld grenzenlos ist.“ Es gibt also keine Möglichkeit, über den relativen Raum hinauszugehen, was Grund zur Bescheidenheit gegenüber einem unerkannten Größeren gibt..

[28] Dazu Fuchs (1998) in Auseinandersetzung mit Freud und Lacan.

[29] Der absolute Raum ist von dieser Warte aus das, was Wittgenstein als das bezeichnet, über das man nicht reden kann und worüber sich nur schweigen lässt („Tractatus logico-philosophicus“, 7. Gedanke)

[30] Dieser theoretische Gedanke gewinnt in der Beschreibung von Kommunikationsprozessen an Relevanz: Bei Talcott Parsons wird es im Konzept der doppelten Kontingenz thematisiert. Interagierende, die in eine Kommunikation eintreten (und darunter fällt auch der Fall, die Kommunikation abzulehnen), sind auf der einen Seite damit konfrontiert, das Gemeinte des anderen mit ihren Mitteln irgendwie zu verstehen . Auf der anderen Seite geben sie selbst sich als sinnhaft operierende Konstrukteure zu verstehen.

[31] Ähnlich verhält es sich im Werk Franz Kafkas. Im „Prozess“ wird ein Mensch ohne Angabe von Gründen, die er auch nie erfährt, angeklagt. Er engagiert sich also in der Angelegenheit und jede Stelle, an die er sich wendet, teilt ihm maximal mit, dass die Anklage wirklich erhoben wurde. Irgendwann wird er von Ausführenden des Verfahrens wie ein Hund einfach hingerichtet.

[32] Dazu Aldous Huxley, „Pforten der Wahrnehmung“: „If the doors of perception are opened, everything will appear as it truly is: infinite“

[33] Bezogen auf das Wissenschaftssystem Luhmann 1994, 42, in Kurzform: Macht anstelle von Wahrheit durch Reputation. Kuhn schildert Ähnliches in Bezug auf Widerständler gegen Paradigmenübergänge.

Details

Seiten
29
Jahr
2006
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111323
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
2,0
Schlagworte
Konzept Radikalen Konstruktivismus Erkenntnistheorie Texte Erkenntnistheorie“

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Titel: „Welt“ und „Wirklichkeit“ im Konzept des Radikalen Konstruktivismus als neurobiologisch fundierter Erkenntnistheorie