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Meinungsbildungsprozesse im Zusammenhang mit Verfahren direkter Demokratie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 30 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Gliederung

Gliederung

I Direkte Demokratie und individuelle Meinungsbildung

II Welche kognitiven Prozesse finden statt?
a) Fallstudie LKW-Steuer
b) weitergehende Betrachtungen

III Sind die Bürger glücklicher?
a) Analyse der politischen Unterstützung
b) Weitergehende Betrachtungen

IV Resümee

V Quellen

I Direkte Demokratie und individuelle Meinungsbildung

„Demokratie ist auf der Überzeugung aufgebaut, dass gewöhnliche Menschen ungewöhnliche Fähigkeiten haben“ schreibt Harry Emerson Fosdick, ein amerikanischer Geistlicher.[1] Dies gilt umso mehr für jene demokratischen Verfahrensweisen, die auf eine unmittelbare Beteiligung des gewöhnlichen Bürgers abzielen. Direkte Demokratie soll einer Vielzahl von Ansprüchen gerecht werden. Bessere Politikentscheidungen und ein Zugewinn an Legitimität und Performanz werden erwartet, gibt direkte Demokratie doch viel mehr gewöhnlichen Menschen die Möglichkeit ihre ungewöhnlichen Fähigkeiten einzubringen. Aber auch eine höhere Zufriedenheit in der Bevölkerung mit getroffenen Entscheidungen ist ein Argument der Befürworter direkter Demokratie. Letztlich werden auch emanzipatorische und Bildungseffekte durch Verfahren unmittelbarer Bürgerbeteiligung erwartet. Gerade die letzten beiden Punkte sollten in der Debatte um die Ausweitung von Verfahren direkter Demokratie auf verschiedensten Politikebenen nicht vergessen werden. Es geht nicht nur darum den Bürgern das Verfahren vorzusetzen und zu hoffen, es mögen doch gute Politikinhalte entstehen. Demokratie und aktives Bürgertum müssen erlernt werden. Die vorhandenen Strukturen müssen in gute politische Abläufe umgesetzt, die polity mit politics zum Leben erweckt werden. Nicht nur sollen vorhandene Fähigkeiten genutzt, sondern zusätzlich neue Fertigkeiten aufgebaut werden. Hier finden sich besonders häufig kritische Stimmen gegen direkte Demokratie. So orakelt Giovanni Sartori düster, dass direkte Demokratie schnell und desaströs an den Klippen kognitiver Inkompetenz der Bürger zerschellen würde.[2] Das Unterfangen Bürgerbeteiligung kann also nur gelingen wenn beides gegeben ist – die Möglichkeiten der Mitsprache und die Fähigkeiten.

Es ist Aufgabe der Wissenschaft zu analysieren wie viel Optimismus über außergewöhnliche Fähigkeiten der Bürger und wie viel Pessimismus über geistige Inkompetenz tatsächlich angemessen ist. Dabei erstreckt sich der Fokus der gegenwärtigen Forschung von den mentalen Prozessen der Bürger im Verlauf demokratischer Verfahren und politischer Entscheidungen bis hin zur Struktur und den Folgen Öffentlicher Meinung auf der Makroebene. Es wird im Grenzgebiet der Kognitions- und Sozialpsychologie, wie auch der Philosophie und Politischen Theorie gearbeitet. Forschungsobjekte sind beispielsweise die Rolle von Werten und Prinzipien, heuristische Prozesse beim Bürger, Informationsverarbeitung und Medienkonsum, Effekte von politischer Bildung und Kenntnis der Verfahren. Eine stark auf Empirie basierende Betrachtung ist erforderlich, wobei verschiedenste Methoden (traditionelle Umfragen, Laborsimulationen, Fokusgruppen, Tiefeninterviews) zur Anwendung kommen. Aus diesen empirischen Studien wiederum ergeben sich gerade im Bereich direkter Demokratie oft normative Handlungsanweisungen.

Im Zuge dieser Überlegungen soll sich diese Arbeit mit Meinungsbildungsprozessen in Verfahren direkter Bürgerbeteiligung befassen. Als direktdemokratisches Verfahren werden dabei primär Volksentscheide (Referenden und Plebiszite) und Volksbegehren verstanden.[3] Die Arbeit mit verfügbarem empirischem Material steht dabei im Vordergrund. Es geht zum einen darum zu klären: Welche Mechanismen beeinflussen die Aufnahme und Akzeptanz von Informationen in der öffentlichen Debatte eines Volksentscheids? Die einzelne Kampagne und ihre psychologischen Auswirkungen stehen daher im Mittelpunkt. Besonders wichtig, ist hierbei die Frage, inwieweit bereits vorhandene individuelle Wertepräferenzen das Abstimmungsverhalten der Bürger prägen. Zum anderen wird in dieser Arbeit folgende Frage zu klären sein: Verstärken Verfahren unmittelbarer Bürgerbeteiligung auf längere Sicht das Vertrauen der Bürger ins politische System und in ihre eigenen Gestaltungsfähigkeiten? Kern dieser Analyse bildet der Efficacy- Ansatz und David Eastons Konzept der der politischen Unterstützung. Damit wird das Problem der Meinungsbildung sowohl auf der Mikro-, als auch der Makroebene beleuchtet.

Die empirischen Grundlagen bilden eine Fallstudie und mehrere Analyse auf Basis aggregierter Daten der Eurobarometer, NES, ISSP, Eurobarometer und ALLBUS Umfragen, welche mit SPSS ausgewertet wurden. Die Mehrzahl der verwendeten Literatur stammt aus dem englischen Sprachraum. So bilden die Arbeiten Hanspeter Kriesis sowie Shaun Bowler und Todd Donovans wichtige Quellen der Arbeit. Besonders hervorzuheben sei hier der Aufsatz Kriesis „Individual Opinion Formation in a Direct Democratic Campaign”, welcher die Grundlage der ersten Analyse darstellt. Die Studie zum Efficacy- Ansatz ent­stammt Bowler und Donovans Artikel „Democracy, Institutions and Attitudes about Citizens Influence on Government”.

Unter den Periodika enthalten besonders die American Political Science Rewiev und Public Opinion Quarterly häufig Aufsätze aus dem Bereich von Meinungsbildungsprozessen. Einige dieser Aufsätze fanden in dieser Arbeit Verwendung. Stephen C. Craig, Christopher J. Anderson, Jack Citrin und Stephen M. Weatherford sind einige renommierte Autoren auf diesem Gebiet. Besonders interessant für die Bewertung der Studie Bowler und Donovans ist der Aufsatz „Political Efficacy and Trust“ von Craig, Niemi und Silver, in welchem die Validität und Reliabilität der von Bowler und Donovan verwendeten NES Fragen zur Messung von Efficacy überprüft wird. Eine dezidierte Betrachtung von kognitiven Vorgängen und Problemen Öffentlicher Meinung unter den Bedingungen unmittelbarer Bürgerbeteiligung findet jedoch sehr selten statt.[4] Meist konzentriert sich Einstellungsforschung auf die zentralen politischen Institutionen. Das bedeutet Systeme und nicht politische Prozesse stehen im Vordergrund. Auch die Veröffentlichungen zur direkten Demokratie setzen häufiger an der Analyse des Verfahrens an, während kognitive Prozesse beim Adressaten seltener untersucht werden. Da es darüber hinaus Länderunterschiede im Stellenwert und der Anwendung direktdemokratischer Verfahren gibt, welche sich in den Publikationen widerspiegeln, steckt die vergleichende Einstellungsforschung zu direkter Demokratie noch in den Kinderschuhen.

In Fragen von Meinungsbildungsprozessen und Öffentlicher Meinung allgemein bietet die Veröffentlichungsreihe der Cambridge Studies in Political Psychology and Public Opinion eine gute Literaturgrundlage. Zu nennen wäre hierbei besonders „What is it About Government that Americans Dislike?“ von John Hibbing und Elizabeth Theiss-Morse, welches sich mit Vertrauensverlusten ins politische System der USA seit den 60er Jahren beschäftigt. Von den gleichen Autoren stammt „Congress as Public Enemy: Attitudes Toward American Political Institutionens“, eine Analyse mit dem Schwerpunkt auf Meinungsbildung über die Legislative. Mit Problemen der rationalen vs. irrationalen Entscheidungsfindung und Präferenzbildung befasst sich Athur Lupias, Mathew Mc Cubbins und Samuel Popkins Buch „Elements of Reason: Cognition, Choice and the Bounds of Rationality“. Weiterhin wäre John Zallers Forschung, speziell „The Nature and Origins of Mass Opinion“ als Standardwerk zu nennen. Die methodischen Ansätze und Ergebnisse dieser Veröffentlichungen lassen sich zumindest teilweise auf Meinungsforschung zu direkter Demokratie übertragen.

II Welche kognitiven Prozesse finden statt?

Im ersten Schritt dieser Arbeit soll geklärt werden, welche Meinungsbildungsprozesse im Zuge eines Verfahrens unmittelbarer Bürgerbeteiligung von statten gehen. Es handelt sich hierbei also um eine Analyse der Mikroebene. Die Ausgangsthese ist, dass die individuelle Prädisposition des Bürgers dessen Aufnahme und Akzeptanz von Informationen beeinflusst. Diese selektive Informationsaufnahme wiederum bedingt die Meinungsbildungs- und Meinungswandelungsprozesse. John R. Zaller formuliert dieses Widerstandsaxiom in seinem Buch ‚The Nature and Origins of Mass Opinion’. Menschen neigen dazu, Informationen welche im Widerspruch zu ihren politischen Ansichten stehen zu ignorieren. Je stärker das politische Bewusstsein vorgeprägt ist, desto stärker widersetzt man sich widersprechenden Informationen. „The probability that an individual will resist (i.e. refusal to accept) a message given reception of it, increases with distance between the values of the individual and the value coloration of the message”,[5] so Zaller. Das heißt, es gibt Mechanismen zur Vermeidung kognitiver Dissonanzen.[6] Beispielhaft wird diese Dissonanzvermeidung wenn man sich die Wahl der Tageszeitung und die politische Selbsteinordnung von Bürgern anschaut. Wähler linker Parteien lesen wesentlich häufiger taz und Frankfurter Rundschau, während Die Welt und FAZ von einem konservativeren Publikum konsumiert werden.[7] Das Abstimmungsverhalten in einer Volksabstimmung entsteht folglich nicht auf einer tabula rasa allein durch Informationen der Kampagne, sondern baut auf Alltagsvorstellungen politischer Probleme und ihrer Lösungen auf. Zaller beschreibt dies folgendermaßen: „Every opinion is a marriage of information and predisposition: information to form a mental picture of the given issue, and predisposition to motivate some conclusion about it“.[8] Diese Melange aus Werten, thematische Grundhaltungen und Präferenzen, Vorwissen, Stimmungslagen und Routinen soll aufbauend aud Zaller als Prädisposition bezeichnet werden. Der Charakter der Initiative, ob es z.B. um ein vertrautes Thema geht oder ob sie eine unmittelbare Konsequenz für den Einzelnen nach sich zieht, bedingt, inwieweit diese Prädispositionen zum Tragen kommen. Je stärker ein Thema beim Bürger vorgeprägt ist, desto mehr werden Informationen im Zuge der Abstimmungskampagne abgeblockt die gegen diese Meinung stehen. Die uninformierten Bürger wiederum ändern besonders häufig ihre Meinung im Zuge eines Verfahrens unmittelbarer Bürgerbeteiligung. Ziel einer Kampagne müsste es demnach sein, die bestehenden Klientel in ihrer Meinung zu bestärken und möglichst viele der wenig informierten Bürger mit persuasiver Kommunikation auf die eigene Seite zu bringen. In Bezug auf die öffentliche Debatte muss jedoch hinsichtlich der Richtung (Einseitigkeit) und der Stärke bzw. des Ausmaßes des Informationsflusses differenziert werden. Je stärker eine Meinung die andere überwiegt, desto wahrscheinlicher wird ein Meinungswandel der gering prädisponierten Bürger. Polarisierende Kampagnen wiederum führen auch eher zu auseinander gehenden Abstimmungsverhalten. Nicht jedes Thema bringt jedoch hohe mediale Aufmerksamkeit mit sich. Je mehr über anstehende Bürgerentscheide berichtet wird, desto größer die Chance, dass Menschen diese Informationen aufnehmen und ihre Meinung ändern. Gerade in der Schweizer Demokratie lässt sich beobachten, dass viele ähnliche Vorlagen gleichzeitig abgestimmt werden, wobei nur einige der Entwürfe hohe Aufmerksamkeit erfahren. Es herrscht quasi eine Alltäglichkeit der unmittelbaren Bürgerbeteiligung, während in Deutschland solche Entscheidungen oft mit tiefen politischen Grabenkämpfen verbunden sind. Damit beeinflussen zwei interagierende Variablen (Prädisposition und Kampagnenaktivität) das Ausmaß und die Stabilität der Meinungsbildung im Zuge einer Volksabstimmung.

a) Fallstudie LKW-Steuer

Exemplarisch untersucht dies Hanspeter Kriesi an einem Schweizer Volksentscheid über LKW Steuern im Jahre 1994. Sie erfasst das Zusammenspiel von Prädisposition, Information und Meinung. Jene Fallstudie eignet sich deshalb besonders gut als empirische Grundlage, weil hier ein Panel von 1062 Personen in einem Zeitraum von fünf Monaten, sowohl vor, als auch nach dem Volksentscheid befragt wurde.[9] Laut Kriesi ist die Stichprobe repräsentativ für die wahlberechtigte Schweizer Bevölkerung. Mehrfachbefragungen dieser Größe zum Verlauf eines direktdemokratischen Verfahrens sind aufgrund ihrer Kosten und des Aufwandes sonst selten zu finden. Es sollte im Hinterkopf behalten werden, dass Fallanalysen weniger der Überprüfung von Hypothesen, als vielmehr der Exploration eines Forschungsgegenstandes dienen. So verweist z.B. Jürgen Gerhards auf den stetigen Rückgang von Fallanalysen unter den empirischen Studien: „Die Wissenschaft folgt offensichtlich einem Differenzierungsprozess, bei dem die Analyse der Einheit des Gegenstandes durch unterschiedliche Perspektiven auf ein und denselben Gegenstand ersetzt wird“.[10] Die hier vorgestellte Studie soll auch dazu inspirieren, weiter zu untersuchen, in welchen Bereichen der praktischen Anwendung direktdemokratischer Verfahren welche Prozesse ablaufen.

Der Inhalt des Volksentscheids war die Frage nach einer Verlängerung der bestehenden Pauschalsteuer für LKW und alternativ nach einer Staffelung entsprechend des Verschmutzungsgrads des Fahrzeugs. Beide Fragen konnten befürwortet oder abgelehnt werden, es wurde wenig zwischen beiden unterschieden. Der Charakter der Initiative lässt sich als mittelmäßig komplex, mittelmäßig wichtig und mit geringen unmittelbaren persönlichen Konsequenzen beschreiben. Prädispositionen wurden hauptsächlich im Bereich Umweltschutz angesprochen. Der mit der Kampagne verbundene Informationsfluss war von mittlerer Stärke und einseitig bejahend. Alle relevanten politischen und gesellschaftlichen Eliten, mit Ausnahme der Spediteurslobby, unterstützen die Fortführung der über Jahre hinweg etablierten Steuer. Entsprechend der nur mittleren Wichtigkeit des Themas ergab die Abstimmung auch nur eine Beteiligung von 39,8%. Beide Entwürfe wurden mit großer Mehrheit (72,1% für die Verlängerung, 67,1% für die Staffelung) angenommen.[11]

Die Ergebnisse der Datenanalyse Kriesis ergab, dass von den ursprünglichen Gegnern etwa 70% im Zuge der Kampagne ihre Meinung änderten, egal wie stark ihre Prädisposition[12] ausgeprägt war. Zallers Widerstandsaxiom bestätigte sich für diese Gruppe also nicht. Bei den ursprünglichen Befürwortern zeigt sich ein anderes Bild. Nur 10% der stark prädisponierten Befragten wichen im Laufe der Kampagne von ihrer Meinung ab, während jeder zweite mit geringem Problembewusstsein seine Einstellung änderte.[13] Nun sagt eine Meinungsänderung nicht zwangsläufig aus, dass ein Wechsel ins gegnerische Lager stattfand. Sondern dies kann ebenfalls bedeuten, dass der Befragte nun gar keine Meinung zum Thema mehr angeben kann, sich seines Urteils also unsicher ist. So zeigte sich dann auch, dass gerade im Lager der Befragten mit geringer Prädisposition die Unsicherheit nach der Volksabstimmung von 15% auf 44% erheblich und bei den mittel prädisponierten Befragten immerhin von ursprünglich 10% auf 30% anstieg, während sie bei den stark prädisponierten Bürgern von 6% auf 10% noch einigermaßen niedrig blieb.[14] Je geringer das Problembewusstsein desto wahrscheinlicher war also eine Zunahme der Unsicherheit im Laufe der Kampagne. Dies ist insofern problematisch, als das die Kampagne es nicht vermochte die Meinungen der Bürger in der Abstimmung zu stärken und festigen. Kriesi dazu: „In their[15] case, the campaign is not likely to serve the intended purpose, and it may actually have the counter-productive effect of rendering such voters more insecure“.[16] Statt Klar­heit zu bringen wurde also Konfusion geschaffen. Solche Unsicherheit führt jedoch tendenziell dazu, sich der Stimme im Volksentscheid gänzlich zu enthalten. Ist die Abstimmung mit einem Zustimmungs- oder Beteiligungsquorum verbunden, erhöht dies natürlich das Risiko des Scheiterns der Vorlage.

Betrachtet man den Anstieg der Unsicherheit getrennt nach anfänglichen Gegnern und Befürwortern der Vorlage, so zeigt sich, dass er für die wenig prädisponierten Befragten gleich stark ist. Bei den stark prädisponierten Befürwortern ist der Anstieg der Unsicherheit jedoch nur halb so groß wie bei den ursprünglichen Gegnern. Dass Gegner unsicherer sind als Unterstützer, erklärt sich aus der geringeren kognitiven Dissonanz für die Befürworter in einer einseitigen Kampagne. Bereinigt man die Aussagen der Befragten nunmehr um jene, die anstelle eines Meinungswechsels nach der Kampagne nur Unsicherheit ausdrückten ergibt sich folglich ein anderes Bild des Meinungswandels. Der tatsächliche Wechsel in andere Lager variiert bei den ursprünglichen Gegnern zwischen 32% und 47% und nimmt mit zunehmendem Problembewusstsein leicht zu. Die Experten bilden sich also eher eine neue Meinung, während die anderen in Unsicherheit verweilen. Bei den Befürwortern liegt die Rate der Einstellungsänderungen noch immer wesentlich niedriger, um die 10%.[17] Mit zunehmendem Problembewusstsein der Befürworter nimmt der Wechsel ins andere Lager leicht ab. Hier wäre die kognitive Dissonanz (starke Prädisposition, anfängliche Unterstützung, einseitige Kampagne) schließlich auch am größten.

Da kognitive Dissonanz auf Kampagnenaktivitäten zurückgeht, sollte der Einfluss von Informationen auch gesondert betrachtet werden. Es zeigt sich wie erwartet, dass Bürger mit ausgeprägter Prädisposition wesentlich stärker von verfügbaren Informationen profitieren als die wenig Vorgeprägten. Sowohl bei den stark prädisponierten Gegnern (43 auf 20%), als auch bei den Befürwortern (22 auf 12%) der Vorlage, halbieren Informationen die Unsicherheit. Das allgemeine Wissen um den Bereich Umweltschutz wurde durch die Kampagne im Thema LKW-Steuern präzisiert. Da die Unsicherheit unter den stark prädisponierten Gegnern jedoch deutlich höher lag, als bei den Befürwortern, erreichten erstere trotz der Informationen lediglich den Ausgangslevel der Unterstützergruppe. Unter den Befragten mit geringem ökologischem Vorwissen verringerte sich die Unsicherheit nur um wenige (5-8) Prozentpunkte.[18] Bürger mit geringem Problembewusstsein profitieren also wenig von politischen Informationen. Es fehlte ihnen an Hintergrundinformationen um die Kampagnenaussagen sinnvoll zur Meinungsbildung einzusetzen. Nimmt man die Einflussfaktoren des Vorwissens, der Unterstützung bzw. Gegnerschaft und des Informationskonsums zusammen, so zeigt sich, dass in allererster Linie die ursprünglichen Gegner mit starker Prädisposition und vielen Informationen gewillt sind das Lager zu wechseln. Diejenigen Gegner, die zwar über Vorwissen, aber keine genauen Informationen zum aktuellen Thema verfügten, blieben hingegen bei ihrer ursprünglichen Meinung. Jene Menschen, die weder Vorwissen noch aktuelle Informationen zum Abstimmungsgegenstand besaßen, scheiterten hingegen an den von Sartori vorausgesagten Klippen kognitiver Inkompetenz.

Setzt man die aufgeführten Variablen in eine Rangfolge, so zeigt sich, dass der wichtigste Einflussfaktor für oder gegen eine Einstellungsänderung die ursprüngliche Unterstützung bzw. Gegnerschaft zu einer Vorlage ist. An zweiter Stelle folgt dann die Stärke des Problembewusstseins und letztlich der Zugang zu Informationen zum Abstimmungsgegenstand. Im Gegensatz zu den Annahmen Zallers, ist es jedoch nicht pauschal die Gruppe der wenig Informierten, welche durch eine Kampagne beeinflussbar sind. Stattdessen erwies sich die Gruppe der Gegner mit stark ausgeprägtem ökologischem Bewusstsein am wenigsten resistent gegen eine Meinungsänderung. Das Gegenteil des in Zallers Widerstandsaxiom vorausgesagten Effekts trat ein. Vorhandene Prädispositionen und die Aufmerksamkeit für neue Informationen zeigten sich als interdependente Faktoren, wobei die ursprüngliche Meinung zum Thema als intervenierender Faktor den Meinungsbildungsprozess beeinflusst.

Bereits bestehende kognitive Muster prägen demnach am stärksten den individuellen Umgang mit einem Volksentscheid. Dies bedeutet aus Sicht der Initiatoren einer Volksabstimmung, dass jene Variable, welche sie am stärksten gestalten können, die am wenigsten bedeutsame ist. Nichts desto weniger hat die Studie Kriesis gezeigt, dass Kampagnenaktivitäten signifikante Meinungsbildungseffekte verursachen. Über ein Drittel der ursprünglichen Unterstützer und sagenhafte 71% der Gegner änderten im Laufe der Kampagne ihre Meinung. Die hohe Zahl derer, bei denen die Meinungsänderung so aussah, dass sie sich unsicher und ambivalent verhielten, sollte nicht als Plädoyer gegen Informationskampagnen im Zuge von Verfahren unmittelbarer Bürgerbeteiligung verstanden werden. Vielmehr zeigt es die Bedeutung der Wahl solcher Abstimmungsthemen, welche auf hohes Interesse und ausgeprägte Prädispositionen in der Bevölkerung stoßen. Nur solche Themen, bei denen die Bevölkerung in der Lage ist ihre vorhandenen Fähigkeiten in den politischen Prozess einzubringen und zur Meinungsbildung zu nutzen, produzieren die gewünschten emanzipatorischen und partizipativen Effekte. Die Sache muss die Menschen bewegen, ihnen am Herzen liegen und bereits vertraut sein. Dies ist naturgemäß bei Abstimmungen die einem Bürgerbegehren folgen eher der Fall, als bei Ratsbegehren. Kriesis Befunde lassen sich in diesem Sinne als Fürsprache zur direkten Demokratie von unten nach oben verstehen.

b) weitergehende Betrachtungen

Nun handelt es sich im vorgestellten Fall um eine einseitige Kampagne. Die individuelle Prädisposition beeinflusste zwar, wie in der Ausgangsthese vermutet, die Aufnahme und Akzeptanz von Informationen. Anders als erwartet trat in der stark prädisponierten Gegnergruppe jedoch nur geringer Widerstand auf. Dies bedeutet jedoch noch nicht das Ende der These. Die Richtung der Kampagne liefert vermutlich eine Erklärung des Phänomens. Der offensichtliche Nachteil von Fallstudien, nämlich dass das Sample aus einer einzigen Abstimmung bestand, wirkt sich hier stark aus. Die Ausgangsthese und Zallers Widerstandsaxiom bauen auf Selektionsprozesse in der Informationsaufnahme auf, welche Meinungsbildung und Meinungswandelung bedingen. Im vorgestellten Fall ist es jedoch fraglich, inwieweit angesichts des überwiegend befürwortenden Kampagnentenors überhaupt eine Selektion der Informationen möglich gewesen war. Es ist zu vermuten, dass kaum Informationen für die Gegner verfügbar waren, die deren Gegnerschaft zum Entwurf stabilisieren konnten. Leider erwähnt Kriesi das im Laufe der Untersuchungen verfügbare Medienspektrum nicht, er spricht jedoch von einem eindeutigen Überhang positiver Einstellungen zur LKW-Steuer. Auch scheint ihm die Problematik der Auswahl einer so einseitig ausgerichteten Kampagne gar nicht bewusst zu sein.[19] Fallstudien erbringen jedoch nur dann repräsentative Ergebnisse, wenn die Grundgesamtheit (d.h. direktdemokratische Verfahren allgemein) dermaßen homogen ist, dass die Wahl eines Falls ein adäquates Abbild der Grundgesamtheit darstellt.[20] Es gibt deutliche Anhaltspunkte zum Beispiel aus der Forschung Lazarsfelds, welche zeigen, dass eine Meinungsmehrheit bei der unterlegenen Bevölkerungsgruppe zu Einstellungsänderungen führen kann. Er bezeichnet diese als „Bandwagon - Effects“, das heißt, der Bürger hängt sich an die vorherrschende Meinung an. Die Kampagnenaktivitäten gewinnen damit im Gegensatz zu bestehenden kognitiven Mustern doch wieder an höherem Einfluss, indem sie vermitteln, wer der (vermeintliche) Sieger der Volksabstimmung sein wird. Ähnliche Effekte von länger andauernden Einstellungsänderungen aufgrund der wahrgenommenen Meinungsführerschaft einer Seite beobachtete auch Noelle-Neumann im Rahmen ihrer Theorie der Schweigespirale. Individuen, die die öffentliche Meinung gegen sich glauben beginnen aus Isolationsfurcht heraus entweder ihre Meinung zu verbergen[21] (compliance) oder sie ändern sogar ihre Meinung (internalization)[22]. „Jeder möchte auf der Seite des Siegers stehen“.[23] Es ist anzunehmen, dass dies bei Verfahren direkter Demokratie nicht weniger der Fall sein wird als bei Bundestagswahlen.

Neben dem verfügbaren Medienspektrum bietet sich ein zweiter Erklärungsansatz zum Verhalten der Befragten in Kriesis Studie an. Martin Irle präzisierte die Theorie der kognitiven Dissonanz um das Kriterium der Verflechtung. Demnach ist das Auftreten kognitiver Dissonanz und daraus folgender Vermeindung gegensätzlicher Informationen nicht allein von den Prädispositionen eines Bürgers abhängig. Zwar geht auch Irle davon aus, dass je stärker eine Einstellung vorgeprägt ist, desto stärker das Potenzial einer gegensätzlichen Information zur Dissonanzerzeugung sein wird. Es kommt jedoch zusätzlich darauf an, ob der fragliche Sachverhalt mit anderen Meinungen verflochten ist. „Je größer die Verflechtung einer subjektiven Hypothese mit anderen Hypothesen ist, desto stärker ist die Dissonanz, die bei der Widerlegung dieser subjektiven Hypothese eintritt“.[24] Wenn ein Abgehen von einer vorgefassten Meinung also starke Konsequenzen für andere Einstellungen des Betroffenen hat, wird er stärker Widerstand leisten, während ein weitgehend isoliertes Thema viel eher eine Meinungsänderung erfahren wird. Im Fall der vorgestellten LKW - Steuer ist anzunehmen, dass selbst bei stark prädisponierten Personen die Konsequenzen eines Meinungswandels eher gering ausfielen.

Auf Grund der Verzerrungen in Kriesis Fallstudie sollte die anfängliche These zu Meinungsbildungsprozessen im Zuge eines Verfahrens unmittelbarer Bürgerbeteiligung nun eine Erweiterung erfahren. Es gilt jene strukturelle Varianz in direktdemokratischen Verfahren zu verdeutlichen, welche die Ergebnisse Kriesis unbefriedigend erscheinen lassen. Als zweite These sei damit hinzugefügt: Präferenzen der Bürgerinnen und Bürger transformieren sich nicht einheitlich in direktdemokratische Entscheidungen. Stattdessen sollen drei verschiedene Szenarien der Meinungsbildung bei Verfahren unmittelbarer Bürgerbeteiligung unterschieden werden. Erstens, Meinungsbildungsprozesse von unten nach oben, wenn Prädispositionen aufgrund der Themenstellung mehrheitlich vorhanden, gerichtet und stabilisiert ausgeprägt sind. Zweitens, vor allem von oben nach unten, wenn keine oder kaum ausgeprägte Prädispositionen vorhanden sind und Entscheidungsabsichten namentlich als Folge öffentlicher Vermittlungsprozesse durch politische Akteure entstehen. Drittens jene Prozesse, die sowohl von unten als auch von oben verlaufen, wenn thematische Prädispositionen zwar vorhanden, aber nicht stabil ausgeprägt oder nicht mehrheitlich gerichtet sind und sich Mehrheiten erst unter dem Eindruck von Kampagnen politischer Akteure entwickeln. Diese drei Szenarien bilden freilich nur Ansatzpunkte dreier unterschiedlicher Forschungsrichtungen.

Es soll hierbei nur angeschnitten werden, in welche Richtung sich die Untersuchungen entwickeln können. Im ersten Modell wäre es besonders interessant die Ebenen der Öffentlichkeit herauszuarbeiten, in welchen Meinungsbildung stattfindet. In einer modernen Gesellschaft spielen die Massenmedien und damit verbunden professionelle Kampagnen stets eine entscheidende Rolle. Im Fall einer aus der Bevölkerung heraus entstehenden, stark prädisponierten Abstimmung jedoch dürften auch die eher zufällig entstehenden interpersonalen Kommunikationsprozesse einen Einfluss auf die Einstellungsbildung ausüben. Der Einfluss jener Arena die Luhmann als Kommunikation au trottoir bezeichnete, dürfte zu Beginn eines direktdemokratischen Verfahrens stärker sein und mit zunehmender Einbindung ins politische System sich abschwächen. Interpersonale Kommunikation folgt jedoch anderen Mustern als massenmedial vermittelte. Es existieren Interaktionsbeziehungen zwischen Meinungsführern und Meinungsabhängigen.[25] Die Meinungsführer beeinflussen die Meinungsabhängigen in ihrer Aufnahme und Akzeptanz von Informationen in der Debatte eines Volksentscheids, indem sie zulässige Themen und Lösungsvorschläge selektieren. Die Bereitschaft aufgrund von Prädispositionen aktiv an politischen und Kommunikationsprozessen teilzunehmen und direktdemokratische Verfahren zu initiieren ist ebenfalls nicht gleich verteilt. In der Regel resultiert ein solches Volksbegehren von unten daraus, dass auf Basis starker Prädispositionen von Meinungsführern Problemvorstellungen definiert werden, diese aber aus welchen Gründen auch immer, keinen Eingang in das politische System finden. Im Zuge der Professionalisierung der Kampagne wird das System zur Verarbeitung dieses Themas gezwungen.[26] Dabei ergeben sich qualitative Veränderungen und Selektion der Themen, welche auf die Einstellungen der Bürger rückwirken können.

Der nächste zu betrachtende Fall wären Meinungsbildungsprozesse von oben nach unten bei allgemein geringer Prädisposition in der Bevölkerung. In solchen direktdemokratischen Verfahren welche primär auf Initiative etablierter politischer Eliten zurückgehen, spielen Vermittlungsprozesse eine große Rolle. Ein häufiger Fall für die Entstehung eines solchen Verfahrens[27] wäre eine Blockade in den vorhandenen Repräsentativorganen. In diesem Fall wird der Meinungsbildungsprozess durch hierarchisierte und professionalisierte Akteure der Interessensartikulation gesteuert.

Eine besondere Rolle spielen dann gruppenspezifische Deutungsrahmen, welche unter anderem als Frame-Bridging-Konzept[28] bzw. Framing eingeführt wurden. Framing bedeutet, dass durch politische Eliten und Massenmedien Themen mit einem besonderen Interpretationsrahmen versehen und kommuniziert werden. David Snow benutzt den Begriff 'Frame' bzw. 'Framework' „to denote the schemata of interpretations that enable individuals to locate, perceive, identify, and label occurences meaningful, frames function to organize experience and guide action, whether individual or collective“.[29] Dieser Deutungsrahmen betont selektiv einzelne Komponenten eines Sachverhalts als veränderungswürdig und versucht so eine politische Problemvorstellung zu schaffen. Gleichzeitig mit der Definition des Problems wird der Bevölkerung ein Lösungsvorschlag unterbreitet. Es stehen aus Sicht der Initiatoren der Abstimmung also nicht Meinungsbildungsprozesse im Vordergrund, sondern Meinungsübernahme. Auf der Seite der Bürger wäre hier zu untersuchen inwieweit sie die hinter den Frames stehenden Interessen erkennen und bewerten. Entsprechend Zallers Theorie müssten diejenigen Bürger, die generell über ein hohes politisches Wissen und ausgeprägte Prädispositionen verfügen, eher in der Lage sein, einer Lenkung ihrer Meinungsbildung zu widerstehen. Problematisch ist ein solches Verfahren, weil es wesentlich weniger auf Fähigkeiten und Prädispositionen in der Bevölkerung zurück greift als das erstere. Damit verringern sich jedoch die gewünschten emanzipatorischen Effekte

Der dritte vorgeschlagene Fall ist der am schwierigsten voraus zu sagende und für die Forschung spannendste. Die Meinungsbildung entsteht hierbei in einer Interaktion aus politischen Eliten und Bürgern während der Kampagne. Durch die mangelnde Gerichtetheit der Einstellungen herrscht zu Beginn ein heterogenes Meinungsklima, Polarisierungen treten verstärkt auf. Nach Zaller wäre eine starke Anfälligkeit für Meinungsänderungen zu erwarten. Dies bedeutet eine starke Wirkung der Kampagnenaktivitäten, während individuelle Merkmale eine geringere Rolle spielen. Dabei ist es wichtig Netto- und Bruttobewegungen des Einstellungswandels zu unterscheiden. Die individuellen Meinungsänderungsprozesse spiegeln sich nicht zwangsläufig in den durch Meinungsumfragen ermittelten, gesamtgesellschaftlichen Trends wieder, d.h. es herrscht eine hohe Fluktuation individueller Meinungen. Analog Kriesis Ergebnissen, dass wenig prädisponierte Bürger trotz verfügbarer Informationen kaum stabile Einstellungen entwickeln konnten, spielt in diesem Szenario die Entwicklung von Deutungsmustern für die Wahrnehmung und Interpretation der öffentlich diskutierten Probleme eine Rolle.

Informationen können also nur aufgenommen werden, „if there is a developing format ready to accept it. Information that does not fit such a format goes unused“.[30] Gelingt es aber im Laufe der Kampagne Deutungsmuster zu entwickeln, die sowohl mit bereits vorhandenen Prädispositionen der Bevölkerung verträglich sind, als auch von politischen Eliten unterstützt werden, so stabilisieren sich Meinungen.[31] Extreme Meinungen neutralisieren sich dann im Zuge der Kampagne selbst. Anderenfalls ist ein Erfolg des Verfahrens direkter Demokratie im Sinne einer erfolgreichen Abstimmung eher unwahrscheinlich.

III Sind die Bürger glücklicher?

Der zweite Teil dieser Arbeit soll sich nun mit den Auswirkungen direktdemokratischer Verfahren unter Hinzuziehung der der Makroebene beschäftigen. Es gilt zu klären ob und wie sich auf längere Sicht das Verhältnis der Bürger gegenüber dem politischen System und politischen Verfahren ändert. Die Ausgangshypothese wäre, dass ein häufiger Einsatz direktdemokratischer Verfahren einerseits die gefühlte Responsivität des politischen Systems und Zufriedenheit der Bürger erhöht. Vor allem aber steigern jene Verfahren das Vertrauen der Bürger in ihre eigenen politischen Gestaltungsfähigkeiten. Um die Bedeutung der direktdemokratischen Verfahren deutlich zu machen, müssen sie mit anderen Einflussfaktoren der Systemzufriedenheit und Einflussüberzeugung verglichen werden.

In diesem Forschungsbereich bieten sich grundsätzlich zwei verschiedene Fragestellungen an. Zum einen wäre hier Gabriel Almond und Sidney Verbas Konzept der politischen Kultur zu nennen und zum anderen David Eastons Konzept der politischen Unterstützung.[32] Almond und Verbas Modell kann gewinnbringend zur Analyse der Gesamtheit aller Einstellungen der Bürger im politischen System und daran aufbauend zum Vergleich verschiedener (Teil-) Systeme eingesetzt werden. Ziel der beiden Autoren ist es, ein Analyseinstrument zu schaffen, mit welchem die Bedingungen erfasst werden können, unter denen demokratische Systeme stabil sind.[33] Der Nachteil des Konzeptes besteht jedoch darin, dass individuelle Einstellungsunterschiede innerhalb eines Systems nicht untersucht werden können. Deshalb bietet sich hier Eastons Modell der politischen Unterstützung und dessen Erweiterung durch den Efficacy Ansatz an. Obwohl auch Easton die Stabilität politischer Systeme untersucht, erlaubt das Konzept im Gegensatz zum Erstgenannten Aussagen darüber, warum Bürger eines Systems unterschiedliche Einstellungen entwickeln. Es handelt sich also um eine Kombination von Mikro- und Makroanalyse. Easton beschreibt ein politisches System als „a set of interactions, abstracted from the totality of social behavior, through which values are authoritatively allocated for a society“.[34] Das Konzept der politischen Unterstützung baut dabei auf Eastons umfassenderes Input-Output-Modell auf. Sowohl innerhalb der Institutionen repräsentativer Demokratie als auch in direktdemokratischen Verfahren geht es folglich darum, den Input aus der Systemumwelt in allgemeinverbindliche Entscheidungen, d.h. Outputs umzusetzen. Die Einstellungen und die Zufriedenheit der Bürger mit diesem Output beeinflussen in einem Rückkoppelungsprozess wiederum den weiteren Input. Dabei muss zwischen zwei Arten von Input unterschieden werden. Einmal die Ansprüche ans System und andererseits die Unterstützung des Systems.[35]

Die Ansprüche ans System werden im Kontext direkter Demokratie vor allem in einer Analyse der Beweggründe des Entstehens von Bürgerinitiativen bedeutend. Es geht in diesem Punkt also darum, wie Präferenzen und Erwartungen öffentlich formuliert, Bedürfnisse in Ansprüche transformiert werden. Easton meint hier, dass die Bürger in aller Regel nicht in der Lage sein werden ihre Forderungen direkt umzuwandeln, sondern auf Gatekeeper, d.h. professionelle Vermittler angewiesen sind. Dies würde sich im vorliegenden Fall darin zeigen, dass neu gegründete Bürgerinitiativen im Zuge der Abstimmungskampagne von Interessensgruppen und Parteien unterstützt werden.

Die zweite Art von Input ist die politische Unterstützung, „an attitude by which a person orients himself to an object either favorably or unfavorably, positively or negatively“.[36] Dabei unterscheidet Easton spezifische Unterstützung, eine von kurzfristigen Änderungen beeinflusste Outputbewertung, und diffuse Unterstützung, eine langfristig stabile, leistungsunabhängige Unterstützung. Beide Arten von Unterstützung ermöglichen dem politischen System überhaupt erst eine Konvertierung von Ansprüchen in Outputs. Generiert ein politisches System anhaltend Outputs, die den Ansprüchen der Bürger ans System entsprechen, steigt die wahrgenommene Systemlegitimität und Responsivität. Die politische Entfremdung nimmt wiederum ab. Direktdemokratische Verfahren stellen eine ganz besonders bürgernahe Form der Konversion von Ansprüchen in politische Entscheidungen dar. Bruno Frey beschreibt dies folgendermaßen: „In allowing citizens to participate in policy decisions, direct democracy bolsters civic virtues since the very system tells voters they are to be trusted. The institution of direct democracy represents a constitutional expression of trust in citi­zens, in contrast to the more familiar constitutional expressions of mistrust”.[37] Die Einübung staatsbürgerlicher Fähigkeiten durch direkte Demokratie stärkt also das gesamte politische System. An dieser Stelle bietet sich die Hinzunahme des Efficacy Ansatzes an. Während dieser Ansatz ursprünglich von Campell, Gurin und Miller noch eindimensional beschrieben wurde, „as the feeling that individual political action does have, or can have, an impact upon the political process“,[38] so wird in der neueren Forschung beispielsweise von Converse[39] und Craig[40] zwischen interner und externer Efficacy unterschieden. Die Abgrenzung und Operationalisierung des Konzeptes von Easton, speziell des Vertrauens bzw. der diffusen Unterstützung einerseits und des Efficacy Ansatzes andererseits wird von verschiedenen Autoren jedoch sehr unterschiedlich gehandhabt. Im hier vorliegenden Fall einer Studie Bowlers und Donovans wird primär der Grad politischer Entfremdung der Bevölkerung untersucht. Die Autoren betten ihre Studie jedoch in andere Untersuchungen zur politischen Unterstützung und politischem Zynismus z.B. von Hibbing / Theiss-Morse[41] und Hetherington[42] ein und übertragen ihre Ergebnisse recht allgemein auf die Einstellung von Bürgern zum politischen System. Eine Verkürzung von Einstellungsfragen allein auf interne und externe Einflussüberzeugung erscheint allerdings wenig zufrieden stellend. Eindrücklich nachgewiesen wurde diese Problematik beispielsweise von Craig, Niemi und Silver, welche zu dem Schluss kamen: „Traditional measures of political efficacy and trust often are maligned because of their apparent lack of validity and reliability. Items intended to tap one type of orientation actually tap another“.[43] Der theoretische Hintergrund erfordert folglich eine präzise gefasste und durch mehrere Fragen operationalisierte, empirische Untersuchung der beschriebenen Einstellungen. In der nachfolgenden Betrachtung soll Donovans und Bowlers Ansatz deshalb versuchsweise um Eastons Kategorien der Systemunterstützung erweitert werden. Es stellt sich die Frage ob die Ergebnisse Bowler und Donovans auch auf die diffuse Systemunterstützung übertragbar sind.

a) Analyse der politischen Unterstützung

Die beiden Autoren nutzen Umfragedaten über Einstellungen zu Institutionen der US Bundesstaaten und verbinden diese mit den Ergebnissen der American National Election Study aus dem Jahre 1992. Sie unterscheiden dabei Fragestellungen danach ob jene interne und externe Efficacy[44] messen. Interne Efficacy bezeichnet den Grad der Einflussüberzeugung und politischen Entfremdung der Bürger, während externe Efficacy sich auf die Responsivitätseinschätzung und politische Unterstützung bezieht. Die Variablen mit denen interne Efficacy operationalisiert wird, waren Fragen zur Einschätzung der Komplexität des Systems; dem Gefühl selbst qualifiziert zu sein, mitzugestalten; dem Selbstvertrauen ähnlich gute Arbeit leisten zu können und dem Gefühl besser als die meisten Bürger informiert zu sein.[45] Externe Efficacy wird bestimmt durch Variablen wie Gehör finden bei Regierenden und Interesse der Politiker an Wünschen des Volkes.[46] Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Autoren sich genau auf diese Variablen beschränkten, wären doch in der NES weitere Fragen verfügbar gewesen, welche von anderen Autoren zur Messung externer Efficacy verwendet werden. So zum Beispiel die Frage, ob man zustimmt, dass die gewählten Politiker den Kontakt mit der Bevölkerung verlieren oder ob der Befragte glaubt, dass sie nur an den Wählerstimmen, nicht aber an den Meinungen des Volkes interessiert sind.[47]

Die Gültigkeit ihrer Zweiteilung politischer Einstellungen überprüfen Bowler und Donovan durch eine Faktorenanalyse. Während die Frage nach der Überzeugung, dass Politiker auf die Bevölkerungsmeinung reagieren (0.84) und sich für die Volksmeinung interessieren (0.86) stark auf einen Faktor wirken, laden die Fragen nach den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten sich an Politik zu beteiligen auf einen zweiten Faktor (Faktorenwerte zwischen 0.63 und 0.83).[48] Nach diesem Nachweis zweier latenter Einstellungsmuster fassen Bowler und Donovan die jeweils 5 stufig ordinal skalierten Fragen zu zwei Indizes zusammen und unterziehen sie einer einfachen linearen Regressionsanalyse.[49] Es wurden drei verschiedene Typen unabhängiger Variablen getestet um die Rolle direktdemokratischer Verfahren im Verhältnis zu anderen Einflussfaktoren zu analysieren. Institutionelle Variablen beziehen sich auf die Häufigkeit von Verfahren direkter Demokratie, die letzten Präsidentschafts- und Senatswahlen sowie dem Zustand des divided government. Politische Einflussfaktoren waren die geäußerte Parteienidentifikation und die Einschätzung der Wirtschaftslage. Als dritter Punkt wurden soziale Merkmale wie ethnische Zugehörigkeit, Alter und Bildung erfasst.

Die wichtigsten Ergebnisse für die Untersuchung interner Efficacy sind die folgenden. Interne Efficacy ist bei jenen Befragten deutlich geringer, welche für den unterlegenen Kandidaten zu den letzten Wahlen gestimmt haben, keine Parteienbindung aufweisen und deren Geschlecht weiblich ist. Der Regressionskoeffizient lag für diese Variablen zwischen -1,24 und -0.934 bei einem Signifikanzniveau von 0,01.[50] Ein positiver Zusammenhang mit interner Efficacy ließ sich zur Häufigkeit der Anwendung direktdemokratischer Verfahren, einer Mitgliedschaft in der Republikanischen Partei und dem Bildungsgrad nachweisen.

Die Stärke des Zusammenhangs ist jedoch im Schnitt geringer, zwischen 0,0056 für die Häufigkeit direktdemokratischer Verfahren und 0,811 für den Bildungsabschluss. Jede Erhöhung des Bildungsgrads bewirkt damit einen internen Efficacy-Wert, der um etwa 8% über dem Durchschnitt liegt.[51]

Für die Verfechter der direkten Demokratie erscheint der geringe Einfluss der Häufigkeit direktdemokratischer Verfahren sicher sehr enttäuschend. Bowler und Donovan untersuchten mit einer vergleichenden nichtlinearen Regression, ob eventuell ein extrem häufiger Einsatz direktdemokratischer Verfahren, wie z.B. in Kalifornien, den Effekt umkehren und geringeres Vertrauen produzieren würde. Es zeigte sich, dass tatsächlich die Bürger Kaliforniens signifikant niedrigere interne Efficacy als Resultat direktdemokratischer Verfahren aufweisen, während sie in allen anderen Punkten dem Rest der Stichprobe entsprechen. Jedoch ergab ein Vergleich linearer und nichtlinearer Regression keine Unterschiede, der Zusammenhang war linear. Damit schreiben sich diese Bürger zwar eine niedrige Kompetenz zu, aber wie die Autoren feststellen „there is no evidence that initiative use has reached levels that have a negative impact on our measure of efficacy“.[52] Folglich lässt sich festhalten, dass zwischen dem Einsatz direktdemokratischer Verfahren und interner Efficacy durchaus ein Zusammenhang besteht. Ein einzelnes Verfahren direkter Demokratie bewirkt jedoch nicht sofort eine höhere Zufriedenheit. Vielmehr kommt es auf eine häufige Anwendung über einen längeren Zeitraum, d.h. die kumulativen Effekte an. Bowler und Donovan verweisen hier darauf, dass ein Befragter in Kalifornien um knapp 1,3 Punkte (232 Initiativen * 0,0056 = 1,29) über dem Mittelwert[53] (11,3) des Efficacy-Index der Gesamtstichprobe liegen würde. Auch wenn die Teilnahme an allen jemals abgehaltenen Abstimmungen und damit die Gültigkeit jener Rechnung von den Autoren etwas konstruiert ist, ergibt sich somit doch ein bis zu 10% höherer Kompetenzwert für einen Bürger eines stark direktdemokratischen Staates gegenüber einem Staat ohne unmittelbare Bürgerbeteiligung. Ein zuviel an direkter Demokratie kann es nach diesen Ergebnissen jedenfalls nicht geben, da mit verschiedenen Messungen selbst für den Staat mit den häufigsten Volksabstimmungen nur lineare Zusammenhänge erkennbar waren.

Nachdem also die durchaus positiven Effekte direktdemokratischer Verfahren auf die gefühlte Kompetenz der Mitwirkung an politischen Entscheidungen gezeigt wurden, stellt sich die Frage inwieweit auch die externe Efficacy durch die drei Gruppen institutioneller, politischer und sozialer Einflussfaktoren bestimmt wird. Es zeigt sich, dass die Responsivitätsüberzeugung in einem mittelstarken, negativen Zusammenhang zur Wahl des unterlegenen Kandidaten (-0,377), dem Vorhandensein geteilter Regierung (-0,436) und einer schlechten wirtschaftlichen Lage (-0,143) steht.[54] Dieser Punkt offenbart den weiterhin beträchtlichen Einfluss der vorhandenen Institutionen des politischen Systems. Die Gewinner verfügen über eine positivere Einstellung als die Verlierer, genauso wie Bewohner jener Staaten, in denen Exekutive und Legislative an einem Strang ziehen. Positiv auf den Index externer Efficacy wirkt in erster Linie der Bildungsgrad mit 0,128. Wiederum ist also eine hohe Bildung ein verlässlicher Faktor zur Prognose einer hohen Responsivitätsüberzeugung. Betrachtet man die Antworten auf die einzelnen Fragen finden sich noch signifikante Ergebnisse für die Mitgliedschaft bei den Republikanern (0,342; Einschätzung des Interesses der Politiker) und bei weiblichen Befragten (0,159; Interesse der Politiker). Insgesamt spielen Geschlecht, Alter und Parteienbindung eine wesentlich geringere Rolle.

Genau wie in der Analyse interner Efficacy existiert auch hier ein schwacher positiver Zusammenhang (0,0026) mit dem Vorhandensein direktdemokratischer Verfahren. Ein Befragter in einem Staat mit sehr häufigem Einsatz von Volksabstimmungen würde nach Bowler und Donovans Rechnung damit 0,603[55] Punkte, d.h. 11% über dem Index-Mittelwert (5,4)[56] der Gesamtstichprobe liegen. Aus diesen Resultaten ziehen Bowler und Donovan den optimistischen Schluss, dass Verfahren direkter Demokratie nicht nur die gefühlte eigene Kompetenz und Responsivitätsbewertung der Bevölkerung steigern, sondern, dass sich daraus sogar bürgerschaftliches Engagement, also ein aktives Einbringen in politische Prozesse ergeben kann. Dieser Optimismus ist insofern überzogen, als dass Bildung und nicht direktdemokratische Verfahren stark auf die Efficacy Werte wirkt. Soll in einem politischen System jedoch Partizipation gesteigert und die dafür nötigen Befähigungen aufbaut werden, ist es wesentlich einfacher mehr direktdemokratische Verfahren zu etablieren als den Bildungsstand der Bevölkerung zu erhöhen. Das Verfahren selbst, ist diejenige Variable, welche sich am leichtesten in praktischer Politik verändern ließe, es brauchen nur die Eingangshürden und Quoren für eine Initiative gesenkt werden. Unter diesem Gesichtpunkt sind die Ergebnisse tatsächlich ein Grund zum Optimismus, „that the use of state-level initiatives may contribute to American democracy generally by instilling a greater sense that citizens have the ability to shape what their governments do”.[57]

b) Weitergehende Betrachtungen

Zur Bewertung der von Bowler und Donovan vorgelegten Ergebnisse sollen nun vergleichend ähnliche Studien betrachtet und Eastons Kategorien hinzugezogen werden. Der Zusammenhang und speziell die angenommenen kumulativen Effekte von direktdemokratischen Verfahren auf beide Efficacy Skalen wurde von Gilens / Glaser / Mendelberg untersucht. „The lack of association between cumulative number of propositions and efficacy is inconsistent with Bowler and Donovan who report a significant relationship based on similar analyses of the 1992 NES”[58] so die Autoren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es doch keinen positiven Zusammenhang zwischen direkter Demokratie und Efficacy Werten gibt. Die Gründe für diese Abweichungen liegen in der Medienberichterstattung als intervenierende Variable. Bowler und Donovan haben in vorangegangenen Untersuchungen[59] durchaus die Rolle von Medienberichterstattung registriert, insofern ist es unverständlich weshalb sie in der hier vorgelegten Studie nicht berücksichtigt wurde.

Es genügt also nicht, dass ein Bürger in einem Staat lebt, in welchem Verfahren direkter Demokratie verfügbar sind. Sondern es muss eine massenmedial vermittelte, öffentliche Debatte über die Abstimmungsvorlagen entstehen. Erst wenn darüber gesprochen wird, dass und wie Bürger am politischen Prozess beteiligt werden entstehen die gewünschten Emanzipationseffekte. Gilens, Glaser und Mendelberg zeigen: „With the individual and state- level characteristics[60] above held constant, we find that state-specific media coverage (our measure of publicity) is related to two of the five efficacy variables, and to the five-point efficacy scale”.[61] In Staaten mit hohem Anteil von Medienberichterstattungen über zur Abstimmung stehende Vorlagen haben die Befragten signifikant höhere Efficacy Werte (0,64)[62] als in Staaten in denen dies nicht geschah. Dieser Befund eines deutlichen Medieneinflusses bringt wiederum den Fokus zurück auf die im Teil II bereits angesprochenen Meinungsbildungsprozesse unter dem Einfluss der Nutzung von Massenmedien. Medienwirkung verläuft nachweislich differenziell,[63] damit müssten sich zugleich individuelle Unterschiede in der Meinungsbildung nicht nur auf Kontakte mit dem politischen System zurückführen lassen sondern auch das Mediensystem einbeziehen. Unter diesem Gesichtpunkt wäre es sinnvoll Meinungsforschung in einem Methodenmix aus quantitativer Inhaltsanalyse und Befragung zu betreiben.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie war der Zusammenhang der Kompetenzzuschreibung und Responsivitätseinschätzung mit den institutionellen Variablen, speziell der letzten Wahlentscheidung. „Losing an election and being in the minority means that one’s political preferences were outvoted by the majority of voters. Thus, it is plausible to postulate that the winner-loser distinction affects people’s sense of whether they have a say in the political system and whether the political system is responsive to citizens’ needs”.[64] Diese Annahme wurde von Bowler und Donovan bestätigt. Sie deckt sich jedoch nicht mit einer ähnlichen Studie Andersons, welche auf dem ISSP Datensatz von 1996 basiert. In einem Ländervergleich konnte dort zwar nachgewiesen werden, dass Gewinner positivere Einstellungen hatten, diese bezogen sich jedoch nicht primär auf Efficacy Bewertungen, sondern auf die Fragen nach Performanz und einer Einschätzung der Macht der Regierenden. Auch zeigen sich im Ländervergleich Unterschiede. Während in Deutschland die Gewinner- / Verlierer-Position mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,09 lediglich einen geringen positiven Zusammenhang mit externer Efficacy aufweist, so wirkt diese Variable bei Japanern (-0,12) auf die interne Efficacy und in Großbritannien auf beide Einstellungsmuster (interne 0,21, externe 0,09)[65]. Es scheint folglich im Ländervergleich keinen systematischen Zusammenhang zu geben. Möglicherweise spielt neben kulturellen Faktoren die Ausrichtung des Systems zu konsensdemokratischen oder konkurrenzdemokratischen Verfahren eine Rolle. Unter einem Regierungssystem, welches sehr Konsens orientiert arbeitet und zusätzlich direktdemokratische Verfahren ermöglicht, ist die Kluft zwischen Verlierern und Gewinnern geringer als in einem System einer starken Mehrheit, ohne zwischenzeitliches Korrektiv durch Volksabstimmungen. Anderson und Guillory dazu: „We might expect the gap in satisfaction with democracy between winners and losers to increase over time if those in the minority never become the majority“.[66]

Einer der Werte, welcher sich am deutlichsten auf die Efficacy Bewertungen auswirkte war der Bildungsgrad. Jede Erhöhung des Bildungsgrads bewirkt in Bowler und Donovans Untersuchung einen internen Efficacy – Wert, der um etwa 8% über dem Durchschnitt liegt. Emanzipative Effekte durch direkte Demokratie sind folglich am besten zu gewinnen, wenn ein hohes Bildungsniveau in der Bevölkerung gefördert wird. Es stellt sich die Frage inwieweit sich Bildung auch auf diffuse Systemunterstützung auswirkt. Es wäre anzunehmen, dass höher gebildete Bürger nicht nur ihre eigenen Fähigkeiten an Politik mitzuwirken höher einschätzen, sondern dass eine hohe Responsivitätsüberzeugung auch mit starker Demokratiezufriedenheit einher geht. Anderson untersucht in einem Ländervergleich die Auswirkungen von Bildung auf Demokratiezufriedenheit. Er stellt aber überraschenderweise fest, dass nur in zwei Ländern ein signifikanter[67] Zusammenhang bestand, und zwar in Dänemark (0,01) und Frankreich (0,016).[68] Allerdings liegt die generelle Zustimmung zur Demokratie in allen Bevölkerungsgruppen westlicher Industriestaaten bereits auf hohem Niveau.

Problematisch ist an Bowler und Donovans Studie die Auswahl der Fragen zur Bildung der beiden Indizes. Sowohl Gilens wie auch Craig[69] in seiner Pilotstudie zum NES Datensatz zeigen, dass sowohl die Frage des Gehörfindens bei den Regierenden als auch das Interesse an den Wünschen des Volkes, welche hier als externe Efficacy Variable verwendet wurde, sich in einigen Tests auch auf interne Efficacy auswirken können. Es gäbe bessere Fragestellungen zur Bildung der Indizes, welche allerdings momentan nur zum Teil in Befragungen erfasst werden. Für den Bereich interne Efficacy bietet es sich laut Craig, Niemi und Silver[70] an, neben der Frage zur eigenen Qualifikation der Teilnahme an Politik, dem Verstehen politischer Prozesse, und der Überzeugung ähnlich gut in einem öffentlichen Amt bestehen zu können, auch danach zu fragen, ob man glaub, dass Andere es leichter hätten, politische Prozesse zu verstehen, sowie ob man sich wohl und sicher fühlt, mit Anderen über Politik zu sprechen. Zur Erfassung externer Efficacy bietet es sich an zwischen responsiven Verfahren und Personen bzw. Institutionen zu unterscheiden.[71] Faktorenanalysen von Craig, Niemi und Silver legen nah, dass es sich hierbei um zwei verschiedene Einstellungsmuster handelt. Prozess-basierte externe Efficacy lässt sich durch mehrere Fragen erfassen. Es gibt legale Einflussmöglichkeiten der Bürger auf das, was die Regierung tut; einige wenige Personen haben die politische Macht und wir als Rest haben wenig zu sagen; Wahlen sind ein effektiver Weg der Einflussnahme; unter unserer Regierungsform haben die Bürger das letzte Wort, sowie die Frage ob man glaubt, dass sich bei Regierenden Gehör verleihen kann. Personen-basierte Efficacy ist erfassbar durch Fragen ob die Regierenden Interesse an den Meinungen der Bürger haben, ob Kandidaten nur an Wählerstimmen, aber nicht an Meinungen interessiert sind; ob man glaubt dass Politiker anstatt die Diener des Volkes zu sein, sich als Herren fühlen; bzw. ob jene schnell den Kontakt mit dem Volk verlieren würden. Auch wenn vermutlich nicht all diese Fragestellungen in der Praxis abgefragt werden können, so ist doch sichtbar, dass eine Verwendung mehrerer Variablen zur präziseren Analyse von Einstellungsmustern hilfreich wäre. Auch in der Verwendung vorhandener Datensätze wie ISSP, NES oder Eurobarometer ist eine hohe Ausschöpfung des Materials wünschenswert.

Da der Großteil der bisher aufgeführten Daten sich vorrangig auf Untersuchungen in den USA berief sollen nunmehr vergleichend noch einige Ergebnisse aus Deutschland hinzugezogen werden. Es zeigt sich in der ISSP Studie von 1996, dass ostdeutsche Befragte in allen Fragen der beiden Efficacy-Skalen unterdurchschnittliche Werte aufweisen, während Westdeutschland nur in einigen Punkten darunter liegt und in den USA teilweise überdurchschnittlich hohe Raten erzielt werden.[72] So glauben nur 13,1% der Ostdeutschen Einfluss auf die Politik zu haben, während 19,0% der Westdeutschen und 32,2% der Amerikaner dieser Meinung sind.[73] Dass Wahlen Einfluss auf die Regierung ausüben denken 70,6% der Westdeutschen, 75,6% der Amerikaner, aber nur 58,9% der Ostdeutschen. Damit liegen diese weit unter dem Durchschnitt der Industrieländer von 69,5%.[74] Der Glaube daran, ein gutes Verständnis wichtiger politischer Probleme zu haben, liegt in den USA bei 55,5%, in Westdeutschland bei 40,7% und in Ostdeutschland bei 36,3%. Damit liegen beide Teile Deutschlands in ihrer Kompetenzzuschreibung deutlich unter dem Durchschnitt von 52,2%.[75] Die Schweiz als interessantestes Vergleichsland wurde leider nicht in der Studie erfasst.[76] Eastons Kategorie der diffusen Systemunterstützung, gemessen als Antwort auf die Frage nach der Zufriedenheit mit der Demokratie ergibt relative Unzufriedenheit in Ostdeutschland (60,3%). In Westdeutschland bekündeten 83,2% der Befragten Zufriedenheit mit der Demokratie, während es in den USA lediglich 71,3% waren.[77] Die im Vergleich niedrige Zufriedenheit der Ostdeutschen erklärt sich jedoch als Folge der Wiedervereinigung und nicht als Effekt direkter Demokratie.

Befragt man die Deutschen, ob sie glauben, dass Volksabstimmungen ein notwendiger Bestandteil direkter Demokratie sind, so ergibt sich eine überwältigende Zustimmung von 90%, wobei 54% der Bürger voll und 36% eher zustimmen.[78] Dementsprechend äußern sich auch 55% der Deutschen dagegen, Politik den Volksvertretern zu überlassen. Daran, dass jedoch knapp über 10% der Befragten der Meinung sind, man solle Politik den Volksvertretern überlassen und weitere 30% dem eher zustimmen, zeigt sich dass am ehesten ein Mischsystem aus repräsentativer und direkter Demokratie Einvernehmen fände.[79]

Interessant ist unter dem Gesichtspunkt direkter Demokratie im Verhältnis zu repräsentativem Regieren ist auch ein ähnliches Ergebnis der Forschungen Hibbings und Theiss-Morse.

Die beiden Autoren behaupten, dass die Bürger zwar unzufrieden damit sind, aus dem politischen Geschehen ausgeschlossen zu sein, dies jedoch nicht bedeutet, dass sie nur direkte Demokratie wünschen. Vor allem deliberativen, stark involvierenden Beteiligungsverfahren erteilen Hibbings und Theiss-Morse eine Absage. Die Untersuchung von Fokusgruppen nach Stadtversammlungen ergab primär negative Einstellungsänderungen. „Well to me, all it is is more or less a fight... a big argument. You get quarreling and a big hubbub”,[80] so eine der Beteiligten. Stattdessen rücken die Autoren die Bedeutung des politischen Prozesses in den Vordergrund. Eine repräsentative Umfrage[81] zeigte, dass die Diskrepanzen zwischen gewünschten Verfahren und wahrgenommenen Abläufen politischer Prozesse als sehr hoch (sogar höher als im Policy Bereich) wahrgenommen werden. Auf einer siebenstufigen Skala von direkter zu repräsentativer Demokratie beträgt die durchschnittliche Abweichung des Bevölkerungswunsches von der Realität 2,1 Punkte[82] hin zu mehr direkter Demokratie. Trotzdem wird eine reine direkte Demokratie nicht gewünscht, die überwiegende Mehrzahl der Befragten tendiert zur mittleren Position. „People want decision making to be a balance between elected officials and ordinary people”, so die Autoren.

IV Resümee

Die hier vorgelegten Studien zeigen zu allererst einmal, dass die Befürchtungen des Scheiterns aufgrund kognitiver Inkompetenz weit übertreiben sind. Von direkter Demokratie profitieren die Bürger durch ein potentiell höheres Vertrauen in ihre eigenen politischen Fähigkeiten gleichermaßen, wie das bestehende politische System, welches an Vertrauen und Responsivität gewinnt. Eine hoher Bildungsgrad der Bevölkerung ist sowohl für die allgemeine Zufriedenheit mit Politik förderlich, als auch für einen gewinnbringenden Umgang mit einer spezifischen Abstimmungsvorlage. Die Ergebnisse sollten weiterhin als Plädoyer verstanden werden, solche Themen zur Sprache zu bringen, welche auf Prädispositionen und Fähigkeiten der Bürger aufbauen und eine breite mediale Öffentlichkeit interessieren. Es haben sich drei verschiedene Merkmalstypen heraus kristallisiert, welche Meinungsbildungsprozesse beeinflussen. Zum einen wären da individuelle Merkmale, allen voran Bildung. Zweitens spielen politische Ereignisse und Strukturen eine Rolle. Erstere wirken eher auf kurzfristige Meinungen, während die politischen Institutionen vor allem langfristig prägend wirken. Und drittens kristallisierte sich eine bedeutende Rolle der Medien heraus. Die Stärke ihrer Nutzung, die inhaltliche Beschäftigung mit einer Vorlage und die Richtung der geäußerten Meinung prägen kognitive Prozesse. Zusammen betrachtet ermöglichen diese Prägefaktoren gewinnbringende Analysen von Einstellungsprozessen im Zusammenhang mit Verfahren direkter Demokratie.

Ein bereits mehrfach angesprochenes Problem, ist die Ausrichtung der Modellentwicklung der vergleichenden Einstellungsforschung auf repräsentative Regierungsformen. Die hier verwendeten Modelle z.B. Zallers und Eastons wurden vor eben jenem Hintergrund entwickelt und in dieser Arbeit auf direktdemokratische Verfahren übertragen. Darüber hinaus fehlt es an systematischen, empirischen Studien zu Einstellungsveränderungen im Zuge von Verfahren unmittelbarer Bürgerbeteiligung. Für die direkte Demokratie in der Schweiz ist die Datengrundlage in Form von Fallstudien sicher noch am besten, bei Volksentscheiden in anderen Ländern geringer und für neuartige Verfahren wie z.B. Planungszellen und Bürgerhaushalte so gut wie nicht existent. Diese Forschungslücke erklärt sich vor dem Hintergrund der geringen Bedeutung - sowohl quantitativ als auch qualitativ - die solchen Verfahren zugeschrieben wird. Für die Befürworter eines Ausbaus direkter Demokratie bedeutet dies, im Normativen verhaftet zu bleiben, ohne empirische Beweisführung, dass die gewünschten positiven Effekte auch tatsächlich eintreten.

Für die Politikwissenschaft erschwert es die 'alten' Modelle und Theorien an neuen Gegebenheiten zu testen und nach Modifizierungsbedarf zu suchen. Systematische Tests, sowohl in Querschnitts- als auch Längsschnittsanalysen auf Aggregatsebene, sowohl Panelbefragungen und Inhaltsanalysen auf Individualebene sind deshalb von Nöten. Widersprüche und Fehler in den Daten lassen sich durch intensivere Beschäftigung gewiss ausräumen. Im Moment deutet vieles darauf hin, dass direkte Demokratie allen Beteiligten mehr nutzt als schadet. Dabei geht es nicht darum Institutionen zu ersetzen, sondern direkte Demokratie an geeigneten Punkten zu integrieren. Den Befürwortern direkter Demokratie wird eine breitere empirische Basis sicher schlagkräftige Beweise liefern, dass tatsächlich gewöhnliche Menschen ungewöhnliche Fähigkeiten entwickeln können.

V Quellen

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[...]


[1] Harry Emerson Fosdick (1878-1969), www.zitate.de, Zitat-Nr.: 1826.

[2] zit. in Kriesi 2002, S.171.

[3] Im Falle der USA kommen noch einige Sonderformen wie recall und town meeting hinzu

[4] Ausnahmen wären vor allem Bowler, Donovan und Craig.

[5] Zaller 1991, S. 1217.

[6] Die Theorie der kognitiven Dissonanz geht zurück auf Leon Festinger und wurde von Zaller auf politische Kommunikation übertragen. Zu Festinger siehe Strohmeier 2004, S. 187ff.

[7] Siehe Maurer 2004, S.141.

[8] Zaller 1992, S.6.

[9] Kriesi 2002, S.174.

[10] Gerhards 1993, S. 17.

[11] Kriesi 2002, S.174.

[12] Zur Ermittlung der anfänglichen Prädisposition stellte Kriesi 20 Wissensfragen aus dem Bereich Umweltschutz und teilte entsprechend der Anzahl richtiger Antworten die Stichprobe in 5 gleiche Gruppen (wenig prädisponiert bis stark prädisponiert) ein. Es wurde also angenommen, dass Wissen um ein Thema starkes Interesse in diesem Bereich reflektiert. Diese Reduktion von Prädisposition auf Vorwissen ist nicht unproblematisch (diffuse Wertorientierung und Alltagsroutinen werden damit vernachlässigt), im Sinne eines handhabbaren Untersuchungsdesigns aber sicherlich zulässig.

[13] Kriesi 2002, S. 177, Fig.1.

[14] Kriesi 2002, S. 179, Fig. 2.

[15] d.h. Bürger mit geringem Problembewusstsein.

[16] Kriesi 2002, S. 178.

[17] Kriesi 2002, S. 179, Fig.3.

[18] Kriesi 2002, S. 182.

[19] Sie wird zumindest nicht im Rahmen seiner Analyse erwähnt.

[20] Siehe dazu Gerhards Ausführungen zu den kognitionspsychologischen Fallstudien Piagets, welche aufgrund fehlender Varianz in den Stufen der Intelligenzentwicklung solche Schlüsse zulassen. Ein solcher Fall liegt hier m.E. jedoch nicht vor. Gerhards 1993, S.17.

[21] Dies stellt bei speziell Befragungen ein Problem dar, indem unrichtige Angaben gemacht werden.

[22] Strohmeier 2004, S. 217.

[23] Noelle-Neumann 1996, S. 334. Allerdings ist Noelle-Neumanns Fokus im Gegensatz zu Lazarsfeld nicht individualpsychologisch, sondern auf der Systemebene.

[24] Strohmeier 2004, S. 188.

[25] Diese Unterscheidung beruht auf Lazarsfelds Modell des Two-Step Flow of Communication.

[26] Oder um mit David Easton zu sprechen: die Themen- und Meinungsdefinitionen der politischen Öffentlichkeit (input) soll im System verarbeitet (conversion) werden. Mehr zu Eastons Konzept siehe Teil III.

[27] Sofern es nicht eine per Verfassung festgelegte Pflichtabstimmung ist.

[28] Gerhards 1993, S. 107.

[29] Zit. In Gerhards 1993, S. 125.

[30] Baringhorst 1998, S. 17.

[31] Siehe Wolling 2001, S. 33. Wolling zeigt, dass Interpretationshilfen der Medienberichterstattung und grundlegende politische Einstellungen im Rahmen eines kognitiven Konstruktionsprozesses konmsonante Meinungen zu speziellen Themen bilden.

[32] Das Problem mit beiden Konzepten ist, dass es wie fast alle politikwissenschaftlichen Analyseinstrumente auf repräsentative Systeme und nicht direktdemokratische Verfahren ausgrichtet sind.

[33] Almond / Verba 1963, S.12ff.

[34] Easton, 1965, S. 57.

[35] Easton, 1965, S. 112f.

[36] Easton 1975, S. 436.

[37] Zit. In Bowler / Donovan 2002, S.377.

[38] siehe Campel / Gurin / Miller 1954, S. 187.

[39] Siehe Converse 1972, S. 270ff.

[40] siehe Craig / Niemi / Silver 1990, S. 290 und 302ff.

[41] siehe Theiss-Morse / Hibbing 2001, S. 1-4.

[42] Siehe Hetherington 1999, S. 311f.

[43] Craig / Niemi / Silver 1990, S. 289.

[44] In der hier vorliegenden Arbeit soll der Begriff der Efficacy statt einer Übersetzung gebraucht werden, da dies zum einen auch in der deutschen Literatur üblich ist und zum anderen der ebenfalls gebräuchliche Begriff Effektivität zu sehr eine Kosten-Nutzen-rationale Leistungsbewertung statt Einstellungen suggeriert.

[45] Sometimes politics and government seem so complicated that a person like me can’t really understand what’s going on ; I consider myself well qualified to participate in politics; I feel that I could do as good a job in public office as most other people; I feel that I am better informed about politics than most people.

[46] People like me don’t have any say about what the government does; I don’t think public officials care much what people like me think.

[47] Eine Faktorenanlyse mit Varimax Rotation analog derer Bowler / Donovans ergibt für die 1987 NES eine Faktorenladung von 0,63 für Kontaktverlust und 0,51 für Wählerstimmen auf den externe Efficacy Index. Siehe Craig / Niemi / Silver 1990, S. 293.

[48] Bowler / Donovan 2002, S. 390b. Varimax Rotation. Der Anteil erklärter Varianz der Variablen liegt bei 41,5% des Faktors interne efficacy und 24,1% für den Faktor externe efficacy.

[49] OLS-Regression (Kleinste Quadrate Schätzer).

[50] alle Werte Bowler / Donovan 2002, Tab. 1, S. 386f.

[51] Bowler / Donovan verwenden ordinalskalierte Daten. Die Erhöhung um ca. 8% muss daher nicht zwischen allen Abschlüssen (z.B. 3 High School zu 4 nicht abgeschlossenes College vs. 5 AA zu 6 BA) gleich ausfallen.

[52] Bowler / Donovan 2002, S. 384.

[53] Interne efficacy Index – Mittelwert 11,3; Extrema 4-20; Standardabweichung 3,9.

[54] alle Werte Bowler / Donovan 2002, Tab. 2, S. 388. Das Signifikanzniveau lag abermals bei 0,01.

[55] 232 Initiativen * 0,0026 = 0,603.

[56] externe efficacy Index – Mittelwert 5,4; Extrema 2-9; Standardabweichung 1,7.

[57] Bowler / Donovan 2002, S. 389.

[58] Gilens / Glaser / Mendelberg 2002, S. 11.

[59] z.B. Bowler / Donovan 1998.

[60] Dies sind genau jene 3 Variablen, nach denen auch Bowler und Donovan unterscheiden.

[61] Gilens / Glaser / Mendelberg 2002, S. 20.

[62] OSL Regressionskoeffizient einer 5 stufigen efficacy Skala, Standardfehler 0.31, Signifikanzniveau 0.05. siehe Gilens / Glaser / Mendelberg 2002, S. 21.

[63] Siehe dazu Maurer 2003 und dessen Analysen von Medienwirkung unter dem Zustand konsonanter (d.h. in allen Medien gleich gerichtete) und nichtkonsonanter Medienberichterstattung. Da konsonante Berichterstattung der äußerste Ausnahmefall in westlichen Demokratien ist, existieren in aller Regel auch keine universellen Medienwirkungsprozesse. Dies verkompliziert leider die Anwendbarkeit aggregierter Daten.

[64] Anderson / Tverdova 2001, S. 325.

[65] Alle Daten Anderson / Tverdova 2001, Tab. 1, S. 332. Tau-b Korrekation, Signifikanzniveau 0,001.

[66] Siehe Anderson / Gulliory 1997, S. 79.

[67] Niveau 0,05

[68] Anderson / Guillory 1997, S. 74.

[69] Gilens / Glaser / Mendelberg 2002, S. 9, Craig / Niemi / Silver 1990, S. 309.

[70] Alle Frageformulierungen aus Craig / Niemi / Silver 1990, S. 303.

[71] Regime based efficacy versus incumbent efficacy.

[72] ISSP 1996, eigene Berechnungen. Befragte, die antworteten agree & agree strongly.

[73] ISSP 1996, eigene Berechnungen. Mittelwert aller Industrienationen 25,6%, Standardabweichung 9,8.

[74] ISSP 1996, eigene Berechnungen. Standardabweichung 8,0.

[75] ISSP 1996, eigene Berechnungen. Standardabweichung 13,1.

[76] Es stand mir auch leider kein ähnlicher Datensatz zur Verfügung, welcher diese Daten geliefert hätte.

[77] ISSP 1996, eigene Berechnungen. Mittelwert aller Industrienationen 78,,6%, Standardabweichung 9,8.

[78] Eigene Berechnung Allbus 2002, Var. 25 f.

[79] Eigene Berechnung Allbus 2002, Var. 25 c.

[80] Hibbing / Theiss-Morse 200a, S. 246.

[81] Gallup, 12253 Befragte.

[82] Hibbing / Theiss-Morse 2001b, S. 148. Die Fragestellung zur Präferenz lautete: Imagine a seven point scale with 1 being ordinary people making all decisions on their own and 7 being elected officials and bureaucrats making all political decisions on their own. How do you think the government should work / does actually work?

Details

Seiten
30
Jahr
2005
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111249
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Meinungsbildungsprozesse Zusammenhang Verfahren Demokratie

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Titel: Meinungsbildungsprozesse im Zusammenhang mit Verfahren direkter Demokratie